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Autor: Raumfahrer.net Redaktion / 02. Februar 2021, 10:56 Uhr

HyImpulse: Raketenstart im Spätsommer

HyImpulse Technologies GmbH kündigt ersten Testflug einer Rakete eines deutschen New-Space-Unternehmens bis September 2021 an. 2023 soll die erste zivile Träger-Rakete Satelliten ins Weltall bringen. Ziel: 2030 mehr als 30 Starts deutscher Raketen ins All mit der sichersten und günstigsten Antriebstechnik. Entwicklung und Fertigung in Baden-Württemberg. Eine Pressemitteilung von HyImpulse.

Quelle: HyImpulse
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HyImpulse

Bild vergrößernTrägerrakete von HyImpulse auf der Startrampe - Illustration.
(Bild: HyImpulse)
Neuenstadt am Kocher, 2. Februar 2021. Deutschland und Europa sollen in der Raumfahrt am Ende dieses Jahrzehnts eine größere Rolle spielen. Der Bedarf nach Daten aus dem Weltraum steigt in großen Teilen der Wirtschaft – im Zusammenhang mit „Big Data“, dem Internet der Dinge, Erdbeobachtung und digitalen Anwendungen für Unternehmen und Konsumenten. Das baden-württembergische Unternehmen HyImpulse Technologies GmbH will schnell und präzise Kleinsatelliten ins All schießen. Es peilt schon für das Jahr 2025 sechs Weltraumstarts an, mit seiner am Unternehmensstandort Neuenstadt am Kocher (bei Heilbronn) entwickelten und gefertigten Raketentechnik. Ab dem Jahr 2030 sollen es dann schon mehr als 30 Starts im Jahr sein, teilte HyImpulse am 2. Februar 2021 im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz mit.

„Wir schaffen einen Linienflugverkehr im Weltraumtransport“, sagte der CEO Dr. Mario Kobald. Der erste suborbitale Höhen-Testflug einer Hybridrakete soll im September 2021 erfolgen. Triebwerktests sind für den April diesen Jahres terminiert.

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Bild vergrößernTrägerrakete von HyImpulse im Flug - Illustration.
(Bild: HyImpulse)
Ziel: Erste deutsche Trägerrakete im Orbit
Erste Antriebstests von HyImpulse im baden-württembergischen Lampoldshausen waren im vergangenen Herbst erfolgreich verlaufen. Das Start-Up will auch das erste Unternehmen sein, das eine deutsche Kleinträgerrakete in den Orbit bringt. Weltweit entwerfen und erproben dutzende Unternehmen kleine Trägerraketen, sogenannte Micro Launcher. Sie befördern Kleinsatelliten in den erdnahen Orbit in Höhen von 400-600 km. Die meisten sind Erdbeobachtungs- und Kommunikationssatelliten.

Als kommerzielle Kunden werden meist Unternehmen aus der Telekommunikation erwartet, aber auch Agrarunternehmen, digitale Karten-Anbieter, Versicherungen oder Wetterdienste. Flächendeckende, tagesaktuelle Erdbeobachtung, wie sie nur von Kleinsatellitennetzwerken geleistet werden kann, ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Klimawandel und seine Auswirkungen. Messungen von Trockenheit, Temperaturen und Beobachtungen von Wetterphänomenen und Naturkatastrophen liefern den Wissenschaftlern Daten für die Erforschung des Klimawandels und geben vor Ort die notwendigen Informationen, um zielgenau und schnell einzugreifen, z.B. bei der Bewässerung oder beim Rettungseinsatz bei Hochwasser und Stürmen. Der Markt für Erdbeobachtungen wächst enorm und soll laut Morgan Stanley global schon 2025 rund 6,8 Mrd. Dollar betragen (2019: rund 2,5 Mrd. Dollar).

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Bild vergrößernStufentrennung - Illustration.
(Bild: HyImpulse)
„Deutschland hat die Ingenieurskunst“
„Die zivile Raumfahrt ist in dem Maß entscheidend für die Zukunft deutscher Unternehmen, in dem die Verfügbarkeit von Daten über Geschäftserfolge entscheidet“, sagte Geschäftsführer Dr. Mario Kobald. „Europäische Unabhängigkeit von Amerika und China scheinen strategisch geboten. Deutschland hat die Ingenieurskunst, die Technologie und alle Möglichkeiten hier weltweit führend zu agieren.“

HyImpulse sieht sich als der führende Anbieter deutscher Microlaunch-Weltraumtechnik. Anders als die meisten globalen Wettbewerber setzt das Unternehmen auf einen sogenannten Hybridraketenantrieb. Der Motor wird mit Flüssigsauerstoff und Paraffin betrieben. „Das ist effizient, ungefährlich, ungiftig und der Brennstoff besteht hauptsächlich aus Kerzenwachs“, sagte Dr. Christian Schmierer, Co-CEO von HyImpulse. „Explodierende Raketen gehören damit der Vergangenheit an.“ Die Abgase beim Raketenstart sind für die Umgebung des Startplatzes ungefährlich.

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Bild vergrößernDr. Mario Kobald (re.) und Dr. Christian Schmierer (li.) im Technik Museum Speyer
(Bild: HyImpulse)
Ein Express-Dienst für den Weltraum
Das Geschäftsmodell ist disruptiv: Raketenstarts sollen nicht mehr nur für einige wenige besondere Kunden verfügbar sein, sondern für möglichst viele Unternehmen weltweit erreichbar sein, wodurch letztlich auch die Weltraumanwendungen der Satellitenkunden für alle Menschen weltweit erschwinglicher werden. „Wir werden letztlich ein Express-Logistikunternehmen sein, das die nächste Revolution im New-Space-Markt mit tagesaktuellen Weltraumdaten für jedermann ermöglicht“, sagt Dr. Schmierer.

Paraffin ist ein günstiger Reststoff der Erdölindustrie, aber es lässt sich auch „grün“, also CO2-neutral, herstellen – auf Basis erneuerbarer Energien aus dem Kohlenstoff der Luft. Ein Pilotprojekt für die CO2-neutrale Herstellung ihres Brennstoffs hat HyImpulse bereits begonnen. HyImpulse arbeitet auch daran, dass Teile der Rakete nach dem Abwurf wiederverwertet werden können.

Ziel: 16.000 Euro Kosten je Kilogramm Nutzlast
Die Kunden der HyImpulse Technologies GmbH sollen künftig pro Kilogramm Satellitengewicht zahlen. HyImpulse strebt mittelfristig Preise von weniger als 16.000 Euro an. „Langfristig, mit steigender Serienproduktionsrate hingegen können wir auch auf deutlich geringere Preise kommen“, sagte Dr. Christian Schmierer am 2. Februar. Der erste kommerzielle orbitale Start in 2023 soll zu Kosten von 16.000 Euro je Kilogramm Nutzlast gelingen. Die dreistufige Rakete SL1 soll Nutzlasten von bis zu 500 Kilogramm transportieren können.

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Bild vergrößernHybrid-Raketenantrieb im Test beim DLR in Lampoldshausen.
(Bild: HyImpulse)
Über HyImpulse
Die HyImpulse Technologies GmbH aus Neuenstadt am Kocher bei Heilbronn ist eine Ausgründung des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Sie wurde von der Europäischen Kommission und der Europäischen Raumfahrtagentur ESA gefördert und auch durch Finanzierungen und Partnerschaften der Privatwirtschaft.

Die Gründer Dr. Mario Kobald, Dr. Christian Schmierer, Ulrich Fischer und Konstantin Tomilin verfügen zusammen über mehr als 35 Jahre Forschungs- und Raketenstarterfahrung vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und an der Universität Stuttgart. Sie koordinierten und führten mehr als 500 Triebwerks- und Techniktests durch. Zusammen mit der ehemals von ihnen geleiteten Studentengruppe HyEnD halten sie seit 2016 den Höhenweltrekord für akademische Flüge mit Hybrid-Höhenforschungsraketen.

Im September 2020 testete HyImpulse erfolgreich den flugfähigen Hybrid-Raketenantrieb mit 75 kN Schub. Ein solcher Test gelang ihnen als erster Firma in Europa. Am Standort Heilbronn arbeiten 50 Ingenieure aus 12 Ländern an der Entwicklung der zivilen Trägerrakete. Vorstandsmitglied der HyImpulse Technologies ist auch Prof. Dr. Costas Stavrinidis, der langjährige Leiter der Entwicklungsabteilung der ESA ESTEC. Der Hauptinvestor ist die Schwarz Holding aus Ottobrunn, zu der auch das Luft- und Raumfahrtunternehmen IABG gehört (rund 1000 Mitarbeiter).

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