22.10.2007 / Autor: Axel Orth & Eric Honstrass Raumfahrt > Mars Aktuell

Mehr Farbbilder vom MRO

Das HiRISE-Team hat Software entwickelt, die die schwierige Herstellung von Farbbildern und -videos ihrer Superkamera revolutioniert. Ferner wurde die Betriebsdauer der beiden Marsrover bereits zum fünften Mal verlängert.

Druckansicht
NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona

Bild vergrößernEines der neuen Falschfarbenbilder der HiRISE-Kamera zeigt Schichten im "Holden Crater".
(Bild: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona)
Nach weniger als einem Jahr seit Beginn der primären wissenschaftlichen Phase hat der Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) eines der Ziele der Mission erreicht, nämlich bezüglich der zu übertragenden Datenmenge: Diese entspricht mittlerweile 5.000 CDs. Am meisten dazu beigetragen haben die Instrumente HiRISE und CRISM.

Bisher waren die meisten der veröffentlichten HiRISE-Bilder in Schwarzweiß, obwohl die wenigen Farbbilder der Kamera auf Anhieb wesentlich überzeugender und attraktiver wirkten, und auch vom rein wissenschaftlichen Standpunkt besser auszuwerten sind. Die geringe Anzahl der Farbbilder hatte einen Grund: Sie waren schwierig herzustellen. Denn die HiRISE-Kamera "sieht" ein Bild nicht direkt in Farbe, sondern benutzt dazu getrennte Bilddetektoren, die nicht gleichzeitig aktiviert werden können, sondern nur nacheinander - während der MRO sich ja weiterhin über den Planeten bewegt. Zwar liegen zwischen den Aufnahmen, mit denen die Kamera jeweils eine Farbkomponente der gerade fotografierten Marsregion fotografiert, jeweils nur Bruchteile von Sekunden. Ferner verfügt der Satellit über hoch entwickelte Möglichkeiten, sich stabil auf ein Ziel auszurichten. Bei der extrem hohen Auflösung der Kamera genügen aber dennoch winzigste Störungen, um das Überlagern der Einzelbilder zu einem Gesamtfarbbild schwierig und aufwändig zu machen. Anstatt die Einzelbilder einfach wie jeder Hobby-Bildbearbeiter zu einem Gesamtbild zu überlagern, müssen sie praktisch pixelweise korreliert werden.

In einer herkulischen Anstrengung entwickelten nun Mitglieder des Kamerateams Software, die den Prozess der Zusammensetzung der Einzelbilder automatisiert. Der Softwareentwickler Guy McArthur und die Studentin der Angewandten Mathematik, Sarah Mattson, steckten viel Arbeit in diesen Code, der nun am "HiRISE Operations Center" (HiROC) erfolgreich die Bilddaten der einzelnen Detektoren korreliert.

Beginnend mit dieser Woche werden Bilder auf der HiRISE-Webseite sowohl in Farbe als auch in Schwarzweiß veröffentlicht. Bei diesen Bildern handelt es sich um Falschfarbenaufnahmen, bei denen die Farbunterschiede nicht den realen Farben entsprechen, sondern bewusst übertrieben wurden, um Landschaften besser analysieren zu können. "Farbdaten haben sich bestens bewährt, um geologische Prozesse auf dem Mars zu interpretieren. Auf Farbbildern kann man klar Bodenbeschaffenheiten wie Staub, Sand oder Felsen, helles Schichtgestein sowie Frost und Eis auseinanderhalten. Ferner hilft Farbe dabei, HiRISE-Daten mit CRISM-Daten zu kombinieren, um detaillierte Karten der Mineralien und Bodentypen des Mars´ zu erstellen", sagte Alfred McEwen, der Forschungsleiter der Kamera. "Die Bilder, die wir jetzt veröffentlichen, enthalten einige der spannendsten Gebiete des Planeten. Sie sind sehr interessant."

NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona

Bild vergrößernTafelberge (Mesas) in der Region "Nilosyrtis Mensae".
(Bild: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona)
Einige Monate vor dem Start von Phoenix waren schon HiRISE-Bilder dafür verantwortlich, einen besseren Landeplatz für die Polarsonde zu finden. Die nun veröffentlichten Farbbilder werden unter Anderem dazu dienen, Landestellen für den nächsten großen Marsrover, das 2009 Mars Science Laboratory ausfindig zu machen.

NASA verlängert Betriebsdauer der beiden Marsrover

Einstweilen gebührt die Aufmerksamkeit aber noch eine ganze Weile den beiden schon existierenden, alternden Marsrovern: Bereits zum fünften Mal wird die Mission der beiden Mars Exploration Rover (MER), Spirit und Opportunity, auf unserem äußeren Nachbarplaneten verlängert.

Diese Entscheidung erhält die beiden bahnbrechenden, robotischen Pioniere auf jeweils gegenüberliegenden Seiten des Mars' möglicherweise bis ins Jahr 2009 am Leben. Doch hängt die Missionsverlängerung und die damit verbundene wissenschaftliche Ausbeute von der Produktivität und Funktionalität der Rover ab.

NASA/JPL-Caltech

Bild vergrößernSpirit startet sein drittes Jahr auf dem roten Planeten und forscht allen Schwierigkeiten zum Trotz weiter.
(Bild: NASA/JPL-Caltech)
"Wir sind sehr glücklich, dass wir in der Lage sind, die Marserforschung fortzuführen. Die Rover sind erstaunliche Maschinen und sie liefern nach wie vor umwerfende wissenschaftliche Ergebnisse, während sie weit über ihre ursprünglich geplante Einsatzzeit hinaus operieren", freut sich Alan Stern von der NASA in Washington.

Die Zwillingsrover landeten vor 45 Monaten, also im Januar 2004 und ihre Missionen sollten ursprünglich 90 Tage dauern. Diesen September begann Opportunity in den Krater ’Viktoria’ hinabzufahren, der sich in der Region Meridiani Planum befindet. Mit etwa 800 Metern Durchmesser und 70 Metern Tiefe ist dieser der größte der vom Rover besuchten Krater. Spirit erklomm ein vulkanisches Plateau in einem Höhenzug, der vom Landepunkt aus nur am fernen Horizont zu erkennen war.

NASA/JPL-Caltech

Bild vergrößernOpportunity bei der Arbeit im Krater 'Viktoria'
(Bild: NASA/JPL-Caltech)
"Nach mehr als dreieinhalb Jahren zeigen Spirit und Opportunity einige Alterserscheinungen, doch sind sie bei guter Gesundheit und in der Lage, weiterhin großartige Wissenschaftsarbeit zu leisten", erklärt John Callas, Projektmanager für die Rover am Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena, Californien.
Jeder der Rover trägt eine Reihe hochentwickelter Instrumente zur Erforschung der marsianischen Geologie, um damit Informationen über frühere Umweltbedingungen zu erhalten. Opportunity erbrachte einschneidende Beweise, dass das besuchte Gebiet vor langer Zeit über einen ausgedehnten Zeitraum hinweg feucht war und Bedingungen ermöglichte, unter denen sich mikrobiologisches Leben hätte halten können. Spirit fand in seinem Gebiet Beweise für Wasser, das (in welcher Form auch immer es vorlag) die Mineralienzusammensetzung des Bodens und des Gesteins verändert hat.

Bis zum heutigen Tage legte Spirit 7,26 Kilometer zurück und schickte uns über 102.000 Bilder. Opportunity legte sogar 11,57 Kilometer zurück und übermittelte mehr als 94.000 Bilder.
Diskussion zu diesem Artikel
 
Navigation
Anzeige
Anzeige

Dark Cloud

Info
Leinwanddruck

Nach oben Anzeige - Dark Cloud © Raumfahrer Net e.V. 2001-2017