13.08.2004 / Autor: Gero Schmidt Raumfahrt > Bemannte Raumfahrt

Zwei X-Prize-Teams auf der Zielgeraden

Für diesen Herbst zeichnet sich ein spannendes Finale im X-Prize-Wettbewerb ab: Sowohl Burt Rutan, der Kopf hinter SpaceShipOne, als auch Brian Feeney vom kanadischen daVinci-Project, haben angekündigt, ihre Raumschiffe ins Rennen um die 10 Millionen Dollar Preisgeld starten zu lassen.

Burt Rutan gab seine Pläne bereits auf einer Pressekonferenz Ende Juli bekannt. SpaceShipOne soll am 29. September seinen ersten X-Prize-Flug absolvieren und das Ganze in den darauffolgenden zwei Wochen mindestens einmal wiederholen. Angeblich ist der 4. Oktober, der Jahrestag des Sputnik-Starts, als Termin für den Zweitflug im Gespräch. Den X-Prize gewinnt, wer es als Erster schafft, drei Personen in einem privat entwickelten Raumschiff zweimal innerhalb von 14 Tagen auf eine Höhe von 100 Kilometern zu transportieren und sicher zur Erde zurückzubringen.



SpaceShipOne bei einem Testflug (Quelle: Scaled Composites)
Bei dieser Pressekonferenz anwesend war auch Brian Feeney, der Leiter des kanadischen X-Prize-Teams daVinci-Project. Zu diesem Zeitpunkt fehlte ihm allerdings noch das Geld, um sein Wild Fire getauftes Raumschiff fertigzustellen und zwei X-Prize-Flüge durchzuführen. Doch er hatte Glück: In letzter Minute wurde ein Internet-Kasino namens GoldenPalace.com als Sponsor gewonnen, so dass Feeney nur wenige Tage später, bei der öffentlichen Präsentation von Wild Fire am 5. August, verkünden konnte, nun ebenfalls fliegen zu wollen. Starttermin: 2. Oktober.

Während Rutans SpaceShipOne von einem eigens entwickelten Trägerflugzeug namens White Knight auf ca. 15 Kilometer Höhe geschleppt wird und von dort ins All startet, verwendet Feeney einen riesigen Heliumballon, um Wild Fire einen solchen "Standortvorteil" zu verschaffen. Der Ballon befördert das Raumschiff auf eine Starthöhe von gut 24 Kilometern.

Mit den Ankündigungen von Rutan und Feeney hat sich der X-Prize-Wettbewerb etwas unerwartet nun doch noch in ein modernes "Rennen in den Weltraum" verwandelt, wenn auch im Kleinformat. Bisher schien es so, als sei Rutan und seiner Firma Scaled Composites der Sieg nicht mehr zu nehmen. Insbesondere nach dem ersten Raumflug von SpaceShipOne am 21. Juni sah es so aus, als sei alles schon entschieden. Sehr skeptisch werden deshalb auch die Erfolgsaussichten für das daVinci-Team beurteilt. John Carmack, der Leiter eines weiteren X-Prize-Teams, Armadillo Aerospace, bezeichnete die Pläne von Feeney als "lachhaft": "Sie haben in den Jahren, die sie sich schon damit beschäftigen, kein einziges Ding geflogen...Ich glaube nicht, dass sie es ernst meinen." Und weiter: "Ich denke nicht, dass sie dermaßen die Realität verkennen, dass sie glauben, es würde tatsächlich in dem Zeitrahmen funktionieren." Feeney verteidigt den Mangel an praktischen Tests mit dem Hinweis auf die zahlreichen Computersimulationen, die durchgeführt worden seien.



Feeneys Raumschiff: Die Wild Fire Mark VI (Quelle: space.com)
Aber nicht nur die geringe Anzahl der Tests stimmt skeptisch. Es scheint auch so, als hätte man beim daVinci-Team kurzfristig das gesamte Design des Wild Fire-Vehikels radikal überarbeitet. Statt eines mit Flüssigsauerstoff und Kerosin betriebenen Triebwerks soll nun ein mit Stickstoffoxid (Lachgas) und einer nicht näher spezifizierten Feststoffkomponente arbeitender Hybridraketenmotor zum Einsatz kommen, ähnlich wie bei SpaceShipOne. Außerdem wird nun ein anderes Hitzeschutzsystem für den Wiedereintritt verwendet als ursprünglich vorgesehen und Crewkapsel und Antriebsteil landen getrennt, statt wie bisher geplant als Einheit. Allem Anschein nach sollte das Design durch diese Änderungen vereinfacht und die Entwicklungszeit somit verkürzt werden.

Fairerweise sollte erwähnt werden, dass das daVinci-Team nur einen Bruchteil der finanziellen Ressourcen von Burt Rutan zur Verfügung hat: Gerade mal 350.000 Dollar haben Feeney und seine Gruppe von Freiwilligen bisher ausgegeben, etwa vier Millionen Dollar kommen in Form von Sachspenden zusammen. Rutan wird dagegen von Paul Allen, dem milliardenschweren Microsoft-Mitbegründer, unterstützt. Zwischen 20 und 30 Millionen Dollar lässt sich dieser das ganze Unternehmen kosten.

Es bleibt zu hoffen, dass Feeney nicht auf Biegen und Brechen das Startdatum einhalten wird, sondern bereit ist, eine Niederlage hinzunehmen, wenn er und sein Team bis Anfang Oktober einfach noch nicht so weit sind. Ein verschobener Start wäre auf jeden Fall weniger beklagenswert als ein Unfall, bei dem womöglich Feeney, der Wild Fire selbst fliegen wird, zu Schaden käme.

Weitere Entwicklungen
Space Transport, eine bisher eher unbekannte, im US-Bundesstaat Washington ansässige kleine Raumfahrtfirma, die ebenfalls am X-Prize-Wettbewerb teilnimmt, musste am vergangenen Sonntag einen Rückschlag hinnehmen, als ihre unbemannte Testrakete Rubicon 1 kurz nach dem Start explodierte. Die Entwicklung des Prototypen kostete weniger als 20.000 Dollar. Eric Meier und Phillip Storm, die beiden Gründer von Space Transport hoffen nun darauf, dass die umfangreiche Berichterstattung zu dem Vorfall ihnen hilft, Sponsoren für ihre weitere Arbeit finden.


Von links nach rechts: Paul Allen, Mike Melvill und Burt Rutan (Quelle: Scaled Composites)

Auch Armadillo Aerospace, die Firma von Software-Guru John Carmack, der vor allem durch seine Computerspiele Doom und Quake bekannt geworden ist, hatte an diesem Wochende einen Fehlschlag zu verzeichnen. Dem jüngsten Prototyp ging in ca. 200 Metern Höhe der Treibstoff aus und die resultierende unsanfte Landung zerstörte das Vehikel vollständig. Doch Carmack lässt sich nicht entmutigen. Dass er und sein Team den X-Prize nicht würden gewinnen können, war schon länger klar, aber sie wollen trotzdem weiterarbeiten. Im September sollen die Testflüge mit einem neuen, verbesserten Vehikel wieder aufgenommen werden.

Kanadisches Team plant Fallschirmtests
Canadian Arrow, wie der Name schon sagt ein weiteres Team aus Kanada, plant für den heutigen Samstag einen Test, bei dem die Crewkabine ihrer auf der deutschen V2 basierenden Rakete in gut 2700 Metern Höhe von einem Hubschrauber über dem Lake Ontario abgeworfen werden soll. Damit soll vor allem das Funktionieren des Fallschirms sichergestellt und das Durchführen von Bergungsoperationen im Wasser geprobt werden.
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