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Autor: Thomas Weyrauch / 12. April 2010, 19:05 Uhr

TAUVEX: Erneuter Aufschub in der Kritik

Über die Motive der indischen Weltraumorganisation ISRO, sich zu entscheiden, den Kommunikations- und Technologieerprobungssatelliten GSAT-4 ohne die UV-Teleskopeinheit TAUVEX zu starten, herrscht Uneinigkeit.

Quelle: ISRO, PTI, Raumcon
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Tauvex Group Tel Aviv

TAUVEX - Illustration
(Bild: Tauvex Group Tel Aviv)
Für die UV-Teleskopeinheit TAUVEX ist es bereits das dritte Mal, dass eine anvisierte Mitfluggelegenheit nicht wahrgenommen werden kann. TAUVEX als zunächst rein israelische Nutzlast sollte ursprünglich an Bord eines israelischen Raumfahrzeugs aus der Serie der Ofeq-Satelliten fliegen. Im Jahre 1991 wurde beschlossen, TAUVEX an Bord eines russischen Röntgen- und Gammastrahlenobservatoriums auf einer Proton-Rakete ins All zu bringen. Eine erste Flugversion von TAUVEX entstand in den Jahren 1994 bis 1997, Hauptauftragnehmer war die israelische El-Op (für Electro-Optical Industries Ltd.) aus Rehovot. Da das Projekt des russischen Oberservatoriums mit der Bezeichnung SRG (für Spectrum-Roentgen-Gamma) auch 1999 noch weit von der Umsetzung entfernt war, gab man in jenem Jahr die Hoffnungen auf, mit SRG fliegen zu können.

Am 5. Dezember 2003 unterzeichneten die israelische Raumfahrtagentur ISA (für Israel Space Agency) und die indische Raumfahrtorganisation ISRO (für Indian Space Research Organisation) eine Vereinbarung, der zufolge TAUVEX Ende 2005 an Bord des Kommunikations- und Technologieerprobungssatelliten GSAT-4 ins All gebracht werden sollte. TAUVEX wurde zu einem Gemeinschaftsprojekt der Universität Tel Aviv in Israel und dem indischen Institut für Astrophysik Bangalore in Indien. El-Op wurde 2004 beauftragt, unter der Bezeichnung TAUVEX II ein neues Kamerasystem zur Verwendung auf GSAT-4 zu bauen. Nachdem sich der Start von GSAT-4 auf einer zum ersten Mal einzusetzenden Variante des GSLV-Trägers, der Version MkII immer wieder verzögert hatte, entschied die ISRO Anfang 2010 schließlich, TAUVEX nicht an Bord von GSAT-4 mit in den Weltraum zu nehmen.

ISRO

Bild vergrößernTAUVEX auf GSAT-4 vorn unten am Hauptkörper des Satelliten - Illustration
(Bild: ISRO)
Der Vorsitzende der ISRO K. Radhakrishnan begründete die Entscheidung gegenüber der indischen Nachrichtenagentur PTI (für Press Trust of India) damit, dass man festgestellt habe, TAUVEX als astronomische Nutzlast sei zum Betrieb im geostationären Orbit, wo GSAT-4 arbeiten soll, nicht geeignet, da dort ausgesandte Signale viel schwächer seien, als solche aus einer niedrigeren Umlaufbahn. Auch die Empfindlichkeit von TAUVEX sei im geostationären Orbit geringer.

Wissenschaftler, die TAUVEX gerne einsetzen möchten, glauben dagegen, das Instrument auch mit herabgesetzter Empfindlichkeit im geostationären Orbit sinnvoll nutzen zu können. Es sei möglich, die Nachteile der geringeren Empfindlichkeit mit längeren Belichtungs- und Beobachtungszeiten auszugleichen. Mit der im Bereich des Ultravioletten arbeitenden Teleskopeinheit wollen die Wissenschaftler aus Indien und Israel Daten gewinnen, die bei der Beantwortung astrophysikalischer Fragen helfen sollen.

Von offizieller israelischer Seite wird laut PTI angenommen, der tatsächliche Grund dafür, TAUVEX nicht an Bord von GSAT-4 zu fliegen, sei die mangelnde Fähigkeit der GSLV-Mk-II, bei ihrem Jungfernflug GSAT-4 mit der zusätzlichen Masse von TAUVEX erfolgreich in die vorgesehene Umlaufbahn zu bringen.

In aktuellen Daten gibt die ISRO die Gesamtmasse von GSAT-4 mit 2.200 kg an. Davon entfallen 1.155 kg auf Treibstoffe, als Leermasse des Satelliten werden 1.063 kg genannt. Die UV-Teleskopeinheit wird mit 80 kg taxiert. Die GSLV-Mk-II sollte maximal 2.500 kg Nutzlast in einen geostationären Transferorbit (GTO) bringen können. Möglicherweise erreicht der neue Träger die einst erhofften Leistungsdaten nicht.

Einer der Leiter der indischen Wissenschaftlergruppe im TAUVEX-Projekt, Professor Jayant Murthy vom indischen Institut für Astrophysik berichtete der PTI, die ISRO habe versprochen, TAUVEX später auf einer PSLV-Rakete auf eine (erheblich niedrigere) Erdumlaufbahn zu bringen. Man erwarte gespannt konkretere Angaben der ISRO. Vorher wolle man nicht mit einer entsprechenden erneuten Überarbeitung von TAUVEX beginnen. TAUVEX befinde sich jetzt seit über zwei Monaten in einem Reinraum der ISRO. Die Bedingungen dort seien keine besonders kontrollierten, und Beschädigungen von TAUVEX seien zu befürchten.

Die GSLV-Mk-II mit GSAT-4 an der Spitze soll nach dem derzeitigen Planungstand am 15. April 2010 um 13:07 Uhr MESZ vom Satish Dhawan Space Centre auf Sriharikota abheben. SRG wollte Russland nach Informationen der an dem Projekt weiterarbeitenden Arbeitsgruppe vom 15. September 2009 im Jahre 2012 auf einer Sojus-2-Rakete mit Fregat-Oberstufe ins All schicken. Wann TAUVEX den Weg in den Weltraum findet, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig unklar.

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