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Autor: Thomas Weyrauch / 12. Oktober 2015, 17:43 Uhr

Intelsat unglücklich mit russischem Comsat

Der Kommunikationssatellitenbetreiber Intelsat hat Fragen hinsichtlich der Stationierung des russischen militärischen Kommunikationssatelliten Lutsch (Luch, Луч) alias Olymp. Der Satellit war im Geostationären Orbit zeitweilig unmittelbar zwischen Satelliten von Intelsat positioniert.

Quelle: Intelsat, Raumfahrer.net, Roskosmos, SpaceNews, SWF
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(Bild: Wikipedia Matthew G. Bisanz - Bearbeitung T. Weyrauch)

Bild vergrößernIntelsat-Hauptquartier in Washington im Mai 2012
(Bild: Wikipedia Matthew G. Bisanz - Bearbeitung T. Weyrauch)
Das Raumfahrzeug aus Russland kreist seit dem 27. September 2014 um die Erde. Eine ihm unterstellte Rolle ist die eines Werkzeugs zum Abhören und zur Aufklärung elektromagnetischer Signale. In diesem Zusammenhang spricht man von signal intelligence (SIGINT).

Nachdem der russische Satellit den Geostationären Orbit (GEO) erreicht hatte, wurde Lutsch, der möglicherweise über elektrische, Xenon-Gas ausstoßende Triebwerke verfügt, immer wieder in Drift versetzt, um seine Position zu verändern. Halt machte er unter anderem bei 53 und bei 96 Grad Ost im GEO.

Rund sieben Monate nach seinem Start wurde Lutsch schließlich auf eine Position von 18,1 Grad West zwischen Intelsat 7 (18,2 Grad West) und Intelsat 901 (18 Grad West) manövriert. Die beiden Satelliten von Intelsat stehen im GEO in einem Bereich von deutlich unter einem halben Grad. Lutsch bezog innerhalb dieses Bereichs zwischen den beiden Satelliten von Intelsat Stellung.

Der Branchendienst SpaceNews meldete am 9. Oktober 2015, dass nicht weiter bezeichnete Quellen berichteten, Lutsch habe sich einem Raumfahrzeug von Intelsat teilweise bis auf 10 Kilometer genähert, einen Abstand, den man seitens der Unternehmensleitung von Intelsat als mögliches Risiko für die eigenen Satelliten sieht.

Ein technischer Berater der Stiftung für eine sichere Welt (Secure World Foundation, SWF) aus den USA, Brian Weeden, hatte am 5. Oktober 2015 im Branchendienst The Space Review bereits auf die Problematik hingewiesen.

In einem Interview, dass die SpaceNews am 8. Oktober 2015 mit Kay Sears, Präsident von Intelsat General, führten, teile letzterer seine Besorgnis angesichts des unüblichen Verhaltens des russischen Satelliten mit und formulierte seine Erwartung, dass es unbedingt verantwortlich handelnder Betreiber bedürfe.

Sears stellte angeblich auch klar, dass es keine Interferenzprobleme zwischen dem russischen Raumfahrzeug und den von Intelsat bereitgestellten Satellitenkommunikationsdiensten gegeben habe.

Weil man den geringen Abstand als Gefahr für die eigenen Satelliten betrachte, habe man sich laut Sears an den Eigentümer des fremden Satelliten gewendet. Von dem Eigentümer habe man weder auf direktem Wege noch über den Umweg über dessen Verteidigungsministerium eine Antwort erhalten.

Nach Angaben von SpaceNews denken viele kompetente Beobachter, dass das geschilderte Ereignis das erste seiner Art sei, bei dem das Weltraumsegment der Infrastruktur eines kommerziellen Satellitenbetreibers zum Ziel einer beabsichtigten Annäherung durch einen ausländischen Militärsatelliten wurde.

Sears hält die Tatsache, dass in der Angelegenheit bisher keine Kommunikation mit der russischen Seite möglich war, für verantwortungslos, berichteten die SpaceNews. Es gäbe laut Sears sicher eine Reihe von Unfällen, verhielten sich alle so.

Unklar ist bis dato, auf welche Ressourcen kommerzielle Satellitenbetreiber künftig in ähnlichen Situationen zurückgreifen können. Derzeit bleibt Privatunternehmen nichts anderes übrig, als jeweils die Regierung ihres Landes um Hilfe zu bitten, schrieb Brian Weeden den SpaceNews in einer E-Mail.

Nach einer von den SpaceNews nicht weiter präzisierten Quelle führten die Manöver von Lutsch zu einer Reihe vertraulicher Besprechungen im US-amerikanischen Verteidigungsministerium.

Eine Anfrage der SpaceNews beim US-Militär führte zu einer Reaktion des Luftwaffen-Kapitäns und Direktors für öffentliche Angelegenheiten der 14th Air Force, Nicholas Mercurio, eines Sprechers des Joint Functional Component Command Space (JFCC Space, ein Teil des strategischen Kommandos der Vereinigten Staaten von Amerika). Er informierte darüber, Lutsch sei seit seinem Start dreimal in einen Abstand von nicht über fünf Kilometern zu einem anderen Satelliten gelangt. Um welchen anderen Satelliten es sich dabei handelte, gab Mercurio nicht an.

Der tatsächliche Abstand zwischen Lutsch und den Satelliten Intelsats war nicht unbedingt derartig gering. Da die Daten des US-Militärs auf Abschätzungen der Driftraten der Satelliten basieren, können sie nicht absolut exakt sein.

Ein Abstand von fünf oder weniger als fünf Kilometern zwischen Raumfahrzeugen verschiedener Betreiber im GEO erfordert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Betreiber, wenn das Risiko einer Kollision gering gehalten werden soll.

Mercurio empfahl, weiterreichenden Anfragen an die Regierung Russlands zu richten. Die SpaceNews konnten bis zum 9. Oktober 2015 nicht über eine Antwort der in der Angelegenheit kontaktierten russischen Botschaft berichten.

Lutsch, der zwischenzeitlich nicht mehr bei 18 Grad West steht, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.258 und als COSPAR-Objekt 2014-058A. Am 8. Oktober 2015 wurde er bei 24,4 Grad West beobachtet.

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