ISS-Experimente wieder zurück auf der Erde
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Autor: Raumfahrer.net Redaktion / 06. September 2019, 18:36 Uhr

Schulprojekt feiert Auftakt in der experimenta

Grundschüler säen Wildblumenwiesen mit Samen aus dem All. Eine Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Quelle: DLR
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DLR (CC-BY 3.0)

Bild vergrößernDLR-Schulaktion "Weltraumblumen beobachten"
(Bild: DLR (CC-BY 3.0))
6. September 2019 - Was ist biologische Vielfalt? Was bedeuten Blumen für uns und unsere Umwelt? Und was haben Blumen mit Raumfahrt zu tun? Diesen und weiteren Fragen können Grundschülerinnen und Grundschüler bei der Schulaktion "Space Seeds" nachgehen. Bei dem Forschungs- und Experimentierprojekt werden Schulkinder zu Wissenschaftlern und erforschen Wildblumensamen, die zusammen mit ESA-Astronaut Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation ISS waren. Das Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn organisiert das bundesweite Wissenschaftsprojekt für Grundschulen und hatte fünf Päckchen mit Samenmischungen als Teil der "horizons"-Mission ins All geschickt. Als erste Schule erhält am 6. September 2019 die Silcherschule aus Heilbronn die aus dem All zurückgekehrten Blumensamen.

Auftaktveranstaltung im Science Dome der "experimenta" in Heilbronn
In Kooperation mit Deutschlands größtem Science Center, der "experimenta" in Heilbronn, werden die Wildblumensamen im Science Dome während einer Feierstunde übergeben. Der Science Dome der Lern- und Erlebniswelt mit seiner 100 Quadratmeter großen Bühne und seiner als Projektionsfläche dienenden spektakulären Kuppel bildet dabei den besonderen Rahmen. Ehrengäste des Abends sind die Schülerinnen und Schüler der Silcherschule aus Heilbronn. Sie erhalten die ersten Päckchen der Blumensamen, die mit ESA-Astronaut Alexander Gerst auf der ISS waren. Gemeinsam mit ISS-Missions-Manager Volker Schmid vom DLR Raumfahrtmanagement, dem Tier- und Naturfilmer Jan Haft und dem "Hüter der Wildblumen" Ernst Rieger werden die Grundschülerinnen und Grundschüler die ISS-Blumensamen aussäen und damit die Schulaktion starten. Ernst Rieger aus dem schwäbischen Blaufelden entwickelt seit 35 Jahren Wildblumen- und -gräsermischungen für Blühflächen, er hatte die Samenmischungen für die Raumstation zur Verfügung gestellt.

experimenta gGmbH

Bild vergrößernMit rund 25.000 Quadratmeter Fläche ist die experimenta in Heilbronn nach eigener Angabe das größte Science Center Deutschlands. Zu der Einrichtung gehört auch eine Sternwarte.
(Bild: experimenta gGmbH)
"Die Schulaktion führt Grundschülerinnen und Grundschüler an das erste Forschen und Experimentieren heran und schafft gleichzeitig ein Bewusstsein zum Schutz unseres Planeten. Jede Grundschule in Deutschland kann sich über unsere Internetseite Space2school.de die Weltraumsamen und spannendes Begleitmaterial zu diesem wichtigen und hochaktuellen Thema bestellen," sagt Alexandra Herzog, Koordinatorin für Schul- und Jugendprojekte im DLR Raumfahrtmanagement.

Grundschulen können Samen und Unterrichtsmaterial bestellen
Denn nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen die Space Seeds untersuchen, auch die Forschenden von morgen – Grundschüler in der dritten und vierten Klasse – sind bundesweit aufgefordert zu forschen, zu experimentieren und zu entdecken. Wie haben die WiIdblumensamen die Reise ins All überstanden? Können daraus noch Blumen wachsen? Das ist wichtig, um zu erfahren, ob die Samen für längere Zeit im All überleben würden. Nur da, wo Pflanzen sind, kann auch Leben sein. Bis Januar 2020 können sich Schulen bundesweit Blumensamen aus dem All, eine Vergleichsprobe sowie Begleitmaterial für den Unterricht dazu sichern. Der Versand an die Schulen erfolgt im Frühjahr 2020.

ESA

Bild vergrößernDie Wildblumensamenmischungen waren mehrere Monate mit ESA-Astronaut Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation.
(Bild: ESA)
In einer Videobotschaft ermutigt der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst die Grundschülerinnen und Grundschüler: "Wildblumen sind entscheidend für die Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt und machen unseren blauen Planeten auch in der Zukunft lebenswert. (...) Euch, liebe Schülerinnen und Schüler, möchte ich ermutigen, neugierig zu sein, Hintergründe zu erforschen und Ideen zum Schutz der Umwelt und der Tier- und Pflanzenarten umzusetzen."

Die Experimentier-Sets mit Space Seeds und begleitendem Unterrichtsmaterial können ab dem 23. September 2019 unter www.space2school.de/spaceseeds bestellt werden.
Space2school ist das Lehrerportal des Raumfahrtmanagements des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Dort werden raumfahrtaffine Lerninhalte für die MINT-Fächer aller Jahrgangsstufen präsentiert. Lehrkräfte können sich aufmerksamkeitsstarke, didaktisch aufbereitete Materialien direkt ins Klassenzimmer liefern lassen. Außerdem stehen Online-Lernmodule, Arbeitsblätter, Lehrer- und Schülerhefte zum Herunterladen bereit.

Rieger-Hofmann GmbH

Bild vergrößernDer baden-württembergische Landwirt Ernst Rieger sammelt und vermehrt seit 30 Jahren Wildsamen und Gräser.
(Bild: Rieger-Hofmann GmbH)
Drei Fragen an Ernst Rieger
Als die Anfrage des Raumfahrtmanagements kam, ob Sie Wildblumensamen zur Raumstation schicken möchten, was war Ihr erster Gedanke?
Ernst Rieger: Ich dachte: 'Prima Sache', da wir schon lange auf einen Multiplikator dieser Dimension gewartet haben,  der das Verständnis für Wildpflanzen, Bestäuberleistung und Förderung von Nützlingen in die breite Öffentlichkeit tragen kann.

Wildblumen, könnte man meinen, wachsen wie und wo sie wollen. Warum stellen Sie seit mehr als 30 Jahren spezielle Mischungen her?
Ernst Rieger: Wildblumen wachsen nur dort, wo sie ihre ökologische Nische haben. Nicht jede Art wächst überall. Wir und unsere Biologen haben uns bei der Natur abgeschaut, welche Pflanzengesellschaften wo wachsen. Deshalb erstellen wir überwiegend Sondermischungen für den späteren Standort. Diese funktionieren nur, wenn die ausschließlich verwendeten Wildarten gebietseigen vermehrt, gemischt und in der Herkunftsregion ausgebracht werden. Dauerhaft erhalten bleiben solche artenreichen Wiesen- oder Saumansaaten in ihrer Vielfalt  nur durch an deren Wuchsverhalten angepasste Nutzung oder Pflege.

Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland werden mit den aus dem All zurückgekehrten Blumensamen experimentieren. Welche Ergebnisse wünschen Sie sich?
Ernst Rieger: Wir hoffen, dass durch die "Space Seeds" die Schüler für  Artenvielfalt und heimische Wildblumen und deren wichtige Rolle für bestäubende Insekten sensibilisiert werden und den dringenden Handlungsbedarf in punkto Ernährungssicherung erkennen. Denn: Etwa 40 Prozent unserer Pflanzen für die Nahrungsmittelproduktion müssen bestäubt werden.

Zur Person
Erst Rieger ist gelernter Landwirt  und Geschäftsführer der Rieger-Hofmann GmbH in Blaufelden. Das 1994 gegründete Unternehmen hat sich auf die Vermehrung von gebietstypischem  gebietsseigenem  Saatgut von Wildgräsern, Wildblumen und Leguminosen spezialisiert. Es hat mehr als  450 Arten von Samen im Angebot.

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