05.06.2003 / Autor: Sven Piper Raumfahrt > Raumsonden

Die Erforschung des Roten Planeten

Bislang sind 34 Sonden zum Mars aufgebrochen, doch nur zehn Missionen wurden ein Erfolg.

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Wir danken Sven Piper und Extrasolar-Planets.com für die freundliche Bereitstellung dieses Artikels.



Mars Express ist die erste europäische Sonde, die zum Roten Planeten aufgebrochen ist.
(Bild: ESA)
Lesen Sie in diesem Artikel etwas über die größten Erfolge und die tragischsten Misserfolge der unbemannten Raumfahrt. Des weiteren erfahren Sie, warum die "Beherrscher der Venus" bislang keine einzige Marsmission erfolgreich abschließen konnten.

Am Montag dem 2. Juni 2003 ist die europäische Sonde Mars Express erfolgreich gestartet, es ist die erste eigenständige Mission der europäischen Raumfahrt in Zusammenarbeit mit Russland und schon an diesem Wochenende folgt, nach zwei Verschiebungen, endlich der Start des ersten der zwei Mars Exploration Rover der NASA.

Es ist fast 40 Jahre her, als die erste Sonde, nach zuvor mehreren gescheiterten Missionen, den Mars erreicht hat. Es war die amerikanische Sonde Mariner 4, die im Juli 1965 den Roten Planeten erreicht hat und die ersten Bilder zur Erde sendete. Dies war ein mit Spannung erwartetes Ereignis, gab es doch bis dato nur wenig gesicherte Fakten über Mars und unzählige Legenden und Mutmaßungen. Einige dieser Legenden handelten von Marsmenschen und künstlich angelegten Kanälen auf dem Mars.

Doch die ersten Bilder zeigten ein anderes Bild vom Mars. Sie zeigten eine mit Kratern gespickte Oberfläche mit einer dünnen Atmosphäre und einem niedrigen Druck. Des weiteren fand die Sonde heraus, dass die Atmosphäre zum Großteil aus Kohlendioxid besteht.

Doch dieser Erfolg blieb nicht einzigartig, denn auch Mariner 6 und Mariner 7 erreichten im Jahr der Mondlandung den Mars, auch wenn Mariner 7 mit widrigen Umständen zu kämpfen hatte, da eine Batterie explodiert war und die Stromversorgung kurz vor dem Ausfall stand. Nur der glückliche Umstand, das Mariner 7 mit einem neuartigen umprogrammierbaren Computer ausgestattet war, ermöglichte das Ablichten von über 100 Bildern der südlichen Hemisphäre des Planeten und führte so noch zum Erfolg der Mission.

Diese Erfolge der Amerikaner stellte die bislang erfolgreicheren Russen unter Zugzwang. Denn sie hatten es bislang trotz mehrerer Versuche nicht geschafft, den Mars zu erreichen. Schlimmer noch, die meisten Sonden verließen noch nicht einmal das Gravitationsfeld der Erde, da sie entweder beim Start explodierten oder beim Zünden der Triebwerke im Erdorbit auseinanderbrachen.

Erst im Jahr 1971 erreichte die russische Sonde Mars 2 den Planeten und setzte einen Lander zur Oberfläche ab. Es war der erste Versuch eine kleine Sonde auf der Oberfläche zu platzieren. Die Sonde schaffte es durch die dünne Atmosphäre des Mars und hatte den ersten Bodenkontakt - auch wenn sie keine brauchbaren Daten lieferte, da sie eine Funktionsstörung hatte und auf der Oberfläche zerschellte.

Die baugleiche Sonde Mars 3 hingegen landete im Dezember 1971 auf dem Mars, doch nach zwei Minuten brach der Kontakt zur Sonde ab. Aber wenigstens die Orbiter von Mars 2 und Mars 3 sendeten noch über 60 Bilder zur Erde, so war die Mission wenigstens noch ein Teilerfolg.



Der Viking 1-Lander steht auf einem Testgelände. Die beiden Viking-Sonden sollten Mitte der 1970er Jahre die ersten erfolgreichen Marslandungen der Geschichte vollführen.
(Bild: NASA)
Weitere Versuche, eine Sonde auf der Oberfläche des Roten Planeten abzusetzen, scheiterten bis zum überaus erfolgreichen Viking-Programm der Amerikaner. Beide Sonden landeten auf dem Mars und sendeten die ersten Bilder von der Oberfläche des Planeten. Viking 1 sollte eigentlich in der Chryse Planitia-Region landen, doch die Wissenschaftler änderten das Ziel, da die Region zu rau war. Viking 2 landete hingegen am 3. September 1976 in der vorherbestimmten Region Utopia Planitia.

Die Viking-Lander lieferten auch die ersten Bodenproben vom Mars, die aussagten, dass der Marsboden so steril ist, wie ein Operationstisch im Krankenhaus sein sollte. Keine Anzeichen von Mikroroben oder Spuren von gegenwärtigem oder vergangenem Leben. Einige Wissenschaftler sehen darin einen Beweis dafür, dass auf dem Mars niemals Leben entstanden ist. Andere hingegen argumentieren, dass die Ergebnisse nur auf die Region, nicht aber auf den gesamten Planeten anwendbar sind. Welche Fraktion recht behält werden die zukünftigen Missionen zeigen.

1988 hatte dann die russische Raumfahrt ein kurzlebiges Erfolgsereignis. Die Sonde Phobos 2 erreichte den gleichnamigen Marsmond und untersuchte ihn auf die Möglichkeit, ihn für zukünftige bemannte Marsmissionen zu nutzen. Nach zwei erfolgreichen Monaten kam es dann wahrscheinlich zu einer Computerfehlfunktion und die Sonde war verloren.

Erst im Jahr 1997 erreichten wieder Sonden den Mars. Es waren die amerikanische Sonde Mars Global Surveyor (MGS) sowie der ebenfalls amerikanische Mars-Lander Mars Pathfinder. MGS ist ebenfalls eine der erfolgreichsten Mission der unbemannten Raumfahrt und noch immer in einem Orbit um den Mars, auch wenn es nach dem Start der Sonde nicht danach aussah, da ein Sonnesegel nach der Entfaltung nicht die geplante Position eingenommen hatte.

Da die große Raumfahrtnation Russland bislang noch keine erfolgreich abgeschlossene Marsmission zu verbuchen hatte, folgte im November 1996 die Mission Mars 96. Doch auch diese Sonde erreicht den Mars nicht. Beim Start kam es zu einer Fehlzündung und die Sonde krachte in den Pazifik. Sie war bislang die letzte Mission der russischen Raumfahrt zum Roten Planeten und damit haben es die Bezwinger der Venus nicht geschafft, den Mars zu "erobern". Wobei anzumerken ist, dass eine Sonde auf der Venus abzusetzen und Bilder von der Oberfläche zur Erde funken zu lassen ungleich schwerer ist, als eine Sonde durch die dünne Marsatmosphäre zu steuern.

Aber auch die Amerikaner hatte einige Rückschläge zu verkraften, wobei der peinlichste Fehler sich bei der Mars Climate Orbiter-Mission ereignete, da die NASA-Mitarbeiter Fehler bei der Umrechnung von Einheiten machten und der Marsboden dann da war, wo er eigentlich nicht sein sollte.

Ein anderer tragischer Rückschlag traf die japanische Raumfahrtorganisation NASDA. Bei der bislang einzigen japanischen Mission brachte eine Triebwerksfehlfunktion die Sonde auf eine Umlaufbahn um die Sonne. Aber noch ist noch nicht alles verloren, die Japaner hoffen im Juni 2003 die Sonde mit Hilfe von einigen Swing-By-Manövern wieder auf den Kurs Richtung Mars zu bringen, doch während einiger starker Sonneneruptionen im April 2002 kam es zu Beschädigungen im Kommunikations- und Energieversorgungssystem der Sonde, so das ihre Zukunft ungewiss ist.

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