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Vorgeschichte
Die Technik
Kooperation mit dem Westen
Zenith 3SL
Technische Daten
Vorgeschichte

 Zenith auf der Startrampe |
1985 stellte die Sowjetunion für den Westen sehr überraschend eine neue Trägerrakete in den Dienst. Das Erstaunen war durch die Tatsache begründet, dass die UdSSR ähnlich wie die USA seit über 20 Jahren keinen neuen Satellitenträger mehr entwickelt hatte. Im Westen nahm man nun an, man wolle die Lücke zwischen der Sojus (7 Tonnen Nutzlast) und der Proton (22 Tonnen) schließen. Erst 1987 stellte sich der wahre Grund für die Entwicklung der Zenith heraus. Am 15. Mai 1987 startete die erste Energija, die frisch entwickelte Rakete für den Buran-Raumtransporter. Die Zenith-Rakete hatte dabei die Aufgabe des Boosters, von denen bis zu vier rund um die Hauptstufe der Energija angeordnet werden konnten. Man hatte also die eigentlich für die Energija als Zusatzbooster entwickelte Rakete als eigenen Satellitenträger eingesetzt, indem man ihr eine zweite Stufe aufsetzte. Das ursprüngliche Vorhaben der Sowjetunion, die Zenith als vollständigen Ersatz für Wostok-, Molnja- und Sojus-Raketen einzusetzen, wurde durch den Zusammenbruch der UdSSR vereitelt. Die in der Ukraine gefertigte Rakete musste nun als "ausländische" Trägerrakete bezahlt werden.
Die Technik
Die Entwicklungszeit der Zenith betrug neun Jahre, von 1976 bis 1985. Sie verwendet die russische Standard-Treibstoffkombination Kerosin und LOX (Flüssigsauerstoff). Es gibt allerdings einige Unterschiede zu "normalen" sowjetischen Raketen. Sie arbeitet mit einer adaptiven Steuerung, das heißt sie kann Flugabweichungen automatisch ausgleichen. Außerdem wird die Zenith heiß gezündet. Dabei findet die Zündung der zweiten Stufe erst nach der Abtrennung der zweiten statt. Die Zündung der zweiten und dritten Stufe musste bei älteren Raketenmodellen schon vor dem Abtrennen der unteren Stufe vorgenommen werden, da man noch zu wenig Erfahrung mit der Zündung in Schwerelosigkeit hatte.
Das Triebwerk der Zenith ist mit einem Startschub von 7259 kN das stärkste je gebaute und übersteigt sogar das der amerikanischen Saturn V. Die Düsen der Rakete sind schwenkbar, so dass nicht, wie bei älteren Modellen, extra Manövriertriebwerke eingebaut werden mussten. In der Oberstufe befinden sich zusätzlich vier schwenkbare Steuerdüsen, die zusätzliche Feinabstimmungen der Bahn vornehmen können. Über einen Laserlink werden Daten von über 1000 Sensoren in der Zenith zur Erde übertragen, was auch eine nachträglich Umprogrammierung der Rakete möglich macht.
Die Zenith trifft trotz oder vielmehr gerade wegen ihrer ausgereiften Technik auf die Grenzen des Machbaren mit der konventionellen Raketentechnologie. So erklären sich auch die vielen Ausfälle, die die Zenith bisher ertragen musste.
Kooperation mit dem Westen
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR war man bestrebt, auch die Rakete im Westen zu vermarkten. Die zu weit nördlich startende Zenith hatte aber trotz ihrer Leistungsfähigkeit im Geschäft für geostationäre Satelliten kaum eine Chance. Satelliten für geostationäre Umlaufbahnen waren Anfgang der 90er Jahre dominierend auf dem Markt. In den späten 90ern wandelte sich diese Bild. Den ersten Durchbruch verzeichnete man aber erst, als sich Lockheed entschloss, eine modifizierte Version des Zenith-Triebwerks RD-171 in der amerikanischen Atlas-Trägerrakete einzusetzen. Dies ist das erste mal, dass amerikanische Raketentechnologie mit ehemals sowjetischer kombiniert wird. Auch eine Weiterentwicklung der Atlas - die Atlas V wird mit einem Zenith-Triebwerk in der ersten Stufe starten.
Zenith 3SL
Durch die Integration in das Unternehmen Sea Launch ist der Zenith ein erneuter Aufstieg vergönnt. Sea Launch ist ein Zusammenschluss von internationalen Raumfahrtunternehmen, welcher sich das Ziel gesetzt hat, auch die Zenith auf dem Markt zu etablieren. So werden von einer Bohrplattform im Pazifik modifizierte Raketenmodelle gestartet. Bei der Zenith 3SL wird als Oberstufe der Block-DM der russischen Proton verwendet. Damit kann die Zenith eine Nutzlast von 5,9 Tonnen in einen geostationären Orbit transportieren. 19 Starts wurden schon gebucht, der dritte am 13. März 2000 schlug fehl. Die Zukunft des Unternehmens ist ungewiss.
Technische Daten Zenith 2
| Stufen |
2 |
| Höhe |
57 m |
| Durchmesser |
3,9 m |
| Startschub |
7259 kN |
| Startgewicht |
448,2-452 t |
| Max. Nutzlast |
3,6 t in einen 200 km, 65° Orbit |
| Erster Start |
14.04.1985 |
| (Starts: ca. 33, Fehlstarts 5, 1 partieller Erfolg,
Zuverlässigkeit 81,8 %) |
Technische Daten Zenith 3SL
| Stufen |
3 |
| Höhe |
60 m |
| Durchmesser |
3,9 m (1.+2. Stufe), 3,7 m (3. Stufe) |
| Startschub |
7259 kN |
| Startgewicht |
455,275 t |
| Treibstoffgewicht |
409,735 t |
| Max. Nutzlast |
15,4 t in einen 200 km, 0° Orbit |
| Erster Start |
28.04.1999 |
| Letzter Start |
13.03.2000 (Stand: 17.4.2001) |
| (Starts: 3, Fehlstarts 1, Zuverlässigkeit
66,6 %) |
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