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Autor: Thomas Weyrauch / 13. Oktober 2016, 19:26 Uhr

Telesats Anik F2 überstand erneut Ausfall

Am 2. Oktober 2016 trat an Bord des Kommunikationssatelliten Anik F2 eine Anomalie auf, die für einen vielstündigen Sendeausfall sorgte.

Quelle: Alaska Telephone Association, CTV News, Gosfield North Communications, Northwestel, Telesat
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Boeing

Anik F2 über der Erde - Illustration
(Bild: Boeing)
Der Regelbetrieb des am 17. Juli 2004 auf einer Ariane-5-Rakete von Kourou in Französisch-Guayana aus in den Weltraum transportierten Kommunikationssatelliten Anik F2 war im Oktober 2004 aufgenommen worden. Das Raumfahrzeug mit einer Startmasse von 5.948 Kilogramm dient seinem Betreiber Telesat aus dem kanadischen Ottawa insbesondere zur Versorgung von Kunden in bestimmten Gebieten Kanadas und der Vereinigten Staaten von Amerika mit einer großen Bandbreite von Kommunikationsdiensten wie Internet und Mobiltelefonie.

Der mit 24 C-Band-, 32 Ku-Band-, 38 Ka-Band- und einer Reihe von Reserve-Transpondern ausgerüstete, von Boeing basierend auf der Plattform BSS-702 nach einer Bestellung vom April 2000 gebaute Satellit ist im Geostationären Orbit bei 111,1 Grad West positioniert. Die Auslegungsbetriebsdauer des Satelliten beträgt 15 Jahre. Mit den Treibstoffreserven an Bord ließe sich sein Betrieb laut Telesat auch über das Jahr 2019 hinaus verlängern.

ESA / CNES / Arianespace / CSG

Bild vergrößernAnik F2 in Kourou
(Bild: ESA / CNES / Arianespace / CSG)
Nutzer und Vertreiber der Kapazitäten der Kommunikationsnutzlast an Bord von Anik F2 sind unter anderem Bell Mobility, Northwestel, Shaw Direct, SSi Micro, Wildblue und Xplornet.

Eine technische Anomalie, die am 2. Oktober 2016 gegen 13:00 Uhr UTC (Weltzeit) auftrat, führte zur Aussetzung des Sendebetriebs. Angaben über Notfallmanöver des Satelliten lassen darauf schließen, dass Anik F2 sich in einen sogenannten Sicherheitsmodus versetzte, in dem die Kommunikationsnutzlast deaktiviert wird. Dabei richtete sich der Satellit wahrscheinlich so Richtung Sonne aus, dass auf jeden Fall eine sichere Stromversorgung durch die beiden Solarzellenausleger möglich ist und die Ladung der Akkumulatoren an Bord sichergestellt wird, und wartete dann auf Kommandos von einer Bodenstation.

Nach etwa 17 Stunden Ausfallzeit konnte Telesat den Sendebetrieb schließlich wieder aufnehmen. Einige Nutzer mussten jedoch über 19 Stunden warten, bis sie wieder auf die von ihnen üblicherweise genutzten Dienste zurückgreifen konnten.

(Un)gewöhnlicher Ausfall mit erwartbaren Folgen
Telesat bezeichnet den Ausfall als höchst ungewöhnlich. Über eine Ursache für den Ausfall legte Telesat bis dato keine Informationen vor. Nach eigenen Angaben setzt Telesat die Untersuchungen des Ereignisses fort und will seine Kunden informieren, sobald neue Details vorliegen. Nach der neuerlichen Betriebsaufnahme verhielt sich Anik F2 laut Telesat nicht ungewöhnlich, und alle seine Untersystem hinterließen einen gesunden Eindruck, so Telesat.

ESA / CNES / Arianespace / CSG

Bild vergrößernAnik F2 an der "Tankstelle"
(Bild: ESA / CNES / Arianespace / CSG)
Für die Nutzer der von Anik F2 bereitgestellten Dienste bedeutete die mehrstündige Unterbrechung den Verlust einer Reihe unterschiedlicher Kommunikationsverbindungen. Einige ländliche Regionen im Norden Kanadas verloren so gut wie jede Kommunikationsmöglichkeit. Zahlreiche via Satellit versorgte Gemeinden in den Nordwestlichen Gebieten und in Nunavut waren von dem Ausfall betroffen.

Die Regierung Nunavuts wies Mitarbeiter von öffentlichen Stellen, Gesundheitszentren und Flughäfen an, darauf zu achten, immer Zugriff auf ein aufgeladenes Satellitentelefon (zur Kommunikation in dedizierten Satellitentelefonnetzen) zu haben. Sie empfahl, die Geräte eingeschaltet zu lassen und sie im Falle einer erforderlichen Benutzung – zum Beispiel zur Meldung eines Notfalls - im Freien einzusetzen.

Der Ausfall von Anik F2 unterbrach unter anderem auch von Bell Canada bereitgestellte Dienste im Norden Ontarios und Quebecs, in Nunavut, den Nordwestlichen Gebieten und in Yukon.

Unterbrechungen von Kommunikationsverbindungen des kanadischen Telekommunikationsproviders Northwestel führten dazu, dass zahlreiche elektronische Bankgeschäfte nicht abgewickelt werden konnten und im Handel vor allem mit Barzahlungen operiert werden musste. Auch die Verteilung von rund 50 Kabelfernsehprogrammen war bei Northwestel behindert.

Ein Zugriff auf das Internet war in 25 von SSi Micro angebundenen Kommunen in Nunavut nicht mehr möglich.

Bei Shaw Direct verursachte der Ausfall Probleme mit den von Shaw Direct ausgestrahlten französischsprachigen Programmen und HD-Fernsehkanälen.

Gegebenenfalls wird alles dunkel im Norden Kanadas
Nach dem letzten längeren Ausfall von Anik F2 am 6. Oktober 2011 wurde unter anderem festgestellt, dass es für den via Anik F2 etablierten Notfallbekanntgabedienst zur Bevölkerungsinformation eines insbesondere im Bereich der Wetternachrichten tätigen Unternehmens namens Pelmorex Communication Inc. kein Backup gab.

In einem Bericht eines Beratungsunternehmens mit Datum vom 30. Januar 2012 wird behauptet, Telesat habe signalisiert, dass im Falle eines Versagens von Anik F2 „alles dunkel wird im Norden Kanadas“. Um dem entgegen wirken zu können, halte Telesat eigenen Angaben zufolge Reservekapazitäten auf Anik F3 bereit.

Einige Kommunen in den betroffenen Regionen können aktuell Anik F2 und Anik F3 nutzen, und waren durch den Anik-F2-Ausfall nicht vollständig abgeschnitten. Der Wegfall bestimmter Verbindungsmöglichkeiten scheint vor Ort jedoch zu einer gewissen Konfusion geführt zu haben.

Dass die neuerlichen Probleme mit Anik F2 wieder die berichteten Folgen hatten, mag erstaunen. Der Vorfall von 2011 hätte Anlass bieten können, die Kommunikationseinrichtungen im Norden Kanadas mit ausreichenden Redundanzen zu versehen. Einzelne wichtige Verbindungen sollten nicht vom unterbrechungsfreien Funktionieren eines einzelnen Satelliten abhängig sein. In einem kanadischen Regierungsgutachten wurden die Kommunikationsverbindungen im Norden des Landes seinerzeit als zerbrechlich bezeichnet.

Anik F2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 28.378 bzw. als COSPAR-Objekt 2004-027A. Anik ist ein Inuktitut-Wort, also eines in der Sprache der Inuit in Nordostkanada, und steht für "kleiner Bruder".

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