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Autor: Axel Orth / 26. September 2005, 00:14 Uhr

Herschels Teleskop ist fertig

In Toulouse wurde in den letzten Wochen das beeindruckende Hauptinstrument von Europas neuem Hightech-Infrarot-Weltraumteleskop mechanischen Tests unterzogen.

EuroNews/ESA
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Unsere Augen durchdringen nur einen winzigen Teil des elektromagnetischen Spektrums. Daher blieben lange Zeit große Teile des Universums im Verborgenen. Gerade im infraroten Teil des Spektrums sind aber Vorgänge zu beobachten, die die Astronomen unserer Tage besonders interessieren: Sterngeburten, Prozesse vom Beginn des Universums und dergleichen.

In zwei Jahren wird ihnen dazu Herschel, das bisher mächtigste Infrarot-Weltraumteleskop, zur Verfügung stehen, mit dem größten Primärspiegel, der je in den Weltraum gebracht wurde. Das TV-Magazin "Space" von Euronews hatte die Gelegenheit, Herschels bereits fertig gestelltes Teleskop bei mechanischen Tests im Intespace-Gebäude in Toulouse zu sehen.



Herschel mit Wärmeschild (oben), "Cryostat" (links) und Teleskop (rechts).
(Bild: EuroNews)

Herschel steht in einer großen Tradition: Schon in den 1980er-Jahren begann mit dem US-holländisch-britischen Satelliten IRAS, der 250.000 Infrarot-Quellen kartierte, die Infrarot-Weltraum-Teleskopie. 1995 startete die ESA ihren ISO-Satelliten, der bis 1998 in Betrieb blieb, weit über die geplanten 18 Monate hinaus.

Derzeit ist es das Spitzer-Weltraumteleskop der NASA, das die erkenntnishungrigen Astronomen mit Daten versorgt. Softwaretools, die für Spitzer entwickelt wurden, können bei Herschel ebenfalls verwendet werden. Allerdings wird Herschel mit seinem größeren Spiegel die Grenzen der Erkenntnis weiter hinaus schieben. Etwa 2011 will dann wiederum die NASA mit ihrem noch größeren James Webb-Teleskop nachlegen.

Namensgeber für das neue Weltraumteleskop ist der Hannoveraner Wilhelm Herschel (1738-1822), einer der Pioniere der Astronomie und Entdecker des Planeten Uranus'. Für das Raumfahrzeug Herschel insgesamt ist Alcatel Space verantwortlich. EADS Astrium ist der Hauptkontraktor der ESA für das Teleskop an Bord des Satelliten. In den letzten Wochen führten Ingenieure von EADS Astrium in Toulouse mechanische Tests an dem Teleskop durch, unter extremen Reinheitsbedingungen, um spätere optische Probleme mit Kontaminationen aller Art von vornherein auszuschließen.



Bild: EuroNews

Der riesige Primärspiegel des Teleskops zeigt Reflektionen der Techniker, die um ihn herum mit ihren Tests beschäftigt sind. Projektmanager Yves Toulemont präsentiert stolz die wichtigsten Daten und Fakten des Hightech-Spiegels, der mit Spiegeln, wie wir sie kennen, nur die Tatsache gemein hat, dass er eben Licht reflektiert: 12 Segmente aus dem superleichten keramischen Werkstoff Siliziumkarbid, die nahtlos aneinander gefügt sind, bilden zusammen den über drei Meter großen Hohlspiegelkörper. Das Material ist nur 4 Millimeter dick und wurde mit einer Genauigkeit von 3 Mikrometer poliert. Eine hauchdünne Schicht aus Aluminium sorgt für die eigentliche Reflektivität. Der Spiegel ist 3,5 Meter groß und wiegt dabei nur 320 Kilogramm. Zum Vergleich: Der Hauptspiegel des Hubble-Teleskops ist mit 2,4 Meter deutlich kleiner, wiegt aber 1.500 Kilogramm! Allerdings wurde Hubble auch schon vor über 15 Jahren gebaut.

Herschel wird 7 Meter lang sein, mit einer Masse von 3 Tonnen. Einen Großteil macht der "Cryostat" aus, quasi eine riesige heliumgekühlte Thermos"flasche", die die hochempfindlichen Infrarotdetektoren der drei Instrumente an Bord auf konstant -271 Grad Celsius halten soll. Ein wesentlicher Garant für wertvolle wissenschaftliche Beobachtungen soll dabei die extreme Breite des infraroten Bereichs sein, in dem das Teleskop beobachten kann.



Die Sonne, die Erde und die fünf Lagrangeschen Punkte L1-L5, mit Herschel im L2.
(Bild: EuroNews)

Der Start mit einer Ariane 5 ist für die zweite Hälfte 2007 geplant, zusammen mit dem ESA-Satelliten Planck. Herschel wird, genau wie später James Webb, im zweiten Lagrange-Punkt stationiert, das heißt in einem Sonnenorbit, der nur etwa 1,5 Millionen Kilometer weiter ist als der Sonnenorbit der Erde. Diese Position garantiert ausreichenden Schutz vor den thermischen Störeinflüssen von Erde und Sonne bei gleichzeitig stabilem und minimalem Abstand von der Erde, wegen der Signallaufzeit. Wartungsarbeiten á la Hubble sind in dieser Entfernung allerdings ausgeschlossen.

Der "Space"-Beitrag kann auch von der Webseite von EuroNews herunter geladen werden.
 
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