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Autor: Axel Nantes / 15. August 2015, 16:30 Uhr

Japan: Wettersatellit Himawari 8 im Regelbetrieb

Der im Herbst letzten Jahres gestartete japanische geostationäre Wettersatellit Himawari 8 befindet sich seit dem 7. Juli 2015 im Regelbetrieb. Am 12. August 2015 zeichnete er Daten über die schweren Explosionen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin auf.

Quelle: Exelis, JAXA, JMA, MELCO, Moog
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JAXA

Bild vergrößernHimawari-8-Start auf H-IIA F25
(Bild: JAXA)
Himawari 8 kreist seit dem 7. Oktober 2014 um die Erde. Von der Rampe Nummer 1 des Yoshinobu-Startkomplexes (YLP-1) an der Südküste der japanischen Insel Tanegashima aus hatte die H-IIA-Rakete mit der Flugnummer F25 den Satelliten ins All gebracht. Der Start erfolgte um 5:16 Uhr UTC (Weltzeit). Die Startmasse des Satelliten betrug rund 3.500 Kilogramm, sein Leergewicht nach Fertigstellung lag bei etwa 1.300 Kilogramm.

Das von der Mitsubishi Electric Corporation (MELCO) für die japanische Wetteragentur (JMA) gebaute, auf dem Satellitenbus DS2000 basierende Raumfahrzeug erreichte am 16. Oktober 2014 nach intensiver Nutzung bordeigener US-amerikanischer Zweistofftriebwerke - ein Apogäumsmotor R-4D von Aerojet Rocketdyne und 12 Lageregelungstriebwerke von Moog - die vorgesehene Position bei 140 Grad Ost im Geostationären Orbit (GEO).

Am 18. Dezember 2014 schickte Himawari 8, dessen Name auf Deutsch so viel wie Sonnenblume Nummer 8 bedeutet, erste Bilder zur Erde.

MELCO

Bild vergrößernHimawari 8 beim Hersteller ...
(Bild: MELCO)
JAXA

Bild vergrößern... und im All mit Reservesatellit - Illustration
(Bild: JAXA)
Den Regelbetrieb begann Himawari 8 an einer Position von 140,7 Grad Ost im GEO um 2:00 Uhr UTC am 7. Juli 2015 als Nachfolger von MTSAT 2 alias Himawari 7. MTSAT 2 wird jetzt als Reservesatellit bei 145 Grad Ost im GEO bereitgehalten, bis ein weiterer neuer japanischer Wettersatellit ins All gebracht wird.

Mindestens jeweils 8 Jahre sollen die neuen dreiachsstabilisierten Satelliten ihren Aufgaben im Bereich der Wetterbeobachtung nachkommen. Zusammen mit Himawari 9, dessen Start aktuellen Planungen zufolge für das Jahr 2016 vorgesehen ist, will man eine kontinuierliche Beobachtung der Wetterentwicklung insbesondere im Osten Asiens und im westlichen Pazifik über einen Zeitraum von 15 Jahren ermöglichen. Bestellt hatte die JMA die beiden Raumfahrzeuge bei MELCO im Juli 2009.

Geplant ist, dass Himawari 9 zunächst als Reservesatellit dient, und später die regelmäßige Wetterbeobachtung von Himawari 8 übernimmt. Die Auslegung von Himawari 8 und 9 erfolgte so, dass sich ihr raumflugtechnischer Teil mindestens 15 Jahre lang betreiben lassen wird.

Die Anzahl der Frequenzbänder, auf welchen die Beobachtungen der neuen Satelliten erfolgen, wurde gegenüber den älteren Satelliten aus der MTSAT-Serie von 5 auf 16 gesteigert, das Intervall für die Bilderfassung um Faktoren zwischen 3 und 6 verringert (von 30 bzw. 60 Minuten auf 10 Minuten). Zusammen mit der verdoppelten Auflösung liefert ein neuer Satellit (sichtbares Licht Auflösung 0,5 km, Infrarot 2 km) rund 60 mal mehr Daten als einer der alten (sichtbares Licht Auflösung 1 km, Infrarot 4 km) in der gleichen Zeit.

JMA

Bild vergrößernHauptbestandteile von Himawari 8 und 9
(Bild: JMA)
Zentrales bildgebendes Instrument an Bord von Himawari 8 ist der von ITT Exelis - jetzt ein Teil der Harris Corporation - in den Vereinigten Staaten von Amerika gebaute Advanced Himawari Imager (AHI), der auf dem Advanced Baseline Imager (ABI) für den US-amerikanischen geostationären Wettersatelliten GOES R der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA basiert.

Der AHI ist dazu gedacht, alle 10 Minuten Übersichtsaufnahmen und alle zweieinhalb Minuten Detailbilder im Bereich des sichtbaren Lichts und des Infraroten zu erfassen. Die 16 Kanäle des Instruments arbeiten auf Wellenlängen zwischen 0,46 und 13,3 Mikrometern.

Für Abtastungen im Bereich des sichtbaren Lichts (VIS) stehen die Kanäle 1 bis 3 mit den Wellenlängen 0,46, 0,51 und 0,64 Mikrometern zur Verfügung. Die Kanäle 4 bis 6 sind mit Wellenlängen von 0,86, 1,6 und 2,3 Mikrometern dem nahen Infraroten (NIR) gewidmet.

Daten aus dem Infraroten (IR) liefern 10 AHI-Kanäle, die auf Wellenlängen von 3,9, 6,2, 7,0, 7,3, 8,6, 9,6, 10,4, 11,2, 12,3 und 13,3 Mikrometer eingerichtet sind.

Bildquelle

Bild vergrößernABI für GOES R ...
Exelis

Bild vergrößernund AHI für Himawari 8
(Bilder: Exelis)
Außerdem an Bord von Himawari 8 befindet sich eine Anlage zur Sammlung von aktuellen Weltraumwetterdaten. Entsprechend ihrer Bestimmung heißt sie Space Environment Data Acquisition Monitor, kurz SEDA. Sie ist in der Lage, das Auftreffen von Elektronen und Protonen zu detektieren.

Von den Instrumenten an Bord erfasste Daten werden über ein Data Collection Subsystem (DCS) genanntes Untersystem zusammengestellt und an geeignete Bodenstationen übertragen. Entsprechende Ausstrahlungen erfolgen im Ka-Band.

Am 12. August 2015 schickte Himawari 8 AHI-Daten zur Erde, die deutlich die Folgen der gegen 15:35 Uhr UTC stattgefundenen Explosionen in einem Containerlager des Stadtteils Binhai der chinesischen Hafenstadt Tianjin in der Atmosphäre zeigen.

Nach offiziellen Informationen aus China wird eine chemische Reaktion von Calciumcarbid mit Wasser, bei der hoch entzündliches Acetylen entsteht, als mögliche Ursache des Unglücks in der Stadt, nach der der Asteroid (2209) Tianjin benannt ist, vermutet.

In einem Blog des Zentrums für Weltraumwissenschaften und Konstruktion der Universität Wisconsin-Madison in den Vereinigten Staaten von Amerika wird von einer starken Temperatursignatur im kurzwelligen Infraroten bei einer Wellenlänge von 3,9 und 3,75 Mikrometer berichtet, welche in Bildern der Wettersatelliten Himawari 8 und MTSAT 2 (Japan) und COMS 1 (Südkorea) sichtbar ist.

Die Bilder werden als Nachweis für die Vorteile des im Vergleich schnelleren Bilderfassungssystems von Himawari 8 beurteilt. In der Bildsequenz des neuen japanischen Satelliten lassen sich die von den Explosionen ausgehenden Rauchwolken einfach verfolgen. Datenlücken, die durch Gesamtabbildungen der sichtbaren Erdscheibe entstehen könnten, soll es im Material von Himawari 8 nicht geben. Der Sensorik von Himawari 8 war es darüber hinaus auch möglich, höhere Temperaturen zu erfassen.

Der in den Satellitenbildern erfasste Rauch und seine Ausbreitung konnte gut verfolgt werden. Letztere korrespondiert mit Informationen aus China zur jeweiligen Hauptwindrichtung. Auch auf anderen Wellenlängen hinterließen die Explosionen Spuren in den Daten von Himawari 8.

Katalogisiert ist Himawari 8 alias GMS 8 (GMS steht für geostationary meteorological satellite) mit der NORAD-Nr. 40.267 und als COSPAR-Objekt 2014-060A.

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