Angosat 1 – Das Abenteuer geht weiter
Angosat 1 – Das Abenteuer geht weiter
Raumfahrt-Meldungen
Astronomie-Meldungen
Kurzmeldungen
News-Übersicht
News-Archiv
Alle Meldungen
RSS-Newsfeed
InSpace Magazin

Vierzehntäglich aktuelle Berichte und Meldungen via E-Mail

Autor: Viktoria Schöneich / 03. März 2016, 22:34 Uhr

Ein neuer Stern am Himmel?

Mayak (Leuchtfeuer) heißt ein CubeSat, den eine Gruppe russischer Raumfahrtenthusiasten Mitte diesen Jahres ins All schicken möchte. Er soll Sonnenlicht reflektieren und heller sein als Sirius, der hellste Stern.

Quelle: boomstarter.ru
Druckansicht RSS Newsfeed
Mayak-Team/Alexander Shaenko

Bild vergrößernKünstlerische Darstellung von Mayak im Orbit
(Bild: Mayak-Team / Alexander Shaenko)
Ein Projekt der besonderen Art hat eine Gruppe junger Ingenieure von der Moscow University of Mechanical Engineering ins Leben gerufen: Der 3-Unit CubeSat Mayak (etwa 34x10x10 cm3 groß) soll von einem Sonnensynchronen Orbit aus eine Pyramide aus Polymer entfalten, die das Licht der Sonne auf die Erde reflektieren soll, um ein künstlicher Stern zu werden. Über die tatsächliche Helligkeit gibt es verschiedene Aussagen. Nach Angabe der Entwickler soll der Satellit von der Erde aus so hell wie der Mond erscheinen. Andere Rechnungen bescheinigen ihm lediglich eine Helligkeit, die ähnlich groß wie die der Venus ist.

Was ist nun das Ziel einer solchen Mission? Das Primärziel ist es, junge Menschen durch den weithin sichtbaren künstlichen Stern für die Raumfahrt zu begeistern. Weiterhin soll gezeigt werden, dass sich Raumfahrtprojekte inzwischen auch in einer nichtstaatlichen Gruppe von Privatpersonen umsetzen lassen. Das Ziel, den Satelliten zu einem großen Teil über Crowdfunding zu finanzieren, wurde bereits erreicht: auf der Plattform Boomstarter, dem russischen Pendant zu Kickstarter, konnte das Team bisher umgerechnet 23.000 € einwerben und hat damit die angestrebten 18.000 € bereits überboten. Auch einige Sponsoren konnten von dem Vorhaben überzeugt werden.

Ein weiteres Ziel ist es, ein Dragsail zu testen, um Satelliten ohne eingenen Antrieb aus einem Orbit zu entfernen. Das Dragsail soll für Satelliten mit einem Gewicht von bis zu 100 kg für einen Orbit in 600 km Höhe ausgelegt werden und wäre damit auch für größere Satelliten eine Anwendungsmöglichkeit. Dies ist insbesondere bedeutsam, da der sonnensynchrone Orbit als besonders von Weltraumschrott betroffen gilt. Es ist zu befürchten, dass hier die Verschmutzung schon so weit fortgeschritten ist, dass sich bald das gefürchtete Kessler-Syndrom einstellen könnte: Zusammenstoßende Schrottteile lösen eine Kettenreaktion aus, in der immer mehr Schrott entsteht und schließlich den Orbit unbrauchbar macht. Zwar lässt sich mit einem solchen Dragsail der Weltraumschrott nicht abbauen, an Satelliten angebracht könnte es aber verhindern, dass sich noch mehr Schrott ansammelt.

Mayak-Team/Alexander Shaenko

Bild vergrößernStart des Stratosphärenballons mit Mayak
(Bild: Mayak-Team / Alexander Shaenko)
Erste Systeme wurden bereits auf einem Höhenballon in der Stratosphäre getestet. Nun stehen Bodentests an, in denen nachgewiesen werden soll, dass Mayak den Start- und Weltraumbedingungen trotzen kann.

Der Reflektor ist eine Polymerfolie, die nach Aussage der Designer 20-mal dünner als ein menschliches Haar ist und eine Fläche von 16 Quadratmetern aufweist. Zwei Gasgeneratoren sind an Bord, die aus dem Zerfall von Ammoniumkarbonat Kohlendioxid, Wasser und Ammoniak erzeugen. Der erste Generator wird dazu verwendet, den Reflektor zu entfalten: Hierzu wird das entstandene Gas in das aufblasbare Gerüst des Reflektors geleitet. Der Inhalt des zweiten Gasgenerators wird dazu verwendet, den Satelliten in Drehung zu versetzen, um eine Spinstabilisierung zu erhalten.

Der Start auf einer Sojus-Fregat-Rakete ist für Mitte 2016 geplant, ein entsprechender Vertrag wurde bereits unterschrieben. Mayak ist bei diesem Flug die Sekundärnutzlast. Als Primärnutzlast wird Canopus-B-IR geflogen, ein Erdbeobachtungssatellit, der Waldbrände beobachten soll.

Die Idee, mit Hilfe eines Satelliten Licht zur Erde zurück zu reflektieren, ist keineswegs neu. Hermann Oberth, ein geistiger Vater der Raumfahrt, schlug einen Reflektor bereits in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts vor. 1993 wurde mit Znamya 2 ein entfaltbarer Spiegel mit 20 m Durchmesser getestet, der von der Erde so hell wie der Vollmond erschien. Nachdem der Nachfolger Znamya 2.5 bei der Entfaltung versagte, wurde das Projekt jedoch eingestellt.

Wer einen Vorgeschmack auf den zu beobachtenden Satelliten haben möchte, sollte in klaren Nächten nach der Internationalen Raumstation und Iridium-Satelliten Ausschau halten. Letztere können mit Magnituden von bis zu -9 besonders hell werden.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net: Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:
Twitter: @Raumfahrer_netFacebook Seite Dieser Beitrag ist mir etwas wert: Flattr? | Spenden
 
Navigation
Anzeige
Anzeige

SPACE 2018

Info

Nach oben © Raumfahrer Net e.V. 2001-2018