Raumcon

Astronomie => Deep Sky => Thema gestartet von: H.J.Kemm am 09. Januar 2006, 10:38:42

Titel: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 09. Januar 2006, 10:38:42
Moin,

im APDC der NASA ist folgendes Bild zu sehen:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038509.jpg)


 Animation   (http://www.planet-smilies.de/computer/computer_025.gif) (http://imgsrc.hubblesite.org/hu/db/2002/11/videos/b/formats/low_mpeg.mpg)


Es handelt sich hierbei um *Arp 188 mit Tadpole´s Tidal Tail* ( Galaxie Arp 188 / UGC 10214 mit dem Kaulquappen-Gezeiten-Endstück ). Arp 188 befindet sich südlich des Sternbildes Draco, also für uns zirkumpolar.
Daten für Arp 188: 14,6m, 4,1` x 0,8`, ~ 410 Lj.

*Tidal dwarf galaxien* entstehen bei der Wechselwirkung zweier gasreicher Galaxien in langen Gezeitenarmen aus Staub und Gas.

Dies Bild von Hubble, kurz nach seiner Reparatur, zeigt die Dramatik des Kannibalismus im All. Hier erkennt man ganz eindeutig den Materieschweif von einer Länge von ~ 280.000 Lj, hervorgerufen durch die Gezeitenkräfte eines intergalaktischen Eindringlings, der durch Arp 188 durchgeflogen ist. Interessant sind dabei die Knoten im Gezeitenarm, hier sind neue Sterne entstanden und werden wohl auch noch weitere entstehen.


Bei genauer Betrachtung dieser Aufnahme kann noch festgestellt werden, dass allein in diesem Ausschnitt über
~ eintausend  weitere Galaxien zu sehen sind.

Und noch etwas interessantes konnte durch die Hubble-Aufnahme gesehen werden, als Detailausschnitt stark vergrößert:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038510.jpg)

Es handelt sich bei dem roten Fleck rechts um eine Galaxie, die ca. 13 Milliarden Lj. alt ist, also eine Galaxie der ersten Stunde.

Jerry
Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: Robinson(Guest) am 10. Januar 2006, 10:57:28
Die Animation ist echt stark. Ist das die Galaxie, die Arp 188 zerrissen hat? Wenn ja, ist bei der nix passiert.
Kann das mit unserer Galaxie auch passieren, wenn der Andromedanebel kommt?
Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: ILBUS am 10. Januar 2006, 11:22:06
Die Galaxien können im grunde genohmen ohne grossartig einander zu beeiflüsen, durch einander durchgehen. Es kommt sehr darauf an, wie diecht die Galaxien sind, welche relatieven Energien die Besitzen, ob die Wechselwirkung auch mehrmals stattfindet. Alles ist durchaus möglich.
Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: Robinson(Guest) am 10. Januar 2006, 11:41:51
Das glaube ich schon, aber Arp 188 sieht ganz schön mitgenommen aus, und die andere Galaxie ist ja wohl ganz oK.
Weiss jemand wie die heißt?
Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 10. Januar 2006, 12:00:25
Moin,

also die Galaxie, die in der Animation zu sehen ist, hat mit dem Crash nichts zutun.

Schuld daran soll VV-29c sein (Arp 188 wird auch VV-29 genannt).

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038508.jpg)


Jerry
Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 13. Januar 2006, 03:18:05
Moin,

das Rancho Del Sol Observartory liefert neue Bilder von sogenannten *Tadpol´s* iin IC 410, 12.000 Lj., im Sternbild Fuhrmann ( Auriga ), auf dem Foto liks oben 2 Stück.

(http://www.astronomie.de/fachbereiche/astrofotografie/2006/07/b-ic-410.jpg)


Die Materieschweife sind ungefähr 10 Lj. lang. Gut erkennbar sind die Köpfe der Kaulquappen.


Jerry

Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 03. Juli 2006, 05:02:40
Moin,

zu diesem Thema hat unser Autor Felix Herrmann einen ausführlichen Bericht eingebracht: >>>>> (http://www.planet-smilies.de/lesen/lesen_008.gif) (http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/02072006191301.shtml)

Jerry
Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 03. Juli 2006, 05:17:43
Moin,

hierzu noch folgende Information:

Wenn Galaxien zusammenprallen, werden die Gaswolken innerhalb der Galaxie instabil und kollabieren. Dabei entstehen neue Sterne. Sterne selbst verschmelzen miteinander bei diesen Prozess sehr selten. Die verschmolzenen Galaxien strahlen im blauen Licht der neu entstandenen Sterne. Eine solche Kollision kann hunderte von Millionen Jahren dauern. Dabei können sich die Formen der Galaxien stark verändern. Kollisionen zwischen zwei Galaxien sind ziemlich häufig. Die Sterne können durch die Schwerkraftwirkung der Galaxien stark abgelenkt werden.

Eine sehr gute Beschreibung über wechselwirkende Galaxien kann man hier nachlesen: >>>>> (http://www.planet-smilies.de/lesen/lesen_003.gif) (http://de.wikipedia.org/wiki/Wechselwirkende_Galaxien)


(http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/5/59/Antennen-Galaxie-Hubble.jpg/750px-Antennen-Galaxie-Hubble.jpg)

Ein sehr schönes Beispiel: Die Antennen-Galaxie NGC 4038 und NGC 4039


Jerry











Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 05. Oktober 2006, 22:03:32
Moin,

nicht nur Galaxien benehmen sich wie Kannibalen sondern auch Sterne.

Gelesen in derStandard:
Zitat
Rom - Manche Sterne in Kugelsternhaufen könnten Material ihrer Nachbarn aussaugen und es sich einverleiben. Hinweise auf derartige kosmische Vampire haben Forscher des European Southern Observatory (ESO) jetzt mit Hilfe des "Very Large Telescope" im Kugelsternhaufen "47 Tucanae" (NGC 104) entdeckt.

Manche der heißen, hellen und jung erscheinenden Sterne im Sternhaufen besitzen der Untersuchung zufolge weniger Kohlenstoff und Sauerstoff als die Mehrheit ihrer Geschwister. Das deutet darauf hin, dass diese Sterne sich wahrscheinlich geformt haben, indem sie Material eines anderen Sterns verwendeten.

Jerry
Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: werner_w am 07. Oktober 2006, 23:46:37
Hallo!

Hab vor kurzen bei Alpha Centauri einen Bericht gesehen, in dem auch das Doppelstern-System Algol vorkam, bei dem ebenfalls Massetransfers zustande kommen.
Das interessante dabei ist aber, dass der zuvor massereichere Stern später dann weitaus kleiner ist als sein (zuvor) masseärmerer Begleiter. Ursache dafür soll der ständige Massetransfer zwischen den beiden Sternen sein, da der Begleiterstern dauernd die äußeren Schichten (auf die, durch den großen Abstand zu ihrem Stern nur eine geringe Gravitation wirkt) seines Nachbarns absaugt.
Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 10. Oktober 2006, 20:02:09
Moin Werner,

von *Algol*, beta Persei, ist mir Kannibalismus nicht bekannt. Ich weiß nur, daß dieser Zentralstern mit der über hundertfachen Leuchtkraft unserer Sonne direkt von einem kleineren Stern umkreist wird und dieses Doppelsternsystem wird wiederum von einem weiteren Stern umkreist. Man konnte bereits früher eine Helligkeitsschwankung feststellen und nannte den *Algol* einen *Bedeckungsveränderlichen*.

Jerry




Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: werner_w am 12. Oktober 2006, 17:18:08
Hallo Jerry,

Auf Wikipedia gibt es diesen link hier http://www.br-online.de/cgi-bin/ravi?v=alpha/centauri/v/&g2=1&f=010429.rm zu der Sendung. Es dauert aber ca. 8 Minuten bis das "Algol-Paradoxon" erwähnt wird.  ;)
Titel: Re: Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 18. Oktober 2006, 18:16:17
Moin,


der Zusammenstoß der beiden Galaxien *NGC4038* und *NGC 4039* (auch Antennen-Galaxie genannt) im Sternbild Rabe lässt Milliarden neuer Sterne entstehen. Eine neue detailreiche Aufnahme des Hubble Space Telescope (HST) zeigt, dass sie gleich in Gruppen geboren werden und Super-Sternhaufen bilden. Auf dem Foto können Astronomen nun deutlicher zwischen einzelnen Sternen und den hellen Super-Sternhaufen unterscheiden, teilte das Hubble Information Centre jetzt mit.

Neben Sternhaufen sind auf der Aufnahme die beiden Zentren der kollidierenden Galaxien zu erkennen. Sie erscheinen orange. Die Farbe ergibt sich aus dem Licht alter Sterne, die zum Teil von braunen Staubwolken verdeckt werden. Hellblau und klar erscheinen dagegen die Regionen, in denen neue Sterne entstehen. Sie sind von pinkfarbenem Wasserstoff umgeben.

Der Crash der beiden Spiralgalaxien begann vor etwa 500 Millionen Jahren. Die Antennen-Galaxie ist  das jüngste bekannte Beispiel für eine galaktische Kollision.

Es ist möglich, daß diese beiden Galaxien sich durchdringen und in ferner Zeitwieder als getrennte Galaxien zu sehen sind. Die durcheinandergewirbelten *Reste* könnten dann als Kugelsternhaufen zu sehen sein, die sich um ihre jeweilige Mutter-Galaxis formieren.

Es ist aber auch möglich, daß beide Galaxien verschmelzen und für die Zukunft eine Einheit bilden.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038507.jpg)
Foto: Hubble 2006/46

Auf dieser Seite >>>>>(http://www.world-of-smilies.com/wos_computer/pc_wos5.gif) (http://hubblesite.org/newscenter/newsdesk/archive/releases/2006/46/image/a+zoom)
kann man das Bild noch einmal sehen, aber mit Zoom!


Jerry
Titel: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: H.J.Kemm am 14. Februar 2006, 16:27:53
Moin,

aus vielen Aufnahmen vom Hubble- und Spitzer-Weltraumteleskop kennen wir mitlerweile viele Galaxien, die sich kleine Nachbarn einverleiben.

Nicht anders macht es unsere Heimatgalaxis *Milky Way*.

Nicht nur, dass sie die Zwerggalaxie Sag schon fast ganz *verspeist* hat (http://www.planet-smilies.de/lesen/lesen_005.gif) (http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=494.0)
sie bewirkt auch, dass Kugelsternhaufen im Halo gebeutelt werden.

Wissenschaftler haben beim Kugelsternhaufen M 12, ca. 23.000 Lj von der Sonne entfernt, festgestellt, dass er auf seiner elliptischen Bahn zu nahe an die massereiche zentralregion gekommen ist. Dadurch haben diese Kräfte die *leichteren* Sterne aus dem Verbund des Sternhaufens herausgelöst. Diese Sterne laufen jetzt wie an einer Schnur aufgezogen hinter dem Zentrum des verbliebenen Sternhaufens her. Bei weiteren Kontakten wird M 12 wohl völlig aufgelöst und in 5 Milliarden Jahren nicht mehr existieren.

(http://www.eso.org/outreach/press-rel/pr-2006/images/phot-04b-06-normal.jpg)


Jerry
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: jps(Guest) am 14. Februar 2006, 19:23:16
ich habe dazu folgende Frage: es gibt viele kugelsternhaufen und alte sterne im umfeld (halo ??) der milchstrasse. fliegen die alle durch unsere milky way?
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: H.J.Kemm am 14. Februar 2006, 20:48:12
Moin jps,

sicher werden viele von ihnen unsere Galaxis im Verlaufe ihres *Lebens* durchkreuzen, denn das Halo ist ein geschlossenes System, das wie eine Kugel den Kern unserer Milchstrasse umschließt. Und in diesem Halo befinden sich ja diese Sternhaufen bzw. einzelnen Sterne.

Hier ist unsere Milchstrasse mit dem Halo zu sehen:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038506.jpg)

Das Halo hat einen Radius von über 50.000 Lj. Wissenschaftler meinen jedoch, dass es noch ein viel größeres Halo gibt, das Sphäroid mit über 200.000 Lj Radius.


Jerry
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: robinson(Guest) am 14. Februar 2006, 23:18:24
Hallo, hab dazu folgende Fragen: Fliegen die jetzt aus dem Zentrum des Sternhaufens gelösten Sterne eigentlich auf der Bahn so weiter hinterher und wenn, wie lange eigentlich? Hat das was mit dem Drehimpuls zutun? Verbleiben davon eigentlich auch einige dieser herausgerissenen Sterne bei uns in der Galaxi hängen? Warum stossen die eigentlich nicht mit Sternen in unserer Milchstrasse zusammen?
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: H.J.Kemm am 15. Februar 2006, 05:53:52
Moin Robinson,

das ist also ein Fragenkatalog, den ich spontan nicht beantworten kann.

Ich werde mich da noch ein wenig schlauer machen und hoffe, dass dann entsprechende Antworten kommen können. Gleichzeitig hoffe ich auf Volker, der hier sicher schneller und präziser antworten könnte.

Bitte etwas Geduld.


Jerry


NS: Die Frage nach dem Drehimpuls scheint jetzt wohl *in* zu sein!
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: ILBUS am 15. Februar 2006, 08:47:10
Zitat
Warum stossen die eigentlich nicht mit Sternen in unserer Milchstrasse zusammen?

Weil die grösse der durchschnittlicher Sterne (0,1 bis 10 Sonnenmasen) vernachlässigbar klein im vergleich zu den Abständen dazwischen. Z.B für die Sonne ist der Durchmesser 1,4 Mio km der Abstand zu dem Sonnennähsten Stern ist etva 5 x 10E13 km. Also ist der Abstand etwas 300 Mlrd mal so gross wie der Durchmesser. Also wenn man die Sterne als Biljardkugel betrachtet ist die Wahscheinlichkeit, dass zwei sterne auf einander Treffen in der grossenordnung 1 Treffer pro 300 Mlrd Sterne.

Ich habe nur grob abgeschätzt, beachtet man den Kritischen Abstand, ab dem zwei himmelskörper sich gegenseitig, durch die Gravitationskräfte zerreissen, so wird diese Wahscheinlichkeit etwas Grösser, aber nur um ein Paar Grossenordnungen.

Ich vermutte ein Paar Sterne hat es doch zerrissen, doch die MEisten wurden nur abgelenkt, abgebremst, oder kammen ungehindert durch.

So muss wieder in die Vorlesungen, bis später. ILbus
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: Volker am 22. Februar 2006, 17:48:44
Zitat
Fliegen die jetzt aus dem Zentrum des Sternhaufens gelösten Sterne eigentlich auf der Bahn so weiter hinterher und wenn, wie lange eigentlich?

Die Sterne koennen den Sternhaufen verlassen, wenn ihre Fluchtgeschwindigkeit gross genug ist. Das funktioniert genauso wie mit einer Rakete von der Erde - ist die Geschwindigkeit nicht gross genug, so verbleibt der Stern im Sternhaufen (d.h. er hat eine Bahn in/um den Sternhaufen).
Sterne koennen Fluchtgeschwindigkeit erreichen, wenn sie einen grossen Impuls erfahren, z.B. in einer Supernova Explosion (die ja nicht symmetrisch ablaufen muss) oder in Merging events (also Verschmelzungen von Sternhaufen, na, das Wort schmelzen darf man hier nicht so woertlich nehmen). Je groesser der Sternhaufen, desto groesser natuerlich die Fluchtgeschwindigkeit die zum Verlassen noetig ist.

Zitat
Hat das was mit dem Drehimpuls zutun?

Nein, es sei denn, du meinst den Drehimpuls eines Sterns bevor er eine Supernova erfaehrt, das kann dann Auswirkungen auf die Symmetrie der Supernovaexplosion haben. Und bei Verschmelzungen hat natuerlich auch der Ausgangsdrehimpuls der beiden Systeme (z.B. Sternhaufen) Auswirkungen. Aber ob ein Stern einen Sternhaufen oder sogar seine Galaxie verlassen kann, haengt einzig von der Fluchtgeschwindigkeit ab.

Zitat
Verbleiben davon eigentlich auch einige dieser herausgerissenen Sterne bei uns in der Galaxie hängen?

Die meisten sollten in der Milchstrasse verbleiben. Haengt vom Ereignis ab und ob die Fluchtgeschwindigkeit erreicht werden kann.

Gruss Volker
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: robinson(Guest) am 23. Februar 2006, 09:40:14
Danke an Ilbus, Jerry und Volker. Auf euch ist echt Verlass. Hat mir sehr geholfen.
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: H.J.Kemm am 23. März 2006, 02:33:38
Moin,

unsere Milchstrasse hat wohl auch an NGC 5466 im Sternbild Bootes geknabbert.

Dieser Sternhaufen zieht einen *Schweif* hinter sich her, was schliessen läßt, dass unsere Milchstrasse an ihm zerrt und zurrt.

Ja, wenn man so klein ist, dann kann man sich leider gegen brutale Gewalt leider nicht wehren.


Jerry
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: robinson am 05. November 2006, 10:39:40
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038505.jpg)
Foto: NASA-HST

Das ist nach meiner Kenntnis das einzige Foto von <NGC 6745>, Sternbild Leier, Entfernung ~ 200 x 106 Lj, 13,3 mag - auch <Vogelkopf Galaxie> genannt. Die Hauptgalxie (im Bild) hat eine kleinere Galaxie (links / leider nicht im Bild) vereinnahmt bzw. ist mit ihr kollidiert.

Gibt es irgendwo eine Aufnahme, wo beide Galaxien, also <NGC 6745 A> und <NGC 6745 B>, zu sehen sind?
Und gibt es irgendwo die Beschreibung der Kollisionsrichtung?

Robby
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: H.J.Kemm am 11. November 2006, 06:41:46
Moin,

in Astronomy Picture of the Day ist diese Aufnahme vom Hubble zu sehen, es handelt sich dabei um die *Whirlpool-Galaxie* *M 51 / NGC 5194* mit dem Begleiter *NGC 5195*:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038504.jpg)

Foto: S. Beckwith (STScI) Hubble Heritage Team, (STScI/AURA), ESA, NASA

Jerry
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: Astronomie-lady am 15. November 2006, 19:06:33
Dass unsere Galaxie selbst einen Haufen zerreist, dass wusste ich gar nicht. Die Montage ist wirklich gut, da kann man sich das sehr gut vorstellen. Naja, wir können ja dann mal gespannt sein, wenn Andromeda näher kommt  ;D Schade blos, dass wir das nicht mehr mitbekommen  :-/
Grüßle
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: Junior am 15. November 2006, 19:23:25
to Lady: Ich meine zu wissen, daß wir das zwar mitbekommen würden, falls der homo malus dann überhaupt noch existiert, aber nicht zu spüren. Will meinen: Der Abstand zwischen den einzelnen Sternen ist doch viel zu groß, daß es eine ernsthafte Gefahr für unser Sonnensystem gäbe. Die beiden Galaxien, Andromeda und Milchstrasse würden sich nicht einmal heiraten, also nur durchfliegen.  
(Ich hoffe, daß r den Bericht einbringt über die Abstände zwischen den Sternen und den Galaxien)
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: Astronomie-lady am 15. November 2006, 19:28:35
Aber ich fänds klasse, so am nächtlichen Himmel eine rießenhafte Andromeda-Galaxie... Außerdem würde ich dann endlich mal mehr als nur einen verschwommenen Fleck sehen  ;D
Titel: Re: Grosse fressen Kleine
Beitrag von: Junior am 15. November 2006, 19:44:51
to Lady: zustimm, zustimm; und dann auf Bora-Bora am Strand mit einem eisgekühlten Calfuni.
Titel: Grosse fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 16. November 2006, 07:21:58
Moin Lady,

über *Andromeda* haben wir hier schon einmal diskutiert >>>>> (http://www.cosgan.de/images/smilie/haushalt/g020.gif) (http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=494.0)


Jerry
Titel: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 16. November 2006, 07:43:41
Moin,

ich habe die beiden Threads jetzt zusammengepackt.

Jerry
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: Junior am 19. November 2006, 04:34:26
Dies ist auch eine interessante Konstellation: NGC 6872 mit IC 4970, Sternbild Pavo / Pfau, ca. 300 Mio Lj entfernt.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038503.jpg)
Foto: FORS Team, 8.2-meter VLT Antu, ESO


NGC 6872
ist eine wirklich gigantische Galaxie. Sie ist mit einem  Durchmesser von 750.000 Lichtjahren  mehr als sieben mal so groß wie unsere Milchstraße. Damit ist sie eine der größten bekannten Spiralgalaxien - Balkengalaxis / SBb.

Auf dem Foto ist über dem Zentrum von NGC 6872 die Galaxie IC 4970 zu sehen. Möglicherweise hatte sie Kontakt mit dem etwas zerfledderten Spiralarm von NGC 6872, dies würde auch erklären warum der obere Spiralarm beträchtlich zerstört ist und eine große Anzahl blauer Objekte beinhaltet. Viele von diesen könnten junge Sterne sein. Diese entstehen typischerweise  nach einer Galaxienkollision. Der helle Stern im Vordergrund ist ein Mitglied unserer Milchstrasse.

(http://www.click-lock.com/suw_artikel/htm/leistung_ccd/Bild02.jpg)
Bild:  Aufgenommen mit dem 1-Meter-Schmidt-Teleskop der ESO  (Aufnahme 0. Pizarro)

Auf diesem Bild sind noch weitere 20 Galaxien zu sehen, sie gehören alle zum Pavo-Galaxienhaufen.
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 27. Juli 2007, 10:47:37
Moin,

in *Astronomy Picture of the Day* wird dies Bild gezeigt:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038502.jpg)

Es handelt sich hierbei um die Galaxien *M65*, *M66* und *NGC 3628*, sie bilden das *Leo-Triplett* im Sternbild Löwe.

Bei der Galaxie *NGC 3628* kann man ganz eindeutig eine Gezeitenwirkung erkennen, sie vergrößert dramatisch die Auflösungsgeschwindigkeit, so dass *NGC 3628* kleiner wird. Ein Gezeitenschock führt darüber hinaus zur schnelleren Kernkollabierung. Die Länge dieses *Tidals* liegt bei ~ 300.000 Lj und besteht aus sehr vielen jungen Sternen-Blöcken. Dieser Gezeitenarm scheint durch eine Interaktion mit einer, oder beiden Nachbargalaxien entstanden zu sein.

Mehr Informationen über das *Leo-Triplett* gibt es in einem Bericht von unserem Mitglied Konrad >>> (http://www.planet-smilies.de/lesen/lesen_003.gif) (http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=1171.msg13714#msg13714)

Jerry

Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 28. Juli 2007, 05:06:44
Moin,

in einer kleinen Diskusionsrunde hatten wir gestern über das Foto vom *Leo Triplett* gesprochen und dabei festgestellt, daß diese 3 Galaxien in einer Entfernung von ~ 30 Mill. Lj von uns sind.

Wenn der Tidal ~ 300.00 Lj lang ist, dann wird die Abstand zwischen diesen 3 Galaxien ja auch nur ~ 300.000 Lj sein und das würde bedeuten, daß in einer Galaxie lebende Bewohner an ihrem Himmel diese 2 Galaxien in einer Größe von Sternbild *Orion* sehen würden. Das muß ja gigantisch sein.

Hier die Ansicht von *M 65* und *M 66* von NGC 3828* aus:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038500.jpg)(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038501.jpg)

Jerry
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 02. August 2007, 06:41:34
Moin,

in Astronomy Picture of the Day sieht man die Composit-Aufnahme von *M-64* (*Black Eye*):

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038498.jpg)

*M-64* ist ~ 17 Mill. LJ entfernt, die Entfernungsangaben schwanken zwischen 15 - 20 Mill. Lj, und befindet sich im Sternbild *Haar der Berenike* >>> (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038499.png)
Bei dieser Galaxie kann man eine Besonderheit feststellen. Sie hat an ihren Rändern ein ungewöhnliches dunkles Band, welches durch die Kollision vor ~ 1 Mrd. Jahren mit einer kleineren Galaxie entstanden sein soll. Dieses Band, bestehend aus interstellarem Gas, dreht sich in entgegengesetzer Richtung der inneren Regionen. Wenn man eine *Draufsicht* von *M-64* hätte, würde diese unterschiedliche Drehbewegung optisch so aussehen, wie die unterschiedlichen Wolkenbänder am Planeten *Jupiter*. In den Berührungsbereichen gibt es sehr große Sternentstehungsgebiete.

Jerry      
                  

            
      
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: SchwarzeMaterie am 04. August 2007, 17:58:36
Hallo Jerry,

das klingt wirklich sehr interessant.
Es nur leider so aus, als könnte ich Dir mit dem Beispiel der Wolkenbänder um *Jupiter* nicht ganz folgen.

Kommt es da denn auch zu Kollisionen mit dem Gas und der inneren andersherum bewegenden Galaxy und wie ist das mit den Berührungsbereichen und der höheren Sternentstehungrate zu verstehen? Ist es dort heißer als anderswo?


Gruß
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 04. August 2007, 18:28:31
Moin Thomas,

damit meine ich dies >>> (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038497.jpg) (http://imageshack.us)
Hier siehst Du die scharfe Trennung von zwei Wolkenbändern; bei den
verschieden drehenden Zonen in *M 64* soll es ebenfalls so aussehen.

Weitere Informationen kann ich Dir i. A. nicht geben, frage mich aber schlau.

Jerry
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 16. April 2008, 04:22:48
Moin,

hier der traurige Rest einer Galaxie, zwar einer kleinen, aber zumindest hatte sie mal existiert.

(http://www.pro-physik.de/FCKeditor/UserFiles/Image/Forschung/prensa519_1_450.jpg)
Bild: Spiralgalaxie NGC 5907 aufgenommen mit einem Amateurteleskop in den Bergen von Neu Mexiko (Credit: R. Jay Gabany) / pro-physik.de

Bei dem hellen Schweif um die Galaxie *NGC 5907*, Sternbild Drache, +10,4m, handelt sich um die aufgelöste Begleitgalaxie.

Was für ein unrühmliches Ende!

Jerry

Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: Mary am 20. April 2008, 12:46:36
Hallo,
Wow, da sieht man toll, was mit Zwerggalaxien geschieht, wenn sie zu nahe an eine größere kommen. Ähnlich muss es ja auch um unsere Milchstraße aussehen...

Mary
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 07. Februar 2010, 00:26:35
Moin,

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038495.jpg)
Antennen-Galaxie / WIKIPEDIA

am 7.2.1785, also heute vor 225 Jahren, entdeckte der deutsch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel mit seinem Nebelteleskop (18,7-Zoll (47,5 cm) Spiegel und 20 Fuß (6,1 m) Brennweite) die Antennen-Galaxie. Wobei ihm seine Schwester Caroline Herrschel hilfreich zur Seite stand, ausserdem war sie es, die die Spiegel dieses Nebelteleskopes schliff und polierte – eine Arbeit, bei der es auf absolute Genauigkeit ankommt. 

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up038496.jpg)
Friedrich Wilhelm Herschel / WIKIPEDIA

Über die Antennen-Galaxie haben wir in diesem Thread unter Beitrag 12 einiges geschrieben.

Jerry

NS: zur Info >>> (http://img.webme.com/pic/j/jerry-alpha-orionis/veranstaltungen-logo.jpg) (http://www.raumfahrer.net/veranstaltungen/portal/home.shtml)
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: A1942D am 07. Februar 2010, 01:06:10
Hallo, Du schreibst:
Zitat
entdeckte der deutsch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel mit seinem Nebelteleskop (18,7-Zoll (47,5 cm) Spiegel und 20 Fuß (6,1 m) Brennweite) die Antennen-Galaxie.
Woher wußte Herschel denn, daß es sich dabei um ein Galaxie handelt? A.D.
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 07. Februar 2010, 05:59:51
Moin,

Herschels Schwester Caroline hat diese Ereignisse schriftlich festgehalten und darin steht, dass ein *Nebel* entdeckt wurde. Zu dem Zeitpunkt glaubte die gesamte Menschheit ja noch, dass der gesamte Kosmos eine Einheit ist.

Erst Hubble hat 1923 festgestellt, dass es ausserhalb dieses Kosmos noch etwas anderes gab und seit dem tragen solche Gebilde einen eigenen Titel, nämlich *Galaxie*.

Wenn jetzt geschrieben wird, dass Herschel eine  *Galaxie* entdeckt hat, dann benutzen wir einen Terminus nach dem Jetztkenntnisstand.

Jerry 
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 17. Juli 2010, 10:37:15
Moin,

im APOD von heute gibt es ein Bild von der riesigen, etwas zerrupften Spiralgalaxie *NGC 1532* und der Zwerggalaxie *NGC 1531*. Sie befinden sich im Sternbild *Eridanus* (Fluss) und sind ~ 50 Mio Lj entfernt. Deutlich ist zu sehen, dass die grosse Galaxie den kleineren Begleiter bald vereinnahmen wird - dieser wert sich aber, denn die Aussenbereiche von *NGC 1532* zeigen deutliche Störungen. Doch das Ende naht sicher bald.

Bild >>> galaxy practices galactic cannibalism (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up009230.jpg)

Jerry   
Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 08. September 2010, 09:21:13
Moin,

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up009848.jpg)
Bild: R. Jay Gabany (Blackbird Obs.) in Zusammenarbeit mit D. Martínez-Delgado (MPIA und IAC) et al.

Klar erkennbar die Überreste einer kleineren Satellitengalaxie, die sich *Messier 63* einverleibt hat. In der Bildmitte ein herkömmliches positives Bild; die äußeren Regionen sind als Bildnegativ gezeigt, damit die schwach leuchtenden Strukturen klarer hervortreten. *Messier 63* befindet sich im Sternbild Jagdhunde, ~ 30 ? 106 Lj, 8,5 mag.

Am 25.Mai 1971 leuchtete die Typ I Supernova *1971I* auf, die in ihrem Verlauf eine Helligkeit von 11,8 mag erreichte.
 

Jerry

Titel: Re: Große fressen Kleine / Kannibalismus im All
Beitrag von: H.J.Kemm am 17. September 2010, 19:39:17
Moin,

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up009952.jpg)
Bild: chandra.harvard.edu/photo / Chandra Finds Evidence for Stellar Cannibalism

Das Weltraumteleskop *Chandra* hat einen roten Riesen beim Verschlingen eines Begleiters erwischt. *BP Piscium* im Sternbild Fische hat sich kürzlich einen Nachbarstern oder einen großen Planeten einverleibt, wie die US-Raumfahrtagentur NASA in Huntsville (US-Staat Alabama) berichtet. Von dem kosmischen Kannibalismus zeugt eine gigantische Staubscheibe, die von dem verschluckten Himmelsobjekt übriggeblieben ist.

*BP Piscium* ähnelt unserer Sonne, ist aber deutlich älter und hat sich daher schon weiter entwickelt. Er hat sich zu einem Roten Riesen aufgebläht und alles in seinem direkten Umfeld verschlungen, dabei hat er sich auf das 400-fache seines früheren Durchmessers vergrössert.

Die bereits früher bekannte und jetzt genauer untersuchte Staubscheibe sowie die beiden Jets bedeuten eigentlich, dass es sich hier um die Geburt eines neuen Sternes handelt. Seine Hülle enthält aber nur sehr wenig Lithium, was auf einen alten Stern hinweist. (Über das Lithium-Verlust Modell haben wir schon diskutiert >>> ab Beitrag # 5 (http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=5206.msg157266#msg157266))

Jetzt kommen die Astronomen in Erklärungsnot, denn im jetzigen Zustand von *BP Piscium* müssten alle eng umlaufenden Planeten bereits zerstört sein. Aber Daten, die mit dem Infrarotsatelliten Spitzer gewonnen wurden, weisen auf die Existenz von mindestens einem Gasriesen in der Staubscheibe hin. Das führt zur Frage: Ist er ein Überbleibsel des urprünglichen Planetensystems oder ist er erst vor kurzem entstanden? Dann würde sich in der Gas- und Staubscheibe um *BP Piscium* gerade eine zweite Generation von Planeten bilden - eine Situation, die bisher bei keinem Stern gesehen wurde.

Hier die Orginalmeldung >>> chandra.harvard.edu (http://chandra.harvard.edu/press/10_releases/press_091410.html)

Hier die ältere Meldung >>> Amazing old stars give birth to planets again  (http://www.msnbc.msn.com/id/22768418/)

Jerry