Indien: Mondsonde und Comsat müssen überprüft werden
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Autor: Thomas Weyrauch / 10. Juni 2016, 11:55 Uhr

Intelsat 31 alias DLA 2 auf Proton-M gestartet

Am 9. Juni 2016 hob pünktlich um 9:10 Uhr MESZ eine Proton-M-Rakete vom Startplatz 81/24 im kasachischen Baikonur ab, um den Kommunikationssatelliten Intelsat 31 für den in London ansässigen Kommunikationssatellitenbetreiber Intelsat ins All zu befördern.

Quelle: Chrunitschew, ILS, Intelsat, Roskosmos, Space Systems/Loral
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Roskosmos

Bild vergrößernProton-M-Start mit Intelsat 31 - vor dem Abheben ...
Roskosmos

Bild vergrößern... und im Flug
(Bilder: Roskosmos)
Der Start erfolgte um 10:10 Uhr Moskauer Zeit am 9. Juni 2016 einen Tag nach dem zuletzt anvisierten Termin. Die Verzögerung war Folge von technischen Problemen mit den Bodenanlagen. Eine elektrische Komponente musste getauscht, Leitungen und Steckverbinder überprüft werden. Die Arbeiten waren innerhalb eines Tages erledigt, und dem Start stand nichts mehr im Weg.

Gestartet wurde dann im Namen des Unternehmens International Launch Services, abgekürzt ILS. ILS kümmert sich um die Vermarktung von kommerziellen Starts mit Proton-Raketen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Reston in den Vereinigten Staaten von Amerika. Hauptanteilseigner ist der staatliche russische Raketenbauer Chrunitschew. Er stellt die Proton-Raketen und die oft verwendeten Breeze-Oberstufen her.

Proton jetzt leichter und leistungsfähiger
Die von Chrunitschew in Russland gebaute Rakete (russischer Erzeugniscode 8К82КМ) kam zum ersten mal in einer weiter verbesserten Variante zum Einsatz. Sie besaß wie üblich drei Raketenstufen, mit denen sie die Orbitaleinheit, bestehend aus der Oberstufe Breeze-M (Erzeugniscode 14С43) und dem Satelliten unter einer gemeinsamen Verkleidung, auf den Weg brachte.

Phase IV nennt sich die neue Bauvariante der Proton. Bei ihr kommen verstärkt Komposit-Materialien zum Einsatz. Bauteile aus Metall bestehen jetzt zum Teil aus leichteren, aber stabileren Aluminiumstrukturen.

Intelsat

Bild vergrößernIntelsat 31 am 6. Mai 2016 auf Breeze-M-Oberstufe in Baikonur
(Bild: Intelsat)
Neue aus Komposit-Material gefertigte Bauteile machen die zweite Stufe unempfindlicher gegen Windlasten. Für die Tanks der dritten Stufe werden jetzt andere Legierungen verwendet. Die Instrumentenbucht der dritten Stufe besteht nun aus Komposit-Material, das nun auch in größerem Umfang in der Nutzlastverkleidung – Erzeugniscode 14C75 - genutzt wird. Gewichtsvorteile ergeben sich außerdem durch ein leichteres Telemetriesystem in der Oberstufe.

Die Transportkapazität der Rakete wurde durch die Konstruktionsänderungen laut ILS um rund 150 Kilogramm gesteigert. In einen für geostationäre Kommunikationssatelliten üblichen Standard-Geotransferorbit kann eine Phase-IV-Proton eine Nutzlast von rund 6.300 Kilogramm transportieren.

Erfüllung hochfliegender Pläne
Nach knapp 9 Minuten und 41 Sekunden Flugzeit wurde die Orbitaleinheit von der dritten Stufe der Proton abgetrennt. Eine erste Zündung der Breeze-M-Oberstufe brachte die Orbitaleinheit in einen Parkorbit. Nach weiteren vier Brennphasen der Breeze-M-Oberstufe wurde der Satellit schließlich gegen 1:40 Uhr Moskauer Zeit bzw. 0:40 Uhr MESZ am 10. Juni 2016 rund 15 Stunden und 30 Minuten nach dem Abheben im All ausgesetzt. Erste Telemetriedaten vom Satelliten sind am Boden empfangen worden.

Das erreichte Apogäum, der von der Erde am weitesten entfernte Bahnpunkt, lag nach Mitteilung der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos im Bereich von 65.000 Kilometern über der Erde. Das Apogäum fiel also wie geplant aus. Der der Erde nächstliegende Bahnpunkt der vorgesehenen Übergangsbahn liegt laut ILS bei 3.503 Kilometern über der Erde, die geplante Inklination, die Neigung der Bahn gegen den Erdäquator, bei 29,6 Grad.

Endgültige Bahndaten liegen noch nicht vor. Sie werden mit Spannung erwartet, da beispielsweise die russische Nachrichtenagentur Interfax gemeldet hatte, eines der vier Triebwerke der zweiten Stufe der Proton-Rakete habe neun Sekunden zu früh abgeschaltet. Deshalb sei die erste Brennphase der Breeze-M-Oberstufe über 30 Sekunden länger ausgefallen als geplant.

Intelsat

Bild vergrößernTriebwerke am Heck von Intelsat 31
Intelsat

Bild vergrößernIntelsat 31 in Gesamtansicht
(Bilder: Intelsat)
Bahnverfolgungsdaten deuten darauf hin, dass die zweite Stufe nach ihrer Abtrennung nicht so weit flog und früher auf dem Erdboden auftraf als erwartet. Die Daten sprechen außerdem für eine 34,7 Sekunden längere erste Breeze-Brennphase und ein Geschwindigkeitsdefizit bei Brennschluß der dritten Proton-Stufe von 28,2 Meter pro Sekunde. Offizielle Mitteilungen der beteiligten Unternehmen und Organisationen über Probleme und einer vom geplanten Orbit abweichenden Umlaufbahn liegen bis dato nicht vor.

Schwergewicht für Kommunikation und TV
Der mit 10 C- und 72 Ku-Band-Transpondern ausgerüstete Intelsat 31 besitzt eine Masse von 6.450 Kilogramm (Masse unbetankt 3.386 Kilogramm). Das dreiachsstabilisierte Raumfahrzeug ist für eine Position bei 95 Grad West im Geostationären Orbit (GEO) in etwa 35.786 Kilometern über der Erde gedacht. Dort soll es in Kolokation mit Intelsat 30 alias DLA 1, der seit dem 16. Oktober 2014 um die Erde kreist, und Galaxy 3C, seit dem 15. Juni 2002 im All, betrieben werden. Die Postion im GEO wird der neue Satellit unter Nutzung eigener Triebwerke erreichen können. Ausgestattet ist er mit chemischen und elektrischen Triebwerken.

Von seiner künftigen Position aus soll Intelsat 31 Kunden in Süd- und Lateinamerika sowie der Karibik mit einer großen Bandbreite von Kommunikationsdiensten versorgen. Die C-Band-Transponder sind der Erweiterung Intelsats C-Band-Infrastruktur für Lateinamerika gewidmet. Mit der Ku-Band-Nutzlast unter der Bezeichnung DLA-2 will man eine redundante Versorgung für die Ausstrahlungen von DIRECTV Lateinamerika für Empfänger in Südamerika und der Karibik realisieren.

Space Systems/Loral

Bild vergrößernIntelsat 31 im All - Illustration
(Bild: Space Systems/Loral)
Die erwartete Lebensdauer des neuen Erdtrabanten liegt nach Angaben seines Herstellers bei mindestens 15 Jahren. Gebaut wurde Intelsat 31 von Space Systems/Loral in Palo Alto im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. Er basiert auf dem Satellitenbus 1300.

Zur Versorgung der Satellitensysteme und der Kommunikationsnutzlast ist Intelsat 31 mit zwei Solarzellenauslegern mit je sechs Elementen ausgestattet. Sie geben ihm eine Spannweite von rund 32,4 Metern. Für die Kommunikationsnutzlast können sie nach Angaben von Intelsat rund 20 Kilowatt elektrische Leistung bereitstellen. Der Speicherung elektrischer Energie an Bord dienen Lithium-Ionen-Akkumulatorensätze.

Der Transport von Intelsat 31 in den Weltraum erfolgte beim 3. Flug einer Proton-Rakete im Jahr 2016, und dem 412. Flug einer Proton-Rakete insgesamt. 93 Proton-Raketen kamen damit unter der Ägide der ILS zum Einsatz. Mit Intelsat 31 befinden sich jetzt 12 für Intelsat auf einer von ILS vermarkteten Proton-Rakete beförderte Satelliten im All. Außerdem handelt es sich um den 28. von Space Systems/Loral gebauten Satelliten, der auf einer Proton-Rakete gestartet worden ist.

Update 11. Juni 2016:
Mittlerweile liegen Katalog- und Bahndaten vor. Intelsat 31 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.581 und als COSPAR-Objekt 2016-035A. Der Satellit wurde in einem 29,57 Grad geneigten 3.365 x 65.061 km Orbit beobachtet. Nach Angaben von ILS wurde der anvisierte Orbit mit hoher Präzision erreicht.

Die Breeze-M-Oberstufe ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.582 und als COSPAR-Objekt 2016-035B. Die Oberstufe wurde auf einer 31,03 Grad geneigten 1.839 x 63.713 km Bahn gesichtet. Ihr vorher abgetrennter Zusatztank ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.583 und als COSPAR-Objekt 2016-035C. Er fliegt auf einer 50,81 Grad geneigten 357 x 14.031 km Bahn.

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