11.07.2010 / Autor: Karl Urban Raumfahrt > Raumsonden

Rosetta bei Lutetia:

Rosetta absolvierte erfolgreich seine Generalprobe: Am 10. Juli 2010 flog die europäische Raumsonde an (21) Lutetia vorbei, einem etwa 100 Kilometer großen Asteroiden. Raumfahrer.net sprach mit Gerhard Schwehm darüber, was man bei der ESA von früheren Vorbeiflügen gelernt hat.

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Raumfahrer.net: Herr Schwehm, welche Erfahrungen haben Sie beim Vorbeiflug an (2876) Šteins im September 2008 gemacht, die Sie jetzt bei Lutetia anwenden können?

Gerhard Schwehm: Šteins war für uns die Generalprobe. Wir haben die Sequenz des Vorbeiflugs ausprobiert, etwa wie man das Raumfahrzeug am besten dreht. Das hat wunderbar funktioniert: Wenn man sehr nah an einen Asteroiden heranfliegt, muss man sich drehen. Dabei müssen wir dem Asteroiden folgen können. Bei Šteins konnten wir dichter heranfliegen, weil die Sonde langsamer [relativ zum Asteroiden, d. Red] unterwegs war. Heute fliegen wir mit 15 Kilometern pro Sekunde vorbei und haben deshalb eine andere Distanz. Im Verhältnis gesehen greifen wir aber auf die guten Werte des Šteins-Vorbeiflugs zurück. Prinzipiell haben wir kaum Anpassungen vorgenommen.

ESA

Bild vergrößernEine Totale von Lutetia aus 3.162 km Entfernung! Die größte Ausdehnung dieses Asteroiden liegt bei ca. 130 km.
(Bild: ESA)

Raumfahrer.net: Hat sich in der Beobachtungskampagne selbst etwas geändert verglichen mit dem Šteins-Vorbeiflug?

Gerhard Schwehm: Man kann bei Lutetia mit Philae weniger beobachten, als damals bei Šteins. Natürlich wollten alle Rosetta-Instrumente dabei sein und wir sind auch immer offen gegenüber Ideen, etwas zu messen, was man bisher nicht kannte. Allerdings mussten wir irgendwann entscheiden, dass manche Instrumente nicht angeschaltet werden sollten. Immerhin haben wir heute unseren wichtigsten Vorbeiflug und wir mussten sicher stellen, dass zu viele angeschaltete Instrumente nicht Störungen hervorrufen. Bis jetzt hat alles gut funktioniert.

Raumfahrer.net: An der Beobachtung von Lutetia ist auch das im vergangenen Jahr gestartete Herschel-Teleskop der ESA beteiligt. Inwieweit hilft Ihnen das?

Gerhard Schwehm: Herschel ist ja in erster Linie ein astronomisches Instrument. Meine Kollegen aus dem Rosetta-Team bei der ESA betreiben aber eine Beobachtungskampagne, wo wir auch [den Rosetta-Zielkometen] 67P/Tschurjumow-Gerasimenko beobachten. Heute haben wir gut acht Stunden Beobachtungszeit bekommen, um Lutetia zu beobachten. Mit Herschel ergänzt sich vor allem unsere spektrale Abdeckung, die jetzt vom Ultravioletten bis zum fernen Infrarot geht. Diesen großen Spektralbereich könnten wir mit Rosetta allein gar nicht abdecken.

Raumfahrer.net: Inwieweit unterscheiden sich nun in der Summe die zu erwartenden Messdaten - verglichen mit dem Vorbeiflug an Šteins?

Gerhard Schwehm: Die sind deutlich breiter, da wir alles zusammen haben: Nach Bodenuntersuchungen und den Herschelaufnahmen haben wir eine breite Beobachtungskampagne mit Rosetta gefahren.

Raumfahrer.net: Vielen Dank für das Interview!
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