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Autor: Martin Knipfer / 15. Oktober 2014, 17:45 Uhr

EFT-1: Fliegen Sie mit!

Die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtagentur NASA macht stetig Fortschritte bei der Entwicklung ihrer neuen Schwerlastrakete Space Launch System und den Vorbereitungen des Erstflugs ihres neuen Raumschiffs Orion, genannt EFT-1. Für diesen Flug bietet sie Weltraumenthusiasten einen besonderen Dienst an: Sie können sich auf einer Internetseite dafür registrieren, dass ihre Namen an Bord von Orion während EFT-1 sind.

Quelle: NASA, NSF
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NASA

Bild vergrößernLinks das Aufsetzen eines Paneels des Boost Protective Cover, rechts nach der Montage. Über dem Boost Protective Cover ist der LAS-Turm zu erkennen.
(Bild: NASA)
Der historische Erstflug EFT-1 (Exploration Flight Test 1) des neuen Raumschiffs der NASA, genannt Orion, rückt immer näher. So wurde im letzten Monat das Raumschiff fertiggestellt und betankt. Danach wurde Orion in ein Gebäude namens Launch Abort System Facility (LASF) gebracht, in dem es sein Startabbruchsystem (LAS) empfangen wird. Diese turmförmige Komponente soll bei bemannten Flügen von Orion einmal die Kapsel in Sicherheit befördern, falls ein Gefahrfall eintritt. Bei EFT-1 wird das LAS bis auf den Jettinson-Motor, dessen einzige Aufgabe es ist, das LAS wegzuziehen, jedoch inaktiv bleiben. Inzwischen wurde in der LASF der LAS-Turm auf Orion aufgesetzt. Als nächstes wurde eine gewölbte aerodynamische Verkleidung, genannt Boost Protective Cover (BPC), unterhalb des LAS-Turms angebracht. Das BPC ist in drei Paneele aus Fiberglas aufgeteilt. Nach einigen weiteren Vorbereitungen wird Orion dann endgültig fertiggestellt sein und bereit für den Rollout aus der LASF hinaus sein. Orion wird dann auf die Delta IV Heavy-Trägerrakete aufgesetzt werden, die im Moment innerhalb des Mobile Service Towers auf dem Startplatz LC-37 des Weltraumbahnhofs in Cape Canaveral für ihren Flug vorbereitet wird. Dieses Aufsetzen soll Mitte November erfolgen, der Start der Rakete zu EFT-1 dann am 4. Dezember.

NASA

Bild vergrößernDieses Zertifikat in Form eines "Boarding Pass" bestätigt die Teilnahme an der Aktion.
(Bild: NASA)
Bei diesem historischen Erstflug von Orion können Sie nun mitfliegen. Natürlich nicht persönlich, aber zumindest Ihr Name kann an Bord von Orion sein und so mit in das Weltall fliegen. Teilnehmer können sich online auf einer NASA-Seite registrieren lassen, selbstverständlich kostenlos. Die Namen sämtlicher Teilnehmer werden dann auf einem Mikrochip an Bord Orions gespeichert. Für mindestens 999.999.999 Teilnehmer ist Platz, bis jetzt wurden bereits über 900.000 Namen eingesendet. Die Besonderheit an dieser Idee der NASA ist, dass Ihr Name nach der Einsendung nicht nur bei EFT-1, sondern auch bei zukünftigen Missionen von Orion oder von Sonden/Landern zum Mars ebenfalls mitfliegt. Wenn Sie interessiert sind, können sie sich hier anmelden und mit Ihrem Namen mitfligen: Link zur Internetseite Einsendeschluss ist der 31. Oktober, danach fliegt Ihr Name zwar auf künftigen Missionen von Orion oder zum Mars mit, jedoch nicht mehr bei EFT-1.

Orion wird das neue Raumschiff der NASA sein. Während die kommerziellen Partner der NASA für den Transport von Fracht und Astronauten zur ISS im Erdorbit zuständig sind, wird das auch MPCV (Multi-Purpose Crew Vehicle) genannte Raumschiff Astronauten zu verschiedenen Zielen jenseits des Low Earth Orbits (LEO) transportieren. So kann eine intensivere Erkundung des Weltalls als je zuvor stattfinden. Mit der Entwicklung von Orion wurde bereits im Rahmen des 2010 gestrichenen Constellation-Programms entwickelt. So konnte die Entwicklung an einem Raumschiff, an dem bereits mit Hochdruck gearbeitet wurde, fortgeführt werden.

NASA

Bild vergrößernOrion während EFT-1 - Illustration
(Bild: NASA)
Aktuellen Planungen zufolge soll es im Dezember 2014 dann soweit sein: Orion startet auf einer Rakete des Typs Delta IV Heavy zu seinem Erstflug EFT-1. Dieser Flug beinhaltet zwei Erdumrundungen, dabei wird sich Orion bis zu 5.500 km von der Erde entfernen, und auf über 32.000 km/h beschleunigt. Eine solche Entfernung und Geschwindigkeit wurde von keinem praktisch oder theoretisch bemannbaren US-Raumschiff seit 1972 erreicht. Auf dem Flug sollen der Strahlungsschutz, der Hitzeschild, die Avionik, die Fallschirme und das Abwerfen von Verkleidungen und des Rettungssystems getestet werden. Der nächste Testflug nicht später als im November 2018, EM-1 für Exploration Mission 1 genannt, wird der Erstflug des neuen Space Launch Systems (SLS) sein, und ein unbemanntes MPCV, das mit dem neuen, auf dem ATV basierenden europäischen Servicemodul ausgrüstet sein soll, um den Mond führen.

NASA

Bild vergrößernDer Vibrationstisch wird in die Space Power Facility geliefert.
(Bild: NASA)
Auch beginnen bereits erste Vorbereitungen für Orion-Flüge nach EFT-1, obwohl dieser Flug noch gar nicht stattgefunden hat. So wurde ein gewaltiger Vibrationstisch in die Space Power Facility in Sandusky im Bundesstaat Ohio geliefert. Dieser über sieben Meter breite Tisch ist in der Lage, über 20.000 Newton an Vibrationen zu simulieren. Dazu verfügt er insgesamt über vier Hydraulikkolben in waagerechter Lage und über 16, die senkrecht positioniert sind. Mit diesem Tisch sollen die Vibrationen simuliert werden, die auf Orion während des Starts, des Fluges und eines Startabbruchs mithilfe des LAS wirken werden. Dieser Tisch ist jedoch nur die neueste Ergänzung zu den beeindruckenden anderen Testeinrichtungen in der Space Power Facility, wie etwa der stärksten Akustiktestkammer der Welt oder der weltgrößten Vakuumkammer. Die ersten Tests werden mit dem europäischen Servicemodul von Orion erfolgen, das von dem Servicemodul des europäischen ATV-Raumtransporters abgeleitet ist und in Bremen gebaut werden soll. Bis jetzt sind fünf Orion-Vibrationstests geplant, der erste soll im Frühling nächsten Jahres stattfinden. Sie sind als Vorbereitung für Orions Mission nach EFT-1 geplant, EM-1 (Exploration Mission 1).

NASA/Michoud

Bild vergrößernDer Tankring und der Tankzylinder werden in das VAC gehoben.
(Bild: NASA/Michoud)
Bei diesem Flug soll Orion dann nicht mehr auf einer Delta IV-Heavy starten, sondern auf dem neuen Schwerlastträger der NASA, dem Space Launch System (SLS). Diese Rakete muss jedoch erst noch entwickelt werden. Zu diesen Entwicklungsarbeiten gehört unter anderem auch die Bereitstellung von den Geräten, mit denen das SLS gefertigt werden soll. Dafür existieren in der Michoud Assembly Facility (MAF) im Bundesstaat New Orleans bereits zahlreiche state-of-the-art-Gerätschaften. Zu diesen gehören etwa das Enhanced Robotic Weld Tool, mit dem die kuppelförmigen Tankdome für die Hauptstufe des SLS gefertigt werden sollen. Das Vertical Weld Center soll dagegen die eigentlichen Tankzylinder und das Segmented Ring Tool die Verbindungsringe zwischen den Zylindern und den Tankdomen produzieren. Alle diese Geräte arbeiten mit Rührreibschweißen, einer hochmodernen Fertigungstechnologie, die zwei Metallteile durch die Reibungswärme eines rotierenden Metallstifts miteinander verschweißt. Sie stehen dennoch alle im Schatten des Vertical Assembly Centers (VAC), einem gewaltigen, turmartigen Konstrukt, in dem Tankdome, Tankringe und Tankzylinder zu den Tanks der Hauptstufe des SLS miteinander verbunden werden. Das VAC wurde erst vor Kurzem eröffnet, es muss daher noch geprüft werden, ob es erwartungsgemäß operieren kann. Dazu wurden ein fertiger Tankzylinder und ein Tankring in das VAC befördert. Sie werden in Kürze miteinander verschweißt werden, das Ergebnis wird danach überprüft. So kann sichergestellt werden, dass das VAC wie gewünscht funktioniert, bevor die ersten Tanks für den Erstflug des SLS in ihm gefertigt werden.

Neben diesen Schweißarbeiten in der MAF soll dieses Jahr noch eine Testzündung des Haupttriebwerks des SLS stattfinden, dem RS-25. Außerdem soll das Critical Design Review(CDR), eine rigorose Designprüfung, der gesamten Rakete abgeschlossen werden. Anfang nächsten Jahres soll dann nach langer Verschiebung wegen Rissen im festen Treibstoff ein Feststoffbooster testgezündet werden, wie er beim SLS zum Einsatz kommen soll.

NASA

Bild vergrößernDas SLS während des Fluges- Illustration
(Bild: NASA)
Das Space Launch System ist der neue Schwerlastträger der NASA. Er basiert zu großen Teilen auf dem 2011 außer Dienst gestellten Space Shuttle: So werden die Hauptstufe aus dem External Tank des Shuttles, die 5-Segmente Booster aus den SRBs und die RS-25 Triebwerke aus den SSMEs entwickelt. Es wird drei Varianten des SLS geben: Die Block I Version wird lediglich die DCSS (Delta Cyrogenic Second Stage) als Oberstufe haben. Mit ihr soll der Erstflug EM-1 erfolgen. Block IA wird über die wesentlich stärkere EUS (Exploration Upper Stage)-Oberstufe verfügen. Bei Block II handelt es sich um die stärkste Variante des SLS, seine Oberstufe wird die EUS sein; die Feststoffbooster werden durch verbesserte Booster ersetzt, ihr Konzept ist jedoch noch nicht festgelegt, obwohl bereits verschiedene Vorschläge zu neuen Flüssig- oder Feststoffboostern existieren. Der Erstflug von SLS Block IA ist nicht vor 2020, der von SLS Block II nicht vor 2030 zu erwarten, weil der Kongress –obwohl er als Befürworter des SLS gilt- sich weigert, das Etat der NASA zu erhöhen, um so auch ein höheres Budget für das SLS und Orion zu ermöglichen. Mit dem SLS sind nicht nur Raumsondenmissionen zu den äußeren Planeten des Sonnensystems und ihren Monden möglich, sondern auch bemannte Flüge zu Asteroiden oder sogar zum Mars.

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