24.12.2003 / Autor: Michael Stein und Karl Urban Raumfahrt > Mars Express

Mars Express: Die Ankunft beim Roten Planeten

Auf dieser Seite halten wir Sie über die aktuellen Ereignisse während der Landung von Beagle 2 und dem Eintritt in den Marsorbit von Mars Express auf dem Laufenden.



Das britische Radioteleskop in Jodrell Banks lauscht ständig nach Signalen von Beagle 2.
(Grafik: ESA)
Die europäische Raumfahrtagentur informiert per Video-Streaming im Internet ebenfalls über die wichtigsten Ereignisse. Weiterhin wird ein aktuelles WebCam-Bild des Hauptkontrollraums beim European Space Operations Centre (ESOC) in Darmstadt angeboten.
 
Alle nachfolgenden Zeitangaben auf dieser Seite sind Angaben in Mitteleuropäischer Zeit (MEZ), soweit nichts anderes angegeben ist.
 
Mittwoch, 31. Dezember, 18:00 Uhr:
Auch der letzte Kommunikationsversuch mit Beagle 2 für dieses Jahr ist ohne ein positives Ergebnis verlaufen. Die Missionsspezialisten in Leicester mussten dieses Mal länger als gewohnt auf das Ergebnis des Mars Odyssey-Überflugs warten, da das Deep Space Network der NASA in diesen Tagen stark durch die Kommunikation mit der Kometensonde Stardust und dem Mars-Rover Spirit in Anspruch genommen wird - Stardust wird übermorgen und Spirit am 4. Januar sein Ziel erreichen.
 
Die Beagle 2-Missionsspezialisten um den britischen Professor Colin Pillinger nutzten den Mars Odyssey-Überflug heute Vormittag jedoch für das Hochladen eines Software-Updates zum Lander, mit dem die interne Uhr zurückgesetzt werden sollte.
 
Die nächste Kommunikationsgelegenheit wird Anfang Januar kommen, dann wird erstmals Mars Express versuchen, Funksignale des Landers aufzufangen. Eine erste optimale Gelegenheit für einen Funkkontakt mit Beagle 2 wird sich am 7. Januar ergeben, wenn das "Mutterschiff" des Landers - also Mars Express - in nur 315 Kilometer Höhe über die Landestelle hinweg fliegen wird.
 
08:04 Uhr:
Erneut überfliegt 2001 Mars Odyssey die Landestelle des britischen Mars-Landers. Voraussichtlich im Laufe des frühen Nachmittags wird das Ergebnis dieses Kommunikationsversuchs bekannt gegeben werden - wahrscheinlich aber wird auch dieser Anlauf erfolglos bleiben.
 
Dienstag, 30. Dezember, 22:15 Uhr:
Auch beim siebten Überflug des amerikanischen Mars-Orbiters Mars Odyssey, der um 19:20 Uhr begann, konnte kein Signal von Beagle 2 empfangen werden. Die Suche geht am kommenden Morgen mit dem nächsten Überflug des Orbiters über die Landestelle weiter.
 
20:30 Uhr:
Heute früh um 09:00 Uhr führte Mars Express planmäßig eine weitere Kursänderung durch. Die Signale für dieses Manövers wurden durch die erste europäische Deep Space-Station in New Norcia nahe Perth in Australien übertragen. Darin wurde das Triebwerk von Mars Express angewiesen, vier Minuten lang zu zünden. Damit ist die Raumsonde noch 188.000 Kilometer vom Mars und bereits 160 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Ab dem 4. Januar 2004 wird der polare Orbit schließlich sehr viel dichter am Mars vorbeiführen.
 
Die Kursänderung führt Mars Express auch dichter in Richtung des britischen Landers Beagle 2. Das Landegebiet wird der Orbiter am 7. Januar um 13:13 Uhr (MEZ) das erste mal direkt überfliegen und hat damit größere Chancen das Landefahrzeug zu kontaktieren, als die amerikanische Sonde Mars Odyssey oder erdgebundene Radioteleskope. Das europäische Raumfahrzeug wird die Landestelle in einer Höhe von nur 315 Kilometern überfliegen (zur kompletten Newsmeldung).
 
13:30 Uhr:
Eine weitere Überflugphase von Mars Odyssey endete heute vormittag ohne ein Signal von Beagle 2. Das Team um den kleinen Lander versucht aber weiter Kontakt herzustellen. Dabei wird nun auch die mögliche Landung in einem großen Krater einberechnet.
 
Montag, 29. Dezember, 22:00 Uhr:
Die Landezone, in der der britische Marslander Beagle 2 am 25. Dezember niedergegangen sein sollte, wurde kürzlich von der NASA-Sonde Mars Global Surveyor fotografiert. Dabei offenbarte sich der Mannschaft im Kontrollzentrum ein Krater mit dem Durchmesser von mehr als einem Kilometer, der in der nördlichen Landeregion von Beagle liegt. Sollte die Sonde zufällig gerade dort gelandet sein, dürfte dies die Möglichkeiten einer Kommunikation stark erschweren und könnte auch die bisherigen Probleme erklären, sie zu kontaktieren (siehe komplette Meldung).
 
Sonntag, 28. Dezember, 23:50 Uhr:
Der heutige Überflug von Mars Odyssey brachte keine neuen Ergebnisse.
 
12:00 Uhr:
Ein weiterer Kontaktversuch mit dem britischen Lovell-Radioteleskop sowie mit der Raumsonde Mars Odyssey zu Beagle 2 verlief erfolglos. Die ESA sowie das britische Lander-Team hoffen weiter auf den Einsatz von Mars Express ab dem 4. Januar. Desweiteren soll jetzt ein spezielles "Tiger-Team" innerhalb der Beagle 2-Gruppe alle möglichen Szenarien durchdenken, die für den fehlenden Kontakt verantwortlich sein könnten. Dazu gehört allerdings kein möglicher Totalausfall des Landers, wie ein Verglühen in der Atmosphäre vor der Landung oder eine zu unsanfte Landung.
 
Samstag, 27. Dezember, 15:20 Uhr:
Eine Verbindung zu Beagle 2 konnte weiterhin nicht hergestellt werden. Aber es besteht weiter Hoffnung:
 
"Odyssey und Jodrell Bank sind nicht unsere wichtigsten Kommunikationswege", sagte Colin Pillinger, leitender Beagle 2-Wissenschaftler in einer Pressekonferenz heute früh. "Die Schwierigkeit ist, dass wir bei der Suche mit Odyssey und Jodrell voraussetzen, dass Beagle mit dem Raumfahrzeug sprechen kann oder on-air ist, so dass das Teleskop nach den Signalen suchen kann."
 
"Wir hoffen und glauben, dass die beste Kommunikationsmöglichkeit mit Mars besteht, wenn wir warten, bis Mars Express für uns einsatzbereit ist. Mars Express ist unser wichtigster Kommunikationsweg - es ist das Raumfahrzeug, das wir die vergangenen drei oder vier Jahre ununterbrochen getestet haben. Also vermuten wir, dass es der beste Weg ist, mit Beagle 2 zu sprechen."
 
Mars Express, der wichtigste Teil von Europas erster Marsmission, erreichte den Mars am Weihnachtstag. Derzeit ist der Orbiter noch in einem stark elliptischen Orbit, der ihn sehr weit vom Planeten wegführt. In der nächsten Woche wird der Antrieb erneut gezündet, um die Umlaufbahn zu verkleinern. Und dann wird er in der Lage sein, nach Beagle 2 zu suchen.
 
"Wir haben immer gewusst, dass dieses Warten anstrengend werden würde: Zu wissen, dass Beagle auf der Oberfläche ist, aber wir das reguläre Kommunikationssystem nicht benutzen können - ein Kommunikationssystem, das lange durchdacht wurde", so David Southwood, Wissenschaftsdirekter der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. "Colin [Pillinger] und sein Team haben Alternativen eingebracht, die wir ausprobiert haben - die Kooperation mit den Amerikanern, die Mars Odyssey-Sonde für die Verbindung zu benutzen und das große Radioteleskop von Jodrell Banks in Cheshire, England. Dies sind eigentlich nur zusätzliche Möglichkeiten, weil wir uns darüber im Klaren waren, dass die Medien und die Öffentlichkeit sofort wissen möchten, wie es Beagle geht."
 
Mehr dazu können Sie in der heutigen Newsmeldung nachlesen.
 
01:00 Uhr:
Das Jodrell Bank-Teleskop konnte auch im aktuellen Kommunikationsfenster keinen Kontakt zu Beagle 2 herstellen.
 
Freitag, 26. Dezember 2003, 22:20 Uhr: 
Die heutige Überflugphase von Mars Odyssey ist zu Ende. In dieser Zeit konnten keine Signale von Beagle 2 aufgezeichnet werden. Das britische Radioteleskop Jodrell Bank wird zwischen 00:16 und 00:56 Uhr wieder die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme haben.
 
20:01 Uhr:
Vor 45 Minuten begann die kurze Phase, in der sich die amerikanische Sonde Mars Odyssey erneut über das Landegebiet von Beagle 2 bewegte. Es kann jedoch noch einige Zeit dauern, bis die Daten der Sonde ausgewertet sind. Wenn sich etwas ergibt, werden wir Sie natürlich sofort an dieser Stelle darüber informieren.
 
01:40 Uhr:
Nach dem erfolglosen Überflug von Mars Odyssey bestand ein weiteres Kommunikationsfenster, das heute gegen 00:00 Uhr endete. Das britische Radioteleskop Jodrell Bank hätte in dieser Zeit einen Kontakt herstellen können. Die Webseite des Marslanders Beagle2.com meldete nun, dass auch dieses Vorhaben ohne Ergebnisse geblieben sei:
"A search for a Beagle 2 radio signal was carried out this evening without success."
 
Das Ausbleiben eines Signals kann aber nach wie vor normal sein: Immerhin gibt es etliche Unbekannte bei der Landung auf einem Planeten. Der Lander kann sich erst nach Sonnenuntergang an den Sternen orientieren, um seine Antenne in Richtung der Erde auszurichten. Vielleicht sitzt er noch da draußen - aufgefaltet und einsatzbereit - aber etwas abseits vom Landeort, an dem wir ihn erwarten. Vielleicht hat er heute den Tag über nicht genügend Energie sammeln können, weil etwas seine blütenförmigen Solarpaneele behindert und er hat erst verspätet genügend Energie zur Verfügung, sich bei der Erde zu melden.
 
Der nächste Kontaktversuch kann mit Mars Odyssey am Freitag um 19:14 Uhr durchgeführt werden. Das Jodrell hat zwischen 23:40 und 00:20 Uhr die Möglichkeit Kontakt zu Beagle 2 aufzunehmen.
 
Das Warten geht also weiter.
 
Donnerstag, 25. Dezember 2003, 08:10 Uhr:
Mittlerweile ist sicher und von der ESA bestätigt, dass sich Mars Express in einer Umlaufbahn um den Mars befindet. Um 05:11 Uhr, genau zum vorberechneten Zeitpunkt, wurde das Signal der omnidirektionalen S-Band-Funkantenne der Raumsonde empfangen. Auch die Doppler-Daten - winzige Veränderungen der Funkfrequenzen, die aufgrund von Geschwindigkeitsänderungen der Raumsonde entstehen - haben das Einschwenken von Mars Express in den Marsorbit bestätigt. "Die Raumsonde ist in guter Verfassung und in einem Orbit um den Mars", so fasst Gaele Winters, Director of Technical and Operational Support der ESA, die erfreuliche Situation zusammen.
Gleichzeitig gibt es verschiedene mögliche Erklärungen, warum Mars Odyssey beim ersten Flug über die Landestelle von Beagle 2 kein Funksignal aufgefangen hat. So kann die Antenne des britischen Landers falsch ausgerichtet gewesen sein, oder die Funkfrequenz der Sendeanlage von Beagle 2 hat sich aufgrund der niedrigen Temperaturen an der Oberfläche geringfügig verändert, so dass Mars Odyssey das Signal nicht registriert hat. Natürlich ist es auch möglich, dass bei der sehr riskanten Landung etwas schief gelaufen ist, aber noch sind die Beagle 2-Wissenschaftler optimistisch, dass sich der Lander bei einer der nächsten Kommunikationsmöglichkeiten melden wird.
 
07:45 Uhr:
Der erste Versuch, mit Hilfe des Mars-Orbiters Mars Odyssey Funksignale vom Mars-Lander Beagle 2 zu empfangen, ist fehlgeschlagen. Der amerikanische Orbiter hat bei seinem Flug über die Landestelle kein Funksignal empfangen können. "Es tut mir leid sagen zu müssen, dass wir noch kein Signal vom Beagle-Lander haben", so kommentierte Prof. David Southwood, Wissenschaftsdirektor der ESA, die Situation. Die nächste Möglichkeit, Funksignale des britischen Mars-Landers zu empfangen, besteht erst wieder gegen Mitternacht, wenn an der Landestelle von Beagle 2 die Sonne erneut aufgegangen und damit genügend Energie für die Kommunikationsanlage des Landers vorhanden ist.
 
06:50 Uhr:
Mittlerweile sollte der seit 2001 um den Mars kreisende amerikanische Orbiter Mars Odyssey die Landestelle von Beagle 2 überflogen haben. Sofern er Funksignale des Landers aufgefangen haben sollte wird er in den nächsten Minuten seine bewegliche Hauptantenne zur Erde hin ausrichten und die Daten von Beagle 2, die im optimalen Fall auch eine erste Aufnahme der Landestelle beinhalten, zur Erde senden. Dort werden die Daten mit Hilfe der Bodenstationen des Deep Space Network der NASA aufgefangen und zur ESA weitergeleitet. Frühestens gegen 07:20 Uhr werden Daten des Landers verfügbar sein - wenn sie denn existieren.
Da um 08:15 Uhr unserer Zeit die Sonne an der Landestelle von Beagle 2 untergeht wird ein nächster Kommunikationsversuch frühestens nach dem Sonnenaufgang an der Landestelle um 21:02 Uhr möglich sein: erst dann steht für den solarbetriebenen Lander wieder genügend Energie für eine erneute Kommunikation mit der Erde zur Verfügung.
 
06:10 Uhr:
Die Auswertung der ersten Funksignale von Mars Express, die über die omnidirektionale Antenne der Raumsonde im S-Band ausgestrahlt worden sind, deutet auf einen erfolgreichen Eintritt des Orbiters in eine Marsumlaufbahn hin! Dies wird auf der Beagle 2-Internetsite berichtet, und auch die WebCam-Bilder aus dem ESOC-Hauptkontrollraum in Darmstadt zeigen mit Sektgläsern bewaffnete Missionsspezialisten. Eine endgültige Bestätigung wird jedoch erst in den kommenden Stunden erfolgen.
 
03:47 Uhr:
Jetzt sollte die entscheidende Zündung des Mars Express-Haupttriebwerks erfolgen. Ob dieses Manöver wie geplant stattgefunden hat werden die Missionsspezialisten erst nach 09:00 Uhr wissen, wenn wieder Kontakt zur Raumsonde über die 1,6 Meter durchmessende Mars Express-Hauptantenne besteht. Bis dahin können nur die schwachen Signale einer weiteren, ungerichtet abstrahlenden ("omnidirektionalen") Antenne der Raumsonde einen ersten Anhaltspunkt dafür liefern, ob Beginn und Ende der Zündung zum geplanten Zeitpunkt stattgefunden haben.
Beinahe zeitgleich tritt in diesen Minuten der britische Mars-Lander Beagle 2 in die obersten Schichten der Marsatmosphäre ein, was den Beginn der Abbremsung der gut 70 Kilogramm schweren Landekapsel markiert. Innerhalb der folgenden sieben Minuten bis zur Landung soll die Gesschwindigkeit durch einen Hitzeschild, einen Bremsfallschirm sowie drei Airbags von über 20.000 km/h auf knapp 60 km/h bei der Landung reduziert werden.
 
02:00 Uhr:
Mars Express ist nun noch 23.700 Kilometer vom Mars entfernt. Das entscheidende Ereignis wird um 03:47 Uhr die Zündung des Haupttriebwerks der Raumsonde für 34 Minuten sein. Zu diesem Zweck wird Mars Express um 02:31 Uhr mit einer Änderung seiner Lage im Raum beginnen, die etwa 30 Minuten dauern wird. Danach ist das Haupttriebwerk in die für die Abbremsung erforderliche Richtung gebracht worden. Gleichzeitig wird dadurch die Hauptantenne der Raumsonde nicht mehr Richtung Erde zeigen, so dass bis etwa 09:00 Uhr keine Telemetrie-Daten mehr empfangen werden können.
 
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