11.09.2011 / Autor: Daniel Maurat Raumfahrt > Raketen

Wosschod

Sie war eine der Hauptstützen des sowjetischen Weltraumprogramms und bildete die Basis für die später so erfolgreiche Sojus: die Wosschod (ausgesprochen Woss-chod) startete nicht nur militärische Satelliten, sondern auch die gleichnamigen Raumkapseln.

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Geschichte

Roskosmos

Bild vergrößernEine Wosschod-Rakete auf der Rampe. An Bord die Raumkapsel Wosschod 2, mit der Pawel Belajew und Alexei Leonow starteten.
(Bild: Roskosmos)
Nachdem sich zeigte, dass die Block E zwar eine erfolgreiche Oberstufe war, sie aber für die neue Generation von Raumkapseln (vor allem die Sojus) und so ihrer Flexibilität Grenzen gesetzt waren, dachte man in der Sowjetunion nach, die Block E der Wostok durch eine stärkere Oberstufe zu ersetzen. Schnell einigte man sich auf die schon in der Molnija genutzten Zweitstufe Block I zu nutzen, wodurch die Nutzlastkapazität der Rakete signifikant stieg. Als Nutzlasten für diese neue Rakete, die man intern 11A57 nannte, wollte man Spionagesatelliten vom Typ Zenit (russ. Зенит für Zenit) (nichts anderes als überarbeitete Wostok-Kapseln), aber auch eine neue Art von Raumkapseln starten, nämlich der Wosschod (russ. Восход für Sonnenaufgang, Aussprache: Woss-chod). Diese ist, genauso wie die Zenit-Satelliten, im Grunde genommen überarbeitete Wostok-Kapseln, mit denen entweder bis zu drei Kosmonauten oder zwei Kosmonauten in Raumanzüge plus einer zusätzlichen, aufblasbaren Luftschleuse für erste Weltraumausstiege gestartet werden könnten. Da diese Kapseln aber zu schwer für die Wostok-Rakete war, nutzte man einfach die neue Rakete. Nach dem ersten Start mit der neuen Wosschod nannte man der, wie schon zuvor gemacht, die ganze Rakete nach der Nutzlast, wodurch die neue Rakete zu ihren Namen Wosschod kam.

Doch die neue Rakete kam auch abgeändert für ganz andere Missionen zum Einsatz: In der Sowjetunion hat man zwei Arten von neuen Satelliten entwickelt, nämlich ein Anti-Satelliten (ASAT)-Waffe mit dem Namen Poljot (russ. Полёт für Flug ) sowie eine neue Generation von Radarsatelliten mit einem Atomreaktor als Energiequelle zum Ausspionieren der Ozeane mit dem Namen US-A oder RORSAT (russ. УС-А Управляемый Спутник Активный für Uprawljajemij Sputnik-Aktiwnij für Angewandter Satellit-Aktiv / engl. Radar Ocean Reconnaissance SATellite für Ozean-Aufklärung Radar-Satellit.) Für den Start der beiden Satelliten nutze man zwei Spezialvarianten der Wosschod. Eine der Besonderheiten war bei den Trägern vor allem, dass man auf die Block I-Zweitstufe verzichteten, glichen aber sonst der Kombination aus Booster und Erststufe der Wosschod. Diese beiden Spezialvarianten hatten die Kennnummern 11A59 und 11A510 und starteten je zwei Mal.

Technik

Die Raketen der Wosschod-Familie bestanden aus zwei Stufen:
  • Die vier eingesetzten Booster glichen eigentlich den Booster der R-7-Rakete sowie der Sputnik und benutzen auch die Nummerierung der früheren Versionen mit Blok B, W, G, D (russ. Блок Б, В, Г, Д). Sie waren je 19 m lang, hatten einen maximalen Durchmesser von 2,68 m und wogen voll betankt 43,3 t. Man nutze als Triebwerk das NPO Energomash RD-107-8D754K mit einem Schub von 995,3 kN (im Vakuum) und einer Brenndauer von 120 Sekunden. Als Treibstoff nutze manRP-1 (Kerosin) und als Oxydator LOX (flüssiger Sauerstoff).


  • Die erste Stufe (auch Blok A, russ. Блок А) war zum großen Teil mit der R-7 identisch, hatte aber einen Abgasschild an der Spitze, um die eine Explosion des sich noch in der Stufe befindlichen Treibstoffes aufgrund der heißen Stufentrennung zu verhindern. Sie war dabei 28 m lang und hatte einen Durchmesser von 2,99 m. Als Triebwerk nutzte man das NPO Energomash RD-108-8D75K mit einem Schub von 940,4 kN bei einer Brenndauer von 301 Sekunden. Als Treibstoff nutzte man, wie in den Boostern, RP-1 und als Oxydator LOX.


  • Die zweite Stufe, die Block I (russ. Блок И) wurde schon in der Molnija genutzt und später auch in der Sojus eingesetzt. Die Stufe selber war 6,75 m lang, hatte einen Durchmesser von 2,66 m und wog voll betankt 24,3 t. Das einzelne Vierkammer-Triebwerk vom Typ KBKhimAvtomatiki RD-0110 hatte bei einer Brenndauer von 250 Sekunden einen Schub von 297,9 kN. Als Treibstoff nutzte man, wie in der restlichen Rakete auch, die Treibstoffkombination aus RP-1 als Treibstoff und LOX als Oxydator.


Starts

RKK Energija

Bild vergrößernEine der Nutzlasten der Wosschod-Rakete: die Kapsel Wosschod 1 während der Integration.
(Bild: RKK Energija)
Die Wosschod startete in dem Zeitraum zwischen 1963 und 1976 insgesamt ganze 306 Mal, was sie zu einer der meistgenutzten Varianten der R-7 machte. Dabei gab es 13 Fehlstarts, was aber nicht die Zuverlässigkeit der Rakete minderte. Zu ihrem größten Klientel zählten dabei Spionagesatelliten der Zenit-Reihe, um genauer zu sein vom Typ Zenit 2M, Zenit 2MK, Zenit 2MK Nkh Zenit 4, Zenit 4M und Zenit 4MK. Darüber hinaus startete sie auch fünf Raumschiffe vom Typ Wosschod, wobei man zwei bemannt startete. Der erste bemannte Start mit der Kapsel Wosschod 1 fand am 12. Oktober 1964 statt und brachte die drei Kosmonauten Wladimir Komarow (er starb später bei der Landung von Sojus 1), Boris Jegorow und Konstantin Feoktistow, einem der leitenden Ingenieure des Wosschod-Programms. Die Kapsel blieb dabei etwas mehr als einen Tag im Orbit. Der zweite bemannte Start, Wosschod 2, brachte dagegen die beiden Kosmonauten Pawel Beljajew und Alexei Leonow ins All, wo Leonow den ersten Weltraumausstieg (Extra-Vehicular Activity, kurz EVA) der Menschheit durchführte. Die drei restlichen Raumkapsel wurden unbemannt zum Test für die eigentlichen bemannten Flüge gestartet und bekamen zur Tarnung eine Kosmos-Nummer, damit man im Westen nicht auf den Verwendungszweck der Nutzlast schließen kann. Darüber hinaus war mindestens ein weiterer Start mit einer bemannten Kapsel geplant, der aber immer weiter verschoben wurde und dann nicht mehr durchgeführt wurde.

Die beiden Spezialversionen 11A59 und die 11A510 starteten je zweimal in den Jahren 1963 bis 1966, wobei es pro Jahr einen Start gab. Die gestarteten Satelliten vom Typ Poljot und US-A bekamen zu Tarnzwecken auch eine Kosmos-Nummer. Die serienmäßigen US-A-Satelliten wurden später von der Tsyklon 2M gestartet, während die nachfolgenden ASAT-Systeme vom Typ IS (russ. ИС Истребитель Спутник für Jägersatellit) mit der Tsyklon 2 getestet wurden.
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