31.05.2004 / Autor: Gero Schmidt Raumfahrt > Raumstationen

Neuartige Raumstation in Planung

Bigelow Aerospace, eine in Las Vegas ansässige Raumfahrtfirma, arbeitet derzeit an einem ambitionierten Projekt, an dessen Ende die erste privat finanzierte und entwickelte Raumstation stehen soll.

Robert Bigelow, millionenschwerer Besitzer der Hotelkette Budget Suites of America, gründete seine Firma im Jahr 1999. Seitdem beschäftigte man sich dort mit der Entwicklung von „aufblasbaren“ Modulen für privat betriebene, bemannte Raumstationen. Solche Aufblas-Module haben den Vorteil, dass sie beim Start, wenn sie noch nicht „aufgepumpt“ sind, nur wenig Platz beanspruchen und damit von einer Vielzahl von Trägerraketen ins All gebracht werden können. Außerdem könnten sie einen besseren Strahlenschutz gewährleisten als herkömmliche Module.



Konzeptentwurf der Raumstation von Bigelow Aerospace
(Quelle: Bigelow Aerospace)
Die NASA, genauer gesagt das Johnson Space Center, leistete mit dem TransHab Programm wichtige Vorarbeit in diesem Bereich. Das TransHab war ursprünglich als zusätzliches Wohnmodul für die Internationale Raumstation (ISS) gedacht, doch als die Kosten der Raumstation immer mehr außer Kontrolle gerieten, musste das Projekt aufgegeben werden. Ein anderer Grund war der, dass das TransHab-Modul bei bemannten Flügen zum Mond oder zum Mars hätte Verwendung finden können. Einige Politiker witterten einen Versuch der NASA, gewissermaßen über die Hintertür für solche zukünftigen Missionen benötigte Technologie zu entwickeln und strichen die Gelder, da die Raumfahrtbehörde zu diesem Zeitpunkt strikte Anweiseungen hatte, ihre bemannten Aktivitäten auf den erdnahen Weltraum zu beschränken. Doch die Mühe scheint nun doch nicht vergebens gewesen zu sein: Im Rahmen eines Kooperationsabkommens stellt die NASA Bigelow Aerospace ihr Know-how zur Verfügung. Außerdem hat die Firma der Raumfahrtbehörde größere Summen gezahlt, um Patente auf die TransHab-Technologie zu erwerben.

Für November 2005 plant man bei Bigelow Aerospace einen ersten Prototypen namens Genesis Pathfinder mit einer Falcon V-Trägerrakte ins All zu schicken. Es wird der erste Flug der Falcon V-Rakete sein, die von SpaceX, einer ebenfalls neugegründeten, in Kalifornien ansässigen Raumfahrtfirma, entwickelt wird. Zur Zeit ist man bei SpaceX noch vollauf damit beschäftigt, Falcon I, eine kleinere Vorläuferrakte, für ihren Jungfernflug auf die Startrampe zu bringen, der in der zweiten Jahreshälfte 2004 stattfinden soll. Im April 2006 soll dann ein zweites Pathfinder-Modul starten, diesmal mit einer konvertierten russischen Interkontinentalrakete, der SS-18. Dazu fehlt zwar derzeit noch die benötigte Genehmigung vom amerikanischen Außenministerium, doch bei Bigelow ist man zuversichtlich, dass es in dieser Hinsicht keine größeren Probleme geben wird.

Schließlich hofft man, mit den so gesammelten Erkenntnissen in der Lage zu sein, das Nautilus-Modul zu entwickeln. Dieses wird etwa dreimal so groß wie die Genesis Pathfinder-Module sein (13,7 Meter lang und 6,7 Meter im Durchmesser, gut 20 Tonnen schwer) und könnte schließlich als Weltraumhotel dienen oder auch zur Durchführung von Experimenten in der Schwerelosigkeit zu erschwinglichen Preisen.

Sollte Bigelow erfolgreich sein und irgendwann gegen Ende des Jahrzehnts die erste privat finanzierte Raumstaion ins All schießen, ständen die NASA und alle anderen staatlichen Raumfahrtorganisationen etwas blamiert da. Schließlich hat Robert Bigelow nur einen winzigen Bruchteil der finanziellen Ressourcen zur Verfügung. Sein Erfolg wäre also eine klare Demonstration, dass der private Sektor in der Lage ist, die Dinge schneller, billiger und besser zu bewerkstelligen als staatliche Institutionen, sogar im Weltraum.
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