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Geschichte der Astronomie/ Historisches

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Kreuzberga:
Dieser Thread soll die Diskussion über die Entwicklung der Astronomie als Wissenschaft von ihren Anfängen in ... (ja wo eigentlich?) bis hinein in die Moderne ermöglichen.

Welches Verständnis vom Universum hatten die Menschen zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten? Was war ab wann bekannt und welche großen Irrtümer gab es?

Nicht in diesen Thread (oder dieses Forum) gehören Diskussionen über Verschwörungstheorien, Aliens und alternative, esoterische Weltbilder. Wie auch sonst, sind Quellenangaben bei den Beiträgen ausdrücklich erwünscht.

Kreuzberga:
Ich fange mal gleich mit einem, wie ich finde, interessanten Aspekt der Geschichte der Astronomie an: Der Geschichte des Verständnisses der Sonne.

Die Sonne hat wahrscheinlich für jede menschliche Lebensform, in jeder alten Kultur, eine besondere Rolle gespielt. Ihre Bahn wurde ausgiebig beobachtet, Gebäude zur Sonnenbeobachtung errichtet, ja, im alten China zählte man sogar Sonnenflecken. Klar war die Sonne besonders interessant, da sie für lange Zeiten die einzige verlässliche Wärme- und Lichtquelle war und mehr als deutlich war, dass ohne sie Landwirtschaft, und eigentlich das Leben an sich, nicht möglich wäre. Wahrscheinlich waren Sonnenfinsternisse deswegen auch in vielen Kulturen so herausragende Ereignisse. Wer eine Sonnenfinsternis vorhersagen konnte, war im alten Ägypten oder China wahrscheinlich der Größte.
Weiß jemand wo uind wann es zuerst gelang eine Sonnenfinsternis vorherzusagen?

Interessant ist auch, dass zwar die Sonne so zentral war für das Leben der Menschen, aber bis vor etwas mehr als hundert Jahren überhaupt nicht bekannt oder auch nur vorstellbar war, wie die Sonne eigentlich funktioniert oder woraus sie besteht. Kernfusion! Wie hätten auch z.B. die alten Griechen auf soetwas Irrsinniges kommen sollen? Ich glaube, im alten Griechenland hat man sich schon Gedanken darüber gemacht, was die Sonne eigentlich ist. Verehrt wurde sie jedenfalls in der Griechischen Mythologie als Helios (daher der Name des Elements Helium). In der Mythologie wird der Sonnengott Helios von seinen Feuerrössern über den Himmel gezogen. Das stellte damals wie heute keine überzeugende Erklärung dafür dar, welche physische Natur die Sonne hat. Was haben die alten Griechen in dieser Hinsicht gedacht? Immerhin konnte Aristarch von Samos im 3. Jhd. v. Chr. schon bestimmen, dass die Sonne sehr viel weiter weg sein musste als der Mond.  Zwei Jahrhunderte zuvor spekulierte Anaxagoras, dass die Sonne aus glühendem Gestein bestehen müsse und einen Durchmesser von ein paar hundert Kilometern haben müsse. Durch die Berechnungen des Aristarch konnte dies ausgeschlossen werden.

Über 2000 Jahre später, im 19. Jhd., konnte immer noch keine überzeugende Antwort auf die Frage nach der Natur der Sonne gegeben werden. Wie sollte ein Körper so viel Energie über so lange Zeiträume abgeben können? Man kannte zwar schon Grundprinzipien chemischer Reaktionen, aber um mit reiner Chemie so viel Energie zu erzeugen, müsste die Sonne viel größer Sein und außerdem würde eine chemische Reaktion so schnell ablaufen, dass der Sonne nach wenigen tausend Jahren der Saft ausgehen würde. Wie frustrierend das damals gewesen sein muss: Da hängt dieser leuchtende Ball im Himmel, eigentlich das gewöhnlichste Ding der Welt, schließlich weiß jedes Kind, was die Sonne ist, aber man kann es sich einfach nicht erklären! Das muss für die Wissenschaftler der Zeit doch ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Man begann sich schließlich bereits einzubilden, über die Natur herrschen und mit Technologie irgendwann alle Probleme der Welt lösen zu können.

Bis heute verstehen wir einzelne Aspekte der Funktionsweise der Sonne nicht oder nur unvollständig. Aber immerhin ist das Grundprinzip, die Kernfusion, inzwischen erkannt.

-eumel-:
Wo beginnt die Geschichte der Astronomie?
Das ist eine gute Frage.
Keiner war dabei und damals hatten sie es auch noch nicht so mit Datenträgern. ;)

Sicher haben die Menschen von Anfang an Sonne, Mond, Sterne und deren Bewegung über den Himmel beobachtet.
Sie haben sie in scheinbaren Sternbildern geordnet und sich Geschichten über sie erdacht. Fast alle Kulturen hielten Sterne irgendwann in ihrer Geschichte für mächtige Götter.
Allen war irgendwie klar, daß Sterne eine wichtige Rolle in der Welt spielten.
Besonders der uns nächstliegende Stern, die Sonne, deren gewaltige Auswirkungen für jeden offensichtlich waren.

Ich denke, die Astronomie beginnt dort, wo man durch genauere Beobachtungen Erklärungen suchte und erste Weltbilder erstellte.
Die Chinesen, Ägypter und auch die Majas hatten wohl schon vor einigen tausend Jahren viele Beobachtungen zusammengefaßt, aber davon ist nicht viel überliefert.

Erste Aufzeichnungen sind wohl erst von den griechischen Philosophen erhalten.
Etwa 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung lehrte der grichische Philosoph Philolaos, ein Schüler des Pythagoras, daß die Erde  mit allen Planeten einschließlich der Sonne um ein unsichtbares zentrales Feuer kreise.
Das war schon bemerkenswert, weil sich die Erde in diesem Zusammenhang bewegt und nicht der starre Mittelpunkt der Welt ist.
Pythagoras vermutete schon 500 vor Chr., daß die Erde nicht flach, sondern eine Kugel ist, konnte das aber noch nicht beweisen. Das konnte erst Aristoteles etwa 350 vo Chr.

Die Astronomie ist also eine sehr alte Wissenschaft - wenn nicht die älteste überhaupt.
Auch wenn früher die Wissenschaften stark von Religionen behindert wurden, war es spannend, neue Erkenntnisse zu gewinnen und diese in das Weltbild einzufügen - Zusammenhänge zu erkennen.

-eumel-:
240 vor Chr. berechnete der in Alexandria lebende grichische Gelehrte Eratosthenes bereits den Erdumfang, ohne dazu Alexandria zu verlassen.
Er hatte gehört, daß in der ganz im Süden gelegenen Stadt Assuan die Sonne am längsten Tag des Jahres keinen Schatten warf - das bedeutet, die Sonne steht dort genau senkrecht.
In Alexandria warf die Sonne zur gleichen Zeit einen Schatten von 7°.
Diesen Unterschied führte er auf die Erdkrümmung zurück.
Weil er die Entfernung zwischen den beiden Städten kannte, konnte er den Erdumfang berechnen und kam dabei auf 40000 Kilometer.

-eumel-:
Knapp hundert Jahre später, gegen 150 vor Chr., führte der griechische Astronom Hipparch die Winkelberechnung (Trigonometrie) ein.
Damit konnte er die Entfernung zum Mond berechnen.

Dazu bestimmte er zunächst von verschiedenen Standorten die Position des Mondes zu den Sternen.
Wenn man den Standort wechselt, verschiebt sich der Mond als näheres Objekt vor dem Hintergrung der Sterne (Parallaxenverschiebung).
Nach seinen Berechnungen beträgt die Entfernung zum Mond das Dreißigfache des Erddurchmessers.
Den Erddurchmesser konnte er berechnen, weil Eratosthenes zuvor den Umfang ermittelt hatte.

Laut Hipparch beträgt die Entfernung des Mondes von der Erde 384000 Kilometer.

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