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Autor: Thomas Weyrauch / 01. Februar 2010, 13:42 Uhr

Cryosat 2 in Kasachstan operiert

Die Startvorbereitungen des europäischen Erdbeobachtungssatelliten Cryosat 2 in Baikonur laufen. Dabei können durchaus Überraschungen auftreten, wie die europäische Weltraumagentur ESA am 29. Januar 2010 berichtete.

Quelle: ESA
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ESA

Bild vergrößernDatenantenne am Satelliten Cryosat 2
(Bildausschnitt: ESA)
ESA

Bild vergrößernBlick mit dem Endoskop in den Wellenleiter
(Bild: ESA)
Bei den Vorbereitungen des Satelliten musste man die Hilfe einer ortsansässigen Medizinerin in Anspruch nehmen, um ein Problem mit einer Sendeantenne zu lösen. Die Antenne, im konkreten Fall ein sogenannter Aperturstrahler, der dazu dienen soll, erfasste Messergebnisse zur Erde zu senden, fiel im Testprogramm durch wechselnde Leistung auf, die manches Mal bis auf ein Tausendstel des erwarteten Wertes abfiel.

Da dafür eine zu hohe elektrische Leistung verbraucht wurde, schloss man, dass sich im Satelliten ein Ort mit einer außergewöhnlichen Wärmeentstehung finden lassen müsste. Personal des Kosmodroms Baikonur stellte eine Wärmebildkamera zur Verfügung, um nach der vermuteten Wärmequelle suchen zu können. Im äußerern Bereich der Antenne selbst wurde man jedoch nicht fündig.

Man fand aber bei der Untersuchung des hinteren Teils des Satelliten eine außergewöhnliche Erwärmung an einem Bauteil, das Waveguide (engl. für Wellenleiter) genannt wird, einem elektrisch leitenden Rohr, das von der Sendeschaltung im Inneren des Satelliten zu der Antenne führt. Deshalb demontierte man die Antenne, und warf, nachdem man Unterstützung aus dem nächsten Krankenhaus in Form einer mit einem Endoskop ausgerüsteten Medizinerin bekommen hatte, einen Blick in den Wellenleiter.

Hier wurde man tatsächlich fündig. Nach mehreren Stunden war klar, dass zwei Objekte an Positionen lagen, an die sie nicht gehörten. Die Medizinerin Tatjana Sykowa konnte eines der suspekten Objekte entfernen. Es handelte sich um ein Stück Ferrit, ein magnetisches Material. Das verbliebene Teil konnte man anschließend mit einem mit einem Magneten versehenen Werkzeug, das von Mitgliedern der Astrium-Arbeitsgruppe vor Ort improvisiert wurde, angeln. Einem der Stücke ist deutlich anzusehen, dass es sich erheblich erwärmte, als es Sendeenergie absorbierte.

ESA

Bild vergrößernEin Ferrit-Bruchstück mit Spuren durch Erwärmung
(Bild: ESA)
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Bild vergrößernTatjana Sykowa erhält verdienten Applaus.
(Bild: ESA)
Es wird davon ausgegangen, dass sich die beiden Objekte während des Transports des Satelliten innen von der Antenne gelöst haben. Beim Transport zeigte die betroffene Antenne nach oben. Als der Satellit in Baikonur dann um 180 Grad gedreht wurde, fielen die beiden Teile, die sich gelockert hatten, in Positionen im Wellenleiter, in welchen sie die Übertragung der Sendeleistung zur Antenne beeinflussten. Die Bedingungen beim Flugzeugtransport von Cryosat 2 in einer Antonow zwischen München und Baikonur sind vermutlich nicht Ursache für das Malheur. Die Fahrt mit dem Lastkraftwagen vom Flughafen zum Kosmodrom dagegen war trotz einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 15 Stundenkilometer sehr holprig.

Damit das in der Konstruktion verbliebene Ferrit nicht dadruch wieder Probleme versucht, dass sich weitere Bruchstücke lösen, entfernte man das Material vollständig. Dafür entwickelte der Hersteller der Antenne über Nacht entsprechende Anweisungen, die man erfolgreich nachvollziehen konnte.

Die zerlegte und neu montierte Antenne wird auch ohne das Ferrit zuverlässig und mit ausreichender Leistung funktionieren, ist man sich sicher. Der Starttermin von Cryosat 2 wurde nicht verschoben, der Start ist weiterhin für den 25. Februar 2010 vorgesehen und soll um 14:57 Uhr MEZ erfolgen.

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