17.01.2004 / Autor: Michael Schumacher Raumfahrt > ISS Weekly Report

Undichtigkeiten möglicherweise behoben

Mit Hilfe der achten Stammbesatzung gelang es der Bodenkontrolle am Sonntag, dem 11. Januar 2004 die augenscheinliche Ursache für eine sehr kleine Druckabnahme an Bord der Internationalen Raumstation aufzuspüren.

Nachdem am Samstag, dem 10. Januar 2004 und am Sonntag, dem 11. Januar 2004 umfassende Drucküberprüfungen in Progress M-48, dem Docking Compartment (DC) 1 Pirs, Sojus TMA-3 und dem Joint Airlock Module (JAM) Quest keine Undichtigkeiten aufzeigten, wendeten Kommandant und National Aeronautics and Space Administration (NASA) International Space Station (ISS) Science Officer (SO) Michael Foale sowie Bordingenieur Alexander Kaleri eine Vorrichtung zum Erkennen von Undichtigkeiten mittels Ultraschall zum zweiten Mal beim Fenster für die Erdbeobachtung im Laboratory Module Destiny an und stellten ein hörbar zischendes Geräusch fest, das von dem umflochtenen elastischen Schlauch ausging. Dieser Schlauch ist an zwei Quick Disconnect (QD) Vorrichtungen als Bestandteil eines Systems angeschlossen, das jegliches Kondenswasser zwischen zwei der sechs Glasplatten in den freien Weltraum ablässt, um ihr Beschlagen zu verhindern und so die reine Sichtqualität des Fensters aufrecht zu erhalten.

Foale sagte, dass er während einer vorhergegangenen Überprüfung auf Undichtigkeiten in der vergangen Woche keine zischende Geräusche von dem elastischen Schlauch aufgrund von Nebengeräuschen hören konnte, die von den im Betrieb befindlichen Nutzlastschränken in Destiny erzeugt wurden. Am Sonntag, dem 11. Januar wurden diese Schränke kurzzeitig heruntergefahren und das zischende Geräusch wurde deutlich hörbar. Foale berichtete, dass das Geräusch verstummte, sobald der elastische Schlauch getrennt war. Während zusätzliche Abschätzungen für eine Bestätigung benötigt werden, scheint sich der Druck in der Internationalen Raumstation seit dem Entfernen des elastischen Schlauches stabilisiert zu haben.

Obwohl nun die Undichtigkeit repariert scheint, sah die Bodenkontrolle vor, die achte Stammbesatzung anzuweisen mehrere Luken an Bord der Internationalen Raumstation an diesem Wochenende zu schließen, um sie so in vier Abschnitte zu unterteilen um weitere Überprüfungen auf Undichtigkeiten zu ermöglichen sowie zusätzliche Grundlagendaten über normale Schwankungen in Teilen der Internationalen Raumstation zu gewinnen. Die Bodenkontrolle wird über das Wochenende den Druck in jedem Abschnitt überwachen, um Luftdruckdaten zu sammeln. Alle Luken sollen bis zum Ende dieses Wochenendes wieder geöffnet werden. Die abgeschotteten Abschnitte umfassen Destiny; das Control Module Sarja und den Pressurised Mating Adapter (PMA) 1; Quest und den Node 1 Unity; sowie das Service Module Swjesda, das DC-1 Pirs, Sojus TMA-3 und Progress M-48. Während die Luken geschlossen sein werden, wird sich die achte Stammbesatzung in dem Abschnitt aufhalten, zu dem Swjesda zählt. Als Vorbereitung darauf sollen sie am Freitag, dem 16. Februar 2004 mit dem Transport von zusätzlicher Ausrüstung nach Swjesda beginnen. Foale schläft normalerweise in Destiny wohingegen Kaleri normalerweise in Swjesda schläft.

Foale und Kaleri reparierten am Montag, dem 12. Januar 2004 das Sauerstoff erzeugende System Elektron indem sie eine Einheit zur Trennung von Flüssigkeit und Gas ersetzen und sie sollen in der kommenden Woche oder so mit den Reparaturen am System Wosduch fortfahren, das Kohlendioxid aus der Atmosphäre der Internationalen Raumstation entfernt. In Vorbereitung auf die Reparaturarbeiten an Elektron wurde der Druck an Bord der Internationalen Raumstation am Ende des Wochenendes unter Verwendung des in den Vorratstanks von Progress M-48 verbliebenen Sauerstoffes auf etwa 0,979 bar erhöht. Die Abkopplung von Progress M-48 wird in ungefähr anderthalb Wochen erfolgen, bevor Progress M1-11 mit Ausrüstungsgegenständen, Versorgungsgütern und Treibstoffen für die achte Stammbesatzung am 29. Januar 2004 von Baikonur in Kasachstan startet. Die Ingenieure bewerten zurzeit Planungen, die vorsehen einen Austauschschlauch an Bord von Progress M1-11 zu starten.

Am Montag, dem 12. Januar 2004 gab die NASA bekannt, dass Leroy Chiao William McArthur als Kommandant, Sojus Bordingenieur und NASA ISS SO der neunten Stammbesatzung, der nächsten bemannten Mission an Bord der Internationalen Raumstation ersetzen wird. Die Veränderung in der Nominierung für die neunte Stammbesatzung resultierte aus einem vorübergehenden medizinischen Problem von McArthur bezüglich seiner Zulassung für diesen Langzeitraumflug. Unter Berücksichtigung der medizinischen Geheimhaltung werden keine Informationen über den Gesundheitszustand von McArthur veröffentlicht.

Als Mitglied der Ersatzmannschaft für die neunte Stammbesatzung trainierte Chiao bereits seit Monaten an der Seite von McArthur. Chiao wird auf der sechsmonatigen Mission von Bordingenieur und Sojus Kommandant Waleri Tokarew begleitet. Der Start der neunten Stammbesatzung an Bord von Sojus TMA-4 von Baikonur in Kasachstan ist für den 19. April 2004 vorgesehen. Abgerundet wird die dreiköpfige Besatzung von Sojus TMA-4 durch den Bordingenieur der European Space Agency (ESA) André Kuipers. Kuipers soll am 29. April 2004 zusammen mit der achten Stammbesatzung wieder zur Erde zurückkehren.

Laut dem Chef des Astronautenbüros Kent Rominger handele es sich bei McArthur um ein vorübergehendes medizinisches Problem. Weiterhin fügte er hinzu, dass die NASA für solche Vorkommnisse Ersatzmannschaften trainiere, da sie eine sehr vorsichtige Einstellung hinsichtlich der Gesundheit der Mannschaften habe. Er sagte auch, dass sie es vorsehe, McArthur in naher Zukunft einem anderen Flug zuzuweisen.

McArthur äußerte sich dahingehend, dass er natürlich enttäuscht sei, dass er nicht die Mission der neunten Stammbesatzung fliegen werde, er jedoch die Notwendigkeit der medizinischen Kriterien verstehe, die für Langzeitraumflüge bestehen. Er wisse auch, dass Chiao dafür sorgen werde, dass alle Missionsziele der neunten Stammbesatzung erreicht werden. Er freue sich, bald im Rahmen einer anderen Mission zur Internationalen Raumstation zu fliegen.

Wie vorgesehen endete für Foale und Kaleri die Woche damit, dass sie mehrere Luken im Innern der Internationalen Raumstation schlossen, um mehr Daten bezüglich der normalen Luftdruckschwankungen an Bord zu sammeln. Daher werden die sie den größten Teil dieses Wochenendes in einem kleineren Abschnitt der Internationalen Raumstation als üblich verbringen. Während dieser Zeit wird die Bodenkontrolle den Luftdruck in den Sektionen überwachen, um zu überprüfen ob der Druck an Bord stabil ist und um Grundlagendaten über die normalen Luftdruckschwankungen in der Internationalen Raumstation zu gewinnen. Alle Luken werden bis zum Ende des Wochenendes wieder geöffnet.

Diese Woche umfasste außerdem eine Reihe von wissenschaftlichen und medizinischen Experimenten für die achte Stammbesatzung. Kaleri führte eine Einschätzung der Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf das Innenohr unter Verwendung eines speziellen Anzuges durch und entnahm Luftproben im Rahmen eines anderen Experimentes, dass dabei hilft, die mikrobielle Umgebung an Bord der Internationalen Raumstation zu bewerten.

Foale führte seinen zweiten Durchgang mit dem Experiment Foot/Ground Reaction Forces During Spaceflight (FOOT) durch und sammelte zusätzliche Daten über die Dauer mehrerer Stunden. Für das Experiment legte Foale ein spezielles Paar instrumentierter Überhosen an, das es den Forschern ermöglicht, die Kräfte an den Füßen, den Winkel der Gelenke sowie die Muskeltätigkeit zu messen. Foale nahm außerdem an der Hand Posture Analyser (HPA) Untersuchung teil, die einen speziellen Handschuh verwendet, um die Veränderung im Verhalten des Menschen für das Reichen nach, das Greifen von, das Umgehen mit und den Transport von Gegenständen während langen Aufenthalten in der Schwerelosigkeit zu bewerten.
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