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Autor: Thomas Weyrauch / 06. Juni 2016, 08:40 Uhr

Russland: Militärischer Erdvermessungssatellit im All

Am 4. Juni 2016 hat eine Rakete vom Typ Rockot vom Kosmodrom Plessezk aus den neuen militärischen Erdvermessungssatelliten GEO-IK-2 Nr. 12 alias Kosmos 2.517 in den Weltraum transportiert.

Quelle: russisches Verteidigungsministerium, Reschetnjow, RIA Nowosti, TASS
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russisches Verteidigungsministerium

Bild vergrößernRockot-Start am 4. Juni 2016
(Bild: russisches Verteidigungsministerium)
Die russischen Raketentruppen benutzten für den Start des Satelliten eine sogenannte Konversionsrakete, eine ehemalige Interkontinentalrakete des Typs SS-19 (alias Stiletto, russische Bezeichnung RS-18. Eine solche Rakete kam dabei zum zweiten Mal im Jahr 2016 zum Einsatz. Der Start von der Rampe 133/3 erfolgte im Auftrag des russischen Verteidigungsministeriums unter der Leitung des Generalmajors Alexander Golowko.

Gemäß Angaben des russischen Verteidigungsministeriums hob die Rakete exakt um 17:00 Uhr Moskauer Zeit – also um 16:00 Uhr MESZ - ab. Nach rund zwei Minuten Flug begann die Bahnverfolgung durch automatische Systeme der russischen Luft- und Weltraumüberwachung. Gegen 17:36 Uhr MESZ wurde GEO-IK-2 Nr. 12 von der Oberstufe vom Typ Breeze-KM im All abgesetzt.

Die vom russischen Raumfahrtkonzern Chruniteschew gebaute Raketenoberstufe wurde vom Bahnverfolgungs- und Satellitenkontrollzentrum der russischen Luft- und Weltraumverteidigungskräfte (Voyska Vozdushno-Kosmicheskoy Oborony, VKO - Russisch: Войска воздушно-космической обороны, ВКО) German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau nach dem Aussetzen des Satelliten in einen sogenannten Friedhofsorbit gesteuert.

Eine Reihe von Brennphasen brachten die Oberstufe auf eine etwa 99,23 Grad gegen den Erdäquator geneigte Umlaufbahn mit einem der Erde nächsten Bahnpunkt von rund 406 Kilometern über der Erde und einem erdfernsten Bahnpunkt im Bereich von 950 Kilometern über der Erde.

Im Anschluss an das Aussetzen des Satelliten im vorgesehenen Orbit übernahm die Abteilung für Erdbeobachtung des Kontrollzentrum German Titow Steuerung und Überwachung des Raumfahrzeugs.

Reschetnjow

Bild vergrößernGEO-IK-2-Satellit - Illustration
(Bild: Reschetnjow)
Nach Informationen des russischen Verteidigungsministeriums gibt es stabile Telemetrieverbindungen zu GEO-IK-2 Nr. 12, dessen Systeme normal arbeiten würden. Der neue von Reschetnjow Informational Satellite Systems gebaute Satellit mit dem Erzeugniscode 14F31 und der alternativen Typbezeichnung Mousson 2 zieht in Höhen zwischen 940 und 960 Kilometern auf einer rund 99,28 Grad gegen den Erdäquator geneigten Bahn um die Erde.

Der Satellit soll Daten zur Überarbeitung eines geodätischen Koordinatensystems liefern, die Drift der Kontinentalplatten beobachten sowie den Tidenhub und andere weltweite natürliche Phänomene untersuchen. Das Raumfahrzeug besitzt neben einem zentralen Gerätebehälter mit einem Durchmesser von rund 1,3 Metern einen Radiohöhenmesser des französisch-italienischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Thales Alenia Space. Das SADKO-2 genannte Instrument ist als Hauptinstrument des Satelliten anzusehen und wurde vom Höhenmesser mit der Bezeichnung Poseidon-2 des französischen Erdbeobachtungssatelliten Jason-1 abgeleitet.

Reschetnjow

Bild vergrößernSADKO-2 Radiohöhenmesser bei Reschetnjow
(Bild: Reschetnjow)
Die Vorgängersatelliten verfügen neben dem Radiohöhenmesser über ein Dopplersystem, einen Entfernungsmesser, einen optischen Reflektor für Laserlicht und ein System zur Bereitstellung einer synchronisierten Zeitbasis, sowie Empfänger für Navigationssignale der Systeme GloNaSS (Russland) und GPS (USA).

1982 hatte die Sowjetunion mit dem Aufbau eines militärischen geodätischen Systems begonnen. 1994 wurde der zunächst letzte Erdvermessungssatellit gestartet und ab 1999 blieben Aktualisierungen der Daten des geodätischen Systems aus.

GEO-IK-2 Nr. 11 sollte ab 2011 als erster eines neuen Satellitenpaares frische Messdaten sammeln, um Russlands militärisches geodätisches System auf einen aktuellen Stand zu bringen. Der Satellit gelangte nach seinem Start am 1. Februar 2011 wegen eines Fehlers in der Raketenoberstufe vom Typ Breeze-KM nicht auf die vorgesehene Umlaufbahn, weshalb er seinen Aufgaben nicht nachkommen konnte. Am 28. Juni 2011 erklärten die russischen Weltraumtruppen GEO-IK-2 Nr. 11 offiziell zu einem Totalverlust. Im Juli 2013 trat der Satellit wieder in die Erdatmosphäre ein und wurde dabei zerstört.

Ersatz für den aufgegebenen Satelliten sollte ursprünglich bereits im Jahr 2014 gestartet werden. Weil dann jedoch Maßnahmen zum Schutz der Bordelektronik und einige Upgrades der Elektronik vorgenommen wurden, verzögerte sich der Start zunächst auf 2015, dann auf 2016. Am 31. März 2016 sendete sein Hersteller GEO-IK-2 Nr. 12 schließlich an das Kosmodrom Plessezk. Ein letzter Startaufschub um rund zwei Wochen wurde im Mai 2016 beschlossen. Grund für den Aufschub sollen nicht näher beschriebene technische Probleme gewesen sein.

GEO-IK-2 Nr. 12 alias Kosmos 2.517 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.579 und als COSPAR-Objekt 2016-034A. Die Breeze-KM-Oberstufe ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.580 und als COSPAR-Objekt 2016-034B.

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