Raumfahrt Astronomie Multimedia Community
Navigation Startseite
06.04.2002 / Autor: Michael Stein Raumfahrt > Raketen

Ariane 4 vor dem Ruhestand

Anfang 2003 startete eine Ariane 4, der bisher kommerziell erfolgreichste und zuverlässigste europäische Trägerraketentyp, zum letzten Mal vom Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana).

Einleitung
Damit ist nun eine 15 Jahre andauernde Erfolgsgeschichte zu Ende gegangen, die nicht nur Europa als ernsthaften Konkurrenten auf dem weltweiten Markt für kommerzielle Satellitenstarts etablierte, sondern darüber hinaus natürlich auch ein Stück Unabhängigkeit von den bis dahin den Markt der Trägersysteme dominierenden USA brachte.



Die Ariane 4 hebt ab
Vorgeschichte
Am 24. Dezember 1979 startet mit Ariane 1 die erste Trägerrakete der Ariane-Familie zu ihrem erfolgreichen Erstflug. Die Rakete war von Beginn an dafür konzipiert, zwei Kommunikationssatelliten gleichzeitig transportieren zu können. Vorausgegangen waren Vorläuferraketen wie z.B. Europa, ein Gemeinschaftsprojekt von Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Sämtliche Tests der Europa-Rakete waren jedoch nicht erfolgreich, weshalb schließlich Großbritannien seine Beteiligung aufgab und das gesamte Projekt endete. Immerhin konnten bei Entwicklung und Bau dieser Raketen viele Erfahrungen gewonnen werden, die dann auch dem Ariane-Programm zugute kamen.

Alle Raketentypen der Ariane-Familie waren relativ vorsichtige Weiterentwicklungen ihrer jeweiligen Vorgänger, die schrittweise immer stärkere Lasten transportieren konnten. Ariane 2 und 3 hatten eine längere erste und dritte Raketenstufe als die Ariane 1, und die Ariane 3 wurde zusätzlich noch mit extern angebrachten Boostern ausgestattet, so dass sie schließlich bis zu 1,7 t Nutzlast in einen geostationären Orbit transportieren konnte. Die ersten drei Generationen der Ariane-Familie kamen von 1979 bis 1989 auf insgesamt 28 Starts, von denen 27 erfolgreich waren. Wenngleich der große kommerzielle Durchbruch der Ariane 4 vorbehalten bleiben sollte, so hatte sich Europa mit diesen Trägerraketen und ihrer hohen Erfolgsquote doch einen Namen als ernstzunehmender Marktteilnehmer gemacht.

Die Ariane 4-Trägerrakete
Der Erststart einer Ariane 4 erfolgte am 15. Juni 1988. Er unterschied sich vor allem durch seine längere erste Raketenstufe und die externen Feststoff- bzw. Flüssigtreibstoff-Booster, die bei Bedarf angebracht werden konnten. Ansonsten wurde so viele Bestandteile der Vorgängermodelle wie möglich beibehalten, denn jede Neuentwicklung birgt natürlich auch neue Risiken in sich. Interessanterweise kann die Rakete ohne zusätzliche Feststoff- oder Flüssigtreibstoff-Booster nur dann abheben, wenn der Tank der ersten Stufe nicht vollständig gefüllt ist - andernfalls reicht der Schub der vier Viking-Triebwerke der ersten Stufe nicht aus, um das Gesamtgewicht der Ariane 4 anzuheben. Aus diesem Grund werden Starts in dieser offiziell als Ariane 4 AR 40 bezeichneten Konfiguration nur sehr selten durchgeführt und haben meist niedrige Orbits zum Ziel.

Es existieren sechs verschiedene Ausführungen mit unterschiedlichen Booster-Konfigurationen und Nutzlastverkleidungen, die zwischen 2,1 und 4,9 t in einen geostationären Orbit von rund 36.000 km Höhe transportieren können. Mittlerweile (Stand: April 2002) sind 110 Ariane 4-Raketen gestartet worden, und weltweit gibt es kein kommerzielles Trägersystem, das eine größere Anzahl von erfolgreichen Starts in Folge aufweisen kann: die letzten 68 Starts von Ariane 4-Raketen sind ohne Probleme verlaufen!

Nachfolger
Aufgrund der steigenden Abmessungen und Massen kommerzieller Satelliten war absehbar, dass die Ariane 4 auf Dauer nicht mehr konkurrenzfähig sein würde. Aus diesem Grund wurde der Nachfolger Ariane 5 entwickelt, der bereits jetzt höhere Lasten als die stärkste Ariane 4-Version transportieren kann. (Daneben war eine weitere Motivation für die Entwicklung der Ariane 5 auch die geplante Verwendung als Trägersystem für den bemannten europäischen Raumtransporter Hermes, dessen Entwicklung jedoch inzwischen eingestellt worden ist.) Beim neuen "Arbeitspferd" der europäischen Raumfahrtindustrie handelt es sich um eine weitgehende Neuentwicklung, was sich leider auch in Form von Fehlstarts und Problemen bei einigen der ersten Einsätze von Ariane 5-Raketen manifestierte.

Diskussion zu diesem Artikel
 
Navigation
Tipp
Tipp

Weltraumversand

Info
Ihr kompetenter und innovativer Partner für Astronomie und Raumfahrt

Weltraumversand

Nach oben Tipp - Lexikon der bemannten Raumfahrt © Raumfahrer Net e.V. 2001-2008