31.08.2008 / Autor: Michael Stein Raumfahrt > ISS Weekly Report

Im Zeichen des Abschieds

Die vergangenen Tage waren geprägt von den Vorbereitungen auf das Abdocken zweier derzeit an der Internationalen Raumstation (ISS) angekoppelten Versorgungsraumschiffe in der kommenden Woche. Bis zur Ankunft des nächsten russischen Transporters Mitte September wird dann als einziges Raumfahrzeug die Sojus-Kapsel an der ISS angedockt sein.

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Greg Chamitoff an der "Microgravity Science Glovebox" im europäischen Labormodul Columbus.
(Foto: NASA)
Am letzten Freitag wurde die Luke zum unbemannten russischen Raumschiff Progress-M 64 geschlossen, nachdem die dreiköpfige Expedition 17-Besatzung der ISS in den Tagen zuvor den Raumtransporter mit Abfällen und nicht mehr benötigten Ausrüstungsgegenständen gefüllt hatten. Mitte der Woche hatte der russische ISS-Kommandant Sergej Wolkow noch die Sauerstoffvorräte der Raumstation mit entsprechenden Vorräten an Bord von Progress-M 64 aufgefüllt. Das Abkoppeln des Progress-Transporters von der ISS ist für den 1. September geplant, eine Woche später soll er dann mitsamt seiner Fracht in der Erdatmosphäre verglühen. Für den 10. September ist der Start des nächsten russischen Raumtransporters Progress-M 65 in Baikonur vorgesehen, der zwei Tage später dann an der ISS andocken soll.

Auch in Hinblick auf den seit April an der Internationalen Raumstation angedockten europäischen Raumtransporter (ATV) Jules Verne heißt es für die ISS-Crew, langsam aber sicher Abschied zu nehmen. In der letzten Woche wurde noch Fracht aus dem Raumschiff in die Raumstation transferiert, umgekehrt fanden wie beim Progress-Transporter Abfälle und nicht mehr benötigte Ausrüstungsgegenstände den Weg in das ATV. Am 5. September soll Jules Verne schließlich abkoppeln, um danach wie sein russisches Pendant in der Erdatmosphäre zu verglühen.

Unversehens hatte der erste europäische Raumtransporter am Mittwoch vergangener Woche jedoch noch ein letztes Mal die Gelegenheit, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen: Um 18.11 Uhr (MESZ) zündeten zwei seiner vier Haupttriebwerke für gut fünf Minuten, um ein Ausweichmanöver zu fliegen - das erste derartige Manöver der Internationalen Raumstation seit 2003. Grund hierfür war ein ausgedienter Satellit, der der ISS zu nahe zu kommen drohte. Die Raumstation wurde zunächst um 180 Grad gedreht, anschließend erfolgte entgegen der Flugrichtung die Triebwerkszündung von Jules Verne, so dass sich die Geschwindigkeit der ISS um einen Meter pro Sekunde reduzierte. Diese Abbremsung führte zu einer Absenkung der Bahnhöhe um 1,7 Kilometer, was im Ergebnis wieder einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum ausgedienten Satelliten herstellte.

Doch nicht nur zwischen der ISS und den beiden derzeit angedockten Raumtransportern ging es materialtechnisch letzte Woche hin und her, auch innerhalb der Raumstation wurden erhebliche Massen bewegt: So wuchtete der amerikanische ISS-Flugingenieur Greg Chamitoff zwei so genannte EXPRESS-Gestelle vom US-Labormodul Destiny in das japanische Labormodul Kibo. Die streng normierten EXPRESS-Racks können bis zu zehn verschiedene Nutzlasten aufnehmen und sind zwischen den japanischen, amerikanischen und europäischen Labormodulen aufgrund einheitlicher Schnittstellen austauschbar. Speziell für derartige Transporte der im Volumen an eine Kühl-/Gefrierkombination erinnernden Gestelle existiert an Bord der ISS ein Transportcontainer, den Chamitoff bei den beiden "Umzügen" verwendete.

Zu den routinemäßigen Wartungsarbeiten der ISS-Besatzung gehörte in der letzten Woche auch die Untersuchung der Fensterluken im russischen Teil der Raumstation auf Risse. Expedition 17-Kommandant Wolkow fotografierte zu diesem Zweck die Fenster, um beim Vergleich mit früheren Aufnahmen Unterschiede feststellen zu können. Die Aufnahmen wurden anschließend für die notwendigen Vergleichsarbeiten zur Erde übermittelt.
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