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Autor: Ralph-Mirko Richter / 24. April 2009, 22:41 Uhr

Spirit setzt die Fahrt trotz Computerproblemen fort

Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass die über das Osterwochenende aufgetretenen Computer-Probleme des Marsrovers Spirit auch weiterhin anhalten. Trotzdem nahm der Rover seine Fahrt am heutigen Tag nach einer zweiwöchigen Unterbrechung wieder auf.

JPL
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NASA, JPL-Caltech

Bild vergrößernEin Selbstporträt des Marsrovers Spirit
(Bild: NASA, JPL-Caltech)
Im Laufe des Osterwochenendes kam es zu zwei Abstürzen des Hauptcomputers des Marsrovers Spirit. Eine Analyse der übermittelten Systemparameter-Daten dieses Zeitraums zeigte des Weiteren, dass Spirit außerdem an zwei Tagen entgegen der üblichen Prozedur keinerlei Daten in den Flash-Speicher seines Computers übertragen hat. Nachdem sich Spirit im Laufe der folgenden Woche wieder vollkommen normal verhalten hat, trat das Computer-Problem am letzten Wochenende erneut auf. Am Freitag, dem 17. April 2009 wurden erneut keine Daten in den Flash-Speicher übermittelt und am darauffolgenden Tag erfolgte ein weiterer Neustart des Computers. Somit kam es innerhalb von neun Tagen zu insgesamt drei solchen Ereignissen. Ein viertes Ereignis dieser Art hatte bereits im Januar 2009 stattgefunden.

An den folgenden Tagen erfolgte eine ausführliche Analyse dieses Problems, welche allerdings bisher keine Resultate liefern konnte. Als Teil dieser Tests wurden sowohl die HGA-Antenne des Rovers als auch dessen Kameramast reaktiviert. Bei deren Benutzung waren jedoch keine Anomalien erkennbar. Somit kommt der Betrieb dieser beiden Hardware-Komponenten nicht für das ungewöhnliche Verhalten des Rovers in Frage. Bis zum momentanen Zeitpunkt ist nicht ersichtlich, ob es zwischen den Neustarts des Computers und den nahezu zeitgleich erfolgten Datenverlusten im Flashspeicher einen kausalen Zusammenhang gibt. Mittlerweile werden auch altersbedingte Abnutzungserscheinungen der Computer-Hardware nach dem über fünfjährigen Betrieb für möglich gehalten.

Da alle anderen Systeme Spirits, insbesondere die Energiegenerierung, jedoch im normalen Bereich operieren, bestand am JPL bisher kein Anlass zu Panik. Man will die momentane Situation auch weiterhin in Ruhe analysieren und versuchen, das Problem zu lösen. Sollte dies allerdings nicht möglich sein, so besteht im Notfall die Möglichkeit, den Flash-Speicher von Spirits Bordcomputer in Zukunft nicht mehr zu nutzen. Gewonnene Daten könnten dann alternativ in dessen RAM-Speicher abgelegt werden. Dies will man jedoch möglichst vermeiden. Im Flash-Speicher abgelegte Daten bleiben dauerhaft bis zu deren angeordneter Löschung erhalten, auch wenn die Systeme des Rovers während der Marsnacht aus Gründen der Energieeinsparung heruntergefahren werden. Die Daten können also je nach Bedarf, Auslastung des Deep Space Networks der NASA (deren Kommunikationsnetzwerk zu den verschiedenen Raummissionen) und Verfügbarkeit an Energieressourcen für die Telekommunikation an das Kontrollzentrum in Pasadena/ Kalifornien übermittelt werden.

NASA, JPL, Cornell University

Bild vergrößernSpirits Blick auf die Spitzkuppe "von Braun" am 6. April 2009 oder Sol 1.869 der Mission
(Bild: NASA, JPL-Caltech, Cornell University)
RAM-Daten dagegen würden nach dem Ende einer jeden "Wachphase" des Rovers und dem damit verbundenen "Herunterfahren" des Computers gelöscht werden und wären somit dauerhaft verloren. Die einzige Möglichkeit dem entgegenzuwirken wäre ein unmittelbarer Datentransfer noch vor dem Ende eines jeden Marstages. Dies hätte eine einschneidende Veränderung in der Vorgehensweise des Rover-Teams zur Folge, da genau diese Zwischenlagerung von als zweitrangig angesehenen Daten ein wichtiger Bestandteil des bisherigen Missionsablaufes war. Der in diesem Fall unmittelbar stattfindende Datentransfer würde die weitere Vorgehensweise des Rovers eindeutig behindern. Da vor Ende eine jeden Tages noch eine gewisse Zeitspanne für diesen Transfer bereitgehalten werden müsste, würde die Zeit für Forschungsaufgaben und Fortbewegung sehr wahrscheinlich beträchtlich eingeschränkt werden. Anstatt sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, müsste der Rover jetzt vermehrt auf seine Position zur Erde beziehungsweise zu den als Relaisstationen dienenden Marsorbitern achten.

Trotz dieses ungeklärten Sachverhaltes entschloss sich die Missionsleitung dazu, Spirits Fahrt am heutigen Tag nach einer zweiwöchigen Unterbrechung fortzusetzen. Der Rover bewegte sich 1,7 Meter in Richtung auf sein nächstes Forschungsziel, die jetzt noch etwa 160 Meter entfernte Spitzkuppe "von Braun". Bei dieser Fahrt handelte es sich allerdings nur um einen Test, um das Verhalten des Rovers überprüfen zu können. Sollte jetzt ein erneutes Fehlverhalten des Flash-Speichers auftreten, so könnte man daraus wichtige Erkenntnisse über zukünftige Ereignisse dieser Art erhalten. Eventuell als Reaktion auf das Flash-Speicher-Problem wurden alle heute angefertigten Fotoaufnahmen direkt an das Kontrollzentrum übermittelt und nicht erst im Bordcomputer zwischengespeichert. Ein weiterer "Dust Cleaning Event" ließ die Menge der täglich generierten Energie mittlerweile auf 306 Wattstunden (0,306 kWh) ansteigen.

NASA, JPL-Caltech, Malin Space Science Systems

Bild vergrößernDie Oberflächenstrukturen auf dem Mars
(Bild: NASA, JPL-Caltech, Malin Space Science Systems)
Eine Entwarnung kann nach jetzigen Kenntnisstand auf einen sich eventuell anbahnenden globalen Staubsturm gegeben werden. Der letzte aus Aufnahmen des Mars Reconnaissance Orbiters erstellte Wetterbericht des Mars spricht von einer eindeutigen Abnahme der Staubsturmaktivitäten im Laufe der letzten Woche. Die verbliebenen Sturmgebiete konzentrieren sich auf das Gebiet rund um die südliche Polarkappe sowie auf die beiden Einschlagbecken Hellas Planitia und Aryre Planitia in den mittleren südlichen Breiten. Nahezu in der gesamten Atmosphäre befindet sich allerdings eine feine Staubschicht, welche durch die Stürme der letzten Wochen aufgewirbelt wurde und jetzt das einfallende Sonnenlicht planetenweit etwas abschwächt. Des Weiteren wurden in den mittleren nördlichen Breiten, speziell über Tempe Terra und Accidalia Planitia, vermehrt Wassereiswolken registriert.

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