Vertrag für Orions Servicemodul unterzeichnet
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Autor: Klaus Donath & Günther Glatzel / 30. Dezember 2012, 23:38 Uhr

Jahresrückblick der Raumfahrt 2012

Das Jahr 2012 ist vorbei und die Gelegenheit gekommen, unser Fazit zu ziehen. Wenn man sich über eine Sache nicht beklagen kann, ist es die Fülle an verschiedenen Erstleistungen. Dazu gesellt sich aber die allgemeine Sinnkrise im einst so prestigeträchtigen Raumfahrtsektor. Trotzdem haben wir bei Raumfahrer.net ein deutlich düstereres Bild für das erste Jahr ohne Shuttle-Flüge erwartet, als es dann tatsächlich kam. SpaceX und Curiosity sei Dank.

Quelle: NASA, ESA, Roskosmos, SpaceX, wikipedia, Raumcon, RedBullStratos
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Das Event des Jahres: Curiosity

NASA

Curiosity im Selbstportrait auf dem Mars, mit Hilfe seines Roboterarms erstellt.
(Bild: NASA)
Kein anderes Event in der Geschichte von Raumfahrer.net zog mehr Zuschauer an als die frühmorgendliche Landung im Gale-Krater des Mars, nicht einmal der letzte Start des Space Shuttles. Am 6. August um 7.34 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit brach im Kontrollzentrum des JPL Jubel aus, nachdem die durchaus gewagte Landung mit dem Skycrane abgeschlossen war.

Die NASA-PR arbeitete zuvor auf Hochtouren, präsentierte uns umwerfende Echtzeitsimulationen und wahrscheinlich das Raumfahrtvideo des Jahres mit dem Titel „7 minutes of terror“. Social Media half bei der Verbreitung rund um den Globus. Überhaupt hat sich dieses neue Medium sowohl bei den Raumfahrtagenturen etabliert als auch bei uns. Mehr als 10.000 Zuschauer bei unserem Partner spacelivecast.de wären sonst kaum mit unserer üblichen Reichweite im deutschsprachigem Raum möglich gewesen. Wer das Ereignis nochmal nacherleben möchte, kann dies in unserem Liveticker oder Forum nachvollziehen. Die Aufzeichnung der deutschsprachigen Liveübertragung unseres Partners findet sich hier.

Der überwältigende Erfolg ging offenbar auch am Management der NASA nicht spurlos vorüber. Zur Überraschung der versammelten Journalisten gab NASA-Chef Charles Bolden am 4. Dezember bekannt, eine Nachfolgemission für Curiosity im Jahr 2020 zu starten. Der Rover soll von flugtauglich produzierten Ersatzteilen profitieren und damit deutlich günstiger werden als sein Vorgänger. Überraschend deswegen, weil die NASA zuvor aus dem ESA-Gemeinschaftsprojekt ExoMars ausgestiegen ist.

Kommerzielle Raumfahrt in den USA

SpaceX

Der Drache ist am Haken: Zum ersten Mal in der Geschichte der ISS dockt ein privates Raumschiff an der Raumstation an.
(Bild: SpaceX)
Den Jubel im Marskontrollzentrum konnten die Mitarbeiter von SpaceX bestens nachvollziehen. Sie selbst schafften dieses Jahr das erste Docking einer privaten Raumkapsel mit der Internationalen Raumstation, eine kleine Sensation. Mit dem Drachen am Haken, symbolisch für das Greifen des Dragon-Raumschiffes mit Hilfe des Stationsarmes, begann das Zeitalter der kommerziellen Raumfahrt. Zwar hatte der Drachen mit dem einen oder anderen Schluckauf zu kämpfen, so wurde der erste Startversuch in wirklich letzter Sekunde abgebrochen, dennoch konnte SpaceX dieses Jahr beim zweiten Start zeigen, dass hier kein Zufallserfolg vorliegt. Ein wichtiger Schritt für die Vereinigten Staaten von Amerika zurück zur Normalität, die nach dem Ende des Shuttle-Programmes mit ihrem Selbstbewusstsein zu kämpfen hatte.

Doch auch SpaceX ist nicht vor Fehlschlägen sicher. Beim letzten Start fiel eines der neun Haupttriebwerke aus und beschädigte umliegende Teile, erkennbar durch eine kleine Trümmerwolke. Die Ursache scheint zwar so gut wie sicher zu sein, veröffentlicht wurde sie bislang aber nicht. Ob man die Falcon 9, die trotzdem ihr primäres Missionsziel erreichte, nun für besonders robust erklärt oder eher Zweifel bekommt, ob beim nächsten Mal nichts schlimmeres passiert, sei dem Leser überlassen.

Dennoch, der Erfolg von SpaceX ist umso höher zu bewerten, sieht man sich die Lage bei der Firma Orbital an, die ebenfalls noch dieses Jahr ihren unbemannten Frachter Cygnus zur Raumstation schicken wollte. Größere Probleme mit der nun Antares, vormals Taurus II, genannten Rakete verzögerten das Programm bis 2013. Aktuell ist der Start im Februar angedacht, wobei der Erststart lediglich eine Attrappe des Raumtransporters in die Umlaufbahn bringen wird. Nach diesem Demonstrationsflug soll die Antares dann am 5. April Cygnus 1 zur ISS bringen. Diese Zahlen sind aber mit größter Vorsicht zu genießen.

Tod zweier Raumfahrtlegenden

NASA

Die Raumfahrtgemeinde betrauert dieses Jahr Neil Armstrong (links) und Jesco von Puttkamer (rechts)
(Bild: NASA)
Überschattet wurde das Jahr vom Tod eines amerikanischen Raumfahrt-Helden: Neil Armstrong. Im Alter von 82 Jahren verstarb der erste Mensch auf dem Mond an den Folgen einer Herzoperation. Dies bringt uns wieder ins Gedächtnis, wie lange das Apollo-Programm jetzt schon her ist. Er durfte nicht mehr miterleben, wie die wildesten Fantasien nach der Mondlandung, wie beispielsweise eine Marslandung oder eine permanente Mondstation, Realität wurden. Umso erstaunlicher erscheint uns in der heutigen Zeit die damals vollbrachte Leistung.

Mit Jesco Freiherr von Puttkamer verließ uns kurz nach Weihnachten ein großer Raumfahrtvisionär mit deutschen Wurzeln, der selbst zwar nicht im All war, aber vom Apollo-Programm unter Werner von Braun bis zur ISS an allen relevanten Raumfahrtprogrammen der NASA maßgeblich beteiligt war (Raumfahrer.net berichtete).

Lesen Sie dazu auch: Puttkamer über das Space Shuttle. Weichenstellung für Europas Raumfahrt

NASA

So könnte es aussehen: Das amerikanische Raumschiff Orion zusammen mit dem europäischen Servicemodul
(Bild: NASA)
Zwei Tage lang diskutierten die Mitgliedsländer der ESA im Kongresszentrum „Mostra d'Oltremare“ über die Zukunft der europäischen Raumfahrt. Herausgekommen ist ein Manifest ohne große Risiken, ohne großen Mut, aber solide. Ein typisch europäischer Kompromiss eben. Der europäische Raumtransporter ATV wird 2015 seinen letzten Flug absolvieren. Die Ariane V wird, entgegen den Vorstellungen Frankreichs, nun doch weiterentwickelt und bekommt eine neue Oberstufe. Damit ist die Ariane 6 aber noch nicht vom Tisch, sie soll von den Synergieeffekten der neuen Oberstufe der Ariane V ME profitieren und erst später kommen.

Die Betriebskosten für das europäische Raumlabor werden mit Hilfe der Konstruktion eines Service-Moduls abgedeckt, von dem die US-Amerikaner zwei Stück bekommen sollen, für ihr in Entwicklung befindliches Orion-Raumschiff. Auch mit Russland wird eine Zusammenarbeit stattfinden. Nach dem Ausstieg der USA aus dem Exomars-Programm springt Russland ein und wird neben der Trägerrakete auch den Lander zur Verfügung stellen. Die gesamte Finanzierung war nur möglich, weil der sonst eher zurückhaltende Partner Großbritannien in die Bresche sprang und nun als drittstärkster Geldgeber Italien beerbt.

Nicht ganz Raumfahrt - Felix Baumgartner erreicht Überschall

RedBull/youtube

Felix Baumgartner rast aus 39 km Höhe im freien Fall auf die Erde zu. Den Durchbruch der Schallmauer verfolgten Millionen Menschen live im Internet.
(Bild: RedBull/youtube)
Mit seinem Sprung aus 39 km Höhe faszinierte Felix Baumgartner Millionen Menschen. Auch wenn er von der „Grenze zum All“ entgegen der Werbung noch ein gutes Stück entfernt war, erinnert uns der wagemutige Sprung, bei dem er als erster Mensch die Schallmauer durchbrach, an vergangene Pioniere. An Spannung war der stundenlange Aufstieg, gepaart mit technischen Problemen und der Ungewissheit über den Ausgang des Unterfangens, kaum zu überbieten. Einige Medien sprachen von der „Mondlandung unserer Zeit“. Das mag vielleicht etwas übertrieben sein, trifft aber den Kern: Das Entdecker-Gen ist noch aktiv.

Was bringt die Zukunft?

Die Raumfahrt ist auf der Suche nach dem "game changer". Die bisher eingesetzten Technologien sind und werden bis an den Rand der Perfektion optimiert und werden damit im Verhältnis zum Aufwand unverhältnismäßig teuer. Lohnt es sich wirklich für Milliarden von Euros, ein technisches Meisterwerk wie das neue Oberstufentriebwerk der Ariane V ME "Vinci" zu entwickeln oder ist der Weg von SpaceX der richtige? Sie setzen auf solide Kerosin/Sauerstoff-Triebwerke, handelsähnliche Computersysteme und komplette Zentralisierung der Produktion im Haus, statt Outsourcing.

Dieses Jahr war erstmals die Rede von entscheidenden Entwicklungen, die erforderlich sein werden, um Menschen zum Mars zu bringen. Mit Hilfe von Stirlingmotoren in Kombination mit nuklearen Antrieben soll eine für ihr Gewicht hoch effektive Stromversorgung möglich werden. Der sogenannte "Small Reactor for Deep Space Exploration" wird gerade von der NASA getestet. Auch Russland verfolgt entsprechende Konzepte. Erst mit solchen Energiemengen lassen sich zum Beispiel Ionentriebwerke genug ausreizen, um Reisen zum Mars in deutlich kürzerer Zeit zu absolvieren. Denn welche Auswirkungen ein jahrelanger Aufenthalt im All auf den Menschen hat, ist bis heute noch nicht ausreichend erforscht. Alle bisherigen ISS-Expeditionen dauerten maximal ein halbes Jahr. Um hier neue Erkenntnisse zu gewinnen, entschieden sich die NASA und Roskosmos jeweils für einen ihrer Kandidaten, um eine Jahresmission zu absolvieren. 2015 sollen Scott Kelly und Michael Kornijenko ein volles Jahr auf der Station verbringen.

Russland schraubt derweil an seiner neuen Raumfahrtstrategie. Fest steht, dass das neue Kosmodrome in Wostotschny sowie die Fertigstellung der Angara-Rakete zusammen mit dem ISS-Programm die finanziellen Kapazitäten weitgehend bündeln wird. Um Gelder zu sparen, soll auf Herstellerseite durch Fusionen nur noch ein einzelner Trägeranbieter auftreten. Alles was darüber hinausgeht sind Konzepte, mit denen man in den 30er Jahren auf dem Mond landen möchte. Zeitnah dürfte man in Russland jedoch zunächst daran interessiert sein, die Ursachen für sich häufende Fehlfunktionen ausfindig zu machen. Putin selbst sieht den Ruf der zuverlässigen russischen Technik gefährdet, nach den Fehlschlägen von Bris- und Fregat-Oberstufen sowie der Marsmond-Sonde Phobos-Grunt.

In den USA wiederum weiß man noch nicht so ganz, was man mit der neuen Schwerlastrakete SLS anfangen soll. Bereits 2017 soll der Erstart zusammen mit dem neuen Orion-Raumschiff stattfinden. Stück für Stück soll dann die Leistungsfähigkeit weiter gesteigert werden, bis man 2030 einen Träger für ca. 130 Tonnen zur Verfügung hat. Eventuelle Ziele sind Mond, Lagrange-Punkte und erdnahe Objekte. Doch weder hat man ein Landemodul für den Mond in Entwicklung noch spezialisierte Module für die anderen angedachten Missionen. 2020 hat man im besten Fall also eine Schwerlastrakete mit Rückkehrkapsel. Nicht mehr und nicht weniger.

Und jetzt wünsche ich Ihnen, liebe Leser, ein frohes und gesundes neues Jahr im Namen von Raumfahrer.net. Bleiben Sie uns treu, auch im neuen Jahr.

Zum Schluss noch etwas ...

Statistik

Im Jahr 2012 wurden insgesamt 135 Satelliten in Erdumlaufbahnen gebracht. Dazu benötigte man 75 erfolgreiche Starts. Ein Startversuch schlug fehl, bei einigen weiteren gab es Oberstufenprobleme, so dass mehrere Satelliten in unbrauchbaren Orbits strandeten.

Russland brachte es wie in den letzten Jahren immer auf die meisten Starts, nämlich insgesamt 26. Auf den Plätzen folgen China mit 19, die USA mit 13, Arianespace mit 8, SeaLaunch mit 3, Indien und Japan mit je 2 sowie der Iran und Nordkorea mit je einem erfolgreichen Start. Bei den Satelliten liegen die USA mit 33 an der Spitze gefolgt von China (27), Russland (22), Japan (9), Italien (5) sowie Indien und Frankreich (je 3). Jeweils 2 Satelliten gehen auf das Konto von Eumetsat, EU, Eutelsat, Vietnam, Kanada und Großbritannien. In die Klasse der Satellitenbetreiber reihen sich zudem Rumänien, Ungarn, Spanien, Polen, die Niederlande, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Südkorea, Schweden, Weißrussland, Deutschland, Indonesien, Brasilien, die Türkei und Mexiko ein (je 1). Zudem gab es 2012 zwei Gemeinschaftsprojekte, eines von den USA mit Schweden, ein weiteres von den USA und Großbritannien.

Die meisten Starts erfolgten von Baikonur aus, es waren insgesamt 21. Weitere Startorte 2012 waren Kourou und Cape Canaveral mit jeweils 10, Xichang mit 9, Jiuquan mit 6, Taiyuan mit 4, Plesezk und die (fast russische) Odyssey-Plattform mit je 3 sowie Sriharikota, Tanegashima und Vandenberg mit je 2 erfolgreichen Trägerstarts. Jeweils einen Erfolg können Semnan und Sohae sowie eine Lockheed L-1011 verbuchen. Dabei handelt es sich um einen Luftstart.

Die am häufigsten eingesetzten Raketen waren die Sojus und die Proton mit jeweils 11 Starts. Zählt man die 3 Starts der Sojus 2 noch hinzu, dann macht der Nachfolger der R7 wieder einmal das Rennen. Auf den Plätzen folgen die verschiedenen Varianten chinesischer Raketen vom Typ Langer Marsch. Die Chang Zheng 3 wurde 9 Mal gestartet, die CZ 2 insgesamt 6 Mal und die CZ 4 kommt auf vier Einsätze. Dazwischen drängeln sich die Ariane 5 und die Atlas 5. Die Ariane 5 schaffte in diesem Jahr erstmals 7 Einsätze und transportierte dabei 13 vergleichsweise große Nutzlasten ins All. Die Atlas 5 stieg 6 Mal in den Himmel. Das Verfolgerfeld besteht aus Delta IV (4 Einsätze), Zenit 3 (3), Falcon 9 und PSLV mit je zwei Starts sowie Einzeleinsätze der Raketen Vega, Pegasus XL, H-2A, H-2B, Safir 1, Rokot und Unha 3.

Die meisten Satelliten, nämlich 85 landeten in niedrigen Erdumlaufbahnen, im sogenannten Low Earth Orbit (LEO). Die Geostationäre Bahn erreichten 38 Satelliten, zwei ebenfalls dafür vorgesehene Kommunikationssatelliten blieben unterwegs auf der Strecke. Sie wurden unfreiwillig in einer hochelliptischen Bahn abgesetzt. Mit Absicht in eine solche Bahn gelangten 3 Nutzlasten. Im Medium Earth Orbit, also Bahnen mittlerer Höhe, kommen seit diesem Jahr 7 neue Navigationssatelliten zum Einsatz. Das Gravitationsfeld unseres Heimatplaneten verlassen hat 2012 kein in diesem Jahr gestarteter künstlicher Himmelskörper. Zumindest machte sich die bereits 2010 gestartete chinesische Mondsonde Chang'e 2 im April auf den Weg zum Asteroiden Toutatis, den sie im Dezember passierte.

Bemannte Raumschiffe gelangten in diesem Jahr 5 in erdnahe Umlaufbahnen, 4 russische und 1 chinesisches. Als Ziele wurden die Internationale Raumstation sowie die chinesische Station Tiangong 1 angeflogen. Die ISS war auch das Ziel von 8 unbemannten Transportraumschiffen der Typen Progress, Dragon, ATV und HTV. Dabei wurden auch 6 Kleinsatelliten zur Station transportiert, die später aus einer speziellen Startvorrichtung herauskatapultiert oder abgeworfen wurden.

Zum Nachschlagen: Starttabelle 2012. Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:
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