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Autor: Tobias Willerding / 04. Juni 2015, 17:06 Uhr

Flaschenpost für SpaceX

Vor wenigen Tagen wurde eine SpaceX-Nutzlastverkleidung an die Küste gespült. Etwas Normales? Nein, denn diese war mit GoPro und Datenlogger ausgerüstet. Außerdem gibt es neue Details zu den Plänen für die Internetkonstellation und den Seeplattformen von SpaceX.

Quelle: reddit.con, NSF, SpaceNews, Presse, Twitter
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Jedes Jahr starten dutzende Raketen in den Erdorbit. Die meisten dieser Raketen verfügen über eine Nutzlastverkleidung, die die Nutzlast vor dem Staudruck beim Flug durch die Atmosphäre schützt, den Luftdruck im Inneren langsam mit dem Aufstieg abfallen lässt und nicht zuletzt für eine angenehme Atmosphäre für die Nutzlast, z.B. niedrige Luftfeuchtigkeit, sorgt. Ein paar Minuten nach dem Start wird die Nutzlastverkleidung abgeworfen und landet an Land (in China auch mal in bewohntem Gebiet), häufig jedoch landet sie aber im Meer. Je nachdem wie sie den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überlebt hat, treiben die Trümmer dann im Meer bis sie irgendwann versinken oder an einer Küste an Land gespült werden.



Und so ist es nichts ungewöhnliches, als vor ein paar Tagen an der Küste der Bahamas die Überreste einer Nutzlastverkleidung von SpaceX an Land gespült wurden. Die Überreste wurden von Badegästen gefunden, die davon sofort Bilder auf Twitter veröffentlicht haben. Auf den Bildern kann man überraschenderweise sehen, dass sich in einem Gehäuse eine „GoPro“-Actionkamera befindet. Eine genauere Inspektion hat dann ergeben, dass wohl nicht nur Bilder sondern auch andere Daten aufgezeichnet wurden (z.B. Beschleunigung, Rotation etc..).

Andere Startprovider haben höchstens Angst um ihr Knowhow, falls die Verkleidung an Land gespült wird, nicht jedoch Interesse an dem Schicksal der Verkleidung, was will SpaceX also mit Kamera & Co? Die Antwort liefert – wie könnte es anders sein – der Chef selbst. Kurze Zeit später setzt Elon Musk einen Tweet ab, in dem er sich für den Hinweis auf die Anstrandung der Nutzlastverkleidung bedankt und hinzufügt, dass dies wichtige Informationen für die Wiederverwendung der Nutzlastverkleidung sein könnten.

Wiederverwendung der Nutzlastverkleidung, da war doch was? Wer regelmäßig im Internet die aktuellen Entwicklungen bzgl. SpaceX verfolgt, der wird wissen, dass vor ein paar Wochen auf der Webseite reddit.com Informationen aus dem zahlungspflichtigen L2 Bereich von NASASpaceflight.com geleakt wurden. NASASpaceflight hat diese Informationen angeblich von SpaceX bekommen.

Demnach plant SpaceX eine Bergung der Nutzlastverkleidung mit einem Hubschrauber. Nach der Trennung von der Rakete sollen die beiden Hälften der Verkleidung mittels eines Kaltgassystems eine günstige Orientierung für den Wiedereintritt halten und später an einem Fallschirm niedergehen. Der Fallschirm wird dann von einem Hubschrauber eingefangen. Musks Tweet kann also als indirekte Bestätigung dieser Gerüchte gesehen werden.

Was für Daten sind nun auf der SD-Karte, die mit der Nutzlastverkleidung im Meer gelandet ist? Das bleibt vorerst unklar. Laut einem Poster bei reddit.com haben die Auffinder der Verkleidung keine Daten vorgefunden, was darauf schließen lässt, dass die Daten eventuell schon im Flug zur Erde gefunkt wurden und anschließend gelöscht wurden, damit sie nicht in falsche Hände geraten. Laut SpaceNews hat SpaceX das Ganze dann aber doch für so wichtig gehalten, dass man einen Mitarbeiter zum Aufsammeln der Überreste auf die Bahamas geschickt hat.

Bleibt die Frage: wieviel bringt die Wiederverwendung der Nutzlastverkleidung aus einer Kostenperspektive? Die Kosten der Nutzlastverkleidung von SpaceX sind unbekannt, nicht jedoch die der Arianerakete. So hat Arianespace im Jahre 2014 einen Vertrag mit Ruag über die Lieferung von 18 Nutzlastverkleidungen geschlossen bei einem Vertragswert von 112 Millionen Dollar im Juli 2014. Dies ergibt einen Preis von 6,1 Millionen Dollar pro Ariane-Nutzlastverkleidung. Die SpaceX-Nutzlastverkleidung ist sicher günstiger, dürfte sich aber in derselben Größenordnung bewegen. Es gibt also einen Spielraum von ein paar Millionen Dollar für die Wiederverwendung der Nutzlastverkleidung.

Die Internetkonstellation
Bei den Internetkonstellationen gibt es inzwischen mindestens 4 Wettbewerber mit eigenem Vorhaben, nämlich OneWeb, SpaceX, LeoSat und Dynetics. Bei SpaceX war es nach der Ankündigung im Januar still geworden, jetzt sind jedoch durch eine Frequenzregistrierung bei der FCC (FEDERAL COMMUNICATIONS COMMISSION ) & diverser Presseberichte neue Details ans Licht gekommen. Nach diesen Informationen hat SpaceX den neuen Standort in Redmond still und leise in Betrieb genommen.

Designarbeiten an der Konstellation gehen voran, bereits in 2016 sollen zwei kleine identische Testsatelliten mit den Namen MicroSat 1a & 1b in den Orbit gestartet werden. Diese Satelliten sollen in einem kreisförmigen Orbit bei 625 km Bahnhöhe und einer Inklination von 86,6° ausgesetzt werden. Dies lässt vermuten, dass sie bei einem der Iridiumstarts von der Vandenberg-Luftwaffenbasis mitfliegen. Die beiden Satelliten sollen eine Lebensdauer von 6-12 Monaten haben und die ersten in einer Reihe von 6-8 Testsatelliten sein.

Das offizielle Ziel der Satelliten ist die Validierung des Designs der Breitbandantennenkommunikationsplattform. Dieses Design soll schlussendlich zum finalen Konstellationsdesign führen. Zur Kommunikation werden drei Bodenstationen angegeben, eine ist beim SpaceX Hauptquartier in Hawthorne, eine weitere beim neuen Satellitenstandort in Redmond und eine dritte bei Tesla Motors in Fremont. Bereits seit langem geistern Gerüchte durch das Internet, dass SpaceX & Tesla in jedem Tesla-Auto eine Antenne für dieses Satelliteninternet einbauen könnten. Ein Tesla-Auto hätte dann weltweit unter freiem Himmel eine Verbindung zum Internet sobald die Konstellation steht. Der Bau einer Bodenstation bei Tesla kann man als indirekte Bestätigung dieser Gerüchte sehen. Die Satelliten funken im Ku-Band und sollen auch über Videokameras verfügen, die vermutlich Aufnahmen der Erde erstellen.

Die Seeplattformen
Zu guter Letzt gab es noch neue Informationen zur Seeplattform. Laut Informationen aus dem Internet plant SpaceX insgesamt mit 3 Seeplattformen, vermutlich eine für den Cape/KSC, eine für Vandenberg und eine für den neuen Startplatz in Texas bei Brownsville. Nach dem CRS-6 Start, wurde die erste Plattform mit dem Namen „Just Read the Instructions“ wieder in die Werft geschleppt, vermutlich für Umbauarbeiten. Inzwischen ist wieder eine Plattform am Cape für den CRS-7 Start angekommen, angeblich handelt es sich um die zweite Plattform mit dem Namen „Of course I still love you“. Eine direkt visuelle Bestätigung davon gibt es jedoch noch nicht.

Der nächste SpaceX-Start ist die CRS-7 Mission zur ISS am 26. Juni. Es folgt SES-9 mit der neuen verbesserten Falcon 9v1.2 (inoffizielle Bezeichnung) für Mitte Juli und der Jason-3 Start nochmal mit der aktuellen F9 v1.1 von Vandenberg, jetzt vermutlich erst im August aufgrund einer Verzögerung wegen eines verunreinigten Triebwerks am Satelliten.
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