27.02.2006 / Autor: Thomas Pallmann Raumfahrt > Space Shuttle

Kommentar: Außerdienststellung der Atlantis

In dieser Woche wurde bekannt, dass die NASA plant, das Space Shuttle Atlantis Ende 2008 außer Dienst zu stellen.

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Die letzte Landung für die Atlantis?
(Bild: NASA)
Der Grund dafür liegt im vorgezogenen Ende des Shuttle Programms 2010. Atlantis müsste nach fünf weiteren Flügen 2008 in die vorgeschriebene "Orbiter Maintence Down Period (OMDP)". Da diese Generalüberholung ein ganzes Jahr in Anspruch nimmt und am Ende der Wartung nur noch wenige Flüge übrig bleiben würden, plant man nun, Atlantis schon zu diesem frühen Zeitpunkt außer Dienst zu stellen und den Orbiter als ein Ersatzteillager zu verwenden.

Dass ausgerechnet Atlantis dieses Schicksal ereilt, ist ein wenig schade, denn Atlantis gilt bei einigen NASA-Technikern als das beste der drei verbliebenden Shuttles, da man zu dieser Zeit bei Rockwell die meiste Erfahrung in der Shuttle-Produktion hatte. Man hätte eher erwarten können das Discovery, das dienstälteste Shuttle, als erstes aus der Reihe außer Dienst gestellt würde. Aus einer reinen Budgetsicht kann man diese Entscheidung nachvollziehen, da eine OMDP viel Geld und Ressourcen verschlingt, die man lieber für die Entwicklung des Crew Exploration Vehicle verwenden möchte.

Allerdings ist der Zeitpunkt dieser Entscheidung vielleicht nicht ganz glücklich gewählt. Das Crew Exploration Vehicle existiert derzeit nur auf dem Computer, und man hat sich das Ziel gesetzt, den Nachfolger des Space Shuttles 2010, spätestens 2014, ersetzen zu können. Wenn man sich allerdings die Planung und Durchführung ähnlicher Großprojekte der NASA anschaut, wie zum Beispiel die Internationale Raumstation oder auch die zahlreichen anderen geplanten Vorgänger des Space Shuttles, dann erkennt man, dass bei der NASA gerne sehr optimistisch mit Zeitplänen und Budgetplanungen umgegangen wird. Sich zu einem so frühen Zeitpunkt auf ein definitives Ende des Space Shuttle Programms im Jahr 2010 festzulegen, könnte sich im Nachhinein als ein Fehler herausstellen. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Kongress der Vereinigten Staaten einem Nachfolger des Space Shuttles aus Kostengründen die weitere Finanzierung verweigert, und im schlimmsten Fall würden dann die USA komplett ohne eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm da stehen und auf Hilfe von außerhalb angewiesen sein. Für viele mag dies kein schlechtes Szenario sein, da das alternde Space Shuttle den größten Kostenfaktor im NASA-Budget darstellt und man die so frei gewordenen Ressourcen dazu nutzen könnte, sich mehr in anderen Bereichen, wie der unbemannten Erforschung des Weltalls mit Sonden, zu angagieren. Die Vergangenheit hat jedoch immer wieder gezeigt, dass die Politik oftmals die frei gewordenen Geldmittel zu anderen Zwecken als der Weltraumforschung nutzt und es immer schwieriger ist, ein neues Programm zu etablieren, als ein altes fortzusetzen, wie man am begrabenen europäischen Raumgleiter Hermes sehen kann. Zusätzlich entsteht das Problem, dass mit fortschreitendem Verzicht auf ein bemanntes Raumfahrtprogramm immer weniger erfahrene Fachkräfte zur Verfügung stehen und sich so das Risiko erhöht, alte Fehler in einem neuen Programm zu wiederholen.

Aus diesem Grunde wäre es besser, wenn die NASA so lange wie möglich zweigleisig fahren würde. Das Space Shuttle kann man immer noch ins Museum fahren, wenn ein festes Datum für die Indienststellung des Crew Exploration Vehicle feststeht. Dadurch sichert man sich nicht nur einen eigenständigen bemannten Zugang zum Weltraum, sondern erhält auch wertvolles Know-how innerhalb der NASA.
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