03.10.2004 / Autor: Martin Ollrom Raumfahrt > Bemannte Raumfahrt

Nacht der Sterne in Wien

Die erste "Lange Nacht der Sterne" ging am Abend des 18. September im deutschsprachigen Raum über die Bühne. Raumfahrer.net Redakteur Martin Ollrom besuchte das Planetarium Wien.

Durch den Kontakt mit Frau Fischer des Wiener Planetariums bekam unser Stellvertretender Chefredakteur unerwartet eine Freikarte für die Vorstellung "Projekt Mars" am 18. September. Er nutzte natürlich die Gelegenheit, um diese Vorstellung anzusehen. Die Nacht des 18. September war in Wien eine sehr klare Nacht und so wurden die vielen offenen Sternwarten begünstigt. Auch im Planetarium war der Andrang erfreulich hoch, jedoch waren dann zu Projekt Mars um 22:30 Uhr schon viele auf Sternwarten ausgewichen.



Das Planetarium von außen. Gut zu erkennen ist die Kuppel (Bild: Planetarium Wien)
Die Vorstellung fand in einem wunderschönen Kuppelsaal statt. In der Mitte stand ein Spezialgerät, das nur mit zwei Lichtbogenlampen den Sternenhimmel über Europa auf die Kuppel projezierte. Man glaubte, man säße unter dem freien Sternenhimmel, sehr beeindruckend. Projektleiter Harry Hallas erklärte noch schnell wie dieser modernste Sternenprojektor weltweit entstand und welche Eigenschaften er besitzt. Nach diesem kurzen Ausflug in die Technik wechselten wir in die unendlichen Weiten des Weltraums. Unser Ziel war der Mars! Begleitet hat uns die deutsche Originalstimme von Captain Jean Luc Picard aus "Star Trek: The Next Generation".

Der erste Punkt war die Mars Geschichte. Angesprochen wurde vor allem die öffentliche Aufmerksamkeit hinsichtlich des Mars. Als erste Anzeichen von eventuellem intelligenten Leben öffentlich bekannt wurden, griff Hollywood das Thema "Mars" auf und drehte unzählige Science Fiction Filme. Eine Radiosendung erregte besonderes Aufsehen und löste eine Massenpanik aus, als ein Angriff von Mars-Menschen übertragen wurde. Danach wurden wichtige Marsmissionen angesprochen und natürlich auch deren Fotos und Missionserfolge näher erläutert. Dabei wurden die Viking-Lander und Viking-Orbiter erwähnt und deren wunderschöne Fotos gezeigt. Danach wurde Mars Global Surveyor eingehend erklärt, der noch heute aktiv ist und vor kurzem seine dritte Missionsverlängerung bekam. Danach wurden die Fehlschläge Mars Climate Orbiter und Mars Polar Lander angesprochen. Der Climate Orbiter ist durch einen Berechnungsfehler verloren gegangen und der Polar Lander wurde zum "Polar Crasher", da sich die Bremsraketen zu früh deaktivierten.

"Five, four, three, two, one…
…the European mission Mars Express is now on way to Mars." So begann das nächste Mars-Kapitel. So begann das europäische Abenteuer Mars. Mars Express ist nicht nur die erste Mars Mission sondern auch die erste interplanetare Mission Europas. Danach wurde auch Beagle 2 erklärt, der leider ein Fehlschlag wurde. Das Schicksal von Beagle 2 wird wahrscheinlich nie geklärt werden können. Die Mars Exploration Rover wurden natürlich auch noch durchgenommen. Die schönsten Bilder von Spirit und Opportunity wurden auch noch auf die Kuppel projeziert und auch das war sehr beeindruckend. Beide Rover sind jetzt noch aktiv und haben die Konjunktion von Erde-Mars gut überstanden.

Danach wurde noch die Mars-Bahn und der Weg des Mars an unserem Himmel erläutert. Dass der Mars der erdähnlichste Planet in unserem Sonnensystem ist, war schon klar. Man glaubt, dass der Mars einmal so ähnlich aussah wie die Erde und durch einen Meteoriten-Einschlag zu einem Wüstenplanet wurde, dessen Klima sehr an unsere Wüstengebiete erinnert: Am Tag "warm" und in der Nacht "sehr kalt". Danach war noch die Mars-Zukunft an der Reihe. Terraforming war hier das Stichwort. Es ist ein kühner Plan der Wissenschaftler, Bakterien auf den Mars auszusetzen, der Mars-Atmosphäre das Kohlendioxid zu entziehen und stattdessen Sauerstoff in die Mars-Atmosphäre zu bringen. Danach könnte der Rote Planet wieder zu einem lebenden, atmenden Planeten werden, auf dem die ersten "Marsianer" leben könnten. Diese "Marsianer" werden dann genauso begeistert aufblicken zum wunderschönen Himmel wie tausende Jahre zuvor auch die irdischen Menschen. Dabei wird ein Planet auf den marsianischen Himmel für die Marsianer einen besonderen Stellenwert haben: der kleine Punkt am Himmel namens Mutter Erde. So beendete Captain Picard den Mars Vortrag, der die Zuschauer über 50 Minuten lang beeindruckt hatte.

Nach der Vorstellung stand Harry Hallas, der die Vorstellung produziert hat und uns die technischen Einrichtungen des Planetariums erläuterte, für weitere Fragen zur Verfügung. Raumfahrer.net-Redakteur Martin Ollrom ließ sich das natürlich nicht nehmen.



Hier sieht man den modernsten Sternenprojektor der Welt. (Bild: Planetarium Wien)
Raumfahrer.net: Wie weit wäre die Menschheit mit der Marsforschung, wenn Missionen wie Climate Orbiter, Observer, Polar Lander und Beagle 2 ein Erfolg gewesen?
Hallas: Solche Wenn–Dann-Fragen sind sehr schwer zu beantworten, wenn überhaupt: Aber anzunehmen ist, dass wir sehr viel weiter wären, weil zum Beispiel Observer Geräte erst in Global Surveyor zum Einsatz kamen.
RN: Gibt es eigentlich schon ESA Pläne für die Mars-Forschung nach Mars Express?
Hallas: Bis auf die ExoMars-Mission gibt es eigentlich leider noch keine konkreten Pläne. Selbst die ExoMars-Mission ist nicht einmal fix und sitzt auf dem Schleudersitz.
RN: Wann kann man den Mars wieder an unserem Nachthimmel sehen?
Hallas: Da er sich jetzt in der so genannten Konjunktion befindet (Erde–Sonne–Mars Linie) ist er von uns aus gesehen hinter der Sonne versteckt und wird erst wieder um den Jänner herum schön sichtbar sein.
RN: Könnte man theoretisch jedes Jahr eine Mars Sonde starten?
Hallas: Günstig ist es jedes zweite Jahr, wenn der Mars sich in der so genannten Opposition befindet. Man muss sie auch zur richtigen Zeit zum Mars schicken, denn die Raumsonde braucht einen gewissen Vorsprung zum Mars, da der Mars sich schneller auf seiner Bahn bewegt wie die Raumsonde ihn erreichen könnte.
RN: Deswegen startet nächstes Jahr auch Mars Reconnaisance Orbiter. Wird die NASA nach Beagle 2 suchen?
Hallas: Von allein glaube ich nicht. Nur wenn die ESA die NASA darum bittet.

Danach kam das Thema Antriebe auf.



Über diese Kommandokonsole wird der Sternenprojektor geleitet (Bild: Planetarium Wien)
RN: Ionenantriebe spielen ihr ganzes Potenzial erst auf größeren Distanzen aus, oder?
Hallas: Ja eindeutig. Da man den Ionenstrahl viel länger einsetzen kann, erzeugt er weniger Druck auf längere Zeit, so dass sich die Reisezeit zum Pluto von 13 auf sieben Jahre verringert.
RN: Nun kann man aber die Sinnhaftigkeit des SMART-1 Ziels Mond der ESA anzweifeln. Der Mond ist doch nicht das perfekte Ziel um einen Ionenantrieb zu testen!
Hallas: Naja für die ESA war immer klar, dass die Raumsonde auch wissenschaftliche Arbeit verrichten soll. Wenn man weiter weg fliegt, muss man auf bewährte und bereits getestete Systeme zurückgreifen, denn dann kann man sich nicht auf ungetestete Systeme verlassen. Der Mond ist in dieser Beziehung das perfekte Ziel und ein Jahr auf und ab ist in der Raumfahrt nichts. Außerdem ist es ja nicht NUR der Ionenantrieb der getestet werden soll, sondern auch entsprechende Systeme, die am Mond gut getestet werden können.
RN: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Harry Hallas besuchte selber die Uni in München und arbeitete mit Nozomi an einer japanischen Sonde. Nozomi sollte zum Mars fliegen, jedoch ist diese Mission von einer Krise in die andere gewandert. Lediglich das Gerät an dem Harry Hallas mitarbeitete, funktionierte einwandfrei.

Der Eindruck, den das Wiener Planetarium machte, war ein sehr guter. Auch Harry Hallas der sich freundlicherweise den Fragen gestellt hat, erwies sich als sehr kompetent. Die erste "Lange Nacht der Sterne" im Wiener Planetarium war meiner Meinung nach ein voller Erfolg.
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