Raumcon

Raumfahrt => Bemannte Raumfahrt => Thema gestartet von: Observer am 01. Februar 2012, 19:33:07

Titel: Wostok-Programm
Beitrag von: Observer am 01. Februar 2012, 19:33:07
Гагаринский старт (http://www.youtube.com/watch?v=b0ktgWlN7SE#)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: wernher66 am 13. April 2016, 21:49:15
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051079.jpg)
Eine Frage an die Experten: zeigt dieses Foto wirklich die Kapsel von Juri Gagarin nach der Landung am 12.April 1961?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 14. April 2016, 10:57:03
Manno .... Darüber haben wir beide ja schon vor Jahren debattiert... !   
Allerdings ohne klares Ergebnis.
Per stand heute: Ich glaube es nicht!
Die Kapsel ist zu sehr mit Schlamm bedeckt, da der Fallschirm sie offensichtlich durch das Gestrüpp gezogen hat.
Der Wostock-1-Landeplatz war eher trockenes Steppengras.
Ist das ein abgeerntetes Feld? Dann würde die Jahreszeit nicht stimmen.
Ist die Abbrandsignatur die von Wostok-1? Ist ja nicht viel zu erkennen. Müsste man mal nachprüfen. Bilder hätte ich vielleicht.
Ein erstes "gesichertes" Bild der Wostok-1 nach der Landung zeigt diese mit (so sehe ich das) der Luke nach unten.
Dann wurde das Ding gedreht.

Alles in allem. Wir sollten mal skypen.

Andreas
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 12:40:44
... Eine Frage an die Experten: zeigt dieses Foto wirklich die Kapsel von Juri Gagarin nach der Landung am 12.April 1961?

Imho nein!

Das Bild ist meiner Meinung nach seitenverkehrt, und die "Ausstiegsluke" zu. Die Kapsel könnte möglicherweise auch von einem Bion-, Foton-, Korabl-, Resurs-, Zenit- oder sonstwas für einem Flug sein.

Gruß   Pirx 
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 13:06:53
Bei am Kopfende des Katapultsitzes geöffneter Luke in der Bildmitte in Orientierung des Pilotenhintern Richtung Erde wäre der Fallschirmbehälter links und der Umbicial-Anschluß zum Servicemodul rechts.

Das obige Bild in richtig herum gibt es tatsächlich: 

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051091.jpg)
(nur Wostok 1 ist das für mich trotzdem nicht)
(Bild-"Quelle": http://pics-about-space.com/yuri-gagarin-in-vostok-1?p=3 (http://pics-about-space.com/yuri-gagarin-in-vostok-1?p=3))

Andreas konnte das in London an Wostok 6 beobachten: http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/17022016111840.shtml (http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/17022016111840.shtml)

Im DAM in Frankfurt konnte ich letztes Jahr ein Wanddisplay ablichten:


Bei dieser Orientierung ist der Fallschirmbehälter für die Kapsel links.

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: wernher66 am 14. April 2016, 13:36:08
Hallo F-D-R, hallo Pirx,

vielen Dank für die schnellen Reaktionen und guten Antworten.
Ich selbst bin ja auch nicht überzeugt, daß hier die 3KA Nr.3 nach der Landung abgebildet ist, aber manchmal muß man sich einfach beraten.
Dankeschön!
Stefan aus Dessau
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 14. April 2016, 14:06:36
Ich schlage mal vor, wir legen eine Bilddatenbank, so wie für Sojus, an. Wostok/Woschod
Machen wir doch, Pirx, oder?

Übrigens, auf dem Bild von Pirx ist bei Wostok-1 sehr schön der Urinschlauch zu sehen. Man war also auch auf einen Flug für etwas länger als nur eine Erdumkreisung vorbereitet. Die orange Auskleidung ist übrigens nicht original, sondern nachträglich so "restauriert" worden. Es gibt auch Aussagen, dass sie ursprünglich hellgrün war.

Zu dem Landebild melde ich mich noch mal. Was ist das eigentlich für ein Fenster? Das Visier (vermutlich nicht) oder das obere zweite Fenster? Das passt alles nicht.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 14. April 2016, 14:15:15
Hallo,

Wostok-1 zeigt das Foto definitiv nicht. Von der fraglichen Kapsel gibt es noch weitere Bilder, alle mit der Schleifspur im ziemlich lang abgemähten Stoppelfeld und dem Buschwerk am Feldrand:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051086.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-30354665/voskhod1-54a.jpg.html)

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051087.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-30354664/voskhod1-54b.jpg.html)

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051088.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-30354691/voskhod1-47.jpg.html)

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051089.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-30354692/voskhod1-49.jpg.html)

Alle Bilder zeigen offenbar die gleiche Kapsel. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um Woschod-1. Von der Woschod-1-Crew wurde das folgende Foto nach der Landung gemacht:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051090.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-30354743/Woschod-1Crewfoto_2.jpg.html)

Zwischen Feoktistow und Komarow erkennt man das gleiche, lang abgemähte Stoppelfeld wie auf den oberen Bildern. Die Person hinter Jegorow scheint mit der zweiten Person von links auf dem dritten oberen Bild identisch zu sein. Deshalb also meine Meinung, dass es sich bei der Kapsel um Woschod-1 handelt.

In dem Zusammenhang gleich mal eine Frage: War es seinerzeit üblich, dass man die Kapsel bei der Bergung zunächst mal über den Acker geschleift hat? Kenne keine anderen Fotos, wo man auch derart vorgegangen ist!

Gruß, Wilga35

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 14. April 2016, 14:28:42
Und da wir gerade so schön bei Wostok-Fotos sind: Auf einem Bild der Wostok-6-Kapsel sieht man links Walentina Tereschkowa nach der Landung.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051085.jpg)

Wer aber ist die Frau rechts von ihr? Eine von ihren damaligen Kosmonautenkolleginnen? Hat da jemand eine Ahnung?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 14:34:39
... Deshalb also meine Meinung, dass es sich bei der Kapsel um Woschod-1 handelt....
Woschod 1, möglich, deshalb ist die Besatzungsluke auch zu. Die Woschods hatten ja keine Katapultsitze.

Das Fenster wäre imho das, was bei Wostok am Kopfende, also im Lukendeckel zum Aussteigen / Ausschießen ist.

Die Schleifspuren könnten doch auch von einer Seitwärtsbewegung beim Landen, heftigem Wind und / oder nicht oder verspätet gekappten Fallschirmleinen herrühren.

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 14. April 2016, 14:38:26
Und da wir gerade so schön bei Wostok-Fotos sind: Auf einem Bild der Wostok-6-Kapsel sieht man links Walentina Tereschkowa nach der Landung.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051084.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-30354841/vostok6-45_TereschkowanachderLandung_1.jpg.html)

Wer aber ist die Frau rechts von ihr? Eine von ihren damaligen Kosmonautenkolleginnen? Hat da jemand eine Ahnung?

Ja, ich kenne das Bild sehr genau und die Szenerie.... Wäre aber ein gesondertes Thema, weil zu komplex.
Außer dem ist in dem Bild eines der letzten "großen" Geheimnisse und Ungereimtheiten der Sowjetraumfahrt verborgen .   :D
Ehrlich!
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 14:42:35
Ich schlage mal vor, wir legen eine Bilddatenbank, so wie für Sojus, an. Wostok/Woschod
Machen wir doch, Pirx, oder?...

Zu dem Landebild melde ich mich noch mal. Was ist das eigentlich für ein Fenster? Das Visier (vermutlich nicht) oder das obere zweite Fenster? Das passt alles nicht.
Galerie kommt dann im Historisch-Bereich. Fenster halte ich für Fenster oben. Auf dem seitenverkehrten Bild ist das Fenster in der Luke, die in dem Bild aus London in Deinem Bericht http://www.raumfahrer.net/news/images/B18scmu1500.jpg (http://www.raumfahrer.net/news/images/B18scmu1500.jpg) auf ist.

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 14. April 2016, 14:43:31
... Deshalb also meine Meinung, dass es sich bei der Kapsel um Woschod-1 handelt....
Woschod 1, möglich, deshalb ist die Besatzungsluke auch zu. Die Woschods hatten ja keine Katapultsitze.

Das Fenster wäre imho das, was bei Wostok am Kopfende, also im Lukendeckel zum Aussteigen / Ausschießen ist.

Die Schleifspuren könnten doch auch von einer Seitwärtsbewegung beim Landen, heftigem Wind und / oder nicht oder verspätet gekappten Fallschirmleinen herrühren.

Gruß   Pirx

Es gab bei Wostok drei Fenster.
Das Visier am Fußende in Blickrichtung.
Ein Fenster schräg über dem Kopf des Kosmonauten. Ich vermute links-oben, da rechts der Kabelbaum in die Kapsel geht. Mal auf den Bildern nachschlagen.
Ein Fenster in der Einstiegsluke, die vor dem Katapultieren abgesprengt wurde.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 14. April 2016, 14:52:18
Und da wir gerade so schön bei Wostok-Fotos sind: Auf einem Bild der Wostok-6-Kapsel sieht man links Walentina Tereschkowa nach der Landung.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051084.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-30354841/vostok6-45_TereschkowanachderLandung_1.jpg.html)

Wer aber ist die Frau rechts von ihr? Eine von ihren damaligen Kosmonautenkolleginnen? Hat da jemand eine Ahnung?

Ja, ich kenne das Bild sehr genau und die Szenerie.... Wäre aber ein gesondertes Thema, weil zu komplex.
Außer dem ist in dem Bild eines der letzten "großen" Geheimnisse und Ungereimtheiten der Sowjetraumfahrt verborgen .   :D
Ehrlich!
Jetzt machst Du es aber spannend ... !  ;)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 15:02:59
Bei am Kopfende des Katapultsitzes geöffneter Luke in der Bildmitte in Orientierung des Pilotenhintern Richtung Erde wäre der Fallschirmbehälter links und der Umbicial-Anschluß zum Servicemodul rechts....
In dieser NASA-Grafik


schauen wir als Betrachter von vorn "durch" die Seite mit dem Fallschirmbehälter. Das auf dem vermeidlichen Woschod-1-nicht-Wostok-1-Bild zu sehende Fenster ist das des mittleren Raumschiffs rechts im Lukendeckel - so meine Interpretation.

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 14. April 2016, 15:36:04
Jetzt machst Du es aber spannend ... !  ;)

Nein! Die Frage ist, warum ist ein Schleudersitz in 1A-Zustand, der im freien Fall aus ca. 5Kilometer Höhe fällt.
Mielke hat immer geschrieben, dass sich Tereschkowa nicht katapultiert hat.
Dem hat die Dame immer und äußerst gereizt und energisch widersprochen.  Bei ENERGIA steht im Museum neben der Wostok-6 ein zerdepperter Schleudersitz mit der Beschriftung Wostok-6-Tereschkowa. Dem widerspricht das Bild. Wäre die Frage, ob das Bild von der Landung ist ..... .

Du merkst, dass geht hier in diesem Gagarin-Thema viel zu weit weg. Lasse uns da mal einen Artikel hier gemeinsam schreiben. Ich mit meinen Infos und Du/Ihr als Wostok-Spezialisten.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 15:41:45
Interessant bei GEO-Russland:

Восход-1 (Woschod 1) mit Fallschirmbehälter hinter durchsichtiger Verkleidung: http://www.geo.ru/nauka/polety-nayavu?page=10 (http://www.geo.ru/nauka/polety-nayavu?page=10)

Восток-6 (Wostok 6) mit zugeschraubtem Fallschirmbehälter:
http://www.geo.ru/nauka/polety-nayavu?page=12 (http://www.geo.ru/nauka/polety-nayavu?page=12)

Восток-6 (Wostok 6) mit Umbicial-Anschluß rechts von der Besatzungsluke, das passt:
http://www.geo.ru/nauka/polety-nayavu?page=13 (http://www.geo.ru/nauka/polety-nayavu?page=13)

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 15:46:42
Jemand was dagegen, wenn ich analog einen Thread aufmache: "Der Flug von  Walentina Tereschkowa", und die entsprechenden Posts umschiebe?

Gruß    Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 14. April 2016, 15:55:10
Oder den Tread gleich in "Wostok-Programm" umbenennen. Gehört ja doch alles zusammen, und in diesen Tread würden auch noch die Flüge von Titow, Nikolajew, Popowitsch und Bykowski passen. Von diesen vier Flügen sieht es mit Bildern der gelandeten Kapseln noch schlechter aus, als bei den Kapseln von Gagarin und Tereschkowa: Im Prinzip findet man da fast nichts!
Interessant ist dass Thema auf jeden Fall, sollten wir dran bleiben!

Gruß, Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 16:29:14
Es gab bei Wostok drei Fenster.
Das Visier am Fußende in Blickrichtung.
Ein Fenster schräg über dem Kopf des Kosmonauten. Ich vermute links-oben, da rechts der Kabelbaum in die Kapsel geht. Mal auf den Bildern nachschlagen.
Ein Fenster in der Einstiegsluke, die vor dem Katapultieren abgesprengt wurde.
Für Wostok ist es imho genau so wie von Dir beschrieben, mit der Abweichung, dass das "seiitliche" Fenster tatsächlich auf der Umbicial-Seite ist.

Also (für Wostok):
Fenster am Fußende: Das Visier.
Fenster über Kopf. Das im Austiegslukendeckel.
Fenster Nr. 3: Zur rechten Seite des Insassen über dem Umbicial-Anschluß.

Das "Fenster Nr. 3" ist z.B. da http://news.bbc.co.uk/2/hi/programmes/from_our_own_correspondent/9420752.stm (http://news.bbc.co.uk/2/hi/programmes/from_our_own_correspondent/9420752.stm) zu sehen.

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 16:38:14
Vom Wikipedia-Nutzer
SiefkinDR ist folgendes Bild von Gagarins Landeapperat
unter CC BY-SA 3.0
aus dem " RKK Energiya Museum outside of Moscow":


Links im Bild liegt auch der Ausstiegslukendeckel mit Fenster.

Gleiche Kapsel zu einem anderen Zeitpunkt:

(Errabee unter CC BY-SA 2.5)

Man sieht in beiden Bilder da wie von Andreas schon erwähnt keine orange Innenverkleidung ...

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 14. April 2016, 16:45:51
Jetzt machst Du es aber spannend ... !  ;)

Nein! Die Frage ist, warum ist ein Schleudersitz in 1A-Zustand, der im freien Fall aus ca. 5Kilometer Höhe fällt.
Mielke hat immer geschrieben, dass sich Tereschkowa nicht katapultiert hat.
Dem hat die Dame immer und äußerst gereizt und energisch widersprochen.  Bei ENERGIA steht im Museum neben der Wostok-6 ein zerdepperter Schleudersitz mit der Beschriftung Wostok-6-Tereschkowa. Dem widerspricht das Bild. Wäre die Frage, ob das Bild von der Landung ist ..... .

Du merkst, dass geht hier in diesem Gagarin-Thema viel zu weit weg. Lasse uns da mal einen Artikel hier gemeinsam schreiben. Ich mit meinen Infos und Du/Ihr als Wostok-Spezialisten.


Interessante Frage, das mit dem Schleudersitz. Bei einem Ausschuss sollten Kapsel, Kosmonautin und Sitz in größerem räumlichen Abstand voneinander niedergehen. Hier liegt alles eng beieinander. Also ein arrangiertes Foto, oder eine Landung in der Kapsel?
Das Tereschkowa bei der Landung in der Kapsel verblieben sein soll, habe ich in Mielkes Lexikas auch gelesen, habe es aber immer als Propaganda abgetan. Nach anderen Quellen soll sich Tereschkowa nach dem Katapultiervorgang, am Fallschirm hängend, durch einen metallischen Gegenstand im Gesicht verletzt haben. Einen Sitz mit Stoßdämpfern, analog zu den Sojus-Sitzen, besaßen ja die Wostok-Kapseln noch nicht? Dann wäre aber das Verletzungsrisiko bei einer Landung in der Kapsel recht hoch gewesen. Fragen über Fragen?
Und da ergibt sich auch gleich die nächste Frage: Bei den Woschods blieben ja die Kosmonauten bis zur Landung in ihren Kapseln, ein Ausschuss mehrerer Kosmonauten aus der Kapsel war technisch nicht machbar. Wie sah es dann eigentlich bei den Woschods aus: Hatten da die Sitze schon ein Stoßdämpfersystem, oder wurde die Kapsel durch das finale Bremsraketensystem ausreichend genug abgebremst, um das Verletzungsrisiko gering zu halten?

Gruß, Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 14. April 2016, 16:49:59
...Woschods aus: Hatten da die Sitze schon ein Stoßdämpfersystem, oder wurde die Kapsel duch das finale Bremsraketensystem ausreichend genug abgebremst, um das Verletzungsrisiko gering zu halten?

Gruß, Wilga35
Ich habe irgendwo gelesen, dass die Sitze Knautschzonen in den Sitzgestellen hatten  -  quasi Stuhlbeine, die sich beim "Landecrash" planmäßig zusammenfalten - dabei wird dann Energie "verzehrt", meint umgewandelt.

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 14. April 2016, 16:51:15
Ja, Stoßdämpfer waren vorhanden.
Bitte etwas Geduld. Ich konnte in London trotz "Fotoverbot" Bilder machen. Die sind hier aber noch nicht veröffentlicht, da wir noch die Freigabe vom Museum abgewartet haben. Dazu wird es ein Update geben. Ich hoffe, Du wirst mit den Bildern einiges "anfangen" können. Bitte noch etwas Geduld.  ;)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 14. April 2016, 16:55:57
@Pirx
Bereite mal bitte eine Bild-Datenbank

Wostok
Unterverzeichnise
Wostok-1
Wostok-5
Wostok-6
Woschod-1
Woschod-2

und ein Verzeichnis Mondprogramm
LK
vor.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: HausD am 14. April 2016, 16:59:11
Hallo,
zu den "Wostok"(-1) Landebildern der Kapsel habe ich auf Bitten von Wilga35 an einen russischen Fachmann gewandt, der in Frankreich arbeitet und sich mit der Geschichte der russischen Raumfahrt beschäftigt.
Auch nach mehrfachen Rückfragen habe ich dazu keine Antwort erhalten, offenbar ist dieses Thema suspekt.
Die Bilder von Wilga53 hatte ich auch schon gesehen und mir insgesamt keinen Reim darauf machen können.
Aus meiner Sicht sollte man abwarten, bis es offizielle Bilder von der gelandeten "wirklichen Wostok(-1)" gibt.

Hier das Bild vom Schleudersitz Tereschkowas:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051101.jpg)
Auch auf dieses Bild haben wir lange warten müssen...

Gruß, HausD
(das wird mein einziger Beitrag dazu sein...)

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 16. April 2016, 12:34:26
Hallo,
zu den "Wostok"(-1) Landebildern der Kapsel habe ich auf Bitten von Wilga35 an einen russischen Fachmann gewandt, der in Frankreich arbeitet und sich mit der Geschichte der russischen Raumfahrt beschäftigt.
Auch nach mehrfachen Rückfragen habe ich dazu keine Antwort erhalten, offenbar ist dieses Thema suspekt.
Die Bilder von Wilga53 hatte ich auch schon gesehen und mir insgesamt keinen Reim darauf machen können.
Aus meiner Sicht sollte man abwarten, bis es offizielle Bilder von der gelandeten "wirklichen Wostok(-1)" gibt.
Bei zwei dieser Bilder ist die Quelle die Website von Nicolas Pillet, und zwar sind sie da unter Woschod-1 aufgeführt.

http://www.kosmonavtika.com/vaisseaux/voskhod/missions/voskhod1/photos/photos.html (http://www.kosmonavtika.com/vaisseaux/voskhod/missions/voskhod1/photos/photos.html)

Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 16. April 2016, 12:49:36
Nein! Die Frage ist, warum ist ein Schleudersitz in 1A-Zustand, der im freien Fall aus ca. 5Kilometer Höhe fällt.
Mielke hat immer geschrieben, dass sich Tereschkowa nicht katapultiert hat.

Meines Wissens nach arbeitete bei der Rückkehr ein Zeitschaltwerk, dass die einzelnen Schritte (Fallschirm auslösen, Luke absprengen, Sitz mit Kosmonaut katapultieren) zu vorgegebenen Zeiten abarbeitete. Hatte die Kosmonautin überhaupt die Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen, und das Katapultieren eventuell zu verhindern? Eine andere Möglichkeit wäre aber auch, dass das Zeitschaltwerk den Dienst versagt hat, und Tereschkowa deshalb in der Kapsel landen musste.

Gruß, Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 17. April 2016, 12:22:28
ja, ist mir auch so bekannt.
.... aber es bleibt die Frage, und nur die ... :
Warum ist der Schleudersitz i.O. nach der Landung?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Hape1238 am 17. April 2016, 19:43:32
Ich glaube nicht, dass das Foto von ihrer Landung ist. Es ist befremdlich, da sie da Bluse und Pullover trägt. Unzweifelhaft ist das eine Wostok die da gelandet ist, aber nicht Wostok 6.
Irgendwo habe ich gelesen, das W.Tereschkowa bei ihrer Fallschirmlandung stürzte und sie sich die Nase aufschlug, mit der sie an den Helm knallte. Sie mußte dann stark geschminkt zur Gratulationskur nach Moskau.
Das sieht auf dem Bild nicht danach aus...
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 17. April 2016, 19:58:06
Ich glaube nicht, dass das Foto von ihrer Landung ist. Es ist befremdlich, da sie da Bluse und Pullover trägt. Unzweifelhaft ist das eine Wostok die da gelandet ist, aber nicht Wostok 6.
Irgendwo habe ich gelesen, das W.Tereschkowa bei ihrer Fallschirmlandung stürzte und sie sich die Nase aufschlug, mit der sie an den Helm knallte. Sie mußte dann stark geschminkt zur Gratulationskur nach Moskau.
Das sieht auf dem Bild nicht danach aus...

Hallo,

Davon gehe ich auch stark aus das dies keine Aufnahme nach der Landung von Tereschkowa ist.
Es gab , gibt eine Website mit mehreren Fotos wie dieses oben.Auf der Seite wurde geschrieben das die Kleidung von Tereschkowa und auch der Raumanzug nicht zum Flug passen. Vom Raumanzug sieht man hier auf dem Bild weiter oben im Thread leider nur etwas vom Helm.
Auch die Kollegin an der Seite von Tereschkowa und die zahlreichen Zuschauer lassen eher auf ein Training oder eine Presseveranstaltung schliessen.

Was die Landung betrifft , um zu überleben musste Tereschkowa die vorgesehenen Manöver durchführen bzw die Technik.
Mann hatte ja nicht zum Spass diese Landeprozedur gewählt. Es war einfach so das die Wostokkapsel viel zu hart aufsetzte und man deshalb vorher die Kosmonauten per Schlitten herausholte und am Fallschirm landen lies. Oder liege ich da jetzt komplett falsch.

Gruss und schönen Restsonntag
Jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 17. April 2016, 21:07:26
Ich kann alle eure Argumente hinsichtlich der Belastung bei der Landung nachvollziehen. Sehe ich auch so. Zumal die Kapsel am Fallschirm nicht im Lot hängt sondern leicht schräg zur Sitzlage. Ich stimme Euch da voll zu.
Dennoch ist folgendes Fest zu halten.

1.) Die Aufnahmen von der Landung sind nach meiner Meinung von Wostok-6. Ich begründe das durch das Abbrandmuster an der Kugel, das bei jedem Flug anders ist. Man stelle bitte Vergleiche zu den Aufnahmen im Netz aus dem Energiamuseum an. Ist nicht einfach, sollte aber passen.

2.) Die Kleidung der Kosmonautin. Alle Bilder stammen aus einer Filmsequenz. Darin sieht man den Raumanzug. Dieser besteht aus einem hellblauen Wärmeschutzoverall mit aufgestickter Möve (Im Gegensatz zu Gagarins). Darüber kam ein Druckanzug ähnlich von Höhnen-Jagdfliegern - hellgrau. Darüber ein orange/mehr in rötliche  Overall, den wir alle von den Startfotos kennen. Ganz darunter trug Sie lange Unterwäsche (vermutlich). Die Dame ist auf den Aufnahmen ja schon etliche Zeit gelandet und die Bergungsmannschaft ist da. Also hat sie sich "umgezogen".

3.) Dann gibt es die vielen Zaungäste, die umher stehen. Hätte man die Aufnahmen gestellt, dann wären diese etwas besser gekleidet. In der Filmsequenz sieht man auch, wie sie ihren Proviant verschenkt, obwohl sie vor Hunger fast umfällt. In einer Sequenz trinkt sie gierig etwas, vermutlich gereichte Milch. Hintergrund: Ihr war auf Grund der Raumkrankheit den ganzen Flug schlecht und sie hat nichts gegessen aus Angst sich zu erbrechen. Das hat die Dame verschwiegen, wusste sie doch, wie es G.Titow ergangen ist. Der war ja auch Raumkrank und wurde für seinen ehrlichen Bericht darüber - sagen wir mal vorsichtig - nicht gerade gelobt. Sie wollte verschleiern, dass sie nichts gegessen hatte.
Ach ja: Presseveranstaltung wurde vermutet. Aber doch nicht in der Sowjetunion im Jahre 1963! Da war doch alles so geheim. Die äußeren Bilder der Wostock wurden ja auch erst 1965  veröffentlicht (Kugelform). Im Gegensatz zur Inneneinrichtung (1961). Woher kommen aber die vielen Menschen? Damals landetet die Wostok-Raumschiffe in besiedelten Gebieten. (Wolga etc.) So kam es, dass die Bevölkerung eher am Landeort war, als die Bergungsmannschaft. Hinzu kommt, das Woskok-5 und Wostok-6 das Landeziel verfehlten und so die Bergungsmannschaft nicht gleich vor Ort war. Grund waren Probleme mit der Auslösung der Bremssequenz über Funkkommando für zwei gleichzeitig im Orbit befindliche baugleiche Schiffe.

4.) Dann gibt es etwas weiter zurück vor hier von HausD ein Foto des Schleudersitzes von Tereschkowa im ENERGIA-Museum. Richtig. Ich war selber mit HausD zusammen dort . Da stand wirklich drauf, dass ist der Schleudersitz von Tereschkowa.
Aber ist es wirklich so? Neben der Wostok-1 Kapsel gleich neben der Wostok-6 lag auch der Deckel der Ausstiegsluke mit der Beschriftung Wostock-1. Und dieser hatte zwei (!) Bullaugen. Das war eindeutig ein Deckel von einem Fotoaufklärer ZENIT und somit war das Exponat falsch beschriftet. Was haben also die Exponatbeschriftungen für Wertigkeiten?

5.) Die vermeindliche Schramme im Gesicht? Die Geschichte kenne ich nicht als belegt. Woher stammt die Information? Klar hat sie massive Probleme während des Fluges gehabt. Angeblich soll ja auch eine Innenscheibe geplatzt sein, als sie die Kamera dagegen gehauen hat. Den vollständigen Flugbericht kennt vermutlich nur Koroljow, dem sie unter vier Augen berichtet hat. Es ist bei dem Flug eine ganze Menge schief gelaufen. Und das war bei weitem nicht ihre Schuld, jedenfalls nicht alles.

Es ist wirklich ein Abendfüllendes Thema, aber wir sprechen ja hier über Gagarin.

Fazit zu Wostok-6: Alles wissen wir immer noch nicht.  ... Und an der ganzen offiziellen Sache ist irgend etwas faul.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Axel_F am 17. April 2016, 21:26:37
Echt Spannend bei euch alten Hasen mitzulesen. Was ihr für ein Detailwissen habt. Und dann noch gemeinsam zusammengesetzt. Grandios! Lese gern mit. Weiter so! :)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 17. April 2016, 21:41:00
.......
Aus meiner Sicht sollte man abwarten, bis es offizielle Bilder von der gelandeten "wirklichen Wostok(-1)" gibt.


Aber diese Bilder gibt es:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051135.jpg)

Herauskopiert aus einem Film. Die Abbrandspuren sind wie an der Wostok-1 bei Energia. Die Kapsel liegt auf der Einstiegsluke. Das Fenster "Visier" zeigt daher schräg nach oben links.
Kurze Korrektur zu meinem Beitrag vorher. Die Kugelform konnte man schon bei mindestens einem Wostok-1-Bild 1961 erkennen. Aber das Raumschiff in seiner Gesamtheit wurde erst 1965 veröffentlicht - wie von mir geschrieben.
Ein weiteres Landefoto, wo man aber nur die Kugel sieht, wurde bereits im Mai 1961 im Kinderbuch "Juri- Der erste Kosmonaut" von Bekier veröffentllicht.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051136.jpg)

Das Buch ist übrigens eine Fundgrube an Geschichtsschreibung. Ich besitze in meinem Archiv 5 Auflagen/Varianten. Die erste vom Mai 1961 und die letzte aus der Mitte der 70er Jahre. Da wurde einiges zwischenzeitlich umgeschrieben.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 17. April 2016, 21:55:41
Noch einmal etwas zum Museum von ENERGIA:
Die Bilder von der Wostok-1, die auch hier gezeigt werden, stammen alle aus unterschiedlichen Jahren. Das Museum wird offensichtlich regelmäßig "umgeräumt".
Hier die Ausstellungssituation um ca. 2008, so wie HausD und ich sie erlebt haben.
Von links nach rechts: Wostok-6 (Bildrand), mutmaßlicher Tereschkowa-Schleudersitz, "falscher" Wostok-1-Deckel, Wostok-1-Landekapsel, Modell Schleudersitz und Puppe im Druckanzug ohne orangen Overall.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051134.jpg)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 18. April 2016, 11:33:56
Und da wir gerade so schön bei Wostok-Fotos sind: Auf einem Bild der Wostok-6-Kapsel sieht man links Walentina Tereschkowa nach der Landung.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051085.jpg)

Wer aber ist die Frau rechts von ihr? Eine von ihren damaligen Kosmonautenkolleginnen? Hat da jemand eine Ahnung?

Ich will auch mal eine Interpretation zu dem Schleudersitz Thema geben.

Wenn man beim Katapultieren eines (Wostok-Kosmonauten(in) mal eine grobe Aufteilung des Systems in:
- Kosmonaut in Raumanzug SK1
- Hilfsausrüstung/Fallschirmsystem direkt am Raumanzug Rücken PSPK-1
- Havarieausrüstung am Raumanzug am Seil NAZ
- Katapultsitz Hauptstruktur KP-V-3A
vornimmt, so kann das Bild durchaus „rund“ werden.

Auf dem Referenzbild mit Tereschkowa ist im Vordergrund der „Rest“ der Katapultsitz Hauptstruktur zu erkennen. Im Bereich, in dem die Unterschenkel des Kosmonauten im Flug liegen ist eine Öffnung, in der der Rest eines „Stoffsackes“ in dem Bild zu erkennen ist.
Dort befindet sich im Flug die Havarieausrüstung NAZ, die bei der Separation Kosmonaut vom Sitz mit rausgezogen wird und am Seil unter dem Kosmonauten hängt und als erstes Bodenkontakt hat.
Die Reste der Trennsteckanschlüsse in der Bodenwanne und Rechts der Raumanzug Hauptmedienanschlüsse sind auch erkennbar.
Also ist das quasi nur der Rest vom Katapultsitz. Der Kosmonaut hat sich getrennt.


Hier das Bild vom Schleudersitz Tereschkowas:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051101.jpg)
Auch auf dieses Bild haben wir lange warten müssen...

Gruß, HausD
(das wird mein einziger Beitrag dazu sein...)

Das Bild interpretiere ich als Rest der  Hilfsausrüstung/Fallschirmsystem direkt am Raumanzug Rücken PSPK-1. Die verbogene Struktur weist darauf hin, daß bei der Landung hier Energie aufgenommen wird. Evtl. ist das auch als Wirbelsäulenprotektor genutzt worden.

Die Gesamtintegration Kosmonaut/Raumanzug und PSPK-1 kann man auf dieser Seite gut erkennen.
Im unteren Teil der Seite sind 2 sw-Bilder. Auf dem rechten Bild sieht man das sehr gut. Das System stellt die Hauptverbindung Kosmonaut – Sitz her und beherbergt auch den Reservefallschirm.
http://www.maxuta.com/maxuta/collections/032_pn_space_collectibles/032022_vostok_cosmonaut_landing_system_pspk_1_parachute_backpack.htm (http://www.maxuta.com/maxuta/collections/032_pn_space_collectibles/032022_vostok_cosmonaut_landing_system_pspk_1_parachute_backpack.htm)

Zum Gesamtsystem Kosmonaut, Sitz, Hilfsausrüstung gibt es eine Teilschnittzeichnung mit den russischen Benennungen als Hintergrundbild von der Ausstellung in London.
Siehe Mitte der Seite:

http://www.bis-space.com/wsw/visit-the-cosmonauts/ (http://www.bis-space.com/wsw/visit-the-cosmonauts/)

Da ist auch zu erkennen, daß es insgesamt 3 Fallschirmsyteme gibt. Bems- Haupt und Reservefallschrim.
Brems/Stabilisierungsschirm an der Katapultsitz Hauptstruktur. Dieser ist fest verbunden und wird wohl nicht abgeworfen. Somit ist der Restsitz bis zum Auftreffen auf den Boden zumindest stabilisiert und etwas gebremst.
Wenn er mit der Unterseite aufschlägt, die Zylinderstruktur mit Bodenplatte hat, sollte diese stabil genug sein um nach dem Aufprall noch so ordentlich wie in dem Tereschkowa Bild auszusehen.

Am Kosmonauten ist der Hauptfallschirm befestigt und trägt diesen mit dem Zusatzgeraffel/Notsysteme zu Boden.

Auf die Schnelle habe ich hier noch ein paar Filmsequenzen gefunden, in denen der Ablauf der Separation Kosmonaut – Sitz und Landung mit NAZ am Strick unten zu sehen ist.
Bei 29 sec.bzw. 50 sec.

http://www.gettyimages.de/detail/video/soviet-scientists-and-astronaut-yuri-gagarin-stock-videomaterial/450027654 (http://www.gettyimages.de/detail/video/soviet-scientists-and-astronaut-yuri-gagarin-stock-videomaterial/450027654)

Die Frau im Tereschkowa Bild schätze ich als Tatjana Kusnezova ein.
Auf dieser Seite ist sie mit Tereschkowa aus einem anderen Blickwinkel zu sehen (im unteren Drittel der Seite)

http://toomth.livejournal.com/2622388.html (http://toomth.livejournal.com/2622388.html)
Weiter oben, im Damengruppenbild ist sie als 2. von Links mit Namen beschrieben.

dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 18. April 2016, 14:25:58
Eine sehr interessante Analyse von Dir.
An die Zeichnung aus London hatte ich gar nicht gedacht, obwohl ich sie detailliert im Archiv hatte.
Verstehe ich Dich richtig?:
Tereschkowa hat sich katapultiert.
Die Fallschirme sind alle geöffnet. Man sieht sie ja rumliegen.
Der Schleudersitz ist durch den Stabilisierungsfallschirm des Sitzes relativ "weich" gelandet und weist somit keine sichtbaren Zerstörungen auf. 
Ich war bislang davon ausgegangen, das nach Trennung Kosmonaut vom Sitz der Sitz ungebremst zur Erde stürzt.
Siehe auch Spielfilmsequenz in Gagarin-Wettlauf ins All (Landeszene). Aber Spielfilme sind ja kein Beleg.
Gagarins Schleudersitz schlug 1,5 Km entfernt vom Landepunkt auf (müsste noch mal genau nachlesen). Den kann man also an die Kapsel heran tragen/fahren. Armee ist ja bereits vor Ort, wie auf dem Foto ersichtlich.

Die Erklärung würde das Bild abrunden. Wie gesagt. Bedingung der Sitz ist nicht im freien Fall.
Wenn dem so ist, wäre das Rätsel ja fast gelöst. Danke!

Somit ist der zerdepperte Schleudersitz bei Energia nicht der von Tereschkowa.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 18. April 2016, 20:21:38
Hallo,

So langsam kommt wohl licht ins dunkel ;)

Nach dem Post von dksk reime ich mir nun folgendes zusammen.
Tereschkowa verlässt mit dem Schlitten die Kapsel.Die Kapsel landet separat am Fallschirm.Der Schlitten wird auch von einem Fallschirm weich nach unten befördert. Jetzt mein letzter Gedanke . Tereschkowa löst sich vom Schlitten und schwebt ebenfalls am Fallschirm.Dabei hat sie aber noch unter sich hängend das Überlebenspack welcher Wasser , Nahrung und einige Werkzeuge enthält und div Ausrüstung.Kurz vor ihrer Landung wird dieser Pack abgeworfen und fällt frei zur Erde.Damit kann die Fallgeschwindigkeit des Kosmonauten am Schirm nochmal verlangsamt werden.

Damit hätten wir dann Tereschkowa wohlbehalten am Fallschirm gelandet.
Die Kapsel heil am Schirm gelandet.
Den Schlitten heil am Schirm gelandet.
Und das Gestell des Überlebenspack , aus einigen Metern zur Erde gestürzt und etwas deformiert ....wie im Museum zu sehen.

Könnte es so sein?

Es muss sich doch im Netz dazu noch eine Grafik finden lassen
Ein Filmchen vom Titow Flug brachte mir keine Erkenntnisse.
Ausser was FDR schon schrieb das wirklich kurz nach der Landung zahlreiche Zuschauer vor Ort waren, teilweise mit Lkw.

Gruss jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Hape1238 am 18. April 2016, 21:33:08
Ich weiß nicht. Wenn ich mir W. Tereschkova anschaue, auf dem Bild oben, trägt sie keinen Overall. Sondern Hose, Bluse und Pullover. Aber O.k. Nehmen wir an, sie hat sich umgezogen.
Auf der Seite http://spacefacts.de/mission/german/vostok-6.htm (http://spacefacts.de/mission/german/vostok-6.htm) sieht man ganz Unten ein Bild, wo ihr gratuliert wird, dort trägt sie noch den bekannten orangefarbenen Overall mit Helm.
Dann muß das Bild Oben Stunden später entstanden sein. Das erklärt dann auch, das der Katapultsitz inzwischen heran gebracht wurde.
Rätsel gelöst...  :)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 19. April 2016, 08:03:55
Dass zahlreiche Zuschauer bei den gelandeten Kapseln waren, ist durch Fotos, sowohl bei Wostok-6, als auch bei Wostok-1 und Wostok-2 gut dokumentiert. Ich gehe davon aus, dass es bei den anderen drei Wostoks nicht anders war, mir sind davon aber keine Fotos bekannt.
Nur von Wostok-6 kenne ich aber Bilder, bei denen die Kosmonautin vor der gelandeten Kapsel sitzt. Offenbar hat sie sich von Anwohnern zur Kapsel fahren lassen und dort erstmal ihre unverbrauchte Verpflegung verschenkt, noch bevor die Rettungskräfte eingetroffen sind. Zeit zum Umziehen wird sie da auch noch gehabt haben.
Das Foto, wo sie Glückwünsche entgegennimmt, könnte dagegen entweder kurz vor dem Start gemacht worden sein, oder es ist eine gestellte Aufnahme, die nachträglich für die Presse angefertigt wurde.

Gruß, Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 19. April 2016, 09:44:53
Was mir gerade noch so einfällt: Die Behauptung, dass Tereschkowa in der Kapsel gelandet sei, stammt ja vom Ursprung her aus Heinz Mielkes Raumfahrtlexikon. Woher aber hatte Mielke diese Info? Aus den Fingern gesaugt? Oder hat ihm vielleicht schon damals jemand unter dem Mantel der Verschwiegenheit die von uns diskutierten Bilder gezeigt, und er hat beim Betrachten den naheliegenden, aber falschen Schluss gezogen, das Tereschkowa in der Kapsel gelandet sei. Wäre zumindest denkbar, dass die Info auf diesem Wege zustande gekommen sein könnte.

Gruß,  Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 19. April 2016, 10:09:42
Mielke war immer gut informiert. Am 13.4.61 (!!!) stand bereits in der Jungen Welt die Geschichte mit der Fallschirmlandung. Was ja eigentlich bis in die 90er Jahre ein Staatsgeheimnis war. Der Artikel war von Mielke.
Mielke hatte Kontakte schon vor dem Gagarinstart.
http://freunde-der-raumfahrt.de/page3.php (http://freunde-der-raumfahrt.de/page3.php)

Noch mal was zu dem Bild des "verbogenen Metallhaufens" bei Energia. Da befindet sich aber Teile des Sitzes. Das sind Reste vom Komplettsitz.  Der (Rest-)Sitz ist einfach nicht der richtige dort. Das ist die einfachste Erklärung, da man es mit der Beschriftung der Exponate offensichtlich nicht so genau genommen hatte. Siehe die Geschichte mit dem Lukendeckel. Das Museum von Energia ist ja nicht öffentlich. Bei Gagarin soll der Sitz ungebremst aufgeschlagen sein. Vielleicht gab es bei Tereschkowa eine technische Abänderung. Die Wostock-Kapseln sahen ja auch nicht alle 1:1 aus. Vergleich Wostok 5 und Wostok 1.
Die Aufsetzpunkte Gagarin-Wostok-Kapsel-Schleudersitz bilden ein Dreieck. Ich hatte das mal auf eine Karte für einen Vortrag übertragen. Kantenlänge zwischen 800 und 1500 Metern - wenn ich mich recht erinnere.  Die Teile nach der Landung zusammen zu tragen, wäre kein Problem gewesen.

 

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 19. April 2016, 10:18:59
Ich weiß nicht. Wenn ich mir W. Tereschkova anschaue, auf dem Bild oben, trägt sie keinen Overall. Sondern Hose, Bluse und Pullover. Aber O.k. Nehmen wir an, sie hat sich umgezogen.
Auf der Seite http://spacefacts.de/mission/german/vostok-6.htm (http://spacefacts.de/mission/german/vostok-6.htm) sieht man ganz Unten ein Bild, wo ihr gratuliert wird, dort trägt sie noch den bekannten orangefarbenen Overall mit Helm.
Dann muß das Bild Oben Stunden später entstanden sein. Das erklärt dann auch, das der Katapultsitz inzwischen heran gebracht wurde.
Rätsel gelöst...  :)

Ich bezweifele, dass das Bild mit den Blumen von der Landung stammt. Das ist vom Start. Mann sieht das Mikrofon vom Tonbandgerät, was Leonow hät. Siehe einige Bilder weiter höher mit anderem Blickwinkel. Bei Tereschkowa gab es schon am Start einen entsprechenden "Medienrummel". Und Blumen sind in Russland nun mal üblich bei allen möglichen Anlässen. Und für ein Medienfoto macht sich das gut. (Jetzt bitte nicht fragen, ob sie die Blumen mit an Bord genommen hat ....  ;)  )
Die Dame sieht außer dem noch zu frisch aus - nicht nach den Strapazen des Fluges.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 19. April 2016, 16:04:59
Zu Wostok 6:

https://www.youtube.com/watch?v=Y2k9s-NbNaA (https://www.youtube.com/watch?v=Y2k9s-NbNaA)

Gruß Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 19. April 2016, 16:14:49
Zu Wostok 1:

https://www.youtube.com/watch?v=7TGs-GvK3pE (https://www.youtube.com/watch?v=7TGs-GvK3pE)

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: max-q am 19. April 2016, 21:48:08
Vorab - ich finde die Diskussion zum Flug von W. Tereschkowa ungemein interessant und viele Details waren mir bisher ebenfalls entgangen. Neues kann ich nicht beitragen. Aber interessant sind die Beschreibungen zum Wostok 5/6 Doppelflug hier https://www.rt.com/news/tereshkova-first-space-timeline-726/ (https://www.rt.com/news/tereshkova-first-space-timeline-726/), insbesondere auch zu den Umständen der Landung. Ich weiß nicht, was die Quellen dazu sind, habe es aber auch auf russischen Webseiten genauso geschildert gefunden. Recht interessant finde ich diese beiden Fotos (nur Link wg. möglichen Rechteproblemen):
http://www.alamy.com/stock-photo-soviet-space-pilot-valentina-tereshkova-in-the-first-minutes-after-23242919.html (http://www.alamy.com/stock-photo-soviet-space-pilot-valentina-tereshkova-in-the-first-minutes-after-23242919.html) - eine sichtlich erschöpfte Tereschkowa (ich nehme mal an, wirklich nach der Landung aufgenommen und nicht bei dem in dem rt.com Artikel beschriebenen "Fototermin" am nächsten Tag)
sowie
http://www.alamy.com/stock-photo-valentina-tereshkova-soon-after-her-vostok-6-spacecraft-soft-landed-23242886.html (http://www.alamy.com/stock-photo-valentina-tereshkova-soon-after-her-vostok-6-spacecraft-soft-landed-23242886.html) - Tereschkowa mit Schrammen im Gesicht (und einem Pflaster auf der Nase?)
Was mich ein wenig irritiert, ist die Zeitung auf beiden Fotos. Das wirkt schon sehr arrangiert. Mindestens zu Dokumentationszwecken in Szene gesetzt. Weiß jemand die Ortszeit der Landung mit den Bildern in Übereinstimmung zu bringen? Die Landung war 620 km no von Karaganda. Zeitzone heute ist UTC+6. Demnach wäre es dort etwa früher Nachmittag gewesen. Bis die Bergungsoperationen in Gang kamen, war es (siehe rt.com) offenbar Abend, Moskau erst nachts vollkommen im Bilde. Dennoch könnte es wohl für die Filmaufnahmen noch gereicht haben. Oder was meinen unsere "Spezies"?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Hape1238 am 20. April 2016, 11:12:17
Also der Titel des Alamy Fotos kann nicht stimmen. Das kann nicht unmittelbar nach der Landung sein.
Allerdings wird bestätigt, das W. Tereschkova sich bei der Landung im Gesicht verletzte. Und das es noch mal einen extra Fototermin gab. Ein Tag später.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: max-q am 20. April 2016, 18:42:36
Also der Titel des Alamy Fotos kann nicht stimmen. Das kann nicht unmittelbar nach der Landung sein.
Allerdings wird bestätigt, das W. Tereschkova sich bei der Landung im Gesicht verletzte. Und das es noch mal einen extra Fototermin gab. Ein Tag später.
Wieso kann das nicht sein - siehe Diskussion weiter oben? Ich habe auch noch erhebliche Zweifel. Aber dass man W. Tereschkowa für den Fototermin am nächsten Tag nicht zurechtgemacht haben sollte, kann ich mir auch nicht vorstellen. In dem von mir verlinkten Text ist ja auch die Rede davon, dass sie in Moskau stark geschminkt präsentiert wurde.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Hape1238 am 20. April 2016, 21:15:23
Na weil man den Raumanzug nicht innerhalb von Minuten ausziehen kann. Und Irgendwer muß auch mit Klamotten dagewesen sein. Denn Flatterhose, Bluse und Pullover wird sie nun nicht dabei gehabt haben.
Also ist das Bild frühestens Stunden nach der Landung gemacht worden, der Katapultsitz ist ja auch schon da.
Ist meine Meinung.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 20. April 2016, 21:19:46
...
Allerdings wird bestätigt, das W. Tereschkova sich bei der Landung im Gesicht verletzte. Und das es noch mal einen extra Fototermin gab. Ein Tag später. ....

Ja wo wer was hat "bestätigt" ?
Das ist doch immer die Frage.
Um auf Gagarin zurück zu kommen: Da wird so viel "bestätigt" , sogar, dass er gar nicht geflogen ist, und das wiederholt sich dann im Netz. Das Gerücht beruft sich auf sich selbst.
Ich bin da immer sehr vorsichtig, wenn ich nicht die verbindlichen Quellen kenne. Und auch heute noch gibt es ein absolutes Caos in den Filmsequenzen zwischen real und nachgedreht.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 20. April 2016, 21:22:11
Na weil man den Raumanzug nicht innerhalb von Minuten ausziehen kann. Und Irgendwer muß auch mit Klamotten dagewesen sein. Denn Flatterhose, Bluse und Pullover wird sie nun nicht dabei gehabt haben.
Also ist das Bild frühestens Stunden nach der Landung gemacht worden, der Katapultsitz ist ja auch schon da.
Ist meine Meinung.

Da die Bergungstruppe da ist, ist die Frage doch beantwortet. Der Druckanzug ist gummiert. Da wäre ich auch sehr gerne schnell raus gewollt. Der SK-2 hatte im Gegensatz zum SK-1 einen Klimakoffer, aber der war für den Einstieg.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: max-q am 20. April 2016, 21:38:12
Na weil man den Raumanzug nicht innerhalb von Minuten ausziehen kann. Und Irgendwer muß auch mit Klamotten dagewesen sein. Denn Flatterhose, Bluse und Pullover wird sie nun nicht dabei gehabt haben.
Also ist das Bild frühestens Stunden nach der Landung gemacht worden, der Katapultsitz ist ja auch schon da.
Ist meine Meinung.
Natürlich ist das Fotoserie nicht unmittelbar nach der Landung entstanden. Die Ausrüstungsgegenstände wurden von Helfern zusammengetragen, sei es von der Dorfbevölkerung (deren Hilfe W.T. erwähnt) oder den mittlerweile eingetroffenen Bergungsmannschaften. Bei rt.com liest sich das so "After deployment of the parachute, I saw the spacecraft underneath. The spacecraft and the seat landed near me. We have to come up with a way to control the parachute canopy, because I landed on my back. Some people ran up to me and tried to help. The spacecraft was 400 meters away. A jet came in an hour, two parachutists descended. In three hours, I was on the phone with Khrushchev, reporting the successful completion of the flight." Also ist sie nur 400 m von der Wostok Kapsel gelandet. Zwei Stunden später waren die ersten Mitglieder des Bergungsteams vor Ort. Drei Stunden nach der Landung konnte Sie per Telefon (oder Funk) von ihrer sicheren Landung nach Moskau berichten. Etwa zu diesem Zeitpunkt, könnte ich mir vorstellen, sind evtl. die Fotos entstanden. Und das bestimmt nicht von der Dorfbevölkerung, sondern von einem professionellen Kamarateam. Da es Fotos/Filmaufnahmen von der Szenerie gibt, auf denen zu sehen ist, wie W.T. ihre Tubennahrung verteilt, denke ich trotz aller Zweifel immer noch, dass diese Bilder noch am Tag der Landung entstanden sind und nicht beim Fototermin am nächsten Tag. Andererseits, was haben die Bilder am nächsten Tag anders gezeigt, also in ein besseres Licht gerückt?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 20. April 2016, 21:58:57
Ich stimme dem zu ....
Ich bin mir übrigens nicht sicher... müsste noch mal nachlesen, aber ich denke, Tereschkowa hatte am nächsten Tag auch bei Koroljow zum Rapport anzutreten. Wo stand das blos? In RaumfahrtConcret oder in der Flieger Revue?
 
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: max-q am 20. April 2016, 22:18:47
@F-D-R
Ich meine Flieger-Revue, müsste aber auch erstmal in mein Papier-Archiv schauen.

Viele Details (auch die Angaben aus dem rt.com Artikel) finden sich ebenfalls hier http://www.russianspaceweb.com/vostok5_6_origin.html (http://www.russianspaceweb.com/vostok5_6_origin.html) speziell im letzten Kapitel http://www.russianspaceweb.com/vostok6_aftermath.html (http://www.russianspaceweb.com/vostok6_aftermath.html) ist auch der Rapport bei Koroljow erwähnt, wobei der Zeitpunkt für mich nicht ganz klar wird. Interessant ist, dass A. Zak die diskutierten Fotos von der Landung als Bilder vom Training auf der Krim beschreibt...
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 20. April 2016, 22:32:57
...
Allerdings wird bestätigt, das W. Tereschkova sich bei der Landung im Gesicht verletzte. ....

Ich habe mir das entsprechende Video noch einmal angesehen.
https://www.youtube.com/watch?v=Y2k9s-NbNaA#t=1256 (https://www.youtube.com/watch?v=Y2k9s-NbNaA#t=1256)
Davon gibt es übrigens auch "bessere" Versionen in der Qualität.
Kurz: Ab ca. 20:28 mal genau hinschauen. Rechte obere Wange hinter dem rechten Auge. Das ist schon eine ordenliche Schramme. Und in den Fotos wird so etwas "nachgearbeitet". Darin waren die Russen immer sehr gut. Blos das original Filmmaterial konnte man nicht retuschieren.
Hier sieht man das auch etwas deutlicher:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051415.jpg)

Also Problem auch hier gelöst - denke ich.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 20. April 2016, 22:51:44
@F-D-R
Ich meine Flieger-Revue, müsste aber auch erstmal in mein Papier-Archiv schauen.

Viele Details (auch die Angaben aus dem rt.com Artikel) finden sich ebenfalls hier http://www.russianspaceweb.com/vostok5_6_origin.html (http://www.russianspaceweb.com/vostok5_6_origin.html) speziell im letzten Kapitel http://www.russianspaceweb.com/vostok6_aftermath.html (http://www.russianspaceweb.com/vostok6_aftermath.html) ist auch der Rapport bei Koroljow erwähnt, wobei der Zeitpunkt für mich nicht ganz klar wird. Interessant ist, dass A. Zak die diskutierten Fotos von der Landung als Bilder vom Training auf der Krim beschreibt...

FR könnte sein. Aber in RC Heft 77/2/2013 stand auch was. Hatte ja schließlich die Einleitung mit verfaßt.
http://freunde-der-raumfahrt.de/page1.php (http://freunde-der-raumfahrt.de/page1.php)
Leider habe ich mein RC und FR Archiv gerade ausgelagert und es somit nicht griffbereit. 
Da sammelt man Jahre sooo viel Papier an, und wenn man's braucht, ist es nicht da.  :(

Noch mal: Die Bilder sind von der Landung, da die Wostok im Bild die genauen Abbrandspuren der Wostok-6 aufweist.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 22. April 2016, 10:07:04
Weiß jemand die Ortszeit der Landung mit den Bildern in Übereinstimmung zu bringen? Die Landung war 620 km no von Karaganda. Zeitzone heute ist UTC+6. Demnach wäre es dort etwa früher Nachmittag gewesen. Bis die Bergungsoperationen in Gang kamen, war es (siehe rt.com) offenbar Abend, Moskau erst nachts vollkommen im Bilde. Dennoch könnte es wohl für die Filmaufnahmen noch gereicht haben. Oder was meinen unsere "Spezies"?

Habe anhand der Landekoordinaten (laut Wikipedia 53 Grad 16 Minuten Nord, 80 Grad 28 Minuten Ost) auf der Karte mal nachgesehen, wo Wostok-6 tatsächlich gelandet ist. Die Angabe 620 km nordöstlich von Karaganda stimmt zwar, viel näher lag aber z.B. Nowosibirsk mit ca. 250 km. Der Landeort lag auch nicht in Kasachstan wie immer behauptet, sondern das Territorium gehörte bereits zur russischen Teilrepublik der damaligen UdSSR. Damit war Wostok-6 neben Sojus-18-1 (Notlandung im Altai-Gebirge) das einzige bemannte Raumschiff der Sowjets, das östlich von Kasachstan gelandet ist. Die Entfernung des Landeortes zur am gleichen Tag auf fast der gleichen geografischen Breite, aber wesentlich weiter westlich gelandeten Kapsel Wostok-5 lag bei rund 800 km.
Bis die Rettungskräfte Wostok-6 endlich erreicht hatten, dürften also Stunden vergangen sein. Allerdings war es Mitte Juni, somit blieb es bis in die Abendstunden hell, was das Auffinden und die anschließende Bergung sicher erleichtert hat. Auch für Filmaufnahmen wird es noch hell genug gewesen sein.

Gruß, Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 22. April 2016, 16:26:20
Zu den „Sitz“- Exponaten im Energija Museum noch ein paar Bemerkungen:
Im Übersichtsbild aus dem Energija Museum kann man gut erkennen, dass es sich bei dem als Tereschkowa Katapultsitz beschriebenem Exponat auf den ersten Blick um ein Teilstück eines Katapultsitzes handelt auf noch Teile draufliegen.
Da rechts im Bild ein Komplettsitz und links im Bild der Tereschkowa „Rest“ gleichzeitig zu sehen sind, habe ich mal eine Vergleichslänge angetragen.

Demnach müßte es sich um den flachen oberen Abschnitt eines Schleudersitzes handeln.
Von der Breite her kann man auch erkennen, dass die NAZ-Ausrüstung (das Paket hinter den Sitzresten auf dem Ständer) von der Proportion her gut in den Bereich unter den Unterschenkeln des Kosmonauten rein paßt. Das entsprechende Breitenmaß habe ich ebenfalls am Gesamtsitz gekennzeichnet.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051413.jpg)
Bildquelle:http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051134.jpg
--- --- --- --- 
Beim genaueren Betrachten der „Sitzreste“ ergeben sich dann aber viele Fragezeichen.
Um weitere Details zu erkennen, habe ich nach weiteren Bildern gesucht und von 2 Leuten im Web nach mail-Anfrage auch die freundliche Genehmigung zur Nutzung ihrer Bilder für diesen Beitrag erhalten.
Dabei handelt es sich um raumfahrtinteressierte Spezis, die mich jeweils gebeten haben ihre Website/Blog hier lobend zu erwähnen.

Das erste Bild ist von Martin Trolle Mikkelsen aus Dänemark

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051414.jpg)
Bildquelle:Martin Trolle Mikkelsen Denmark

Er hat auf seiner Flickr Seite noch viele interessante Fotos.
https://www.flickr.com/photos/martintrolle/ (https://www.flickr.com/photos/martintrolle/)

Das zweite Bild stammt von Dallas Kasaboski aus Kanada.
(http://2.bp.blogspot.com/-9qTtW3Z8uK0/Ux-AW5-s5DI/AAAAAAAACq4/OUAAMCnjAZU/s1600/2014-03-03+11.24.37.jpg)
Bildquelle:Dallas Kasaboski Canada

Auch er hat eine sehr informative Bildersammlung auf seiner Webseite.
http://dallaskasaboski.blogspot.de/2014/03/moscow-trip-day-3-energia.html (http://dallaskasaboski.blogspot.de/2014/03/moscow-trip-day-3-energia.html)

Auf den beiden neuen Bildern sind jeweils noch ein paar weitere Details besser zu erkennen.
Sie zeigen aber auch beim gegenseitigen Vergleich auf, dass an den Sitzresten im Museum öfter mal jemand ein Teil verändert (hochhebt, wieder hinlegt oder umräumt).
Als Artefakt zur Analyse eignet sich das Exponat daher nur begrenzt.

dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 22. April 2016, 16:27:45
Hier mal alle 3 Aufnahmen der „Sitzreste“ im Vergleich dargestellt, um auch die Veränderungen zu erkennen.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051408.jpg)

Wenn auch von eingeschränkter Aussagekraft, habe ich einige Details mal versucht zuzuweisen. Insgesamt ist ein ziemliches Durcheinander und es scheint ein sehr starkes Schadensereignis vorgelegen zu haben. Einfach FUBAR…
Was mich grundsätzlich verwundert, ist der Gegensatz zwischen nahezu unversehrter Oberkante mit den Fallschirmführungsröhren an der Oberfläche und dem kompletten Fehlen des unteren Bereiches des Sitzes.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051409.jpg)

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051410.jpg)

Der ausgestellte Restsitz besteht hauptsächlich aus dem oberen Teil des Katapultsitzes und Teilen des Rückenträgers des Fallschrimsystems.
Um auf die Proportionen und Originallagen mal zu referenzieren hier noch mal eine zugehörige Übersichtsskizze.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051411.jpg)

Die Aufkleber für die Fallschirm- und Gurtbefestigung sind auch teilweise gut zu erkennen. Daher ist hier zumindest eine räumliche Zuweisung möglich.

 (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051412.jpg)

Ich denke mit den Darstellungen läßt sich zumindest ein besseres Verständnis für das Katapultsitz-Fallschirmsystem erzielen.

dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 22. April 2016, 18:38:46
@dksk: Da hast Du Dir aber ganz schön Arbeit gemacht. Alle Achtung. Sehr viele Details.
Also zusammen gefaßt: Es ist ein zerdepperter Wostok-Sitz, wo der untere Fußteil fehlt. Aber eben ein Wostok-Sitz. Dieser sieht nicht so aus, da deformiert, wie der auf dem Tereschkowa-Landebild.

Wenn man jetzt noch herausfinden würde, dass für den SK-1-Anzug (Männer) der Sitz frei aufgeschlagen ist und für den SK-2-Anzug (Tereschkowa) er durch Schirm vor dem Aufschlagen gebremst wurde - na das wär's doch.  :D
 
Anmerkung: der Zerdepperte Sitz muss nicht zwingend von einem Wostok-Flug stammen. er könnte auch von einem Test mit der IL-28LL vom ZAGI (?) sein. Aber das ist jetzt reine Spekulation.
Wie gesagt, ich traue der Exponat-Beschriftung bei Energia nicht über den Weg.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: McPhönix am 22. April 2016, 20:50:00
Donnerwetter ja , da muß man staunen und den Fleiß loben !  :)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 23. April 2016, 11:10:12
Der Flug von Wostok 1 wird mit 108 Minuten angegeben. Was ist 108 Minuten geflogen, die Kapsel oder Gagarin? Und wie wurde das gemessen?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 23. April 2016, 13:19:51
Hallo,

Ich möchte nochmal schnell einen schwenk zum Gagarin Flug machen.

Bezugnehmend zu dem Post von FDR und dem Geheimnis um die Fallschirmlandung der Kosmonauten , separat zur Kapsel.
Also ich kenne es schon aus Kindheitstagen so , dass die Kosmonauten der Wostok Missionen sich aus der Kapsel katapultierten und am Fallschirm gelandet sind.
Also meine Bücher herausgesucht und nach dem Ursprung meines Wissens gesucht.
Es ist genau das von FDR schon angesprochene DDR Kinderbuch von Erwin Bekier "Juri , Der Erste Kosmonaut " .Darin findet man zunächst 99 Seiten ,über das Leben und den Flug des ersten Kosmonauten.Anschliessend Seiten mit Bildern.
Dabei ein Bild was die gelandete Wostokkapsel auf einem Feld zeigt , es ist das Foto was FDR auch schon als Landefoto der Wostok 1 gezeigt hat. Darunter findet man folgenden Satz. Ich zittiere mal:
"So sah der Flugkörper aus, den Juri Gagarin kurz vor der Landung vermittels seines Katapultschleudersitzes verlassen hatte, um nicht weit entfernt davon an einem Fallschirm niederzuschweben" .....so Orginal aus dem beschriebenen Buch.
Ich besitze die 5. Auflage und meine sie so im Alter von etwa 10 -12 Jahren geschenkt bekommen zu haben.
Damit müsste die Landeprozedur der Wostok Kosmonauten also 1976 - 1978 zumindest in der DDR bekannt gewesen sein.
Also ich kenne Sie schon immer so.

Gruss jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Spike77 am 23. April 2016, 13:39:55
Darf ich mal fragen ob es in Bezug auf die Landung im Vergleich zu Woschod große Unterschiede gibt?

Um genau zu sein würde ich gerne wissen ob die Besatzung der Woschod-Raumschiffe mit der Kapsel selbst auf der Erdoberfläche aufkommen? Also ob sie eben nicht die hier skizzierten Katapultschleudersitze zum Benutzen der Kapsel verwendet haben, wie es bei Wostok offensichtlich der Fall war.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 23. April 2016, 13:44:51
Darf ich mal fragen ob es in Bezug auf die Landung im Vergleich zu Woschod große Unterschiede gibt? ...
In den beiden Woschods gab es keine Katapultsitze, und die Besatzungen erreichten in den Kapseln den Erdboden.

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: proton01 am 23. April 2016, 13:55:27
Hallo,

Ich möchte nochmal schnell einen schwenk zum Gagarin Flug machen.

Bezugnehmend zu dem Post von FDR und dem Geheimnis um die Fallschirmlandung der Kosmonauten , separat zur Kapsel.
Also ich kenne es schon aus Kindheitstagen so , dass die Kosmonauten der Wostok Missionen sich aus der Kapsel katapultierten und am Fallschirm gelandet sind.
Damit müsste die Landeprozedur der Wostok Kosmonauten also 1976 - 1978 zumindest in der DDR bekannt gewesen sein.
Also ich kenne Sie schon immer so.

Gruss jok
Eigentlich ist alles klar, Juri ist am Fallschirm gelandet. Das Problem damals war, daß die Vorschriften zur Anerkennung des Weltrekorde durchspielen FAI sagten, der Pilot müsse in seinem Fluggerät starten und landen. Das war ja nicht der Fall. Also haben die russischen Behörden das Landeverfahren vernebelt, Juri hat nach de Flug nur allgemein erklärt daß man in der Kapsel oder separat am Fallschirm landen kann. Erst später, als der Rekord unumstritten war wurde die Wahrheit zugegeben.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jakda am 23. April 2016, 14:11:50
Ich muss jok hier beipflichten, ich kenne Gagarins Landung nicht anders.
In der DDR gab es einen Modellbaukasten der Wastok (ja - ich weiß, eigentlich gab es in der DDR gar nichts, außer Weißkraut...):

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051407.jpg)

Das Modell hab ich noch auf dem Boden, man konnte den Katapultsitz samt Kosmonauten aus der Kapsel herausnehmen.
Auf der Verpackung sind auch Bilder der Landung.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jakda am 23. April 2016, 14:19:21
Eigentlich ist alles klar, Juri ist am Fallschirm gelandet. Das Problem damals war, daß die Vorschriften zur Anerkennung des Weltrekorde durchspielen FAI sagten, der Pilot müsse in seinem Fluggerät starten und landen. Das war ja nicht der Fall.

Diese "Argument" wir immer wieder, auch heute noch, von Hardlinern herangezogen, um Gagarins Flug als nicht existent zu erklären.
Aber: Es war der erste Flug eines Menschen in den Weltraum mit Umkreisung der Erde. Eine Anerkennung als Weltrekord durch die FAI hat eigentlich keinen interessiert,
weil es nichts an den Tatsachen ändert.
Übrigens - das Hardliner-Gegenargument ist: Die Amerikaner sind nicht gelandet.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 23. April 2016, 14:29:58
Ich muss jok hier beipflichten, ich kenne Gagarins Landung nicht anders.
In der DDR gab es einen Modellbaukasten der Wastok (ja - ich weiß, eigentlich gab es in der DDR gar nichts, außer Weißkraut...):

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051407.jpg)

Das Modell hab ich noch auf dem Boden, man konnte den Katapultsitz samt Kosmonauten aus der Kapsel herausnehmen.
Auf der Verpackung sind auch Bilder der Landung.

Hallo,

Ja den Bausatz kenne ich auch noch , das war von der Firma Plasticart wenn ich es noch recht kenne.
Übrigens wurden die Formen zur Herstellung der Spritzteile gerettet. Die Firma Reifra vertreibt das Modell jetzt wieder , aus dem schönen Erzgebirge.
https://www.reifra.de/online-shop/spielwaren-aus-eigener-herstellung/modellbau/bausaetze-fuer-flugzeugmodelle/81/raumschiffmodell-wostok-1 (https://www.reifra.de/online-shop/spielwaren-aus-eigener-herstellung/modellbau/bausaetze-fuer-flugzeugmodelle/81/raumschiffmodell-wostok-1)

Also wer beim vielen lesen lust auf das Modell bekommen hat , es ist für kleines Geld wieder zu haben.


Zum Thema Anerkennung des Gagarin Fluges durch die FAI. Das dürfte der damaligen Sowjetunion so etwas von Bratwurst gewesen sein .Man hatte einen Kosmonauten mit einem Tonnenschweren Raumschiff auf Orbitalgeschwindigkeit gebracht und sicher gelandet.
Und das zu einem Zeitpunkt wo die USA mit Redstone und Mercury nicht mehr als einen ballistischen Hüpfer schaffte.
Kurz die Sowjetunion konnte mit ihrem Träger rund um die Welt auch militärische Nutzlast abliefern. Etwas was den USA Militärs große Sorgenfalten auf die Stirn malte.
Wem bitte interessierte da ein Stempel auf einer FAI Urkunde....


Gruss jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 23. April 2016, 14:38:43
Auszug aus der Fuldaer Zeitung vom Dienstag, den 25. April 1961
„… Gagarin hatte in seiner Raumkapsel drei Bullaugen aus hitzebeständigem Glas, durch die er die Erde und den Kosmos betrachten konnte. Die Raumkapsel war außerdem mit zwei Notausstiegen versehen. … In dem „Iswestja“-Bericht wurden keine Angaben darüber gemacht, wie Gagarin gelandet ist. Die Zeitung veröffentlichte ein Foto von der Innenausstattung der Raumkapsel, welches augenscheinlich von dem Standpunkt Gagarins während des Raumfluges gemacht wurde. … Gagarin saß in seinem Schleudersitz, von dem aus er auch seine Flugfunktionen ausführte. Es war ihm möglich, sich im Notfall mit dem Sitz aus dem Raumschiff herausschleudern zu lassen. …“

Auszug aus der Fuldaer Zeitung vom Montag, dem 17. April 1961
„ … Gagarin berichtete, daß sich keine Fotoapparaturen an Bord gefunden hatten. Er habe die Welt durch einen „Sehschlitz“ beobachtet. Über die Technik der Landung erteilte er keine Auskunft. Er sagte lediglich, es gebe verschiedene Varianten der Landetechnik, darunter auch eine mit Fallschirmen, und fügt ausweichend hinzu: „In der Sowjetunion wird es so gemacht: Der Pilot steigt in die Kabine und landet später auf der Erde.“…“

Auszug aus der Fuldaer Zeitung vom Donnerstag, dem 13. April 1961
„ … Die sowjetische Regierungszeitung „Iswestija“ veröffentlichte am Mittwochabend den ersten Bericht der Landung Gagarins.
Nach seiner Landung erzählte Gagarin: „Der Himmel war sehr, sehr dunkel, aber die Erde war bläulich. Es war alles deutlich zu erkennen.“ Als Hubschrauber sich dem Landeplatz Gagarins näherten, war der Weltraumflieger bereits seiner Kabine entstiegen und ging lächelnd auf die Besatzungen der Hubschrauber zu. Er trug einen hellblauen Raumanzug und einen Helm. Wie verlautet, war die Kombination nicht aus steifem Material, sondern leicht und flexibel. …“

So ganz ähnlich stand das wohl in jeder Tageszeitung in Westdeutschland im April 1961.

Bei den Bild mit dem Bausatz ist sieht man die Wostok-Kapsel zusammen mit der letzten Stufe des Trägersystems. Das haben die Sowjets auch erst später korrigiert. Aus welchen Jahr ist denn der Bausatz?

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 23. April 2016, 15:10:18
Antwort auf #62
Auszug aus dem Buch von Werner Büdeler „Monde von Menschenhand“ Union Verlag Stuttgart 1962:
Seite 205
„ … Der Pilot selbst befand sich in einer Kabine, die ähnlich ausgerüstet war wie die Kabine eines Flugzeuges. Er trug einen Raumanzug und saß in einem Schleudersitz. Mit diesem wurde er bei der Landung in etwa sieben Kilometer Höhe aus der Kabine herauskatapultiert und kam unabhängig von der Raumkapsel gleich dieser am Fallschirm zu Boden. …“ „… Auch Titow kam wie Gagarin am Fallschirm zur Erdoberfläche zurück.“…“

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 23. April 2016, 15:11:06
Eigentlich ist alles klar, Juri ist am Fallschirm gelandet. Das Problem damals war, daß die Vorschriften zur Anerkennung des Weltrekorde durchspielen FAI sagten, der Pilot müsse in seinem Fluggerät starten und landen. Das war ja nicht der Fall.

Diese "Argument" wir immer wieder, auch heute noch, von Hardlinern herangezogen, um Gagarins Flug als nicht existent zu erklären.
Aber: Es war der erste Flug eines Menschen in den Weltraum mit Umkreisung der Erde. Eine Anerkennung als Weltrekord durch die FAI hat eigentlich keinen interessiert,
weil es nichts an den Tatsachen ändert.
Übrigens - das Hardliner-Gegenargument ist: Die Amerikaner sind nicht gelandet.

Das Argument mit der FAI wird ja immer wieder gern herangezogen, wenn es um die Geheimniskrämerei des Wostok-Landeverfahrens geht. Aber steht es denn auch tatsächlich in den FAI-Bestimmungen so drin, dass zur Anerkennung als Weltrekord die Landung in der Raumkapsel erfolgen muss? Ich persönlich bin mir da garnicht so sicher. Vielleicht war den Sowjets ja auch nur peinlich, dass sie ein in ihren Augen primitives Landeverfahren verwendeten, weil die Landung in der Kapsel zu gefährlich war.
Aber unabhängig vom Landeverfahren: Es war in jedem Fall ein Weltraumflug, was ja dann weltweit auch zu recht gewürdigt wurde. Das Landeverfahren war da eigentlich nebensächlich.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Hape1238 am 23. April 2016, 19:04:05
Sehe ich auch so.
Wenn ich nichts übersehen habe, steht auch nix darüber in der Urkunde der FAI.
http://www.fai.org/downloads/icare/records_file_gagarin (http://www.fai.org/downloads/icare/records_file_gagarin)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: proton01 am 23. April 2016, 19:19:50
Eigentlich ist alles klar, Juri ist am Fallschirm gelandet. Das Problem damals war, daß die Vorschriften zur Anerkennung des Weltrekorde durchspielen FAI sagten, der Pilot müsse in seinem Fluggerät starten und landen. Das war ja nicht der Fall.

Diese "Argument" wir immer wieder, auch heute noch, von Hardlinern herangezogen, um Gagarins Flug als nicht existent zu erklären.
Aber: Es war der erste Flug eines Menschen in den Weltraum mit Umkreisung der Erde. Eine Anerkennung als Weltrekord durch die FAI hat eigentlich keinen interessiert,
weil es nichts an den Tatsachen ändert.
Übrigens - das Hardliner-Gegenargument ist: Die Amerikaner sind nicht gelandet.

Bitte mir nicht unterstellen ich würde Gagarinis Flug anzweifeln. Tue ich nicht.
Die Anerkennung durch die FAI war für die zivile Raumfahrt der Soviets wichtig. FAI ist die Abkürzung der französischen Bezeichnung für die IAF, Internationale Astronautische Föderation. Da wurde fünf Stunden gestritten, die Soviets sollte Belege vorlegen die beweisen dass Gagarin in der Kapsel gelandet ist. Schließlich wurde es ohne Beweise anerkannt. Später stellte sich raus dass die Soviets gelogen hatten. Ganz streng genommen war der erste Raumfahrer John Glenn im Sinne der Regeln, mindesten eine volle Erdumkreisung, in der Kapsel gelandet. Gagarin ist westlich des Startorts gelandet und hat keine vollständige Erdumkreisung durchgeführt. Aber die Regeln gelten nicht in der Öffentlichkeit.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: -eumel- am 23. April 2016, 23:51:13
Also ich kenne niemanden, der irgendwelche Zweifel an Gagarins Flug hat.
Ich war schon öfters in den USA und im Kennedy Space Center.
Dort ist die Geschichte der Raumfahrt gut dokumentiert und Gagarins Flug wird besonders gewürdigt - ohne wenn und aber.
Die Landung ist dabei überhaupt kein Thema.
Gagarin war der erste Mensch im Weltraum - that´s it!

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up047192.jpg) (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up047191.jpg)
Gagarin in der Ausstellung "Early Space Exploration" im KSC Visitor Complex

In Ausstellungen im Kennedy Space Center wird Sputnik und der Gagarin-Flug als Initial-Zündung für die amerikanische Raumfahrt dargestellt.
Erst danach gab es Geld und den Willen zur Raumfahrt - sonst wären die Amerikaner noch später gestartet.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Schillrich am 24. April 2016, 08:59:40
Danke für die letzten Informationen. Mir war auch nicht bekannt, dass es da eine Kontroverse gab. Auch für mich war in den 80ern, mit o.a. Bausatz, eigentlich alles klar.

Über den Bausatz hatte ich sogar "gelernt", dass, anders als in den typischen Darstellungen des Raumfschiffs, die Oberstufe eigentlich nicht mehr Wostok (das Raumschiff an sich) war.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 24. April 2016, 11:41:21
Manno... ! Da ist man mal ein paar Tage (Stunden) nicht on-de-Leine und schon bricht hier die Unterhaltung los.

Zunächst einmal für alle, die nicht sooo tief in der Materie "GAGARIN" drin stecken, aber mehr wissen wollen.
Das Kompaktwissen dazu findet sich hier drin.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051403.jpg)
siehe auch: http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/11042015082842.shtml (http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/11042015082842.shtml)
Wobei ich auch den Vorgänger empfehle, da im aktuellen Buch einiges weggelassen wurde.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051404.jpg) siehe dazu:
http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/17032014201312.shtml (http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/17032014201312.shtml)

Der Wostok-Modellbausatz.... ach ja - wer hatte den als jugendlicher Raumfahrtbegeisterter nicht?!
Stand übrigens immer nur WOSTOK und nie WOSTOK-1 drauf. Oder täusche ich mich da?
War übrigens der teuerste Modellnausatz in der DDR nach meiner Erinnerung und wird (glaube ich) heute noch von Ravell vertrieben.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051405.jpg)
Das in der DDR die Fallschirmlandung von Gagarin bekannt war, ist unbestritten.
Das vieles "durchgesickert" war. Auch bekannt.
Der Schleudersitz diente ja auch als Rettungssystem beim Start. Es gab viele Info-Schnipsel rund um den Start, den clevere Journalisten richtig, aber auch falsch deuteten.
Tatsache ist aber auch, dass in der Sowjetunion die Fallschirmlandung erst Anfang der 90er Jahre offiziell bekannt gegeben wurde. Auf diese Information ist dann so mannche "West"-Presse aufgesprungen und haben das als Sensation verkauft.
Warum konnte diese "Nachrichtenkluft" entstehen? Nun, es gab noch keinen globalen Informationsaustausch via WWW.
Ein abendfüllendes Thema.
Zurück noch mal zum Schleudersitz und der Möglichkeit der Rettung beim Start.
Bei einer Fehlfunktion der Trägerrakete noch auf dem Starttisch hätte sich Gagarin katapultiert.
.... Und wäre in den Abgaskanal seitlich gestürtzt!
Um das auszugleichen, wurde ein Stählnetz über den Schacht setlich gespannt. Irre Idee und sehr umstritten. So umstritten, dass es ein Geheimnis war. Das Netz/Geflecht wurde aus allen Bildern heraus retuschiert. Aber in den Filmaufnahmen ist es ansatzweise zu sehen.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051406.jpg)

In einem Heldengemälde des sowjetischen Weltraummalers Sokolow ist das Netz detailiert zu sehen. Das Bild rutschte durch die Zensur.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051400.jpg)
Ja, so gehts halt.

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 24. April 2016, 11:47:35



Auszug aus der Fuldaer Zeitung vom Donnerstag, dem 13. April 1961
„ … Die sowjetische Regierungszeitung „Iswestija“ veröffentlichte am Mittwochabend den ersten Bericht der Landung Gagarins.
Nach seiner Landung erzählte Gagarin: „Der Himmel war sehr, sehr dunkel, aber die Erde war bläulich. Es war alles deutlich zu erkennen.“ Als Hubschrauber sich dem Landeplatz Gagarins näherten, war der Weltraumflieger bereits seiner Kabine entstiegen und ging lächelnd auf die Besatzungen der Hubschrauber zu. Er trug einen hellblauen Raumanzug und einen Helm. Wie verlautet, war die Kombination nicht aus steifem Material, sondern leicht und flexibel. …“


... Das hat übrigens den Chefredakteur der ISWESTIJA den Job gekostet.
Es gab zu viele Details. Problem war ja, dass Gagarin rund 300 Kilometer zu früh gelandet war und somit viele "ungebetene Zaungäste" anwesend waren. Auch hatte man Gagarin mit zwei Fallschirmen gesehen. Das wurde immer als ein Schirm Wostok und ein Schirm Pilot gesehen. Aber: Er hatte den Reserveschirm mit ausgelöst und hing wirklich an zwei Schirmen..

Auch noch die Geschichte mit dem "hellblauen Raumanzug". Das ist auch so ein Missverständnis.
Natürlich war Gagarins Raumanzug Orange. Den organgenen Overall und den Druckanzug (grau) zog er an der Landestelle aus. Der darunter sich befindliche blaue (!) Wärmeschutzanzug behielt er bis zum Abend an.
So entstand die Geschichte vom hellblauen Raumanzug, was auch gleich künstlerisch umgesetzt wurde.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051401.jpeg)

Später dann korrigiert:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051402.jpeg)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 24. April 2016, 12:01:05
Also ich kenne niemanden, der irgendwelche Zweifel an Gagarins Flug hat.
... .

Leider kenne ich da einige. Wenn auch nicht auf die Problematik der Fallschirmlandung bezogen - sondern Grundsätzlich. Ich hatte mich ja schon mal im Detail nur mit einer dieser Geschichten hier auseinander gesetzt.
http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/15042014220440.shtml (http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/15042014220440.shtml)
 Und so was geistert leider heute noch im Netz rum.

Aber warum halten die Amerikaner Gagarin so hoch? Zumindestens, die, die vom Fach sind .. ?
Die Antwort gibt kein geringerer als Neil Armstrong:
"Er hat uns alle ins Weltall gerufen."  (Gesagt bei einem Besuch in Moskau 1970 (?))

Armstrong hatte es genau richtig erkannt: Ohne Gagarin keine Kennedy-Rede, keine Mondlandung u.s.w..)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: max-q am 24. April 2016, 15:17:25
Nochmal auf die FAI Problematik zurückzukommen (etwas verspätet wegen eines Klassentreffens und daraus resultierender offline Zeit):
Soweit ich weiß, gab es 1961 noch keine expliziten Regeln/Kriterien für Raumflüge. Man hat also die für Rekordflüge von Flugzeugen, Ballonen etc. angewendet. Und dass da der Hinweis angebracht erschien, dass ein Flugzeug bitteschön mit Pilot die Ziellinie zu überqueren hatte, ist verständlich. Die genaue FAI Definition für einen erfolgreichen Raumflug würde mich aber schon interessieren. Ich hätte immer erwartet, dass man die Frage stärker in den Vordergrund rückt, dass es kein vollständiger Erdumlauf war. Und dass die Sowjetunion das auch befürchtet haben könnte und geneigt gewesen wäre, diesem Problem mit einer Landung deutlich "hinter" Tjuratam/Baikonur entgegenzuwirken. Andererseits hat man ja auch beim Startort "geschummelt"...
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 24. April 2016, 15:54:24
Hallo,

und wie es die Geschichte so will haben wir die Problematik Anerkennung Raumflug genau vor 10 Jahren schon einmal angesprochen.
Damals ging es um die Einträge in der Datenbank Bemannte Raumflüge hier.

Siehe:https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=3584.msg32348#msg32348

gruß und schönen Restsonntag
jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 24. April 2016, 16:03:46
...
In einem Heldengemälde des sowjetischen Weltraummalers Sokolow ist das Netz detailiert zu sehen. Das Bild rutschte durch die Zensur.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051400.jpg)
Ja, so gehts halt.
Genau das Bild mit dem Fangnetz ist in sw abgedruckt in "Die Sowjetische Raumfahrt: Fragen und Antworten", Verlag der Presseagentur Nowosti 1988, Seite 43.

Das Bild von der gelandeten Wostok-1-Kapsel,


, das ich bei der ESA fand, ist in sw abgedruckt in Rjabtschikow: "Rote Raketen - Keiner kennt Baikonur", dva Stuttgart 1972, Original APN / Nowositi Moskau 1971. 

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 24. April 2016, 17:36:03
Ich hätte immer erwartet, dass man die Frage stärker in den Vordergrund rückt, dass es kein vollständiger Erdumlauf war. Und dass die Sowjetunion das auch befürchtet haben könnte und geneigt gewesen wäre, diesem Problem mit einer Landung deutlich "hinter" Tjuratam/Baikonur entgegenzuwirken. Andererseits hat man ja auch beim Startort "geschummelt"...

Genaugenommen war es schon ein ganzer Erdumlauf, auch wenn die Landung westlich des Startortes erfolgt ist. Aber man muss die Erdrotation von 15 Grad pro Stunde berücksichtigen, sodass während des 108minütigen Raumfluges von Gagarin die Erde mit dem Längenkreis, welcher durch Baikonur geht, bereits um 27 Grad in östliche Richtung gewandert ist, sodass die Wostok nach genau einem Erdumlauf viel weiter westlich gelegene Gebiete der Erde überflog. Gagarin hat aber den Breitenkreis von Baikonur von Südwesten kommend bereits in nordöstliche Richtung überquert, und somit einen kompletten Erdumlauf vollendet.
Nicht der ganze Erdumlauf verlief allerdings mit Orbitalgeschwindigkeit, wenn man die Strecke vom Start bis zum Orbiteinlauf sowie die Strecke vom Bremsmanöver bis zur Landung abzieht.

Gruß, Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 24. April 2016, 20:30:02
@pirx

Das Nowosti-Büchlein habe ich auch.  :D
Aber die Geschichte mit dem Netzt und dem Gemälde war konkret beschrieben in "SOS im All" von Gründer, glaube ich. 

Das Buch "Rote Raketen - Keiner kennt Baikonur", dva Stuttgart 1972, ist toll.
Die Fotos und Unterschriften sind aber mit Vorsicht zu genießen.
So ist z.B. auf Seite177 der Start von Wostok-1 vermutlich eher der von Woschod-1 (siehe dritte Stufe).

Ganz krass ist es auf Seite 127 unten bei einem Gruppenfoto.
Da wird Neljubow als Komarow genannt. Zweiter von links, stehend zwischen Popowitsch und Titow. Das das Bild 1972 (!!!) überhaupt so erschienen ist, ist schon ein Wunder.
Neljubow war ja ursprünglich aus dem Bild heraus retuschiert worden, weil er in Unehren aus dem Kosmonautenkader entfernt worden war. Siehe Bildvariante rechts. Traurige Geschichte.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051399.jpg)
Das berühmte Gruppenbild gibt es in vielen Varianten und mittlerweile kennen wir auch die unretuschierte Variante mit allen Klarnamen der abgebildeten Personen.
Bei James Oberg's Enthüllungsbuch "Red Star In Orbit" von 1981 (USA) wurde das mit dem Gruppenfoto erklärt.

Und warum ist dieses geheime Foto 1972 schon in der Westausgabe von einem APN-Buch? Ganz einfach: Die Sowjetische Zensur hatte völlig den Überblick verloren, welche Bilder in welcher "Version" in Umlauf sind.
Das bot und bietet heute noch die Grundlage für so manche Verschwörungstheorie. Leider!
 
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: max-q am 24. April 2016, 22:22:16
@Wilga35
Über die Frage der Erdrotation hatte ich auch schon nachgedacht. Möglichkeiten, die Definition noch komplizierter zu machen, gibt es wohl ausreichend.
@jok
Ja, dass Thema war vor 10 Jahren schon mal angerissen. Ob die Wikipedia als Quelle taugt sei dahingestellt, die Angaben decken sich aber mit denen anderenorts. Meine Zweifel Anmerkung bezieht sich eher darauf, ob die Definition auch Anfang der 60er Jahre schon so lautete, oder ob man die erst später auf den aktuell gültigen Stand gebracht hat. Andererseits würden wirklich nur Betonköpfe Gagarin die Ehre des ersten Raumflugs absprechen. Zum Glück müssen wir bis heute auch keine Diskussion über die Anerkennung eines Fluges als Raumflug nach einer Notlandung noch während des ersten Orbits führen. Vielleicht war es schon 1961 weise von der FAI, sich gegen die Haarspalterei und ein wenig für das Gefühl zu entscheiden. Meine persönliche Meinung.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 25. April 2016, 10:33:10
Bei Wikipedia ist der Hergang der Landung von Wostok 1 falsch beschrieben. In 7000 m Höhe wurde nicht der Fallschirm geöffnet, sondern die Ausstiegsluke wurde abgesprengt. Zwei Sekunden, in 6500 m Höhe, später erfolgte der Ausschuss von Gagarin. usw.
Wikipedia bildet wie die Zeitung mit den vier Buchstaben.
Die Sache mit den Netz hergibt eigentlich keinen Sinn, denn dass ist das Problem, es fehlen technische Details, in diesem Fall über den Schleudersitz. Wie weit hatte der Schleudersitz Gagarin bei Start vom Träger weg befördert, höhe und weite?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Schillrich am 25. April 2016, 11:13:55
Hallo Trillian,

wenn du bei Wikipedia einen Fehler findest, solltest du ihn dort korrigieren, damit die Enzyklopädie besser wird.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 25. April 2016, 11:21:48
... Die Sache mit den Netz hergibt eigentlich keinen Sinn, denn dass ist das Problem, es fehlen technische Details, in diesem Fall über den Schleudersitz. Wie weit hatte der Schleudersitz Gagarin bei Start vom Träger weg befördert, höhe und weite?

Den Konstrukteuren werden damals schon diese technischen Details vorgelegen haben. Sonst wäre es ja nicht so gebaut worden.
Blos weil wir heute aus Ermangelung an uns nicht zugänglichen Informationen etwas nicht verstehen, bedeutet das noch lange nicht, dass es "eigentlich keinen Sinn" hergibt.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: McPhönix am 25. April 2016, 12:52:51
Wikipedia sollte man nicht gleich mit der BLÖD vergleichen. Fachliche Artikel sind eher selten fehlerhaft. Korrekturen sind zugänglich.
Politisch - nun ja, es ist halt trotz globaler Verfügbarkeit ein in der USA sitzendes Projekt, die brauchen das Wohlwollen ihrer Umgebung ;)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 25. April 2016, 17:03:43
Gegendarstellung zur Antwort #27
da ist der gleiche Fehler wie bei Wikipedia erst Fallschirm dann Luke absprengen usw.
Es ging so nicht, schon aus der Anordnung der Luken für den Fallschirm und den Ausstieg mit dem Schleudersitz. Die Rückkehrkapsel von Wostok hatte eine Kugelform gehabt. Die Flugrichtung wurde vom Schwerpunkt der Kugel bestimmt. So wie der Kosmonaut die Position bei Start hatte, siehe Antwort #14 (grafik Vostok), so hatte er die gleiche Position beim Landeanflug gehabt, der Ausschuss ging schräg seitlich. Ich hoffe, dass es jemanden gibt der das erklären kann?
Das Aussehen des Schleudersitzes ist ein anderes Thema.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 25. April 2016, 17:50:38
Gegendarstellung zur Antwort #27
........ Ich hoffe, dass es jemanden gibt der das erklären kann?
Das Aussehen des Schleudersitzes ist ein anderes Thema.

Klar gibt es genügend Leute die das erklären können. Also keine Panik und mal ganz ruhig.

@wilga35: Er hat recht: Du hast dich vertippt in der Reihenfolge. Erst die Katapultierung und dann der Fallschirm an der Kapsel. Anders geht es nicht.
Siehe bei Stache. Ist sogar auf der Seite des Modellbaukastens so abgebildet.
Kleine künstlerische Einlage untenstehend, (die nicht als Beweis dienen soll):
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up055811.jpg)

Übrigens ist es etwas blöde, wenn man bei Position 89 plötzlich zur 27 zurück springt.  ???
Ich bin gespannt, was jetzt noch zum Thema Schleudersitz ausgebuddelt wird.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 25. April 2016, 18:55:23
Hallo,

Es gibt im Netz und in Büchern noch einige Grafiken zum Landeablauf der Wostokkapsel.
Aber auch diese sind im Widerspruch!
Der Ablauf sollte so funktionieren , Problem der Schlitten fällt hier wohl ungebremst????

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051398.gif)
...Anklicken...

Quelle: 12apr.su


Gruß jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 25. April 2016, 19:03:10
Hallo,


(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051397.jpg)
Hier noch ein Bild zum bereits erwähnten Rettungssystem....

gruß jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 25. April 2016, 19:08:15
Hallo,

und in der Neu verfilmten Version....

https://www.youtube.com/watch?v=TLBy-8vdeww (https://www.youtube.com/watch?v=TLBy-8vdeww)

die Landung ab 16 min...

Gruß jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jakda am 25. April 2016, 20:15:37
Na - ist doch gut dargestellt !!!
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 25. April 2016, 20:15:54
Antwort zu #91
"... typische Landesequenz eines Wostok-Raumschiffes
T - 1 Stunde:
Aktivierung des Landeprogrammes (System ,,Granit") durch Funkbefehl von der Erde
T - 30 Minuten:
Ausrichtung des Raumschiffes nach der Sonne, Zündung des Bremstriebwerkes
10 Sekunden nach Brennschluss:
Abtrennung des Geräteteils
7000 Meter Höhe:
Absprengung der Einstiegsluke bei einer Geschwindigkeit von 220 Meter pro Sekunde
6500 Meter Höhe:
2 Sekunden später Katapultieren des Kosmonauten, Entfaltung des Stabilisierungsfallschirms
4000 Meter Höhe:
Kosmonaut löst sich vom Katapultsitz, gleichzeitig löst sich Notreserve NAS, bleibt an
einer 15 Meter langen Leine am Kosmonauten hängen, Entfaltung des Hauptfallschirms
des Kosmonauten, Landung des Kosmonauten mit einer Geschwindigkeit von
6 Metern pro Sekunde
2500 Meter Höhe:
Entfaltung des Hauptfallschirms der Kapsel,
Landung mit einer Geschwindigkeit von 10 Metern pro Sekunde,
Katapultsitz und Lukendeckel stürzen ungebremst ohne Fallschirm ab ... "

Problem nun: Eigentlich müssten 2 Lukendecken vorhanden sein, denn
"... ln die Kapselwand wurden drei große Luken mit einem Durchmesser von je 1,2 Metern eingelassen.
Eine Luke diente zum Beladen der Kapsel am Boden und zum Katapultieren des
Schleudersitzes mit dem Kosmonauten, eine zum Auswurf des Fallschirms und eine zum
Zugang zu den Bordsystemen der Kapsel (technologische Luke"). ..."

"... Der Kosmonaut war im Raumanzug auf einem Schleudersitz untergebracht, Diese sehr
ungewöhnliche Lösung war nötig geworden, weil die Kapsel für die Landung auf dem Festland
nur ungenügend abgebremst wurde. Die hohe Landegeschwindigkeit machte es erforderlich,
den Raumfahrer in großer Höhe zu katapultieren und ihn selbständig am Fallschirm landen zu
lassen. Bei Anwesenheit des Kosmonauten in der Kugel bis zum Aufsetzen hätte es zu
ernsthaften Verletzungen kommen können.
Der Schleudersitz bot außerdem die Möglichkeit zum Einsatz als Notrettungssystem für den Fall
einer katastrophalen Fehlfunktion der Trägerrakete am Boden und in den ersten viezig Flugsekunden.
Die Einstiegsluke wurde absprengbar gestaltet. Außerdem wurde ein großes Loch in
die Nutzlastverkleidung geschnitten, durch das der Kosmonaut mit dem Schleudersitz aus der
Kapsel geschossen werden konnte.
Der Havariebefehl zum Zünden des Schleudersitzes wurde durch ein Funkkommando der
Bodenkontrolle gegeben. Da beim Einsatz des Schleudersitzes am Boden keine ausreichende
Höhe erreicht wurde, wurde ein riesiges Stahlnetz über den Abgasschacht der Startrampe
gespannt, in das der Kosmonaut hineinfallen konnte, ln einer kritischen Phase von acht
Sekunden Dauer nach dem Abheben war der Einsatz des Schleudersitzes überhaupt nicht
möglich. ..."

Alle Zitate entnommen von Stefan Wotzlaw - Das Wostok-Programm, Schrifrenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 25. April 2016, 20:51:23
Ja und nu ... ?
Ich verstehe Dich nicht, worauf Du hinaus willst.
Was Stefan geschrieben hat, ist doch o.k. .
Meinst Du bei ENERGIA hätten zwei Deckel ausgestellt werden sollen?
Einer für die Fallschirmbox und eine für den Schleudersitz ...? Richtig. - Aber:
Die sind ja nicht einmal in der Lage gewesen, die richtige Luke neben der Wostok-1 aufzustellen.
War ja auch nicht nötig. Ist (noch) kein öffentliches Museum.
Und ob die Deckel auch alle gefunden wurden...... wer weis.

Und der Widerspruch eines Freifall-Schleudersitzes zu dem von Frau Tereschkowa hatten wir schon.
Der Widerspruch besteht.
Wo ist jetzt das (neue) Problem?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 25. April 2016, 21:08:43
Hallo,
und in der Neu verfilmten Version....
die Landung ab 16 min...

Gruß jok

Ja.. da hatte man sich sehr bemüht, es realistisch aussehen zu lassen. Ist auch gut gelungen.
Danke für den Link.
Ich selber wollte einen Spielfilm hier nicht als Beweis anführen. Aber zu Demozwecken prima.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 25. April 2016, 22:02:04
Bei den Schleudersitz den man bei Wostok 1 genommen, muss es sich um einen markttypischen Fabrikant sowjetischer Bauart mit Baujahr vielleicht 1960/61 handeln. Den die Luftstreitkräfte in ihren Kampfjets benutzt haben. Das Ding was mit der Kosmonautin immer im Bild ist, war es nicht. Klingt blöd aber ist so, der eigentliche Schleudersitz satz auf diesem Gestell und Gagarin satz wiederum auf dem Schleudersitz. Denn wie gesagt, der benutzte Schleudersitz müsste in einen Kampfjet reinpassen. Nun google.de eingabe „Wostok Schleudersitz“ dann bei Bilder nachschauen.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 26. April 2016, 06:17:06
Bei den Schleudersitz den man bei Wostok 1 genommen, muss es sich um einen markttypischen Fabrikant sowjetischer Bauart mit Baujahr vielleicht 1960/61 handeln. Den die Luftstreitkräfte in ihren Kampfjets benutzt haben. Das Ding was mit der Kosmonautin immer im Bild ist, war es nicht. Klingt blöd aber ist so, der eigentliche Schleudersitz satz auf diesem Gestell und Gagarin satz wiederum auf dem Schleudersitz. Denn wie gesagt, der benutzte Schleudersitz müsste in einen Kampfjet reinpassen. Nun google.de eingabe „Wostok Schleudersitz“ dann bei Bilder nachschauen.

Es tut mir leid. Ich verstehe nicht, was Du meinst.
Der Hersteller des Sitzes ist ZWESDA. Dieser stellt auch die Sitze für die sowjetische/russische Militär-Luftfahrtindustrie her. Er basiert auf den Entwicklungserfahrungen - ist aber speziell für Wostok entwickelt.
Wieso sollte der in einen Kampfjet rein passen?
und....  "markttypischen Fabrikant sowjetischer Bauart" ... Das war 1961! Sowjetunion! Sozialistisches Wirtschaftssystem!  War halt irgendwie anders .... als heute. Auch in der Denkweise/Strategie. 
Sorry! Ich versteh nicht, was Du hier meinst.

dksk hatte hier schon weiter vorne einen Link zu einem tollen Foto geschickt.
In der Londoner Ausstellung dieses Jahr  http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/17022016111840.shtml (http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/17022016111840.shtml) war der Sitz auch als Zeichnung abgebildet.
Hier noch einmal:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051396.jpg)
aus http://www.bis-space.com/wsw/visit-the-cosmonauts/ (http://www.bis-space.com/wsw/visit-the-cosmonauts/)

Viel Spaß bei der Übersetzung aus dem technischen Russisch... .  ;)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 26. April 2016, 11:09:51
Auf der Zeichnung (Wand) ist ein Schleudersitz zu sehen. Das Modell (Boden) besteht aus Puppe, Schleudersitz (wenn man weiss wie einer aussieht) und „Dingsda“. Jetzt ist es halt eine Auslegungssache ob man „Dingsda“ zum Schleudersitz hinzubezeichnet tut oder nicht. Bei mir ist kein Teil des Schleudersitz, denn dieses Teil blieb in der Rückkehrkaspel, vorausgesetzt das Teil flog überhaupt mit. In diesem Protokoll wurde das von mir als „Dingsda“ bezeichnete Teil öfters als Schleudersitz bezeichnet. Welches aus 5 Kilometer Höhe mit oder ohne Fallschirm gelandet und dabei erstaunlicherweise intakt geblieben ist.
In den Buch
Peter Stache: „Raumfahrt-Trägerraketen“, 2., überarbeitete Auflage 1975, Berlin
beschriebt der Autor Flugverlauf und Landevorgang des Raumschiffs  „Wostok 1“. Es heisst u.a. „… Katapultieren des Kosmonauten (Höhe: 6,5 km; Geschwindigkeit: 220 m/s) …“
über das Wostok-Raumschiff schreibt er „… Das Raumschiff »Wostok« bestand aus zwei Hauptteilen: der kugelförmigen Kabine für den Kosmonauten und dem Geräteteil in Form eines Doppelkegels. …“
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 26. April 2016, 12:21:24
Auf der Zeichnung (Wand) ist ein Schleudersitz zu sehen. Das Modell (Boden) besteht aus Puppe, Schleudersitz (wenn man weiss wie einer aussieht) und „Dingsda“....
Da besteht überhaupt kein Widerspruch. Das ganz Ding ist aus der Kapsel ausgestoßen worden - und zwar mit Raketen auf der Rückseite. In dem Bild http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051393.jpg (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051393.jpg) ist das gut zu sehen.

Bilder, die bei der Google-Suche mit "einfachen Suchbegriffen" unmittelbar angezeigt werden, haben NICHT zwangsläufig etwas mit dem zu tun, an das man selbst gedacht hat ...

Auch http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051394.jpg (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051394.jpg) zeigt den Sitz so, dass der Antrieb im Rücken zu sehen ist.

Die seitlich angebrachten "Räder" und "Klötze" darüber könnte imho die Führungselemente sein, mit denen der gesamte Katapultsitz in den Führungsschienen sitzt, und die beim Ausschuss eine ausreichende Beweglichkeit garantieren.

Man hat aber tatsächlich nicht alles neu "entworfen". Grundstruktur und Technik finden sich schon bei Hundekabinen: http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051395.jpg (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051395.jpg) .

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 26. April 2016, 14:08:07
... besagte Räder greifen links und rechts in eine U-Führungsschiene ein. Der Ausschuss erfolgt dann über eine Abschussstange (Sitz Mitte Unterseite) für die Anfangsbeschleunigung und dann "Marschraketen" rechts und links.
Die Technologie ist mit dem Schleudersitz KK-1 oder KK-2 (z.B. MiG-15) zu vergleichen. Ist ja auch der selbe Hersteller ZWESDA. Auch da sind die U-Führungsschienen. Ich habe mich sehr lange damit mal beschäftigt, weil die Frage auftauchte, dass in der Original-Wostok-1 bei ENERGIA keine Schmauch- oder Brandspuren in der Kapsel zu sehen waren. Die Lösung war, man hatte die Kapsel nach der Restauration neu ausgekleidet. Gelber Stoff im Gegensatz zur mutmaßlichen Orginalfarbe hellgrün. (Ganz einfache Antwort also).
Die Abschußstange kann man in der Wostok-5 im Museum in Kaluga sehen. In der Wostok-1 bei ENERGIA ist sie ausgebaut.


So... ich verabschiede mich jetzt aus der Unterhaltungsrunde für eine Woche.
Grüße an alle.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 26. April 2016, 16:03:16
Gegendarstellung zur Antwort #27
da ist der gleiche Fehler wie bei Wikipedia erst Fallschirm dann Luke absprengen usw.
Es ging so nicht, schon aus der Anordnung der Luken für den Fallschirm und den Ausstieg mit dem Schleudersitz. Die Rückkehrkapsel von Wostok hatte eine Kugelform gehabt. Die Flugrichtung wurde vom Schwerpunkt der Kugel bestimmt. So wie der Kosmonaut die Position bei Start hatte, siehe Antwort #14 (grafik Vostok), so hatte er die gleiche Position beim Landeanflug gehabt, der Ausschuss ging schräg seitlich. Ich hoffe, dass es jemanden gibt der das erklären kann?
Das Aussehen des Schleudersitzes ist ein anderes Thema.
@Trillian.
Sorry, in dieser Reihenfolge ist es natürlich korrekt. War mein Fehler.
Konnte auch nicht früher antworten, da ich im Urlaub bin. Aber dank Tablet-PC und Pensionseigenem WLAN kann ich jetzt wieder online sein.

Gruß,  Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: max-q am 26. April 2016, 18:14:27
In dem hier http://www.gettyimages.de/detail/video/soviet-scientists-and-astronaut-yuri-gagarin-stock-videomaterial/450027654 (http://www.gettyimages.de/detail/video/soviet-scientists-and-astronaut-yuri-gagarin-stock-videomaterial/450027654) verlinkten Video (leider mit störendem Wasserzeichen, sonst aber die beste Qualität, die ich finden konnte) ist ab 0:20 min die Erprobung des Katapultsitzes zu sehen. Man kann erkennen, was katapultiert wird und dazu die verschiedenen Fallschirmsysteme.
Bei der Suche nach dem Video bin ich übrigens auf diese private Foto gestoßen (http://oldsaratov.ru/photo/gubernia/13043?qt-comments=3 (http://oldsaratov.ru/photo/gubernia/13043?qt-comments=3)), das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tatsächlich Gagarins Kapsel nach der Landung zeigt.
Ach ja, die Hundekabine der Korabl Flüge war auf dem Katapultsitz für die bemannten Flüge montiert. Keine Weiterentwicklung, sondern Prototypen-Erprobung.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: -eumel- am 29. April 2016, 02:12:50
Nach Gagarins Tod übergab NASA Administrator Dr. George Low dem Kommandeur des Sternenstädtchens, General Kusnetsow in Anerkennung von Gagarins Raumflug diese Gedenktafel:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051392.jpg) (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051391.jpg) 

Volle Anerkennung der Kollegen, ohne irgendwelche Zweifel - von wegen nicht richtig gelandet, oder so.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Voyager_VI am 29. April 2016, 14:03:57
@-eumel-,

ich kann mich dir nur anschließen.

Wir sollten es bei der Bewertung des Fluges wie im Fußball machen, der Schiedsrichter (FAI) entscheidet. Sicherlich, je nach Lust und Laune kann man zu manchem anerkannten und nicht anerkannten Flug eine Fußnote machen, aber das ändert nichts an der Tatsachenentscheidung. Diese sollte nicht in Zweifel gezogen werden.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: McPhönix am 29. April 2016, 17:23:34
Diese Mode heutzutage, überall herumzubohren, um "Sensationelles" auszugraben, ist mir eh ein bissel suspekt. Aber nun ja....
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Hape1238 am 29. April 2016, 18:01:22
Zitat
Diese Mode heutzutage, überall herumzubohren, um "Sensationelles" auszugraben

Tja, da sind die Russen selber Schuld, mit ihrer Geheimniskrämerei.
Selbst heute noch ist es, wie wir gesehen haben, fast unmöglich, die Wahrheit heraus zufinden. Ich meine das jetzt in Bezug auf dem Flug von Wostok 6.
Das J. Gagarin der Erste im All war und in dem Raumschiff Wostok 1 die Erde einmal umrundet hat, daran zweifelt doch Niemand.
Wenn doch, hat Derjenige nicht alle Latten am Zaun...
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 08. Mai 2016, 23:14:58
Es gibt eine neue Mediengalerie:
Wostok / Woschod
http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?action=media;sa=album;in=692 (http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?action=media;sa=album;in=692)
Diese wird weiter ausgebaut. Zu dem hier besprochenen ist doch schon was dabei.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: wernher66 am 13. Mai 2016, 11:26:52
Die Wostok-1 ist bei Energija ausgezogen.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051633.jpg)
Sie steht nun im Moskauer Multimedia Kunstmuseum und kann dort vom 18.5.2016 an besichtigt werden.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051634.jpg)
Und hier noch ein Bild vom Umzug:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051635.jpg)

Quelle:
Roskosmos Facebook
https://www.facebook.com/Roscosmos/?fref=ts (https://www.facebook.com/Roscosmos/?fref=ts)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 13. Mai 2016, 19:46:29
Da bin ich aber gespannt, ob die Kugel genau so toll in Szene gesetzt wird, wie die Wostok-6 jetzt in London.
Das wäre wirklich Klasse. Mal sehen.

Aber es scheint, als ob es doch nicht so ist, wie in London:
http://mosday.ru/news/item.php?673873 (http://mosday.ru/news/item.php?673873)

Ich frage mich:
Wostok-1 bei Energia raus.
Wostok-6 bei Energia raus.
Woschod-1 bei Energia raus.
Baut man da um und braucht Platz? Irgendwo wurde berichtet davon.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 13. Mai 2016, 20:04:10
...
Ich frage mich:
Wostok-1 bei Energia raus.
Wostok-6 bei Energia raus.
Woschod-1 bei Energia raus.
Baut man da um und braucht Platz? Irgendwo wurde berichtet davon.
Vielleicht "gehören" die Objekte auch gar nicht Energia?

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 13. Mai 2016, 20:16:50
Ich glaube nicht, dass das so eine wesentliche Rolle spielt - wie z.B. Bei der "29" in Deutschland.
Eher erfolgt hier eine Neusortierung. Was nutzen diese "Artefakte der großen Siege", wenn sie in nicht zugänglichen Museen oder gar Kellern stehen.
Aber lassen wir uns überraschen.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: wernher66 am 18. Mai 2016, 23:17:39
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051728.jpg)
Foto: Roskosmos via Facebook

Heute hat  im  MAMM (Multimedia Art Museum Moskau) die Ausstellung "Russkij Kosmos" geöffnet.
Im Mittelpunkt die Raumkapsel von Juri Gagarin.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: wernher66 am 18. Mai 2016, 23:21:12
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up051727.jpg)
Foto: Roskosmos via Facebook

Passt auch schön zum Thema:
der unbemannte Prototyp von Wostok, das Raumschiff 1K, in der Montagehalle in Baikonur.
1K ist besser unter dem Namen Korabl oder Korabl-Sputnik, also wörtlich "Weltraum-Schiff" bekannt.
1 K hatte noch Solarzellenflächen an der Oberseite.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. Juni 2016, 10:55:44
Es gibt einen zeitgenössischen Film bei dem sowohl die Vorbereitungen für den ersten bemannten Raumflug als auch dessen Durchführung, aber vor allem auch technische Details dargestellt werden.
Viele der Einzelszenen in den bisherigen Filmberichten über Gagarin stammen daraus.
Der Filmtitel lautet „Первый полёт человека в космическое пространство./ Der erste Flug des Menschen in den Weltraum.“
Der Film hat eine Dauer von fast 54 min.  und gibt einen sehr guten Überblick über das Gesamtprojekt „Wostok“.
Die Textbeschreibung folgt der Reihenfolge im Film. Die Screenshots sind nicht von bester Qualität. Teilweise gibt es im Netz jeweils Einzelbilder, auf denen viele Sachen durchaus besser zu erkennen sind. Im bewegten Bild kommen die entsprechenden Stellen auch noch in bisschen besser raus. Aber sie stellen zusammen mit dem Film eben die zusammenhängende Dokumentationsbasis dar.
Zur Beachtung: Die Informationen und Beschreibungen des Films wurden ja im Kontext der damaligen Zeit zusammengestellt. Übungsmaterial und Realflugszenen sind teilweise zusammengeschnitten oder auch Animationen vereinfacht dargestellt.  Daher sind Korrekturen oder Ergänzungen sehr willkommen.

https://www.youtube.com/watch?v=VyCq9AQ_8lo (https://www.youtube.com/watch?v=VyCq9AQ_8lo)

Da unheimlich viele Informationen enthalten sind, habe ich einen Split in mehrere Teile gemacht.
Eine stichpunktartige Inhaltsangebe ist chronologisch entsprechend Film. Die Bilder stammen jeweils aus dem Youtube Film.
Abschnitt 1
-   Start und Flug des  Korabl-Sputnik 2 am 19. August 1960, in der Kabine die Hunde Belka und Strelka als  Vorbereitung des ersten Raumflugs eines Menschen
-   das Raumschiff basiert auf dem Gundtyp Wostok
-   nach der Erdumkreisung wird die Landung auf Funkbefehl von der Erde eingeleitet
-   Kapsel mit Fallschirm am Boden
-   katapultierte Kabineneinheit mit den Hunden am Boden – Hunde vital
-   pathetische Themenschwenk mit Musik und Wolkendurchflug
-   Konstruktion von Wostok 1
-   Konstruktion am Zeichenbrett („Click ok to terminate“  oder „das Modell läßt sich nicht updaten“ waren noch unbekannte Nerventreiber) – ob die Dame wohl Katja heißt?
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052434.jpg)
-   Reihenmontage der Kapseln und Bewegungstest der Thermojalousieklappen
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052435.jpg)
-   Handmontagen und Zusammenbau des Raumschiffs
-   Bauteile des Servicemoduls, Batterien und Geräte
-   Innenansichten der Kabine mit Pilotenpult, Kamera etc.
-   Sichtfenster/Visier mit Filtern
-   Radio in der Kabine und Pilotenlebensmittelfächer mit Versickung in den Abdeckklappen
-   In der Kabine herrscht „Normalatmosphäre“ in Bezug auf Druck und Luftgemisch
-   Kabinenatmosphärenkonditioniersystem mit schematischer Darstellung der beiden Arbeitsregime der Klimaanlage bezüglich Druck und Kohlendioxid/Sauerstoffregulierung
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052436.jpg)
-   durch Bypass-Steuerung erfolgt ein kombinierter Druck/Medienbetrieb
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052437.jpg)
-   nun ist der Sitz mit Kosmonaut an der Reihe
-   die beiden kegelstumpfförmigen Ausbuchtungen an der Frontseite sind für die Luftgebläseeinheiten (Haupt- und Reserveeinheit)
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052438.jpg)
-   Kosmonaut wird auch in der Kabine mit Hilfe der im Sitz eingebauten Ventilationssysteme versorgt. Dabei kann externe Versorgung durch Umwälzung der Kabinenatmosphäre erfolgen – oder auch interne Versorgung des Anzuges in Havariesitationen
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052439.jpg)
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052440.jpg)
-   es ist erkennbar, dass der Sitz im vorderen Zylinderbereich ziemlich vollgestopft ist
-   die pneumatischen und elektrischen Systeme des Raumanzuges werden zum Sitz mit einem Zentralstecker/Schnellverschluss (Bügeleisengriff) verbunden. Dort ist dann auch die Haupttrennstelle bei der Landung, wenn sich der Kosmonaut vom Sitz löst bzw. umgekehrt
-   Schnittdarstellung der Arbeitsweise der Kabinenatmosphärenversorgung durch die Sitz- und Raumschiffsysteme (die Position des externen Hauptversorgungsanschlusses ist für die Darstellung des Gesamtsystems ein bisschen rumgezogen – sonst ist hinter dem Sitz die Luke)
-   durch die Luftumwälzung wird auch die Anzugtemperatur geregelt/Abwärme und Feuchtigkeit abgeführt
-   Versorgungsströme in Normal- und Havariebetrieb – Druckgaskugeln mit medizinischer Luftmischung und Sauerstoff
-   Die Kapselversorgung des Kosmonauten erfolgt nach der Abtrennung vom Servicemodul vollständig über das Sitzversorgungssystem
-   Externe Leitungen, Ventile, Druckregler, Filter – Pneumatiksysteme
dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. Juni 2016, 10:56:24
Teil 2 bei ca. 8:00 min.
-   Im Sitz sind die Systeme der Fallschirmsauerstoffversorgung mit Filter und Pneumatikanschlüssen im Fach unter den Oberschenkeln des Kosmonauten untergebracht
-   unter der Popo-Sitzplatte ist dann das NAZ Havariesystem auch noch untergebracht
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052428.jpg)
-   Sitz von der Unterseite mit Ausschussrohrführung und den beiden Feststoffraketen für Zusatzschub bei Havariekatapultierung
-   Fallschirmbehälter der Landekapsel mit durchaus noch heute vertrauten Konturen
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052429.jpg)
-   Sitz wird mit den Fallschirmhaupttrossen bestückt – sie verlaufen durch die Blechröhren bis zu den Befestigungspunkten/Pyroschlössen. Bei der Trennung und dem Herausschnellen der Trossen ist der Kosmonaut vor dem Peitscheneffekt geschützt. Zwischen den Röhren sind die flachen Fallschirmgurte, die direkt zum Kosmonautengurtzeug führen über die Oberkante gelegt.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052430.jpg)
Die dunklere Trosse führt zur Ausschussvorrichtung des Pilotschirms
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052431.jpg)
-   Ausschussvorrichtung des Pilotschirmes (kleiner Bremsschirm) ist vor allem in Havariesituation wichtig um die Entfaltung des Hauptschirms bei geringerer Höhe über dem Boden bestens vorzubereiten
-   Orientierungssystem des Raumschiffes – optisch
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052432.jpg)
-    und Gyroskop-System
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052433.jpg)
-   Themenschwenk bei ca. 10 min
dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. Juni 2016, 10:57:08
Abschnitt 3 - Fortsetzung Filmkommentierung bei ca. 10 min
-   Kosmonauten beim Training
-   Körperertüchtigung, Orientierung im Raum und Gleichgewichtsystem werden gefordert
-   Kabinentraining
-   Hör/Sprechgarnitur mit Stirnpolsterung
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052420.jpg)
-   Gagarin in Vollausstattung beim Zentrifugentraining
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052421.jpg)
-   Über den Schultern kann man die sitzseitigen Befestigen/Schlösser für das Hauptgurtsystem
und darüber für die Schlossbolzen der Fallschirmtrossen (direkt unter den vertikalen Rohrführungen) erkennen – die nach oben führenden Gurtbänder zum Hauptfallschirm sind in diesem Zentrifugensitz nicht vorhanden
-   G. Titov? und A.Nikolajew? bei Drehbewegungstest mit medizinischer Werteaufzeichnung
-   während dieser Test werden Antworten gegeben
-   Beschleunigungstests mit Schlitten, sowohl horizontal als auch vertikal, positiv und negativ
-   „Wärterhäuschen“ in luftiger Höhe mit Zwischengespräch bei medizinischer Kontrollperson
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052422.jpg)
-   Test Katapultsitz, Variante „Havarie am Boden“ – Höhe entspricht Kapsel auf Rakete, Geschwindigkeit Null – quasi zero/zero Katapultierung
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052423.jpg)
-   „zero/zero“ ist eine wichtige Randbedingung um die Folgebilder zu verstehen. Ich hatte mich bei erster Betrachtung dieser Filmsequenz als Ausschnitt im Vorbeitrag
« Antwort #35 am: 18. April 2016, 11:33:56 » zu der Annahme verleiten lassen, dass der Bremsschirm auch bei einer normalen Katapultierung und Landung fest verbunden am Sitz verbleibt. Stand heute ist, dass ich das revidieren muss.
-   Die folgende Szene stellt eben den Logikablauf einer Havariesituation in Bodennähe dar und es kommt zu eine vereinfachten Schnelltrennung des Kosmonauten vom Sitz, wobei der Sitz zur Absicherung dieser Schnelltrennung durch den Hauptschirm (der bei Landung am Kosmonauten bleibt)  verzögert wird. Das NAZ-System bleibt ebenfalls im Sitz und der Reserveschirm, der am Kosmonautenrückenlehnensystem integriert ist wird gleich automatisch ausgelöst. Die Trennung/Öffnung der Gurtsysteme, NAZ etc. erfolgt dann programmgesteuert. Dazu werden auch Schnelltrennschlösser verwendet, die sonst nur bei gewollter Abtrennung des Fallschrims nach der Landung benutzt werden (im Wasser; zu starker Bodenwind etc.). Die Sauerstoffversorgung wird automatisch auf das Fallschirmsauerstoffversorgungssystem umgeschaltet.
-   Beim Herauskatapultieren des Sitzes zünden 2 Feststoffraketen, die am unteren Ende des Sitzes angebracht sind. Deren Düsen sitzen schräg, sodass nochmal ein Höhengewinn stattfindet und der Sitz in Drehung versetzt wird. Evtl. soll diese Drehung eine schnelle Separation des Kosmonauten durch die Fliehkräfte unterstützen.
-   zuerst wird der kleine Bremsschirm pyrotechnisch ausgeschossen und es kommt zur ersten kurzen Stabilisierung des Fluges (noch auf Wurfparabel aufsteigend)
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052424.jpg)
-   danach wird der Hauptsitzfallschirmgurt an der Vordersite geöffnet um den Kosmonauten freizugeben (Schnelltrennschloss wird geöffnet). Am Rettungsfallschirm des Kosmonauten wird durch einen Gasdruckzylinder der Öffnungshilfsschirm (Medusaform) ausgestoßen. Dadurch kommt es zu einer schnellen Öffnung des Rettungsschirmes und die Leinen sind auch gleich langgezogen. Es gibt noch einen Federmechanismus am Rettungsfallschirm oben an der Querstrebe mit beidseitiger Rastscheibe – dessen Funktion habe ich leider noch nicht rausgefunden. Evtl. wird der Federspeicher für die Schnelltrennung auch unterstützend genutzt.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052425.jpg)
-   Noch in der Aufwärtsbewegung öffnet der Rettungsschirm vollständig und der Kosmonaut sinkt nun mit geringer Geschwindigkeit zu Boden
-   Am Sitz wird der Hauptschirm auch noch während der Aufwärtsbewegung entfaltet
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052426.jpg)
-   der Sitz sinkt auch – vom Hauptschirm gebremst – zu Boden
-   Kosmonaut und Sitz sind räumlich getrennt, beide Schirme entfaltet und man kann erkennen, dass der Kosmonauten-Rettungsschirm längere Leinen hat als der Sitzschirm (ist wichtig, wenn bei normaler Landung beide nacheinander ausgelöst werden und eine Höhenstaffelung entsteht).
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052427.jpg)

dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. Juni 2016, 10:58:00
Teil 4 bei ca. 13:38 min.

-   Test des Katapultsitzes in einer umgebauten IL 28 (Begleitflugzeug Jak 27?)
-   Erster Ausschusstest und danach wird der Kosmonaut in normaler Doppelfallschirmvariante (Hauptfallschirm vom Sitz und im „Endanflug“ noch automatische Auslösung des Rettungsfallschirms) gezeigt. Der Sitz ist schon „runtergefallen“ und der aus dem Sitz herauskommende Hauptschirm ist über das Gurtsystem primär mit dem Kosmonauten verbunden. Damit hat er dann 2 Schirme bei der finalen Landung – war wohl zur damaligen Zeit auch eine Sicherheitsüberlegung, den Rettungsschirm in jedem Falle zusätzlich automatisiert auszulösen
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052410.jpg)
-   Nächster Katapulttest (im Hintergrund MIG 19?) – die Feststoffraketen unten sind in Aktion
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052411.jpg)
-   Übungssprung mit nur 1 Übungsfallschirm, dafür aber Havarieausrüstung NAZ am Seil und Landung im Wasser
-   Am Seil sind Schlauchboot, Schwimmboje und NAZ schon getrennt und in Höhenstaffelung hängend
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052412.jpg)
-   Das Schlauchbot wird beim Heruntersinken schon automatisch aufgeblasen
-   Im Raumanzug der Wostok-Kosmonauten ist ein aufblasbarer Schwimmkragen integriert. Dieser stabilisiert direkt im Wasser und mühevoll muss das Schlauchbot erklommen werden.
Auf der rechten Brustseite des Raumanzuges ist ein Füllschlauch über die Schulter geführt, der aus dem Fallschirmversorgungsgerät gespeist wird. Der Schwimmkragen ist auf der Rückseite des Raumanzuges unter der Einknöpfung verstaut.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052413.jpg)
-   Die übrige Havarieausrüstung NAZ wird aktiviert – die Antennen des Funksystems entfaltet – und Signalmittel aktiviert
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052414.jpg)
-   Generalprobe – noch unbemannt, aber mit allen wesentlichen Komponenten
-   Es ist Frühjahr und es liegt noch Schnee – die Kapsel ist gelandet – im  rechten Hintergrund eine Antonow OKA-38, ein Flugzeug nach dem „großen Vorbild“ Fi 156, welches mit seinen exzellenten STOL Eigenschaften für Suche und Bergung bestens geeignet war
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052415.jpg)
-   Da liegt er – Ivan Ivanowitsch – verdienter Testdummy des Volkes, ein anthopologisches Abbild des Menschen. Im meist namenlosen Heer der Versuchspuppen mit einem Namen versehen, führte er und mindestens ein Zwilling zu vielen Spekulationen bezüglich erstem Kosmonauten im All und Unfällen, Verschwörungen etc. Insbesondere auch dadurch, daß zum Test des Sprechfunksystems automatisch Sprachaufzeichnungen übertragen wurden.
-   Um den unbedarften Finder nicht zu sehr zu verängstigen, wurde ein Zettel mit der Aufschrift MAKET (Modell oder Muster) in den Helm gelegt. Die kyrillischen Großbuchstaben sind in diesem Falle sogar mit den lateinischen gleich.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052416.jpg)
-   Das Kosmonautenzubehör – NAZ System, Schlauchboot und Boje sind auch in unmittelbarer Nähe zu finden. Im Hintergrund (über dem Rücken der gebeugten Person liegt der Dummy im Raumanzug.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052417.jpg)
-   Es müßte sich bei dem Testflug um Korabl-Sputnik 5 (25.03.1961) handeln, da der Hund hell gefleckt ist. Beim Testflug davor, war der Hund deutlich dunkler/schwarz.
-   Der Hund verblieb bis zur Landung innerhalb der Kapsel?
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052418.jpg)
-   Zur Kapsel des Korabl-Sputnik 5 gibt es auch einen Sotheby’s Prospekt aus dem  Jahre 2011. Darin sind viele Abbildungen mit guter optischer Qualität.
http://epizodsspace.no-ip.org/bibl/inostr-yazyki/vostok/wostok-2011.pdf (http://epizodsspace.no-ip.org/bibl/inostr-yazyki/vostok/wostok-2011.pdf)
-   Eine Skizze zur Beschreibung der Landepositionen und „Einzelteile“ gibt einen guten Gesamteindruck gleich zu Beginn.
-   Es wird beschrieben, daß die Kapsel 6,000 Transistors, 56 Elektromotoren und 800 Relais/Schalter hatte. 1967 wurde sie für eine Sicherheitsuntersuchung entkernt.
-   Die Hüllen-Grundstruktur ist dadurch gut zu erkennen. Der zentrale Medienanschluß ist mit einigen Blindverschlüssen versehen.
-   Der Schleudersitz-Rest, der vor allem auf Blatt 20 groß zu erkennen ist gehört da allerdings nicht hin. Er müßte aus der KS-4 Serie, die bei Suchoi Flugzeugen ab den 1960er Jahren zum Einsatz kam stammen.
-   Auf Blatt 21 ist der Testdummy Ivan Ivanowitsch mit dem Rettungsfallschrim zu sehen. Auf seinem Schoß hält er den Hilfsschirm mit Spitznamen „Medusa“ (Quallenform).
-   Gut kann man auch die Sockelunterseite des zentralen Medienanschlusses für den Raumanzug erkennen.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052419.jpg)
-   Bildquelle und Dokumentenlink:
http://epizodsspace.no-ip.org/bibl/inostr-yazyki/vostok/wostok-2011.pdf (http://epizodsspace.no-ip.org/bibl/inostr-yazyki/vostok/wostok-2011.pdf)
-   Abtransport der Kapsel mit Hubschrauber Mil Mi 4
dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. Juni 2016, 10:58:54
Fortsetzung Teil 5 bei ca. 17:30 min.
-   Im Rahmen der Vorbereitung des ersten bemannten Fluges wird Hardware (Raumschiff Typ Wostok, 3 Stufe Trägerrakete und Katapultsitz mit Raumanzug)  in der Montagehalle (MIK 1, Platz 2?) besichtig. Techniker führen Prüfungen durch.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052400.jpg)
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052401.jpg)
-   Die Kosmonautengruppe ist vor Ort. Es könnte sich auch um die Besichtigung eines der vorherigen Sputnik-Korabl Systeme handeln.
-   Posieren vor der Rakete hat sich seit diesen Zeiten nicht geändert.
-   In der „Holzklasse“ werden die Infos zu den Flugsystemen vermittelt. S. Koroljow mit den 6 Finalisten - Kosmonautenanwärtern.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052402.jpg)
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052403.jpg)
-   Schon damals gehörte die Wissensvermittlung zur Bewältigung von Havariesituationen zum festen Schulungsinhalt
Nun wird das NAZ-Paket auf dem Beistelltisch vorgeführt
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052404.jpg)
-   Es beinhaltet Dinge, die der Grundversorgung und Rettung/Bergung des Kosmonauten dienlich sind.
-   Dazu gehören Radio-Kommunikationsgeräte mit Antennenstäben,
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052405.jpg)
-   Kocher, Schlauchboot,  Boje, Wasser, konservierte Lebensmittel, Taschenlampe, Kompass, Erste Hilfe Set
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052406.jpg)
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052407.jpg)
-   und oben drauf das Fallschirmsauerstoffversorgungsgerät.- in einer anderen Ansicht
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052408.jpg)
-   Die Einzelkomponenten sind in einem Rahmengestell positioniert und werden von einem wasserdichten Bezug geschützt.
-   Das Fallschirmsauerstoffversorgungsgerät stellt eine Grundplatte mit Seitenblechen dar, die nach oben gepolstert ist und zum Kosmonautenpopo hin zeigt. Darunter sind das Schlauchboot und die Boje eingestapelt und dann der wasserdicht eingeschlagene Drahtkorb mit dem „Restinhalt“. Alles ist mit der Fangleine in entsprechenden Abständen verbunden und wird durch 3 Stoffbahnen, die von der Grundplatte um das Gesamtpaket gespannt sind kompakt zusammengehalten. Die Stoffbahnen werden mit einem Zentralschloss unten zusammengehalten. Dieses Schloss wird wiederum mit einem Baroautomaten gesichert und kann bei entsprechender Sinkhöhe automatisch geöffnet werden. Damit fallen dann die NAZ Komponenten am langen Seil in den Abständen hängend raus. Das Sauerstoffgerät bleibt mit dem Gurtzeug und der Grundplatte am Kosmonauten – ist insbesondere bei Wasserlandung noch hilfreich wenn starkes Eintauchen vorhanden ist.
-   Das Ganze nochmal in Einbaulage im Sitz. In der Mitte ist der Baroautomat zur Stoffbahnöffnung zu erkennen. Generell sind an dem Sitz sehr viele von diesen Automaten angebracht um entsprechende höhengesteuerte Auslösung mit einstellbarer Verzögerungszeit zu realisieren. Durch logische Verknüpfung in den Schlossgliedern kann damit einfach eine Doppelauslösung an einer Trennstelle erfolgen. Damit erhöht sich die Sicherheit. Vorne rechts am Sitz sind auch gleich noch 2 weitere von den Dingern zu erkennen. Bei der Analyse von vielen Bildern habe ich an mindestens 9 Stellen solche Baroautomaten erkannt.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052409.jpg)
-   Themenschwenk und nächster Teil
dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. Juni 2016, 10:59:41
Teil 6 bei ca. 20:50 min.
-   Das Raumschiff wird für den bemannten Flug vorbereitet. Essen und Trinken sind Dinge, die den Menschen vom Dummy unterscheiden…
-   Tubennahrung wird in das entsprechende Fach gelegt
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052391.jpg)
-   Das erinnert mich gleich mal an Alfons Zitterbacke, der 1966 die Ernährungsumstellung auf „Kosmonautenkost“  mit Senf, Zahnpasta und Anchovispaste aus Tuben testete….
-   Aber es gab auch andere konservierte, hochkalorische Nahrung
-   Hinter den Tuben sind eingeschweißtes Gebäck und Würstchen? zu erkennen
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052392.jpg)
-   Zum Trinken ist auf der linken Seite der Kabine ein entsprechender Schlauch mit Mundstück
vorhanden. Beim ersten Blick auf dieses Teil hätte ich das eher für ein Handstück für ein Schleifwerkzeuge gehalten…
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052393.jpg)
-   Natürlich muss auch das Einsteigen in voller Montur in das Raumschiff geübt werden – sowohl für den Kosmonauten als auch die Plattformmannschaft.
-   Dazu ist in der Montagehalle eine vereinfachte Plattform (aber mit Fahrstuhl) aufgebaut.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052394.jpg)
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052395.jpg)
-   Beim Einsteigen ist der hintere Bereich des Sitzes (Fallschirmsytem etc.) zum Schutz mit einem Blech abgedeckt, dass erst unmittelbar vor dem Aufsetzen der Luke entfernt wird.
-   Montagetätigkeit – Verbindung Raumschiff mit der 3. Stufe etc. Diese Arbeitsschritte sind noch heute ähnlich zu sehen.
-   Lockere Zusammenkunft im Teehäuschen? – die Inspektion war wohl zufriedenstellend.
-   Die Rakete mit dem Raumschiff wird zum Startplatz gefahren. Die Bilder, Filmsequenzen etc. sind ebenfalls heute noch sehr ähnlich.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052396.jpg)
-   Das Beleuchtungsschema der Lok ist nur zu erahnen, da im Film das nächste Bild überblendet wird.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052397.jpg)
-   Rakete wird in den Starttisch eingesetzt und aufgerichtet
-   10.04.1961 –  Sitzung der staatlichen Kommission – mehrere sich abwechselnde Redner referieren über „die wachsende Rolle der Bedeutung“ und über die Bereitschaft zum ersten bemannten Raumflug. Da wohl alles klar ist und keine Fragen mehr bestehen, wird Juri Gagarin für den ersten Flug nominiert.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052398.jpg)
-   Auch nach der Nominierung – keine weitere Fragen oder Vorschläge – also Annahme des Nominierungsvorschlages.
-   Erster Gratulant ist Sergej Koroljow.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052399.jpg)
-   Juri Gagarin nimmt die Wünsche entgegen und antwortet entsprechend dem damaligen gesellschaftlichen Kontext hochprofessionell.
-   Ausführliche Redebeiträge mit nochmaliger Betonung „der wachsenden Rolle der Bedeutung“. Lenin überwacht das Ganze mit Blick von oben.
dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. Juni 2016, 11:00:27
Teil 7 bei ca. 36:30 min.
-   Letzte Vorbereitungen im Flug-Rechenzentrum.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052384.jpg)
-   Telemetriesysteme werden vorbereitet – im Atlantik und Pazifik fahren Schiffe auf Position.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052385.jpg)
-   Medizinische Untersuchung zur Flugfreigabe – keine Abweichungen von der Norm.
-   Rakete wird vollgetankt und hat sich ein weißes Kleid zugelegt
-   Gagarin beim Anlegen des Raumanzugsystemes – der Thermo/Ventilationsanzug ist schon angelegt.
-   Schnell noch Personaldokument kontrollieren und einstecken – auf so einer Reise könnte man das gebrauchen.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052386.jpg)
-   Fast fertig – Kabel und Funkgerät müssen noch in die Tasche.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052387.jpg)
-   Anzug komplett und einmal lächeln – das Bild ist bekannt – aber das runde Teil am Helmkragen (Ventil?) über dem Reisverschluss wird gerne mal als Indiz genommen, die Szene zeitlich vom 12.April zu unterscheiden, da am Flugtag ein dunkler Rand um das Ding erkennbar war. Das CCCP am Helm fehlt auch noch.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052388.jpg)
-   Fahrt mit dem Bus zum Startplatz – die Stimmung ist ausgelassen.
-   Nach dem Knutschmarathon auf dem Startvorplatz geht es jetzt in voller Montur die Treppe hoch. Oleg Ivanovski geht ihm voraus und wird sich persönlich um den korrekten Startabschluss kümmern. Könnte man ihn als den sowjetischen Guenter Wendt bezeichnen?
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052389.jpg)
-   Stellt sich die Frage, wieso bei den Einstiegsübungen in der Montagehalle für einen kleineren Höhenunterschied der Lift benutz wurde (siehe ca. 22 min) und hier der Kosmonaut die lange Treppe bis zum Schräglift selber gehen muss?
-   Nach dem Erreichen der obersten Plattform steigt Juri Gagarin mit Unterstützung der Helfer über den Sitz – Beine voraus krabbelnd in die Kapsel ein.
-   Die Schutzabdeckung des Fallschirms an der Einstiegsluke wird herausgenommen.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052390.jpg)
-   Letzte Startvorbereitungen und Bereitschaftsmeldungen. S. Koroljow hält Sprechfunkkontakt zu Juri Gagarin. Startschlüssel in Bereitschaft… und Start!
dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. Juni 2016, 11:01:20

Teil 8 bei ca. 45:00 min.
-   Start der Rakete – Aufnahme von einer sehr tiefen Position
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052375.jpg)
-   Vom Startbunker wird der Flug beobachtet. Statusmeldung „Flug verläuft gut“.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052376.jpg)
-   Gagarin gibt Status: „Alles normal“
-   Neben der Audio-Funkverbindung werden auch Videosignale empfangen. Die Auflösung ist noch sehr grob.
-   (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052377.jpg)
-   Durch die Übertragung von Videosignalen ist zumindest für die Bodenstation doch eine stärkere Bindung zum Kosmonauten in dieser besonderen Situation vorhanden. Da die Reaktionen des menschlichen Körpers und Geistes durchaus nicht genau vorhersehbar waren, wurde damit auch eine „Beobachterrolle“ für die entsprechend geschulten medizinischen Fachabteilungen ermöglicht.
-   Auch wenn „Kedr“ sich meldet und mitteilt, dass er sich ausgezeichnet fühlt wird das im Gesamtkontext vom Bodenteam bewertet.
-   Die Erdumkreisung ist nun bald geschafft. Das automatische Orientierungssystem sucht die Sonne als Orientierungshilfe, um das Raumschiff für das folgende Bremsmanöver auszurichten. (unten Flugbahn, oben rechts Sonne und angedeuteter Suchstrahl)
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052378.jpg)
-   Das Haupttriebwert ist gezündet und die Bremsung wird durchgeführt.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052379.jpg)
-   Im Idealfall wird die Kapsel planmäßig vom Servicemodul getrennt. Eintritt in die dichteren Schichten der Atmosphäre.
-   Der Rückkehrapparat richtet sich entsprechend Schwerpunkt voran aus. „Reibung erzeugt Wärme“.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052380.jpg)
-   Die Luke hinter dem Kosmonauten wird abgesprengt und fliegt von der Kapsel weg.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052381.jpg)
-   Katapultsitz mit Kosmonaut fliegt raus
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052382.jpg)
-   Die Leine, die den Pilotschirm aus dem Sitz zieht wird gleich noch mit rausgeschossen und der Pilotschirm aus dem Container im Sitz rausgezogen.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052383.jpg)
-   Der Kosmonaut landet dann nach der Abtrennung des Sitzes am kombinierten Haupt- und Reservefallschirmsystem. Der „Restsitz“ fällt nach der Trennung ungebremst zu Boden.
-   Die Kapsel und Kosmonaut sind gelandet. Die ersten Aufnahmen von der Kapsel mit ihrem Fallschirm und der abgeschmolzenen Thermoschutzschicht bzw. den aufgerissenen Wabenstrukturen.
dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. Juni 2016, 11:04:19
Teil 9 bei ca. 51:00 min.
-   Zum Vergleich, nochmal die Flugbahn mit Start und Landepunkt und die Bodenstationen auf der Karte.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052370.jpg)
-   Blick auf den Globus des Wostok-Navigationsgerätes – passt so in etwa.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052371.jpg)
-   Kapsel mit zugehörigem Fallschirm (weiß).
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052372.jpg)
-   Fallschirmsystem des Kosmonauten (orange/weiß) – im Vordergrund Bildmitte kann man die Blechverkleidung des Sauerstoffversorgungssystems unter dem Gurtzeug erahnen.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052373.jpg)
-   Es ist geschafft. Juri Gagarin und seinen Betreuern steht die Freude und Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Raumanzug abgelegt und nur noch im Thermo/Ventilationsanzug sitz er erleichtert und aufgehippelt da.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052374.jpg)
-   Das berühmte Lächeln – nun auch als geflogener „richtiger Kosmonaut“.
-   Per Telefon wird über die erfolgreiche Erfüllung der Aufgabe an den Chef berichtet.
-   Wer sollte wem in diesem Falle danken?
-   Mit der Darstellung eines R7 Starts wird nochmal auf die rosige Zukunft der Raumfahrt verwiesen.
dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jakda am 05. Juli 2016, 19:59:53
Der rauchende Gagarin...

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up055810.jpg)

1665 beim Angeln im heute russischen Artek. Übrigens zu Ost-Zeiten ein berühmtes Kinderferienlager (durfte leider nicht dorthin...).

Uppppps 1965 - danke
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 05. Juli 2016, 20:11:33
Da dürfte sich ein Fehlerteufel eingeschlichen haben. "1665 beim Angel ... "
Ich vermute damals wurde anders geangelt.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 05. Juli 2016, 22:29:57
Antwort auf #119 zu Bildsequenz 16:46
Die Puppe wurde herausgeschleudert, der Hund ist in der Kapsel gelandet.
Quelle http://www.zarya.info/Diaries/Launches/Launches.php?year=1961 (http://www.zarya.info/Diaries/Launches/Launches.php?year=1961) siehe bei 1961-008 und 1961-009.
Problem: der Schnee.
- - -
Bei Fehlstart am 22.12.1960 ist die Kapsel im Schnee gelandet. Allerdings waren zwei Hunde (Cometa und Schutka) an Bord gewesen. Diese hatten bei der geplanten Landung aus der Kapsel mit Schleudersitz herausgeschleudert werden sollen, was aber bei der Notlandung nicht der Fall war.
Quelle Harro Zimmer: Der rote Orbit; 1996, Franckh-Kosmos-Verlag.
- - -
Es werden wunderschöne Details präsentiert, aber wie ist das eigentlich mit der Flugdauer von Wostok-1. Wie lange ist die Rückkehrkapsel geflogen, wie lange der Kosmonaut? Gibt es da etwas aus russischen Quellen?

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: wernher66 am 07. August 2016, 23:32:56
In diesen Tagen gibt es ein weiteres 55jähriges Jubiläum: der eintägige Raumflug von German Titow, mit 26 Jahren bis heute der jüngste Raumfahrer der Welt.
Schöne Fotos habe ich auf Facebook gefunden.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052558.jpg)
Titow und Nikolajew auf dem Weg zur Startrampe

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052559.jpg)
Titow filmte und fotografierte erstmals die Erde

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052560.jpg)
Wostok-2 nach der Landung


Quelle:
https://www.facebook.com/RoscosmosFanPage/?fref=ts (https://www.facebook.com/RoscosmosFanPage/?fref=ts)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jakda am 08. August 2016, 09:50:41
Dazu gibt es hier auch einen Beitrag:

www.youtube.com/watch?v=Bsruxn5QBDs (https://www.youtube.com/watch?v=Bsruxn5QBDs)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 08. August 2016, 11:00:57
Ach herjeh ..... Hier ist ja vieles kunterbund zusammen geschnitten !   ???
Schöne historische Farbaufnahmen, einige nachgedrehte, und vieles, was nicht zu Wostok-2 gehört.

Aber egal. Der Überblick, welche Aufnahmen/Filmsequenzen wann entstanden sind, ist längst verloren gegangen und man macht sich auch nicht mehr die Mühe, das zu sortieren.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 08. August 2016, 15:04:24
Auch mit der korrekten Wiedergabe von Fotos nimmt man es offenbar nicht immer genau. Das untere Bild von Antwort #128 ist leider spiegelverkehrt wiedergegeben, gut erkennbar am Kfz.-Kennzeichen des Lkw´s. Und ich kenne da noch weitere Beispiele aus der Wostok-Ära, wo man Fotos ebenfalls spiegelbildlich entwickelt hat.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 08. August 2016, 20:29:45
Im Zusammenhang mit Titow´s Raumflug habe ich irgendwo mal gehört oder gelesen (wo genau weis ich leider nicht mehr), dass man seinen Start bewusst auf Anfang August 1961 gelegt hat, weil sein Raumflug naturgemäß stärkere Medienpräsenz hervorrufen würde, und die Bevölkerung dadurch etwas vom kurz bevorstehenden Mauerbau in Berlin abgelenkt werden sollte.
Realität, oder doch nur eine Legende?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 08. August 2016, 21:20:41
.... Das ist wohl eher Legende. Dafür war er gleich im September in der DDR (auch wegen der propagandistischen Unterstützung des Mauerbaues). Gagarin kam erst später in die DDR (1963 mit Tereschkowa). Der reiste zuerst nach Großbritannien.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: wernher66 am 09. August 2016, 20:17:04
Asif Siddiqi, einer der besten Kenner der sowjetischen Raumfahrt, gibt in seinem Buch "Challenge to Apollo" zwei Quellen an, die auf den Zusammenhang zwischen dem
Flug von Wostok-2 und dem Bau der Berliner Mauer hinweisen:
Sergej Chruschtschow in seinem Buch über seinen Vater Nikita Chruschtschow und G.Salachutdinow in einem Artikel in der Zeitschrift "Ogonjok" (34, 18.-25.8.1990, S.4-5).
Demnach hat Chruschtschow bei einem Treffen auf der Krim im Juli 1961 Koroljow gebeten, den nächsten bemannten Raumflug (nach Gagarin) nicht später als am 10.8.1961 durchzuführen.
Gründe dafür hat er Koroljow nicht mitgeteilt.
Chruschtschow hat nur zweimal Terminvorgaben für sowjetische Raumfahrtunternehmen gegeben: Sputnik-2 und Wostok-2.
Ansonsten hat er sich nie direkt eingemischt.
In der Summe halte ich einen politisch motivierten Starttermin für Wostok-2 plausibel.
Beweise (Regierungsdokumente) habe ich allerdings nicht.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 10. August 2016, 09:06:18
Das klingt logisch ... .
OK: Die  "Ogonjok" kann man in der Berliner Staatsbibliothek nachlesen. Dazu fehlt mir im Augenblick die Zeit. Und Sergej (!) Chruschtschow's Buch habe ich vermutlich im Schrank. Mal sehen, was dazu drin steht. Ich melde mich dazu ... dauert nur etwas.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 12. August 2016, 23:01:35
Freitag Abend. Eine arbeitsreiche Woche liegt hinter einem. Da greift man doch gern zu einem interessanten Buch ... .
Sergej Chruschtschow "Die Geburt einer Supermacht", Elbe-Dnjepr-Verlag 2003, 616 Seiten

Und da lesen wir auf Seite 384: "...Unerwartet für mich bat der Vater, er befahl nicht, den Start (Wostok-2) nicht später als am 10. August zu realisieren. Gewöhnlich versuchte er nicht, sich in solche Sachen einzumischen. Aber in diesem Fall änderte er sein Verhalten. Koroljow war bereit zuzustimmen. ..... Er (Chruschtschow) versprach, den Empfang für Titow genau so zu organisieren, wie für Gagarin. ..."

In einen anderen Wälzer, den inoffiziellen Memoarien "Chruschtschow erinnert sich" von 1971 ist dazu nichts zu finden. Das widerspricht aber der oben genannten Quelle nicht.
Sachverhalt geklärt/bestätigt ... und wieder was dazu gelernt.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 13. August 2016, 19:57:28
Freitag Abend. Eine arbeitsreiche Woche liegt hinter einem. Da greift man doch gern zu einem interessanten Buch ... .
Sergej Chruschtschow "Die Geburt einer Supermacht", Elbe-Dnjepr-Verlag 2003, 616 Seiten

Wirklich, ist ein interessantes Buch. Habe da auch gleich nochmal nachgelesen, zu dem fraglichen Thema.
Da es in dem Tread hier ja nicht nur um Gagarin, sondern auch um Tereschkowa und nun Titow geht, wäre es vielleicht angemessen, den Treadtitel mal umzubenennen. Wir wäre es mit "Gagarin und die anderen Wostok-Kosmonauten"? Ist da was machbar?

Gruß, Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 13. August 2016, 20:45:47
Würde ich auch begrüssen .... .
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 22. August 2016, 19:44:36
Die Testflüge die den bemannten Raumflügen vorangingen sollten auch behandelt werden.
Dazu habe ich folgende Zeitungsmeldung:
Fuldaer Zeitung, Montag, 22. August 1960 / Nummer 191 – Seite 1
»… Nach der 18. Erdumkreisung kehrten, wie die sowjetische Nachrichtenagentur TASS am Sonnabend berichtete, das „Weltraumschiff“ und die Kapsel mit den Versuchstieren, darunter die beiden Hunde Strelka und Belka auf ein Funksignal nach einem Flug von über 700 000 Kilometern im Weltraum sicher zur Erde zurück. „Weltraumschiff“ und Kapsel gingen in einem Umkreis von nur zehn Kilometern vom vorgesehenen Zielgebiet nieder. …«
»… Diesem Versuch war bereits am 15. Mai der Start eines von den sowjetischen Stellen „Weltraumschiff“ genannten Flugkörpers vorausgegangen, in dem sich jedoch nur Meßinstrumente und Funkgeräte sowie die Puppe eines künftigen Weltraumpiloten befanden. …«
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 23. August 2016, 09:06:28
Strelka und Belka sind mit Korabl-Sputnik-2 (oder kurz Korabl-2) geflogen und waren die ersten Lebewesen, die nach einem Orbitalflug lebend zur Erde zurückgekehrt sind.
Bereits in den 1950er Jahren erfolgten in der Sowjetunion aber zahlreiche Höhenraketenflüge mit Hunden und anderen Versuchstieren, welche die Flüge ebenfalls heil überstanden. Allerdings waren das noch suborbitale Raumflüge, bei denen Höhen von 100 bis 500 km erreicht wurden.
Die folgenden Fotos zeigen zwei Ansichten einer Hundekabine im Museum von Baikonur, wie sie auch bei den Korabl-Flügen zum Einsatz gekommen ist.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052820.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-31529010/Korabl-TierkabineimMuseumBaikonur_5.jpg.html)

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052821.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-31529017/Korabl-TierkabineimMuseumBaikonur_3.jpg.html)

Fotos: Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Schillrich am 23. August 2016, 09:16:16
Warum hatte sich die Sowjetunion bei diesen Tests für Hunde entschieden? In der Vorbereitung für Flüge mit Menschen würde ich erwarten ein physiologisch ähnliches Lebewesen zu nehmen, um Analogien abzuleiten, bei den Belastungen/Reaktionen im Körper aber auch beim Design (des Sitzes bspw).

Vielleicht etwas plakativ: Für Affen kann man eine Sitzhaltung definieren und einen passenden Sitz designen. Aber für Hunde?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 23. August 2016, 10:17:19
Warum hatte sich die Sowjetunion bei diesen Tests für Hunde entschieden? In der Vorbereitung für Flüge mit Menschen würde ich erwarten ein physiologisch ähnliches Lebewesen zu nehmen, um Analogien abzuleiten, bei den Belastungen/Reaktionen im Körper aber auch beim Design (des Sitzes bspw).

Vielleicht etwas plakativ: Für Affen kann man eine Sitzhaltung definieren und einen passenden Sitz designen. Aber für Hunde?

Ich zitiere dazu mal aus dem Buch "Wostok - Woschod - Sojus / Die Pionierjahre der bemannten sowjetischen Raumfahrt", erschienen bei der Deutschen Raumfahrtausstellung, Morgenröthe-Rautenkranz e.V.

"... Das Team von Jasdowski musste entscheiden, welche Tiere mit den Raketen in den Weltraum fliegen sollten. Affen und Hunde standen zur Auswahl. Jasdowski entschied sich für Hunde. Sie erschienen leichter zu dressieren, weniger anfällig für Erkankungen und weniger erregbar bei Stress zu sein. Die Hunde sollten möglichst klein und leicht sein, weil in der Rakete sehr wenig Platz zur Verfügung stand..."

Soweit das Zitat. Zwar bezieht sich der Buchtext auf die Auswahl der Hunde für die Höhenraketenflüge, im Kern dürften die Worte aber auch auf die Korabl-Flüge zutreffend sein.
Zudem dürften Hunde auch wesentlich einfacher zu beschaffen gewesen sein als Affen. Herrenlose "Promenadenmischungen" gab es in den Städten schließlich mehr als genug, die man einfach nur einzufangen brauchte. Und das Wort Tierschutz war damals noch ein Fremdwort.

Gruß, Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Schillrich am 23. August 2016, 10:27:00
Das ist dann wohl eine Abwägung gewesen: Beschaffung, Pflege und auch Leistung der Raketen auf der einen Seite (sprach wohl für Hunde) ... und Erkenntnismöglichkeiten und Analogien für den bemannten Flug (hätte wohl eher für Affen gesprochen).
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Hiegus am 23. August 2016, 11:23:36
Es gibt diesen sehr guten Film über die Hunde von Baikonur.

https://www.amazon.de/Die-Hunde-Kosmonauten-von-Baikonur/dp/B002ORMTAG (https://www.amazon.de/Die-Hunde-Kosmonauten-von-Baikonur/dp/B002ORMTAG)

Sehr zu empfehlen!
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 23. August 2016, 13:29:15
Ergänzung zu #139
Die Nachrichtenagentur TASS berichtet von „Weltraumschiff“ und Kapsel gingen ..., darauf wollte ich hinweisen. Dass sind die Kleinigkeiten die Zeitungsmeldungen Interessant machen.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 23. August 2016, 16:05:01
Es gibt diesen sehr guten Film über die Hunde von Baikonur.

https://www.amazon.de/Die-Hunde-Kosmonauten-von-Baikonur/dp/B002ORMTAG (https://www.amazon.de/Die-Hunde-Kosmonauten-von-Baikonur/dp/B002ORMTAG)

Sehr zu empfehlen!

Hallo,

Das kann ich nur bestätigen.Sehr viel Filmmaterial was ich noch nie gesehen hatte.
Absolut informativ  :)

Hatte den Film mal im TV mitgeschnitten.

Gruss jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Trillian am 23. August 2016, 21:44:35
Übersicht der Korabl-Testflüge
- - - - - - - - - -
Startdatum  Name  Technische Bezeichnung  FlugdauerAnmerkungen
15.05.1960  Korabl  1KP Falsche Ausrichtung beim Bremsmanöver, dadurch in höhere Bahn gelangt.
28.07.1960  - -  1K Nr.1 Trägersystem explodiert
19.08.1960  Korabl-2  1K Nr.2  1d 2hErfolgreiche Landung, dabei erstmalige Rückkehr von Lebewesen aus einen Erdorbit.
01.12.1960  Korabl-3  1K Nr.5  1d 2hFalsche Abstiegsbahn, Selbstzerstörung
22.12.1960    - -   1K Nr.6   Unplanmäßiger suborbitaler Flug, Probleme bei Bergung
09.03.1961  Korabl-4   3KA Nr.1   107 min 1.Generalprobe, Kapsel bei Landung beschädigt
25.03.1961   Korabl-5   3KA Nr.2   107 min 2.Generalprobe, Probleme bei Trennung zwischen Kapsel und Geräteteil
- - - - - - - - - -
Quelle: Stefan Wotzlaw: "Das Wostok-Programm"; 2. vollständige überarbeitete Auflage; Schriftenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Mörgenröthe-Rautenkranz e.V.
- - -
Startdatum von Korabl-4 und -5 wurden nachträglich verändert.



Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Raffi am 23. August 2016, 23:29:28
- - - - - - - - - -
Startdatum  Name  Technische Bezeichnung  FlugdauerAnmerkungen
15.05.1960  Korabl  1KP Falsche Ausrichtung beim Bremsmanöver, dadurch in höhere Bahn gelangt.
28.07.1960  - -  1K Nr.1 Trägersystem explodiert
19.08.1960  Korabl-2  1K Nr.2  1d 2hErfolgreiche Landung, dabei erstmalige Rückkehr von Lebewesen aus einen Erdorbit.
01.12.1960  Korabl-3  1K Nr.5  1d 2hFalsche Abstiegsbahn, Selbstzerstörung
22.12.1960    - -   1K Nr.6   Unplanmäßiger suborbitaler Flug, Probleme bei Bergung
09.03.1960  Korabl-4   3KA Nr.1   107 min 1.Generalprobe, Kapsel bei Landung beschädigt
25.03.1960   Korabl-5   3KA Nr.2   107 min 2.Generalprobe, Probleme bei Trennung zwischen Kapsel und Geräteteil
- - - - - - - - - -


Sollte bei den letzten beiden Korabl-Flügen die Jahreszahl nicht 1961, statt 1960 lauten?   8)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: fl67 am 24. August 2016, 10:02:38
Sollten wir diesen Thread nicht besser in "Wostok-Programm" umbenennen ?
Denn es geht ja nicht mehr nur um Gagarins Flug...
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 24. August 2016, 10:20:01
Die Frage nach einer Umbenennung des Treads stand ja schon mehrmals im Raum, nur tut sich da leider nichts...?
Ich wäre auf jeden Fall dafür.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Nitro am 24. August 2016, 13:31:29
Die Frage nach einer Umbenennung des Treads stand ja schon mehrmals im Raum, nur tut sich da leider nichts...?
Ich wäre auf jeden Fall dafür.

Ist mir wohl irgendwie entgangen...sorry. Thread umbenannt in Wostok-Programm.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 24. August 2016, 22:58:51
Schön, dass das geklappt hat. Danke Nitro!
Und um gleich nochmal auf einen früheren Post von Trillian zurückzukommen.

Die Nachrichtenagentur TASS berichtet von „Weltraumschiff“ und Kapsel gingen ..., darauf wollte ich hinweisen. Dass sind die Kleinigkeiten die Zeitungsmeldungen Interessant machen.

Genaugenommen kann man die unbemannten Wostok-Raumschiffe (Korabl-Sputnik) nicht nur zweifach (wie in der TASS-Meldung genannt) sondern sogar dreifach unterteilen:

- In das eigentliche Weltraumschiff:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052817.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-31541759/wostok_01.jpg.html)


- In die Landekapsel (Foto: Wostok 1K Nr. 6), dann schon ohne die Gerätesektion:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052818.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-31541774/22121960-1Korabl1KNr.6.jpg.html)


- Und in die aus der Landekapsel katapultierte Hundekabine:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up052819.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-31541785/RckkehrkabinevonKorabl-2.jpg.html)


Anstelle der Hundekabine kam dann bei den bemannten Wostoks ein Schleudersitz für die Piloten zum Einsatz, vom dem hier in dem Tread schon mehrfach Abbildungen gezeigt wurden.

Gruß, Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Voyager_VI am 29. September 2016, 21:36:13
@Wilga35,

und wer den Bausatz von Wostok vor einigen Jahrzehnten kannte, da wurde als weiterer Bestandteil des Raumschiffs die Oberstufe der Trägerrakete angeboten.  ;)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Ldf am 29. September 2016, 21:46:29
Ich würde so einteilen:

1K - sogenanntes kosmitscheski korabl, die unbemannte Testversion,
2K - die Zenit-Spionagesatelliten
3K - Wostok und in etwas modifizierter Form, die Woschod

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 01. Oktober 2016, 16:07:00
@Voyager_VI

den Plastikmodellbausatz der Wostok kenne ich. Allerdings war die Oberstufe kein Bestandteil des Raumschiffs, sondern sie gehörte zur Trägerrakete. Vielleicht dachten sich die Schöpfer des Modells, dass das Raumschiff mit der Oberstufe optisch besser zur Wirkung kommt, und haben deshalb diese Darstellung gewählt? Und ein schönes Modell war es ja allemal.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 01. Oktober 2016, 21:03:42
...  Vielleicht dachten sich die Schöpfer des Modells, dass das Raumschiff mit der Oberstufe optisch besser zur Wirkung kommt, und haben deshalb diese Darstellung gewählt? Und ein schönes Modell war es ja allemal.

Die Ursache mit der Oberstufe liegt bestimmt woanders. Auf der WDNCH (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Ausstellung_der_Errungenschaften_der_Volkswirtschaft (https://de.wikipedia.org/wiki/Ausstellung_der_Errungenschaften_der_Volkswirtschaft) ) war ein Modell der Wostok mit der dritten Oberstufe in 1:1 ausgestellt. Daran wird man sich angelehnt haben. Auch findet man in der endsechziger, siebziger Fachlitteratur der DDR (z.B. Stache) immer die Darstellung mit der dritten Stufe. Das machte den ganzen Flugkörper so noch größer gegenüber der geradezu mickrig wirkenden US-Merkury-Kapsel. Im Modellsatz konnte man natürlich die dritte Stufe auch weglassen und voll die Gerätesektion sehen.
(Ich musste das Foto aus Lizenzgründen zurück ziehen .... Gerade gelesen, dass es Probleme geben könnte. Mist! Googelt mal selber nach Bildern "WDNCH cosmos Wostok"
Das Foto stammt von dieser Sammlung
Hier hat man wirklich einen guten Überblick , was mal dagewesen ist. Dank an den Betreiber dieser Seite.


Mitte der 90er Jahre verschwand alles und es ist für mich nicht geklärt wo alle Modelle abgeblieben sind.
Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass einige Modelle jetzt z.B. im Luftfahrtmuseum in LeBourget sind. Bei dem dortigen ausgestellte 1:1 Wostok-Modell fehlt die dritte Stufe und der Unterkegel der Gerätesektion. Man könnte meinen, es sind nur 2/3 des Exponates angekommen.   
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up055809.jpg)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Vostok-1-musee-du-Bourget-P.jpg (https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Vostok-1-musee-du-Bourget-P.jpg)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 01. Oktober 2016, 21:41:14
Die Konfiguration des Wostok-Raumschiffes wurde erst 1965 veröffentlicht - Meist in der Darstellung mit der dritten Stufe. Da aber die Experten schon wussten, dass das zum eigentlichen Raumschiff nicht dazu gehörte kam es zu seltsamen "Interpretationen". In dem amerikanischen Film "Marooned" von 1968 erscheint auch ein Wostok-ähnliches Raumschiff. Seht einmal die Stelle im Video ab 1:36 an. Der Unterkegel fehlt... .

https://www.youtube.com/watch?v=SEpHyC72gss (https://www.youtube.com/watch?v=SEpHyC72gss)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 22. Oktober 2016, 20:01:51
Im Folgenden ein paar Gedanken zu den Themen;
-   Tereschkowa Flug und Landung im Allgemein
-   Tereschkowa Landung und Schleudersitz im Speziellen
---- Flug und Landung ----
Was zeigt sich in Summe auf den Bildern der Landung?
Grundsätzlich kann man alle zu erwartenden Utensilien, die bei der Landung nach einem realen Flug da sein müssten erkennen. Raumanzug mit Innenanzug, Fallschirme, Kapsel und Sitz, Kosmonaut, die 2 Fallschirmkorallen, das NAZ, Fallschirmsauerstoffgerät, Funkgerät mit entfalteten Antennen, Schwimmboje , Schnürstiefel etc. etc. Und dies läßt sich auch in einer Gesamtlage, von mehreren Positionen aus gefilmt ausmachen.
Ein weiteres Bild, welches im Thread bisher nicht vorkam auch noch als Ergänzung:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053528.jpeg)
Bildquelle: http://www.rbc.ru/society/07/03/2013/5704048f9a7947fcbd446701 (http://www.rbc.ru/society/07/03/2013/5704048f9a7947fcbd446701)
Gleichzeitig sind auf den Filmaufnahmen noch Dinge und Personen, die man so nicht erwarten würde und die damit zum Rätselraten beitragen. Dazu gehören die umstehenden Personen, sowohl Militär als auch Landbevölkerung. Die Gesamtheit der Dinge zeigt, dass hier wohl was nicht nach Plan gelaufen ist.
Wenn man annimmt, dass die Kapsel und Kosmonautin an einer ungeplanten Position gelandet sind kann man einen Teil des Durcheinanders durchaus erklärbar machen.
Das reale Landegebiet war innerhalb der Zivilisation und nicht gesperrt. Weiterhin weit genug vom geplanten Landegebiet entfernt, daß hierfür keine Vorkehrungen bezüglich Bergungskräften getroffen wurden und diese auch nennenswerte Zeit brauchten bis sie eintrafen.
Die ersten Kräfte vor Ort waren wohl Einwohner eines Dorfes und Brückenbauer, die die Landung erlebten und aus Interesse und Hilfsbereitschaft da hingeeilt sind.
Man stelle sich mal vor, im Jahr 1963 fallen ein Fluggerät und eine Person, jeweils am Fallschirm zu Boden und noch ein paar Teile (Deckel und Sitz etc.) fallen auch noch runter. Evtl. hört man noch Pyrotechnik und das Ganze sieht auf den ersten Blick nach einem Unfall aus.
Selbst wenn man die Berichterstattung der vorhergehenden 4 Flüge aus Presse und Film (Wochenschau oder TV) gut kannte, aktuelle Meldungen über den (Doppel)Flug selbst gehört hatte, weitere Berichte mit Infos und Bildern zum Raumschiff und Raumflug gesehen hat – es ist dennoch auszuschließen, daß die Menschen vor Ort gleich wußten was hier los war.
In einer solchen plötzlich eintretenden Situation geht ja sicher erst mal eine Meldekette über die örtlichen Organe los, die erst mal von einem Unfall ausgehen. Wenn da was vom Himmel fällt, wird gleich noch die Frage nach Sabotage gestellt. Anfang der 1960er Jahre wurde ja noch sehr schnell nach Diversanten etc. gesucht und es gab eine reale Angst, dass hier Aktionen im Gange sind.
Wenn dann Polizei oder Militär vor Ort eintreffen ist nachdem die Bergung von Personen und Gefahrenabwehr geklärt waren, die Sicherung der „Absturzstelle“ sicher erstes Gebot gewesen.
Dazu gehört wohl auch, den zu sichernden Bereich zur Sammlung und Konzentrierung der „Reste“ zu optimieren. Gleichsam konnte man in einem überschaubaren Gebiet auch sicherstellen, daß nicht zu viele Dinge abhanden kommen. Somit ergibt sich dieser kleine Konzentrationsraum.

Nach dieser ersten Sicherungsaktion wird dann wohl eine offizielle Information aus Moskau oder anderer übergeordneter Stelle eingetroffen sein, die die Erwartung spezialisierter Bergungskräfte ankündigte. Und bis dahin wurde wohl gewartet. Und dann ist da noch ein junges Mädchen inmitten dieses Durcheinanders – na da werden die Mütter unter den umstehenden Menschen ja gleich nochmal weicher in Herz und Knie!
Sicher haben die Menschen versucht Valentina Hilfe und Unterstützung anzubieten und Sie mußte auch erst mal mit der komplexen Situation – auch emotional umgehen.
Da läüft dann erst mal Vieles improvisiert ab.
Warum ist V. Tereschkowa schon umgezogen und trägt „Zivilklamotten“?
Sie war ja mehr als 70 Stunden im Weltraum und davor auch schon im Anzug. Selbst bei voller Klimatisierung ist das auf Dauer nicht angenehm. Ich hab an der U-Schule mal eine 72h Übung ohne Klamottenwechsel mitgemacht. Da will jeder nur noch raus und sich frisch machen. Unsere weiblichen Armeeangehörigen hatten zum Schluss nur noch dieses Thema – bei Frauen ist ja die Ordnung und Sauberkeit von Natur aus stärker ausgeprägt. So ist es nur nachvollziehbar, das eine Gelegenheit zum Anzugswechsel gesucht und auch gefunden wurde.
Durch die Zivilklamotten und die Konzentrierung aller Utensilien auf kleinsten Raum entsteht dann sicherlich der Eindruck einer Trainingssituation. Dem entgegen spricht für mich z.B. der Umstand, daß wirklich alles erdenkliche entfaltet und in Benutzungszustand ist – auch die Kapsel.

Nun kommt das Kamerateam auch noch dazu und muss versuchen aus der Situation das Beste zu machen. Die bekannten Filmsequenzen zeigen ganz gut die Lage von mehreren Positionen aus. Tereschkowa ist sehr emotional. Nach so einem Flug muß man erst mal was essen und trinken. Und die Zeitung wird auch noch gleich gereicht – ist ja fast Feierabendstimmung nach getaner Arbeit.
--- --- --- --- --- ---
In der vorangegangenen Diskussion wird ja auch die Frage zur Anerkennung der Wostok Flüge durch die FAI gestellt. Dabei wird u.a. angezweifelt, ob der Aspekt der Katapultierung dazu bekannt gemacht oder weggelassen wurde.
Für die Wostok-6 Mission folgende Info:
Es gibt hier dazu die entprechende Zertifikate in RU und EN Ausführung. Es wird jeweils für die Kosmonautin und die Kapsel eine separate Zeitangabe der Landung angezeigt.
Im russischen Text wird beschrieben, daß sich die Kosmonautin vom Raumschiff getrennt hat (отделилась) und im englischen Text wird sie raus-  oder abgeworfen „jettisoned“ .
http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053529.jpg (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053529.jpg)
http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053530.jpg (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053530.jpg)
Ergänzt wird die Beschreibung noch von einem Landeschema.
http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053531.jpg (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053531.jpg)
Generell findet man auf der Seite, zu der die Dokumentenlinks gehören viele Fotos und Dokumentenkopien zum Wostok-6 Flug.
http://vystavki.rgantd.ru/tereshkova-2013/index.html (http://vystavki.rgantd.ru/tereshkova-2013/index.html)
Das zeigt, daß hier doch mit ordentlichen Angaben agiert wurde.

dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 22. Oktober 2016, 20:02:51
---- Schleudersitz im Speziellen ----
Nun stellt sich aber die Frage, warum der Sitz auf den Bildern so intakt aussieht.
Um die Verhältnisse am und um den Sitz besser erkennen zu können, hier noch ein aufbereitetes
Bild für die Rot/Blau Brille.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053522.jpg)
Dabei ist der Sitz stärker im Vordergrund wahrnehmbar und die Konturunterscheidung zu den dahinter sitzenden Damen gelingt etwas besser.
Die Dame rechts neben Tereschkowa wird von mehreren Quellen als Любовь Мазниченко/ Lybov Maznichenko benannt, einer Ärztin, die auch als Fallschirmspringerin sehr erfolgreich war und dem Bergungsteam, welches zuerst die Landestelle erreichte angehörte. Da sie auch schon umgezogen ist (kein Sprunganzug und Gerödel mehr da), kann man davon ausgehen, daß die ersten Untersuchungen Terschkowas bereits erfolgten und jetzt hautptsächlich ärztliche Sicherstellung erfolgt.
In einem der Filme sieht man sie auch auf dem Rücktransport mit Tereschkowa nach dem Umsteigen von der AN-2 in einem „größeren Flugzeug“, sodaß man annehmen kann, daß sie von der Landung bis zur Übergabe nach Moskau die Betreuung des Nachflugmedizinprogramms sichergestellt hat.
Nun wieder zurück zum Sitzthema:
Durch die Beinstellung der Ärztin, die sich neben/hinter dem Sitz mit Hose und Schuh ergibt, wird das Auge etwas von einer Bruchstelle des Sitzes abgelenkt, da sich eine gerade Linie ergibt.
Im Bild ist nur die Oberstruktur des Sitzes schräg von hinten zu erkennen. Wie es an der Vorderseite oder an der Unterseite aussieht erschließt sich nicht. Weiterhin ist im Bereich der Verstauöffnung für das NAZ und Fallschirmsauerstoffgerät keine große Öffnung zu erkennen, sondern ein Sack – evtl. Fallschirmtransportsack ist da reingelegt worden.
Da müßte eigentlich ein großer offener Schacht sein.
Um den Sitz nochmal genauer zu betrachten – noch ein paar Skizzen:
Draufsicht
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053523.jpg)
Darstellung einiger innerer bzw. unterseitiger Strukturelemente
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053524.jpg)
Und nun noch zur besseren Erkennbarkeit – der größte Hohlraum – rot gekennzeichnet. Das ist der Schacht, der auf dem ersten Bild oben erkennbar sein sollte.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053525.jpg)
Läßt sich der Zustand des Sitzes weiter erklären?
Es kommt ja auch darauf an, wie/wo der Sitz aufprallt und welche Bremsbeschleunigung sich dadurch ergibt. Wenn der Boden „weich „ ist kann da durchaus ein begrenztes Verformungsbild auftreten, bei dem die Hauptstruktur intakt bleibt. Auf dem Boden kann man Gras erkennen, wenig Steine und etwas Sand.
Wo hat der Sitz stabile oder zusätzlich verstärkte Bereiche und wo ist er eher deformierbar?
Das hängt natürlich von seinem Strukturaufbau ab, der wiederum mit den Funktionsbereichen zu tun hat.
Der Sitz richtet sich beim Fallen wohl mit seinem Masseschwerpunkt nach unten aus und der „Blechkragen“ am oberen Ende führt ihn auch etwas, sodass ein Aufschlag im vorderen unteren Bereich wahrscheinlich ist.
An der Unterseite ist er durch das Schleudersitzrohr und die Feststoffraketenbehälter mit den zentralen Befestigungsstellen ebenso sehr stabil, wie im direkten vorderen Bereich, der mit Ventilatoren, Elektrosteuerung, Batterien etc. „vollgestopft“ ist.
Vom vorderen, geschlossenen Strukturbereich ergibt sich nach hinten zur flachen Schale ein Übergang, bei dem die Profilstruktur „aufgeht zu einem U-Profil und gleich danach noch die Seitenhöhe abnimmt. In diesem Übergang ist ein ordentlicher Übergangsradius vorhanden – aber hier ist insgesamt der größte Steifigkeitssprung in der Struktur.
Also, zum Thema Festigkeitslehre/Schadenskunde könnte man an dem Sitz da noch sehr viel betrachten – aber erst mal gut soweit. (Nebenberkung: Es gibt da auch wirklich schöne Bücher von C. Mattheck)
In Aufschlagskonfiguration – also nach Abtennung vom Kosmonauten ergibt sich ein großer Hohlraum im Bereich des NAZ Überlebenspacks und Fallschirmsauerstoffgerät, da diese durch den herabfallenden Sitz herausgezogen werden.
Dort ist die Öffnung nur noch durch eine Blechwand oben geschlossen.
Bei genauerer Betrachtung der Übergangsbereiche um die Öffnung ergeben sich 4 Stellen, an denen ein Schaden erkennbar ist.
Dazu die folgenden Bilder:
Vergleichsansicht mit einem Sitz aus einer Trainingskapsel – mit Dank an das Wostok Bilderarchiv des Forums.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053526.jpg)
Und das Ganze noch mit den 4 Schadensstellen:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053527.jpg)
Da es ja durchaus üblich ist bei Schadensereignissen bis zur Sicherung des Ereignisbereiches Planen etc. über die Reste zu decken, ist es nicht verwunderlich, einen Sack in der Öffnung des NAZ zu sehen. Wahrscheinlich würde der direkte Blick da hinein noch deutlichere Beschädigungen und ggf. das Durchdringen von Bauteilen der Unterseite zeigen. Aber das ist hier nur Spekulation.
Insgesamt ist der Zustand des Sitzes, sowohl die Güte der Gesamtstruktur als auch die Beschädigungen durchaus nachvollziehbar und zeigen somit, daß er im realen Einsatz innerhalb des Fluges von Wostok-6 gewesen sein müßte und sein Gesamtzustand nicht verwundert.

dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 23. Oktober 2016, 11:14:22
Hallo dksk,

hast da wieder eine äußerst brilliante Analyse geliefert. Danke!
Ich will mich auch nochmal dazu äußern.


Gleichzeitig sind auf den Filmaufnahmen noch Dinge und Personen, die man so nicht erwarten würde und die damit zum Rätselraten beitragen. Dazu gehören die umstehenden Personen, sowohl Militär als auch Landbevölkerung. Die Gesamtheit der Dinge zeigt, dass hier wohl was nicht nach Plan gelaufen ist.
Wenn man annimmt, dass die Kapsel und Kosmonautin an einer ungeplanten Position gelandet sind kann man einen Teil des Durcheinanders durchaus erklärbar machen.
Das reale Landegebiet war innerhalb der Zivilisation und nicht gesperrt. Weiterhin weit genug vom geplanten Landegebiet entfernt, daß hierfür keine Vorkehrungen bezüglich Bergungskräften getroffen wurden und diese auch nennenswerte Zeit brauchten bis sie eintrafen.


Mit der kugelförmigen Wostok-Kapsel waren nur ballistische Rückkehrbahnen möglich, und so war die Abweichung zum geplanten Zielpunkt in jedem Fall recht beträchtlich. Im Falle Gagarins lag die Abweichung bei 300 Kilometern, und auch Tereschkowa ist sehr weit vom vorgesehenen Zielpunkt entfernt gelandet. Dazu hatte ich im Beitrag #56 dieses Treads schon etwas geschrieben.
Dass noch vor den Bergungstruppen die örtliche Bevölkerung zur Stelle war, scheint also während der Wostok-Ära die Regel gewesen zu sein. Auch im Falle German Titows war sehr gemischtes Publikum mit einer ganzen Armada von Kraftfahrzeugen vor Ort, wie das folgende Foto verdeutlicht.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053520.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-31961930/vostok2-25.jpg.html)

Wostok-2 nach der Landung.
Quelle: http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053521.jpg (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up053521.jpg)

Bei Gagarin und den anderen Wostok-Landungen wird es ähnlich ausgesehen haben, allerdings sind mir speziell zu Wostok-3 bis 5 keine entsprechenden Fotos bekannt.
Schön auch der Hinweis auf die Frau rechts neben Tereschkowa auf den Fotos. Wir hatten ja hier im Forum schon darüber spekuliert, ob es eine der anderen Kosmonautenanwärterinnen sein könnte, doch eine Ärztin macht nach der Landung natürlich wesentlich mehr Sinn.

Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 23. Oktober 2016, 12:38:36
@ dksk

Das ist wieder eine sehr ausführliche und interessante Arbeit. Danke. Ich muss das erst mal in Ruhe lesen und durchdenken. Erscheint aber im ersten Durchgang alles schlüssig.
Ergänzend dazu auf die Schnelle: Die Szenerie ist real und zeigt genau, dass hier die Bergungstruppe nicht gleich da war. Die Landungen fanden im Vergleich zu heute in relativ besiedeltem Gebiet statt. Klar war da die Möglichkeit gegeben, dass ein Lukendeckel einen Traktor erschlagen hätte... . Bergungstruppen wurden erst nach Woschod-2 ernsthafter aufgestellt .
Das Durcheinander bei der Landung von Wostok-1 beschreibt Kowalski hier ganz gut.:
https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/11042015082842.shtml (https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/11042015082842.shtml)

Bist Du der russischen Sprache mächtig? Dann würde ich Dir mal was zuschicken. OK.. ich schicke es Dir auch so zu. Brauche dafür aber von Dir eine Mailadresse bitte.


@ Wilga35
Du hast recht: Von Wostok 4 und 5 gibt es keine (mir) bekannten Bilder vom Landeort. Dafür doch erstaunlich vieles von Wostok-6.


Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 10. Mai 2017, 21:37:34
Ein etwas längerer Film (knapp über 1 Stunde) zeigt einen zeitgenössischen Blick auf die Vorbereitungen der Wostok 3 und 4 Flüge mit Randdarstellungen des damaligen Lebens und vielen kleinen Detail, die je nach Blickwinkel des Betrachters mehr oder weniger auffallen.
https://www.youtube.com/watch?v=7djTKqzPIQk (https://www.youtube.com/watch?v=7djTKqzPIQk)
Insgesamt aber eine gute Zusammenfassung – insbesondere auch mit einer Art „Stimmung“ der damaligen Zeit.
Hier mal ein paar stichpunktartige Inhaltshinweise, die aus meiner Sicht interessant sind:

Beginn mit J. Gagarin und G. Titov bei ihren Weltreisen – sieht sehr anstrengend aus, was da nach dem Flug so anstand…
Bei 1:03 sind die Länder dargestellt, in die beide bis dahin reisten
Bei 1:19 sieht man G. Titov im Gespräch mit J. Glenn beim gemeinsamen Besuch im Weißen Haus

Siehe auch Zeitungsausschnitt:
http://epizodsspace.no-ip.org/bibl/inostr-yazyki/nemets/die-sowjetunion-heute/1962/baraschew_german_titow_no_10.pdf (http://epizodsspace.no-ip.org/bibl/inostr-yazyki/nemets/die-sowjetunion-heute/1962/baraschew_german_titow_no_10.pdf)

Bei 2:50 Pawel Popowitsch und Andrijan Nikolajew (die Haupthelden des Films) beim Tretbootfahren in ausgelassener Sommerstimmung
Ab 3:40 Nominierung der beiden Kosmonauten für den Flug und Erwähnung ihrer positiven Eigenschaften
Ab 4:20 am Zeichenbrett – bei A. Nikolajew sieht man einen ringförmigen Adapter/Topf mit Teilausbruch als ISO Ansicht – links davon Detaildarstellungen
Bei 4:38 – Ziolkowski – „Ausgewählte Werke“ und weitere „Standartwerke von F. A. Zander u.a….liegen griffbereit
Ab 5:00 Wintersport in Wald und Flug – einzeln und in Gruppen – die körperliche Fitness der Piloten wird gefördert
Bei 6:03 trifft A. Nikolajew eine junge Frau – bei 6:18 verabschiedet er sich – im Laufe des Jahres muß Valentina ja auch noch in sein Leben treten
Bei 6:32 geht es dem Probanden in der Barokammer gar nicht gut.
Bei 7:20 Test des Vestibularapparats (Gleichgewichtsorgan) – damals wie heute…mit überlagerten Bewegungsabläufen und ab 7:55 mit visuellen Einflüssen
Bei 8:24 in der Übeschlagkabine mit kardanischen Aufhängung
Blick ins Raumschiff  . . . 9:49 die VZOR Blende bewegt sich
Ab 10:10 Übungen mit angelegtem Raumanzug SK-1 in (Unter)Druckkammer –die Handschuhe sind ganz schön aufgebläht

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057534.jpg)

Bei 11:09 Übung in kleiner Kabine mit Rauch/Dampfeindringung in Raum

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057535.jpg)

Bei 11:34 könnte man einen „Güteklasse 1“ Aufkleber erkennen? Hat VEB Nema so was gebaut?
Ab 11:52 Test im Hydrolabor – Kanal mit Fallschirmtrossenzug, Tauchen und Selbstbergeübung. Durch die Fallschirmsauerstoffversorgung war da bei geschlossenem Helmvisier erst mal genug Luft da.
Ab 12:32 der Ritt in der Zentrifuge – die Abmessungen der Halle sind erstmal gut zu erahnen.
Vor dem Aufbruch …bei 13:29 „so kannst du doch nicht unter die Leute, lass mich mal … so jetzt siehst du ordentlich aus“
Militärischer Gruß als Verabschiedung von der Liebsten….
15:03 Gesang in der Isolationskammer – man wußte ja noch nicht ob das Gemüt einen sonderbaren Zustand einnehmen wird.
15:10 gleich mal testen ob er weiter so gut gelaunt bleibt…
Der Lärm kann einem schon auf die Nerven gehen. Die Reaktionen sind aber für den Film…
Ab 16:30 Parabelflug im SK-1 Raumanzug. Vorne der Pilot hat den aufgehängten Tennisball als Gravitationsanzeiger
Interessant ist auch meiner Sicht, daß das Trinken von Wasser aus den Notfall-Überlebenspack Behältern geübt wird.
Wenn man unterstellt, daß die gewählte Flugbahn der ersten Wostok Missionen auch bei Ausfall der Bremstriebwerke nach wenigen Tagen eine „natürliche“ Rückkehr zur Erde sicherstellte, so macht es schon Sinn, nach Verbrauch der primären Kabinenwasserversorgung die Notfallwasservorräte des NAZ Pakets im Sitz herauszunehmen und damit die Flüssigkeitsversorgung des Kosmonauten eine weitere Zeit sicherzustellen.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057536.jpg)

Ab 17:30 das Schreiben in der Schwerelostigkeit will auch geübt werden
Ab 18:00 praktische Übungen im Raumanzug und dem Simulator
Bei 19:40 Druckabfall! Das Gelernte wird angewandt:
Ab 20:33 Sprungübung aus IL 12 mit Zusatzfallschirm – und Wasserlandung
Dann erst mal Untersuchung und etwas Freizeit zur Erholung.
Bei 26:52 kann man ein soz. Wartekollektiv bilden. Man beachte auch im Hintergrund an der Kreml Mauer wieviel Leute da aus dem Mausoleum hinten auch gleich wieder rauskommen
Bei 28:30 Transport mit IL 14 – die Startvorbereitungen schreiten voran.
Trassenplanung und Funkabdeckung – bei 30:52 eine große Kartenwand mit elektrischem Antrieb
Ab 32:20 geht es dann richtig los. A. Nikolajew beim Anlegen des Raumanzugs.
Busfahrt und herzliche Verabschiedung zur Reise.
Nachdem Start: Meldung aus dem Orbit „Liebe Freunde – alles in Ordnung“
Bei 37:32 – die Bahndaten von Wostok 3

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057537.jpg)

Perigäum 183 km – da kann man ein paar Tage fliegen...
Bei 37:43 – ich nenne es mal Globus Flugbahngrundprojektionsschreibgerät

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057538.jpg)

Man beachte auch die schönen Gardinen im Hintergrund.
Bei 37:50 Fernsehbild von Bord für die Bodenbetreuer.
Nachdem 700000 km geschafft sind, genügend Bahndaten vorhanden und Berechnungen erfolgt sind,  Meldung und P. Popowitsch kann sich auf die Socken machen.
Rein in Raumanzug und den Bus.
Bei 41:00 singen sie gemeinsam Подмосковные вечера – Moskauer Nächte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Moskauer_N%C3%A4chte (https://de.wikipedia.org/wiki/Moskauer_N%C3%A4chte)

Bei dem Lied würde ich eher den Blues fühlen und mit Wehmut von den Freunden gehen…
Das ist so ein Lied wie beim Film Moskau Kassiopeia, wo sich die Kinder verabschieden – Die Nacht ist vorüber Ночь прошла – genauso schwermütig.
Wobei …. Wie sangen doch Ton Steine Scherben: „Wenn die Nacht am tiefsten ….“
Das kann wahrscheinlich nur die russische Seele so richtig verstehen
Ab 43:41 dann eine sehr schöne Darstellung der beiden Flugbahnen und Referenzpunkte auf der Erde.
Die Trickfilmer haben sich damals so richtig reingekniet… ohne Computer.
Bei 45:58 eine Darstellung ihrer Zeit. Das Wostok Raumschiff als Mischung der Verkleidung, die unter dem MIL MI 6 Hubschrauber zur Parade hing, den Stab und Bogenantennen – wie Original und dem Servicemodul auch sehr nahe am Original

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057539.jpg)

Bahnverfolgung, letzte Berechnungen, die Arbeiterklasse arbeitet derweil auf der Erde und Landung.
Bei 52:00 ein sehr interessantes Bild.
Nach der Landung hat A. Nikolajew die Entfaltung der Notfallgeräte durchgeführt, Funkgerät ist aktiv und er begrüßt unrasiert und in dem blauen Poloshirt mit weißem Kragen die Bergungsmannschaften.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057540.jpg)

Im Thread in Antwort 158 hatte ich ja zur Frage „Warum ist V. Tereschkowa schon umgezogen und trägt „Zivilklamotten“? schon ein paar Ausführungen gemacht. Ergänzend kann man feststellen, daß
wenn man die Anzugsordnung von V. Tereschkowa, P. Popowitsch und A. Nikolajew vergleicht, man auf eine Standardbekleidung nach der Landung schließen kann.

Also Standardprozedur:  umziehen in trockene leichte Kleidung – wenn es die Bedingungen zulassen. Die Flüge fanden zu gemäßigten Klimazeiten bezüglich Landegebiet statt.
Nach mehreren Tagen im Raumanzug ist auch die Unterwäsche durch die Körperausdünstung mit Feuchtigkeit gesättigt. Daher auch eine praktische Frage das Umziehen um die Haut zu trocknen und atmen zu lassen. Die paar Klamotten waren sicherlich auch in einem komprimierten Paket mit sehr wenig Platzbedarf ?? in der Kabine ?? unterzubringen.
Bei 53:44 werden mit dem Generalsekretär Glückwünsche und sonstige Wünsche ausgetauscht. Eine ordentliche Rasur zur Vorbereitung des Auftritts in der Öffentlichkeit gehört natürlich auch dazu.
Bei 53:52 Transportflug mit IL 18 und erst mal schlafen und dem Körper zur Ruhe finden lassen.
G. Titov haut sich auch gleich mal mit aufs Ohr.
Dann großer Flug – „Bahnhof“ in Moskau
Der rote Teppich hat am Ende noch mal einen Auftritt ganz alleine….
--- --- --- ---
Ziemlich lange das Filmchen – aber auch einige doch im Zusammenhang sehr interessante Details.

dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: McPhönix am 10. Mai 2017, 22:22:09
Es ist schon doll, was damals geleistet wurde. Und nicht alles ist nur Parteipolitik und Prestige.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 09. Juni 2017, 12:03:46
Hallo Wostok-Spezialisten

In der letzten Flieger-Revue ( 07/2017) auf Seite 63 wird eine Leserfrage nach der Bemalung der Trägerrakete Wostok-1 (Gagarin-Flug) beantwortet.
Zitat:
„… Uns sind nur unscharfe Standbilder aus einem Farbfilm bekannt, der beim Start von Wostok 1 gedreht wurde. Darauf zu erkennen ist aber, dass die ganze Rakete, von der Spitze bis zu den Boostern in dunklem Olivgrün gestrichen gewesen sein müsste. Dies würde genau der Bemalung der militärisch eingesetzten Raketen entsprechen. Die weiße Färbung des oberen Teils der vier Booster und der Zentralstufe kommt vom Reif, der sich an den Tanks für Flüssig-Sauerstoff gebildet hat. Es ist also keine weiße Farbe. Seltsamerweise sind bei etlichen Schnittzeichnungen, die in DDR-Büchern veröffentlicht wurden, die Tanks genau andersherum eingezeichnet, also Sauerstoff unten. …“
Zitat Ende

Zunächst: Die Wostok-Trägerrakete hatte  keine Booster im klassischen Sinne. Es war die Erststufe. Hinsichtlich der Bemalung würde das bedeuten das die Darstellung, die sehr detailliert im Typenbuch Trägerraketen vom Motorbuchverlag von Wostok-1 zu sehen ist, falsch wäre.
Ich denke, hier irrt die FR. Ich bin noch am durchforsten meines Archives.
Das mit den gedrehten Tanks versuche ich auch mal zu prüfen.
Leide habe ich noch nicht den Autor bei der FR ermitteln können.

@wilga35: Wäre auch Dein Gebiet, oder?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: jok am 09. Juni 2017, 12:41:54
Hallo,

Meiner Meinung nach wird bei der Verbrennung im Triebwerk mehr Treibstoff wie Sauerstoff gebraucht. Demzufolge wird der grössere Treibstofftank unten und der kleinere Sauerstofftank oben angeordnet.....zwecks Masseverteilung.

Gruß jok

 
P.S.
....und dann alles doch komplett falsch gedacht  :( :( ;) , Treibstofftank unten Sauerstofftank oben OK , aber aus anderen Gründen  ;)
..jok
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: HausD am 09. Juni 2017, 14:23:35
Hallo Wostok-Spezialisten  In der letzten Flieger-Revue ( 07/2017) auf Seite 63 wird eine Leserfrage nach der Bemalung der Trägerrakete Wostok-1 (Gagarin-Flug) beantwortet.
Zitat:
„… Uns sind nur unscharfe Standbilder aus einem Farbfilm bekannt, der beim Start von Wostok 1 gedreht wurde. Darauf zu erkennen ist aber, dass die ganze Rakete, von der Spitze bis zu den Boostern in dunklem Olivgrün gestrichen gewesen sein müsste. ... Zitat
Die Antwort, die ich ach gelesen habe ist nicht definitiv sondern im Konjunktiv geschrieben   ... hätte, würde, sollte, woanders ist es anders dargestellt ...
Das ist eher ein Denkansatz
Zunächst: Die Wostok-Trägerrakete hatte  keine Booster im klassischen Sinne. Es war die Erststufe.
Das ist der Eiertanz, der dadurch zustande kommt, dass es in  ...  we say, this is a booster...
Wenn du danach in deinem Archiv-Teil aus der damaligen Zeit suchst, wirst du nichts finden -da Russisch Block B W G D - Plural, aber geheim,  aber im Deutschen Erste Stufe - Singular, später booster, ist jedoch Singular oder Plural, wie man es will...
Hinsichtlich der Bemalung würde das bedeuten das die Darstellung, die sehr detailliert im Typenbuch Trägerraketen vom Motorbuchverlag von Wostok-1 zu sehen ist, falsch wäre.
So wie du es kennst, ist es richtig - RN = Trägerrakete = maschinengrau mit einem Stich ins graugrünliche,
die ersten R7 waren noch grau-oliv lackiert ...

Ich denke, hier irrt die FR. Ich bin noch am durchforsten meines Archives. 
So ein richtiger Irrtum ist es nicht ...
Das mit den gedrehten Tanks versuche ich auch mal zu prüfen.
Leide habe ich noch nicht den Autor bei der FR ermitteln können.
Das  mit den gedrehten Tanks ist ein Irrtum, da wirst du in der nicht mehr auf Raten sondern auf Wissen und veröffentlichendürfen basierenden Literatur wohl nur noch die, auch von jok ziterte Form finden  - LOX - oben : Ker. - unten - bei Block A , B W G D. ...

Zur Bemalung würde ich eher einem versierten Modellbauer (jo...) vertrauen   ;)

Gruß, HausD
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 09. Juni 2017, 14:44:22
Hallo Andreas,

da Du mir den Ball nunmal zugespielt hast, habe ich auch gleich mal nachgesehen.

Das  mit den gedrehten Tanks ist ein Irrtum, da wirst du in der nicht mehr auf Raten sondern auf Wissen und veröffentlichendürfen basierenden Literatur wohl nur noch die, auch von jok ziterte Form finden  - LOX - oben : Ker. - unten - bei Block A , B W G D. ...

Hallo Hartmut,

ganz so ist es nicht, es gibt in der Literatur tatsächlich zwei verschiedene Darstellungen zur Tankanordnung:

In den Büchern Raumfahrt-Trägerraketen und Raketen von Peter Stache (erschienen 1973 bzw. 1980) ist auf allen R-7-Schnittzeichnungen der Brennstofftank oben und der Oxydatortank unten eingezeichnet.

Im Buch Sowjetische Raketen des gleichen Autors ist die Darstellung dagegen genau umgekehrt: Oben der Oxydatortank und unten der Brennstofftank. Dieses Buch ist aber auch zu einem späteren Zeitpunkt (1987) entstanden, sodass der Autor seine frühere Darstellung offenbar richtigstellen konnte.

Im Raketentypenbuch von Eugen Reichl ergibt sich in der R-7-Schnittzeichnung (Seite 142) ebenso wie bei Staches letzterem Werk folgende Anordnung: Oben der Oxydatortank und unten der Brennstofftank.

Ich denke mal, dass die letzteren Darstellungen schon korrekt sind. Experte auf dem Gebiet bin ich aber auch nicht. Vielleicht kann ja jemand von den Raketenexperten sich des Themas mal annehmen?

Zur Farbgebung der Rakete äußere ich mich später, habe jetzt wenig Zeit!

Gruß, Wilga35


Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 09. Juni 2017, 15:02:17
Danke  Wilga35.   :)

Vielleicht ist der "Ursprung" dieses Durcheinanders hier: Die A4 hatte Ihren Sauerstofftank unten, den Alkohl-Tank oben.
Stache hat ja in den Anfangszeiten der Raumfahrt sehr viel "improvisiert". Ich denke da nur an die Bündelraketen-Darstellung der Proton in seinem ersten Buch Raumfahrtträgerraketen.
Mich würde aber auch interessieren, ob die Bemalung einheitlich grün oder abgesetzt weiß war - so wie bei Reichl gezeigt.. Das mit dem Raureif/Weiss flächendeckend kann ich mir nicht so recht vorstellen. Dazu wären die Farbkanten beim Start zu scharf.
http://www.dlr.de/100Jahre/DesktopDefault.aspx/tabid-2565/4432_read-30193/gallery-1/gallery_read-Image.1.19320/ (http://www.dlr.de/100Jahre/DesktopDefault.aspx/tabid-2565/4432_read-30193/gallery-1/gallery_read-Image.1.19320/)

Ja.... ich brauche auch erst mal Zeit zum nachlesen .... .
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: tobi am 09. Juni 2017, 15:09:15
Dass der Sauerstofftank oben ist, hat mit dem Schwerpunkt zu tun. LOX hat ne hohe Dichte und wenn LOX oben ist dann wandert der Schwerpunkt nach oben, was besser für die Flugstabilität ist.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 09. Juni 2017, 15:14:34
Dass der Sauerstofftank oben ist, hat mit dem Schwerpunkt zu tun. LOX hat ne hohe Dichte und wenn LOX oben ist dann wandert der Schwerpunkt nach oben, was besser für die Flugstabilität ist.

Das ist völlig klar und richtig. Bei der A4 war das aber anders herum.
.... und alle haben Nachfolgend aus Ermangelung der aktuellen Konstruktionspläne vermutlich abgeschrieben. Bin gespannt, was ich dazu in den alten Schmökern von v.Braun heute Abend finde.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: tobi am 09. Juni 2017, 15:38:18
Mögliche Erklärung:
https://space.stackexchange.com/questions/10649/what-are-the-criteria-to-put-the-oxygen-tank-above-or-below-the-fuel-tank-for-a (https://space.stackexchange.com/questions/10649/what-are-the-criteria-to-put-the-oxygen-tank-above-or-below-the-fuel-tank-for-a)

Bei der Saturn V gabs Probleme den Sauerstoff kalt zu halten, während er durch den Treibstofftank fließt. Das könnte auch bei der A-4 der Fall gewesen sein und man hat sich entschieden den LOX Tank unten einzubauen.

Heutzutage gibt es ja bessere Isolationstechnik.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Ariane 42L am 09. Juni 2017, 16:13:50
Die Saturn V, die im Apollo-Programm eingesetzt worden ist, war ein dreistufiger Träger.
In der ersten Stufe war der Tank für PR-1 unten, LOX oben. In der zweiten und dritten Stufe LOX unten, LH2 oben gewesen.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: HausD am 09. Juni 2017, 16:18:49
Hallo Wilga35, hallo F-D-R,
Das mit den gedrehten Tanks ist ein Irrtum, da wirst du in der nicht mehr auf Raten sondern auf Wissen und veröffentlichendürfen basierenden Literatur wohl nur noch die, auch von jok ziterte Form finden  - LOX - oben : Ker. - unten - bei Block A , B W G D. ...
...ganz so ist es nicht, es gibt in der Literatur tatsächlich zwei verschiedene Darstellungen zur Tankanordnung: ...
Genau die meine ich mit " den gedrehten Tanks ist ein Irrtum"
-  die mit LOX  +  Kerosin geflogenen R7 -es geht um das WOSTOK-Programm (und nicht um R1 / A4 ),
-  Rückgriff von Autoren auf bekannte Fakten gab es nicht - damit das Verwirrspiel, das auch von russischer Seite und von den hiesigen "Experten" nicht korrigiert  wurde.

Selbst erlebt mit Stache: Er hat einen Beitrag von mir so geändert, dass er falsch wurde, obwohl er es bereits richtig kannte ... es sollte nicht vor dem Erscheinen seines Buches "vor"veröffentlicht werden.

Ein Gesichtspunkt ist noch, dass bei den R7 Starts de Rakete nie vollständig zu sehen ist, da sie etwa 7m im "Keller" steht. Damit ist der gesamte Triebwerksbereich sowohl vor dem Start unsichtbar als auch nach dem Start in der Abgas- und Dampfwolke schlecht zu erkennen. Die ersten Fotos von den Starts waren auch wegen der Geheimhaltung extrem "nachbearbeitet".

... und weil es gerade hereingekollert kommt - Tank für PR-1 unten, LOX oben, passt ja!

Gruß, HausD
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: HausD am 09. Juni 2017, 16:23:12
... Bild von vor "Wostok"

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058010.jpg)
?7 ????? ???????                                                                 Bild: ZENKI/Roskosmos

Gruß, HausD
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 09. Juni 2017, 18:10:39
...In den Büchern Raumfahrt-Trägerraketen und Raketen von Peter Stache (erschienen 1973 bzw. 1980) ist auf allen R-7-Schnittzeichnungen der Brennstofftank oben und der Oxydatortank unten eingezeichnet....
Die Werke von Stache sind da definitiv unzuverlässig. Habe sie selbst schon mit großen Augen in Händen gehalten.

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 09. Juni 2017, 18:29:14
... Bild von vor "Wostok"...
Gruß, HausD
Und mit dem Wissen von heute sehen wir: Kerosin unten, keine Vereisung unten.

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 09. Juni 2017, 18:43:51
In Staneks "Der Weg ins All" ist ein Farbphoto von einem Wostok-Start drin. Eis oben, oliv unten, Erscheinungsjahr des Werkes 1969.

Und weil die Grundkonstruktion auch heute noch fliegt, kann man im Sojus-Handbuch vom Sojus-Hersteller in Samara ab Seite 22 nachschauen, wie die Tanks verteilt sind: http://www.starsem.com/services/images/soyuz_users_manual_190401.pdf (http://www.starsem.com/services/images/soyuz_users_manual_190401.pdf) .

Noch eine Lese-Empfehlung:
"The Soyuz Launch Vehicle - The Two Lives of an Engineering Triumph"
Autoren: Christian Lardier & Stefan Barensky
Springer Science+Business Media New York 2013

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 09. Juni 2017, 19:44:32
In dem Film kann man einige Vereisungsflächen/Grenzzonen bei einem Wostok Start erkennen.
Bildreichenfolge entsprechend zeitlichem Ablauf im Film – siehe Zeitband.
https://www.youtube.com/watch?v=b0ktgWlN7SE (https://www.youtube.com/watch?v=b0ktgWlN7SE)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058007.jpg)
-
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058004.jpg)
-
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058008.jpg)
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(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058009.jpg)
-
dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 09. Juni 2017, 21:14:01
Gerade nach Hause gekommen und gleich Bücher gewälzt.
Aber Ihr seit hier ja schon weiter voran gekommen.  :D

@dksk :  Natürlich! Den Film hatte man die ganze Zeit vor Augen! Da ist alles zu sehen. Demnach stimmt die Zeichnung aus Reichl "DAS RAKETENBUCH".
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058005.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058005.jpg)
Drei Versionen der R-7: Links die 8K71 "Sputnik", in der Spezialversion die Sputnik 3 in den Orbit brachte. Mitte die 8K72 "Luna" und rechts die 8K72K "Wostok". Copyright Dietmar Röttler/Raumfahrt Concret.

Manchmal sehe ich den Wald vor Bäumen nicht. Demnach stimmt das mit der nichtweißen und nur grünen Farbe im FR-Artikel nicht.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 09. Juni 2017, 21:19:43
...In den Büchern Raumfahrt-Trägerraketen und Raketen von Peter Stache (erschienen 1973 bzw. 1980) ist auf allen R-7-Schnittzeichnungen der Brennstofftank oben und der Oxydatortank unten eingezeichnet....
Die Werke von Stache sind da definitiv unzuverlässig. Habe sie selbst schon mit großen Augen in Händen gehalten.

Gruß   Pirx

Ich habe auch gestaunt:
In Staches Raumfahrtträgerraketen (1975) und Raketen (1981) ist Sauerstoff unten (falsch).
In Staches Sowjetische Raketen (1.Auflage 1987) ist es anders herum. Sauerstoff oben (richtig).

Die Wostokrakete wurde erstmals der öffentlichkeit (so mir bekannt) 1967 gezeigt.
http://www.kosmonavtika.com/lanceurs/soyouz/visite/bourget/bourget.html (http://www.kosmonavtika.com/lanceurs/soyouz/visite/bourget/bourget.html)


In Sowjetische Raketen kann man die Entwicklung sehen:
Bis zur Höhenrakete W2 war der Sauerstoff unten (wie bei der A4). Ab der W5 war es umgedreht.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 09. Juni 2017, 21:46:19

Und weil die Grundkonstruktion auch heute noch fliegt, kann man im Sojus-Handbuch vom Sojus-Hersteller in Samara ab Seite 22 nachschauen, wie die Tanks verteilt sind: http://www.starsem.com/services/images/soyuz_users_manual_190401.pdf (http://www.starsem.com/services/images/soyuz_users_manual_190401.pdf) .


Eine sehr interessante Lektüre.  :)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 10. Juni 2017, 04:23:22
Gerade nach Hause gekommen und gleich Bücher gewälzt.
Aber Ihr seit hier ja schon weiter voran gekommen.  :D

@dksk :  Natürlich! Den Film hatte man die ganze Zeit vor Augen! Da ist alles zu sehen. Demnach stimmt die Zeichnung aus Reichl "DAS RAKETENBUCH".
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058005.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058005.jpg)
Drei Versionen der R-7: Links die 8K71 "Sputnik", in der Spezialversion die Sputnik 3 in den Orbit brachte. Mitte die 8K72 "Luna" und rechts die 8K72K "Wostok". Copyright Dietmar Röttler/Raumfahrt Concret.

Manchmal sehe ich den Wald vor Bäumen nicht. Demnach stimmt das mit der nichtweißen und nur grünen Farbe im FR-Artikel nicht.

Bin mir nicht sicher, ob die Grafik von Gagarins Rakete in Reichls Raketenbuch korrekt ist. Das die Rakete in dem Film zweifarbig rüberkommt hat ja tatsächlich mit der Vereisung der Bereiche der Sauerstofftanks zu tun. Das folgende Foto zeigt aber eine Wostok-Rakete nur einfarbig im MIK von Baikonur.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058006.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Das Bild ist am 18. März 1961 entstanden und zeigt die Rakete von Korabl-5 - dem letzten unbemannten Wostok-Flug vor Gagarin - bei einer Besichtigung durch die künftigen Kosmonauten. Dass die Rakete auf dem Bild grün erscheint ist aber sicher der Beleuchtung in der Halle geschuldet, da erscheint dann halt alles in einem Grünton. Offenbar ist die Rakete einheitlich in einem hellgrauen Farbton gehalten, so wie auch die frühen R-7 Raketen. Ich denke mal, dass Gagarins Rakete ohne Eisansatz farblich genauso ausgesehen hat, auf jeden Fall also nur einfarbig war, und nicht farblich abgesetzt wie in Reichls Buch.
Farbfotos vom Rollout von Wostok-1 sind mir leider keine bekannt. Dabei noch unbetankt, ließe sich die Farbe dann eindeutig bestimmen.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 10. Juni 2017, 07:44:01
Hallo Wilga,
Farblich gab es offensichtlich ein großes Durcheinander. Genau wie bei den Fotos, wo nie richtig klar ist, von welchem Flug die stammen. Die Bilder vom Rollout  sind ja auch nicht 100%ig zuzuordnen.
Und die Farbgebung der Woschod's ist ja auch nicht ohne (nur nebenbei).
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058002.jpg)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058003.jpg)

Bilder aus http://www.spacefacts.de/mission/german/vostok-1.htm (http://www.spacefacts.de/mission/german/vostok-1.htm)

Nein, ich glaube man kann sich nur an den Startfilm halten, wenn man zweifelsfrei voraussetzt, dass dieser von Wostok-1 ist. Und da spricht alles dafür.
Und hier sind die farblichen Absetzungen gut zu erkennen.
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058004.jpg)

Alle anderen Bilder sind nicht zweifelsfrei von Wostok-1.
Zum Beispiel kann ich mich nicht erinnern, dass in dem Film, wo Gagarin am Startplatz ankommt, Soldaten mit leichter Sommeruniform. zu sehen sind. Das ist dann bei Wostok-2. (Nur ein Beispiel).
Bei Wostok-1 ist Koroljew in Hut und Mantel. Bei Wostok-2 nur im einfachem Hemd.

Bei Gelegenheit frage ich mal Dietmar Röttler (Grafiker), woher er die Vorlagen für die vielen Wostok-Varianten aus Reichls Buch hat.
 
In wie weit platzt eigentlich der Eispanzer beim Start durch die Vibration ab und gibt die ursprüngliche Farbgebung frei? Die Bilder vom Flug der Rakete sollten die aussagefähigsten sein.

https://www.youtube.com/watch?v=R4nA52qyVDY (https://www.youtube.com/watch?v=R4nA52qyVDY)

Ich lasse mich aber auch gerne davon überzeugen, wenn es anders ist.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Andi Wuestner am 10. Juni 2017, 13:56:52
Die Kante, an der der Raureif bei aktuellen Starts endet, ist auch recht scharf:
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058001.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058001.jpg)
Einen Beleg für die Zweifarbigkeit der Rakete von Wostok-1 sehe ich darin nicht. Warum hätte man die Rakete auch mehrfarbig lackieren sollen? Aus optischen Gründen ergibt das keinen Sinn. Die weißen Bereiche hätte der Reif sowieso weiß gefärbt.

Noch abwegiger erscheint mir die weit verbreitete Meinung, die Wostok-Raketen seien grün gewesen. Ich kenne bisher kein farbneutrales Foto einer grünen Wostok-Rakete (Stichwort "grüner Beton"). Die Farbstichigkeit vieler Fotos, wahrscheinlich oft auch noch als Reprint, gepaart mit dem militärischen Blick auf das sowjetische Weltraumprogramm aus westlicher Sicht hat wohl zu dieser Annahme geführt. Und irgendwann hat einer vom anderen abgeschrieben.

Als einzige Rakete stechen m.E. die von Woßchod 1 und Sojus 19 heraus. Letztere war komplett hellgrau, fast weiß. Lediglich das Ende der dritten Stufe war rot. Die von Woßchod 1 hatte an der dritten Stufe das bekannte schwarz-weiße Rollmuster, das Mark Gallai auch in "Mit einem Menschen an Bord" erwähnt.

Andi
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 10. Juni 2017, 14:59:22
@F-D-R,

die Rakete auf dem oberen Foto von Antwort #183 ist zumindest noch unbetankt und völlig grau. Sollte das tatsächlich die Rakete von Wostok-1 sein, so untermauert das meine Theorie, dass die Raketen des Wostok-Programms grau lackiert waren.
Ich habe auch zwei Screenshots des Startfilms des Wostok-Trägers von Kosmos-4 gemacht, wo man den scharfen Übergang zum vereisten Bereich auch gut erkennen kann. Offenbar fällt das Eis beim Aufstieg auch nicht sofort ab, sondern bleibt noch ziemlich lange haften.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057999.jpg) (https://www.pic-upload.de)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058000.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Wostok-Rakete mit Kosmos-4 beim Liftoff

Quelle: Screenshots aus http://www.kosmonavtika.com/lancements/1962/26041962/26041962photos.html (http://www.kosmonavtika.com/lancements/1962/26041962/26041962photos.html)

Bei flüchtigem Hinsehen könnte man auch bei diesen Fotos annehmen, dass die Rakete zweifarbig lackiert ist.

So, nun verabschiede ich mich für ca. eine Woche aus der aktiven Diskussion, da ich ab morgen für eine Woche auf Donaukreuzfahrt bin. Werde zwar mein Tablet mitnehmen, sodass ich im Forum dennoch mitlesen kann, doch aktiv schreiben werde ich während dieses Zeitraumes nichts.

Gruß, Wilga35


Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 10. Juni 2017, 20:22:05
Ich hatte mir zwischenzeitlich mit Wilga35 gemailt. Wir sind uns beide einig, dass das mit der Farbgebung schon 'ne interessante Sache ist.
OK:
@Andi Wuestner: Sojus-19 war tatsächlich eine Sonderbemalung. Aber alles an dieser Mission war irgendwie (sonder)wunderbar. Es gab neue Uniformen, ein neues Flugleitzentrum u.a. . Es war ja auch das Schaulaufen beim Sojus-Apoll-Projekt.
Das Sojus-Foto von Dir ist schon ein Argument. Das werde ich mal weiter verfolgen (Rollautfotos und Startfotos). Ne gute Idee.

Aber es gibt noch ein weiteres Indiz, weshalb ich jetzt auch zweifele.
Im Jahre 1972 gab es einen sowjetischen Spielfilm „Die Bändigung des Feuers“ - gedreht in Baikonur.
https://www.youtube.com/watch?v=9V0WBAb0BRg (https://www.youtube.com/watch?v=9V0WBAb0BRg)

Den kompletten Film kann man bei Youtube unter anderem sehen:
Titel: Укрощение Огня - Taming of the Fire / 1972 Film / English Subtitles / 158 minutes
(Aus rechtlichen Gründen hier kein direkter Link.)
Dort wird immer wieder die selbe Rakete für die einzelnen Szenen verwendet. (Vermutlich Venus oder Molnja?). Der Startplatz vermutlich LC -31, also nicht Gagarinstart, aber egal.

Man sieht die Rakete beim Rollout und beim Start. Es ist davon auszugehen, dass es immer die selbe Rakete ist. Also jetzt ich könnte ich mir  doch vorstellen, dass die  Farbe rein durch den Reif hervorgerufen wird.
OK, wieder was gelernt.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: 8K82KM (-ex Rakete54-) am 10. Juni 2017, 20:31:24
Hallo,

ist das wirklich ein Video vom Start mit Kosmos-4? Ein Zenit-2-Satellit benötigt doch keine Öffnung zum Heraussprengen der Nutzlast. Und es wurden doch nur 2 Raketen der 8K72K-Serie für Zenit-2 verendet, danach die 8A92. Macht wenig Sinn, eine Nutzlastverkleidung eines neuen Satelliten 2x zu konstruieren. Sicher ist der Film falsch verwaltet worden, gehört nicht zu Zenit-2. Im verwendetem Quellarchiv sind jedenfalls mehrere Patzer bei anderen Raketen... Aber gerne lese ich Eure Meinungen dazu, ich möchte es auch gerne richtig archivieren!
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Andi Wuestner am 10. Juni 2017, 20:34:05
Nein, ich glaube man kann sich nur an den Startfilm halten, wenn man zweifelsfrei voraussetzt, dass dieser von Wostok-1 ist. Und da spricht alles dafür.
Ausgerechnet bei diesem bekannten Film spricht meiner Meinung nach nicht viel dafür, dass er beim Start von Wostok 1 gedreht wurde. Was sind das für horizontale Streifen quer über die Einstiegsluke? Wo ist das Bullauge? Auch wirkt die Luke eher metallisch, es fehlt die weiße thermische Isolation:
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057991.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057991.jpg)
 
Hingegen könnte ich mir vorstellen, dass dieses Bild von Gagarins Start stammt:
http://www.kosmonavtika.com/vaisseaux/vostok/missions/vostok1/vostok1.html (http://www.kosmonavtika.com/vaisseaux/vostok/missions/vostok1/vostok1.html)

Andi
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: 8K82KM (-ex Rakete54-) am 10. Juni 2017, 20:44:39
Hallo,

Zitat: "Der Startplatz vermutlich LC -31". Definitiv die 31 und damit nicht das Gagarin-Pad. Schaut Euch doch beide Startplätze an, z.B. im Forum unter "Wandern in Baikonur". Schon die abgeschrägten Ecken gibt es nur auf der 31, dann die Absperrgitter, die fehlenden Bunker mit Schallbrechern ("Gräberfeld" lt. russischer Begleiter bei meinen zwei Besuchen etc. Wird eine Molnija-1 sein: orangerote Nutzlastverkleidung!
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 10. Juni 2017, 21:41:47
Hallo,

Zitat: "Der Startplatz vermutlich LC -31". Definitiv die 31 und damit nicht das Gagarin-Pad. Schaut Euch doch beide Startplätze an, z.B. im Forum unter "Wandern in Baikonur". Schon die abgeschrägten Ecken gibt es nur auf der 31, dann die Absperrgitter, die fehlenden Bunker mit Schallbrechern ("Gräberfeld" lt. russischer Begleiter bei meinen zwei Besuchen etc. Wird eine Molnija-1 sein: orangerote Nutzlastverkleidung!

Natürlich. Es ging ja nur darum, eine Wostokähnliche Rakete vor (Rollout) und während des Startes (Vereisung) zu zeigen.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 10. Juni 2017, 22:35:41
Nein, ich glaube man kann sich nur an den Startfilm halten, wenn man zweifelsfrei voraussetzt, dass dieser von Wostok-1 ist. Und da spricht alles dafür.
Ausgerechnet bei diesem bekannten Film spricht meiner Meinung nach nicht viel dafür, dass er beim Start von Wostok 1 gedreht wurde. Was sind das für horizontale Streifen quer über die Einstiegsluke? Wo ist das Bullauge? Auch wirkt die Luke eher metallisch, es fehlt die weiße thermische Isolation:
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057991.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057991.jpg)

Das angegebene Foto zeigt eine Wostok mit der Seite "Visir". Die Einstiegsluke ist genau gegenüber, also verdeckt. Wie die konkret aussieht, ist nicht zu erkennen.
Auf Bildern vom Einsteig von Gagarin ist zu sehen, dass die Farbe rund um die Einstiegsluke dunkel (dunkelgrün?) ist.

Demnach ist zu fragen, ob das von Dir angegebene Bild die Wostok-1 zeigt.
Die Streifen.... Tja.... keine Ahnung! Auf alten Fotos, die aus dem Film herauskopiert sind (alte Bücher) sind die Streifen auch zu sehen. Ich dachte immer, das wäre eine Retuschierung. In einer Vorlage für einen Bastelbogen für die Trägerrakete sind die Streifen auch zu sehen.
.... Nein, im Moment keine Idee.   Noch nicht!

Aber es zeigt sich wieder, was es für ein Caos bei den historischen Bildern gibt.... !
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Ijon am 10. Juni 2017, 22:51:16
Zur Farbe der Raketen, es gab damals den bösen Spruch: Sei nicht so empfindlich .Wolfen dürfte damals einige Tonnen Film exportiert haben.  Gibt's die Bândigung des Feuers auch in Deutsch? Ich kann mich erinnern das er auf DFF2 vor vielen vielen Jahren mal lief, aber ob im original, wie viele sowjetische Filme zu der Zeit oder durch die Konstruktive Geschmackskritik (Dieter Hildebrand für Zensur) bearbeitet weiß ich nicht mehr.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: proton01 am 10. Juni 2017, 23:15:29
...In den Büchern Raumfahrt-Trägerraketen und Raketen von Peter Stache (erschienen 1973 bzw. 1980) ist auf allen R-7-Schnittzeichnungen der Brennstofftank oben und der Oxydatortank unten eingezeichnet....
Die Werke von Stache sind da definitiv unzuverlässig. Habe sie selbst schon mit großen Augen in Händen gehalten.

Gruß   Pirx
... Bild von vor "Wostok"...
Gruß, HausD
Und mit dem Wissen von heute sehen wir: Kerosin unten, keine Vereisung unten.

Gruß   Pirx

Eigentlich hätte man sich das schon früher zusammenreimen können. Auf die schnelle habe ich eine Schnittzeichnung der Wostok-Rakete im Buch "Korolyov" von 1980 (in russisch) als früheste Veröffentlichung gefunden.
Wenn man davon ausgeht, daß LOX-Kerosin normalerweise im Mischungsverhältnis ca. 3,5 benutzt wird, kann man das Verhältnis der beiden Tankvolumina aus dem Massenverhältnis und den bekannten Dichten beider Treibstoffe abschätzen:
V-LOX/V-Ker = (3,5/1140)/(1/870) = 2,67
Also ist der LOX-Tank ca. 2,7 mal größer als der Kerosin-Tank. Mit der Schnittzeichnung wird dann klar daß der kleinere Tank unten der Kerosintank sein muss.

Diese Überlegung hat nicht nur Stache nicht gemacht, sondern auch andere kompetente Autoren, z.B. Rolf Engel, welcher die Darstellung der "Flight" einfach mit deren Legende übernommen hat
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Andi Wuestner am 10. Juni 2017, 23:31:55
@F-D-R:
Ja, diese fehlende gesicherte Zuordnung von Bildern zu bestimmten Missionen stiftet immer wieder Verwirrung.
Ich weiß schon, dass das Foto nicht die Einstiegsluke zeigt. Nur warum sollte ausgerechnet diese als einzige der drei Luken nicht mit der thermischen Isolation bedeckt sein? Auf dem anderen verlinkten Foto (das vom Start) wirkt die Luke eher weiß als silbrig, und das Fenster in der Einstiegsluke ist deutlich zu erkennen.
Offenbar fehlt das Isolationsmaterial allerdings im vorderen Bereich oder weist dort eine andere Farbe auf. Gibt es das Foto vom Einstieg, auf das Du Dich beziehst, irgendwo online?

Ergänzung:
Auf folgendem Bild erkennt man glaube ich recht gut, dass es sich bei den Sechsecken nicht um den Hitzeschild handelt sondern um ein flexibles Material.
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057993.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057993.jpg)

Bei Sojus besteht es aus mehreren Metallfolien zwischen zwei Schichten Glasfasergewebe, nur dass dort die obere Gewebeschicht grün eingefärbt war. Wenn das Bild so korrekt ist, sieht man, dass auch die Einstiegsluke bedeckt war. Es gibt das Bild aber auch horizontal gespiegelt. Und das bewiese dann wieder nichts.

Andi
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: wernher66 am 11. Juni 2017, 07:18:18
Farbgebung R-7 und Modifikationen

Ich habe ein Buch von Shelesnjakow/Schladinsky, "R-7: Legendarnaja Semjorka", Jausa-Press 2016. Shelesnjakow/Schladinsky beschäftigen sich schon Jahrzehnten mit russischen/sowjetischen Raketen und deren Modellbau.
Schladinsky ist das Gegenstück zu unserem Dietmar Röttler.
Und Schladinsky zeichnet die frühen R-7-Versionen immer grau. Was nicht heisst, daß es auch olivgrüne Raketen gegeben haben kann. Die Farbgebung war wahrscheinlich nicht
immer einheitlich.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 11. Juni 2017, 08:28:39
Sie war nicht einheitleich .... Genau! .... Man könnte annehemen, man hat das genommen, was gerade da war.
.... Aber hier geht es ja expliziet um die Wostok-1.

@Andi Wuestner: Zum 50. Jahrestag des Fluges hatte ROSKOSMOS aufgerufen, unbekannte Bilder von Gagarin zuzusenden. Dabei tauchten auch drei Seiten aus einem Album auf, die jetzt im Netz herumgeistern. (Ein Gagarinbild von mir aus Privathand habe ich später dann auch auf einer US-Seite gefunden. Na ja.... man war damals noch naiv,)

Ein Bild aus der Albumserie zeigt die Einstiegluke:
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057998.jpg)

Dunkelgrün die Umrandung.

Die Bilder verraten noch was anderes: Wenn man davon ausgeht, dass beim Start kein einziger Beteiligter mit einem Fotoapperat dabei war und alle Bilder aus den 16mm-Filmen stammen, die die Armeegruppe gedreht hat.... Dann bedeute das, dass noch mehr Film vorhanden ist, als bislang veröffentlicht. Woher sollte sonst das "Lukenbild" stammen.

Den Handschriftzug auf der Abdeckplatte habe ich noch nicht "knacken können". Irgendwo muß noch eine Vergrößerung des Bildes "rumschwirren".
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Andi Wuestner am 11. Juni 2017, 09:58:32
@F-D-R:
Soweit ich weiß, war die Aussparung in der Nutzlastverkleidung ziemlich exakt so groß wie die Luke. Das, was man um die Luke herum sieht, gehört deshalb meiner Meinung nach zur Nutzlastverkleidung.

Was Rückschlüsse von Fotos auf die exakte Farbe oder auf Farbunterschiede betrifft, muss man wirklich sehr, sehr vorsichtig sein. Gerade die so genannten unbunten Farben (grau, oliv, beige, ...) tanzen auf verschiedenen Bildern oft wild um den tatsächlichen Farbton herum. Ich würde nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass zwei Wostoks unterschiedlich grau waren, nur weil die Farbe sich auf zwei Fotos unterscheidet.

War es nicht auch so, dass einiges zu Wostok 1 "nachgedreht" wurde?

Nachtrag:
Hier hat sich auch jemand mit dem Thema befasst:
http://vostoksupersite.weebly.com/true-vostok.html (http://vostoksupersite.weebly.com/true-vostok.html)

Falls das stimmt, wäre das eine Erklärung für das matt grau-olive Erscheinungsbild auf manchen Fotos. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die "Kappe" bzw. die grau-oliven Kapseln auch mit dem flexiblen Isolationsmaterial (Sechseckmuster) bedeckt waren oder ob an diesen Stellen ein anderes Material verwendet wurde.


Andi
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 11. Juni 2017, 11:31:23
Zum Nachgedreht: Die Filme vom Anlegen des Raumanzuges sind alle vorab gedreht. Das ist ein abendfüllender Vortrag. Würde ich gerne mal halten - nur so nebenbei.
Es gibt mindestens zwei "Varianten" zum Einstieg in den Bus .
Wenn auf den Bildern bekannte wichtige Personen erscheinen, so ist davon auszugehen, diese sind real. Allerdings hat man von Koroljow im Bunker Teile auch nachgedreht.

Es ist sehr sehr schwer sich im Caos der Bilder zurecht zu finden. Manchmal auch unmöglich.

Farbgebung: Recht hast Du. Das Farbmaterial ist nicht immer farbecht.

Streifen an der Kugel beim Start: Volltreffer! Ich glaube, da hast Du was "ausgegraben" was richtig interessant ist. Ich habe mich gerade mit einem anderen Raumcondlerspezi über eine Stunde darüber per Skype ausgetauscht.
Die Lösung ist nahe, muss aber noch verifiziert werden, bevor ich hier was behaupte.
Bitte Geduld.
Übrigens bin ich per Skype auch direkt zu erreichen, wenn Du mal Lust zum Reden hast.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Andi Wuestner am 11. Juni 2017, 13:43:06
@F-D-R:
Wenn sich das mit den Streifen aufklären ließe, wäre das super. Es bliebe dann jedoch immer noch die Frage nach der Farbe und dem nicht sichtbaren Fenster. Auf dem anderen Foto einer startenden Wostok-Rakete (laut Quelle ja ebenfalls Wostok 1) ist es gut zu erkennen. Entweder liegt es im Schatten, Wostok-1 hatte dieses Fenster nicht oder der Film stammt nicht von Gagarins Start.

Andi
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 11. Juni 2017, 14:31:56
Sofern davon


die Rede ist: Mir sieht das schon so aus wie eine dreidimensionale Struktur, weniger nach einfachen Streifen dort, wo man den Wostok-Lukendeckel für Einstieg und Ausschuß vermuten würde.

Ich werfe dazu zwei Theorien in den Raum:

1.) Wir sehen eine Struktur mit Führungsrohren, die einen gerichteten Ausschuss und ein Verhaken mit dem Fairing vermeiden sollen.

2.) Wir sehen in eine offenen Kapsel (warum auch immer). Der Durchmesser der Kapsel ist nicht wesentlich geringer als der der Raumschiff-Basis. Es scheint so, als sei ein recht tiefer Einblick möglich ....

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 11. Juni 2017, 15:06:44
Ja, was sehen wir eigentlich .... ?
Vielleicht noch 'ne Idee:
Anbei ein Bild unkommentiert, worüber man sich mal Gedanken machen kann.
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057997.jpg)

@Pirx: Ich habe keine anderen Fotos von Korabl gefunden und auch auf den DVD's ist der Film nicht klarer zu sehen.
Leider.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 11. Juni 2017, 15:20:37
Ein Wostok-Prototyp (?) mit Streifen drauf .... Mensch, ich werd´ noch zum Streifenhörnchen ....

Welcher Korabl soll das denn sein, der auf Deinem Bild da ist, Andreas?

Gruß    Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: max-q am 11. Juni 2017, 16:16:10
Das ist der erste Korabl-Sputnik (erkennbar an den Solarzellen am Mast) - Objekt 1KP. Die "abgespeckte" Ausführung noch ohne Hitzeschild, was wiederum die andere Optik erklärt. Spannend...
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 11. Juni 2017, 17:04:51
Ich habe mir mal die hier schon gezeigte historische Doku angesehen ...
https://www.youtube.com/watch?v=7q4kFJMO8aE (https://www.youtube.com/watch?v=7q4kFJMO8aE)

Grauenvoll, was zwischen Minute 40 und 50 zusammengeschnitten worden ist.
Ich suche einen Mitstreiter, der mit mir mal die ganzen Schnipsel auseinander nimmt und neu datiert.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 11. Juni 2017, 17:12:49
Hallo Leute, das ist mal wieder eine richtig gute Diskussion, die hier  im Gange ist!
Nun auch noch mein Th. Senf dazu:
Ich habe zu mehreren Punkten Bemerkungen – also der Reihe nach:

--- --- --- Aerodynamische Verkleidung – Querstreifen über Lukenposition --- --- ---

Zuerst mal ein Bildvergleich mit einer weiteren Darstellung der Verkleidung – aber ohne Lukendeckel bei Test der Verkleidungsabtrennung.
Gefunden habe ich die Darstellung in diesem Film: https://www.youtube.com/watch?v=uUDyO3u0QYs (https://www.youtube.com/watch?v=uUDyO3u0QYs)
Die Bilder mit den Beschreibungen dienen der Veranschaulichung und natürlich Diskussion. Im Prinzip versuche ich darzustellen, daß ich die VERMUTUNG habe, daß es sich bei der „komischen Optik“ beim Blick in die Rettungsöffnung um eine zusätzliche aerodynamische Verkleidung handelt.
Hauptauffälligkeit ist für mich der unstetige Hell/Dunkelverlauf am rechten Öffnungsrand.
Bei den mit zunehmender Geschwindigkeit und noch hohen Luftdichte im ersten Flugbereich doch sehr hohen aerodynamischen Kräften, muss so eine „Störung“ in der Verkleidung meiner Meinung nach speziell im unteren Bereich weiter abgedeckt sein. Da wird die Kontur bezüglich Strömung ja „hintergriffig“ – damit sind ohne weiteres Leitblech o.ä. die Turbulenzen und die Druckvibrationen wahrscheinlich sonst doch zu hoch.
-
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057992.jpg)
-
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057995.jpg)
-
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057996.jpg)
-
Nächster Punkt:
--- --- Beitrag 194 - Bild eventuell gespiegelt? --- --- ---

https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg395810#msg395810 (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg395810#msg395810)
JA, das würde ich auch sagen. Begründung: beim Sitz ist auf der rechten Seite der Bügelanschluss für die Raumanzugsversorgung. Die beiden Hebel sind auf der linken Seite. Im Bild ist das vertauscht.
Also ist auch die im Hintergrund abgebildete Wostok Kapsel seitenverkehrt dargestellt.

Nächster Punkt:
--- --- Farbgebung Rakete und Sauerstofftank oben/unten --- ---

Mit der Fragestellung: „ Wostok – was war vorher?“ bin ich mal gedanklich Richtung R7 Interkontinentalrakete gegangen.
Dabei habe ich folgenden Film gefunden. Es scheint sich hier um eine Testversion der R7 zu handeln, da die vielen Zugangsklappen im oberen Bereich erkennbar sind.
https://www.youtube.com/watch?v=DNGSSDrNbbM (https://www.youtube.com/watch?v=DNGSSDrNbbM)

Die Farbgebung der im Film gezeigten Rakete ist (ggf. weiteres Verwirrpotential) hell/weiß.
Bei 1:23 min. sind die Blöcke so erst mal in der Montagehalle zu sehen.
Bei 8:20 dann das ganze „Bündel“ in heller Farbgebung – noch in der Montagehalle.
Bei 11:22 Montage der Nutzlast/Kopf – auch alles helle Farbgebung.
----
Bei 11:58 sind die ersten beiden Stufen in einem Teststand zu sehen. Dabei ist keine helle Farbgebung KLAR zu erkennen – hier kann durchaus das bekannte grau/grün/maschinenartigfarbig primärer Korrosionsschutz) vorhanden sein.
---
Bei 14:57 dann wieder Schnitt und Rollout aus der Montagehalle mit heller Farbgebung.
Es folgt die Darstellung des Einsetzens in die Startvorrichtung und auch Aufnahmen vom unteren hängenden Ende der Rakete – siehe 16:56.
Es gibt ja auch heute sehr viele Raketen mit weißer Farbgebung – dafür wird es sicher einen Grund geben. (optische Bahnverfolgung beim Start – Erkennbarkeit? Reflexion der Sonnenstrahlen – Wärmemanagement???)
---
So, ab 22:21 wird es nochmal interessant. Die Betankung der Rakete wird gezeigt.
Eine Betankungsausbildungsmaßnahme wird beschrieben.
So, nun VERWIRRUNGSPOTENTIAL:
Der „linke Tankzug“ kommt an – hat doch sonst den Sauerstoff – oder? Spezialisten für Startrampe Sojus etc. könnten da wohl noch ergänzen. Hartmut?

--- --- --- ---
Bei 22:43 wird eine „Tankleitung UNTEN angeschlossen. Man erkennt seitlich die Spangen, mit denen die Blöcke seitlich angebunden sind. Das ist doch der Kerosin/RP-1 Anschluss ???? Oder??? Spezialisten, bitte Meinung…
Bei 22:58 dann Arbeiten am Tankwagen zum „Adapter“ – hier ist etwas erhöhter Arbeitsschutz erkennbar.
Die Leitung ist noch nicht vereist bzw. weiß gefärbt.
Aber alle Filmeinstellung danach zeigen sowohl vereiste Leitung als auch das typische „Dampfen“ der Rakete.
Bei 23:28 kommen die Wagen mit dem Spezialtreibstoff an.
Bei 24:38 ist oben ein „Verdampfungsventilauslass“ an der kontinuierlichen „Wolke“ zu erkennen.
Also: Kann aus dem Kontext – Sauerstoff – Treibstoff – Sauerstoff – Treibstoff eine Verwirrung entstanden sein, die dazu geführt hat, daß die Sauerstofftanks in Beschreibungen unten zugeordnet wurden?

Frei nach Walter Giller: „Es bleibt schwierig“.

dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 11. Juni 2017, 18:16:43
Hallo dksk !
Da steckt mal wieder ne menge Arbeit in Deinem Beitrag.
Zur Verkleidung:
Anmerkung: Wenn zusätzlich eine Aerodynamische Verkleidung vor dem "Loch" war (was ich durchaus nachvollziehen kann), wie funktionierte dann die Not-Katapultierung beim Bereich ab 0-Meter ?
Der Lukendeckel musste ja irgendwie weg. Ist der durch das Loch geworfen/gesprengt worden oder ist vorher die Verkleidung abgefallen?
In keinem Bilddokument ist in irgendwelcher Form diese zusätzliche Verkleidung zu sehen.
Ich tippe tatsächlich auf die "gestreifte" Korabl. Und zwar nur in dem kurzen Teil. Kamera auf Mast etc.
Alle anderen Startbilder zeigen (mehr oder weniger) eine "glatte Kugel. OK, Das Filmmaterial war auch schlecht.

Es ist kunterbund zusammen geschnitten worden.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Andi Wuestner am 11. Juni 2017, 18:22:15
@F-D-R:
Ob man in dieses Wirrwarr jemals Ordnung bringen kann? Durch Deinen Beitrag mit dem Korabl-Foto sehe ich mich in meinen Zweifeln an der Zuordnung des bekannten Startfilms zu Wostok 1 eher bestätigt.

Interessant an dem von Dir verlinkten Film finde ich, dass Gagarin dort definitiv in eine mehrfarbige Wostok-Kapsel einsteigt. Demnach wäre naheliegend, dass Wostok 1 also wohl in etwa so aussah:
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057994.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057994.jpg)
Nun ist da aber auch noch die Sache mit der Helmbeschriftung, die beim Anlegen des Raumanzugs fehlt, im Bus und beim Einsteigen dann aber plötzlich vorhanden ist. Sind überhaupt einzelne Sequenzen authentisch und falls ja, welche?

Fragen über Fragen ...

Andi
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 11. Juni 2017, 18:47:57
... Bitte jetzt nicht die Geschichte mit dem Schriftzug CCCP !!!!    >:(
Das kann ich wirklich nicht mehr hören! Das ist genau so wie die Frage mit der Mondlandung. (naja , nicht ganz.)

Entschuldigung, aber das musste mal raus ... !

Jetzt wieder in Ruhe: Der ganze Film ist zusammengeschnipselt. Die Aufnahmen von Gagarin, wo er den Raumanzug anlegt, sind alle nicht vom Starttag ! Zu erkennen am Helm. Nicht nur CCCP fehlt, sondern man sieht auch das Druckventiel am Helmkragen ist ein anderes, als beim Start. Das ist ein Übungsraumanzug.
Die Bilder von Koroljew im Startbunker sind auch nachgedreht. Vermutlich alles, was im Startbunker zu sehen ist. Die Innenaufnahmen in der Wostok sind auch fast alle im Simulator entstanden. u.s.w.

Wie gesagt... ich suche jemanden, der mir technische Hilfe beim Schneiden und zuordnen der Filmschnippsel gibt.

Was für mich neu war, ist, dass vermutlich die Startsequenz, das paar-Sekunden-Video, wo die Rakete von einem Mast aus gefilmt wird und wir das "Streifenhörnchen" sehen, vermutlich nicht von Wostok 1 stammt. Die anderen Aufnahmen sind da eher zutreffend, weil man das Fanggitter über dem Abgasschacht sieht für die Notaufnahme des katapulierten Kosmonauten. Ob das schon bei Korabl montiert war? Großes Fragezeichen.
Ich gehe davon aus, das die Kugel ohne eine besonders erkennbare Wabenstruktur einfarbig war. Und zwar Dunkel. Die Waben zeigen sich auch erst nach Abbrand beim Wiedereintritt. Da war also noch was drauf geklebt, gemalt oder wie auch immer.
Kleiner Blick in unsere Mediengallerie ist da auch interessant.:
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?action=media;sa=album;in=692 (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?action=media;sa=album;in=692)
Wobei die Wabenstruktur eher aufgebracht ist. Mist! Hatte nicht so genau darauf geachtet, als ich die Bilder machte. Aber Woschod-3 soll das Original, was nicht zum Einsatz gekommen ist, sein. Da sieht man die Kugel im Endzustand...  vermutlich.

Autentisch sind die Szenen, wo Leute drauf sind, die für Nachdreharbeiten nicht zur Verfügung standen.
Zum Beispiel der Chef der Sowjetischen Raketentruppen oder auch Gagarnis Chef General Kamanin.


Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Andi Wuestner am 11. Juni 2017, 19:10:33
Danke für die erklärenden Worte zum Helm. Wenn die Bilder ohne Helmbeschriftung nachgedreht sind, passt ja wieder alles zusammen. Was das nun mit dem Apolloverschwörungsgedöns zu tun haben soll ... also bitte!

Der Behauptung, die Wabenstruktur wäre erst nach dem Wiedereintritt sichtbar, muss ich jedoch entschieden widersprechen. Diese "Struktur" hat nichts mit dem Hitzeschild für den Wiedereintritt zu tun. Die Waben sind bereits auf den Bildern vor dem Start gut zu sehen:
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057993.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057993.jpg)
Dort erkennt man auch ihr fast weißes Erscheinungsbild und dass sie teilweise Fältchen werfen, also flexibel sind. Für mich ist es naheliegend, dass das Material dem mehrlagigen der Sojus-Raumschiffe ähnelt, nur halt anders aufgebracht. Was man nach der Landung hauptsächlich im oberen Bereich der Kapseln noch sieht, sind vermutlich die Reste der unteren (aufgeklebten?) Schicht Glasfasergewebe, teilweise vielleicht auch Reste der Metallfolien.

Andi
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 11. Juni 2017, 19:25:03
Sorry, das kannst Du nicht wissen. Ich habe mich vor Jahren mehr als intensiv mit einem Buch über die Lügen im Weltraum  beschäftigt. Speziell mit dem Teil-1 der sich mit der sowjetischen Raumfahrt beschäftigt.
Eigentlich ist das der Auslöser, warum ich dann später hier gelandet bin. Aber das wr jetzt Privathistorie.  ;)

Zur Wabe: Mir ist kein Bild bekannt, was die Wabenstruktur (Vermutlich Asbestfaser, glaube, das steht so bei Tschertok)  beim Einstieg zeigt, obwohl der Rand zu sehen ist. Die Bilder, auf die Du verweist, sind alle in der Montagehalle. OK Man sieht auch bei einem, das die Raumschiff mit sichtbaren Waben in die Verkleidung geschoben wird. Aber sicher ist das nicht, ob das der Flugmodus bereit ist.
OK: Thema (im Moment) offen.


@dksk Juchuh.... Es ist das "Streifenhörnchen!
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057992.jpg)
Ich habe mir den Film mal herunter geladen und die Einzelbilder auch angesehen. Man sieht ganz deutlich, wie sich die Doppelsichel-Antenne beim Abwurf der Verkleidung entfaltet. Also eine Korabl!


Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: proton01 am 11. Juni 2017, 19:32:35
Sofern davon


die Rede ist: Mir sieht das schon so aus wie eine dreidimensionale Struktur, weniger nach einfachen Streifen dort, wo man den Wostok-Lukendeckel für Einstieg und Ausschuß vermuten würde.

Gruß   Pirx

Eine deutlichere Darstellung findet sich im Buch "Raketen - Satellite - Raumstationen", VER Fachbuchverlag Leipzig, 1979, auf Seite 81. Danach würde ich von einer Struktur, und nicht nur einer Bemalung ausgehen. (im Buch wird dies als Woßchod bezeichnet, die sichtbare Oberstufe weist aber eindeutig auf Wostok hin)

Der Form des Frost auf der dritten Stufe nach ist es das gleiche Gerät wie im verlinkten Bild.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Andi Wuestner am 11. Juni 2017, 20:35:34
@F-D-R:
Mir sind Verschwörungstheorien aller Art suspekt, insofern liegen wir wohl auf derselben Wellenlänge ;-)

Schau Dir nochmal die Bilder vom Einstieg und die Überlegungen auf dieser Seite an:
http://vostoksupersite.weebly.com/true-vostok.html (http://vostoksupersite.weebly.com/true-vostok.html)

Man erkennt rund um die offene Luke einen schmalen Streifen Kapselaußenhaut. Ungefähr auf "zehn Uhr" ändert dieser schmale Streifen auf den Bildern vom Einstieg Gagarins seine Farbe. Das stimmt recht genau mit der Stelle überein, an der sich bei diesem Wostok-Raumschiff auch der Übergang von hellen Honigwaben zum dunklen graugrünbraunen vorderen Bereich befindet
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057991.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057991.jpg)
Mir reicht das als Beleg dafür, dass Wostok 1 beim Start noch so aussah wie oben.

Ich müsste bei Tschertok nochmal nachlesen. An das laminierte Asbestgewebe für den Hitzeschild kann ich mich erinnern. Daran, dass er in diesem Zusammenhang die Sechsecke erwähnt, nicht.

Vielleicht noch folgende Ergänzungen. Als Bykowski zuletzt zu den Raumfahrttagen war, hatte ich Gerhard Kowalski gebeten, ihn zu den Sechsecken zu fragen. Bykowskis Antwort ging in Richtung thermische Isolierung. Hätte er den Hitzeschild für den Wiedereintritt gemeint, hätte Kowalski das glaube ich auch so über setzt. Ich durfte leider nicht mit zum Tisch kommen, so dass ich die exakte Antwort nicht mitbekommen habe. Sonst hätte ich nachgehakt. Wir können Gerhard Kowalski ja nochmal fragen vielleicht erinnert er sich ;-)
Ein befreundeter US-amerikanischer Modellbauer, Barry Davidoff, hatte in den 90ern einmal Gelegenheit, einen Tag mit German Titow zu verbringen. Sein Steckenpferd war immer das äußere Erscheinungsbild der Wostok-Kapsel. Titows Reaktion auf diese Frage war schlicht und einfach "Wostok war weiß".

Vielleicht finden sich noch weitere Belege und Zeitzeugenaussagen. Einfacher wird das mit den Jahren leider nicht.

Andi
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 11. Juni 2017, 21:04:00
Ich frage mich, ob das, was wir da sehen, die Einstiegsluke ist. Wohl eher die entgegen gesetzte Seite Visor. Oder ?

Ich kann mich an den Besuch von Bykowski auch erinnern. Schwarzer Anzug und ganz elegant... .
Das mit der Thermischen Isolierung ist schon ok. Einen richtigen Hitzeschild im klassischen Sinne gibt es ja bei der Kugel nicht. man kann nur vermuten, dass die Hitzebeschichtung wie auch immer an der Unterseite verstärkt ist, da dort auch der Schwerpunkt.
GK mal darauf ansprechen, Ja gerne. Ich weis blos nicht, wann ich Ihn das nächste mal sehe.

Es ist ein Caos..... mit den Bilddokumenten !
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 11. Juni 2017, 21:12:45
...... Danach würde ich von einer Struktur, und nicht nur einer Bemalung ausgehen. (im Buch wird dies als Woßchod bezeichnet, die sichtbare Oberstufe weist aber eindeutig auf Wostok hin)


Ich habe genau das Bild aus dem Video vom Start im Bildband "Gagarin auf dem Kosmodrom Baikonur" Seite 64 gefunden (russische Ausgabe - Da ist der Druck besser, als beim deutschen Reprint.)
Ich sehe da "eindeutig" eine Bemalung auf der Kugel. Ich will aber nicht ausschließen, dass das Bild retuschiert ist, wie allgemein damals üblich.

Wat nu ?   :o   :-[   ::)
 


PS: Die Sache mit dem Lukendeckel absprengen beim Start zur Notkatapultierung durch die Verkleidung ist noch nicht geklärt.
Verkleidung vorher weg oder durch das Loch?

Ich bin jetzt für heute weg. Gute Nacht.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: AN am 11. Juni 2017, 21:39:27
Sofern davon


die Rede ist: Mir sieht das schon so aus wie eine dreidimensionale Struktur, weniger nach einfachen Streifen dort, wo man den Wostok-Lukendeckel für Einstieg und Ausschuß vermuten würde.

Gruß   Pirx

Eine deutlichere Darstellung findet sich im Buch "Raketen - Satellite - Raumstationen", VER Fachbuchverlag Leipzig, 1979, auf Seite 81. Danach würde ich von einer Struktur, und nicht nur einer Bemalung ausgehen. (im Buch wird dies als Woßchod bezeichnet, die sichtbare Oberstufe weist aber eindeutig auf Wostok hin)...
Ein und der selbe Start musste wohl für alles mögliche herhalten ....

als Woßchod 2:
https://www.youtube.com/watch?v=LtanDrCZnW0 (https://www.youtube.com/watch?v=LtanDrCZnW0)

als Wostok 6:
https://www.youtube.com/watch?v=OtxBp-xTnGU (https://www.youtube.com/watch?v=OtxBp-xTnGU)
https://www.youtube.com/watch?v=8_K3psrTOUM (https://www.youtube.com/watch?v=8_K3psrTOUM)
https://www.youtube.com/watch?v=tOgh3H2aLb4 (https://www.youtube.com/watch?v=tOgh3H2aLb4)

als Wostok 2:
https://www.youtube.com/watch?v=HHeSCSdn3HY (https://www.youtube.com/watch?v=HHeSCSdn3HY)

als Wostok 1:
https://www.youtube.com/watch?v=6rbvgMt1LDk (https://www.youtube.com/watch?v=6rbvgMt1LDk)
https://www.youtube.com/watch?v=LVWKhBx3sIw (https://www.youtube.com/watch?v=LVWKhBx3sIw)
https://www.youtube.com/watch?v=bJzygLptwf8 (https://www.youtube.com/watch?v=bJzygLptwf8)
https://www.youtube.com/watch?v=tfhulSjjGXA (https://www.youtube.com/watch?v=tfhulSjjGXA)
https://www.youtube.com/watch?v=P9uUQ57qeaM (https://www.youtube.com/watch?v=P9uUQ57qeaM)

als was auch immer:
https://www.youtube.com/watch?v=Fih9_C-9AHo (https://www.youtube.com/watch?v=Fih9_C-9AHo)

mal was anderes (?): Sputnik 10 alias Korabl-Sputnik 5
https://www.youtube.com/watch?v=_v20FJa8zDI (https://www.youtube.com/watch?v=_v20FJa8zDI)

Axel

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: AN am 11. Juni 2017, 22:01:26
Aus dem Video

https://www.youtube.com/watch?v=BMqpabGieGM (https://www.youtube.com/watch?v=BMqpabGieGM)

zu Wostok 1 stammt der Ausschnitt:

(Roskosmos)

Hm, kann das in der Tat wirklich das "Korabl-Streifenhörnchen" sein ...?

Axel
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 11. Juni 2017, 22:22:16
Von viel später ist wohl dieses

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057990.jpg)

Kometa-Aufklärungs-Streifenhörnchen.

Wofür die Streifen wohl sind? Aus was werden sie bestehen?

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 11. Juni 2017, 22:30:17
In Beitrag 200 kam das Thema: Kapselluke offen – Blick in die Kapsel
Dazu habe ich mal was gebastelt.

Bild 1 zeigt die Sicht mit der „unklaren“ Luke und als Referenz die Sonnenstahlrichtung, die am Schatten der Rakete, der nachfolgend im Film relativ zur Kammeraposition erkennbar ist.
Damit würde die potentielle Öffnung sehr gut ausgeleuchtet.
Jetzt könnte man mit der Sonnenposition und Uhrzeit etc. noch überprüfen, ob die Aufnahme zur Startzeit Wostok-1 oder einem anderen verdächtigen in Frage kommenden Start passt.
-
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057988.jpg)
-
Bild 2 ist zusammengebastelt und zeigt einen potentiellen Blickvergleich in die geöffnete Luke.
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(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057989.jpg)
-
Ich denke da ist erkennbar, daß da eher keine offene Luke war.
-
dksk

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: max-q am 11. Juni 2017, 22:35:25
unter http://vystavki.rgantd.ru/korolev/razdel6.htm (http://vystavki.rgantd.ru/korolev/razdel6.htm) finden sich zwei relativ klare s/w Aufnahmen, die angeblich die Rakete von Gagarins Flug zeigen. Und eben auch die Streifen bzw. wenigstens den Lukenausschnitt. Etwas deutlicher als auf den hier als Referenz hergenommenen Video-Stills hier: https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057987.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057987.jpg)
Ergänzung:
Die Zeichnung http://rusarchives.ru/projects/12april/pages/02_12.php (http://rusarchives.ru/projects/12april/pages/02_12.php) deutet oben Streifen an und unten die bekannten Waben. Bei einigen Fotos gelandeter Kapseln kann man die Zweiteilung noch erahnen.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Andi Wuestner am 12. Juni 2017, 13:13:39
Auch ein interessantes Projekt, vor allem der Abschnitt zur äußeren Beschaffenheit der Kapsel:
http://gagarin3d.ru/ (http://gagarin3d.ru/)

Scheint leider seit 2014 zu ruhen. Vielleicht gibt der Autor seine Quellen Preis?

Sechsecke nach dem Flug:
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057986.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057986.jpg)

Andi
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 16. Juni 2017, 16:58:10
Noch eine Version des unklaren Starts ...

(Quelle: Archiv der UdSSR)

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: 8K82KM (-ex Rakete54-) am 16. Juni 2017, 18:43:41
Hallo,

leider ist auch bei diesen beiden Fotos ordentlich "zensiert" worden... Da ist einiges retuschiert, verborgen und verändert worden. Es muss doch bessere Fotos und Videos geben, die Aufschluss bringen. Nach 55 Jahren wird das immer schwieriger. Und die Leute, die das interessiert werden auch nicht mehr. >:(
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Ariane 42L am 16. Juni 2017, 20:59:39
Der Doppelflug von Wostok-5 und -6 fand zwischen den 14. und 19. Juni 1963 statt. Das sind 10 Jahre nach den Arbeiteraufstand in der DDR. Gibt es da einen Zusammenhang, wie bei Wostok-2 und der Bau der Berliner Mauer?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: wernher66 am 16. Juni 2017, 21:36:15
Nein.
Die garantierte Funktionsdauer von 3KA Nr.7 (Wostok 5) und 3KA Nr.8 (Wostok 6) lief spätestens im Juni 1963 ab. Daher mussten die Raumschiffe spätestens im Juni 1963 gestartet werden.
Die Raumschiffe waren schon Mitte 1962 fertiggestellt worden. Die Entscheidung zum Einsatz der beiden Schiffe gab das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion aber erst am 29.4.1963.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Kelvin am 16. Juni 2017, 21:39:22
Der Doppelflug von Wostok-5 und -6 fand zwischen den 14. und 19. Juni 1963 statt. Das sind 10 Jahre nach den Arbeiteraufstand in der DDR. Gibt es da einen Zusammenhang, wie bei Wostok-2 und der Bau der Berliner Mauer?

Das glaube ich kaum, wenn man von dem grundsätzlichen, immer vorhandenem propagandistischen Trachten absieht. Der Arbeiteraufstand in der DDR war einem durschnittlichen Ostblockbürger unbekannt. Und daß man die Raumfahrt terminlich speziell nach der Nützlichkeit für die DDR Propaganda ausgerichtet hat, bezweifle ich. Das ist zu "deutschzentrisch", glaube ich. Ich selbst hatte von dem Aufstand erst viel später im "Westen" erfahren, aus dem Spiegel, gedruckt, natürlich ;-). Obwohl ich den Kenedy-Mord damals bereits sehr bewußt wahrgenommen habe. Solche Vorgänge (Aufstände usw.) hat man so weit es ging entweder totgeschwiegen, oder notfalls als Propaganda oder Provokation der "Revanschisten" bezeichnet.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 19. Juni 2017, 23:40:07
Hallo,
nach einer Woche Donaukreuzfahrt und dadurch bedingter Schreibabstinenz will ich wieder bei dem interessanten Thema einsteigen. Muss da natürlich einige Beiträge bis #187 zurückgehen.

Hallo,

ist das wirklich ein Video vom Start mit Kosmos-4? Ein Zenit-2-Satellit benötigt doch keine Öffnung zum Heraussprengen der Nutzlast. Und es wurden doch nur 2 Raketen der 8K72K-Serie für Zenit-2 verendet, danach die 8A92. Macht wenig Sinn, eine Nutzlastverkleidung eines neuen Satelliten 2x zu konstruieren. Sicher ist der Film falsch verwaltet worden, gehört nicht zu Zenit-2. Im verwendetem Quellarchiv sind jedenfalls mehrere Patzer bei anderen Raketen... Aber gerne lese ich Eure Meinungen dazu, ich möchte es auch gerne richtig archivieren!

Laut der russischen Filmlegende von
http://www.kosmonavtika.com/lancements/1962/26041962/26041962photos.html (http://www.kosmonavtika.com/lancements/1962/26041962/26041962photos.html)

soll es sich bei dem Video um den Start von Kosmos-4 handeln, wobei man bei solchen Angaben natürlich nie ganz sicher sein kann. Richtig ist, dass bei den Zenit-Satelliten keine Öffnung in der Nutzlastverkleidung nötig war, doch vielleicht hatte man aus dem Wostok-Programm noch Fairings übrig, die man bei einigen Zenit-Starts verbrauchen wollte. Kann man sicher nicht ganz ausschließen.
Und es gibt ja auch Woschod-Raketen, bei denen in der Fairing die bewusste Öffnung vorhanden war (siehe Foto).

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057983.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Das Bild zeigt die Oberstufe und Fairing der Woschod-1 Trägerrakete, erkennbar am schwarz-weißen Schachbrettmuster der Oberstufe. Ist die einzige mir bekannte Woschod-Rakete in dieser Farbgebung. Oder sollte es eventuell weitere Woschod-Raketen mit dieser Oberstufen-Farbgebung gegeben haben?
Auf jeden Fall hat auch die Fairing dieser Rakete eine Öffnung, obwohl es keine Möglichkeit gab, die Kosmonauten aus den Woschod-Kapseln herauszukatapultieren. Wofür dann diese Öffnung? Ein weiteres Rätsel im sowjetischen Raumfahrtprogramm?
Und da die Luftschleuse von Woschod-2 nicht komplett in die Nutzlastverkleidung passte, hatte auch deren Fairing eine Öffnung, in der dann die Luftschleuse steckte.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: fl67 am 19. Juni 2017, 23:49:01
Auf jeden Fall hat auch die Fairing dieser Rakete eine Öffnung, obwohl es keine Möglichkeit gab, die Kosmonauten aus den Woschod-Kapseln herauszukatapultieren. Wofür dann diese Öffnung? Ein weiteres Rätsel im sowjetischen Raumfahrtprogramm?
Die Kosmonauten mussten ja auch irgendwie in die Kapsel reinkommen. Oder gab es noch eine zweite Luke im Fairing ?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 20. Juni 2017, 00:16:31
Ja klar, logisch. Hätte ich auch selbst drauf kommen können!
Auf jeden Fall auch dort wieder eine Fairing mit Öffnung. Zumindest kann man somit auch bei anderen Missionen, bei denen eigentlich keine Öffnung nötig war, nicht ausschließen, dass man dennoch Fairings mit Öffnung verwendet hat, einfach nur aus dem Grund, weil diese bereits praxiserprobt und zudem noch vorhanden waren.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: fl67 am 20. Juni 2017, 00:21:10
Wie sind die Kosmonauten bei Woschod-2 in die Kapsel eingestiegen ?  Durch die (zusammengefaltete) Luftschleuse ?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 20. Juni 2017, 00:25:43
Ist ne weitere interessante Frage. Habe da aber erstmal keine Antwort drauf. Vielleicht jemand von den Woschod-Experten ...?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Sternfahrer am 20. Juni 2017, 03:50:54
Wie sind die Kosmonauten bei Woschod-2 in die Kapsel eingestiegen ?  Durch die (zusammengefaltete) Luftschleuse ?
Woschod-2 hatte 2 Luken: Die eine diente den Kosmonauten zum Ein- und Aussteigen vor und nach dem Flug, auf der anderen, an der gegenüber liegenden Seite, war die Luftschleuse montiert.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 20. Juni 2017, 08:01:41
Stimmt. Habe auch nochmal nachgesehen, Woschod-2 hatte mehrere Luken.

Und da die Luftschleuse von Woschod-2 nicht komplett in die Nutzlastverkleidung passte, hatte auch deren Fairing eine Öffnung, in der dann die Luftschleuse steckte.

Sorry, hier lag ich falsch. Die Fairing hatte an der Stelle doch keine Öffnung, sondern die auf dem Foto ersichtliche Ausbuchtung.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057984.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Quelle: https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057985.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057985.jpg)
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 20. Juni 2017, 11:10:54
Wie sind die Kosmonauten bei Woschod-2 in die Kapsel eingestiegen ?  Durch die (zusammengefaltete) Luftschleuse ?

Alles ganz einfach. Einstieg genau so, wie bei Wostok. Die Luftschleuse ist an der stelle, wo das VISIR bei Wostok war (Fußende).
Die Sitze sind ja um 90 Grad bei Woschod gedreht.
Ich habe leider im Moment keine Zeit ... aber seht Euch mal unsere Bilder an.
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?action=media;sa=album;in=692 (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?action=media;sa=album;in=692)

Ich melde mich später
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 20. Juni 2017, 11:30:26
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057983.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057983.jpg)

Ich tippe auf Woschod-1.
Zur Wostok-Trägerrakete werde ich ein Album im "Wostok-Programm" anlegen lassen.
Ich glaube, ich habe da noch einige Bilder, die passen würden.
Dauert nur.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: 8K82KM (-ex Rakete54-) am 22. Juni 2017, 21:15:18
Hallo,

zum letzten Post: Kann auch Kosmos 47 oder 110 sein, alle drei (mit Wostok-1) waren ja Bauart 3KW (russisch: 3КВ / Восход). Wostok-2 und Vorgänger Kosmos 57 waren  ja 3KD (3КД / Восход). Interessant aber sind dazu die Trägerraketen: Alle aus der 1964er Produktion; Seriennummern waren: R15000-02, R15000-04, R15000-03, R15000-05 und R15000-06. (in chronologischer Startfolge, das R steht für die Jahresproduktion von 1964).
Die R15000-01 ist nie gestartet, war eventuell der Erprobungsträger. Solchen Luxus eines technologischen Modells leistete man sich damals durchaus. Oder er wurde zu einer anderen Version umgebaut, die Erst- und Zweitstufenblöcke sind ja gleich im mechanischen Aufbau. Auch bei der Molnija-Rakete, nur dort andere Triebwerke.
Die Raumschiffe zur Trägerrakete Tragen die Seriennummern in Startreihenfolge: 2L, 3L, 1L, 4L, 5L. (russisch: 3КВ №2Л, 3КВ №3Л, 3КД №1Л, 3КД №4Л, 3КВ №5Л). Also eine komplette Serie, die restlichen wurden nicht gestartet.
Auch bei den militärischen Zenit-2 und Zenit-4-Satelliten sind solche Serien zu sehen. Rakete und Satellit sind eine Bestellung und haben gleiche Seriennummern, da ja auch aus einem Werk. Rakete, Nutzlastverkleidung und Satellit sind eine komplette Einheit und gehören zusammen. Erst in den Startorten Baikonur oder Plesetzk kommt es zu anderen Kombinationen, und Rakete und Satellit haben auch verschiedene Seriennummern. Das war sicher dem rasanten Startraten geschuldet, War Rakete oder Nutzlast nicht zeitgleich fertig, wurde getauscht. Das blieb aber meist auf die Serie beschränkt, also innerhalb der Zenit-Serien.
Daher übrigens auch meine Bedenken zu dem (mir) nicht passenden Kosmos-4 Video.
Danke Wilga35, das Du die Sache nicht einschlafen lassen hast, mein Beitrag wurde ja sonst nicht weiter kommentiert, obwohl ich sehr an Aufklärung interessiert bin!





Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Ariane 42L am 23. Juni 2017, 16:46:48
zur E15000-01 habe ich folgende Angaben gefunden:
Quelle: SPACEFLIGHT, Vol. 40, December 1998

Launch Date: 1. Jun 1962
Launch Serial: 8A92
Vehicle Number: E15000-01
Payload Code Mission: 11F61, Zenit-2
Results, Comments: U. At T+1.8s, engine 8D74 of the strap-on booster Block B suddenly cut off [1]. The booster B broke away from the launcher and fell to the pad. The launcher went out of control and fell back to Eartl't about 300 m from the pad [1]. The cause lay in a commutator which knocked out the power supply circuit of booster B's engine automatics.

1.  V. Agapov, "Launches of Zenit-2 Spacecraft", Alovosti Kosmonavtiki (News of Comonautics), Two-weekly aerospace magazine of the Videokosmos Company. Vol.6, No.10/125, 6-19 May 1996, pp.6869.

Als Autor des Artikeln wird TIMOTHY VARFOLOMEYEV, St. Peterburg, Russia genannt.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: 8K82KM (-ex Rakete54-) am 23. Juni 2017, 17:02:24
Hallo,

danke für die Antwort.
Aber: E ist das Jahr 1961, obige Serie betrifft R, also Jahrgang 1964 gefertigte Exemplare. Die 15000-Nummer sagt uns den Hersteller, also Progress-Werk!
Leider gleiten wir damit aus der bemannten Raumfahrt, das ist auch ein Problem für mich, da es keinen richtigen aktuellen Platz im Forum gibt, wo man gerade die russischen Träger auflisten könnte. Die R-7 fliegt nun mal bemannt, aber in Masse auch in unbemannten Flugbetrieb. Kann ein Moderator helfen, wo das besser hingehört? Ich hätte sicher einige aufgearbeitete Sachen, die ganz interessant sind (zu den einzelnen Typen).
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: McPhönix am 23. Juni 2017, 19:23:05
Hatten wir das nicht schon mal geklärt ?
Unbemannt = Meß- Spion- sonstige Satelliten und Sonden
Bemannt = Auch Frachter, sie müssen ja (noch) von Menschen betreten und ausgeräumt werden.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Steffen am 24. Juni 2017, 01:08:57
zur E15000-01 habe ich folgende Angaben gefunden:
Quelle: SPACEFLIGHT, Vol. 40, December 1998

Launch Date: 1. Jun 1962
Launch Serial: 8A92
Vehicle Number: E15000-01
Payload Code Mission: 11F61, Zenit-2
Results, Comments: U. At T+1.8s, engine 8D74 of the strap-on booster Block B suddenly cut off [1]. The booster B broke away from the launcher and fell to the pad. The launcher went out of control and fell back to Eartl't about 300 m from the pad [1]. The cause lay in a commutator which knocked out the power supply circuit of booster B's engine automatics.

1.  V. Agapov, "Launches of Zenit-2 Spacecraft", Alovosti Kosmonavtiki (News of Comonautics), Two-weekly aerospace magazine of the Videokosmos Company. Vol.6, No.10/125, 6-19 May 1996, pp.6869.

Als Autor des Artikeln wird TIMOTHY VARFOLOMEYEV, St. Peterburg, Russia genannt.


zu dieser Beschreibung passt ein Schnipsel aus diesem Film:
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg395872#msg395872 (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg395872#msg395872)
bei 0:37 kann man für ein paar Sekunden einen Start sehen, bei dem einer Außenblöcke wegbricht.

viele Grüße
Steffen
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 24. Juni 2017, 12:25:52
Bei dem Filmschnipsel mit Bosterverlust tippe ich auf den 28.Juli 1960, Wostok-Trägerrakete 8k72.
Bosterverlust nach 17 Sekunden nach dem Start.
Gescheiterter Hundeflug mit Chaika und Lisichka.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: McPhönix am 24. Juni 2017, 13:18:23
Sorry, ich find den passenden Film nicht, welcher von den Direktlinks ist es ? ?
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 24. Juni 2017, 14:51:54
Dieser ....   :)


zur E15000-01 habe ich folgende Angaben gefunden:
Quelle: SPACEFLIGHT, Vol. 40, December 1998

Launch Date: 1. Jun 1962
Launch Serial: 8A92
Vehicle Number: E15000-01
Payload Code Mission: 11F61, Zenit-2
Results, Comments: U. At T+1.8s, engine 8D74 of the strap-on booster Block B suddenly cut off [1]. The booster B broke away from the launcher and fell to the pad. The launcher went out of control and fell back to Eartl't about 300 m from the pad [1]. The cause lay in a commutator which knocked out the power supply circuit of booster B's engine automatics.

1.  V. Agapov, "Launches of Zenit-2 Spacecraft", Alovosti Kosmonavtiki (News of Comonautics), Two-weekly aerospace magazine of the Videokosmos Company. Vol.6, No.10/125, 6-19 May 1996, pp.6869.

Als Autor des Artikeln wird TIMOTHY VARFOLOMEYEV, St. Peterburg, Russia genannt.


zu dieser Beschreibung passt ein Schnipsel aus diesem Film:
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg395872#msg395872 (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg395872#msg395872)
bei 0:37 kann man für ein paar Sekunden einen Start sehen, bei dem einer Außenblöcke wegbricht.

viele Grüße
Steffen
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: McPhönix am 24. Juni 2017, 18:27:01
Ah danke, im Zitat klappts.

Beeindruckendes Bild.....
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 11. August 2017, 09:27:59
Heute steht nun wieder einmal ein kleines Jubiläum des Wostok-Programms auf der Tagesordnung. Vor genau 55 Jahren, am 11. August 1962, wurde mit dem Start von Wostok-3 mit Andrijan Nikolajew an Bord eine für die damalige Zeit bemerkenswerte Mission gestartet. Nur einen Tag später hob eine weitere Semjorka mit Wostok-4 mit Pawel Popowitsch ab, und der erste Gruppenflug zweier bemannter Raumschiffe nahm seinen Anfang. Beide Raumschiffe starteten mit nur 24 Stunden Abstand von der selben Startrampe (Platz 1), was allein schon bemerkenswert war. Man vergleiche nur mal die heutigen Startintervalle von ein und der selben Rampe!
Durch genauen Bahneinschuss erreichten beide Raumschiffe einen Minimalabstand von ca. 6,5 km, wobei die Kosmonauten das jeweils andere Raumschiff aber trotz aller Bemühungen nicht sehen konnten. Dafür war der Abstand wohl doch zu groß. Eine weitere Annäherung war auch nicht möglich, da mit den Wostok-Kapseln keine aktiven Steuermanöver durchführbar waren.
Nikolajew und Popowitsch startete fast auf den Tag genau ein Jahr nach German Titow ins All. Auch der Berliner Mauerbau lag genau ein Jahr zurück, und der Jubel über den erneuten sowjetischen Raumfahrterfolg lenkte die Menschen sicher auch etwas vom Jahrestag des Mauerbaus ab. Immerhin war die Erinnerung daran noch sehr frisch. Staatlich gelenkt wurde der Termin des kosmischen Gruppenfluges im Gegensatz zu Titows Flug aber offenbar nicht (siehe auch Beiträge #132 und #134 dieses Treads), sondern war wohl eher Zufall. Dennoch für die Führungsriegen in Moskau und Berlin sicherlich mehr als willkommen, und von der Propaganda entsprechend ausgeschlachtet.
Fotos von Nikolajew´s und Popowitsch´s Mission findet man im Vergleich zu den anderen Wostok-Missionen allerdings nur wenige. Die meisten davon sind zudem von schlechter Qualität. Das verwundert dann schon, denn wenn man die Bedeutung der Mission für die sowjetische Propaganda bedenkt, hätte man eigentlich erwarten müssen, dass das Ganze auch bildmäßig entsprechend dokumentiert wird.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058727.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Andrijan Nikolajew auf der Startrampe.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058728.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Pawel Popowitsch auf der Startrampe.

Fotos: Archiv des Autors
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Rücksturz am 22. August 2017, 22:37:03
Eine Frage oder Bitte an die Wostok-Experten, ich bin über den Grundlagenartikel zum Wostok-Programm im Portal gestolpert:
https://www.raumfahrer.net/raumfahrt/bemannt/projekt_wostok.shtml (https://www.raumfahrer.net/raumfahrt/bemannt/projekt_wostok.shtml)

Zum einen würde mich interessieren, ob der Artikel, nach allem was bekannt ist, dem Grunde nach korrekt ist?
Falls Ihr Fehler findet oder sinnvolle Ergänzungen vorschlagen könnt, würde ich den Artikel entsprechend ergänzen.

Beim Lesen ist mir vor allem aufgefallen, dass ich bei der Nummerierung der Korabl nicht durchblicke, ist das alles richtig wiedergegeben?
Einmal soll Korabl 4 am 22. Dezember 1960 gestartet sein und dann noch mal am 9. März 1961?  :o
Da im Text kein Korabl 3 auftaucht, wäre meine Vermutung, dass der Start am 22. Dezember 1960 mit Korabl 3 erfolgte?  8)

Viele Grüße
Rücksturz
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: roger50 am 23. August 2017, 01:10:21
N'abend,

tja, leider drangen damals kaum Informationen über den "eisernen Vorhang", daher ist es etwas schwierig, alle 'echten' Daten aus der Frühzeit der Raumfahrt zusammen zu bekommen. Aber Wiki ist da inzwischen recht brauchbar (Korabl+Wostok).

Damals bekamen nur erfolgreiche Missionen der UdSSR, die in den Orbit gelangten, eine offizielle Bezeichnung. Nach Wiki und meinen eigenen Unterlagen sah es so aus:

Korabl-1  Sputnik-4  15.05.60
Korabl-2  Sputnik-5  19.08.60
Korabl-3  Sputnik-6    1.12.60
Korabl-4  Sputnik-9    9.03.61
Korabl-5  Sputnik-10 25.03.61

Zwischendurch gab es 2 Fehlstarts dieser Wostok-Missionen:
- am 28.07.60 explodierte die Wostok-L Rakete gleich nach dem Start
- am 22.12.60 versagte die Oberstufe, es war die erste Wostok-K Rakete, sie erreichte keinen Orbit, deshalb gab es diesen Start damals auch gar nicht.... ::)

Ich hoffe, es hilft. Die jeweils an Bord befindlichen Hunde darf gerne jemand anders nachtragen.... :)

Gruß
roger50
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Ariane 42L am 23. August 2017, 07:57:23
Bei Fehlstarts in der Sowjetunion gibt es das Problem mit der Nummerierung, weil es Fehlstarts nicht gab, gab es keine und wenn ein Objekt die Erdumlaufbahn erreichte war aber nicht funktionsfähig war, war es anfangs „Sputnik xyz“, später dann „Kosmos xyz“ gewesen.

Wenn man sich historisch damit beschäftigt, das spielen die Tatsachen die zum damaligen Zeitpunkt bekannt waren eine viele größere Rolle als heute bekannte Daten, und wie sich die Daten im Lauf der Zeit verändert haben. Dazu gehört das Thema, wie sind die Kosmonauten gelandet.

In den damaligen Ausgaben der Tageszeitungen kann man hin und wieder einen Artikel finden, den man als Goldschatz bezeichnen kann

Fuldaer Zeitung, Mittwoch, 12. April 1961, Nummer 84 – Seite 1
Zitat
Moskau, 11. April (dpa). Der sowjetische Wissenschaftler Kusnezow kündigte am Dienstag in Moskau an, daß wahrscheinlich in nächster Zukunft ein Raumschiff mit einem Menschen an Bord gestartet werde. …
… Demgegenüber berichtete die kommunistische Londoner Zeitung „Daily Worker“ am Dienstag aus Moskau, die Sowjetunion habe bereits den ersten Menschen am Freitag in den Weltraum gestartet …
… allerdings habe der Pilot gesundheitliche Schäden erlitten …

Und das stand sehr wahrscheinlich auch in anderen Tageszeitungen, in Westdeutschland.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 23. August 2017, 09:57:58
N'abend,

tja, leider drangen damals kaum Informationen über den "eisernen Vorhang", daher ist es etwas schwierig, alle 'echten' Daten aus der Frühzeit der Raumfahrt zusammen zu bekommen. Aber Wiki ist da inzwischen recht brauchbar (Korabl+Wostok).

Damals bekamen nur erfolgreiche Missionen der UdSSR, die in den Orbit gelangten, eine offizielle Bezeichnung. Nach Wiki und meinen eigenen Unterlagen sah es so aus:

Korabl-1  Sputnik-4  15.05.60
Korabl-2  Sputnik-5  19.08.60
Korabl-3  Sputnik-6    1.12.60
Korabl-4  Sputnik-9    9.03.61
Korabl-5  Sputnik-10 25.03.61

Zwischendurch gab es 2 Fehlstarts dieser Wostok-Missionen:
- am 28.07.60 explodierte die Wostok-L Rakete gleich nach dem Start
- am 22.12.60 versagte die Oberstufe, es war die erste Wostok-K Rakete, sie erreichte keinen Orbit, deshalb gab es diesen Start damals auch gar nicht.... ::)

Ich hoffe, es hilft. Die jeweils an Bord befindlichen Hunde darf gerne jemand anders nachtragen.... :)

Gruß
roger50

Die Hunde an Bord waren:

- Korabl-1 (1KP), 15.05.1960, vereinfachte Testkapsel, noch keine Hunde mitgeführt.

- Korabl (1K No.1), 28.07.1960: Lissitschka und Tschaika, bei Trägerraketenexplosion getötet.

- Korabl- 2 (1K No.2), 19.08.1960: Belka und Strelka, erste aus dem Erdorbit zur Erde zurückgekehrte Lebewesen.

- Korabl-3 (1K No.5), 01.12.1960: Ptscholka und Muschka, Kapsel wurde während der Rückkehr vom Selbstzerstörungssystem gesprengt und dabei die Hunde getötet.

- Korabl (1K No.6), 22.12.1960: Kometa und Tschutka, ballistischer Flug und Notlandung in Jakutien, Hunde nach zwei Tagen bei eisigem Frost lebend geborgen.

- Korabl-4 (3KA No.1), 09.03.1961: Tschernuschka und Kosmonautendummy, sichere Rückkehr nach einem Erdorbit.

- Korabl-5 (3KA No.2), 25.03.1961: Swesdotschka und Kosmonautendummy, sichere Rückkehr nach einem Erdorbit.

Knapp drei Wochen nach dem letzten Korabl-Flug startete dann Juri Gagarin zu seinem Flug ins All.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 24. August 2017, 12:15:40
Im Zusammenhang mit den beiden letzten Korabl-Flügen stellt sich mir jetzt folgende Frage:
Es mussten ja in der Kapsel von Korabl-4 und 5 sowohl der Schleudersitz für den Kosmonautendummy (genannt "Iwan Iwanowitsch") als auch die Hundekabine für den einen Hund untergebracht werden. Bei den vorherigen Korabl-Flügen wurde dagegen nur die Hundekabine für zwei Hunde mitgeführt, und diese war in der Kapsel mittig angeordnet, damit sie vor der Landung katapultiert werden konnte. Bei den Flügen Korabl-4 und 5 war aber mittig der Schleudersitz mit dem Dummy montiert, der wurde ja vor der Landung definitiv katapultiert. Die Hundekabine kann also nur seitlich vom Schleudersitz untergebracht gewesen sein, und ein Katapultieren des Hundes war da wohl unmöglich.

Anbei noch zwei Fotos des Kosmonautenschleudersitzes und der Hundekabine für zwei Hunde, ausgestellt im Museum von Baikonur. Um beides in der Wostok-Kugel unterzubringen, waren sicher einige konstruktive Kniffe erforderlich. Ist jemand bekannt, wie genau bei Korabl-4 und 5 die Hundekabine in der Kapsel angeordnet war, und ob diese eventuell gegenüber den Kabinen für zwei Hunde konstruktiv verändert werden musste?


(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058991.jpg) (https://www.pic-upload.de)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up058992.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Fotos: Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Ariane 42L am 24. August 2017, 16:55:50
Warum wird hier ständig nur von Hunden geredet!
Bei Korabl-2 (1K Nr. 2) erreichte mit den Hunden Bjelka und Strjelka, zwei Ratten, 28 Mäusen, Fruchtfliegen sowie Samen, Bakterien und Gewebeproben die Umlaufbahn.
Bei Korabl-4 (3KA Nr. 1) war neben der Kosmonautenpuppe lwan lwanowitsch und dem Hund Tschernuschka auch noch Mäuse, Meerschweinchen und Hamster an Bord gewesen.
Es wurde nur die Kosmonautenpuppe mit dem Schleudersitz herauskatapultiert, die Tiere landeten in der Kapsel.


Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: F-D-R am 25. August 2017, 15:56:50
Es wurde nur die Kosmonautenpuppe mit dem Schleudersitz herauskatapultiert, die Tiere landeten in der Kapsel.

Für mich ist die Konstruktion von "Ivan" immer noch unklar. Es gibt ja Bilder mit und ohne Raumanzug SK-1. Am Helm der Hinweis, das es sich um eine Test-Puppe handelt - Kein Schriftzug CCCP. Dann gibt es noch die Videoschnipsel, wo man ein "weißes Gesicht" sieht. Das würde wieder zu der Puppe passen, die bei ENERGIA neben der Wostok-1-Kapsel ausgestellt ist.
Nach meiner Kenntnis waren in der Puppe auch Proben untergebracht. Auch Tiere? Die Hunde natürlich nicht ... !
Gibt es so etwas wie eine "Konstruktionszeichnung" o.ä. von dem Kollegen? Ich selber habe trotz Suche noch nichts gefunden.
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up059196.png)  (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up059197.jpg)

Bilder aus: https://www.theatlantic.com/technology/archive/2013/03/the-doll-that-helped-the-soviets-beat-the-us-to-space/274400/ (https://www.theatlantic.com/technology/archive/2013/03/the-doll-that-helped-the-soviets-beat-the-us-to-space/274400/)

Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Ariane 42L am 11. September 2017, 20:31:06
Auf den Helm der Puppe von Korabl-Sputnik-4 könnte der Schriftzug
„Do Not Touch - Report Immediately to the Local Organs Of Power"
gestanden haben.
Gefunden auf der Website http://www.svengrahn.pp.se/histind/sputnik910/sputnik910.html (http://www.svengrahn.pp.se/histind/sputnik910/sputnik910.html)
als Quelle für diesen Schriftzug wird als Quelle
V.P Efimov, "Russian Space History", Catalogue of Sale 6516 at Sotheby's, 11 December 1993. Object 10
genannt.

Alle Quelle besagen, dass die Hunde mit der Kapsel gelandet sind, bei den anderen Tiere unbekannt.
Auch bei Korabl-Sputnik-2 ist mir bekannt, dass die zwei Hunde ausserhalb gelandet sind, die anderen?

- - -
Der Schriftzug war bestimmt nicht in englischer Sprache gehalten worden, nur die Webseite ist in englischer Sprache verfasst worden.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Rücksturz am 18. September 2017, 21:19:44
Der Grundlagenartikel zum Wostok-Programm wurde zwischenzeitlich aktualisiert:
https://www.raumfahrer.net/raumfahrt/bemannt/projekt_wostok.shtml (https://www.raumfahrer.net/raumfahrt/bemannt/projekt_wostok.shtml)

Noch einmal vielen Dank an Uwe Rätsch für die Unterstützung!

Viele Grüße
Rücksturz
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: dksk am 05. November 2017, 14:43:58
Ich will nochmal auf das Thema zur Unterbringung der Hunde bei den beiden letzten Dummy-Flügen (Korabl-4 und 5) zurückkommen.

…Die Hundekabine kann also nur seitlich vom Schleudersitz untergebracht gewesen sein, und ein Katapultieren des Hundes war da wohl unmöglich.

Ich sehe das ähnlich.
-   - -
Die Kabinenausstattung in diesen beiden Missionen ist ja primär für den bemannten Flug eines Kosmonauten ausgelegt und die Gesamtheit der Systeme soll getestet werden. Bei den vorangegangenen reinen „Hundemissionen“ war die Kabine in viel stärkerem Maße auf die Hunde zugeschnitten – dies macht aber in der unmittelbaren Vorbereitung eines bemannten Fluges keinen Sinn – ist doch der Rauminhalt und die Masse des Raumschiffes zu begrenzt für vollständige Systemdopplung.
Also stellt sich nun die grundsätzliche Frage: „Welchen Zweck erfüllt die zusätzliche Nutzlast eines Hundes?“
Aus meiner Sicht dient der Zweck der Anwesenheit eines Hundes der Prüfung der Kabinenklimatisierung, Luftversorgung, Luftumwälzung etc.im Bereich des Kopfes eines Kosmonauten in der Kabine. Dort ist bei geöffnetem Helm ein entsprechendes Versorgungsregime zu gewährleisten.
Somit wäre es auch naheliegend, den Hund nicht mit einem separaten Versorgungsystem zu versehen, sondern ihn quasi nur in diesem Bereich zu fixieren und seine Vitalität nach der Landung festzustellen.
Um beim Ausschießen des Schleudersitzes nicht verletzt zu werden, wird hier sicherlich ein minimaler seitlicher Versatz zum Sitz/Lukenrand noch sinnvoll gewesen sein.
Basierend auf diesen Grundannahmen kann man dann in einem „Ring“ um die Lukenöffnung nach einer geeigneten Position suchen.
Schränkt man weiter ein, dass für Start, Wiedereintritt und Landung jeweils eine stabile flächige Auflage für den Hundekörper vorhanden sein soll, bleiben nur noch wenige Bereiche in der Kapsel übrig.

-   - -
Aus dem Historia-Beitrag zur Hündin „Laika“ habe ich im Film lt. Link eine interessante Aufnahme gefunden.
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=149.msg405823#msg405823 (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=149.msg405823#msg405823)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up059869.jpg)

Die Darstellung des im „Korb hängenden Hundes“ ist nur ein paar Sekunden lang – stammt aus einem Dokumentationsfilm über die Entwicklung des Wostok-Raumschiffes, den wir hier im Thread auch schon hatten:

https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg364988#msg364988 (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg364988#msg364988)

Auf Basis beider Filme/Filmausschnitte habe ich mal versucht – vom Groben zum Feinen eine wahrscheinliche Position des Hundes in der Kapsel zu ermitteln.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up059870.jpg)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up059871.jpg)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up059872.jpg)

Im Ergebnis komme ich zu einer Position im Bereich des Nahrungsmittelfachs. Auf die Tuben konnte man verzichten und gleich eine Anbindungsstruktur in der Kabine nutzen.

dksk
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 07. November 2017, 19:57:18
Ich will nochmal auf das Thema zur Unterbringung der Hunde bei den beiden letzten Dummy-Flügen (Korabl-4 und 5) zurückkommen.

…Die Hundekabine kann also nur seitlich vom Schleudersitz untergebracht gewesen sein, und ein Katapultieren des Hundes war da wohl unmöglich.

Somit wäre es auch naheliegend, den Hund nicht mit einem separaten Versorgungsystem zu versehen, sondern ihn quasi nur in diesem Bereich zu fixieren und seine Vitalität nach der Landung festzustellen.
Um beim Ausschießen des Schleudersitzes nicht verletzt zu werden, wird hier sicherlich ein minimaler seitlicher Versatz zum Sitz/Lukenrand noch sinnvoll gewesen sein.
Basierend auf diesen Grundannahmen kann man dann in einem „Ring“ um die Lukenöffnung nach einer geeigneten Position suchen.
Schränkt man weiter ein, dass für Start, Wiedereintritt und Landung jeweils eine stabile flächige Auflage für den Hundekörper vorhanden sein soll, bleiben nur noch wenige Bereiche in der Kapsel übrig.

Ob der Hund seitlich vom Kosmonautenschleudersitz fixiert war, oder ob er doch in einer separaten Kabine untergebracht war, ist aber nach meiner Meinung nach wie vor unklar. Natürlich dürfte die Kabine dann nicht die Größe der Hundeschleuderkabine gehabt haben, sondern sie müsste aus Platzgründen viel kleiner gewesen sein. Leider kenne ich keine Fotos dieser Flüge, wo man das Ganze ordentlich verifizieren könnte.
Ein Foto einer Hundekabine von Kosmos-110 (Woschod-Typ) für die Hunde Weterok und Ugoljok zeigt aber, dass diese wesentlich kleiner als die Hundeschleuderkabine der Korabl-Flüge war. Vielleicht kam ja bei Korabl-4 und 5 auch schon eine derartige Kabine zum Einsatz? Neben dem Schleudersitz mit dem Kosmonautendummy dürfte dafür noch ausreichend Platz vorhanden gewesen sein.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up059992.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Hundekabine für Kosmos-110, in der Bildmitte steht der Kosmonaut Boris Jegorow.

Wilga35
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Wilga35 am 14. Juni 2018, 22:50:24
Heute vor genau 55 Jahren begann der zweite Gruppenflug zweier Wostok-Raumschiffe. Mit Wostok-5 startete am 14. Juni 1963 Waleri Bykowski, zwei Tage später folgte mit Wostok-6 Walentina Tereschkowa, die erste Frau im Weltraum. Die Kapseln erreichten nach dem Bahneinlauf von Wostok-6 eine minimale Distanz von fünf Kilometern. Da die Wostoks nicht aktiv gesteuert werden konnten, vergrößerte sich der Abstand der beiden Kapseln anschließend sofort wieder.
Nach fünf bzw. drei Flugtagen landeten beide Raumschiffe kurz nacheinander am 19. Juni 1963. Allerdings verfehlten beide Kapseln ihren Zielort deutlich, zueinander lag der Abstand der Landeorte bei rund 800 Kilometern. Wie bei den Wostok-Raumschiffen üblich wurden Bykowski und Tereschkowa vor der Landung aus den Kapseln katapultiert und sie landeten separat von diesen am Fallschirm.
Mit dem Flug der beiden Raumschiffe endete das bemannte Wostok-Programm. Offenbar waren zwar noch weitere Wostok-Flüge geplant, diese wurden aber wieder gecancelt.
Nach ihrem Flug wurden beide Kosmonauten ebenso wie bereits ihre Vorgänger von Parteichef Nikita Chruschtschow empfangen. Für Chruschtschow sollte es der letzte Kosmonautenempfang sein, denn während des folgenden bemannten sowjetischen Raumfluges (Woschod-1) im Oktober 1964 wurde er gestürzt, sein Nachfolger im Amt wurde Leonid Breshnew.

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up063924.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Walentina Tereschkowa und Waleri Bykowski nach ihrem Raumflug an der Seite von Parteichef Chruschtschow.
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: Pirx am 20. Dezember 2018, 23:15:06
Das

https://www.youtube.com/watch?v=8p-zCuDhpZU (https://www.youtube.com/watch?v=8p-zCuDhpZU)

gehört wohl hierher. Was davon Original-Bilder sind und was ggf. nach-gedreht?

Gruß   Pirx
Titel: Re: Wostok-Programm
Beitrag von: fl67 am 09. März 2019, 23:47:01
Zum 85. Geburtstag:  "Gagarin: Pojechali!"

https://www.youtube.com/watch?v=7EqM_lNkre8&fbclid=IwAR1V-hD4Q2KX-8pK7CAg3qViFZeEKNWHxeYXKdQd2yEnmkGfNf5dbcN_qOM (https://www.youtube.com/watch?v=7EqM_lNkre8&fbclid=IwAR1V-hD4Q2KX-8pK7CAg3qViFZeEKNWHxeYXKdQd2yEnmkGfNf5dbcN_qOM)