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Autor: Daniel Maurat / 11. Oktober 2011, 18:31 Uhr

Kommt das Orion-SM aus Europa?

Zurzeit denkt man bei der NASA darüber nach, als Versorgungsmodul für das neue bemannte Raumschiff Orion ein modifiziertes Versorgungsmodul des europäischen ATV zu nutzen.

Quelle: NSF, ESA, BBC
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ESA

Bild vergrößernSo kann die Kombination aus Orion-Kapsel und ATV-basiertem Versorgungsmodul aussehen.
(Bild: ESA)
Amerika will zum Mars. Das steht schon seit Jahren sowohl bei der NASA als auch in der US-Regierung fest. Dazu begann man die Entwicklung des neuen bemannten Raumschiffes Orion, auch bekannt als Multi Purpose Crew Vehicle (MPCV). Dabei wurde in den vergangenen Jahren die neue Kapsel entwickelt und soll vielleicht schon 2013 einen ersten Testflug machen (Raumfahrer.net berichtete). Doch ist Amerika beim Versorgungsmodul, welches sowohl die Steuerung als auch die Energieversorgung des Raumschiffes übernehmen soll, noch nicht weit gediehen.

Aber es gibt zurzeit ein erfolgreiches Versorgungsmodul, dass auch im Einsatz ist und für die Orion-Kapsel genutzt werden könnte: das Versorgungsmodul des europäischen ATV war bei seinen bisher zwei Einsätzen der ATV-Missionen 1 und 2 sehr erfolgreich und ist ausbaubar. Das ATV (Automated Transfer Vehicle für Automatisches Transportvehikel) ist dabei ein unbemanntes europäisches Versorgungsraumschiff, welches für die Versorgung der Internationalen Raumstation ISS genutzt wird. Die ESA hatte verschiedene Pläne, auf Basis dieses Raumschiffes ein eigenes bemanntes Raumfahrzeug zu entwickeln. Doch sieht es bisher nicht danach aus. So laufen schon seit einiger Zeit Gespräche zwischen Vertretern der NASA und der ESA zu diesem Thema und auch die Projektleiter des Orion-Programms haben ein immer weiter steigendes Interesse, dass Europa am bemannten amerikanischen Weltraumprogramm auch aktiv teilnimmt.

Das ATV kann aber in seiner jetzigen Konfiguration nicht 1:1 für Orion genutzt werden. Das wohl größte Problem besteht darin, dass das ATV zurzeit noch etwas "untermotorisiert" ist. Seine vier Haupttriebwerke vom Typ Aerojet R-4D-11 (die als Lageregelungstriebwerke im Apollo-Raumschiff genutzt wurden) haben je einen Schub von gerade einmal 490 N. Das reicht aus, um die ISS langsam anzuheben. Eine bemannte Version bräuchte dagegen ein stärkeres Triebwerk, mit dem große Bahnmanöver durchgeführt werden können, etwa das Einbremsen in den Mondorbit. Als solches sind in Fachkreisen zwei Triebwerke im Gespräch: das von der amerikanischen Firma Aerojet gebaute AJ-10, welches noch auf die Vanguard und Thor-Able zurückgeht und in anderen Versionen (noch heute) in der Delta II Verwendung findet und sowohl als Haupttriebwerk des Apollo-Raumschiffes als auch als OMS-Triebwerk des Space Shuttles diente.

ESA

Bild vergrößernDie Basis für das Versorgungsmodul: das ATV im Anflug auf die ISS.
(Bild: ESA)
Das andere Triebwerk ist das von EADS Astrium entwickelte und gebaute Aestus-Triebwerk, welches in der EPS-Oberstufe der Ariane 5 Verwendung findet und gegenwärtig das ATV ins Weltall bringt. Auch dieses wurde oft genutzt und hat bisher nur ein einziges Mal versagt.

Auch müssen Energieversorgung und Interface zwischen Versorgungsmodul und Raumschiff umgebaut werden. So müssen die Solarpaneele vergrößert werden, um für die Crew mehr Energie bereitzustellen. Dies wird vor allem bei längeren Flügen von großer Bedeutung sein. Die Verbindungen zwischen Raumschiff und Versorgungsmodul müssen so gebaut werden, dass beide Teile voneinander getrennt werden können, damit eine sichere Rückkehr zur Erde gewährleistet ist.

Noch ist nichts entschieden, doch werden die Chancen für einen europäischen Beitrag für das Orion-Raumschiff immer größer. Bei einem Start wären dann auch europäische Astronauten an Bord, die Hand in Hand mit ihren amerikanischen Kollegen das Sonnensystem erforschen würden. Gestartet werden soll dann das Gespann auf der neuen amerikanischen Schwerlastrakete SLS, welche sich zurzeit in Entwicklung befindet. Zwar sehr unwahrscheinlich aber dennoch möglich ist es, dass dieses Raumschiff auch auf der europäischen Ariane 5 starten könnte. Dafür müsste man aber zunächst die Startanlage in Französisch-Guyana umbauen, was vor allem sehr viel Geld kosten würde. Die Zukunft wird zeigen, ob sich daraus etwas entwickelt.

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