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Autor: Thomas Weyrauch / 02. November 2016, 00:28 Uhr

China: Geheimnisvoller Gaofen 10

Der Start des chinesischen Erdbeobachtungssatelliten Gaofen 10 am 31. August 2016 ist offenbar fehlgeschlagen. Offizielle Stellen halten sich fortgesetzt bedeckt. Photos von der abhebenden Rakete wurden zwischenzeitlich veröffentlicht.

Quelle: bbs.9ifly.cn, CCTV, CGWIC, chinaspaceflight.com, cncnews.cn, scmp.com
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Schauplatz des Geschehens war zunächst das Satellitenstartzentrum Taiyuan (Taiyuan Satellite Launch Center, TSLC) in der nordchinesischen Provinz Shanxi. Dort hob eine dreistufige Rakete des Typs Langer Marsch 4C mit Gaofen 10 an der Spitze am 1. September 2016 gegen 2:55 Uhr Ortszeit ab (18:55 Uhr UTC am Vortag). Das Startfenster reichte von 18:46 bis 19:11 Uhr UTC am 31. August 2016, vor Ort war der nächste Tag schon angebrochen, und das Startfenster war von 2:46 bis 3:11 Uhr Pekinger Zeit offen.

Die Rakete verfolgte offenbar anschließend zunächst die vorgesehene Flugroute, was anhand der in vorher festgelegten Abwurfzonen aufgeschlagenen Raketenteilen abgelesen werden kann. Teile der ersten Raketenstufe erreichten im Kreis Shanyang der bezirksfreien Stadt Shangluo in der chinesischen Provinz Shaanxi rund 600 Kilometer vom Startplatz entfernt den Boden. Beide Hälften der Nutzlastverkleidung von der Raketenspitze wurden im Bereich der Ortschaft Shengjiabaxiang (auch Shengjiaba) im Autonomen Bezirk Enshi der Tujia und Miao gefunden.

Der weitere Missionsfortschritt liegt im Dunklen. Insbesondere über eine erfolgreiche Arbeit der dritten Raketenstufe ist nichts bekannt. Die US-amerikanische Weltraumüberwachung hat bis dato nicht bestätigt, dass im Rahmen des Starts ein oder mehrere Objekte Erdumlaufbahnen erreicht hätten. Möglicherweise hat die dritte Stufe der Langer Marsch 4C beim ersten Versager bei bisher insgesamt 20 Flügen dieses Typs nicht gearbeitet wie geplant.

Gaofen 10 hätte offiziell Bestandteil des als zivil beschriebenen chinesischen hochauflösenden Erdbeobachtungssystems (China High-resolution Earth Observation System (CHEOS)) werden sollen. Gao Fen bedeutet dementsprechend schlicht hohe Auflösung.

Im Jahr 2010 hatte die chinesische Regierung der Umsetzung der Pläne für CHEOS zugestimmt. Verantwortlich für den Aufbau des Systems ist das Earth Observation System and Data Center of China National Space Administration, kurz EOSDC-CNSA.

Das Erdbeobachtungssystem sollte sich zunächst durch sieben nacheinander zu startende Raumfahrzeuge und die Nutzung von Luftfahrzeugen auszeichnen. Wie angesichts dieser Tatsache der inzwischen erfolgte Start von Satelliten mit höheren Nummern im Namen zu werten ist, bleibt abzuwarten.

Dass der jetzt verlorene Satellit als Ersatz für einen bereits betriebenen gedacht war, kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Vielleicht handelt es sich auch um eine zwischenzeitlich beschlossene Erweiterung des CHEOS. Auch eine Tarnbezeichnung für einen an sich militärischen Zwecken dienenden Satelliten lässt sich auf Grund der derzeit dünnen Informationslage kaum ausschließen.

Offizielle chinesische Stellen beschrieben die Raumfahrzeuge mit Gaofen im Namen üblicherweise als solche mit Aufgaben im Bereich der Bewältigung von Naturkatastrophen, der Beurteilung von erreichbaren und erzielten Ernteergebnissen im Landbau, der Landvermessung, der Stadtplanung sowie bei nicht näher spezifizierten wissenschaftlichen Untersuchungen.

Ein mittlerweile bekannt gewordenes Bild eines anlässlich des Starts produzierten Schmuck-Briefumschlags für Sammler erinnert den Autor an Gaofen 2, einen Erdbeobachtungssatelliten mit optischen Instrumenten, der auf dem Satellitenbus CS-L3000A basiert. Andere Beobachter der chinesischen Raumfahrtaktivitäten vermuteten einen Radarsatelliten auf Basis des Satellitenbus CS-L3000B.

Im chinesischen Forum 9ifly wurde von Gerüchten berichtet, dass der erforderliche Neustart des unsymmetrisches Dimetyhlhydrazin (UDMH) als Brennstoff und Stickstofftetroxid (N2O4) als Oxidator nutzenden Zweikammertriebwerks vom Typ YF-40(B-rs) an Bord der dritten Stufe der Trägerrakete nicht klappte. Das würde bedeuten, dass die Stufe mit ihrer Nutzlast wieder in die Erdatmosphäre eintreten musste. Raketenstufe und Nutzlast sind dabei mit Sicherheit zerstört worden.

Die internationale Vermarkterin von Trägerraketen und Satelliten aus China, die China Great Wall Industry Corporation (CGWIC), teilte schließlich mit, dass es am 1. September 2016 einen Fehlstart gegeben habe, dessen Ursache in einem Problem mit einer Raketenstufe liege, die nur in der Langer Marsch 4C verwendet würde. Bei der Raketenstufe, auf die die CGWIC Bezug nimmt, wird es sich vermutlich um die dritte Stufe der Rakete handeln.

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