11.01.2004 / Autor: Michael Müller Raumfahrt > 2003 Mars Rover

Interview mit NASA-Experten über US-Mars-Projekte

"Die Pläne für bemannte Flüge sind noch sehr theoretisch."

Was erhoffen sich die Amerikaner alles von ihren beiden Mars-Rovern? Wieso wurden gleich zwei Lander zur selben Zeit in Richtung Mars geschickt? Wann startet die NASA ihre erste bemannte Mars-Mission? Die amerikanischen NASA-Mitarbeiter Michael Starobin, beschäftigt am Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Kay Grinter, Direktor des Kennedy Space Centers in Florida, und Rob Landis, leitender Ingenieur bei den aktuellen Mars-Exploration-Rover-Missionen vom NASA Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, liefern im folgenden Interview Antworten zu den zurzeit bewegendsten Fragen rund um die US-Raumfahrt.



Künstlerische Darstellung von Wasservorkommen im Marsboden, die die erste europäische Marssonde Mars Express in großen Tiefen entdecken kann.
(Bild: ESA)
Mr. Starobin, befinden sich die Mars-Rover-Missionen in irgendeiner Art von Konkurrenzkampf mit der europäischen Mission Mars Express oder den anderen aktuellen Mars-Sonden?

Michael Starobin: Es gibt keine offizielle Konkurrenz zwischen amerikanischen und europäischen Mars-Programmen. Tatsache ist, dass die wissenschaftliche Gemeinde, welche den Mars studiert, im physikalischen Sinne - also durch die Analyse von Daten von Sonden, die zum Mars geschickt werden - relativ klein ist. Viele Mitglieder der amerikanischen und europäischen Teams kennen sich gegenseitig.

Rob Landis: Wenn alle Missionen Erfolg haben, werden sie sich optimal ergänzen. Auf der operativen Seite gibt es Zusammenarbeit respektive Koordination. Mars Express benutzt außerdem das Deep-Space-Netzwerk der NASA für Kommunikation, Verfolgungs- und Kommandozwecke.

Aus welchem Grund werden zwei Rover praktisch gleichzeitig den Roten Planeten erreichen - will man sichergehen, dass man nach dem möglichen Ausfall einer Sonde immer noch eine zweite hat?

Rob Landis: Die Begründung für das Starten von zwei Rovern ist … zweiseitig. Erstens gibt es eben eine gewisse Sicherheit, falls einer der Rover ausfällt. Zweitens fliegt jeder Rover zu einer anderen Seite des Mars - auf jeder hat sich unter sehr verschiedenen Bedingungen Wasser gebildet. MER-A (auch bekannt unter dem Namen Spirit) fliegt zum Gusev-Krater am nördlichen Ende des Ma'adim-Tals. Das Ma'adim-Tal erscheint von orbitalen Bildern aus betrachtet von Wasserfluss eingeschnitten zu sein. Der Gusev-Krater ist wahrscheinlich ein Platz, wo sich Wasser angesammelt hat.

MER-B (auch bekannt als Opportunity) wird zu Meridiani Planum fliegen. Mineralogische Karten weisen darauf hin, dass diese Stelle reich an Hämatit ist - ein von Wasser geformtes Mineral. Meridiani und Gusev haben zwei sehr verschiedene geschichtliche Hintergründe.

Was erwarten Sie neben den Gesteinsprobenanalysen und der Suche nach Wasser noch für Ergebnisse von den Rovern?

Rob Landis: Was wir noch finden werden? Wir wissen es nicht. Das ist Erforschung in einer ihrer reinsten Formen. Wir haben eine ungefähre Idee davon, wonach wir suchen … Aber ich vermute, dass wir viele Überraschungen erleben werden.



Aufnahme des ersten Marsrovers, der am 5.1.2004 auf dem Mars landete. Hier zu sehen ist die Umgebung der Landestelle.
(Bild: NASA)
Michael Starobin: Es gibt auch reges Interesse an der Geomorphologie der planetaren Kruste. Mit anderen Worten, Experten wollen wissen, woraus der Mars besteht. Wenn man diesen Gedanken nachgeht, wird das auch helfen, mehr Informationen über die Geschichte des Mars zu bekommen, wie er zu seiner heutigen Gestalt gelangt ist und wie er sich vielleicht in Zukunft verändern wird.

Wann ungefähr wird die NASA die erste bemannte Mars-Mission starten? Michael Starobin: Die NASA hat seit Jahren offiziell und inoffiziell eine bemannte Mars-Mission in Betracht gezogen. Das größte Problem ist das politische Klima, vor allem in Hinsicht auf die Öffentlichkeit auf beiden Seiten des Atlantiks. Eine Mission zum Mars würde Milliarden von Dollars oder Euros verschlingen, und keine Seite des Atlantiks betrachtet diese Kosten zurzeit als vertretbar, was traurig zu sagen ist. Während viele Experten glauben, dass eine Mission von Menschen zum Mars unter technischen Gesichtspunkten heute komplett durchführbar sei, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir in den nächsten drei oder vier Jahrzehnten eine Unternehmung sehen werden.

Ich denke, man kann ruhigen Gewissens sagen, dass ab dem Zeitpunkt, an welchem hochrangige politische Kreise ihr Okay geben, es ungefähr zehn bis fünfzehn Jahre dauern wird, bis die Raketen in den Himmel starten. Aber das ist nur eine Schätzung.

Kay Grinter: Man wird noch viele weitere Mars-Missionen benötigen, bevor man genug weiß, um Menschen für Forschungen hinschicken zu können. Die NASA hat zu diesem Zeitpunkt keine Pläne für eine bemannte Mars-Mission. Die Studien sind bisher sehr theoretisch. Es werden auf jeden Fall noch mehr als 20 Jahre vergehen.
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