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Autor: Daniel Maurat / 04. Juni 2014, 20:38 Uhr

SpaceX stellt bemannte Dragon vor

Im Verlauf einer am Freitag Morgen unserer Zeit stattfindenden Präsentation enthüllte der Chef von SpaceX, Elon Musk, eine weiterentwickelte Version des Raumschiffs Dragon. Mit diesem will man in den nächsten Jahren bemannte Flüge durchführen.

Quelle: SpaceX
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SpaceX

Bild vergrößernSpaceX-Chef Elon Musk vor der DragonV2.
(Bild: SpaceX)
Wenn man sich die Geschichte von Space Exploration Technologies Corporation, kurz SpaceX, so durchliest, muss man zugeben, dass diese Firma aus Hawthorne, Kalifornien, seit ihrer Gründung 2002 einiges erreicht hat: die Entwicklung von zwei neuen Raketenmodellen (Falcon 1 und 9), die Verbesserung einer dieser beiden Modelle (Falcon 9v1.1) sowie, als erste kommerzielle Firma überhaupt, den Transport von Fracht zur Internationalen Raumstation ISS und der sicheren Rückkehr eines eigenen Raumschiffes (Dragon). Zudem mischt man gerade den globalen Satellitenmarkt mit den eigenen niedrigen Preisen gehörig auf und man sieht SpaceX schon seit einiger Zeit als größter Rivale des bisherigen Branchenprimus Arianespace. Nun kämpft man im Rahmen des CCDev-Programms (Commercial Crew Development) der NASA, welches das Ziel von zwei bemannten Raumschiffen für den Einsatz im erdnahen Orbit hat, gegen die Konkurrenten Sierra Nevada Corporation (SNC) und Boeing um den Zuschlag. Bekannt war bisher, dass SpaceX dafür auf einer verbesserten Version der Dragon setzt, welche für den bemannten Einsatz optimiert werden soll.

Landen wie ein Helikopter

SpaceX

Bild vergrößernEine DragonV2 beim Landeanflug. Animation
(Bild: SpaceX)
Dieses Raumschiff stellte nun der Gründer und Chef von SpaceX, Elon Musk, am Freitagmorgen unserer Zeit im Firmensitz und Produktionshalle in kalifornischen Hawthorne im Rahmen einer Präsentation vor etlichen Mitarbeitern vor, welche auch im Internet übertragen wurde. Das DragonV2 titulierte Raumschiff lässt dabei einige große Unterschiede zu seinem Vorgänger erkennen. Am auffallendsten sind wohl die vier seitlichen Gondeln, welche je zwei Raketentriebwerke des Typs SuperDraco, die schon seit einiger Zeit bei SpaceX in Entwicklung sind und bereits getestet wurden, besitzen. Mit ihnen soll es laut Musk möglich sein, ohne Fallschirme mittels vier ausfahrbaren Beinen eine kontrollierte und genaue Landung durchzuführen. Im Notfall soll es auch als Startabbruchsystem dienen und die Kapsel samt Besatzung schnell von der Rakete wegzubringen, ähnlich den Systemen von Mercury, Apollo, Sojus oder der sich in Entwicklung befindlichen Orion. Der Unterschied besteht aber darin, dass das LAS genannte Startabbruchsystem als Raketenturm sich auf der Kapsel befindet und dann im Flug abgetrennt wird, während bei DragonV2 es auch als Landesystem dient. Bei einem Notfall bei der Landung steht aber trotzdem ein konventioneller Fallschirm als zusätzliches Sicherheitssystem zur Verfügung.

Bis zu 100 Mal wiederverwendbar

SpaceX

Bild vergrößernDragonV2 kurz vor dem Ankoppeln an die ISS. Rechts im Bild ist eine angekoppelte Dragon-Kapsel zu sehen, wie sie zurzeit auch geflogen wird. Animation
(Bild: SpaceX)
Ein weiteres Merkmal ist die auf- und zu klappbare Spitze des Raumschiffes, welches einen Kopplungsadapter des Typs NDS (NASA Docking System) verbirgt. Mit diesen Kopplungsadaptern soll das Raumschiff an den in den nächsten Jahren modifizierten Kopplungsmodulen PMA-2 und PMA-3 der ISS andocken können. Die klappbare Spitze dient dabei als Schutz für den Kopplungsmechanismus für den Start in den Erdorbit und bei der Rückkehr zum Boden. Im Orbit wird das Raumschiff darüber hinaus ähnlich seinem Vorgänger über einen so genannten Trunk verfügen, welcher im Grunde genommen ein offener Zylinder mit Solarzellen an der Außenhülle ist. In ihm können dann nicht unter Druck stehende Nutzlasten, etwa Außenexperimente oder Ersatzteile für eine Raumstation, aber theoretisch auch ein kleines, unter Druck stehendes Frachtmodul transportiert werden. Der Trunk versorgt mit seinen Solarzellen die Dragon vor allem mit wertvollem Strom für die zahlreichen Systeme des Raumschiffes.

Insgesamt ist die DragonV2 auf Wiederverwendbarkeit ausgelegt. Laut Musk soll die Kapsel an sich bis zu 100 Mal wiederverwendet werden können, der verbesserte Hitzeschild bis zu zehn Mal. Dieser soll eine weiterentwickelte Version des bisherigen Hitzeschilds vom Typ PICA-X der Dragon sein und basiert auf dem Prinzip der ablativen Kühlung, also dem allmählichen Abschmelzen des Schilds während des Flugs durch die Erdatmosphäre.

Touchscreens und Knöpfe im Cockpit

SpaceX

Bild vergrößernDas Innere der DragonV2. Zu beachten sind die Sitze für die Astronauten sowie die Instrumententafel.
(Bild: SpaceX)
Der Innenraum der DragonV2 ist darauf ausgelegt, bis zu sieben Personen ausnehmen zu können, wobei sie auf zwei Ebenen verteilt sind. Während auf der unteren Ebene drei Sitzschalen angelegt sind, können auf der oberen Ebene bis zu vier Astronauten Platz finden, darunter auch der Kommandant und der Pilot. Für sie gibt es eine klappkare Instrumententafel, welche über vier Touchscreens verfügt, zwei auf jeder Seite. In der Mittel finden sich zudem noch zur Sicherheit Knöpfe, mit denen bei einem Ausfall der Touchscreens die wichtigsten Funktionen der Kapsel gesteuert werden können, sowie ein Joystick zur Steuerung des Raumschiffes. So können Kommandant und Pilot während des Starts, bei Manövern im Weltraum sowie der Landung das Raumschiff steuern, während im Freiflug es weggeklappt werden kann, um so mehr Raum in der beengten Kapsel zu schaffen. Zur visuellen Orientierung dienen auch fünf Fenster.

Auffallend war bei der Dragon auch die Innenwand der Kapsel, nämlich eine Metallwand. In Zukunft soll aber eine Verkleidung dran kommen, in der auch Stauraum für Versorgungsgüter wie Nahrung, Wasser oder Kleidung vorhanden sein wird, um so die Besatzung während des Flugs zu ihrem Ziel zu versorgen.

Erste Tests noch dieses Jahr

Das bei der Vorstellung präsentierte Modell ist dabei laut Musk Flughardware und soll in den nächsten Monaten bei einer Reihe von Test eingesetzt werden. So soll noch dieses Jahr ein Demonstrator mit Namen DragonFly, welcher im Grunde genommen nichts anderes ist als eine DragonV2, erste Flüge durchführen und so eine Landung mithilfe der SuperDraco-Triebwerke erproben. Das Vorgehen mit DragonFly erinnert dabei an die Grasshopper genannte Rakete von SpaceX, mit der die Landefähigkeiten der ersten Stufe einer Falcon 9 erprobt wurden. Zudem soll es noch dieses Jahr einen so genannten Pad Abort Test geben, wobei eine DragonV2 am Boden ihr Startabbruchsystem zündet und so einen Notfall auf der Startrampe simuliert. Die Kapsel landet dabei an ihrem Fallschirm. Im nächsten Jahr soll es dann zu einem so genannten Flight Abort Test kommen, bei dem der das Abbruchsystem im Flug getestet wird.

Bemannte Flüge ab 2016

Im Zuge dieser Tests soll es im Jahr 2016 zum ersten bemannten Flug kommen. Als Startvehikel soll dabei die Falcon 9v1.1, welche auch von SpaceX entwickelt wurde und hergestellt wird, zum Einsatz kommen. Zudem soll es möglich sein, von mehreren Orten zu starten. Neben der Anlage im kalifornischen Vandenberg, von der man bereits einen Satelliten gestartet hat, sollen auch ein neuer Weltraumbahnhof Brownsville am Golf von Mexiko und unmittelbar an der texanisch-mexikanischen Grenze sowie der berühmte Startkomplex 39a am Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida zur Verfügung stehen. Zu diesem Zweck hat SpaceX vor einiger Zeit die Rampe von der NASA gepachtet. Zurzeit laufen Modernisierungsarbeiten an der Rampe.
Als mögliche Ziele einer bemannten Dragon-Kapsel stehen neben der ISS vor allem die zukünftige Raumstation von Bigelow Aerospace zur Verfügung. Dabei geht es auch um den Transport von Touristen in den Weltraum. Langfristig ist es Musks Plan, die Preise in der Raumfahrt so zu senken, sodass sich die Menschheit dauerhaft im Weltraum ausbreitet. Auch setzt er sich für eine bemannte Marsbasis ein, wobei seine Firma mit dem Red Dragon-Projekt bereits eine Studie diesbezüglich am Laufen hat.

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