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Autor: Andreas Weise / 09. November 2018, 15:10 Uhr

Raumfahrer.net im Museum: DTM Berlin

Im Berliner Technikmuseum gibt es etwas Neues zu entdecken: Eine Raumfahrtausstellung! Raumfahrer.net hat sie sich angesehen.

Quelle: Museumsbesuch
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A. Weise

Bild vergrößernDas Deutsche Technikmuseum Berlin
(Bild: A. Weise)
Sucht man heute nach dem Begriff „Raumfahrtausstellung“, so landet man relativ schnell bei:
  • Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz
  • Raumfahrtausstellung im Technik Museum Speyer
  • Raumfahrtausstellung im Deutschen Museum München (Umbau bis 2020)
Nur sehr wenige würden vermuten, dass sich auch in Berlin eine kleine, aber feine Raumfahrtausstellung verbirgt. Das „Deutsche Technikmuseum Berlin“, so der offizielle Name, hat eine lange Tradition hinter sich.

Das 1983 gegründete Museum sieht sich als Nachfolger von über 100 technischen Sammlungen in Berlin, die bis in die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg zurück reichen. Schon fast traditionsgemäß platzt das weitläufige Gelände auf einem ehemaligen Güterbahnhof aus allen Nähten. Und das trotz weiterer Gebäudesanierung und eines imposanten Neuanbaus aus dem Jahre 2001.

Die Abteilung Luft- und Raumfahrt hatte ihren Schwerpunkt bislang mehr auf „Luft“, denn auf „Raum“. Das soll sich nun etwas ändern. Kurator Heiko Triesch gewährte Raumfahrer.net einen exklusiven Einblick in die bestehende Sonderausstellung „40 Jahre Deutsche im Weltall“ und plauderte auch eine wenig über seine weiteren Pläne. Und das an einem Montag-Spätnachmittag, wo viele Museen üblicherweise geschlossen haben.

A. Weise

Bild vergrößernModell von Salut 6 mit den Zubringerschiffen Sojus 29 und Sojus 31
(Bild: A. Weise)

Triesch, der aus Bremen stammt, erzählt, dass noch immer sehr viele westdeutsche Landsleute auf die Frage, wer der erste Deutsche im Weltraum war, wie aus der Pistole geschossen antworten: Ulf Merbold. Die Sonderausstellung versucht hier Aufklärung zu leisten. Der Betrachter geht durch einen Gang, wo rechts die Raumfahrtentwicklung in der DDR und links die in der alten Bundesrepublik dargestellt ist. Die Exponate-Anordnung verschmilzt dann irgendwann zu einer einheitlichen Darstellung, von wo an es nur noch das geeinte Deutschland gibt. Am Ende des Ganges finden sich folgerichtig Exponate von und zu Alexander Gerst.

A. Weise

Bild vergrößernBlick auf die Sonderausstellung
(Bild: A. Weise)
Man sei erst am Beginn eines Aufbaues einer Raumfahrtsammlung, berichtet Triesch. Einige Exponate gab es schon, so zum Beispiel das 1:1-Modell des Phönix-Gleiters von Airbus oder ein Triebwerk einer A4. Dankbar sei man für die Unterstützung des privaten Raumfahrtmuseums Mittweida und seines Chefs Tasillo Römisch. Viele hier zu sehende Objekte seien entsprechende Leihgaben. Natürlich könne und werde man in Art und Umfang nicht mit den großen Raumfahrtausstellungen, wie zum Beispiel in Speyer, konkurrieren. Aber darum ginge es auch nicht.

A. Weise

Bild vergrößernDer Gleiter Phoenix
(Bild: A. Weise)
Vielmehr will man das, was Raumfahrt ausmacht, entsprechend vermitteln. So zum Beispiel die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Nationen zum gemeinsamen Nutzen. Auch wird das woher und wohin thematisiert. Stolz präsentiert er in einer Glasvitrine etwas abseits zwei Raketen-Modelle: Eine Atlas und eine R-7. Die Nutzlastspitzen sind bei beiden Modellen austauschbar. Entweder ein Kernsprengkopf oder eine Mercury, bzw. eine Wostok. Daran, wie man die Objekte im Detail später präsentiert, wird noch gearbeitet. Die Modelle seien auch noch nicht ganz fertig.

Bei einem weiteren Modell möchte man auch noch Hand anlegen: Das Modell von Sojus29/31/Salut6 soll noch etwas überarbeitet werden. Beim Bau des Modells blieben Details und Eigenheiten des Originals unberücksichtigt, weshalb nachgearbeitet werden soll. Man will hierbei genau sein. Für konstruktive, fach-kritische Hinweise sei man im Übrigen immer sehr dankbar.

A. Weise

Bild vergrößernSchild „Sojus“
(Bild: A. Weise)
Viele kleine Dinge gibt es zu sehen, die mit entsprechenden Geschichtchen verbunden sind. Sei es der „Weltraum-Sandmann“ oder der „kosmische“ Hein Blöd. Auch erfährt man, dass sich die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs auch mit kosmischer Nahrung beschäftigt.

Etwas seitlich hängt ein etwas angerostetes Schild mit der Aufschrift „Sojus“. Dieses könnte einer Bühnendekoration der Band Rammstein entsprungen sein. Ist es aber nicht! Zugegeben, es hat mit der eigentlichen Ausstellung nichts zu tun, aber der Schriftzug passte einfach hier her. Kenner der Ost-Berliner Kulturlandschaft wissen sofort, worum es sich handelt. Der Schriftzug stammt aus dem ehemaligen Kino Sojus in Berlin Marzahn.

A. Weise

Bild vergrößernBordjacke aus Russland
(Bild: A. Weise)
Triesch erzählt, dass man dabei ist, ein 1:1 Modell von Sputnik 1 zu beschaffen. „Nach dem berühmten Sputnik auf dem Cafe Moskau in der Karl-Marx-Alle haben wir uns nicht getraut zu fragen“, scherzt er.

Manches Ausstellungsstück wirft Fragen auf. Eine Bordjacke zum Beispiel. Diese stammt, so heißt es, von Kosmosveteran Valeri Bykowski. Es verwundert die Farbgebung: Wer ein historisches Foto hat, auf dem genau diese Bordjacke zu sehen ist, möchte sich bitte melden.

An zentraler Stelle liegt ein ganz besonderes Ausstellungsstück. Ein Teil einer „Möhre“, also eines Erststufen-Außenblocks, mit der zugehörigen Steuerflosse. Sehr gut ist der Steuermechanismus der Flosse zu erkennen.

A. Weise

Bild vergrößernSojus-Steuerflosse
(Bild: A. Weise)
Glaubhaft wird versichert, dass es sich hier um ein Teil der Trägerrakete der Sojus-MS-09-Mission handeln soll.

Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, das die verbauten Teile gerade zu mit Prüf-Stempeln und Nummern übersät sind. „Viel Spaß beim GRAU-Nummern identifizieren!“ möchte man rufen... Auf alle Fälle deutet 8K71 auf R-7 hin. Was bedeutet das? Die Trägerrakete von Sojus-MS 09 war doch eine Sojus FG! Das ist eine Frage an die Experten im Forum... Man merkt: Es lohnt sich, auch die Details im Museum mit offenen Augen zu erkunden.

A. Weise

Bild vergrößernTeilenummer auf Raketenteil mit Sojus-Steuerflosse
(Bild: A. Weise)

Die Sonderausstellung „40 Jahre Deutsche im Weltall“ ist noch bis zum 30. Dezember 2018 geöffnet. Wie geht es dann weiter? Triesch berichtet, man bemühe sich um eine Verlängerung. Das hinge natürlich auch von den Leihgebern ab. Langfristig ist eine Dauerausstellung geplant. Da im Haus der Platz begrenzt ist, überlege man, im ehemaligen Flughafengebäude in Tempelhof einen Hanger zu nutzen. Aber das sei noch alles Zukunftsmusik. Zunächst konzentriere man sich auf das Haupthaus. Pläne für die Beschaffung von publikumswirksamen Objekten gebe es. Man sei ja erst am Anfang des Aufbaues einer entsprechenden Sammlung. Hierzu wünscht RN viel Erfolg. Eine Bereicherung für Berlin wäre es auf alle Fälle.

Das Deutsche Technikmuseum Berlin ist zu finden in der Trebbiner Straße 9, 10963 Berlin-Kreuzberg.

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