Rückblende: Das gelüftete Geheimnis der Wostok-Rakete
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Autor: Andreas Weise / 06. August 2017, 19:54 Uhr

Le Bourget 2017

Eine kleine Reisegeschichte vom Juni diesen Jahres…

Quelle: Andreas Weise, Aerosalon Le Bourget
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Los geht’s!
Der Wecker klingelt. Es ist Freitag morgen, 4:00 Uhr. Heute ist der Tag, den ich schon im Dezember letzten Jahres vorbereitet hatte. Ich greife die Sammelmappe mit meinen Reisematerialien. Das Einchecken online hat am Vorabend irgendwie nicht funktioniert. O.K.! Dann eben am Flugplatz. Was soll`s? Ich habe nur einen leichten Rucksack mit. Noch einen starken Kaffee zum hochfahren der Körperfunktionen und dann geht es ab nach Berlin zum schönsten Flughafen der Welt… nach Tegel.

Berlin selber ist um diese Zeit schon auf den Beinen. Doch ich komme gut durch den Verkehr. Am Flughafen angekommen, läuft zunächst alles wie am Schnürchen. Ich finde sofort einen Parkplatz im Parkhaus. Viel Zeit noch bis zum Abflug. Der Flieger einer deutschen Airline geht von einem separaten Terminal ab. Zwei Terminal-Anbauten hatte Tegel bekommen, die eigentlich nur zur Überbrückung von ein paar Monaten gedacht waren. Doch die Nichtfertigstellung des BER machte aus dem Provisorium eine Dauerlösung. Es wird Zeit, dass das Jahrhundertbauwerk BER endlich fertig wird. In der Abfertigungshalle dann der Schock. Es sieht aus, als ob eine Evakuierungsaktion läuft. Gefühlte Tausende von Menschen sind unterwegs, alle zur selben Airline. Bitte anstellen, egal wann ihr Flug geht! Einchecken per Terminal – gibt es nicht! Ich überschlage kurz die Schlangenlänge. Keine Chance, der Flieger ist nicht mehr erreichbar! Doch dann plötzlich steht jemand hinter dem Schalter für First-Class auf und brüllt: „Charles de Gaulle?!“ Vielstimmig ist das Echo aus allen Ecken der Schlange: „JA!!“

Minuten später halte ich zwei Bordkarten in der Hand. Eine für den Hinflug und die andere für den Rückflug. Ohne darauf zu schauen renne ich zur Sicherheitskontrolle. Das geht erfreulich schnell. Am Gate steigen die Passagiere schon ein. Ich werde es also gerade noch schaffen. Doch dann werde ich von der Frau, die die Flugscheine kontrolliert, angeschnauzt: „Sagen Sie es doch gleich, dass Sie keinen Sitzplatz haben...!“ Erst jetzt lese ich auf der Bordkarte „SBY“ (Standby). Toll! Und dafür bucht man schon im Dezember! Trotzdem bekomme ich noch einen Platz. Mehr wollte ich ja nicht.

In meiner Reihe sitzt am Fenster auf Platz A eine französische Dame. Wir hatten uns am Schalter kurz kennen gelernt. Ich sitze auf Sitz C, am Gang. Die Stewardess platziert einen Reisenden aus einer vermutlich indischen Gruppe direkt zwischen uns. Könnte ein Geschäftsmann sein. Die Französin rümpft plötzlich die Nase und dreht die Luftdusche über ihrem Kopf auf, während ich einen Ellenbogen in meine linke Seite bekomme. Im Augenwinkel erkenne ich den Grund. Der Herr auf Platz B hat es sich bequem gemacht und erst einmal die Schuhe ausgezogen. Ja, es ist eben ein internationaler Flug. Innerlich könnte ich schreien! Während die Flugbegleiter sich zum „Sicherheitsballett“ bereit machen, fällt mein Blick auf die obligatorische Spucktüte vor meinem Sitz. Dort steht in großen Buchstaben: „KEINE ANGST, WIR NEHMEN ES NICHT PERSÖNLICH.“ Ich muss innerlich lachen und mein Blutdruck senkt sich.

Eigentlich ist alles bislang gut gegangen. Ich blättere kurz meine Messeplanung durch. Das DLR arbeitet doch an Verkehrskonzepten?! Warum nicht auch für ein besseres Passagiermanagement an zu klein geratenen Flughäfen? Mein Blick fällt auf den Steward, der gerade die Getränke serviert. Irgendwie sieht der freundliche junge Mann etwas anders aus, als gewöhnlich. Ich frage keck und richtig: Der junge Mann ist 1,98 Meter groß. Seine Kollegin grinst nur. Ich überlege, ob solche Größen auch in der Raumfahrt möglich wären. Jähn und Ewald sind ja geradezu kleinwüchsig gegenüber Gerst.
Doch dann schließe ich die Augen. Der Pariser Aerosalon 2017 ruft…

Ich träume…
„Treffpunkt der internationalen Luft- und Raumfahrt war auch in diesem Jahr wieder der Pariser Salon, der […] auf dem Flughafen Le Bourget im Norden von Paris stattfand. Der im Jahre 1909 erstmalig durchgeführte Salon ist die größte internationale Ausstellung auf diesem Gebiet. Diese Einschätzung wird unterstrichen durch die Tatsache, daß die Ausstellungsfläche von Jahr zu Jahr vergrößert werden muß, weil die Zahl der Aussteller und ihrer Exponate ständig wächst. In diesem Jahr stellten 522 Firmen aus 16 Ländern aus. […] Erstmalig hatten die Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und die USA nationale Pavillons errichtet. […] Obwohl die anderen Länder, besonders die USA, in diesem Jahr alles versucht hatten, die UdSSR zu übertrumpfen, stand sie dennoch auch diesmal wieder im Mittelpunkt des Interesses, und zwar durch die Wostok-Trägerrakete, die hier erstmals öffentlich gezeigt wurde...„

Ja, man wird ja mal Träumen dürfen. Vor fast 50 konnte man in der Aero-Sport (heute FliegerRevue) in der Ausgabe 08/1967 auf Seite 304 einen großen spannenden Bericht über den 27. Aerosalon lesen, aus dem hier zitiert wird. Da war noch was los, damals. Kampf der Systeme und Kampf um das Publikum.
Wie würde es heute zum 52. Aerosalon aussehen? Ein Ruck durch die Maschine. Wir sind auf dem Pariser Airport Charles de Gaulle, Terminal-1 angekommen.

Willkommen in Paris…
Wir provinziell wirkt Berlin gegenüber diesem Pariser Flughafen! Durch lange Gänge und Rollstege gelangt man zum Ausgang. Am ersten Info-Point sieht man gleich das Logo des Aero-Salons. Die nette Dame gibt freundlich den Hinweis, wo der Shuttle-Bus zum Messegelände fährt. Kurze Frage noch von ihr, wo man her komme und dann „Au revoir“. Am angegebenen Busbahnsteig steht ein klimatisierter Reisebus bereit. Ich frage den Fahrer, ob die Fahrt kostenlos sei. Der lacht über das ganze Gesicht: Aber natürlich!

Nach eine kurzen Fahrt über die Schnellstraße ist man in Le Bourget. Die letzten tausend Meter sind die schwersten. Der Verkehr ist sehr dicht. Am Eingang wird mein Rucksack zweimal durchsucht, dann durchleuchtet und ich abgetastet. „Sicherheit“ wird groß geschrieben. Gegen 10 Uhr bin endlich auf dem Messegelände angekommen. Eigentlich eine sehr gute Zeit.

Die Russen…
Zum Thema Raumfahrt bin ich zuerst am Stand von Roskosmos. Nicht weil ich dort unbedingt zu erst hin wollte, sondern weil er sich gleich in der ersten wichtigen Halle findet. Auffallend ist, die französischen Gastgeber haben viel Technik aufgeboten, um die Ausstellungshallen zu kühlen und zu klimatisieren.

Kühl auch das Klima am Stand. Ein halbes dutzend bildhübscher Damen sitzen dort und schweigen. Und wenn man Sie etwas fragt, können Sie keine Auskunft geben. „Ja, das Prospekt von ENERGIA zur neuen russischen Spacecraft ist ganz neu.“ Allerdings kenne ich das bereits seit mindestens zwei Jahren. Nicht einmal der neue Name „Föderation“ taucht irgendwo auf.

Andreas Weise

Bild vergrößernModell des neuen russischen Raumschiffs
(Bild: Andreas Weise)
Die Modelle der Sojus-Raketen sind auch gefühlt steinalt. Angara fehlt komplett, ebenso Hinweise auf Wostotschny. Die zwei breitschultrigen Herren am Stand sind auch nicht viel gesprächiger. Möchte man es den Russen übel nehmen? Vor wenigen Stunden hatte EU-Ratspräsident Donald Tusk die Verlängerung der Wirtschafts-Sanktionen gegen Russland verkündet. Verständlich, wenn man hier die bloße Anwesenheit von Roskosmos schon als Erfolg werten muss. Man schreibt eben nicht mehr das Jahr 1967! In einem Monat wird es mehr zu sehen geben. Dann hat Roskosmos sein Heimspiel auf der MAKS bei Moskau. Ich bin gespannt, was dort zu sehen ist. Jetzt ist aber erst einmal interessant, was hier nicht (!) zu sehen ist. An der Decke hängt ein Modell der ISS. Dieses unterscheidet sich von dem Modell, was ich später bei der ESA sehen werde. Es sind mehr russische Module zu sehen. Erklärungen gibt es nicht.

Andreas Weise

Bild vergrößernModell der Internationale Raumstation ISS mit zus. russischen Modulen
(Bild: Andreas Weise)
Und wo ist hier das lufttragende Fluggerät, genannt Flugzeug? Russische Flugzeuge sind seit Jahren immer seltener auf solchen Messen im westeuropäischen Ausland zu sehen. Da macht Le Bourget genau so wie die ILA keine Ausnahme. Ob es daran liegt, dass man Angst vor der Pfändung von Fluggerät durch Gläubiger von gescheiterten Jointventures hat oder ob das Klima durch die aktuellen Wirtschaftssanktion entsprechend vergiftet ist? Vermutlich von beidem etwas.

Irkut zeigte jedenfalls den Flugsimulator seines neuen Passagierjets MC-21, ein Konkurrenzmodell für den A320 von AIRBUS. Auf meine Frage hin wurde die Präsentation des Prototyps auf der MAKS in Moskau nächsten Monat in Aussicht gestellt. Das wird bestimmt dort die ganz große Show. Das ist ja dann auch ein Heimspiel für die Russen.

Draußen auf dem Display neben einer Mülltonne sind noch die Reste vom Stand der Suchoj Superjet 100 zu finden. Diese war in den Farben einer mexikanischen Fluggesellschaft dort ausgestellt gewesen, ist aber auch schon längst wieder auf dem Heimweg.

Der zusammenfassende Eindruck: Russlands Ausstellerpräsenz war ein Höflichkeitsbesuch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im Moment scheint nicht mehr möglich zu sein.

Die USA
Die USA hatten einen eigenen Pavillon. Am frühen Freitag Nachmittag, dem ersten Publikumstag von insgesamt drei „offenen“ Tagen, begann man mit dem Abbau. Die Stände waren verweist, Handwerker demontierten die ersten Trennwände ab. Jemand lief mit einer Flasche Sekt herum und rief nach den verbliebenen Standbetreuern. In einem mit leeren Tischen abgesperrten Bereich konnte man ausgelassenes Gelächter hören. Vermutlich freute man sich, dass man rechtzeitig zum Wochenende nach Hause kam. So etwas hätte es früher nicht gegeben! Aber früher war sowieso alles anders! Die Zeiten ändern sich eben. Ich frage mich bloß, was für den Luftfahrt-Fan besser ist: Schweigende Russen oder abgereiste Amerikaner.

Die Deutschen, der BDLI
Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) ist einer der größten Aussteller. Alles was in Deutschland Rang und Namen hat, ist hier vertreten. Ich kann interessante Gespräche mit der „Astro- und Feinmechanik Adlershof GmbH“ und der „Jena-Optronik GmbH“ führen. Die Zeit vergeht dabei wie im Fluge.

Andreas Weise

Bild vergrößernEinige deutsche Aussteller
(Bild: Andreas Weise)
Das DLR
Zunächst fällt mir auf: Das Projekt Spaceliner ist nirgends zu sehen. Vor zwei Jahren war dieses Hyperschallprojekt noch Starobjekt in Paris und Moskau. Vielleicht liegt es daran, dass man in Le Bourget dieses Jahr reale Supersonic-Projekte, die kurzfristig auch realisierbar sind, vorstellte. Vielleicht wollte man aber auch nicht immer das Selbe zeigen. Spaceliner steht und fällt, wie so vieles, mit der Finanzierung und dem Mut zur Realisierung. Und das DLR braucht da zahlungskräftige Partner.

Aber man kann nicht den DLR-Auftritt auf ein Projekt eingrenzen. Ich lasse mir das Projekt CRISPmulti erklären. Hier wird Grundlagenforschung an zwei gegenläufigen Schaufelrädern in einem Turbofan-Triebwerk betrieben. Das DLR hat eben nicht nur etwas mit Raumfahrt zu tun, wie manche Fans mitunter vergessen. Sonst würde es ja DR und nicht DLR heißen. Und wie vielschichtig das DLR aufgestellt ist, erklärt mir mit freundlicher Stimme und Engelsgeduld Falk Dambowsky. Er berichtet von Aufgaben der Erderkundung mit Tandem-L, neusten Radar-Projekten dazu und das Projekt Firebird mit TET-1 zur Waldbranderkennung. Trotz gegensätzlicher, alternativer Meinungen aus Amerika scheint man die Sache mit dem Klimawandel beim DLR ernst zu nehmen. Die Zusammenarbeit mit Russland werde nicht nur durch die Sicherung des Flugbetriebes der ISS bestimmt. Man hat auch gemeinsame Forschungsprojekte. Auf der MAKS nächsten Monat werde man wieder einen großen eigenen Stand haben.

Für mich präsentiert sich das DLR in Le Bourget wie immer hoch interessant und breit aufgestellt. Wenn man das doch von anderen Ausstellern auch so sagen könnte…

Die ESA
Die ESA hatte wie immer einen eigenen Pavillon. Anstehen ist angesagt. Wartezeit mindestens 30 Minuten in sengender Sonne. Im Inneren wird gerade über Philae in einem großen Vortrag berichtet. Léopold Eyharts ist auch anwesend und beantwortet dem Publikum Fragen zur ISS. In einer Vitrine stehen kleine Modelle von Exo-Mars. Ein größeres Modell zeigt die Ariane 6.

Mein Eindruck: Die ESA befindet sich gerade in einer „Zwischenzeit“. Die vergangenen Erfolge von Philae hallen noch nach. Die neuen Erfolge von Exo-Mars sind noch nicht eingetroffen. Hoffentlich „vergeigt“ man das nicht, denke ich. Es wäre einen Katastrophe für das Image der europäischen Raumfahrt. An der Decke schwebt ein kleines Modell der ISS und in einem Newsmagazin kann man ESA-Chef Wörner und sein Monddorf sehen. Aufregendes gibt es nicht zu bestaunen. Wie gesagt, man befindet sich gerade zwischen Vergangenem und Zukünftigem.

Die CNES
Die französische Raumfahrtbehörde CNES hat gleich neben der ESA einen eigenen Pavillon. Hier ist die Warteschlange noch länger und mir läuft die Zeit davon. Ich entscheide mich dafür, mich nicht in die Wartenden einzureihen. Der Eingang ist dekoriert mit einem Werbehinweis auf die neue Comic-Verfilmung „Valerian“. Der französische Kult-Comic hat es nun endlich auch in die Kinos geschafft. Die Mischung von „Star-Wars“ und „Avatar“ wird den Besucher auch in den deutschen Kinos erwarten. Hier wird eine wirklich sehr weit entfernte Zukunftsvision beschrieben. Aber das hat freilich nichts mit aktueller Raumfahrt zu tun und so vermute ich, dass Frankreich auch nicht viel außergewöhnlich Neues zu zeigen hatte.

Das Display: Die Freifläche.
Ich stehe bei backofenähnlichen Temperaturen im Freien und genieße eine sehr teure kalte Cola. Der Blick sucht die neuen Flugzeuge.
„Ja, wo stehen sie denn?“ Das hätte eher heißen sollen: „Ja wo standen sie denn?“ Die meisten Aussteller hatten ihr Fluggerät bereits abgezogen. Ein Phänomen, das bereits ein Jahr zuvor auf der ILA schmerzlich zu beobachten war. Die Aussteller zeigen ihre teuren Flieger nur an den Fachbesuchertagen. Für die Publikumstage ist dann kein Geld mehr da. Als ich gegen halb zehn am Morgen noch im Bus sitzend auf dem Weg zum Messegelände war, startete gerade der ukrainische Transporter AN-132. Donnerwetter, dachte ich. Hier fängt man aber früh mit dem Flugprogramm an. Dass die Maschine sich aus dem Staube, bzw. auf den Heimweg machte, hatte ich gar nicht erwartet.

Wer (wie immer) bis zum Schluss blieb, war die US-Air Force. Die wird aber vermutlich nicht privat finanziert, wie die meisten Aussteller.

Andreas Weise

Bild vergrößernAirbus A310 "Zero G"
(Bild: Andreas Weise)
Über einen „alten Bekannten“ habe ich mich dann doch noch sehr gefreut. Der Zero-Gravity-Airbus war da. Die Maschine dient für Parabelflüge zur Simulation von Schwerelosigkeit. Das Flugzeug vom Typ A310 trägt die aktuelle französische Flugkennung F-WNOV. Ursprünglich war diese Maschine für die DDR-Fluggesellschaft Interflug gebaut worden und dort unter der Kennung DDR-ABA geflogen. Später kam sie dann zur Flugbereitschaft der Bundesluftwaffe und tat dort als Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ ihren Dienst. Das besondere an dieser A310 ist, dass sie mit zusätzlichen Tanks ausgerüstet wurde, die die Flugreichweite erhöhen.

Das Fazit
Das Fazit nach über siebeneinhalb Stunden Aufenthalt auf dem Gelände der weltgrößten Luft- und Raumfahrtschau fällt ernüchternd aus. Allerdings ist es nicht überraschend. Der Trend, die Kosten der Aussteller zu senken, zu Ungunsten einer Präsentation für das breite, steuerzahlende Publikum, hält an. Dies war in Le Bourget 2015 und auf der ILA 2016 bereits erkennbar. Ich wage zu orakeln, dass es auf der MAKS nächsten Monat in Moskau ganz anders sein wird. Da wird wieder bestimmt alles aufgefahren, was Russland zu bieten hat. Aber da ist auch die Zielrichtung gegenüber dem Zuschauer eine andere als hier in Westeuropa. Einen Kontrapunkt zur Luftfahrt in Le Bourget hat die Raumfahrt gesetzt. Hier war man bemüht, die Begeisterung beim Publikum zu wecken und zu schüren. Dank dafür an ESA und DLR. Es besteht also Hoffnung.

Am Ausgang steht auf einem großen Schild die obligatorische Einladung zu Le Bourget 2019. Ich überlege ernsthaft, ob ich mich dann dem Stress noch einmal aussetze. Nach der Abwägung aller Fakten würde ich im Augenblick sagen: Nein! Aber 2019 ist noch lange hin und man sollte keine übereilten Entscheidungen treffen.

Und zurück…
Der Bus zum Flughafen ist fast voll besetzt. Alle sind gut gelaunt. Die Klimaanlage funktioniert und man kann noch einmal Pariser Verkehrsgeschehen bewundern. Im spätnachmittäglichen Berufsverkehr regeln in Le Bourget zwei Polizistinnen den Verkehr an einer großen Kreuzung. Die Ampel leuchtet zwar, aber das Sagen haben die beiden Damen mit der Trillerpfeife im Mund und den Pistolen am Gürtel. Koordination von mehreren abbiegenden Fahrzeugen bei gleichzeitiger Freigabe der Hauptverkehrsrichtung! Alle Achtung. In Berlin hätte es nach 10 Sekunden bestimmt schon den ersten Unfall gegeben. Hier funktioniert aber die Organisation des Chaos! Fast unglaublich.

Am Terminal-2 steigen dann fast alle aus. Ich frage, ob der Bus jetzt noch zum Terminal-1 fährt. Aber natürlich! Da dieser am anderen Ende des Flughafengeländes ist, genieße ich noch einmal die „Besichtigungsfahrt“. Der Durchmarsch durch die Sicherheitskontrollen geht schnell von statten. Kaum im Wartebereich angekommen, erfahre ich, dass der Flug nach Berlin die schon fast traditionelle Dreiviertelstunde Verspätung hat. Der Warteraum ist überfüllt. Sitzplätze Mangelware. Endlich im Flieger teilt der Flugkapitän gut gelaunt mit, man wäre in Berlin zu spät losgeflogen, weil es dort an der Abfertigung Verzögerungen gab. Irgendwoher kennt man das schon.

Dann rast er zur Startbahn los. Man könnte meinen „Captain Speedways“ sitzt höchstpersönlich am Steuer. Plötzlich eine Vollbremsung und alle werden aus den Sitzen nach vorn gerissen. „Jetzt hat er beinahe die Ausfahrt verpasst…!“ freut sich lauthals eine Schulklasse im hinteren Teil der Kabine.
Später nach der Landung in Tegel rast der Jet noch einmal über das Flugfeld zur Parkposition. Trotz dieser sportlichen Einlage gelingt es ihm nicht, die Verspätung aufzuholen. Wieder eine Vollbremsung und die Durchsage „Bitte bleiben Sie noch angeschnallt sitzen. Die Bodenabfertigung ist noch nicht vor Ort eingetroffen...“ Berlin – Ich bin wieder zu Hause!
Gegen 1 Uhr des nächsten Tages komme ich dann daheim an.

Ob sich der Aufwand gelohnt hat? Die Hoffnung auf Verbesserung bleibt. In zwei Jahren wieder!

(Dieser Text wurde hauptsächlich Anfang Juli geschrieben. Inzwischen fand auch die MAKS in Moskau statt.)

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