Raumcon

Astronomie => Sonnensystem => Thema gestartet von: wolfgang am 24. April 2006, 10:22:51

Titel: Planet Venus
Beitrag von: wolfgang am 24. April 2006, 10:22:51
Mir kam ein Gedanke zur hohen Rotationsgeschwindigkeit der Venusatmosphaere. Liegt der Grund in den hohen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nachtseite? Die starke Ausdehnung auf der Sonnenseite dehnt die Gase aus, auf der abgewandten Seite erfolgt die Abkuehlung. Den Drehimpuls erhaelt die Atmosphaere von der Planetenachsen-rotation. Dann waere die Venus ein gigantischer Stirling-Motor. Weiss jemand was darueber? Servus, Wolfgang
Titel: Re: venus-atmosphaere
Beitrag von: -eumel- am 24. April 2006, 10:36:12
Hmm... ich glaube, der Temperaturunterschied in der Atmosphäre der Tag- und Nachtseite wird nicht sonderlich groß sein. Atmosphäre ist ein Wärmespeicher.
Titel: Re: venus-atmosphaere
Beitrag von: ILBUS am 24. April 2006, 11:00:46
Das stimmt, aber bei den Menge an dem Gas, reichen schon ein Paar Gradzehntel, dachte ich.
Titel: Re: venus-atmosphaere
Beitrag von: rolli am 24. April 2006, 11:40:50
Hallo

vielleicht kann ich da ein bisschen weiterhelfen:

http://www.astronomie.de/sonnensystem/venus/atmv.htm

und:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/13/13331/1.html

 ::)
Titel: Planet Venus
Beitrag von: Schillrich am 03. September 2007, 19:31:30
Ich habe gerade festgestellt, dass es noch keinen Thread zur Venus gibt. Stattdessen geistern mehrere Kurzthreads zum Planeten rum.
Also eröffne ich einen Venus-Thread, unter dem ein Mod die anderen dann vereinen könnte.

Und hier poste ich auch gleich ein paar Ergebnisse von Venus-Express:

Quelle: http://www.esa.int/esaSC/SEMLRBMPQ5F_index_0.html

Venus' Atmosphäre soll sehr unbeständig sein. Innerhalb weniger Tage soll es starke weitreichende Änderungen geben.
Allgemein weißt die Atmosphäre an den Polen große Wirbel auf. Der Wirbel am Nordpol rotiert im Uhrzeigersinn, der am Südpol entgegen dem Uhrzeigersinn. Am Äquator hingegen dominieren Konvektionsströmungen (also auf- und absteigenden Luftmassen). In den mittleren Breiten dazwischen bilden sich große laminare Strömungssysteme aus. Trotz dieser stabilen globalen Verhältnisse ändern sich Intensitäten und Turbulenzen in der Atmosphäre von Tag zu Tag.
Titel: Re: VENUS
Beitrag von: Corsar am 03. September 2007, 19:39:19
Bonjour, Venus ist schon komisch, hat ein retrograd Rotation, wie Planet Uranus. Ist eigentlich bekannt woher kommt das? Jac
Titel: Re: VENUS
Beitrag von: Mary am 03. September 2007, 19:49:38
Hallo
@Daniel:
danke, dass du den Thread eröffnet hast, ich werde mich dann daran machen, alles zu diesem Thema in diesen Thread zu packen.

@Jac:
Stimmt, aber zwischen der Rotation von Uranus und Venus ist doch ein ziemlicher Unterschied: Uranus Rotationsachse liegt fast auf seiner Bahnebene und der Planet "rollt" damit auf seiner Bahn seitwärts, während die Rotationsachse der Venus fast senkrecht auf die Bahnebene steht.
Zur Ursache: Soweit ich weiß, gibt es für beide Planeten die Theorie, dass sie mit einem anderen Planeten oder Zwergplaneten zusammengestoßen sind und dadurch ihre Rotationsachse gekippt wurde.

Mary

EDIT: Schon geschehen. Ich hoffe, es ist jetzt noch halbwegs übersichtlich. Hab den Titel übrigens auch von Bockbuchstaben auf Kleinbuchstaben geändert, das ist besser lesbar.
Titel: Leben auf der Venus ?
Beitrag von: rolli am 20. Januar 2007, 17:06:37
Besser formuliert: In der Atmosphäre der Venus:

Zitat
Gibt es Leben auf der Venus?
 
Eine wissenschaftliche Detektivgeschichte

Die Suche nach Leben auf der Venus hielt Forscher jahrzehntelang in Atem. Die dichte Atmosphäre, der enorme Druck und die dort herrschende Hitze ließen Weltraummissionen immer wieder scheitern. 1982 war der große Augenblick gekommen: 57 Minuten widerstand die sowjetische Raumsonde "Venera 14" der Gluthölle und funkte Messdaten zur Erde. Das Ergebnis war enttäuschend: Auf dem erdähnlichsten Planeten schien es kein Leben zu geben.

20 Jahre später durchforscht der junge deutsche Astrobiologe Dirk Schulze-Makuch in seinem Institut in Texas noch einmal die Messergebnisse der Venusmissionen. In ihm reift ein spektakulärer Verdacht: Haben die Raumsonden vielleicht an der falschen Stelle nach Leben gesucht?
Leben fände nämlich in der Atmosphäre der Venus im Vergleich zur Gluthölle auf der Planeten-Oberfläche noch recht akzeptable Bedingungen vor. Dort ist es beispielsweise in 50 Kilometern Höhe 30 bis 80 °C. warm und es herrscht ein Druck wie auf der Oberfläche der Erde.
 
Die Indizien
Schulze-Makuch war überrascht, dass seine Hypothese gleich eine ganze Reihe von rätselhaften Befunden der Venusmissionen erklären konnte.

Erstens: Die Einstrahlung der Sonne erzeugt Kohlenmonoxid. Man fand davon jedoch viel weniger als erwartet. Mikroorganismen könnten es abgebaut haben.

Zweitens: In der Venusatmosphäre fand man sowohl Schwefelwasserstoff als auch Schwefeldioxid. Stoffe, die miteinander reagieren und deshalb gar nicht zusammen vorkommen dürfen – es sei denn, sie werden ständig neu produziert: zum Beispiel von Mikroorganismen.

Drittens: Besonders mysteriös ist das Vorhandensein von Carbonylsulfid. Dieses ist auf anorganischem Wege äußerst schwer herzustellen und gilt deshalb als starker Hinweis auf biologische Aktivität.

Es gibt noch ein viertes Indiz: Die Sonde "Pioneer Venus 2" registrierte bei ihrem Flug in den unteren Wolkenschichten unregelmäßig geformte Partikel, genau in der Größe von Bakterien.

 Wie soll Leben auf der Venus entstanden sein?
Auf diese Frage sieht Schulze-Makuch zwei mögliche Antworten. Entweder haben Meteoriten Leben von Erde oder Mars dorthin gebracht, oder aber Leben ist auf der Venus ohne äußere Einflüsse entstanden.

Andere Wissenschaftler halten dem entgegen, dass sich Leben, wie wir es kennen, nur dort bilden kann, wo ausreichend Wasser vorhanden ist. Und das fehle auf der Venus.
Schulze-Makuch weist jedoch darauf hin, dass die Venus früher kühler war und es dort sogar einmal Ozeane gegeben haben könnte – also perfekte Lebensräume! Dann sei es immer heißer geworden, das Wasser sei verdampft und die Mikroorganismen der Venus seien immer weiter verdrängt worden – bis in die Atmosphäre, wo es auch heute noch Wasserdampf gibt.
 
  Wie sollten sich Mikroorganismen dort oben mit Energie versorgen?
Mikroorganismen könnten in der Venus-Atmosphäre ultraviolette Strahlung als Energiequelle nutzen. Auch dafür gibt es ein Indiz: Messungen im Ultraviolettbereich zeigen seltsame dunkle Streifen. Es gibt dort also tatsächlich etwas, das UV-Licht herausfiltert.

Die Schwefelwolken der Venus sind unglaublich sauer. Bei einem pH-Wert von 0 gibt es auf der Erde nur wenige Beispiele für Leben, z. B. Ferroplasma acidarmanus. Aber dieser Organismus betreibt keine Fotosynthese und käme deshalb als Venusbewohner nicht infrage.

Schulze-Makuch entgegnet dem jedoch, dass die Urozeane der Venus anfangs längst nicht so sauer gewesen seien. Als dort der pH-Wert langsam sank, hätten die Organismen ausreichend Zeit gehabt, ihren Fotosyntheseprozess anzupassen.
 
  Mörderische UV-Strahlung zerstört alles Leben?
Von irdischen Mikroorganismen ist bekannt, dass sie effektive Strategien entwickelt haben, um entstandene Strahlenschäden zu reparieren. Zudem nutzen Mikroorganismen eigene Schutzschilde. Unter den Bedingungen in der Venusatmosphäre ist es am wahrscheinlichsten, dass sie sich mit Cycloota-Schwefel umhüllen. Der kann die UV-Strahlung abfangen und in ungefährliches sichtbares Licht verwandeln – ideal zur Fotosynthese.

Am Ende kann die Streitfrage um mögliches Leben auf der Venus nur durch eine neue Mission geklärt werden. Dazu hat Dirk Schulze-Makuch verschiedene Vorschläge gemacht.
Doch bisher ist eine solche Mission nicht in Sicht. Deshalb wird wohl noch einige Jahre weiterspekuliert werden können, ob sich tatsächlich etwas regt auf der Venus.

Reinhart Brüning

Quelle
http://www.quarks.de/themendossiers/weltraum/html-version/sind-wir-allein-im-universum/gibt-es-leben-auf-der-venus/index.html

 :o
Titel: Re: Leben auf der Venus ?
Beitrag von: M.P. am 21. Januar 2007, 11:48:48
Also ich glaube das es Leben auf der Venus gibt. Meiner Meinung nach sollte man eine spezielle Raumsonde zur Venus schicken, die genau nach dieser Art von Leben in den Venuswolken sucht.
Ich selber habe die Folge von Quarks & Co gesehen.  ;) Ich war zuerst auch total überrascht davon. Aber die Argumente von Dirk Schulze-Makuch sind sehr gut begründet.
Wenn es wiklich Leben auf der Venus Leben gibt, dann würde das ja wieder einmal zeigen, wie widerstantsfähig das Leben ist.

M.P.   :)
Titel: Re: Leben auf der Venus ?
Beitrag von: ILBUS am 21. Januar 2007, 12:49:28
 ;)Sci-Fi-modus an

Man könnte eine Luftschiffsonde zu Venus schicken. Die soll, ähnlich wie Zeppeline auf der Erde, durch die Atmosphäreschichten wandern, dabei ohne jemals den Boden berühren zu müssen. Das währe bestimmt eine Abenteuerliche Mission. Denkbar währe sogar eine bemannte Venus-Woleken-Stadt...FETT!  :o

Sci-Fu-modus aus 8-)
Titel: Re: Leben auf der Venus ?
Beitrag von: rolli am 21. Januar 2007, 19:10:55
Hi Ilbus

die Idee ist schon einige Zeit akut; ob mit Ballons oder 'Zeppelins', aber im ernst:

Immerhin kreist ja gegenwärtig 'Venus-Express' von der ESA um unsern Schwesterplanet und untersucht unter anderem auch die Atmosphäre der Venus.

http://de.wikipedia.org/wiki/Venus_Express#Missionsziele

Siehe auch bei uns:

http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=2020.msg#msg

Aber klar, wenn es da noch genauere Details braucht, ein Ballon wäre eine sehr gute Option.

 ;)
Titel: Re: Leben auf der Venus ?
Beitrag von: rolli am 24. Mai 2007, 22:05:57
Venus im Visier.
 
Die Beobachtungskampage, an der sich Teleskope wie das Very Large Telescope in Chile, die Keck-Teleskope auf Hawaii, das Observatoire de Haute Provence in Frankreich und zahlreiche andere Teleskope beteiligen, begann gestern und soll bis zum 9. Juni andauern.
 
Zitat:
  
Teleskope richten sich auf die Venus
 
Venus, unser Nachbar im Sonnensystem, ist derzeit am abendlichen Himmel kaum zu übersehen. Seit gestern ist der strahlend helle Abendstern auch Ziel von rund einem Dutzend Teleskopen auf der ganzen Welt: In einer gemeinsamen Aktion sollen an den Observatorien Daten gesammelt werden, die die Mission der europäischen Venussonde Venus Express unterstützen. Auch eine NASA-Sonde wird sich beteiligen.
 
 Bis dahin wollen die Astronomen unseren Nachbarn im Sonnensystem in den unterschiedlichsten Wellenlängenbereichen studieren - darunter auch in den Bereichen des Spektrums, für die die Venussonde Venus Express keine Instrumente an Bord hat.
 
Ziel der Wissenschaftler ist es, mehr über die Atmosphäre der Venus zu erfahren, durch die Teleskopdaten die Messungen von Venus Express zu ergänzen und so auch deren Interpretation zu vereinfachen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Bereich der Venusatmosphäre, der sich über der Wolkendecke des Planeten befindet. Diese Messungen werden dann die Daten der Sonde vervollkommnen, die detaillierte Untersuchungen der Wolkenstruktur sowie der unteren Atmosphäre bis zur Oberfläche durchführen kann.
 
Die Zeit für diese konzertierte Aktion ist günstig: Die Venus ist zur Zeit von der Erde aus gesehen sehr weit von der Sonne entfernt, was Beobachtungen sowohl der Tag- als auch der Nachtseite sehr erleichtert. Zudem wird am 6. Juni die NASA-Sonde Messenger auf ihrem Weg zum Merkur die Venus passieren und kann so für einen Tag die Messungen von Venus Express und die Beobachtungen von der Erde mit eigenen Daten ergänzen.
  
Mehr Infos, hier:
 
http://www.astronews.com/news/artikel/2007/05/0705-027p.html

 ;)
Titel: Doppelwirbel am Südpol der Venus
Beitrag von: neo am 28. Juni 2006, 15:35:41
Hier (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,424099,00.html) ist ein interessanter Artikel über einen Doppelwirbel am Südpol der Venus erschienen.

Venus Express liefert somit erste "aufregende" Daten.

neo
Titel: Re: Venus
Beitrag von: Corsar am 03. September 2007, 20:03:55
Bonjour, > von Mary: Zur Ursache: Soweit ich weiß, gibt es für beide Planeten die Theorie, dass sie mit einem anderen Planeten oder Zwergplaneten zusammengestoßen sind und dadurch ihre Rotationsachse gekippt wurde.
Aber ist wohl nicht ganz sicher? Wenn eine Crash, ist dann Material von die Planet oder Zwergplanet auf Venus und Uranus gebliebe oder wo? Bei die Venus kann ich verstehen, weil ja klein aber bei die Uranus, ist doch so groß. Jac

Titel: Re: Venus
Beitrag von: Schillrich am 03. September 2007, 20:09:03
Hallo Corsar,

der Erdmond ist ja anscheinend auch durch eine Kollision entstanden. Die Trümmer wurden dann eingefangen und haben den Mond gebildet.
Um Materialreste zu finden, müsste man erst mal auf den Planeten landen. Uranus ist ein Gasriese, da gibt es nur einen kleinen Kern. Venus ist zu heiß an der Oberfläche. Auf beiden kann man also noch keine geologische Forschung betreiben.
Titel: Re: Venus
Beitrag von: Mary am 03. September 2007, 20:13:52
Hallo,
die Reste der Kollision bei Uranus könnten doch auch zu Monden geworden sein, Uranus hat ja mehrere. Venus allerdings nicht- entweder sind die Reste auf dem Planeten gelandet oder der zweite (Zwerg-)Planet ist samt Trümmern weitergeflogen und hat sich von Venus entfernt.

Mary
Titel: Re: Venus
Beitrag von: Schillrich am 03. September 2007, 20:17:07
Oder das ist so früh geschehen, dass noch Reste der solaren Staubscheibe da waren. Der übriggebliebene Kleinkörper könnte dann in die Sonne gefallen sein. Oder aber er hat selbst einen vorläufig stabilen Orbit um die Sonne erreicht und wurde dann durch "kosmisches Billard" durch die anderen Planeten "raus geworfen".
Titel: Re: Venus
Beitrag von: H.J.Kemm am 25. September 2007, 10:09:49
Moin,

ich konnte die Venus heute gegen 5.00 Uhr sehen, sie strahlte in größtem Glanz mit -4.6m.

Jerry
Titel: Re: Venus
Beitrag von: H.J.Kemm am 18. November 2007, 18:19:28
Moin,

über unseren Nachbarplaneten *Venus* wissen wir seit graumer Zeit, dass auf die Oberflächentemperatur so hoch ist, dass da Blei flüssig wäre, die mittlere Temperatur liegt bei ~ 450°C. Damit ist wohl nix mit Dschungellandschaft so wie bei unserer Erde im Zeitalter Jura oder Kreide.
Mit einem abbildenden Infrarot-Spektrometer gelangen den Forschern erstmals Aufnahmen, die zur großen Überraschung Strukturen der festen Venusoberfläche zeigten, die zuvor nur auf Radarbildern zu sehen waren.

Diese Entdeckung machten sich die Wissenschaftler beim Entwurf der Venus Monitoring Camera (VMC) auf der europäischen Raumsonde *Venus Express* zunutze, indem sie diese mit einem infraroten Spektralkanal ausstatteten, innerhalb dessen die Wolkendecke transparent ist. Kürzlich wurde nun ein erste Karte vorgestellt, auf der ein Teil der Venusoberfläche zu sehen ist.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035853.jpg)
Bild: © ESA/VMC/MPS/IPF-DLR

Die Venusoberfläche im Infraroten
Auf diesem Bild sind die wichtigsten Gebiete im Bereich von Beta und Phoebe Regio auf der Venus benannt. "Planitia" steht für eine Tiefebene, "Chasma" für eine Schlucht und Mons für einen (vulkanischen) Berg. Die Bezeichnungen V9 bis V14 kennzeichnen die Landepunkte der sowjetischen Raumsonden Venera 9 bis 14 in den Jahren 1975 bis 1982. LP gibt den Aufschlagsort einer amerikanischen Atmosphärensonde des Projekts Pioneer-Venus aus dem Jahre 1978 an.


(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035854.jpg)
Bild: © NASA/JPL

Lage der Infrarotkarte auf der Venusoberfläche
Die von der europäischen Raumsonde Venus Express im Infraroten erfassten Gebiete nehmen einen großen Teil einer Hemisphäre unseres Nachbarplaneten ein. Das Bild ist eine Radarkarte der amerikanischen Raumsonde Magellan, die in den 1990er Jahren die feste Venusoberfläche zu mehr als 98 Prozent im Detail erfasste.


(kursiver Text aus >>> (http://img111.imageshack.us/img111/5407/suwlogoio1.gif))

Jerry
Titel: Re: Venus
Beitrag von: H.J.Kemm am 15. Dezember 2007, 04:23:32
Moin,

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035852.jpg)

Die Sonde *Venus Express* der ESA zeigt die Venus, wie sie noch nie zu sehen war. Zum ersten Mal konnten Wissenschaftler die Venus von den obersten Schichten ihrer Atmosphäre bis fast hinunter zur Oberfläche untersuchen. Dabei hielt die Venus einige Überraschungen bereit, die Anlass zu der Vermutung geben, dass sie früher möglicherweise der Erde viel ähnlicher war.

Dies und noch weitere interessante Informationen gibt es hier >>> (http://www.planet-smilies.de/x-mas/x-mas_008.gif) (http://www.esa.int/esaCP/SEMBCF73R8F_Germany_0.html)

Jerry
Titel: Venus-Atmosphären-Animation
Beitrag von: Hansjuergen am 16. März 2008, 22:07:35
Hallo Jerry!
Inzwischen gibt es eine schöne Animation der Venus-Express-Sonde von der Venus-Atmosphäre, findet man hier:http://www.esa.int/esa-mmg/mmg.pl?b=b&type=I&topic=Atmosphere&single=y&size=b&start=11

Hansjürgen
Titel: Rascher Wetterwechsel auf Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 16. März 2008, 23:10:08
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035851.jpg)
Die Zusammenstellung zeigt Aufnahmen der Venus Monitoring Camera (VMC) während sieben kurz aufeinander folgender Orbits zwischen dem 8. Juli 2007 (Orbit 443, links oben) und dem 4. August 2007 (Orbit 470, beide Bilder rechts unten). Zu sehen ist jeweils die südliche Hemisphäre des Planeten; Norden ist in den Bildern oben. Zur besseren Orientierung ist das kontrastverstärkte Bild rechts unten von einem Gradnetz überlagert, das die Längen- und Breitengrade des untersuchten Gebiets zeigt.

Die Bilder zeigen die dynamischen Veränderungen in der obersten Venusatmosphäre in einem Zeitraum von etwa vier Wochen. Derartig rasche, großräumige Veränderungen des Wettergeschehens sind von der Erde nicht bekannt. Venus Express hat in der oberen Atmosphäre Windgeschwindigkeiten von bis zu 400 Stundenkilometern gemessen.

Die Wetterwechsel manifestieren sich in der unterschiedlichen Verteilung von hellen und dunklen Wolkenbändern. Der Anteil des von den hellen Dunstschleiern der Venus reflektierten UV-Lichts nahm innerhalb weniger Tage um etwa ein Drittel zu. Durch die Verwendung des UV-Filters der VMC lassen sich diese Strukturen besser sichtbar machen. Während die Wissenschaftler des VMC-Teams davon ausgehen, dass die hellen Bänder von Schwefelsäuretröpfchen erzeugt werden, ist die chemische Zusammensetzung der dunklen Gebiete nicht bekannt.

Bild: ESA/MPS/DLR/IDA.

Mehr darüber hier: http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-726/1206_read-11783/

Hansjürgen
Titel: Re: Venus
Beitrag von: tobi am 17. März 2008, 12:19:01
Da das Rätsel (http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=355.msg3251#msg3251) inzwischen gelöst wurde, hier mal eine genauere Erklärung.

Warum sieht man auf der Venus einen sich dem Horizont näherden Gegenstand nicht unter dem Horizont verschwinden, sondern vielmehr sich bergauf bewegen?

Erklärung: Da der Druck auf der Oberfläche sehr hoch ist, ist die Lichtbrechung aufgrund der starken Druckabnahme nach oben ebenfalls sehr stark. Daher können Lichtstrahlen, die in einem Winkel von unter ca. 19° gegenüber dem Horizont abgeschickt werden, die Venus nicht verlassen, sondern werden auf die Oberfläche zurückgebogen. Dass heißt effektiv, dass man bis zu einem Winkel von ca. 19° gegenüber dem Horizont nicht etwa den Himmel sieht, sondern die nicht direkt sichtbaren Teile der Oberfläche des Planeten. Diese Teile werden scheinbar über den Horizont hinweggehoben, sodass man den Eindruck hat, man stände in einer Schale.
Im Jahre 1860 hat der Mathematiker Ernst Eduard Kummer (http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Eduard_Kummer) in seiner Arbeit 'Über atmosphärische Strahlenbrechung' (http://gdz.sub.uni-goettingen.de/no_cache/dms/load/img/?IDDOC=266626) zum ersten Male dieses Phänomen untersucht. Damals wusste man natürlich noch nicht, dass solche Verhältnisse auf der Venus herrschen.

Effektiv ist die Sichtweite auf der Venus natürlich so beschränkt, dass man leider nicht so weit schauen kann um den Effekt zu sehen. Trotzdem äußerst interessant. :)

PS: Die 19° habe ich mit Kummers Formel selbst ausgerechnet. Bei Interesse oder Zweifeln an dem Ergebnis, kann ich den Rechenweg auch hier posten.
Titel: Vulkantätigkeit auf Venus?
Beitrag von: Hansjuergen am 04. April 2008, 22:03:09
Die ESA-Sonde Venus-Express hat in der Venus-Atmosphäre Hinweise auf Vulkantätigkeit gefunden. In der Atmosphäre  konnte eine beachtliche veränderliche Menge von dem Vulkan-Gas Schwefel-Dioxid nachgewiesen werden, was auf Vulkantätigkeit hinweisen könnte.
Mehr darüber hier: http://www.esa.int/SPECIALS/Venus_Express/SEMUNV5QGEF_0.html

Hansjürgen
Titel: Re: Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 30. April 2008, 22:15:52
Ist zwar schon ein paar Tage her ;) , das Magellan diese Foto-Daten von Venus lieferte betreff Südlicher- und Nördlicher Venus-Halbkugel, dennoch interessant:
27.08.2001
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035850.jpg)

Hansjürgen
Titel: DLR-Temperaturkarte von  Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 14. Mai 2008, 21:05:09
Venus-Forschung: Spurenlese einer turbulenten Vergangenheit
13. Mai 2008

Wie auch auf der Erde, ändert sich die Temperatur der Venusoberfläche mit der topographischen Höhe: In den Tiefebenen ist es heißer, auf den Bergen kälter. Kennt man die Höhe einer Region, kann man die Temperatur vorhersagen. Im Hochlandgebiet Lada Terra nahe dem Südpol konnten nun an erloschenen Vulkanen kleine Abweichungen von dieser vorhergesagten Temperatur nachgewiesen werden. Dies gelang Wissenschaftlern vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Kollegen aus Finnland, Italien und Frankreich anhand von Messungen mit der Raumsonde Venus Express der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die Planetenforscher interpretieren diese Temperaturvariationen als Unterschiede in der Zusammensetzung der erstarrten Lava, die darauf zurückzuführen sein könnten, dass die Vulkane zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind.

Abweichungen der Temperaturen nahe dem Venus-Südpol von berechneten Werten
Unterschiedliche Temperaturen an den Vulkanen der Venus geben Hinweise auf ihre Geschichte
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035849.jpg)

Mehr darüber hier:http://www.dlr.de/DesktopDefault.aspx/tabid-1/86_read-12453/

Hansjürgen
Titel: Hydroxil-Molekül in Venus-Atmosphäre
Beitrag von: Hansjuergen am 16. Mai 2008, 08:44:57
Venus-Express konnte mit seinem an Bord befindlichen "Visible and Infrared Thermal Imaging Spectrometer - VIRTIS" in der Venus-Atmosphäre das Molekül Hydroxil nachweisen welches aus einem Hydrogen sowie einem Oxygen-Atom besteht.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035848.jpg)

Mehr darüber hier: http://www.spacedaily.com/reports/Key_Molecule_Found_In_Venus_Atmosphere_999.html

Hansjürgen
Titel: Hydroxil-Molekül in Venus-Atmosphäre
Beitrag von: Hansjuergen am 16. Mai 2008, 08:55:30
Weitere Infos zu Hydroxil-Nachweis in der Venus-Atmosphäre hier:

(http://www.pic-upload.de/16.05.08/cq4tpq.gif)
und hier:http://www.aanda.org/content/view/305/42/lang,en/

Hansjürgen
Titel: Re: Venus
Beitrag von: H.J.Kemm am 02. Juni 2008, 17:21:55
Moin,

*Venus Express* liefert neue Bilder der Wolkenstruktur von der rätselhaften Atmosphäre unseres Nachbarplaneten *Venus*. Dieser heisse Planet wird von einer starken Wolkenschicht abgedeckt, die sich zwischen 45 und 70 km über der Oberfläche befindet. Diese schnell bewegenden Wolken bestehen hauptsächlich aus microfeinen Tröpfchen Schwefelsäure und anderer Aerosole.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035846.jpg)

Die Kamera *VMC* an Bord von *Venus Expresss* hat die Oberseite der Wolkenschicht im Bereich sichtbarer, near-infrared und ultravioletten Wellenlängen beobachtet.

Auf obigem Bild ist die südliche Hemisphäre von Venus aus einer Entfernung von 30.000 km zu sehen. Der Südpol ist an der Unterseite, während sich der Äquator im oberen Teil des Bildes befindet. Das Aussehen des Wolkenschleiers ändert sich drastisch vom Äquator zum Südpol. An den niedrigen Breiten sind die Formen pickelig und zersplittert. Dieses stammt von der kräftigen  Strukturbewegung - wie kochenden Wassers in einem Topf - angetrieben durch die Strahlung der Sonne, welche die Wolken und die Atmosphäre erhitzt. Die helle Spitze, die auf der dunkleren Wolkendecke sichtbar ist, stammt von frisch gebildeten Schwefelsäure-Tröpfchen. In den höheren Breiten ändert sich die Wolkenstruktur. Hier erscheint sie als dichter, fast undurchsichtiger Dunst, der eine Art polare Kappe bildet. Der dunkle Streifen am untereren Rand des Bildes ist die im Polargebiet normalerweise vorhande Wolkenstruktur.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035847.jpg)

Das zweite Bild zeigt eine Nahaufnahme der Oberseite der Venus von der Übergangsregion zwischen dem Äquator und dem mittleren Südbereich. Auch hier sind klar die unterschiedlichen Wolkenstrukturen zu sehen. Diese Region befindet sich ungefähr zwischen dem 40-50 Breitengrad, aufgenommen aus ~ 15.000 km Entfernung. Die krassen Wechsel der Strukturen und die grosse Dynamik, die zu einander sehr unterschiedlich sind, bewirken eines der grossen Rätsel von der Venus.

Jerry

Titel: Re: Venus
Beitrag von: gorgoyle am 02. Juni 2008, 20:58:47
Welcher Ort auf der Erde ist der Atmosphäre der Venus am ähnlichsten?  Ich denke unterseeische Vulkane kommen mit Temperatur und Druck in die Nähe.

Wie sieht es dort mit den chemischen Eigenschaften aus - abgesehen von Wasser?
Titel: Re: Venus
Beitrag von: H.J.Kemm am 02. Juni 2008, 22:10:24
Moin,

...unterseeische Vulkane kommen mit Temperatur ....
Wie sieht es dort mit den chemischen Eigenschaften aus....


Mit der Temperatur könnte es wohl hinkommen, denn diese hydrothermalen Quellen speien Wasser bis zu 400 °C aus.

Meinst Du mit *chemischen Eigenschaften*  die hydrothermalen Quellen? Leider weiss man bei Dir oft nicht nach was Du fragst bzw. was Du meinst.
Bei den hydrothermalen Quellen gibt es 2 Varianten: 1. bei Eisensalzen gibt es eine schwarze Rauchfahne, 2. bei Siliziumoxid oder Anhydrit eine weisse Fahne.
Also nicht vergleichbar mit der Schwefelsäure oder den Aerosolen in der Venus-Atmosphäre.

Jerry  
Titel: Venus - Sonnen - Conjunction
Beitrag von: Hansjuergen am 04. Juni 2008, 08:43:33
Am 9.Juni 2008 gibt es eine schöne Venus-Sonnen-Conjunction, von der Sonnen-Sonde SOHO gibt es bereits von heute eine Aufnahme von der sich nähernden Venus:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035845.gif)

Hansjürgen
Titel: Windmessungen auf Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 04. September 2008, 08:53:40
Neue Windmessungen auf Venus bringen erachtliche Werte zu Tage, so werden  Windgeschwindigkeiten bis 360 km/h festgehalten.
Mehr darüber hier:http://www.spacedaily.com/reports/Measuring_The_Winds_Of_Venus_999.html

Hansjürgen
Titel: Sturm über der Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 19. September 2008, 08:45:14
Wie schon bei meinem vorausgegangenen Post sind auf der Venus beachtliche Windgeschwindigkeiten gemessen worden, hierzu gibt es nun eine ESA-Animation:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035844.gif)

Mehr darüber auch hier:http://www.esa.int/esaSC/SEMZG6Q4KKF_index_1.html

Hansjürgen
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Luna am 28. Oktober 2008, 20:49:10
Hallo!  :D

Zitat von tob453:

Zitat
Erklärung: Da der Druck auf der Oberfläche sehr hoch ist, ist die Lichtbrechung aufgrund der starken Druckabnahme nach oben ebenfalls sehr stark. Daher können Lichtstrahlen, die in einem Winkel von unter ca. 19° gegenüber dem Horizont abgeschickt werden, die Venus nicht verlassen, sondern werden auf die Oberfläche zurückgebogen.

Ich habe dazu eine Frage: Verstehe ich das richtig, dass die Lichtbrechung durch den hohen Druck beeinflusst wird?

Welchen Zusammenhang hat der Druck und die Lichtbrechung?  :-?

Zitat
Effektiv ist die Sichtweite auf der Venus natürlich so beschränkt, dass man leider nicht so weit schauen kann um den Effekt zu sehen.

Wie groß ist denn umgefähr die Sichtweite auf der Venus? Wurde das schon herausgefunden?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Schillrich am 28. Oktober 2008, 22:29:04
Hallo Luna,

Lichtbrechung hat etwas mit Dichteunterschieden zu tun, welche das Licht passiert. Bei Gasen ist aber die Dichte umgekehrt proportional mit dem Druck verknüpft, so dass man auch einen Zusammenhang zwischen Druck und Brechung herstellen kann. Physikalisch richtig(er) ist aber der Bezug auf die Dichte.

EDIT:
Ich musste noch oben durchgestrichene Korrektur vornehmen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Luna am 29. Oktober 2008, 17:28:32
Hallo!

Danke für die Antwort Schillrich!  8-)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 03. November 2008, 21:23:32
Es ist zwar schon von 2001, aber diese Aufnahme von der Venus wurde nicht von einer Venus-Sonde aufgenommen sondern von Arecibo aus.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035843.jpg)
Dieses ist ein Radarbild von Maxwell Montes, ein Gebirgszug auf dem Planeten Venus, der gebildet wurde, indem man ein Signal bei 13 cm der Wellenlänge von Arecibo übertrug und das GBT verwendete, um die Reflexion weg von der Oberfläche zu ermitteln. Dieser Gebirgszug enthält den höchsten Punkt auf Venus und ragt bis 11 Kilometern empor. Die Berge reflektieren Radiowellen besser, sehen so, als das umgebende Gelände heller aus. Diese Zunahme des Reflexionsvermögens an den großen Höhen tritt an anderen hohen Bereichen auf Venus nicht so oft auf. Der Durchmesser in der unteren Mitte ist ein 100 Kilometer-breiter Auswirkungkrater.


Hansjürgen
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 04. Dezember 2008, 00:30:11
Neue Erkenntnisse über die Atmosphäre von Venus konnten durch die Auswertung von  Daten und Infrarotaufnahmen der Venus-Express-Sonde gewonnen werden.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035842.jpg)
Credits: ESA/MPS/DLR/IDA


Mehr darüber hier:http://www.esa.int/esaCP/SEMT954Z2OF_index_0.html

Hansjürgen



Bildcredits eingefügt, T.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Hofi am 08. Dezember 2008, 11:51:39
Zitat
Neue Erkenntnisse über die Atmosphäre von Venus konnten durch die Auswertung von  Daten und Infrarotaufnahmen der Venus-Express-Sonde gewonnen werden.
Hi!

Laut Science Daily waren es auch Ultra-Violet-Aufnahmen:
http://www.sciencedaily.com/releases/2008/12/081203133811.htm
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 08. Dezember 2008, 17:58:48
Zitat
Laut Science Daily waren es auch Ultra-Violet-Aufnahmen.

Richtig, das von Hansjürgen eingebrachte Bild wurde im UV gemacht. Während Aufnahmen im ultravioletten Bereich des Spektrums vor allem die Struktur der Wolken abbilden, zeigen Aufnahmen im Infraroten Informationen über die Temperatur und Höhe der Wolkenspitzen. Die Kombination beider Spektralbereiche ist daher sehr sinnvoll.

Dass die Strukturen im UV-Licht so gut sichtbar sind, liegt wohl an einem mysteriösen Stoff, der in der Venusatmosphäre vorhanden ist und UV-Licht sehr gut absorbiert. Dort wo dieser Stoff vorhanden ist, sieht man also auf dem Bild die dunklen Regionen. Um was für einen Stoff es sich genau handelt, bleibt bis heute unklar.

@ Okuro Oikawa: Die Info, dass es sich um UV-Aufnahmen handelt, war auch in der Quelle von Hansjürgen enthalten. Es ist nicht notwendig weitere Artikel einzubringen, wenn wir den Link zur Originalquelle bereits haben. Das ist in diesem Fall die Seite der ESA. Bitte schreibe doch ein paar weniger Kurzbeiträge und investiere die gewonnene Zeit in das gründlichere Lesen von dem, was die anderen hier im Forum schreiben. Dann kommen auch spannendere Diskussionen zustande.

Timo
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 18. Dezember 2008, 22:45:50
Wohin verschwand das Wasser der Venus?

Die europäische Sonde Venus Express hat jetzt erstmals beobachten können, wie der Venus Teile ihrer Atmosphäre auf der Tagseite verloren gehen. Bereits im vergangenen Jahr hatte man den deutlich größeren Verlust auf der Nachtseite nachweisen können. Gelingt es nun die Frage zu klären, wohin das Wasser auf unserem Nachbarplaneten verschwunden ist?

 Die Entdeckung gelang mit dem Magnetometer von Venus Express, das zweifelsfrei die Signatur von Wasserstoffteilchen registrierte, die von der Tagseite der Venus ins All gerissen wurden. "Man hat immer geglaubt, dass es diesen Prozess gibt, aber jetzt konnte er zum ersten Mal auch tatsächlich gemessen werden", erläutert Magda Delva von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz die Bedeutung der Entdeckung. Delva leitete auch die Untersuchungen. Der Orbit von Venus Express ist optimal zur Erforschung dieser Vorgänge geeignet, weil die Sonde regelmäßig beiden Pole des Planeten überfliegt.

Weiter hier:http://www.astronews.com/news/artikel/2008/12/0812-026.shtml

Hansjürgen
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: runner02 am 22. Dezember 2008, 16:20:59
Angeblich besitzen die Wasserstoff- und Sauerstoff- ionen, die in den Weltraum verschwinden, ein verhältnis von 2:1. Sprich: reines Wasser entweicht.

Ich könnte mir vorstellen, dass das an der hohen Atmosphärensäule liegt, da bei nahezu 1g 95bar 95 mal so hoch sind wie 1 Erdatmosphäre.

Nun, da sie so hoch ist, und sich Wasser annähernd gleichmäßig verteilt, besitzt es eine größere Querschnittsfläcche, sodass mehr von den UV-Strahlen gespalten werden kann.
Ausserdem steigen H und O nach oben, da sie leichter sind als die CO2-lastige Atmosphäre und werden somit besser beschleunigt vom Sonnenwind (anhand der Winkelgeschwindigkeit). Und der Sonnenwind dringt bis in eine gewisse Tiefe ein. Dort oben gibt es somit viel Wasser.

Also würde deutlich weniger Wasser (nahezu keines) verloren gehen, wenn sie nur 1 Bar hätte?!?

Noch ne wichtige Frage: Warum bindet sich das CO2 nicht in Karbonaten, wie es auf der Erde der fall ist?? (Hab mal gelesen, dass - wenn man alles CO2 der Erde aus Karbonaten freilassen würde, würde eine dichtere Atmosphäre als die der Venus entstehen.)
Fehlt es an Karbonatbildnern (Ca,Fe,Mg)??
Oder dampfen die aus bei über 400°?
Vulkanismus - liefert der das CO2 aus Karbonaten??

Sind noch Elemente auf der Venus enthalten, die einen Teil des Sauerstoffes und Stickstoffes binden könnten?
-> Die Elemente sind ja ziemlich ähnlich verteilt wie auf der Erde: Würde
das CO2 im Wasser versekt, zu Karbonaten metabolisiert und zu Erdöl gepresst, Stickstoff in Nitratreichen gesteinen gebunden, Sauerstoff mit anderen Gasen und Gesteinen reagieren, die bei heutigen Temparaturen sofort wieder Sauerstoff freilassen würden, müssten die Bedingungen doch wieder ähnlich sein!?


Was würde passieren, wenn Meteoriten in die Venus einschlagen würden? Mehr Atmosphäre oder Weniger? kommt das auf die Größe an?

Und wenn Asteoriden ihre Bahn plötzlich um die Venus schlingen, und sich zu einem Mond formen? Würde so ein klumpen die Konvektionsströmungen im Inneren antreiben und ein Magnetfeld erzeugen??
Denn der Kern mus ja eigentlich flüssig (und innen vlt. sogar fest sein) aufgrund des Druckes und der daraus resultierenden Temperatur (+evt. radioaktiver Zerfall liefert auch Wärme) sein. Das sagen uns Erfahrungswerte.

Wenn man es schaffen könnte, das ganze CO2 zu O2 zu verwandeln? Aus 90Bar würden dann ca. 58 Bar (hat mal jemand geschrieben).
Aufgrund des geringeren Druckes müssten die Temperaturen doch auch abfallen??
Und ein Teil des Wassers in der Atmosphäre würde flüssig werden??




Wenn man alles CO2 der Erde freilassen würde, käme einioges zusammen:
90-100 Bar aus Karbonaten, Im Wasser die Kohlensäure beträgt auch einige Bar (wenn sie freigelassen würde H2CO3->H20 + CO2), Sauerstoff gehört zur Gruppe der Lithogene (also der 'Gesteinsbildner'!), von ihm sind auch mehrere Bar in der Kruste gespeichert, Stickstoff: es gibt größere Mengen an Stickstoffreichen Mineralien in der Kruste
Also wäre die Erde somit eine Venus. (Die Effekte würden sich verstärken, Treibhausgas, dichtere atmosphäre=mehr Wärmespeicher, mehr Atmosphäre verdampft)
Daher müsste die Venus doch eine 'Erde' werden, wenn alles gebunden wäre und das Wasser noch da wäre? Oder habe ich einen Denkfehler?


Denn die Mengenangaben kommen mir auch ziemlich ähnlich vor: Auf der Venus gibt es 3mal so viel Stickstoff(N) in der Atmosphäre wie auf der Erde. In der Erde ist ein Haufen in Gesteinen gespeichert. Bei solch hochen venischen Temperaturen speichert (N) sich nicht gut in Gesteinen, da der Umweg über Salpetersäure (N + H20-> NH3 + Ca03 -> CaNO + Ox) fällt aus (Säure zerfällt bevor sie reagieren kann, zu N und H2O).
Darum ist in der Venusatmosphäre 3 mal so viel N2, da es hier einfach frei und ungebunden ist die Gesamtmenge jedoch müsste ähnlich bleiben.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 14. Januar 2009, 08:57:58
Venus soll in ihrer Geschichte Kontinente und Ozeane besessen haben laut neuer Studie welche in naturenews veröffentlicht wurde:

" Dieses ist der erste unmittelbare Beweis, der frühen Geschichte des Sonnensystems, Venus ein bewohnbarer Planet mit viel  Wasser war, " sagt Dolch Schulze-Makuch, ein Astrobiologist an der Staat Washington-Universität in Pullman. " Die Frage ist, wie lang Venus bewohnbar blieb. Aber dieses gibt neuen Anstoß für die Suche nach Mikrobenleben in Venus' s  Atmosphäre."
Weiter hier:http://www.nature.com/news/2009/090113/full/news.2009.24.html

Hansjürgen
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 14. Januar 2009, 09:04:15
Irre schöne Langzeitaufnahme von der Venus gibt es hier:
http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035841.jpg?PHPSESSID=d53kt18l62fsnph4k3igauefj3

Hansjürgen
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Raffi am 05. Februar 2009, 21:15:34
Die Venus ist jetzt das Highlight bei Sternwartenführungen, vorgestern hab ich durchs Teleskop beobachtet und der Blick zeigt, dass nur noch weniger als die Hälfte der Venusscheibe beleuchtet ist und die Venus sich so langsam in eine Sichel verwandelt. Sie steht auch beim Einnachten sehr hoch am Himmel, so wie ich mich erinnern kann ist das die beste Abendsichtbarkeit der Venus seit Frühjahr 2004, also vor dem Venustransit. Ende des Monats soll die Venus am besten zu sehen sein, die Scheibe vergrößert sich bis dahin enorm, die Sichel wird immer dünner und danach wird die Venus immer tiefer stehen und schlechter zu sehen sein.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Raffi am 04. März 2009, 19:51:45
Nichts passiert in diesem Thread, dabei ist die Venus im Moment das Highlight unter den Planeten, die man im Moment am Himmel bewundern kann. Am 27. März ist ja untere Konjunktion und trotzdem ist die Venus heute bei mir sehr hoch über dem Horizont, dass man sie gut mit einem Teleskop beobachten kann. Ich hab sie ja gerade mit meinem Teleskop (ETX-70) beobachtet und habe festgestellt, dass sich die Venussichel rasant verändert, jetzt ist kann man sie nicht mehr als Sichel beschreiben, sonder die Venus ist sowas, wie eine halbbelechtete Kreislinie, die selbst in meinem Teleskop groß erscheint. Paar Bilder folgen in Kürze.
Wie ich hier gelesen habe:
http://news.astronomie.info/sky200903/planeten.html?
gibt es in diesem Monat die Besonderheit, dass die Venus für paar Tage sowohl Morgen- als auch Abendstern ist, da sie 8° über der Sonne steht, zuletzt gab es um die Jahrhundertwende so einen fall, doch jetzt ist wird die Venus noch höher stehen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 05. März 2009, 00:07:54
Hallo Raffi,

ich bin gespannt auf deine Bilder!  :D

Ich besitze leider (im Moment) weder ne Kamera noch ein Teleskop, daher freue ich mich immer sehr über selbstgemachte Bilder von unseren Mitgliedern. Also nur zu!
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Raffi am 06. März 2009, 14:18:44
Hier wie versprochen meine Bilder:
Ich habe meine Bilder mit einer Nikon Coolpix L18 gemacht, diese enthält paar wichtige Funktionen, wie: Nachtaufnahme, Dämmerungsaufnahme, Sonnenuntergang, etc.
Ich habe die Nachtaufnahme benutzt. Nciht alle Bilder sind gut gelungen, v.a wenn ich durchs Teleskop fotographiert haba, hatte ich Probleme, meine Hand ganz still zu halten, auch hat beim Konatakt mit dem Okular das Teleskop ein bisschen gewackelt, so dass die Venussichel getanzt hat.

Hier die Bilder von Mittwoch 4.3.09, 19 Uhr, Nürnberg:
Die Venus ist der höchste Lichtpunkt, weiter unten sind Laternen.
(http://inlinethumb50.webshots.com/44081/2199283720104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2199283720104651319GqGRJi)

Die Venus von meinem Garten aus:
(http://inlinethumb01.webshots.com/14208/2216858300104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2216858300104651319eUmvqw)

Hier die nicht gelungene Venussichel von meinem Teleskop aus:
(http://inlinethumb44.webshots.com/43947/2623766790104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2623766790104651319HDCRBL)

(http://inlinethumb48.webshots.com/41327/2075275810104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2075275810104651319RKZfnE)

(http://inlinethumb43.webshots.com/41706/2483129600104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2483129600104651319FKVYoD)

Die Venussichel ist in Wirklichkeit schon viel schmäler als sie auf diesen Bildern zu sehen ist.
Hier sind weitere Bilder von einer Beobachtung Mitte Februar:
(http://inlinethumb35.webshots.com/40866/2974039440104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2974039440104651319tmaSPu)

(http://inlinethumb47.webshots.com/42734/2939068170104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2939068170104651319vNtqko)

Die Venus gezoomt:
(http://inlinethumb45.webshots.com/42348/2951128900104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2951128900104651319KuSsgR)

Hier noch Paar Bilder von der Venus während meines Madridaufenthalts Ende Februar:
Die Venus über dem Plaza Mayor, Madrid am 23.2.09 abends:
(http://inlinethumb36.webshots.com/14563/2143687710104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2143687710104651319xCUnwL)

(http://inlinethumb49.webshots.com/40048/2019844630104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2019844630104651319pGqQJQ)

Auf dem Rückflug ist es mir gelungen die Venus in der nähe der schmalen Mondsichel zu erblicken und zu fotographieren. Das Paar hat ganz schön ausgeschaut und ich hab die Chance genutzt, da es wohl in diesen Tagen über Deutschland bewölkt war. Hier die Bilder:
Venus und Mondsichel vom Flugzeug aus gesehen, irgendwo über Nordspanien am 27.2.09 nach Sonnenuntergang:
(http://inlinethumb13.webshots.com/780/2828196160104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2828196160104651319nerItR)

Venus und Mondsichel in der Nacht irgendwo über Frankreich:
(http://inlinethumb04.webshots.com/42691/2303577190104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2303577190104651319sHtJlQ)

(http://inlinethumb26.webshots.com/44633/2521107510104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2521107510104651319sRCScH)

Das wars.
Erstaunlich ist, wie gut mir die Venus in Madrid gelungen ist, der Marktplatz ist so hell beleuchtet und trotzdem kann sich unser heller Abendstern durchsetzen. Ebenfalls aus dem Flugzeugfenster ist das eine Bild gut gelungen und man kann sogar die unbeleuchtete Seite des Mondes erkennen.
In Spanien kann man die Venus viel einfacher beobachten, da näher zum Äquator die Ekliptik steiler ist und die Venus bei Sonnenuntergang höher steht als bei uns, zusätzlich wird es ab Sonnenuntergang sehr schnell dunkel und so steht die Venus über den Häusern, wenn es komplett dunkel ist.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: H.J.Kemm am 06. März 2009, 14:34:47
Moin Raffi,

jau, aller Anfang ist schwer. Ging mir auch so, aber dann war ich auf einem Treff, bekam dort hilfreiche Informationen und ab dann ging es besser.

Nebenbei: Auf dem Raumcon Treff 2009 in Hannover werden wir genug Zeit haben für ausführliche Diskussionen über Fototechnik

Jerry.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Raffi am 11. März 2009, 09:08:18
Jetzt schon beginnt die Venus Morgenstern zu sein, die untere Konjunktion findet erst am 27. März statt.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Raffi am 11. März 2009, 21:14:15
Heut hab ich eine große Wolkenlücke genutzt und hab wieder die Venus durch mein Teleskop beobachtet und muss sagen, der Anblich ist einfach super. :)
Wieder eine komplett schmale große Sichel. Für eine Venus, das in 16 Tagen in unterer Konjunktion mit der Sonne steht, steht sie immer noch beimm Einnachten hoch am Himmel, nähmlich  8) über den Häusern, allerdings merkt man wie sie in den letzten Tagen rasch an Höhe verloren hat, vll kann man sie noch eine Woche vor konjunktiuon sogar Teleskopisch beobachten.
Die Venus fasziniert mich zur Zeit und mein Rat an alle:
Nutz die gute Zeit für eine Beobachtung, wenn jemand ein Teleskop besitzt, dann nur zu, vll bietet die ein oder andere Sternwarte, um die Venus zu sehen. Solange sie nicht vom Abendhimmel verschwindet, stiehlt die dünne Venussichel dem kürzlkich in Opposition stehenden Saturn deutlich die Show, der wegen einer geringen Ringöffnung viel weniger spektakulär ist.
Hier paar Bilder:
Kamera: Nikon Coolpix L18
Nürnberg 11.3.09 ca. 19 Uhr

Helle Venus in der Abenddämmerung.
(http://inlinethumb64.webshots.com/44415/2733169380104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2733169380104651319IAGtnP)

leicht gezoomt:
(http://inlinethumb25.webshots.com/44504/2933078780104651319S600x600Q85.jpg) (http://entertainment.webshots.com/photo/2933078780104651319negnKE)

Die Fotos durchs Teleskop sind bei mir nicht besser als die letzten gelungen, so macht es keinen Sinn sie nochmals zu posten.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Raffi am 15. März 2009, 18:21:27
jetzt meldet es das Internet offiziell:
http://news.astronomie.info/ai.php/200903035
Titel: Venus Echos
Beitrag von: Phobos am 16. März 2009, 00:20:08
In der Zeit vom 15. März bis 10 April 2009 kommt die Venus der Erde mal wieder spürbar näher...

AMSAT-DL will ein bisher in Deutschland wohl einmaliges Experiment durchführen und mit dem 20m-Spiegel in Bochum, sowie einem eigens gebauten 5 kW Hochleistungssender auf 2,45 GHz, Echos von der Venus empfangen.

Gleichzeitig soll dieser Test eine Bewährungsprobe für die Kommandostation der AMSAT P5-A Mars-Mission sein, denn um den P5-A Satelliten am Mars kommandieren zu können, braucht man schon einen sehr leistungsstarken Sender.

siehe Artikel auf der AMSAT-DL Homepage:
http://www.amsat-dl.org//index.php?option=com_content&task=view&id=165&Itemid=97 (http://www.amsat-dl.org//index.php?option=com_content&task=view&id=165&Itemid=97)



Titel: Echos von der Venus erstmals in Deutschland empfangen
Beitrag von: Phobos am 26. März 2009, 00:03:26
Presseinformation
Marburg, 25. März 2009

Erste deutsche Mars-Mission macht Abstecher zur Venus
Bochumer Bodenstation erzeugte Venus-Echos

Am 25.03.2009 erreichte das Team der deutschen Raumfahrtorganisation AMSAT-DL einen weiteren Meilenstein auf dem Weg einer eigenen Sonde zum Mars. Von der Bochumer Boden- und Kontrollstation aus (IUZ Sternwarte Bochum) wurden Funksignale zur Venus geschickt. Nach fast 100 Millionen Kilometern zurückgelegter Strecke und rund 5 Minuten Laufzeit wurden sie als Echo von der Venusoberfläche wieder in Bochum empfangen. Damit ist es erstmalig in Deutschland gelungen, Echos anderer Planeten zu empfangen und somit hat eine der letzten wichtigen Schlüsselkomponenten, die Sendetechnik, für die geplante P5-A Mars-Mission der AMSAT-DL ihre Feuertaufe bestanden.

Für eines der nächstmöglichen Mars-Startfenster bereitet die AMSAT-DL den ersten privat entwickelten Flug einer Raumsonde zum Mars vor. Die Sonde soll als Wissenschafts- und Kommunikationsplattform dienen. Die überwiegend ehrenamtlich tätigen Forscher der AMSAT-DL haben in den letzten Jahren alle wesentlichen Komponenten für das Raumfahrzeug entwickelt und erprobt. Viele technische Elemente wurden bereits auf Erdsatelliten erfolgreich eingesetzt. Mit dem Empfang der eigenen Venus-Echos ist die Kommandostation zur Steuerung der Mars-Sonde einsatzfähig, und das AMSAT-Team steht in den Startlöchern, die Raumsonde zu bauen.

Entwicklung, Konstruktion und Bautätigkeiten zu dieser ersten deutschen Mars-Mission wurden durch die AMSAT-DL und ihre Partnerorganisationen bisher in Eigenleistung bereits mit einem Drittel der Gesamtprojektkosten erbracht. Weitere Eigenleistungen sollen während der Mission folgen. Um den konkreten Bau und den Start der Mars-Sonde zu finanzieren, versucht die AMSAT-DL derzeit unter anderem von dem DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) finanzielle Unterstützung für die nur noch rund fehlenden 20 Mio. EUR zu erhalten. Die AMSAT-DL möchte u. a. aufzeigen, dass mit ihrem Ansatz kostengünstige Raumfahrt machbar wird. Zum Vergleich: ESA- und NASA-Missionen zum Mars kosteten bislang jeweils das Zehnfache.

Dem Open-Source-Prinzip verpflichtet sollen auch private Spender einen Beitrag zur Mission leisten können. Dazu wurde eigens eine Internetseite eingerichtet, auf der jeder quasi sein Ticket zum Mars ab 50 EUR buchen kann (www.ticket-to-mars.org). Durch das Open-Source-Prinzip ist es auch jedem gestattet, die Missionsdaten während des Flugs zum Mars live zu empfangen. Dies kann dank der Nutzung von Amateurfunkfrequenzen mit einer eigenen Empfangsanlage ab einem Spiegeldurchmesser von 1 m oder über Internetserver mit einem Live-Datenstrom erfolgen. Alle dafür erforderlichen Informationen werden rechtzeitig vor der Mission offengelegt werden.

Weitere Bilder und Hintergrundinfos http://www.amsat-dl.org/pic/gallery2/main.php?g2_view=core.DownloadItem&g2_itemId=7555 (http://www.amsat-dl.org/pic/gallery2/main.php?g2_view=core.DownloadItem&g2_itemId=7555)

siehe auch:
http://www.amsat-dl.org//index.php?option=com_content&task=view&id=166&Itemid=97 (http://www.amsat-dl.org//index.php?option=com_content&task=view&id=166&Itemid=97)
http://www.amsat-dl.org//index.php?option=com_content&task=view&id=165&Itemid=97 (http://www.amsat-dl.org//index.php?option=com_content&task=view&id=165&Itemid=97)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Raffi am 08. April 2009, 14:32:30
Heute ist es mir gelungen, zum ersten Mal die Venus in der Morgendämmerung, da hab ich die Sichel mit dem Teleskop beobachtet, aber ich muss sagen, dass verglichen mit der Abendsichtbarkeit davor, wo die Venus unmittelbar vor unterer Konjunktion hoch über dem Horizont war, gelangt sie diesmal nur zäh über den Horizont.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: technician am 09. April 2009, 22:14:30
ich habe mir einmal erlaubt die Position der Venus zu berechnen:

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035840.png)

Die Planeten sind vergrößert dargestellt. Sonne und Planetenorbits sind Maßstabsgetreu.

An der Positon Venus/Erde kann man erkennen, warum die Venus im Moment nur "zäh über den Horizont gelangt"....
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: trallala am 09. April 2009, 23:16:28
Sind die Planetenorbits wirklich soo unsymetrisch?  ??? Ist mir irgendwie bisher entgangen ...
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: technician am 09. April 2009, 23:46:31
Sind die Planetenorbits wirklich soo unsymetrisch?  ??? Ist mir irgendwie bisher entgangen ...

Das ist jetzt die Draufsicht mit der Erde bzw. deren Orbits als Basisebene. Wenn man das ganze um 90 Grad dreht sieht man auch dort Abweichungen.....   mal sehen, wann ich das mal simuliere....
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: redmoon am 10. April 2009, 00:04:43
Hallo,

ja, die Planeten unseres Sonnensystemes weisen schon eine sehr unterschiedliche  Exzentrizität  (http://de.wikipedia.org/wiki/Exzentrizit%C3%A4t_%28Astronomie%29) auf.
Die genauen Werte gibt es hier :  http://de.wikipedia.org/wiki/Planeten_des_Sonnensystems_(Tabelle)  unter "numerische Exzentrizität". Als ergänzender Nachtrag noch der Wert für Pluto, welcher ja mittlerweile als Zwergplanet geführt wird. Hier beträgt die Exzentrizität sogar 0,2488.

In Euren Teleskopen erscheint die Venus momentan mit einem Durchmesser von 59 Bogensekunden als eine sehr schmale Sichel. Da Erde und Venus sich momentan voneinander entfernen, sinkt dieser Wert bis zum Monatsende auf dann nur noch 40 Bogensekunden ab. Gleichzeitig allerdings wird die Planetensichel "voller". Dies hat gleichzeitig zur Folge, dass die scheinbare Helligkeit weiter ansteigt. Anfang des Monats erreichte der Planet eine Helligkeit von -4,1 mag (  Magnitude  (http://de.wikipedia.org/wiki/Scheinbare_Helligkeit) ). Bis Ende April wird dieser Wert auf -4,5 mag ansteigen.

Schöne Grüße aus Hamburg - Mirko
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: GG am 10. April 2009, 09:03:36
Sind die Planetenorbits wirklich soo unsymetrisch?

Eigentlich sind nur die Orbits von Merkur und Mars (so) exzentrisch. Deckt man sie ab, dann sieht man, dass Erde und Venus in dieser Beziehung "braver" sind.

Vielleicht passt das sogar ein wenig zu der vor kurzem geäußerten Theorie, dass Merkur und Mars zunächst in einer Region zwischen Erde und Venus entstanden sind und später nach außen geschleudert wurden.

Wir haben im Portal darüber berichtet.

http://www.raumfahrer.net/news/?22012009170908

(und http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/10032009143815.shtml)

GG
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: pikarl am 25. April 2009, 22:06:27
Hallo,

ich werfe mal ein nettes Mond-/Venus-Bild ein, war gestern das APOD (http://apod.nasa.gov/apod/ap090424.html):

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035839.jpg)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: GlassMoon am 26. April 2009, 04:00:00
jetz hab ich mir die arbeit schon gemacht, mit dem abdecken von mars und merkur, weil ich an ne optische täuschung gedacht habe, dann hab ich deinen beitrag erst gelesen.. wie auch immer, da es schon hochgeladen ist poste is es gleich, weils eh schon wurscht is.
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035838.jpg)

Zitat
Vielleicht passt das sogar ein wenig zu der vor kurzem geäußerten Theorie, dass Merkur und Mars zunächst in einer Region zwischen Erde und Venus entstanden sind und später nach außen geschleudert wurden.

wie jetz? merkur und mars sollen zwischen venus und erde entstanden sein, und dann beide in verschiedene richtungen gegangen sein?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 27. April 2009, 18:22:56
Hallo DaBeste,

ich glaube GG hat sich da auf ein kürzlich von einem einzelnen Wissenschaftler aufgestelltes neues, recht unkonventionelles Planetenentstehungsmodell bezogen. Hab vergessen, wie der Mann heißt, aber das ging vor ein paar Monaten durch die Presse.

Jedenfalls wird in diesem neuen, umstrittenen Modell davon ausgegangen, dass sich die zirkumstellare Staubscheibe relativ schnell in verschiedene Bänder ausdifferenziert hat, ähnlich den Ringen des Saturn, nur eben um die Sonne. Erde und Venus wären demnach aus dem inneren Band oder Ring entstanden und hätten anschließend in dem Band "aufgeräumt" und das gewissermaßen überschüssige Material nach Außen und Innen weggeschleudert. Aus diesem wäre dann in diesem Modell Merkur und Venus Mars entstanden.

Stimmt dieses Modell, müsste die geochemische Zusammensetzung aller 4 Felsplaneten mehr oder weniger identisch sein. Konventionelle Planetenentstehungsmodelle gehen dagegen von einer Veränderung der Zusammensetzung der protoplanetaren Scheibe mit wachsendem Abstand zur Sonne aus.

Gruß,
Timo

PS: Hier ist unser allgemeiner Thread zu Planetenentstehung: http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=630.msg6619#new

edit: korrektur eingefügt
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: GG am 29. April 2009, 19:14:01
Brad Hansen. Oben sind doch die Links zu den betreffenden Meldungen.

GG
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 30. April 2009, 13:16:14
Brad Hansen. Oben sind doch die Links zu den betreffenden Meldungen.

Ah ja, richtig. Hatte deine Links irgendwie übersehen - hätte ich mein Gedächtnis ja gar nicht bemühen müssen!  ;) Danke für den Hinweis.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 14. Juli 2009, 13:33:44
Eine neue Karte, basierend auf Daten der ESA-Sonde VENUS EXPRESS, verdichtet die Hinweise, dass die Venus in ihren jungen Tagen der Erde erstaunlich ähnlich gewesen sein könnte, mit Wasser, Plattentektonik und allem drum und dran. Das hat natürlich auch Implikationen für unsere Diskussion hier:
http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=5764.0


http://www.esa.int/esaCP/SEMUQCLXOWF_index_0.html
http://www.astronomynow.com/news/n0907/14venus/
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Pham am 17. Juli 2009, 16:22:25
Sind die Planetenorbits wirklich soo unsymetrisch?  ??? Ist mir irgendwie bisher entgangen ...
Erstaunlicherweise zählt speziell der Venusorbit zu den kreisförmigsten Orbits des Sonnensystem, was etwas gegen die Kollisionstheorie spricht (als Begründung für die einzigartige Drehimpulsrichtung der Venus).

Dazu kommt noch, dass die Rotationsachse der Venus fast senkrecht zur Ekliptik steht (ca. 3° bzw. 177° gegenüber 23,4° der Erde).

Alles in allem ist dieser retrograde Rotationsrichtung ein enormes Rätsel.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 23. Juli 2009, 08:52:09
Nachdem Jupiter einen hellen Fleck verpasst bekommen hat (siehe Threads) konnte am 19.Juli nun auch auf Venus ein heller Fleck in der Atmosphäre im südlichen Polarbereich entdeckt werden.Entdeckt wurde dieser durch den Amateur-Astronom Frank Melillo. Es stellt sich nun die Frage ob es sich hierbei nur um einen atmosphärischen Effekt handelt oder diese helle Wolke durch einen Vulkanausbruch verursacht wurde. Nur ist in dem südlichen Bereich der Venus bisher keine Vulkantätigkeit bekannt.
Antworten werden wohl nur weitere Beobachtungen des hellen Flecks ergeben.
Foto:Frank Melillo
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035837.jpg)

Weitere Infos hier: http://www.astronomynow.com/news/n0907/21venus/
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 03. August 2009, 12:47:39
Die Anwesenheit des hellen Flecks auf Venus konnte inzwischen durch die Sonde VENUS EXPRESS bestätigt werden.

Die Auswertung kürzlich übermittelter Daten der Sonde zeigte, dass der Fleck schon einige Tage lang auf der Venus zu sehen war, bevor ihn jemand auf der Erde entdeckte. Über den Urpsprung des Flecks kann weiterhin nur spekuliert werden.

Ein starker Vulkanausbruch erscheint mir am wahrscheinlichsten.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Meagan am 05. August 2009, 21:20:11
Sind die Planetenorbits wirklich soo unsymetrisch?  ??? Ist mir irgendwie bisher entgangen ...
Erstaunlicherweise zählt speziell der Venusorbit zu den kreisförmigsten Orbits des Sonnensystem, was etwas gegen die Kollisionstheorie spricht (als Begründung für die einzigartige Drehimpulsrichtung der Venus).

Dazu kommt noch, dass die Rotationsachse der Venus fast senkrecht zur Ekliptik steht (ca. 3° bzw. 177° gegenüber 23,4° der Erde).

Alles in allem ist dieser retrograde Rotationsrichtung ein enormes Rätsel.

Wir wissen von der Erde, daß die Ekliptik der Erde in einem sehr langen Zeitraum variiert und nicht bei 23,5° konstant ist.

Das kann bei der Venus ähnlich sein. Ich glaube bloß nicht, daß wir heute genügend Daten haben, um diese Vermutung zu bestätigen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Schillrich am 06. August 2009, 11:52:43
Hallo Meagan,

die Neigung der Erdachse ist sogar sehr stabil. Es gibt Präzessions- und Nutationsbewegungen, die sind aber normal bei rotierenden Systemen, die von außen gestört werden. Diese Ändern auch nichts an den 23,5°. Die Nutation pendelt nur um die 23,5°, die Präzession ändert an den 23,5° gar nichts, nur an der Ausrichtung der Achse.

Was hält unsere Rotationsachse so stabil, auch bei größeren Störungen? Der Mond! In Bezug auf die Erde ist der Mond außergewöhnlich groß, verglichen mit anderen Planet-Mond-Systemen. Dadurch wirkt er extrem stabilisierend auf die Rotationen im Erde-Mond-System, Stichwort Drehimpulserhaltung, selbst bei größeren/katastrophalen Störungen.

Warum ist das wichtig? Nur so konnte sich ein stabiles Klima mit stabilen Jahreszeiten entwickeln. Wenn die Achse stark pendelte über die Äonen, dann hätten wir auf der Oberfläche ein klimatisches Tollhaus.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: pikarl am 06. August 2009, 15:31:04
@Kreuzberga: Was an einem Vulkanausbruch würde einen weißen Fleck hervorrufen? Mir fällt eigentlich nur eine von der Sonne beleuchtete Asche- und Staubwolke ein. Aber kann die in der turbulenten Venusatmosphäre über mehrere Tage stabil bleiben?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: -eumel- am 06. August 2009, 15:55:26
Das liegt sicher an der Aufnahme-Technik.
Es werden oft Kameras verwendet, die im Infrarot empfindlich sind, weil diese noch etwas durch Dunst und Nebel sehen können.
Infrarot-Kameras sind auch für Wärme empfindlich und zeigen diese als helle Flecken an.

Es kann gut sein, daß bei einem großen Vulkanausbruch große Wärmemengen senkrecht in der Atmosphäre aufsteigen, die dann von Infrarot-Kameras als heller Fleck aufgezeichnet werden.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 06. August 2009, 19:26:29
Also, der Fleck ist nicht nur im Infraroten zu sehen (wobei ich grad nicht weiß, ob überhaupt), sondern auch im Sichtbaren. So wurde er auch entdeckt - war ja wie bei dem Einschlag auf Jupiter eine Amateurentdeckung. Wolkenstrukturen und dergleichen kann man ohnehin im Infraroten nicht gut sehen. UV ist da besser geeignet. Venus Express hat dann auch im UV beobachtet und dort erscheint der Fleck besonders hell.

Vulkanausbruch - ja, diese Erklärung lässt viele Fragen offen, z.B. auch wie Material überhaupt so hoch in die Atmosphäre kommen könnte. Im Moment scheint die wahrscheinlichste Erklärung ein (bisher unverstandenes) Venuswetterphänomen zu sein. Vielleicht komme ich ja demnächst mal dazu, mich eingehender damit zu beschäftigen.

edit: Scheint so, als wäre auch die initiale Amateurbeobachtung im UV erfolg. Wahrscheinlich ist der Spot also nur in diesem Spektralbereich sichtbar.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Meagan am 06. August 2009, 19:48:03
Vulkane können auf der Erde Staubwolken bis über 10 km hochschleudern. Einige haben es sogar schon auf 30 km gebracht. Das ist ein feines graues Material. Stichwort : Lappili oder auch Tefra. Tefra besteht aus feinsten Glasfäden und verhält sich (vor allem in der Lunge) wie Asbest. Also Krebserregend. Lapilli ist poröser Stein, der "sogar auf Milch" schwimmt. Auf der Erde wird das Material (die feien Partikel)  von den Jetstreams erfaßt und um den Planeten getragen. Beim Pinatubo hat es Jahre gedauert, bis dieses Material aus der oberen Atmosphäre wieder verschwunden ist.

Und die Venus ; ich denke, die funktionier so wie die Erde. Jetzt wäre eine gute Gelegenheit die Luftströmungen auf der Venus zu beobachten. Wenn es Jetstreams gibt, werden die den Staub um den Planeten verteilen.

Zitat
die Neigung der Erdachse ist sogar sehr stabil. Es gibt Präzessions- und Nutationsbewegungen, die sind aber normal bei rotierenden Systemen, die von außen gestört werden. Diese Ändern auch nichts an den 23,5°. Die Nutation pendelt nur um die 23,5°, die Präzession ändert an den 23,5° gar nichts, nur an der Ausrichtung der Achse.

Ich habe mal gehört, daß es Kipp und Drehbewegungen der Erdachse in einen Zeitraum von hunderttausenden von Jahren gibt. Unsere geologischen und magnetischen Pole sind auch im Laufe einer sehr langen Zeit über die Erde gewandert. Damit lassen sich auch Erdölfunde in den Polregionen erklären.

Und was für die Erde zutrifft, könnte auch auf die Venus zutreffen. Schließlich besitzt sie keinen Stabilisator.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 06. August 2009, 20:01:29
Vulkane können auf der Erde Staubwolken bis über 10 km hochschleudern.

Auf der Venus müssten es halt 60-70 km sein, damit dieser Fleck entstehen könnte. Das wäre schon ein extrem heftiger Ausbruch.

Hoffentlich wissen wir mehr, wenn die Daten von Venus Express' Spektrometern kommen.

Zu den Jetstreams: Bisher ist es ja auch immer noch ein ziemliches Rätsel, warum Venus' Atmosphäre ein paar Dutzend mal schneller rotiert als die Venus selbst.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Meagan am 06. August 2009, 20:15:54
Zitat
Zu den Jetstreams: Bisher ist es ja auch immer noch ein ziemliches Rätsel, warum Venus' Atmosphäre ein paar Dutzend mal schneller rotiert als die Venus selbst.

Das könnte auch bedeuten, daß es extreme Wirbel gibt, wie bei Jupiter. Auf der Erde bewirken Berge ebenfalls , daß Luftstömungen abgelenkt werden und sich horizontale "Rotoren" auf der Leeseite eines Berges bilden können.

Diesen Effekt können bestimmt auch unterschiedlich schnelle Winde hervorrufen. Ahnlich einen Hurican auf der Erde. Als Ursache könnte die Koreoliskraft in Frage kommen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Martin am 09. August 2009, 10:03:42
Vulkane können auf der Erde Staubwolken bis über 10 km hochschleudern. Einige haben es sogar schon auf 30 km gebracht.
Und die Venus ; ich denke, die funktionier so wie die Erde.

Ich denke hohe Aschewolken sind auf der Venus nicht moeglich: Zum einen ist der Druck viel hoeher auf der Venus, also der Unterschied zwischen Oberflaeche und den Gasen im Magma viel geringer. Der zweite Grund ist die Thermik, der Temperaturunterschied zwischen der heissen Aschewolke und der Atmosphaere auf der Erde sorgt fuer das hohe aufsteigen, aber auch dieser Unterschied ist auf der Venus viel geringer.

Martin
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: redmoon am 14. August 2009, 23:58:04
Hallo,

am 4. August 2009 gaben Team-Mitglieder der Venus Express Mission anscheinend eine Mitteilung heraus, in der über die möglichen Ursachen des "Weißen Flecks" berichtet wurde. Die Original-Mitteilung kann ich leider nicht finden, aber Astronomy Now berichtet darüber hier : 
http://www.astronomynow.com/news/n0908/05venus/ 

Als mögliche Ursachen werden demzufolge vier Szenarien aufgeführt : 

- Vulkaneruption
- Solare Aktivität ( Interaktion der Venus-Atmosphäre mit dem Sonnenwind )
- Impaktereignis
- Wetterphänomen

Über eine mögliche Vulkaneruption wurde hier ja bereits diskutiert. Sollte eine solche der Anlass sein, dann müsste diese allerdings wirklich gewaltig gewesen sein.

Solare Aktivität erscheint mir eher unwahrscheinlich. Zumindestens in bezug auf die Sonnenflecken ist die Sonne momentan doch eher "ruhig"...

Ein Impakt...Nun ja, warum eigentlich nicht. Bei Jupiter hat es erst vor etwa vier Wochen wieder so ein Ereignis gegeben. Und warum sollte Jupiter die "Alleinrechte" für kosmische Katastrophen inne haben...Aber trotzdem. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solch gewaltiger Einschlag ereignet und das Resultat auch noch beobachtet wird, erscheint mir eher gering....

Das Wetter...Dieses Szenario wird von Limaye und Titov, den Verfassern der Meldung, anscheinend favorisiert. Zu wenig sei bisher über die Dynamik der plötzlichen Wetterwechsel in der Venus-Atmosphäre und deren direkte Folgen bekannt. Interaktionen zwischen unteren und oberen Wolkenschichten könnten demzufolge durchaus zum Entstehen gigantischer Zyklone führen.

Schöne Grüße aus Hamburg - Mirko
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Hansjuergen am 19. September 2009, 00:10:47
Atmosphäre der Venus verliert Wasser

Der Anteil an schwerem Wasser ist in der Hochatmosphäre der Venus doppelt so hoch wie in tieferen Schichten der Atmosphäre. Das zeigen Messungen der europäischen Sonde Venus Express, die jetzt beim European Planetary Science Congress in Potsdam präsentiert wurden. Die Forscher sehen darin ein Indiz für ein Abströmen des Wasserdampfs aus der Venusatmosphäre ins Weltall - und für eine wasserreiche Vergangenheit des heute heißen und trockenen Planeten.
Weiter gehts hier: http://www.astronews.com/news/artikel/2009/09/0909-028.shtml
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Ensi am 21. September 2009, 13:57:16
Ich stell hier einfach mal ungefragt 2 links herein:


http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035836.jpg

http://www.strykfoto.org/venera.htm

Hier werden entzerrte Aufnahmen der Venera-Lander gezeigt,
sowas hab ich seid ewigkeiten gesucht, weil man hier endlich mal einen eindruck von der Venusoberfläche erhält,

diese alten verzerrten *fish-eye-aufnahmen*, haben mich immer gestörrt :)

viel spass (falls nicht ohnehin bekannt)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Atomino am 22. September 2009, 14:38:22
@Ensicube: Danke, tolle Bilder, die kannte ich SO auch noch nicht!  :)

Atmosphäre der Venus verliert Wasser
...

Das verwirrt mich jetzt etwas. Wasser in der Venusatmosphäre? Ich hatte mal gelesen, daß die Venus vor 600 Mio. Jahren ihre Oberfläche "neugeformt" haben soll. Also irgendein kosmisches Ereignis hat da alles umgekrempelt - und sämtliches Wasser vernichtet (ja, das klingt blöde, aber wie soll ich's sonst beschreiben?  :-\ ). Ich bin weiter davon ausgegangen, daß die Bedingungen (Rotation/Treibhauseffekt/Temperatur/Druck...) sich seitdem nicht groß verändert haben, und Wasser somit schon lääängst Geschichte ist.

Wo ist mein Denkfehler??? :-[
(Gibt es "Quellen", die Wasser in die Atmosphäre pumpen? Vulkanismus? - quatsch, oder?)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Atomino am 29. September 2009, 16:31:51
sooo,

habe mich belesen (und meine Uralt-Literatur verbannt  ;)), somit betrachtet bitte vorstehenden Beitrag als "obsolet". :-[ :-[ :-[

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 09. Februar 2010, 15:33:35
Die europäische Raumsonde Venus Express hat zum ersten Mal die Existenz von Ozon in der Venusatmosphäre nachgewiesen. Die Konzentration von Ozon in den oberen Atmosphärenschichten ist jedoch weitaus geringer als im Fall der irdischen Ozonschicht und sowohl zeitlich als auch räumlich in einem Bereich von 0-100 ppb (parts per billion = Teile pro Milliarde) stark variabel.

Die Entdeckung trägt dazu bei, die Dynamik und Chemie der Venusatmosphäre besser zu verstehen.

Quelle: ESA Bulletin 141, S. 66.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: 1234567891011a am 09. Februar 2010, 16:52:46
Die europäische Raumsonde Venus Express hat zum ersten Mal die Existenz von Ozon in der Venusatmosphäre nachgewiesen. Die Konzentration von Ozon in den oberen Atmosphärenschichten ist jedoch weitaus geringer als im Fall der irdischen Ozonschicht und sowohl zeitlich als auch räumlich in einem Bereich von 0-100 ppb (parts per billion = Teile pro Milliarde) stark variabel.

Die Entdeckung trägt dazu bei, die Dynamik und Chemie der Venusatmosphäre besser zu verstehen.

Quelle: ESA Bulletin 141, S. 66.

Interessant... gilt Ozon nicht des öfteren als Biomarker? wäre schon eine Sensation.... :o
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: websquid am 09. Februar 2010, 16:57:47
Jein. Im Prinzip ist Ozon(wie auch Sauerstoff O2 - die Konzentrationen hängen voneinander ab) ein potenzieller Biomarker. Bei geringen Konzentrationen wie hier gemessen, sind aber auch normale, anorganische Entstehungen möglich. Interessant wird das erst, wenn man bei Sauerstoff in den Prozentbereich kommt, bei Ozon entsprechen weniger. Solange wir uns im ppb-Bereich bewegt, kann man das nicht als Beweis für Leben sehen. Geringfügige biologische Aktivität ist damit natürlich nicht ausgeschlossen, aber wenn es die gibt, reicht sie nicht für relevante Änderungen an der Atmosphärenzusammensetzung. Trotzdem bleibt  das eine spannende Frage.
mfg websquid
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: technician am 16. Februar 2010, 21:19:44
Nachdem die Venus im Dezember ihre obere Konjunktion hatte, stand sie am 07. Februar mit Neptun in Konjunktion. Weiter für uns nahezu unbeobachtet wird auch die morgige Konjunktion zum Jupiter sein. Am 03. März steht dann die Uranus Konjunktion an.

Hier eine Animation:
http://www.youtube.com/watch?v=UbmB4wxuz94
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: technician am 16. Februar 2010, 23:31:27
und so sieht der Sonnentransit der Venus auf dem LASCO-Instrument aus


http://www.youtube.com/watch?v=lVGZiIrFgXc
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: klausd am 09. April 2010, 01:13:04

NASA findet Beweis jüngerer Vulkanaktivität auf Venus. Dazu der Artikel in unserem Portal hier:

http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/09042010011025.shtml

Gruß, Klaus
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Enceladus am 01. Juni 2010, 00:23:16
Ich lese Zur Zeit den Wikipedia-Artikel zur Venus und würde gerne die Landschaft besser kennenlernen. Es ist schwierig einen Eindruck zu bekommen, wenn man zwar mit Koordinaten etwas von Erhebungen und Täler liest, man aber überhaupt nicht gezeigt bekommt wo das alles genau liegt.

Ich habe im Netz nach Venus-Karten gesucht, aber nichts zufriedenstellendes gefunden. Kennt ihr vielleicht Magellan-Venus-Karten in denen nicht nur die Landmassen sondern auch markante Krater, Berge und Lavaflüsse eingetragen sind?

Danke  :)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: GG am 01. Juni 2010, 08:06:28
http://www.celestiamotherlode.net/catalog/venus.php

Die Level-5-Karten haben zusammen mehr als 1 GB. Da sollten schon einige Details drauf sein.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: redmoon am 01. Juni 2010, 10:26:39
Hallo Enceladus und herzlich willkommen im Forum,

eine gute Quelle für Karten ist normalerweise auch immer die Web-Seite des USGS :  
http://search.usgs.gov/results.html?cx=005083607223377578371%3Ab5ixbbpqpx0&cof=FORID%3A11&q=venus#899  

Allerdings sind diese Karten meistens nur als PDF-Dokumente abrufbar, zeigen immer nur einen bestimmten Ausschnitt der Oberfläche und sind dabei jeweils mehrere MB groß. Aber sie zeigen die markantesten Oberflächenformationen mit deren jeweiligen offiziellen Namen :  
http://planetarynames.wr.usgs.gov/vgrid.html  
http://planetarynames.wr.usgs.gov/altimetry.html  

Etwas kleiner ist diese Karte :  
http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035835.jpg 
( Incl. der Landeorte der Verena- und Vega-Sonden )

Schöne Grüße aus Hamburg - Mirko
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 24. Juni 2010, 14:37:58
Die Europäische Weltraumagentur ESA stellt die Frage: "Was Venus once a habitable planet?" - "War Venus einst eine bewohnbare Welt?": http://www.esa.int/esaCP/SEMQ9OLZLAG_index_0.html

Anlass sind Messungen der die Venus umkreisenden Sonde Venus Express, welche an Hand von der Atmosphäre entweichenden Ionen zeigen, dass Venus einst große Mengen an Wasser besaß - und verlor. Die einfallende UV-Strahlung hätte demnach die Wassermoleküle gespalten, sodass Wasserstoff und Sauerstoff in den Weltraum diffundieren konnten.

Colin Wilson, von der Universität Oxford, schlussfolgert: “Alles deutet auf große Mengen Wasser in der venusianischen Vergangenheit hin." Umstritten bleibt jedoch die Frage, ob sich dieses Wasser auf der Venus auch für längere Zeit am Boden sammeln konnte - nach vorherrschender Auffassung eine wichtige Bedingungen für die Entstehung von Leben.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: websquid am 07. Juli 2010, 14:29:29
Auf die nächste russische Mission zur Venus werden wir wohl noch ein paar Jahre warten müssen. Mittlerweile heißt es, dass Venera D erst 2016 gestartet wird und 2017 die Venus erreicht und diese für 2 Jahre erforscht. Es hieß mal Start 2013, schade dass die alles verschieben :(

Quelle (http://www.federalspace.ru/main.php?id=2&nid=9822&lang=en)

mfg websquid
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 02. August 2010, 19:54:02
Oleg Toumilovitch ist hier ein besonderes Bild der Venus gelungen:
http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up009476.jpg

Es sieht fast aus als würde ein Scifi-Raumschiff unseren Nachbarplaneten ansteuern. In Wirklichkeit ist es natürlich die ISS im niedrigen Erdorbit, die durchs Bild huscht.
    
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: H.J.Kemm am 03. September 2010, 04:25:02
Moin,

Wissenschaftlern ist aufgefallen, dass die Oberfläche vom Planeten *Venus* eigentlich sehr jugendlich aussieht. Eigentlich hätte das Synthetic Aperture Radar (SAR) der Magellan-Mission viel mehr Krater auffinden müssen, ein Ergebnis eines Milliarden Jahre dauernden Bombardements mit Meteoriten und Asteroiden. Irgendein geologischer Prozess muss die alten Kraternarben der Venusoberfläche ausgebügelt haben, vermuteten die Forscher.
Die Wissenschaftler vom JPL meinen jetzt, diese Einschlagkrater sind durch eine sehr starke Vulkantätigkeit, die bis vor kurzen noch aktiv war, überschwemmt.

Dieser starke Vulkanismus könnte auch die Frage klären, warum der so erdähnliche Planet – 80 % der ME, fast identische chemisch-mineralogische Zusammensetzung und eine ähnliche innere Wärmeproduktion – sich in der Atmosphärenzusammensetzung so grundlegend unterscheidet. Venus ist von einer dichten Gashülle umgeben, die zu 97 % aus CO2 besteht, der daraus resultierende Treibhauseffekt heizt die mittlere Temperatur auf ~ 460 ° auf.
Fred Taylor, ein Atmosphärenforscher der University of Oxford, ist sich sicher, dass der Vulkanismus der Venus einen entscheidenden Anteil hat.

Info >>> Venus is alive – geologically speaking (http://www.esa.int/esaMI/Venus_Express/SEMUKVZNK7G_0.html)

Jerry 

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 29. September 2010, 01:19:46

der Südpolwirbel der Venus.

den Forschern rätseln immer noch, was auf der Venus vor sich geht.
Die doppelten Wirbelstürme wurden nicht bestätigt.
Sie erhoffen sich noch mehr Daten von der Sonde Akatsuki.

Die Bildfolge wurde mit Infrarotlicht aufgenommen

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up010495.jpg)

Quelle:
http://www.starobserver.org/ap100928.html (http://www.starobserver.org/ap100928.html)

Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Kreuzberga am 29. September 2010, 11:29:46
Die doppelten Wirbelstürme wurden nicht bestätigt.

Jedenfalls handelte es sich bei ihnen um keine stabile Struktur. Dass Venus Express diese Dipol-Konfiguration entdeckte, als der Südpol untersucht wurde, war Zufall. Möglicherweise bildet sich bald wieder ein solcher Doppel-Vortex.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: websquid am 30. November 2010, 19:58:13
Anscheinend hat man mit einem neuen Atmosphärenmodell die Herkunft der Schwefeldioxid-Schicht in 90-110km Höhe aufklären können. Bisher war diese von Venus Express entdeckte Schicht rätselhaft. Neue Modelle der CalTech sprechen dafür, dass Schwefelsäuretropfen aus den Wolkenschichten verdampfen und das Sonnenlicht Schwefeldioxid aus der Schwefelsäure abspaltet. Diese gasförmige Schwefelsäure steigt dann in die hohen Atmosphärenschichten.

Interessant ist das auch für die Idee, Schwefelsäurewolken in die Erdatmosphäre zu  bringen, um die globale Erwärmung zu stoppen. Wenn diese Wolken nämlich so aufgelöst werden, würde der Effekt verpuffen, da gasförmiges Schwefeldioxid im Gegensatz zu den Schwefelsäuretropfen keine abkühlende Wirkung hat.

Quelle: http://www.esa.int/esaCP/SEM8Z7OWXGG_index_0.html (http://www.esa.int/esaCP/SEM8Z7OWXGG_index_0.html)

mfg websquid
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: redmoon am 02. Dezember 2010, 19:51:13
Hallo,

zu diesem Thema gibt es jetzt auch einen Bericht auf der Portalseite : 
http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/01122010221433.shtml (http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/01122010221433.shtml) 

Schöne Grüße aus Hamburg - Mirko
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Bernard7 am 21. Juni 2011, 19:07:30
Hallo,

für eine Aufnahme sind in der Regel nur Bruchteile von Sekunden erforderlich. Für eine Venus Aufnahme , es
handelt sich um eine Falschfarbenaufnahme unseres Nachbarplaneten ,brauchten Fachleute von der NASA-
Jet propulsion Laboratory und gemeinsam mit US Geological Survey sage und schreibe 10 Jahre  Arbeit.
Das Bild setzt sich vor allem aus den Radar- Aufnahmen der Magellan- Mission zusammen . Die Lücken , Magellan fotografierte nur 98 Prozent der Venusoberfläche, wurden durch die Aufnahmen des Arecibo- Radioteleskops sowie durch Höhenmessungen der Pionier- und der Venerasonden ergänzt.
Die verschiedene Farben repräsentieren Höhenunterschiede.


(http://www.scienceblogs.de/viewimg.php?w=910&h=1600&u=http://www.scienceblogs.de/sciencepicture/508437main_image_1836_1024-768.jpg)

Quelle: NASA/JPL

Gruss Bernard7
 
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 22. Juni 2011, 01:34:46
Hallo Bernard7

Dein Beitrag finde ich faszinierend, :)
hast Du einen Orginallink von der NASA zu den Bericht?

mit fragenden Grüßen
Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Bernard7 am 22. Juni 2011, 08:11:15
Hallo Gertrud ,

leider, leider habe ich keinen Orginallink von der NASA zu den Bericht.


Mit besten Wünschen Bernard7
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: STS-125 am 22. Juni 2011, 13:46:21
Hallo,

ich habe mal etwas gesucht, und bei der NASA folgendes gefunden:

http://www.nasa.gov/multimedia/imagegallery/image_feature_1836.html (http://www.nasa.gov/multimedia/imagegallery/image_feature_1836.html)

mfg STS-125
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 22. Juni 2011, 20:11:01
Hallo STS-125
 
Danke dafür. :)

Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: redmoon am 06. Oktober 2011, 20:13:14
Hallo,

mit Hilfe der Daten der Raumsonde Venus Express konnten Wissenschaftler jetzt eine schwache Ozonschicht in der Venusatmosphäre nachweisen. Die Ozonschicht, welche sich in einer Höhe von rund 100 Kilometern befindet, ist allerdings etwa 1.000 mal dünner als die Ozonschicht der Erde.

Die Entdeckung wurde heute im Rahmen des gerade in Frankreich stattfindenden EPSC-DPS Joint Meeting 2011, einem internationalen Kongress, bekanntgegeben. Hier die Pressemitteilung : 
http://www.europlanet-eu.org/outreach/index.php?option=com_content&task=view&id=357&Itemid=41 (http://www.europlanet-eu.org/outreach/index.php?option=com_content&task=view&id=357&Itemid=41)

Und die Meldung auf der ESA-Seite : 
http://sci.esa.int/science-e/www/object/index.cfm?fobjectid=49412 (http://sci.esa.int/science-e/www/object/index.cfm?fobjectid=49412) 

Schöne Grüße aus Nantes - Mirko
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Olli am 06. Oktober 2011, 20:28:52
Hallo,

[...] Wissenschaftler jetzt eine schwache Ozonschicht in der Venusatmosphäre nachweisen. [...]

die Messmethode hierzu ist interessant. Es wurde das Licht eines fernen Sterns, dessen Spektrum bekannt war, durch die Atmosphäre mit dem Instrument SPICAV an Bord von Venus Express analysiert. Dabei sind die typischen Absorptionslinien im Ultravioletten nachgewiesen werden.

Ich habe bisher noch keine Angaben zu den Absorptionsbanden gefunden, vermute hier jedoch das Hartley-Band mit einem Absorptionsmaximum bei 255 nm.

@Mirko: Ist in Nantes etwas zu den Absorptionsbändern gesagt worden?

Beste Grüße
Olli
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: redmoon am 06. Oktober 2011, 21:16:49
Hallo Olli,

für den Kongress wurden insgesamt über 1.200 Abstracts für mündliche Präsentationen eingereicht. Das bedeutet, dass hier teilweise normalerweise fünf verschiedene Talks gleichzeitig laufen. Bei dem Vortrag über das Venus-Ozon war ich deshalb leider nicht anwesend ( Kometen und Asteroiden sind ja schließlich auch spannend... ).

Aber ich habe noch einmal nachgeschaut und Du liegst absolut richtig! Zitat aus dem Abstract : 

"...The ozone signature emerges as a moderate, yet distinct reduction of the atmospheric transmission between 220 and 280 nm, with a maximum around 250 nm, consistent with the Hartley band structure..."

Hier der komplette Text :  http://meetingorganizer.copernicus.org/EPSC-DPS2011/EPSC-DPS2011-220.pdf (http://meetingorganizer.copernicus.org/EPSC-DPS2011/EPSC-DPS2011-220.pdf)  ( engl. )

Schöne Grüße aus Nantes - Mirko
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: STS-125 am 06. Oktober 2011, 21:21:34
Hallo,

auch im Portal gibt es einige Infos zum Thema: http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/06102011211858.shtml (http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/06102011211858.shtml)

Gruß, Simon
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Olli am 07. Oktober 2011, 09:34:23
Hallo Mirko,

Aber ich habe noch einmal nachgeschaut und Du liegst absolut richtig! Zitat aus dem Abstract : 

"...The ozone signature emerges as a moderate, yet distinct reduction of the atmospheric transmission between 220 and 280 nm, with a maximum around 250 nm, consistent with the Hartley band structure..."

danke für die Bestätigung der Vermutung :)

Grüße
Olli
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 10. Februar 2012, 20:31:20
Hallo Zusammen,

mit einer  Analyse der Sondendaten haben die deutschen, französischen und italienischen Forscher herausgefunden,
das sich die Drehrate der Venus seit der präzisen Vermessung durch der Magellan -Sonde verändert hat.
In den letzten 16 Jahren scheinen die Tage auf der Venus im Durchschnitt um 6,5 Minuten länger zu dauern.
Die Forscher vermuten als mögliche Erklärung dafür den langfristigen Wetterzyklen in der extrem dichten Atmosphäre.

Die Forscher um Nils Müller von der Universität Münster und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt analysierten die Beobachtungsdaten der Venus Express Sonde, welche die Venus seit 2006 umkreist.
Mit dem Infrarotspektrometer VIRTIS kann die Sonde die dichte Gashülle durchdringen.

Bei dem Abgleich der Daten der beiden Sonden haben die Forscher entdeckt,
das die markante Oberflächenstrukturen nicht in der erwartenden Position zu finden waren.
Sie ermittelten das sich der Standort diese Strukturen bis zu 20 Kilometer verschoben hatten.
Der Unterschied zu den Magellan-Daten entspricht eine größere Tageslänge von 6,5 Minuten
 als der Wert von  243,0185 Erdtagen, die Länge eines Tages auf der Venus, der nach den Magellan-Daten berechnet worden war.

Mit diesen detaillierten Messungen von der  Venus Express Sonde wollen die Wissenschaftlern festzustellen,
ob die Venus über einen festen oder flüssigen Kern verfügt.
Für die Planung künftiger Missionen ist es sehr wichtig,
den genauen Wert der Venus- Rotation zu kennen.
 
Die Topographische Karten von Magellan und Venus Express zeigen deutlich die Verschiebung der Oberflächenmerkmale
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035833.jpg)
Credits: NASA / JPL / Magellan / P. Ford / ESA / Venus Express / P. Drossart / G. Piccioni
http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035834.jpg (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035834.jpg)

Quelle:
http://www.esa.int/esaCP/SEM0TLSXXXG_index_0.html (http://www.esa.int/esaCP/SEM0TLSXXXG_index_0.html)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: einsteinturm am 11. Februar 2012, 08:06:28
Also 6,5 Minuten sind schon sensationell, hat man sich vielleicht füher vermessen ? :o Wenn man die Rotation beeinflussen könnte, zB um 6,5 Minuten pro Jahr beschleunigen, dann könnte man ja beim Terraforming auch irgendwann einen normalen Tag erzeugen ::)

Ich dachte immer die Rotation eines Planeten ändert sich im Rahmen von millionstel Sekunden pro Jahrtausende.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: marslady am 23. Mai 2012, 23:11:59
Venus Express hat Daten geliefert, die Hinweise geben, das das zerklüftete Hochland der Venus  aus geochemisch anderem Felsengestein besteht, als die Basalt -Felsen der Vulkanischen Ebenen.  Diese Daten untermauern die Idee, das die Venus vor Äonen auch einmal Erdähnlich war, da zur Enstehung dieses Felsengestein  eigendlich Wasser benötigt wird....
Radar Picture der Venus:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035832.jpg)   
Picture Credits : Nasa/JPL/USGS

http://www.astrobio.net/pressrelease/4773/new-clues-about-venus (http://www.astrobio.net/pressrelease/4773/new-clues-about-venus)     

Mfg Marslady   

Edit: Quelle noch in den eigentlichen Beitrag eingefügt - Olli     
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: marslady am 14. Juni 2012, 19:42:29
Eine neue Studie meines Lieblingswissenschaftlers Professor Chandra Wickramasinghe (Buckingham Centre for Astrobiology ) : Es könnte durchaus möglich sein, das beim letzten Venustransit Mikroben aus den äusseren Atmosphärenschichten der Venus ( die Temperaturen und der Wassergehalt dieser Wolkenschichten sind durchaus lebensfreundlich ) mit dem Sonnenwind auf die Erde gelangt sind.....Interessanter Artikel !  Mfg Marslady   http://www.buckingham.ac.uk/wp-content/uploads/2011/09/Venus-transit.pdf (http://www.buckingham.ac.uk/wp-content/uploads/2011/09/Venus-transit.pdf)    http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2012/06/astrobiologe-mikroben-von-der-venus.html (http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2012/06/astrobiologe-mikroben-von-der-venus.html)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: STS-125 am 02. Oktober 2012, 15:24:26
Hallo,

Venus Express hat eine seltsame Schicht in der Atmosphäre der Venus gefunden, in der es möglicherweise Eis gibt.

Mehr dazu im Portal: Eine seltsame Schicht in der Venusatmosphäre (http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/02102012152248.shtml)

Gruß, Simon
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: NCC1701 am 02. Oktober 2012, 23:10:49
Danke STS-125
wir haben die Venus Atmosphäre immer noch nicht verstanden.

Deswegen sind Roboter wie "Venus Express" absolut wichtig!

Da wird nicht nur nach 10 Wochen etwas gefunden, manchmal dauert das einfach auch einige Jahre.

Faszinierend...
NCC1701
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: STS-125 am 05. Oktober 2012, 14:13:40
Der Raumzeit-Podcast beschäftigt sich in seiner neuesten Ausgabe RZ047 Die Venus (http://raumzeit-podcast.de/2012/10/05/rz047-die-venus/) mit unserem inneren Nachbarplaneten.

Gruß, Simon
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: STS-125 am 09. Oktober 2012, 02:03:00

Dieses Bild der Wolkenschicht der Venus wurde am 8. Dezember 2011 aus einer Entfernung von 30000 km von der europäischen Sonde Venus Express aufgenommen.

Wie man gut erkennen kann, gibt es auf der Venus im Gegensatz zur Erde nicht viele kleine Wolken, sondern eine ca. 20 km dicke Wolkenschicht aus Kohlenstoffdioxid und Schwefeldioxid.

Quelle: http://www.esa.int/esaSC/SEMR1EFRI7H_index_0.html (http://www.esa.int/esaSC/SEMR1EFRI7H_index_0.html)

Gruß, Simon
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: redmoon am 30. Januar 2013, 15:07:02
Hallo,

bedingt durch einen extrem schwach ausfallenden Sonnenwind kann die Ionosphäre der Venus eine kometenartige Gestalt annehmen und sich über mehrere Tausend, vielleicht sogar Millionen von Kilometern ins All ausdehnen. Eventuell können dabei sogar Teilchen der Venusatmosphäre bis in Erdnähe gelangen. Mehr dazu auf unserer Portalseite : 
http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/30012013145756.shtml (http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/30012013145756.shtml) 

Schöne Grüße aus Hamburg - Mirko
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: HausD am 21. März 2013, 08:20:21
Venus-Karte

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035831.jpg)

Diese Venus-Karte ist von einem User instml des NovKos-Forums veröffentlicht worden.
Er schreibt u. a.:
 For now, it's available only in reduced (50% of original size) and splitted jpg versions (61% and 80% of original size), mainly due to Picassa size limitations.
 If someone wants full PDF version of the map (~100 MB), send me a message (via UMSF message system or email).
 I will be glad for any constructive criticism and informations about errors.


... zum Nachlesen bei: http://novosti-kosmonavtiki.ru/forum/messages/forum11/topic9383/message1046973/#message1046973 (http://novosti-kosmonavtiki.ru/forum/messages/forum11/topic9383/message1046973/#message1046973)
und bei :
http://www.unmannedspaceflight.com/index.php?showtopic=7276&view=findpost&p=199077 (http://www.unmannedspaceflight.com/index.php?showtopic=7276&view=findpost&p=199077)

Gruß, HausD
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: websquid am 21. Juni 2013, 13:06:21
Die Venus-Atmosphäre beschleunigt sich.

Als Venus Express ankam, hatten die Winde in der Hochatmosphäre (etwa 70km hoch, rund um den Äquator) eine Geschwindigkeit von 300km/h. Mittlerweile ist man bei 400km/h angekommen.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035830.jpg)
Verstanden ist diese Beschleunigung wohl noch gar nicht...

http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/Venus_Express/The_fast_winds_of_Venus_are_getting_faster (http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/Venus_Express/The_fast_winds_of_Venus_are_getting_faster)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 14. Oktober 2013, 23:30:07
Hallo Zusammen,
dieses ultraviolettes Bild mit Wolkenmuster von der Venus hat Anthony Wesley am 12.10.2013 aufgenommen.
http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035829.jpg (http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up035829.jpg)
Quelle:
http://www.acquerra.com.au/astro/gallery/venus/index.live (http://www.acquerra.com.au/astro/gallery/venus/index.live)
http://www.acquerra.com.au/astro/gallery/venus/ (http://www.acquerra.com.au/astro/gallery/venus/)
Da bin ich einfach sehr unsicher, ob ich das Bild zeigen dürfte habe ich aus urheberrechtlichen Gründen an Stelle eines Bildes nur den Link reingesetzt.

Mit den besten Grüßen
Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 26. Februar 2014, 12:56:36
Hallo Zusammen,

Forscher finden Planetgroße  Weltraumwetter- Explosionen bei der Venus.

Die riesigen Störungen werden Hot Flow Anomalien genannt. Die Venus hat nur die Ionosphäre, die äußere Schicht der Atmosphäre, als Schutz vor dem Sonnenwind. Sie ist nicht durch eine Magnetosphäre, über die die Erde verfügt, geschützt. Die Forscher entdeckten durch die Beobachtungen mit dem Venus Express der ESA, dass der Sonnenwind eine größere Auswirkung durch die fehlende Magnetosphäre auf die Venus hat. Die Ergebnisse zeigen, wie groß und häufig diese Art von Weltraumwetter auf die Venus einwirkt. Es besteht ein empfindlicher Druckausgleich zwischen der Ionosphäre und dem Sonnenwind. Das Gleichgewicht ist durch den Ansturm der Hot Flow Anomaliengestört. Die  Hot Flow Anomalien können so dramatisch sein, das möglicherweise die  Ionosphäre nach oben und weg von der Oberfläche des Planeten gesaugt wird.
 
 Bild-Kredit: NASA

Quelle:
http://www.nasa.gov/content/goddard/planet-sized-space-weather-explosions-at-venus/ (http://www.nasa.gov/content/goddard/planet-sized-space-weather-explosions-at-venus/)

Dazu auch der etwas ältere Bericht von @redmoon.
Ein kometenartiger Plasmaschweif bei der Venus (http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/30012013145756.shtml)

Mit den besten Grüßen
Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Duc-Lo am 18. September 2014, 20:55:07
Hallo,
Ich habe heute auf dem Weg zur Schule etwas am Himmel gesehen. Es ist so gegen 6-7 Uhr morgens. Ein sehr heller Punkt. Heller als alle Sterne die ich jemals gesehen habe. Da frage ich mich ist das ein Morgenstern? Also anders interpretiert, ist das der Planet Venus?

Gruß
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: SFF-TWRiker am 18. September 2014, 21:56:11
Hallo Duc-Lo!

Laut Kosmos Himmelsjahr erfolgt der Aufgang der Venus am 15.9. um 5h54 MESZ und am 30.9. um 6h39 MESZ. Sie hat -3,9m ist also rund 2,5m oder 10* heller als Sirius. Am 5./6.9. war die Venus nur 0.8° von Regulus (alpha leonis) entfernt. Sie ist z.Z. nur 10" klein, aber voll beleuchtet.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Duc-Lo am 19. September 2014, 14:05:04
Hallo Duc-Lo!

Laut Kosmos Himmelsjahr erfolgt der Aufgang der Venus am 15.9. um 5h54 MESZ und am 30.9. um 6h39 MESZ. Sie hat -3,9m ist also rund 2,5m oder 10* heller als Sirius. Am 5./6.9. war die Venus nur 0.8° von Regulus (alpha leonis) entfernt. Sie ist z.Z. nur 10" klein, aber voll beleuchtet.

Hallo,
Genau an der Zeit habe ich der Venus gesehen . Also zwischen 6:12 und 6:20. Beudeuted das für mich, dass ich der Venus gesehen habe?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: -eumel- am 19. September 2014, 14:32:41
Genau! :D
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: fl67 am 19. September 2014, 14:36:15
Hallo,
Genau an der Zeit habe ich der Venus gesehen . Also zwischen 6:12 und 6:20. Beudeuted das für mich, dass ich der Venus gesehen habe?

Wenn es ungefähr so aussah wie im Bild in diesem Link  http://www.sternenhimmel-aktuell.de/Venus-aktuell.htm (http://www.sternenhimmel-aktuell.de/Venus-aktuell.htm),
und im Osten war, dann war es vielleicht die Venus. Um 6:00 Uhr steht sie aber noch sehr dicht am Horizont.
Vielleicht hast du auch den Jupiter gesehen, der ist auch ziemlich hell (-1.8m), und zu der Zeit schon höher am Himmel.

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Duc-Lo am 19. September 2014, 14:46:40
Wenn es ungefähr so aussah wie im Bild in diesem Link  http://www.sternenhimmel-aktuell.de/Venus-aktuell.htm (http://www.sternenhimmel-aktuell.de/Venus-aktuell.htm),
und im Osten war, dann war es vielleicht die Venus. Um 6:00 Uhr steht sie aber noch sehr dicht am Horizont.
Vielleicht hast du auch den Jupiter gesehen, der ist auch ziemlich hell (-1.8m), und zu der Zeit schon höher am Himmel.

Hallo,
Ich habe es überprüft. Ich habe es im Osten gesehen. Aber leider war der heller Punkt höher als im Bild auf deiner angegebene Webseite. Also viel höher als der Venus.  Es war ungefähr so hoch wie der Planet Jupiter. Ich glaube ich habe es um 6:20 Uhr gesehen. Ist der Venus noch um 6:20 Uhr da ? Leider konnte ich kein Foto machen, denn ich musste zur Schule. Ist es möglich, dass ich um 6:20 Uhr den Jupiter gesehen habe? Denn vieles passt ja. Denke ich. Das wäre wirklich klasse falls ich den Jupiter ohne Teleskop gesehen habe.  :D

Gruß
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: fl67 am 19. September 2014, 14:49:33
Das Bild zeigt wie es ungefähr um 6:00 Uhr aussieht. Um 6:20 Uhr sind Venus und Jupiter beide ein kleines Stückchen höher gewandert  (durch die Erddrehung).
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: SFF-TWRiker am 19. September 2014, 15:19:26
Hallo Duc-Lo,
den Helligkeitsunterschied zwischen Jupiter mit z.Z. -1,8mag und Sirius mit -1,5 wird nur ein einigermaßen geübter Hobby-Astronom sehen.
Die hellsten Sterne, die in der nördlichen Hemisphere zu sehen sind, sind
nach Sirius
Canopus (aCar) -0,7mag, Arktur (aBoo) und Wega (aLyr) mit 0,0mag
Capella, Rigel, Prokyon, Achernar, Betelgeuze, Atair und Aldebaran (0,1 bis 0,9mag)
Die Planeten Merkur, Venus (die Venus!), Mars, Jupiter und Saturn (0,1 bis 0,6mag) sind mit bloßen Auge sehr gut zu sehen, wenn man weiss, wo sie stehen. (Am 25.10. bedeckt der Mond 2 Tage nach Neumond den Saturn ab 17:20 MEZ, Fernglas+Stativ genügen.)
Uranus kann man bei 5,7mag theoretisch in lichtarmen Gebieten (Brandenburg oder hessischer Vogelsberg) sehen. Dieser ist in einigen Sternkarten eingezeichnet, die vor der Erfindung des Fernrohrs gezeichnet wurden.
Nachweislich gab es auch Menschen, die die galileischen Monde sehen konnten (diese sagten an, welche links/rechts von Jupiter standen, was dann mit Fernrohr überprüft wurde. Ebenso gab es Naturvölker, die sagten, dass der Jupiter "tanzende Kinder" hat, oder so ähnlich).
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Duc-Lo am 19. September 2014, 15:29:10
Hallo Duc-Lo,
den Helligkeitsunterschied zwischen Jupiter mit z.Z. -1,8mag und Sirius mit -1,5 wird nur ein einigermaßen geübter Hobby-Astronom sehen.
Die hellsten Sterne, die in der nördlichen Hemisphere zu sehen sind, sind
nach Sirius
Hallo,
Das heißt ich habe Sirius gesehen nicht Jupiter? Am Himmel sah ich keine andere Sterne nur einen großen weißen Punkt. Ihre Position ist genauso wei bei der Jupiter. Also der Himmel ist Sternenklar.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: SFF-TWRiker am 19. September 2014, 18:52:39
Hallo Duc-Lo,

das Sternbild Orion kennst Du sicher und "links darunter" ist Sirius.
Ich habe Sirius und Jupiter nur wegen der ähnlichen Helligkeit verglichen.
Der Jupiter ist im Sternbild Krebs und wandert zum Sternbild Löwe und da zum  Regulus (aLeo, 1,3m), der auf dem Foto das dritthellste Licht sein dürfte.
Morgen, am Samstag wirst Du wohl nicht früh aufstehen. Da ist der Mond nahe (ca 6° oder 12 scheinbare Monddurchmesser) beim Jupiter.
Die Venus ist aber noch mal deutlich heller.

In Großstädten sieht man leider  :-[ nachts nur wenige Hundert Sterne, während es in Kleinstädten gut Tausend und in ländlichen, abgelegenen Gebieten ein paar Tausend Sterne sind.
Du könntest ja mal versuchen, den Andromedanebel (M31) mit 4,9mag (unter Cassiopeia, dem Himmels-W) mit bloßen Augen zu finden. Da er nicht nahe am Horizont ist, dürfte Streulicht nicht sehr stören. Dieser ist rund 300* lichtschwächer als Sirius bzw Jupiter.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Duc-Lo am 20. September 2014, 16:25:54
In Großstädten sieht man leider  :-[ nachts nur wenige Hundert Sterne, während es in Kleinstädten gut Tausend und in ländlichen, abgelegenen Gebieten ein paar Tausend Sterne sind.

Hallo,
Es liegt wohl vielleicht an den Smog oder an den Strassenlaternen. Aber bei ländlichen Gegend sieht man wirklich tausende von Sternen. Da möchte man nur noch in den Himmel gucken und sonst nirgendwo hin.  ;)

Gruß
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Nepsiuh am 30. März 2015, 09:19:07
Hallo Zusammen,
ich habe eine Frage in Bezug auf Venusrotation. Kennt jemand Informationsquellen, abgesehen von der WiKi, die das Thema behandeln?

In früheren Diskussionen mit meinen damaligen Professoren und Kommilitonen war am Ende ein Gedanke dominierend: der Venus soll früher ein Riese gewesen sein, verlor aber rasch wegen der Nähe zur Sonne seine Gashülle und dadurch einen ordentlichen Teil  zur Zusammensetzung der Erdatmosphäre geleistet hat. Die Masse der Gashülle muss immens gewesen sein, wenn man betrachtet wie wenig Eigedrehimpuls der Venus jetzt hat. Ein geringer Eigendrehimpulses von Merkur scheint diese These nur zu stützen, wenn man annimmt, dass er ebenfalls ein Gas-Riese gewesen war. Ein weiteres Argumentationsglied in dieser Kette ist die Anzahl der entdeckten Hot-Jupiters in den letzten 10 Jahren. Mir ist aber die  machbare marginale Entdeckbarkeit der leichteren weiter von dem Zentralgestirn entfernteren Planeten bewusst.

Interessant finde ich einen der Zwischengedanken bei diesen Überlegungen, es gibt sicherlich ein plausibler Zusammenhang, zwischen dem Restdrehimpuls, der Verlustrate der Atmosphäre, der aktuellen und der Ursprünglichen Masse des Planeten. So dass man eine Evolutionsstudie betreiben kann.

Kennt jemand Studien, wiessenschaftliche Veröffentlichung oder Forschungsprojekte in diese Richtung. Ein Hinweis auf ein Leienartickel in der Presse würde ich ebenfalls gerne sehen.

Mit allerbesten Grüßen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: blackman am 30. März 2015, 09:26:57
Ein ziemlich interessanter Gedanken.  ::) Würde auch zum Teil die extremen Bedingungen der Venus erklären.

Kurz zum Thema Merkur: Ich denke über die Jahrmilliarden hat der Merkur aufgrund der nähe zum Zentralgestirn (Sonne) an Rotationsenergie verloren und somit schon fast eine gebundene Rotation eingenommen. Ähnlich wie Erde->Mond. Da halte ich eine Gashülle für nicht wahrscheinlich.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Nepsiuh am 30. März 2015, 09:44:18
Hallo Blackman,

du warst aber schnell!

Mir ist gerade ebenfalls dieser Argument eingefallen. Als Gegenargument galt dammals, die scheinbar noch nicht erklärte und höher als erwartete Dichte des Merkurs. Eine der Begründungen - Merkur war Frühere ein Gas-Riese.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Liftboy am 30. März 2015, 10:33:16
Ist die Entdeckung von derart vielen Hot-Jupiters nicht unter Umständen eher ein Gegenargument zu der Hypthese, die Venus war selber einmal ein Gasriese? Denn die ganzen anderen (teilweise sehr viel näheren) Gasriesen haben ja ihre Hülle noch. Eine direkte Aussage über den die Größe des Verlusts der Atmosphäre pro Zeiteinheit macht das zwar nicht, es scheint mir aber erstmal die These nicht zu untermauern :)

Auch passt es glaub ich bei den Planetenentstehungsmodellen besser, wenn die Venus (und Merkur) keine Gasriese waren. Das Gasriesen nah an der Sonne enstehen ist eher unwahrscheinlich, und wenn doch, wäre wohl nicht viel Material für die Erde übrig geblieben. Wenn sie von außen nach innen gewandert sind, wäre dabei wohl in sehr vielen Fällen die Erde aus ihrer Umlaufbahn gekickt worden. In beiden Varianten gäbe es uns nicht.

Ein Ansatz für die Hohe Dichte von Merkur ist eine Kollision in der Entstehungsphase mit einem anderen Planetesimal, bei dem er ein Teil seiner äußeren Schicht verloren hat. Solche Kollisionen hat es damals vermutlich einige gegeben, unser Mond soll ja auf ähnliche Weise entstanden sein. Ich glaub in der Entstehungsphase der inneren Planeten war hier noch mehr Action :D
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Ruhri am 30. März 2015, 10:34:29
Müsste das nicht genau umgekehrt laufen? Große Sterne stoßen, wenn sie zur Supernova werden, einen großen Teil ihrer Gashülle ab. Der entstehende Neutronenstern rotiert danach um einiges schneller als der ursprüngliche Stern.

Wieso sollte es also bei Venus und Merkur umgekehrt gelaufen sein? ???
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: blackman am 30. März 2015, 10:44:32
Müsste das nicht genau umgekehrt laufen? Große Sterne stoßen, wenn sie zur Supernova werden, einen großen Teil ihrer Gashülle ab. Der entstehende Neutronenstern rotiert danach um einiges schneller als der ursprüngliche Stern.

Wieso sollte es also bei Venus und Merkur umgekehrt gelaufen sein? ???

Wir reden nicht von Sternen die in einer Supernova enden sondern von vielleicht der Venus die ein ehemaliger Hot Jupiter gewesen sein könnte. Und durch den Sonnenwind könnte die Hülle verloren gegangen sein.


Ist die Entdeckung von derart vielen Hot-Jupiters nicht unter Umständen eher ein Gegenargument zu der Hypthese, die Venus war selber einmal ein Gasriese? Denn die ganzen anderen (teilweise sehr viel näheren) Gasriesen haben ja ihre Hülle noch. Eine direkte Aussage über den die Größe des Verlusts der Atmosphäre pro Zeiteinheit macht das zwar nicht, es scheint mir aber erstmal die These nicht zu untermauern :)

Auch passt es glaub ich bei den Planetenentstehungsmodellen besser, wenn die Venus (und Merkur) keine Gasriese waren. Das Gasriesen nah an der Sonne enstehen ist eher unwahrscheinlich, und wenn doch, wäre wohl nicht viel Material für die Erde übrig geblieben. Wenn sie von außen nach innen gewandert sind, wäre dabei wohl in sehr vielen Fällen die Erde aus ihrer Umlaufbahn gekickt worden. In beiden Varianten gäbe es uns nicht.

Ein Ansatz für die Hohe Dichte von Merkur ist eine Kollision in der Entstehungsphase mit einem anderen Planetesimal, bei dem er ein Teil seiner äußeren Schicht verloren hat. Solche Kollisionen hat es damals vermutlich einige gegeben, unser Mond soll ja auf ähnliche Weise entstanden sein. Ich glaub in der Entstehungsphase der inneren Planeten war hier noch mehr Action :D

Wir haben nur so viele Entdeckt weil sie sehr leicht zu entdecken sind (größe). Bestimmt gibt es genau so viele Venus-Planeten wie Hot Jupiters. Zudem schauen wir durch die Entfernungen in die Vergangenheit. Wenn auch nicht viel.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Liftboy am 30. März 2015, 10:53:23
Wir reden nicht von Sternen die in einer Supernova enden sondern von vielleicht der Venus die ein ehemaliger Hot Jupiter gewesen sein könnte. Und durch den Sonnenwind könnte die Hülle verloren gegangen sein.

Die Frage ist trotzdem ersteinmal berechtigt. In beiden Fällen geht Masse verloren, in dem einen Fall bleibt ein großer Teil des Drehimpulses bei der verbliebenen Masse, die sich deswegen schneller dreht. Bei der Venus soll es nun genau andersherum gelaufen sein, d.h. ein großer Teil des Drehimpulses ist mit der Atmosphäre verloren gegangen - sogar ein ziemlich großer Teil, so dass der verbliebene Rest sich sehr langsam dreht. Das müsste man erstmal erklären können.

Nachtrag: Nagut, ganz passend doch nicht. Neutronensterne rotieren ja schnell, weil sich die Materie verdichtet hat ("Arme anziehen"), trotz der Gashüllen die abgestoßen wurden.
Bleibt trotzdem die Frage, warum in diesem Fall Drehimpuls nach außen aus dem (Venus-)System heraustransportiert worden sein soll - soviel, dass sich die aktuelle Rotation erklären lässt.


Wir haben nur so viele Entdeckt weil sie sehr leicht zu entdecken sind (größe). Bestimmt gibt es genau so viele Venus-Planeten wie Hot Jupiters. Zudem schauen wir durch die Entfernungen in die Vergangenheit. Wenn auch nicht viel.

Ja, aber darum geht es mir gar nicht. Nur hier wurde die Hypothese aufgestellt, die Venus hätte extrem viel Masse (Atmosphöre) verloren. 80%? 90%? Mehr? Wenn sie mal ein Gasriese gewesen sein sollte. Nun haben wir aber schon viele Beispiele von Gasriesen gefunden, die extrem viel näher an ihrem Gestirn sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit viel mehr "Sonnenwind" abkriegen und trotzdem immernoch Gasriesen sind.
Auch hier wieder: Warum sollte das bei der Venus anders abgelaufen sein?

Ich sage nicht, dass es nicht möglich sein könnte (dafür kenn ich mich viel zu wenig mit der Thematik aus), mir erscheint es aber erstmal sehr unwahrscheinlich. Es scheint bessere Erklärungen zu geben, als dass Venus und Merkur mal Gasriesen waren.

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: blackman am 30. März 2015, 11:01:39
Wir reden nicht von Sternen die in einer Supernova enden sondern von vielleicht der Venus die ein ehemaliger Hot Jupiter gewesen sein könnte. Und durch den Sonnenwind könnte die Hülle verloren gegangen sein.

Die Frage ist trotzdem ersteinmal berechtigt. In beiden Fällen geht Masse verloren, in dem einen Fall bleibt ein großer Teil des Drehimpulses bei der verbliebenen Masse, die sich deswegen schneller dreht. Bei der Venus soll es nun genau andersherum gelaufen sein, d.h. ein großer Teil des Drehimpulses ist mit der Atmosphäre verloren gegangen - sogar ein ziemlich großer Teil, so dass der verbliebene Rest sich sehr langsam dreht. Das müsste man erstmal erklären können.


Wir haben nur so viele Entdeckt weil sie sehr leicht zu entdecken sind (größe). Bestimmt gibt es genau so viele Venus-Planeten wie Hot Jupiters. Zudem schauen wir durch die Entfernungen in die Vergangenheit. Wenn auch nicht viel.

Ja, aber darum geht es mir gar nicht. Nur hier wurde die Hypothese aufgestellt, die Venus hätte extrem viel Masse (Atmosphöre) verloren. 80%? 90%? Mehr? Wenn sie mal ein Gasriese gewesen sein sollte. Nun haben wir aber schon viele Beispiele von Gasriesen gefunden, die extrem viel näher an ihrem Gestirn sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit viel mehr "Sonnenwind" abkriegen und trotzdem immernoch Gasriesen sind.
Auch hier wieder: Warum sollte das bei der Venus anders abgelaufen sein?

Ich sage nicht, dass es nicht möglich sein könnte (dafür kenn ich mich viel zu wenig mit der Thematik aus), mir erscheint es aber erstmal sehr unwahrscheinlich. Es scheint bessere Erklärungen zu geben, als dass Venus und Merkur mal Gasriesen waren.

Okay.. Zum ersteren. Bei einer Supernova geschieht das in Sekundenbruchteile. Bedeutet die Kraft mit der sich die Sonne bewegt hat reicht nun für eine höhere Rotationsgeschwindigkeit.
Bei einem Hot Jupiter wird durch den Sonnenwind die Gashülle über Jahrmillionen abgetragen. Durch die nähe des Planeten wird allmählich eine gebundene Rotation erreicht.

Zum zweiteren. Ich gehe davon aus das diese Hot Jupiters die wir gefunden haben erst kürzlich so nah an ihren Stern gerückt sind. Die die ebenfalls so lange wie die Venus nah sind finden wir nur nicht mit den derzeitigen Teleskopen. Ist aber nur eine Vermutung. Da kann genauso gut deine These stimmen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Nepsiuh am 30. März 2015, 11:50:50
Das müsste man erstmal erklären können.

Drehimpulserhaltung. Nemen Sie Hanteln in die Hände, Setzten Sie sich auf ein Drehstuhl und halten Sie die Hanteln an die Brust. Lassen Sie sich von einer vertrauenswürdigen Person in Rotation versetzten. Merken Sie sich die Drehgeschwindigkeit, bringen Sie die Hände mit den Hanteln nach Aussen - Sie werden langsamer, lassen Sie die Hanteln los (und versuchen Sie dabei die Person ihres Vertrauens zu treffen). Sie sind immer noch langsamer, als mit den hanteln an der Brust.

Sie sind der Venus , Hanteln sind die Masse Ihrer Gashülle.

Ein Nebeneffekt, der Beobacher wird diese Erfahrung ebenfalls nicht vergessen.

Nachtrag.

jetzt mal im Ernst, ich dachte, dass das keine Frage sein wird, weil es mir so klar erscheint. Das mit den Hanteln kann genau so gut zur Erklärung des schnelleren Drehens eines Neutronensterns oder des weisen Zwergs heranziehn. In dem Fall erfolgt aber relativ wenig Drehimpulsverlust, weil ein großer Massenteil dem Ursprungskörper erhalten bleibt - er wird nur kleiner, also rotiert auch schneller.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Liftboy am 30. März 2015, 15:10:04
Das mit den Hanteln etc ist mir schon bewusst, hab ich selber auch schon ausprobiert.

Ich bestreite nicht, dass ich nicht dennoch einen Gedankenknick haben könnte, ich schreibs nochmal ausführlicher, dann kannst du mir meinen Fehler nochmal erklären.

Bei der Person, die die Hanteln in der Hand hält und die Arme austreckt/anzieht handelt, betrachten wir ein geschlossenes System, der Gesamtdrehimpuls ist konstant.
Bei der Venus mit ihrer Atmosphäre ersteinmal auch. Wenn sich die Atmosphäre einfach so ausdehnen würde, oder sie sogar abstoßen würde, würde sie (bzw der Kern) langsamer werden.

Der Verlust soll nun aber durch den Sonnenwind passieren, d.h. damit die Teilchen der Atmosphäre verloren gehen, wird von außen Energie (und auch Impuls?) in das System eingeführt, was als Folge eben den Verlust der Atmosphärenschichten hat.  Beim Verlieren der Atmosphäre würde dann (in meiner Logik) nicht Drehimpuls des verbliebenen Kerns "genommen" werden (der dann langsamer wird), sondern eben von den Teilchen des Sonnenwindes.

Schmeiß ich hier zuviel in einen Topf?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Nepsiuh am 30. März 2015, 16:16:39
Jetzt verstehe ich dein Hacken etwas besser.

Bei dem Betrachten hat die Venus die Atmosphäre quasi aus eigener Kraft abgegeben. Die Energie dafür hat sie natürlich von der Sonne. Aber ob der Sonnenwind, oder Strahlung ist in dem Fall nicht von Bedeutung. Also bei der Betrachtung ist die Gashülle nicht etwa durch das "Wegblasen"  verloren gegangen, sondern durch die Aufwärmung und mehr oder weniger thermodynamische Prozesse: Die Gashülle wird warm und wärmer, dähnt sich weiter aus, die äusseren Schichten müssen weniger Schwerkraft überwinden, die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Gasteilchen von der Atmosphäre die Energie erhalten, die Ausreichend ist um die Schwerklraft des Planeten zu verlassen, steigt und ist insbesondere für leichtere Gase hoch. Und die, die es am Schluss schaffen, nehmen eben den Drehimpuls mit. Der Planet dreht sich langsamer.

Bei der Betrachtung haben wir uns, glaube ich, an die Cosinusverteilung um die Normale zur Planetenoberfläche orientiert für den Fall des Verlust des Teilchens. Bei der Energieabsorbtion wurde die Planetscheibe als absorbierende Fläche betrachtet. Das richtige "Wegblasen" wurde dadurch vernachlässigbar und das System kann so als Geschlossen betrachtet werden, so dass die Energiequelle nicht ausschlaggebened für die Richtung des Impulsverlustes wurde. Kann also wie Planetenintern oder eben von dem Zentralgestirn stammen.

Ich bin mir der damaligen Annamen nicht mehr sicher, daher überhaupt meine Anfrage hier. Ich fand die Überlegungen interessant und habe mich einfach daran wieder erinnert. Genau das interessiert mich. Wurden diese Thesen den behandelt, wiederlegt oder bestätigt, oder ist da gar nichts passiert?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Lumpi am 19. Juni 2015, 12:50:17
Aktiver Vulkanismus auf der Venus?

Wissenschaftler am Max-Plack-Institut für Sonnensystemforschung konnten durch Auswertung der Daten von Venus-Express starke Hinweise auf einen aktuell bestehenden Vukanismus auf der Venus gewinnen. An 4 Stellen auf der Oberfläche hatte sich die Wärmestrahlung innerhalb weniger Tage stark verändert. Der kleinste "Hotspot" mit geschätztem Durchmesser von 1 km hatte eine Temperatur von 830°C, im Gegensatz zur Durchschnittstemperatur der Oberfläche von "nur" 480°C.  http://www.mpg.de/9282212/venus-vulkanismus?filter_order=L&research_topic= (http://www.mpg.de/9282212/venus-vulkanismus?filter_order=L&research_topic=)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: SpaceMech am 13. Januar 2016, 14:03:32
Zum Thema "Vulkanismus auf der Venus":
  hier ein älteres Radar-Bild, aufgenommen von Magellan bei einer Wellenlänge von 13 cm;
das Objekt in der Mitte der präzisen kreisförmigen Struktur ist vermutlich ein Vulkan.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up049943.jpg)
     Bild: NASA/JPL

(Das Bild ist vermutlich ein gefundenes Fressen für die Kornkreis-Spinner !!)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Leoclid am 03. Februar 2016, 23:03:25
Um noch einmal auf eine Vergangenheit der Venus als Gasplanet zurückzukommen. Wäre die Entstehung der Erde mit einem solchen Gasplaneten in unmittelbarer Nachbarschaft überhaupt möglich gewesen???

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 04. Februar 2016, 11:01:34
Die "heißen Gasplaneten" sind nicht in der aktuellen Entfernung zu ihrer Sonne entstanden, da sich die Gase nur jenseits der sog. Eisgrenze (d.h. in der Entfernung zu ihrem Zentralgestirn in der sich Wassereis-Kristalle bilden können) um ein Gravitationszentrum sammeln können und einen Planeten entstehen lassen.

Diese Gasriesen sind durch gravitative Wechselwirkung mit anderen Planeten oder andere Prozesse (z.B. Reibung in einer Gaswolke oder den Resten der protoplanetaren Scheibe) ins Innere des Systems gewandert.

Siehe bspw. hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hot_Jupiter (https://de.wikipedia.org/wiki/Hot_Jupiter)

Robert
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Ruhri am 04. Februar 2016, 12:36:03
Die Venus als langsam verdampfender Gasriese auf dem Weg ins Innere des Sonnensystems hätte aber sicherlich die Erde nicht unbeeinflusst gelassen. Müssten sich nicht von dermaßen umwälzenden Ereignissen nicht noch Spuren finden lassen?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Leoclid am 04. Februar 2016, 21:11:40
Warum ist die Atmosphäre der Venus eigentlich so dicht?
Und warum ist der CO2 Gehalt so hoch?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: bfler am 04. Februar 2016, 22:16:07
Die Venus hat kein Wasser welches durch abregnen die Atmosphäre ausgewaschen hat wie auf der Erde.
So ist eine Theorie.

mfg thomas
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Leoclid am 04. Februar 2016, 22:49:20
War von Anfang an auf der Venus kein Wasser vorhanden, bzw. ist es nie zur Ausgasung von Wasser gekommen?
Dann bräuchte man ein Modell, das erklären würde, warum Venus und Erde trotz der Tatsache, dass beide im selben Prozess entstanden sind, unterschiedlich zusammengesetzt sind.

Oder hat sich das Wasser aufgrund der geringeren Lage zur Sonne verflüchtigt?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Prodatron am 04. Februar 2016, 23:02:39
Das Wasser konnte aufgrund der größeren Hitze auf der Venus nicht kondensieren und hat sich daher nach und nach ins All verflüchtigt.
http://www.spektrum.de/news/warum-entwickelte-sich-venus-so-verschieden-von-der-erde/1195733 (http://www.spektrum.de/news/warum-entwickelte-sich-venus-so-verschieden-von-der-erde/1195733)
Ich mein auch mal irgendwo folgendes gelesen zu haben: Das Wasser auf der Venus wurde wohl durch die große Hitze/Strahlung nach und nach in H und O aufgespalten, und das H hast sich dann durch die Nähe zur Sonne (Sonnenwind, nicht genug Gravitation, ist bei der Erde nicht anders) verflüchtigt.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Leoclid am 05. Februar 2016, 11:21:31
Ok,
es gibt doch aber auch Theorien, dass früher die Venus der Erde auch in Hinblick auf die Atmosphäre geähnelt hat, das ist gut möglich, die Venus liegt am Rande der habitabeln zone, mit etwas höherem Druck als 1 bar waere flüssiges Wasser möglich.
Aber bei dem was du geschrieben hast, verstehe ich eines nicht
 Rechnet man sich den verflüchtigen Wasserdampf dazu, kommt man auf eine Atmosphäre, welche noch viel dichter ist, als die heutige. Ist das vorstellbar?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Pham am 05. Februar 2016, 14:11:14
Ok,
es gibt doch aber auch Theorien, dass früher die Venus der Erde auch in Hinblick auf die Atmosphäre geähnelt hat, das ist gut möglich, die Venus liegt am Rande der habitabeln zone, mit etwas höherem Druck als 1 bar waere flüssiges Wasser möglich.
Aber bei dem was du geschrieben hast, verstehe ich eines nicht
 Rechnet man sich den verflüchtigen Wasserdampf dazu, kommt man auf eine Atmosphäre, welche noch viel dichter ist, als die heutige. Ist das vorstellbar?
Wie unterschiedlich die Ansätze sind, die zum heutigen Zustand der venus geführt haben, kann man in diesem Forum prima nach lesen.
Da ist alles dabei zwischen ehemaliger Gasplanet (was ich für weniger wahrscheinlich halte) bis hin zu einem Zustand, an dem sich beide Planeten (Erde und venus) stark ähnelten.

Irgend ein Ereignis scheint aber statt gefunden zu haben, da die Venus auch als einziger Planet retrograd rotiert, wenn auch langsam. womöglich fand auch hier ein heftiger Impact statt, der den heutigen Drehimpuls der Venus (mit)verursachte. Während bei der Kollision der Erde mit Theia der Mond entstand, gab es dabei offensichtlich wohl keine Trümmerwolke. Oder diese ist wieder vollständig abgestürzt. Allerdings spricht die vergleichsweise perfekte Kreisbahn der Venus um die Sonne gegen solch ein Ereignis.
Soweit ich weiss, ist die Hypothese, dass der Merkur dieser (entlaufene) Mond gewesen wäre, vom Tisch.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Leoclid am 05. Februar 2016, 15:11:28
Achso, insgesamt gibt es also drei große Theorien.

1. Venus früher erdähnlich und durch Treibhauseffekt hat sich die Atmosphäre verdichtet.
2. Venus früher ein Gasplanet, der Großteil der Atmosphäre verloren hat.
3. Venusatmosphäre noch in ihrer Urform, konnte sich niemals verdünnen und lebensfreundlicher werden.

Es gibt ja die Spekulation, dass innerhalb der Venusatmosphäre Mikroben existieren. Könnte man das irgendwie mit einer Sonde untersuchen?. Bis jetzt hat man ja nur unterschiedliche Gase nachgewiesen, bzw. dunkle Flecken entdeckt, in denen Sonnenlicht absorbiert wird. Aber wie könnte man noch mehr Beweise suchen. Mit viel finanziellem Aufwand könnte man eine Sonde mit genaueren Untersuchungsgeräten in die Atmosphäre eintauchen lassen, aber die Instrumente würden wohl kaputt gehen, oder?. Gibt es in die Richtung schon Vorhaben?
Es stellt sich natürlich noch die Frage, wie man diese Lebensformen von Bakterien, die die Sonde von der Erde mitgebracht hat unterscheiden soll?. Kann man in eine Sonde ein DNA Untersuchungsgerät einbauen? Schließlich ist es höchstwahrscheinlich, dass die Kodierung des Erbguts bei den Venusbewohnern anders funktioniert als bei uns.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 05. Februar 2016, 17:04:02
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen den Planeten Venus und Erde: auf der Erde gibt es die Plattentektonik, d.h. das Verschieben und Abtauchen (Subduktion) von Bruchstücken der Erdkruste ("Platten"), die durch Konvektionsströmungen im Erdmantel angetrieben wird.

Die Plattentektonik bewirkt, dass enorme Mengen von Seeboden-Sedimenten entlang der Subduktionszonen abtauchen und in den Erdmantel verfrachtet werden. In diesen Sedimenten sind große Mengen an Karbonaten gebunden, die damit dem Meer das Kohlendioxid entziehen, wodurch es möglich wird, dass die Atmosphäre weiteres CO2 in die Ozeane abgibt.

Das ist ein Prozess, der im Laufe von vielen Millionen Jahren ein relativ stabiles Gleichgewicht erreicht hat, so dass der Kohlendioxid-Anteil in der Erdatmosphäre über lange Zeiten ziemlich konstant geblieben ist.

Ein weiterer Effekt ist, dass die Erde durch diesen Kreislauf (also sowohl durch die Mantelkonvektion als auch durch das Abtauchen und die Neubildung von Krustenmaterial) ständig kontinuierlich Wärmeenergie aus dem Inneren abgeben kann.

Auf der Venus entsteht durch die fehlende Plattentektonik eine sehr dicke Kruste, die schlecht wärmeleitend ist. Vermutlich ist das ein Grund für die relativ junge Venusoberfläche (wenige Krater), da es im Abstand von einigen hundert Millionen Jahren durch den Wärmestau im Inneren zu gewaltigen Eruptionen kommt, die große Teile der Oberfläche mit dünnflüssiger Lava fluten.

Ein weiterer Unterschied ist das Wasser, das auf der Erde dafür sorgt, dass CO2 (Stichwort saurer Regen) aus der Atmosphäre und Verwitterungsprodukte vom Land ins Meer gewaschen werden.

Der Wassermangel auf der Venus hat wahrscheinlich mehrere Gründe:

1. Die größere Sonnennähe zusammen mit dem höheren CO2-Gehalt hat die Bildung von flüssigem Wasser verhindert. Evtl. hat die Venus auch weniger Wasser aus dem Kometenregen nach dem Abschluss der Planetenbildung erhalten als die Erde.

2. Aufgrund des fehlenden Magnetfeldes ist das Wasser in der Atmosphäre durch die hohe Strahlungsintensität zerlegt worden. Der Wasserstoff ist ins All verschwunden während der Sauerstoff aufgrund der hohen Temperaturen sofort Oxide mit allen möglichen Elementen gebildet hat. Die Atmosphäre der Venus ist also vergleichsweise sauerstoffreich, aber der Sauerstoff ist halt an Kohlenstoff und Schwefel gebunden.

Warum sich auf der Venus keine Plattentektonik entwickelt hat, könnte evtl. mit dem fehlenden Mond zusammenhängen, der die Erde in der Anfangszeit ziemlich durchgeknetet und die Erdkruste immer wieder aufgebrochen hat und evtl. sogar die Ausbildung von stabilen Konvektionsströmen im Erdmantel begünstigt hat.

Die Konvektionsströme im Erdmantel erzeugen eine positive Rückkopplung, d.h. durch die starke Abkühlung an der dünnen und kalten Seebodenkruste sinkt das vorher aufgestiegene Mantelmaterial ab und hält die Zirkulation aufrecht. Da es auf der Venus keine solchen "Cold Spots" gibt, verlaufen dort die thermischen Austauschprozesse viel diffuser und deutlich weniger effektiv. Dadurch also sowohl der Wärmestau im Venusmantel, als auch das fehlende Magnetfeld.

Robert

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Prodatron am 05. Februar 2016, 19:04:54
Danke, super Betrag, rok!  :)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Martin am 06. Februar 2016, 12:12:32
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen den Planeten Venus und Erde: auf der Erde gibt es die Plattentektonik, d.h. das Verschieben und Abtauchen (Subduktion) von Bruchstücken der Erdkruste ("Platten"), die durch Konvektionsströmungen im Erdmantel angetrieben wird.

Die Plattentektonik bewirkt, dass enorme Mengen von Seeboden-Sedimenten entlang der Subduktionszonen abtauchen und in den Erdmantel verfrachtet werden. In diesen Sedimenten sind große Mengen an Karbonaten gebunden, die damit dem Meer das Kohlendioxid entziehen, wodurch es möglich wird, dass die Atmosphäre weiteres CO2 in die Ozeane abgibt.

Hallo,

die Konvektionsstroeme sind aber keine Foerderbaender, auf denen sich die Platten bewegen. Hauptantrieb fuer diese ist die Gravitation: die frische, heisse und dadurch weniger Dichte an den Mittelozeanischen Ruecken "rutscht" in beide Richtungen diese Ruecken hinab, und schiebt dabei die aeltere Kruste vor sich her. An den Subduktionszonen zieht die abtauchende Kruste den Rest der Platte nach. Diese beiden Prozesse - ridge push und slab pull^ - sind die Hauptantriebe fuer die Bewegung der Platten.

Tiefseesedimente enthalten auch kein / kaum Karbonat, sondern bestehen im wesentlichen aus Tonmineralen und anderen Silikaten. Grund hierfuer ist die calcite (bzw Aragonite) compensation depth (CCD) (https://de.wikipedia.org/wiki/Calcit-_und_Aragonit-Kompensationstiefe). Sinkt krabonatisches Mineral in den Ozeanen nach unten, loesst es sich langsam auf. Bei Aragonit geht das etwas schneller als bei Calcit^^ und haengt auch etwas von den lokalen Temperaturbedingungen ab, aber am Boden der Tiefseebecken kommt kein Karbonat mehr an. Das meiste Karbonat wird daher auf den Schelfbereichen angesammelt, welche aber noch kontinentale Kruste sind welche so gut wie nie subduziert wird, da zu leicht. Daher gibt es heute keine ozeanische Kruste, welche aelter als etwa 200 Mio Jahren ist^^^, aber kontinentale Kruste mit mehreren Milliarden Jahren Alter. 

^ Als slab bezeichnet man das abtauchende Plattenstueck, ridge ist der Ruecken

^^Aragonit und Calcit sind beide Calciumkarbonat - CaCO3 - , aber mit unterschiedlicher Kristallstruktur. Beide bauen die Skelette und Schalen vieler mariner Lebewesen auf.

^^^ es gibt obduzierte ozeanische Krustenstuecke, also Ozeanboden der durch besondere Gegebenheiten auf die kontinentale Erdkruste aufgeschoben und so erhalten wurde (bspw auf der Insel Zypern oder im Oman). Ist aber vergleichsweise selten.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 06. Februar 2016, 13:39:39
Naja,

bevor ich aus meinen alten Lehrbüchern zitiere:

 "Nach ihrem Absterben werden die meisten durch Absinken unter die Kompensationstiefe (https://de.wikipedia.org/wiki/Calcit-_und_Aragonit-Kompensationstiefe) wieder aufgelöst, aber ein Teil bleibt erhalten und bildet am Meeresboden Carbonatsedimente (https://de.wikipedia.org/wiki/Sedimente_und_Sedimentgesteine). Im Laufe der Jahrtausende wird dieser Meeresboden infolge der Plattentektonik (https://de.wikipedia.org/wiki/Plattentektonik) von den mittelozeanischen Rücken zu den Subduktionszonen (https://de.wikipedia.org/wiki/Subduktion) an den Kontinentalrändern transportiert. Dort wandert er zusammen mit der absinkenden ozeanischen Platte ins Erdinnere." (Wikipedia)


So ist es, wie du es formulierst:

"Hauptantrieb fuer diese ist die Gravitation: die frische, heisse und dadurch weniger Dichte an den Mittelozeanischen Ruecken "rutscht" in beide Richtungen diese Ruecken hinab, und schiebt dabei die aeltere Kruste vor sich her."

Und das ist das venusische Problem, es gibt keine lokale Abkühlung (ich hab das mal "cold spots" genannt), die die Konvektion unterhalb der Kruste antreibt. Daher ist die Mantelkonvektion in der Venus eher diffus und führt damit zu einem Wärmestau unterhalb der dicken isolierenden Kruste, bis sich soviel Wärme angesammelt hat, dass es zu großflächigen Flutvulkanen kommt.

Robert
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Leoclid am 06. Februar 2016, 13:48:31
Plattentektonik hat doch nichts mit einem Mond zu tun, der Einfluss der Gezeitenkräfte ist vergleichsweise gering.
Das es auf der Venus keine Plattentektonik gibt, hat doch zwei andere gruende:
1. hohe temperatur:
Risse in der Kruste heilen schneller und verhindern plattenbildung.
2. kein Kristallwasser in der Kruste. Aufschmelzen wird erschwert.

Aber mal eine Frage: Bis jetzt gehen wir davon aus, dass die Venus immer lebensfeindlich war, es gibt ja aber auch Theorien, dass die früher sehr erdähnlichen war.
Trotz dem fehlenden magnetfeld und der näheren sonnnaehe ist also Wasser flüssig geworden.
Aber dann müsste man erklären, auf welche weise die atmosphaere umgekippt ist.
Zudem erklärt sich immer noch die Frage, warum die Venus trotz des fehlenden Magnetfeldes eine so dichte Atmosphäre hat.

Sorry für die Rechtschreibung Sitze gerade am Handy.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 06. Februar 2016, 14:44:29
Moin Leoclid,

die Temperatur an der Planetenoberfläche hat keinen wesentlichen Einfluss auf das Verhalten der Kruste, da die "Heilungsprozesse" in einer Tiefe von etlichen km bis einigen 10 km stattfinden. Dort werden die geologischen Prozesse aufgrund der Wärmeleitung fast ausschließlich durch Vorgänge aus der Tiefe des Planeten bestimmt.

Und ja, die Ausbildung einer Plattentektonik scheint durch das Vorhandensein von Wasser, oder von wasserabgebendem Material verbessert zu werden (Schmiermittel). Davon gibt es auf der Erde viel, auf der Venus fast nichts.

Die Dichte der Atmosphäre auf der Venus liegt auch daran, dass Kohlendioxid eine ziemlich stabile Verbindung ist, bzw. immer wieder neu aus den Komponenten entsteht, daher auch die lange Verweildauer in einer Planetenatmosphäre (wie auch in kleinerem Rahmen auf der Erde).

Robert
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Leoclid am 06. Februar 2016, 15:03:43
Ok, und was ist jetzt mit einer früheren Venus mit Wasserozeanen und Kontinenten. Kein vorhandenenes Magnetfeld und eine hohe Sonneneinstrahlung haben ja die Bildung von Wasser angeblich verhindert. Nun brauch man ein Modell, das das trotzdem hätte klappen können.
Und wodurch ist dann die Venus "umgekippt". Durch einen Impakt? Durch enorme geologische Aktivität?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 06. Februar 2016, 15:23:26
Nun ja,

es gibt keinen Hinweis darauf, dass es auf der Venus jemals Ozeane oder zumindest größere Wasseransammlungen gegeben hat (außer in SciFi). Die Entwicklung zu einem trockenen Planeten hat vermutlich sehr früh eingesetzt und erfordert nicht unbedingt ein späteres globales Ereignis (Kollisionen), um die heutigen Unterschiede zwischen der Erde und der Venus zu erklären.

Robert
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Martin am 06. Februar 2016, 15:47:33
Naja,

bevor ich aus meinen alten Lehrbüchern zitiere:

 "Nach ihrem Absterben werden die meisten durch Absinken unter die Kompensationstiefe (https://de.wikipedia.org/wiki/Calcit-_und_Aragonit-Kompensationstiefe) wieder aufgelöst, aber ein Teil bleibt erhalten und bildet am Meeresboden Carbonatsedimente (https://de.wikipedia.org/wiki/Sedimente_und_Sedimentgesteine). Im Laufe der Jahrtausende wird dieser Meeresboden infolge der Plattentektonik (https://de.wikipedia.org/wiki/Plattentektonik) von den mittelozeanischen Rücken zu den Subduktionszonen (https://de.wikipedia.org/wiki/Subduktion) an den Kontinentalrändern transportiert. Dort wandert er zusammen mit der absinkenden ozeanischen Platte ins Erdinnere." (Wikipedia)


Hallo,

man kann es nicht ganz so absolut sagen wie ich es tat, aber der subduzierte Karbonatanteil sollte gering sein. Pro Jahr gelangen etwa 11 Mrd t CaCO3 in die Ozeane, davon gelangen 2 Mrd t in Sedimente - aber natuerlich das meiste im flacheren Bereich. Fuer den Kohlenstoffkreislauf spielt aber dennoch die Subduktion organischen Materials in den Sedimenten eine groessere Rolle. Davon kommt viel als Methan an den Subduktionszonen wieder nach oben.

Martin
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 06. Februar 2016, 16:54:54
Ja, allerdings gibt es auf der Venus keinen vergleichbaren "Kohlenstoff-Recyclingprozess", so dass es auch kaum Änderungen in der Atmosphären-Zusammensetzung geben wird. Und die Prozesse, die auf der Erde für die Freisetzung von elementarem Sauerstoff, bzw. die Reduzierung von Kohlendioxid in der Atmosphäre sorgen sind auf der Venus unter den momentanen (und absehbaren) Bedingungen leider (?) nicht möglich.

Robert
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gerry am 07. Februar 2016, 20:45:40
[...]Irgend ein Ereignis scheint aber statt gefunden zu haben, da die Venus auch als einziger Planet retrograd rotiert, wenn auch langsam. womöglich fand auch hier ein heftiger Impact statt, der den heutigen Drehimpuls der Venus (mit)verursachte.[...]

Man braucht eigentlich keinen katastrophalen Impact in der Vergangenheit um die heutige langsame retrograde Rotation der Venus zu erklären. Es dürfte sich vielmehr um diveres Effekte von Bahnresonanzen und Gezeitenkräften mit ihren Nachbarn und der Sonne handeln, zusätzlich scheint auch die enorme Masse der dichten Atmosphäre die in wenigen Tagen den Planeten umrundet eine Rolle zu spielen. Der Prozess der Verlangsamung der Rotation hält auch noch heute an und wurde von Magellan und Venus Exress gemessen, ich habs jetzt nicht exakt im Kopf aber es sind wohl doch einige Minuten um die sich die Venus heute langsamer dreht als noch vor zwanzig Jahren von Magellan gemessen. Besonders das spricht doch gegen ein einzeles katastrophales Ereignis als Ursache.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Leoclid am 07. Februar 2016, 22:09:17
Außerdem besitzt die Venus mit 2,64 ° eine kaum geneigte Rotationsachse.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Venus_(Planet) (https://de.wikipedia.org/wiki/Venus_(Planet))

Auch das würde doch gegen einen Impakt sprechen, oder?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: einsteinturm am 07. Februar 2016, 22:57:35
Einige Minuten in 20 Jahren? :o
Das kann ich irgendwie gar nicht glauben.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Prodatron am 07. Februar 2016, 23:12:06
Einige Minuten in 20 Jahren? :o
Das kann ich irgendwie gar nicht glauben.
Konnte ich zuerst auch nicht glauben, aber...
https://de.wikipedia.org/wiki/Venus_%28Planet%29#Rotation (https://de.wikipedia.org/wiki/Venus_%28Planet%29#Rotation)
"Nach neuesten Messungen der Raumsonde Venus Express ist die Rotationsdauer der Venus etwa 6,5 Minuten länger geworden als von der Raumsonde Magellan gemessen."
Das ist astronomisch gesehen wirklich viel, oder?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gerry am 07. Februar 2016, 23:23:38
Venus Rotationsdauer etwa 243 Tage = ~350.000 Minuten.

Bei 6,5 Minuten Änderung in 20 Jahren komme ich auf eine Größenordnung ~1.000.000 Jahre die es dauert von einer Rotation von Null auf die retrograden 243 Tage zu kommen. Ist wirklich viel Änderung in astronomischen Dimensionen kurzer Zeit wenn man das Alter des Sonnensystems gegenüber stellt. Gehen wir aber weiter davon aus dass die Venus ähnlich wie die Erde zu Beginn sehr schnell prograde rotiert hat, Größenordnung wenige Stunden, dann könnte ich mir das schon vorstellen dass es lange dauert diese schnelle Rotation abzubauen und schließlich umzukehren.

Und wir wissen ja nicht ob der Wert von 6,5 Minuten in 20 Jahren konstant ist. kann ja sein das es früher langsamer voran ging.

Hmm.... ???
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 08. Februar 2016, 11:10:23
Allerdings gibt es für die Verringerung der Erdrotation einen offensichtlichen Prozess, und zwar sind das die Gezeitenkräfte die hpts.  durch den Erdmond erzeugt werden.

Und selbst hier hat dieser Vorgang Milliarden von Jahren benötigt um die Rotationsdauer um ca. 300 % zu verlängern.

Ja gut, es gibt die Theorie, dass die Venus mal einen Mond hatte, der aufgrund der retrograden Rotation auf die Venus gestürzt sein könnte. Bei einer gegenläufigen Rotations-/Orbitbewegung wird der Mond halt abgebremst, im Gegensatz zum Erdmond. Das liefert allerdings keinen Anhaltspunkt dafür, wie es zu der retrograden Rotation gekommen ist.

Robert
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Liftboy am 08. Februar 2016, 11:19:33
Hm, das kam mir auch sehr viel vor, hab deswegen mal geschaut, ob es sich vielleicht um einen Übersetzungsfehler handelt, also die Rotationsperiode vielleicht einfach nur "genauer" bestimmt wurde als damals. Ist aber tatsächlich nicht der Fall. Als Quelle wird ein Artikel der ESA aus 2012 angegeben. Und wenn man dann in diesem Thread ein paar Seiten dahin zurückblättert, wird man selbstverständlich dank Gertrud auch hier fündig:

Planet Venus - Antwort #111 (http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=743.msg215943#msg215943)

Einige Minuten in 20 Jahren? :o
Das kann ich irgendwie gar nicht glauben.
Konntest du damals auch schon nicht :P

So ganz genau den Grund für diese Änderung kennt man glaub ich immernoch nicht, da bin ich mal gespannt was da in Zukunft noch bei rumkommt. Ich geh mal davon aus, dass jetzt, wo man weiß, dass große Änderungen in der Rotationszeit existieren, diese auch regelmäßig mal überprüft wird.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Pham am 08. Februar 2016, 13:10:13
Die (massive) Bremsung finde ich ebenfalls erstaunlich. Bzw. finde ich eigentlich jede Art von Abbremsung erstaunlich, da die Venus unter der Annahme dass die ein abgeschlossenes System bezüglich Drehimpuls ist, den Drehimpuls bei einer Abbremsung ja irgendwo hin abgeben muss.
Selbst wenn man den eigentlichen Planeten und die Atmosphäre der Venus als  zwei Systeme bertachtet, welche untereinander Drehimpuls austauschen, müsste die Atmosphäre diesen "verlorenen" Drehimpuls, der dem der Atmosphäre entgegengesetzt ist, aufnhemen. Die Windgeschwindigkeiten müssten somit dramatisch abnehmen, den 6,5min in einigen Jahren für so ein massiven Klotz wie die Venus (im Gegensatz zur Atmosphärenmasse) ist eine gehörige Hausnummer.

Anders gefragt:
Wer nimmt den Drehimpuls der Venus auf, wenn diese in der Rotation so extrem bremst?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: HausD am 08. Februar 2016, 13:38:49
Allerdings gibt es für die Verringerung der Erdrotation einen offensichtlichen Prozess, und zwar sind das die Gezeitenkräfte die hpts.  durch den Erdmond erzeugt werden...
Neben der Gezeitenwirkung des Erdmondes darf man die der Sonne auf die Erde nicht unterschätzen, sie beträgt immerhin rd. 1/3 der des Erdmondes.
Die Venus ist der Sonne rd. 0,7AE nahe und damit die Gezeitenwirkung auch um rd. 1,4-mal größer als auf die Erde. (Doch ob das eine Erklärung für den Effektist, kann ich natürlich nicht sagen, daher gebe ich es nur zu bedenken.)

Gruß, HausD
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 08. Februar 2016, 13:55:23
Ich kann mir auch nur eine Wechselwirkung zwischen dem Planeteninneren und der Kruste (deren Rotationsgeschwindigkeit ja gemessen wird) vorstellen. Also beispielsweise wird die Kruste durch die Massen aus den gewaltigen Lavaflutungen abgebremst (gegenüber dem Venusinneren) und anschließend durch die elastische Kopplung wieder beschleunigt, wobei es sicherlich zu Schwingungen im System Venuskern/Kruste kommt.

Naja, reine Spekulation. Aber da der Drehimpuls des Planeten nicht durch äußere Einflüsse geändert wird, bleibt auch die Drehachse konstant, d.h. es wird durch diesen Vorgang keine Präzession ausgelöst.

Robert

und nachgetragen @ HausD: Die gravitative Wechselwirkung mit der Sonne besteht in dieser Größenordnung seit Jahrmilliarden fast unverändert, zumindest wenn die Venus ihre Position im System nicht wesentlich verändert hat. Und zumindest überschlägig geschätzt ist der momentan beobachtete Effekt doch verdammt groß.

Robert
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Pham am 08. Februar 2016, 14:03:22
Ich kann mir auch nur eine Wechselwirkung zwischen dem Planeteninneren und der Kruste (deren Rotationsgeschwindigkeit ja gemessen wird) vorstellen. Also beispielsweise wird die Kruste durch die Massen aus den gewaltigen Lavaflutungen abgebremst (gegenüber dem Venusinneren) und anschließend durch die elastische Kopplung wieder beschleunigt, wobei es sicherlich zu Schwingungen im System Venuskern/Kruste kommt.

...

Das scheint mir auch der einzige denkbare prozess zu sein, der eine derartig dramatische Abbremsung der Venus, bzw. derer "sichtbares Äußeres" bewirken könnte.
Wenn Inneres und Äußeres aber derart asynchron drehen, müsste sich dieser prozess im Laufe der Jahrmilliarden ja auch irgendwie eingependelt haben (wenn nicht ein anderer, unbekannter, äußerer prozess dies in gang hält).
Und zum Zweiten kann ich mir in dem Fall nur schwer vorstellen, wie ein derart massives Koppeln der Schichten der Venus keine irgendwie geartete Plattentektonik verursachen würde (je nachdem wie tief die Schichten derart koppeln: Mantel-Kruste oder Kern-Mantel).
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: -eumel- am 08. Februar 2016, 14:54:24
Es ist schwer vorstellbar, dass es auf der Venus keine Plattentektonik geben sollte.
Wahrscheinlich konnten wir sie nur noch nicht feststellen, denn es liegen ja nur wenige Informationen über die Oberfläche des Planeten vor.

Im Gegensatz zum Mars, den seit vielen Jahren mehrere Orbiter umkreisen und hochaufgelöste Karten erstellten.
Beim Mars können wir feststellen, wenn eine Düne einen Meter pro Jahr wandert.

Aber die Oberfläche der Venus ist durch die dicke Wolkendecke nicht zu sehen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: HausD am 08. Februar 2016, 15:38:12
Es ist schwer vorstellbar, dass es auf der Venus keine Plattentektonik geben sollte.
Wahrscheinlich konnten wir sie nur noch nicht feststellen, denn es liegen ja nur wenige Informationen über die Oberfläche des Planeten vor. ... Aber die Oberfläche der Venus ist durch die dicke Wolkendecke nicht zu sehen.
Es ist sehr wahrscheinlich, wenn auch etwas anders als auf der Erde. Die Venusoberfläche hat immerhin rd. 500°C, damit ist der Untergrund schon eher flüssig, die Platten bzw. Inseln sind dünner und damit auch beweglicher.
Bilder von der Oberflächengestalt gibt es ja auch schon, und dabei meine ich nicht die wenigen Fotos direkt von der Oberfläche mit einigen Steinen und dem roten Farbton, sondern die Seitenradar-Bilder der Oberfläche durch die Dauerwolkenschicht hindurch.
Wenn man bedenkt, das Alfred Wegener für seine "Platten verschieben sich"-Theorie vor gerade mal 100 Jahren für verrückt erklärt wurde..., ich kann mir Platten- (oder Insel-) Tektonik auf der Venus durchaus vorstellen, auch dass Bewegungen dort nicht nach irdischen Maßstäben langsam ablaufen müssen.

Gruß, HausD
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 08. Februar 2016, 22:16:13
Soweit ich weiß liegt die Auflösung der Radar-Bilder im km-Bereich und es sind auf diesen Bildern noch keine Anzeichen für eine Plattentektonik entdeckt worden.

Selbstverständlich gibt es lokale Spannungsrisse oder Überschiebungen, aber keine größeren Teile der Kruste, die lange Strecken "zielgerichtet" durchlaufen (auch wenn der Weg der irdischen Kontinente eher der Fußspur eines Betrunkenen ähneln). Das sind aber gerade die Prozesse, die auf der Erde eine ständige und konstante Wärmeabgabe an die Oberfläche ermöglichen.

Da es auf der Venus anscheinend daran fehlt, kommt es vermutlich zu katastrophalen Lavaüberflutungen im Abstand von Jahrhundertmillionen (?), bei denen wesentliche Teile der Oberfläche neu gestaltet werden. Und das wiederum könnte zu den Unterschieden in der Rotation von Kern und Oberfläche führen (sofern vorhanden!).

Robert
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Magellan am 08. Februar 2016, 23:07:07
Anzeichen auf Naturreaktoren gibts wohl bislang nicht. Oder wurde da auch mal was berichtet?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: -eumel- am 08. Februar 2016, 23:11:50
Was sind denn "Naturreaktoren"?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Prodatron am 08. Februar 2016, 23:32:14
Was sind denn "Naturreaktoren"?
Normalerweise sind das Gebilde, wo es wegen natürlicher Konzentration von genug Uran zur Kernspaltung in gemässigten Ausmassen kommt.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Naturreaktor_Oklo (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Naturreaktor_Oklo)
Nicht zu verwechseln mit der Wärmeentwicklung die grundsätzlich bei radioaktiven Zerfallsprozessen entstehen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: holleser am 09. Februar 2016, 08:30:40
Wenn die Atmosphäre des Planeten bereits sehr lange existiert, dann müsste diese wie eine Isolierschicht wirken. Die Erde hat grob genähert nur 1/3 der Venus. Die Wärmeabstrahlung war glaube ich Qadratisch. Somit hat die Erdoberfläche 9 * höhere wärmeabstrahlung. Somit benötigt die Venus weniger Energie um flüssig zu bleiben als di Erde.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: -eumel- am 09. Februar 2016, 09:19:51
Somit benötigt die Venus weniger Energie um flüssig zu bleiben als di Erde.

Erhält aber mehr Energie von der Sonne, weil sie dichter dran ist.
Die Venus hat ein Wärmeregulierungsproblem.
Sie schwitzt sich tot!
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: holleser am 09. Februar 2016, 09:34:57
Ja,

Mehr Fremdenergie + Weniger Verlust = weniger Nuklearenergie im Kern nötig
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 09. Februar 2016, 12:38:42
Die Albedo der Venus beträgt 0,75 (Erde 0,31). Die hohe Rückstrahlung wird hauptsächlich durch die Schwefelsäurewolken in ca. 50 - 75 km Höhe erzeugt. Das Licht, das dann in die tiefere Atmosphäre dringt verliert in den dichten Gasschichten erheblich an Energie, das Spektrum verschiebt sich also in den infraroten Bereich und für diese Wärmestrahlung ist die dichte CO2-Atmosphäre eine fast perfekte Falle.

Und, die Venus schwitzt sich nicht nur tot, sie ist bereits kollabiert mangels ausreichender Flüssigkeitszufuhr, d.h. Exitus ohne eine Chance auf Reanimation. ;)

Robert
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Schillrich am 27. Juli 2016, 06:41:39
Guten Morgen,

in Spektrum der Wissenschaft gibt es eine kurze, neue Erklärung, wie die Venus ihr Wasser verliert: Es ist nicht der Sonnenwind, es ist das starke Magnetfeld der Sonne + ein elektrisches Feld in der Ionosphäre. Basis sind Daten von Venus Express.

Das Magnetfeld der Sonne beschleunigt in der Ionosphäre der Venus Elektronen weg vom Planeten. Diese Elektronen ziehen dann schwere, positive Ionen langsam/verzögert mit sich. So entsteht zwischen Elektronen und Ionen ein starkes elektrisches Feld (quasi wie ein Kondensator). Dieses elektrische Feld wirkt dann auf die polaren Wassermoleküle, so dass diese Energie gewinnen und mitklettern.


Quelle: SdW August 2016 "Warum die Venus ihr Wasser verliert"
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Prodatron am 27. Juli 2016, 08:39:22
Hier der Link dazu:
http://www.spektrum.de/magazin/warum-die-venus-ihr-wasser-verliert/1416598 (http://www.spektrum.de/magazin/warum-die-venus-ihr-wasser-verliert/1416598)
Den letzten Abschnitt deute ich so, dass das Phaenomen die habitablen Zonen bei roten Zwergen wohl deutlich einschraenkt.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 27. Oktober 2016, 20:41:39
Hallo Zusammen,

Geologisch junge Lavaströme an den Flanken des Venusvulkans Idunn Mons

ist eine Überschrift von einem Bericht des DLR über den Idunn Mons, einem Vulkan auf der Südhalbkugel der Venus. Die Daten wurden im Infrarotspektralbereich mit dem VIRTIS (Visible und InfraRed Thermal Imaging Spectrometer) auf dem Orbiter Venus Express beobachtet.

Die Abbildung zeigt ein Höhenmodell von Idunn Mons (46 S, 146 W), einem Vulkan mit einem Durchmesser von 200 km bei der Imdr Regio auf der Venus.
Kredit:NASA / JPL-Caltech / ESA

Die Abbildung zeigt ein Höhenmodell von Idunn Mons, das die VIRTIS Emissionsgradanomalie überlagert.  In rot sind die Bereiche der neue vulkanische Aktivität gekennzeichnet. 
Kredit: NASA / JPL-Caltech / ESA

Die Geologische Karte der östlichen Flanke von Idunn Mons, die die während des Kartierungsprozesses identifizierten fünf Lavaströme (lfu) anzeigt.  Lfu sind von a bis e klassifiziert.  Lfu-a stellt die Gipfelverbundeinheit von Idunn Mons dar, während die lfu-b, lfu-c, lfu-d und lfu-e Flankeneinheiten des Vulkans sind.
NASA / JPL-Caltech / ESA / DLR

Quelle in deutsch:
http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10212/332_read-19806/#/gallery/24775 (http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10212/332_read-19806/#/gallery/24775)
in englisch:
http://www.alphagalileo.org/ViewItem.aspx?ItemId=169043&CultureCode=en (http://www.alphagalileo.org/ViewItem.aspx?ItemId=169043&CultureCode=en)

Mit den besten Grüßen
Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: alswieich am 17. Januar 2017, 14:51:13
Mahlzeit!

Auf der Venus wurde eine sich nicht bewegende (atmosphärische) Riesenstruktur entdeckt:
deutsch: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Forscher-sichten-stationaere-Riesenstruktur-auf-der-Venus-3597327.html (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Forscher-sichten-stationaere-Riesenstruktur-auf-der-Venus-3597327.html)
englisches Original: http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo2873.html (http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo2873.html)
Könnte es sich dabei um eine stehende Welle handeln? Eventuell verursacht durch die sehr langsame Rotation der Venus?

Gruß
Peter
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Andras1768 am 17. Januar 2017, 18:54:30
Vielleicht gibt es ja "bald " eine Antwort darauf.
http://www.astrobio.net/venus/dark-streaks-venus-clouds-microbial-life/ (http://www.astrobio.net/venus/dark-streaks-venus-clouds-microbial-life/)
Eine Gemeinschaftsmission(NASA/Roskosmos) will 2025 die Venusatmosphäre erkunden und nach Mikroben suchen, die evtl. dunkele Streifen in der Atmosphäre verursachen. Na, schaun mehr mal.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 23. Januar 2017, 16:11:34
Hallo Zusammen,

zu der stationären atmosphärische Bogenwelle, die auf der Venus entdeckt wurde, habe ich einige Infos zusammen getragen.
Mit den mittleren Infrarot- und Ultraviolettbildern des japanischen Orbiters Akatsuki wurde diese bogenförmige Struktur aufgenommen.
Die bogenförmige Welle erstreckte sich über 10.000 Kilometer nach Nord-Süd und blieb im Dezember 2015 für mindestens vier Tage stationär stehen. Die Wissenschaftler vermuten, dass die bogenförmige Struktur das Ergebnis einer atmosphärischen Schwerkraftwelle ist, die in der unteren Atmosphäre durch Gebirgstopographie erzeugt wird, und sich dann nach oben fortpflanzt.
Als Akatsuki Mitte Januar 2016 die Hochlandregion Aphrodite Terra-Region, von der Größe Afrikas, erneut beobachtete, war die Welle wieder verschwunden.

In diesen Bildern von Japans Orbiter Akatsuki ist im Dezember 2015 über mehrere Tage eine stationäre Bogenwelle auf der Venus zu sehen.
Credit: JAXA
Quellen;
http://astronomynow.com/2017/01/22/japanese-spacecraft-spots-planet-spanning-wave-on-venus/ (http://astronomynow.com/2017/01/22/japanese-spacecraft-spots-planet-spanning-wave-on-venus/)
http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo2873.html (http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo2873.html)

Mit den besten Grüßen
Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Lumpi am 29. November 2017, 18:34:33
Ist die Venus möglicherweise auf dem Weg zu einer gebundenen Rotation?  Bisher hieß es doch, dass der Effekt der thermischen Gezeiten genau dies verhindert? Jim Green (NASA Direktor für Planetenwissenschaften) schließt das in einem Podcast aber nicht aus. Spannend, wie hoch wären wohl dann die Temperaturen auf der Tag- bzw. der Nachtseite der Venus?
https://www.nasa.gov/mediacast/gravity-assist-podcast-venus-with-david-grinspoon (https://www.nasa.gov/mediacast/gravity-assist-podcast-venus-with-david-grinspoon)
Zitat
Jim Green:  Yeah, that’s fascinating.  You know, maybe that means that over time, Venus will end up being tidally locked with the Sun.  And, then, we’re going to have a completely different environment, perhaps, with the extremes in temperature on both sides.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: RonB am 12. November 2018, 13:10:16
Bei der Suche nach dem Wetter im Ausland bin ich zufällig auf den Wetterbericht der Venus gestoßen. Für Experten sicherlich nichts Neues aber für jemanden der sich nicht jeden Tag mit anderen Planeten beschäftigt ist der Bericht meiner Meinung nach schon interessant.

https://www.wetteronline.de/wetter-videos/2018-11-11-ve?sort=date (https://www.wetteronline.de/wetter-videos/2018-11-11-ve?sort=date)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 21. Januar 2019, 18:16:57
Hallo Zusammen,

Riesenmuster in den Wolken des Planeten Venus entdeckt.

Infrarotkameras und Supercomputer-Simulationen durchbrechen den Schleier von Venus.
Eine japanische Forschergruppe hat eine riesige Streifenstruktur zwischen den Wolken, die den Planeten Venus bedecken, basierend auf Beobachtungen des Raumfahrzeugs Akatsuki identifiziert. Das Team zeigte auch die Ursprünge dieser Struktur anhand von Klimasimulationen im großen Maßstab auf. Die Gruppe wurde vom Projektassistenten Professor Hiroki Kashimura (Kobe University, Graduate School of Science) geleitet und diese Ergebnisse wurden am 9. Januar 2019 in Nature Communications veröffentlicht.

Venus wird aufgrund ihrer ähnlichen Größe und Schwerkraft oft als Zwilling der Erde bezeichnet. Das Klima auf der Venus ist jedoch sehr unterschiedlich. Die Venus dreht sich in die entgegengesetzte Richtung zur Erde und viel langsamer (etwa eine Umdrehung für 243 Tage der Erde). In etwa 60 km über der Oberfläche der Venus umkreist ein schneller Ostwind den Planeten in etwa 4 Tagen der Erde (bei 360 km / h), ein Phänomen, das als atmosphärische Superrotation bekannt ist.

Der Himmel der Venus ist vollständig von dicken Schwefelsäurewolken bedeckt, die sich in einer Höhe von 45 bis 70 km befinden. Daher ist es schwierig, die Oberfläche des Planeten von erdgestützten Teleskopen und Orbitern zu beobachten, die die Venus umgeben. Die Oberflächentemperaturen erreichen sengende 460 Grad Celsius, eine raue Umgebung für alle Beobachtungen mit Eingangssonden. Aufgrund dieser Bedingungen gibt es noch viele Unbekannte bezüglich der atmosphärischen Phänomene der Venus.

Um das Rätsel der Atmosphäre der Venus zu lösen, begann die japanische Raumsonde Akatsuki im Dezember 2015 ihre Umlaufbahn um die Venus. Eines der Beobachtungsinstrumente von Akatsuki ist die Infrarotkamera „IR2“, die Wellenlängen von 2 μm (0,002 mm) misst. Diese Kamera kann eine detaillierte Wolkenmorphologie der unteren Wolkenstufen erfassen, die etwa 50 km von der Oberfläche entfernt sind. Optische und ultraviolette Strahlen werden durch die oberen Wolkenschichten blockiert. Dank der Infrarottechnologie werden jedoch allmählich dynamische Strukturen der unteren Wolken sichtbar.

Vor Beginn der Akatsuki-Mission entwickelte das Forschungsteam ein Programm namens AFES-Venus zur Berechnung von Simulationen der Venusatmosphäre. Auf der Erde werden atmosphärische Phänomene auf jeder Skala mit numerischen Simulationen erforscht und vorhergesagt, von der täglichen Wettervorhersage und den Taifunberichten bis hin zum erwarteten Klimawandel, der sich aus der globalen Erwärmung ergibt. Für Venus sind numerische Simulationen aufgrund der Schwierigkeit der Beobachtung sogar noch wichtiger, aber ebenso schwierig ist es, die Genauigkeit der Simulationen zu bestätigen.

AFES-Venus war es bereits gelungen, superrotational Winde und polare Temperaturstrukturen der Venus-Atmosphäre zu reproduzieren. Mit dem Earth Simulator, einem Supercomputersystem der Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology (JAMSTEC), erstellte das Forschungsteam numerische Simulationen mit einer hohen räumlichen Auflösung. Aufgrund der geringen Qualität der Beobachtungsdaten vor Akatsuki war es jedoch schwer nachzuweisen, ob diese Simulationen eine genaue Rekonstruktionen waren.

In dieser Studie wurden detaillierte Beobachtungsdaten der unteren Venus-Wolken der Akatsuki-Kamera IR2 mit den hochauflösenden Simulationen des AFES-Venus-Programms verglichen. Der linke Teil von Abbildung 1 zeigt die von der IR2-Kamera erfassten niedrigeren Wolkenniveaus der Venus. Auffallend sind die fast symmetrischen Riesenstreifen auf der nördlichen und südlichen Hemisphäre. Jeder Streifen ist hunderte Kilometer breit und erstreckt sich schräg über fast 10.000 Kilometer. Dieses Muster wurde erstmals von der IR2-Kamera entdeckt und vom Team als Streifenkonstruktion im planetarischen Maßstab bezeichnet. Diese Skala der Streifenstruktur wurde auf der Erde nie beobachtet und könnte ein Phänomen sein, das für Venus einzigartig ist. Mit den hochauflösenden AFES-Venus-Simulationen rekonstruierte das Team das Muster (Abbildung 1 rechts). Die Ähnlichkeit zwischen dieser Struktur und den Kamerabetrachtungen belegt die Genauigkeit der AFES-Venus-Simulationen.

Die Abbildung 1 zeigt links die unteren Wolken der Venus, die mit der Akatsuki IR2-Kamera beobachtet wurden (nach dem edge-emphasis process (Kantenhervorhebungsprozess ?). Die hellen Bereiche zeigen, wo die Wolkendecke dünn ist. Sie können die Streifenstruktur im Planetenmaßstab innerhalb der gelben gepunkteten Linien sehen. (rechts) Die durch AFES-Venus-Simulationen rekonstruierte Streifenstruktur im planetarischen Maßstab. Die hellen Teile zeigen eine starke Abflussströmung.
Credit: Nature Communications; Partial editing of image in the Nature Communications paper. CC BY 4.0

Durch detaillierte Analysen der AFES-Venus-Simulationsergebnisse konnte das Team den Ursprung dieser Riesenstreifenstruktur aufzeigen. Der Schlüssel zu dieser Struktur ist ein Phänomen, das eng mit dem täglichen Wetter der Erde verbunden ist: Polarstrahlströme. In mittleren und hohen Breiten der Erde bildet eine großräumige Dynamik der Winde (baroklinische Instabilität) extratropische Zyklone, wandernde Hochdrucksysteme und Polarstrahlströme. Die Ergebnisse der Simulationen zeigten den gleichen Mechanismus bei der Arbeit in den Wolkenschichten der Venus, was darauf hindeutet, dass sich Jetströme in hohen Breiten bilden können. In niedrigeren Breiten erzeugt eine atmosphärische Welle aufgrund der Verteilung großräumiger Strömungen und des Planetenrotationseffekts (Rossby-Welle) große Wirbel über den Äquator bis zu Breitengraden von 60 Grad in beide Richtungen (Abbildung 2, links). Wenn zu diesem Phänomen Jetströme hinzugefügt werden, neigen und strecken sich die Wirbel, und die Konvergenzzone zwischen Nord- und Südwind bildet einen Streifen. Der Nord-Süd-Wind, der durch die Konvergenzzone herausgedrückt wird, wird zu einer starken Abwärtsströmung, die zu einer Streifenkonstruktion im planetarischen Maßstab führt (Abbildung 2, rechts). Die Rossby-Welle verbindet sich auch mit einer großen atmosphärischen Schwankung, die sich über dem Äquator (äquatoriale Kelvin-Welle) in den unteren Wolkenebenen befindet, wodurch die Symmetrie zwischen den Hemisphären erhalten bleibt.

Abbildung 2: Der Formationsmechanismus für die Streifenstruktur im planetarischen Maßstab. Die riesigen Wirbel, die durch Rossby-Wellen (links) verursacht werden, werden durch die Jetstreams mit hoher Breite gekippt und strecken sich (rechts). Innerhalb der gestreckten Wirbel bildet sich die Konvergenzzone der Streifenstruktur, es tritt ein Abwärtsstrom auf und die unteren Wolken werden dünn. Die Venus dreht sich nach Westen, so dass die Jetströme auch nach Westen wehen.
Credit: CC BY 4.0

Diese Studie enthüllte die gigantische Streifenstruktur auf der Planetenskala in den unteren Wolkenebenen der Venus, replizierte diese Struktur mit Simulationen und legte nahe, dass diese Streifenstruktur aus zwei Arten von atmosphärischen Fluktuationen (Wellen), barokliner Instabilität und Jetströmen, gebildet wird. Die erfolgreiche Simulation der Streifenstruktur im planetarischen Maßstab, die aus mehreren atmosphärischen Phänomenen gebildet wird, ist ein Beleg für die Genauigkeit der Simulationen für einzelne in diesem Prozess berechnete Phänomene.

Bisher konzentrierten sich die Untersuchungen des Venus-Klimas hauptsächlich auf Durchschnittsberechnungen von Ost nach West. Diese Erkenntnis hat die Untersuchung des Venusklimas auf eine neue Ebene gehoben, auf der eine Diskussion der detaillierten dreidimensionalen Struktur der Venus möglich ist. Der nächste Schritt besteht in Zusammenarbeit mit Akatsuki und AFES-Venus darin, das Rätsel um das Klima vom Zwilling der Erde zu lösen, die in der dicken Wolke aus Schwefelsäure verhüllt ist.
Quellen:
http://www.kobe-u.ac.jp/research_at_kobe_en/NEWS/news/2019_01_09_01.html (http://www.kobe-u.ac.jp/research_at_kobe_en/NEWS/news/2019_01_09_01.html)

https://www.nature.com/articles/s41467-018-07919-y (https://www.nature.com/articles/s41467-018-07919-y)
 
https://www.nature.com/articles/s41467-018-07919-y.pdf (https://www.nature.com/articles/s41467-018-07919-y.pdf)

https://www.jamstec.go.jp/es/en/index.html (https://www.jamstec.go.jp/es/en/index.html)

Mit besten Grüßen
Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Ariane am 21. Januar 2019, 19:52:09
Toller Bericht!
Danke Gertrud  :)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Lumpi am 28. August 2019, 11:03:47
Mysteriöse dunkle Flecken in den Wolken beeinflussen Wetter der Venus


Eine neue Studie hat die langfristigen Schwankungen der Venus-Albedo im ultravioletten Licht untersucht. Die aus winzigen Partikeln bestehenden rätselhaften dunklen Flecke in den Venuswolken absorbieren den größten Teil des UV-Lichtes und auch einen Teil des sichtbaren Sonnenlichtes und beeinflussen damit die Albedo und den Energiehaushalt der Venus.

Diese sich mit der Zeit verändernden dunklen Flecke, von den Wissenschaftlern als "unbekannte Absorber" bezeichnet,  konnten erstmals vor mehr als 100 Jahren mit Teleskopen beobachtet werden. Man vermutet, dass die Partikel u.a. aus Eisen (III) -Chlorid, Schwefel-Allotrope, Schwefeldioxid bestehen. Allerdings können die Entstehung und die Absorptionseigenschaften der Partikel noch nicht zufriedenstellend erklärt werden.

Weil die Partikel in den Venuswolken ungefähr die gleiche Größe und lichtabsorbierenden Eigenschaften wie die in der Erdatmosphäre vorkommenden Mikroorganismen haben, spekulierten einige Wissenschaftler, wie z.B. der Biophysiker Harold Morowitz und der Astronomen Carl Sagan, dass die dunklen Flecke möglicherweise mikroskopisches Leben beherbergen.

Unabhängig der Zusammensetzung der "unbekannten Absorber" beeinflussen diese das Wetter des Planeten. Untersuchungen der Venus-Albedo über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt anhand von UV-Beobachtungen mit Venus Express, Akatsuki, Messenger sowie Hubble, ergab eine Halbierung der Albedo zwischen 2006 und 2017, bevor es wieder einen Anstieg gab.

Diese Veränderungen der Albedo verursachten große Schwankungen in der Menge der Sonnenenergie, die von den Wolken absorbiert wurde und folglich auch in der Zirkulation der Venusatmosphäre. Insbesondere helfen die Änderungen der Albedo dabei die Unterschiede in der starken Aktivität der oberen Atmosphäre des Planeten zu erklären, die von Wissenschaftlern als "Superrotation" bezeichnet wird.

Die neue Studie hilft dabei die Dynamik der Venus-Albedo und die möglichen Auswirkungen der rätselhaften dunklen Flecken, die über die Spitzen der Wolkenbänder wandern zu verdeutlichen und vielleicht auch mehr über deren Zusammensetzung herauszufinden.

https://news.wisc.edu/mysterious-cloud-absorbers-seen-to-drive-venusian-albedo-climate/ (https://news.wisc.edu/mysterious-cloud-absorbers-seen-to-drive-venusian-albedo-climate/)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Terminus am 06. November 2019, 22:03:41
Der Chef der OHB wirbt für eine Venus-Mission:

https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/raumfahrt-ohb-chef-marco-fuchs-wirbt-fuer-venus-mission-a-1294964.html (https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/raumfahrt-ohb-chef-marco-fuchs-wirbt-fuer-venus-mission-a-1294964.html)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: pato4sen am 03. April 2020, 21:40:32
Im Moment steht die Venus genau in den Pljarden (M 45) !

Bild 1 (https://flic.kr/p/2iLF8P7)

Bild 2 (https://flic.kr/p/2iLEmDX)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: aasgeir am 19. April 2020, 09:51:35
Schönes Mosaik aus Aufnahmen des polaren Wirbels in der Venusatmosphäre (Nordpol),
basierend auf über 100 UV-Aufnahmen von der japanischen Venus-Sonde AKATSUKI/JAXA :


          (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up072691.jpg)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 10. Juni 2020, 15:21:36
Hallo Zusammen,

die Venus von Mariner 10 aufgenommen.

Auf dem Weg zum Merkur hat das Raumschiff Mariner 10 der NASA diese scheinbar friedliche Ansicht eines Planeten von der Größe der Erde eingefangen, der in eine dichte, globale Wolkenschicht gehüllt ist. Im Gegensatz zu seiner ruhigen Erscheinung ist die trübe Kugel der Venus eine Welt mit intensiver Hitze, zerquetschenden atmosphärischen Druck und Wolken aus ätzender Säure.

Dieses neu verarbeitete Bild aus den Originaldaten wurde mit moderner Bildverarbeitungssoftware erzeugt. Eine kontrastverstärkte Version dieser Ansicht, die auch hier von JPL-Ingenieur Kevin M. Gill bereitgestellt wird, macht Merkmale in der dicken Wolkendecke des Planeten detaillierter sichtbar.

Die hier gezeigten Wolken befinden sich etwa 60 Kilometer über der Oberfläche des Planeten in Höhen, in denen erdähnliche atmosphärische Drücke und Temperaturen herrschen. Sie bestehen aus Schwefelsäureteilchen im Gegensatz zu Wassertröpfchen oder Eiskristallen wie auf der Erde. Diese Wolkenteilchen sind meist weiß. Es sind jedoch auch Flecken von rot getönten Wolken zu sehen. Dies ist auf das Vorhandensein eines mysteriösen Materials zurückzuführen, das Licht bei blauen und ultravioletten Wellenlängen absorbiert. Für diese mysteriöse Komponente wurden viele Chemikalien vorgeschlagen, von Schwefelverbindungen bis hin zu biologischen Materialien, aber unter Forschern ist noch kein Konsens erzielt worden.

Die Wolken der Venus peitschen mit einer Geschwindigkeit von fast 100 Metern pro Sekunde um den Planeten und umkreisen ihn in etwa viereinhalb Tagen. Dass diese Winde mit Hurrikan-Kraft fast den gesamten Planeten bedecken, ist ein weiteres ungeklärtes Rätsel, insbesondere angesichts der Tatsache, dass sich der feste Planet selbst mit einer sehr langsamen Geschwindigkeit von weniger als 2 Metern pro Sekunde dreht, viel langsamer als die Rotationsrate der Erde von etwa 450 Meter pro Sekunde.

Die Winde und Wolken wehen auch nach Westen, nicht nach Osten wie auf der Erde. Dies liegt daran, dass sich der Planet selbst im Vergleich zur Erde und den meisten anderen Planeten nach Westen dreht. Wenn sich die Wolken nach Westen bewegen, bewegen sie sich normalerweise auch in Richtung der Pole. Dies ist in der Mariner 10- Ansicht als gekrümmtes Spiralmuster in mittleren Breiten zu sehen. In der Nähe des Äquators sind anstelle langer Streifen Bereiche mit klumpigeren, unterschiedliche Wolken zu sehen, was auf eine verstärkte Aufwärtsbewegung und Wolkenbildung in der Äquatorregion hinweist, die durch die verstärkte Kraft des Sonnenlichts dort vorangetrieben  wird.

Diese Ansicht ist ein False-Color Komposit, das durch Kombinieren von Bildern erstellt wird, die mit orangefarbenen und ultravioletten Spektralfiltern auf der Bildkamera des Raumfahrzeugs aufgenommen wurden. Diese wurden für die roten bzw. blauen Kanäle des Farbbildes verwendet, wobei der grüne Kanal durch Kombinieren der beiden anderen Bilder synthetisiert wurde.

Mariner 10 flog auf dem Weg zum ersten Vorbeiflug von Merkur an der Venus vorbei und war das erste Raumschiff, das mithilfe der Gravitationsunterstützung seine Flugbahn änderte, um einen anderen Planeten zu erreichen. Die zur Erstellung dieser Ansicht verwendeten Bilder wurden von Mariner 10 am 7. und 8. Februar 1974, einige Tage nach der nächsten Annäherung des Raumfahrzeugs an die Venus am 5. Februar 1974, aufgenommen.

Trotz ihrer vielen Unterschiede sind Vergleiche zwischen Erde und Venus wertvoll, um ihre unterschiedlichen Klimageschichten zu verstehen. Fast 50 Jahre nach dieser Ansicht bleiben viele grundlegende Fragen zur Venus offen. Hatte Venus vor langer Zeit Ozeane? Wie hat sich seine Atmosphäre im Laufe der Zeit entwickelt und wann begann sein außer Kontrolle geratener Treibhauseffekt? Wie verliert die Venus ihre Wärme? Wie vulkanisch und tektonisch aktiv war die Venus in den letzten Milliarden Jahren?
Dieses Bild wurde von JPL-Ingenieur Kevin M. Gill aus archivierten Mariner 10-Daten verarbeitet.
Die einzelnen Aufnahmen von der Venus.
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up072689.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up072689.jpg)
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up072690.jpg (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up072690.jpg)
Quelle:
https://photojournal.jpl.nasa.gov/catalog/PIA23791 (https://photojournal.jpl.nasa.gov/catalog/PIA23791)

Beste Grüße, Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: aasgeir am 21. Juli 2020, 08:53:09
In Radaraufnahmen der NASA-Raumsonde MAGELLAN aus den 90er Jahren haben Forscher jetzt Anzeichen entdeckt, das 37 auffällige Strukturen (Coronae) auf der Venusoberfläche noch heute aktive Vulkane sind, Venus also durchaus noch geo(?)logische Aktivität zeigt - höchste Zeit, da mal wieder hinzuschauen !

https://www.theguardian.com/science/2020/jul/21/likely-active-volcanoes-found-on-venus-defying-theory-of-dormant-planet (https://www.theguardian.com/science/2020/jul/21/likely-active-volcanoes-found-on-venus-defying-theory-of-dormant-planet)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Rücksturz am 01. August 2020, 22:52:51
Auch bei uns im Portal:

"Der Feuerring der Venus

ETH-​Forschende klassifizierten mithilfe von Computersimulationen die heutigen Aktivitäten von Coronae-​Strukturen auf der Oberfläche der Venus – und finden zu ihrer Überraschung einen bis dato unentdeckten Feuergürtel auf unserem Nachbarplaneten. Eine Information von Peter Rüegg, ETH Zürich."

(https://www.raumfahrer.net/news/images/CoronaGalindoRegionVenusNASAJPLUSGS.jpg)

Der kreisrunde Berg im Vordergrund ist eine 500 Kilometer grosse Corona in der Galindo-​Region der Venus. Die dunklen Rechtecke sind ein Artefakt.
(Bild: NASA/JPL/USGS)


Weiter in der Pressemitteilung der ETH Zürich:
https://www.raumfahrer.net/news/astronomie/24072020095122.shtml (https://www.raumfahrer.net/news/astronomie/24072020095122.shtml)

Viele Grüße
Rücksturz
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 14. September 2020, 14:04:15
Erst mal ohne Link, aber es gibt Gerüchte, dass Hinweise für mikrobisches Leben auf der Venus gefunden wurden. Eine Veröffentlichung soll heute gegen 17 Uhr erfolgen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Lumpi am 14. September 2020, 14:32:28
Die Gerüchte sollen übel stinken.  ::)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 14. September 2020, 14:44:48
Die Gerüchte sollen übel stinken.  ::)

Keine Ahnung ob es stinkt.

https://youtu.be/BBDyp06qp1U (https://youtu.be/BBDyp06qp1U)


Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: einsteinturm am 14. September 2020, 14:51:52
Auf twitter ebenfalls:
Warum nicht!?

Denn:
https://www.businessinsider.de/wissenschaft/nasa-venus-war-bewohnbar-bis-zu-katastrophe-vor-millionen-jahren-2019-9/?amp (https://www.businessinsider.de/wissenschaft/nasa-venus-war-bewohnbar-bis-zu-katastrophe-vor-millionen-jahren-2019-9/?amp)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 14. September 2020, 14:58:27
Die Gerüchte sollen übel stinken.  ::)

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stimmen die Gerüchte.
Aber das NDA hat wohl nicht ganz bis zum Schluss gehalten. Deswegen weiß man schon von der bevorstehenden Meldung.

ABER: Das Problem sind eher wie diese "Hinweise" zu interpretieren und einzuordnen sind.
Und wie gut das die Massenmedien hin bekommen.
So etwas braucht zeit (zur recherche und zum schreiben) und Raum im jeweiligen Medium. Und das lassen solche Überschriften wohl leider nicht zu :/

EDIT:
Eher stinkt die Quelle.
Ein Youtubevideo eines UFO-Kanals?! Ernsthaft?  ???

Da glaube ich (dann) astrobiology.org doch ETWAS mehr ;)
http://astrobiology.com/2020/09/phosphine-detected-in-the-atmosphere-of-venus---an-indicator-of-possible-life.html (http://astrobiology.com/2020/09/phosphine-detected-in-the-atmosphere-of-venus---an-indicator-of-possible-life.html)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 14. September 2020, 15:11:24
Offizielle Livepräsentation heute ab 17 Uhr unter folgenden Link:

https://www.youtube.com/watch?v=5IIj3e5BFp0&ab_channel=RoyalAstronomicalSociety (https://www.youtube.com/watch?v=5IIj3e5BFp0&ab_channel=RoyalAstronomicalSociety)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 14. September 2020, 15:34:48
Die Gerüchte sollen übel stinken.  ::)

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stimmen die Gerüchte.
Aber das NDA hat wohl nicht ganz bis zum Schluss gehalten. Deswegen weiß man schon von der bevorstehenden Meldung.

ABER: Das Problem sind eher wie diese "Hinweise" zu interpretieren und einzuordnen sind.
Und wie gut das die Massenmedien hin bekommen.
So etwas braucht zeit (zur recherche und zum schreiben) und Raum im jeweiligen Medium. Und das lassen solche Überschriften wohl leider nicht zu :/

EDIT:
Eher stinkt die Quelle.
Ein Youtubevideo eines UFO-Kanals?! Ernsthaft?  ???

Da glaube ich (dann) astrobiology.org doch ETWAS mehr ;)
http://astrobiology.com/2020/09/phosphine-detected-in-the-atmosphere-of-venus---an-indicator-of-possible-life.html (http://astrobiology.com/2020/09/phosphine-detected-in-the-atmosphere-of-venus---an-indicator-of-possible-life.html)

Das war das erste Video, was mir auf die Schnelle unterkam. Sorry. Die Offizielle Quelle hast Du ja inzwischen verlinkt. Interessant ist es allemal und sollte es sich bestätigen, dann ist das schon ein Durchbruch für die Astrobiologie.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Axel_F am 14. September 2020, 15:42:21
Ich vertraue da eher Steve Jurvetson - best buddy von Elon Musk:
https://twitter.com/FutureJurvetson/status/1305216275291881472 (https://twitter.com/FutureJurvetson/status/1305216275291881472)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 14. September 2020, 17:13:59
Spannend war die Übertragung der Royal Astronomical Society nicht gerade... In 4 Minuten wurden ein paar einfache Fragen gestellt und beantwortet.

Es wurde mittels unabhängiger Messungen von Radioteleskopen Phosphin in der Atmosphäre der Venus gefunden.
Dieses Molekül ist ein Biomarker.
Alle bisher für denkbar gehaltenen nicht-biologischen Prozesse konnten als Quelle ausgeschlossen werden.

Trotzdem ist es möglich dass es aus nicht-biologischen Prozessen stammt die man noch nicht kennt.

EDIT:
Dafür läuft jetzt auch die Medienberichterstattung an.

Z.b. Tagesschau/ARD:
https://www.tagesschau.de/inland/leben-venus-101.html (https://www.tagesschau.de/inland/leben-venus-101.html)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 14. September 2020, 17:36:21
Erste, etwas tiefergehende Artikel:

Scienceblogs/Florian Freistetter:
https://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2020/09/14/ausserirdisches-leben-auf-der-venus-entdeckt/ (https://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2020/09/14/ausserirdisches-leben-auf-der-venus-entdeckt/)

Zitat
“If no known chemical process can explain PH3 within the upper-atmosphere of Venus, then it must be produced by a process not previously considered plausible for Venusian conditions. This could be unknown photochemistry or geochemistry, or possibly life.”

skyweek/ Augenmerk auf die Detektierbarkeit und Vorgänge in der Venusatmosphäre:
(Viele weiterführende Links auf Papers etc.)

https://skyweek.wordpress.com/2020/09/14/phosphan-starker-biomarker-in-der-venus-atmosphare/ (https://skyweek.wordpress.com/2020/09/14/phosphan-starker-biomarker-in-der-venus-atmosphare/)

Zitat
Zum Vergleich „rohere“ ALMA-Spektren und zwar – von oben – für polare Regionen, mittlere Breiten (nur dort ist das Signal, der Rotations-Übergang 1-0, deutlich) und den Äquatorbereich:
Polynome 12. Ordnung werden empirisch angepasst und subtrahiert, um instrumentelle Effekte (den verbreiteten „Ripple“) zu entfernen.
Interessanterweise wären die atmosphärischen Bedingungen just in mittleren Breiten noch am „lebensfreundlichsten“: Dort gibt es stabile Hadley-Zellen, in denen sich hypothetische Venus-Mikroben vermehren könnten, zu denen wir später kommen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Tachyonman am 14. September 2020, 17:38:50
Spannend war die Übertragung der Royal Astronomical Society nicht gerade... In 4 Minuten wurden ein paar einfache Fragen gestellt und beantwortet.

Der Livestram der Pressekonferenz läuft noch, der ist erheblich interessanter:

https://www.youtube.com/watch?v=y1u-jlf_Olo (https://www.youtube.com/watch?v=y1u-jlf_Olo)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Pirx am 14. September 2020, 18:09:43
Erst mal ohne Link, aber es gibt Gerüchte, dass Hinweise für mikrobisches Leben auf der Venus gefunden wurden. Eine Veröffentlichung soll heute gegen 17 Uhr erfolgen.
Von der ESO bzw. dem ESON in Deutsch auch bei uns:

https://www.raumfahrer.net/news/astronomie/14092020174126.shtml (https://www.raumfahrer.net/news/astronomie/14092020174126.shtml)

Gruß   Pirx
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MpunktApunkt am 14. September 2020, 18:19:25
Hallo,

auch wenn es momentan heißt, keine bekannten chemischen Prozesse können die Bildung von PH3 erklären, sagt mir mein "Chemikergefühl", dass so ein einfaches Molekül unter den höllischen und weitgehend unbekannten Venusbedingungen ziemlich sicher auch ohne Biologie entstehen kann.

Skeptische Grüße

Mario
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: BigR2020 am 14. September 2020, 18:28:26
Hallo,

Gerade die Lebensfeindlichkeit der Venus spricht für den Nachweis von Leben. Die Venus war wohl nie ein Planet mit höherem organischen Leben. Deshalb vermute ich, das Phosphin kann nicht von Früher stammen. Aus der Mikrobiologie kennt man die Anpassungsfähigkeit von Mikroben an lebensfeindliche Bedingungen (wie Industriemüll). Auch wenn Phosphor im Labor schlecht zu handhaben ist, spricht die Erfahrung doch für den Nachweis.

Gruß von BigR2020
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MR am 14. September 2020, 18:53:35
Überrascht hat mich die Meldung nicht. Wie man heute weiß, hatte die Venus vor 1 Milliarde Jahre noch Ozeane und lebensfreundliche Temperaturen. Damit hatte sie viel mehr Zeit für die Entwicklung von Leben als der Mars. Es ist nicht unwahrscheinlich, das sich Bakterien in eine ökologische Nische in den Wolken zurückgezogen haben, als die Bedingungen an der Oberfläche immer unerträglicher wurden.

Aktuell untersucht die NASA im Rahmen des Discovery-Programms 2 Sonden zur Venus. Aber mit dieser Entdeckung im Rücken steigen auch die Chancen für eine teurere New Frontiers-Mission. Die letzte US-Mission zur Venus, die die Atmosphäre untersucht hat (Magellan untersuchte nur die Oberfläche per Radar) war Pioneer Venus 1 und 2 in den 70er Jahren.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 14. September 2020, 19:14:58
Die Pläne für eine Verena-D liegen ja auch schon eine Weile in den Schubladen. Mit dabei wäre womöglich auch ein Messballon. Vlt tut sich dann auch wieder was bei den Russen und sie öffnen wieder die Schublade.

Und Peter Beck und Elon Musk gäbe es dann ja auch noch..

auch wenn es momentan heißt, keine bekannten chemischen Prozesse können die Bildung von PH3 erklären, sagt mir mein "Chemikergefühl", dass so ein einfaches Molekül unter den höllischen und weitgehend unbekannten Venusbedingungen ziemlich sicher auch ohne Biologie entstehen kann.

Ja - in Gasriesen ;)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Rücksturz am 14. September 2020, 22:27:27
Suzanna Randall macht ja jetzt auch in Youtube:
https://youtu.be/g8_STeIv18Y (https://youtu.be/g8_STeIv18Y)

Als Teilzeit-Mitarbeiterin der ESO ist Sie natürlich ganz nah an der Materie.

Viele Grüße
Rücksturz

PS. Sei spricht von Monophosphan
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 15. September 2020, 05:14:08
Suzanna Randall macht ja jetzt auch in Youtube:
https://youtu.be/g8_STeIv18Y (https://youtu.be/g8_STeIv18Y)

Als Teilzeit-Mitarbeiterin der ESO ist Sie natürlich ganz nah an der Materie.

Viele Grüße
Rücksturz

PS. Sei spricht von Monophosphan

Zwei Aussagen der hübschen Frau Randall haben mich besonders aufhorchen lassen.
1. Die Menge des Phosphins
2. Die Tatsache, dass dieses Phosphin nur in der habitable Zone gefunden wurde.

Besonders Letzteres ist schon ein starker Indikator, zumal ja offenbar weitere Marker gefunden wurden. Ich hoffe auch für die Wissenschaft, dass das nicht natürlichen Ursprungs ist, sonst wäre das ein heftiger Rückschlag in der Exoplanetenforschung. Und andererseits, wenn es tatsächlich Leben ist, dann wird die Venus nicht der einzige Planet mit Leben sein. Dann könnte es im Sonnensystem, ich will nicht sagen wimmeln, aber zumindest an verschiedensten Orten noch Leben geben. Vom Universum ganz zu schweigen. Dürfte die nächsten Jahre spannend werden.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Therodon am 15. September 2020, 08:04:15
Die Frage ist was man jetzt daraus machen kann.

Eine klassische Sonde "von außen" draufschauen lassen, wird ähnliche Messergebnisse bringen und man kann auch nicht wie üblich einfach irgendwas auf die Planetenoberfläche schicken. Mal abgesehen davon das das dort nicht lang überlebt, sucht man dort ja auch nicht.

Im Grunde bräuchte man irgendwas, das was bis in diese Schicht absteigt und dort verweilt, was eine ziemliche Herausforderung darstellen würde.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: einsteinturm am 15. September 2020, 08:54:46
Es gibt ja alles, von
https://www.spektrum.de/news/kein-leben-in-der-gluthoelle/1768056 (https://www.spektrum.de/news/kein-leben-in-der-gluthoelle/1768056)

bis


https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://www.tagesschau.de/inland/leben-venus-101.html&ved=2ahUKEwiSyP2QyOrrAhUrMewKHfCGC8cQFjBCegQIDxAB&usg=AOvVaw0bvLpTUgV2bup__RjvKKah (https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://www.tagesschau.de/inland/leben-venus-101.html&ved=2ahUKEwiSyP2QyOrrAhUrMewKHfCGC8cQFjBCegQIDxAB&usg=AOvVaw0bvLpTUgV2bup__RjvKKah)

Oft gab es ja "enttäuschende" Erklärungen, aber hier gibt es m.E. eine ganze Menge Hoffnung auf Leben. Immerhin wurde seit 2017 die Chemie durchsimuliert, aber wenn der zweite Beitrsg stimmt,  schaffen Blitze und andere extreme chemische Bedingungen gersde mal 1/10000 der gemessenen Werte.

Wenn es Leben wäre, dann können wir die Drake-Gleichung um eine Variable verringern, denn dann wimmelt das Universum wie eine Petrischale mit Flusswasser.

Der Aufschwung wäre für die Raumfahrt enorm:

Venus, Mars, Merkurkrater, Titan, Eismonde...das Elt erleidet hoffentlich keine Verzüge!

Selbst dir Athmosphären der Gasriesen kämen in Betracht. Carl Sagan freut sich
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: SirFalcon am 15. September 2020, 09:04:34
Die Frage ist was man jetzt daraus machen kann.

Eine klassische Sonde "von außen" draufschauen lassen, wird ähnliche Messergebnisse bringen und man kann auch nicht wie üblich einfach irgendwas auf die Planetenoberfläche schicken. Mal abgesehen davon das das dort nicht lang überlebt, sucht man dort ja auch nicht.

Im Grunde bräuchte man irgendwas, das was bis in diese Schicht absteigt und dort verweilt, was eine ziemliche Herausforderung darstellen würde.

Ideen dazu gab/gibt es schon. Wurden aber alle für andere Missionen aufgegeben.
Ein Konzept "HAVOC": https://en.wikipedia.org/wiki/High_Altitude_Venus_Operational_Concept (https://en.wikipedia.org/wiki/High_Altitude_Venus_Operational_Concept) fand ich schon damals (so ca. 2015) besonders gut.

Gruß
Sir Falcon
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Pirx am 15. September 2020, 09:06:36
...
Ein Konzept "HAVOC": https://en.wikipedia.org/wiki/High_Altitude_Venus_Operational_Concept (https://en.wikipedia.org/wiki/High_Altitude_Venus_Operational_Concept) ...
Dazu haben wir auch einen eigenen Diskussionsfaden:

https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=13181.0 (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=13181.0)

Gruß   Pirx
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Flandry am 15. September 2020, 11:29:37
Die Frage ist was man jetzt daraus machen kann.

Eine klassische Sonde "von außen" draufschauen lassen, wird ähnliche Messergebnisse bringen und man kann auch nicht wie üblich einfach irgendwas auf die Planetenoberfläche schicken. Mal abgesehen davon das das dort nicht lang überlebt, sucht man dort ja auch nicht.

Im Grunde bräuchte man irgendwas, das was bis in diese Schicht absteigt und dort verweilt, was eine ziemliche Herausforderung darstellen würde.

Ballone hat man ja bereits Mitte der 80er Jahre mit Vega 1 & 2 (https://de.wikipedia.org/wiki/Vega_(Raumsonde)) erfolgreich in der Venusatmosphäre ausgesetzt. Eine (oder mehrere) Missionen, um diesen Bereich der Venusatmosphäre genauer zu untersuchen, sollte jetzt kein Hexenwerk sein.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Duncan Idaho am 15. September 2020, 11:56:20
Fürs Archiv, das Paper:
https://www.nature.com/articles/s41550-020-1174-4 (https://www.nature.com/articles/s41550-020-1174-4)

Ganz spannende Sache, ich hätte am wenigsten mit der Venus als Ort für Leben gerechnet.
Auch wenn es anaerob ist, würde das bedeuten, sobald sich die geringste Möglichkeit für Leben einstellt, entsteht es.
Man muss dem ganzen System nur genug Zeit geben.

Ich bin für eine Sonde die da in bis zu 50km eintaucht und die Proben zurück zur Erde bringt.

Zu dem Spektrum Artikel, es ist schon interessant das wir Leben immer mit unserem auf Wasser und O2 basierendem Leben vergleichen.  :)
 
Edit, Beck hat anscheinend eine ähnliche Idee.
https://twitter.com/Peter_J_Beck/status/1305610387505647616 (https://twitter.com/Peter_J_Beck/status/1305610387505647616)
Zitat
Es ist geplant, eine Sonde vom Photon-Raumschiff zu trennen und diese in die Wolken einzutragen, um Proben zu entnehmen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: einsteinturm am 15. September 2020, 12:13:56
Proben zurück zur Erde,  ob da ein s4 Labor ausreicht? Wäre doch schade wenn es in ein paar Jahten hier so aussieht wie dort...
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Duncan Idaho am 15. September 2020, 12:30:35
Proben zurück zur Erde,  ob da ein s4 Labor ausreicht? Wäre doch schade wenn es in ein paar Jahten hier so aussieht wie dort...

Daran hab ich auch sofort gedacht.  :)
https://de.wikipedia.org/wiki/Andromeda_%E2%80%93_T%C3%B6dlicher_Staub_aus_dem_All_(1971) (https://de.wikipedia.org/wiki/Andromeda_%E2%80%93_T%C3%B6dlicher_Staub_aus_dem_All_(1971))

Würden aber bei uns wahrscheinlich elendig zugrunde gehen.

Nachtrag:
(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up073453.png)
https://xkcd.com/2359/ (https://xkcd.com/2359/)

Lisa Pecher, aus der chemischen Betrachtung:
https://twitter.com/LisaPecher/status/1305566140593311744 (https://twitter.com/LisaPecher/status/1305566140593311744)

Auszüge aus dem Faden:
Zitat
Es gibt auch andere photochemische / atmosphärisch-chemische Wege, aber keiner begünstigt die Produktion von PH3 unter den Umgebungsbedingungen in der Venusatmosphäre. Es ist einfach nicht heiß genug. 9/13

Zitat
Also: Alle uns bekannten nicht-biochemischen Wege, die PH3 erzeugen, funktionieren unter den Bedingungen in der Venusatmosphäre nicht wirklich. Das einzige, was wir noch wissen, ist der Stoffwechsel anaerober Bakterien. Aber heißt das, dass wir auf der Venus einen Hinweis auf mikrobielles Leben gefunden haben? 10/13

Zitat
Lisa Pecher@LisaPecher
Sources/further reading:
"Phosphine gas in the cloud decks of Venus": https://nature.com/articles/s41550-020-1174-4 (https://nature.com/articles/s41550-020-1174-4)

"Phosphine as a Biosignature Gas in Exoplanet Atmospheres": https://liebertpub.com/doi/10.1089/ast.2018.1954 (https://liebertpub.com/doi/10.1089/ast.2018.1954)

https://arxiv.org/abs/1910.05224 (https://arxiv.org/abs/1910.05224)


Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 15. September 2020, 14:16:23
Zitat
Auch wenn es anaerob ist, würde das bedeuten, sobald sich die geringste Möglichkeit für Leben einstellt, entsteht es.
Man muss dem ganzen System nur genug Zeit geben.

Das kann es bedeutet und stärkt diese These.
Aber genauso nähme damit die Theorie der Panspermie zwischen unseren Planeten zulauf. Gerade in der frühen Entwicklung der Planeten wurde viel Material zwischen diesen Ausgetauscht. Vielleicht stammen wir alle von der Venus..


Eine Mission zur Venus die einen Forschungsballon absetzt ist jetzt der offensichtliche nächste Schritt. Und der wird wahrscheinlich nicht nur einmal erfolgen. (USA, Russland, Peter Beck... er sprach von 2023 für eine solche Mission).
Aber eine Probenrückführung ist noch einmal eine ganz andere Sache - sowohl von der technischen als auch von der PlanetaryProtection Seite. Wenn so etwas noch vor 2030 klappt wäre das ziemlich schnell.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: spacepete am 15. September 2020, 14:26:48
Hallo,

auch wenn es momentan heißt, keine bekannten chemischen Prozesse können die Bildung von PH3 erklären, sagt mir mein "Chemikergefühl", dass so ein einfaches Molekül unter den höllischen und weitgehend unbekannten Venusbedingungen ziemlich sicher auch ohne Biologie entstehen kann.

Skeptische Grüße

Mario

Ich würde sagen gerade diese höllischen Bedingungen, die das Phosphin recht schnell zerstören/abbauen, sprechen für einen kontinuierlichen Nachschub von frischem PH3.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: spacepete am 15. September 2020, 14:50:56
Planetary Protection ist hier wirklich das A und O falls es wirklich Mikroben sind.

Temperatur und Druck sind schonmal erdähnlich in der habitablen Zone, aber es gibt dann (mindestens) 2 Möglichkeiten:

1) Die Mikroben brauchen unbedingt ca. 90% Schwefelsäure um dauerhaft zu überleben. Das wäre easy, ausserhalb der Säure würden sie schnell absterben.

oder

2) Die Mikroben sind extrem robust, überleben bei Raumtemperatur und 1 Bar Druck quasi überall und können nichtmal durch 90% Schwefelsäure sterilisiert werden!

Nr. 2 wäre fatal für die Erde. Obacht bei einer Probenrückholmission!
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: BigR2020 am 15. September 2020, 18:25:26
Ich glaube, heute sollte es kein Problem mehr sein, ein geeignetes Labor auf die Venus zu schicken.

Zu 2) In der Tiefsee hat man auch Leben gefunden. Das hat die Erde nicht erobert.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Prodatron am 15. September 2020, 19:29:17
Planetary Protection ist hier wirklich das A und O falls es wirklich Mikroben sind.
Ist das wirklich so?

https://de.wikipedia.org/wiki/Panspermie#Transspermie (https://de.wikipedia.org/wiki/Panspermie#Transspermie)
Zitat von: Wikipedia
Nach der bereits erwähnten Arbeit der Forscher um Mileikowsky gelangten in der Erdgeschichte mehr als vier Milliarden Tonnen Marsmaterial auf die Erde, das bei diesem Prozess nicht über 100 °C erhitzt wurde.

Ist eben nicht so, daß auch vor der Raumfahrt die Planeten 100% voneinander isoliert waren. Ich kann mir vorstellen, daß bei dem Impakt vor 66 Millionen Jahre auch wieder einiges an Erdmaterial zum Mars und zur Venus unterwegs war. Vielleicht sogar noch "eben erst" durch das Ries Ereignis?

Umgekehrt natürlich ebenso, wobei Mars durch die dünne Athmosphäre und die niedrige Gravitation sicherlich am spendabelsten ist, Venus durch die sehr dicke Athmosphäre dagegen am geizigsten.

Aber daß seit hunderten von Millionen Jahren gar nichts mehr zur Erde von der Venus gelangte, ist wohl utopisch. D.h., sollte es dort Mikroben geben, sind die sicherlich auch ab und zu mal hier vorbeigeflogen.

Oder gibt es Gründe, die das komplett ausschließen?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 15. September 2020, 19:44:58
Nein.

Genauso, wie aufgrund der sehr speziellen Bedingungen in den Venuswolken die möglichen Venus-Lebewesen hier kaum so schnell eine ähnliche Lücke zum Vermehren finden dürften. Die paar Keime außen an einer möglichen Rückkehrkapsel sterben bevor sie sich vermehren können.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: spacepete am 15. September 2020, 22:43:15
Existieren eigentlich Mikroben in irdischem "Wolkenwasser" oder sind Wolken steril?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: HausD am 16. September 2020, 06:27:45
Existieren eigentlich Mikroben in irdischem "Wolkenwasser"...
Generell würde ich sagen:  Ja   ...
... oder sind Wolken steril? ...
...  Nein!
Doch auch in den wolkenlosen Schichten der Atmosphäre gibt es Eintragungen von Sand, Staub, Pilzsporen, die durch Luftbewegungen wie Stürme, Hurrikans und Tornados in sehr große Höhen transportiert werden können. Da sollten auch Mikroben mit dabei sein.

Es gibt Bestrebungen mit Raketen Probennahmen bis in die Höhe von 300 km zu organisieren. (siehe Hier bei Rcon (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=3428.msg487908#msg487908) ) um dazu mehr Klarheit zu erhalten.

Gruß, bleibt gesund und locker, aber auch gesundheitsbewusst diszipliniert, HausD
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 16. September 2020, 08:59:57
Zitat
Auch wenn es anaerob ist, würde das bedeuten, sobald sich die geringste Möglichkeit für Leben einstellt, entsteht es.
Man muss dem ganzen System nur genug Zeit geben.

Das kann es bedeutet und stärkt diese These.
Aber genauso nähme damit die Theorie der Panspermie zwischen unseren Planeten zulauf. Gerade in der frühen Entwicklung der Planeten wurde viel Material zwischen diesen Ausgetauscht. Vielleicht stammen wir alle von der Venus..


Eine Mission zur Venus die einen Forschungsballon absetzt ist jetzt der offensichtliche nächste Schritt. Und der wird wahrscheinlich nicht nur einmal erfolgen. (USA, Russland, Peter Beck... er sprach von 2023 für eine solche Mission).
Aber eine Probenrückführung ist noch einmal eine ganz andere Sache - sowohl von der technischen als auch von der PlanetaryProtection Seite. Wenn so etwas noch vor 2030 klappt wäre das ziemlich schnell.

Panspermie aendert nichts am Status Quo, außerirdischen Lebens, es sei denn, wir sind die Quelle. Außerdem kann die Panspermie nicht unendlich alt sein. Zuerst muss sich das Leben entwickelt haben. Zu dem Zeitpunkt war das grosse Bombardement eigentlich schon vorbei. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass ein kontaminierter Steinbrocken von der Erde zur Venus fliegt, wo die Mikroben in 50km aus dem Taxi steigen und es sich in der Atmosphäre gemütlich machen, in einem Environment, dass sie zuvor nicht kannten. Imho muessten die Mikroben die Venusoberflaeche zu einem Zeitpunkt erreicht haben, als es da wirklich noch gemütlich war. Panspermie zur Venus kann nur in einem beschränkten Zeitraum funktioniert haben. Von daher bin ich da etwas skeptisch. Im Umkehrschluss stimme ich auch zu, wenn es Leben ist, dann würde ich eine sample return Mission sorgfältig planen, damit da nichts in die Umwelt gelangt.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Pham am 16. September 2020, 12:41:04
Hallo,

auch wenn es momentan heißt, keine bekannten chemischen Prozesse können die Bildung von PH3 erklären, sagt mir mein "Chemikergefühl", dass so ein einfaches Molekül unter den höllischen und weitgehend unbekannten Venusbedingungen ziemlich sicher auch ohne Biologie entstehen kann.

Skeptische Grüße

Mario
Zwischenzeitlich ist bei solchen Meldungen, der Reflex zum Skeptizismus unter Wissenschaftler ja geradezu in die DNA impragniert.

In diesem Fall wäre es allerdings die ungünstigere Möglichkeit, wenn solche anorganischen Bedingungen für die Bildung von PH3 gefunden würde, da somit unser bisher vielversprechendster Biomarker auf der Suche nach extrasolarem Leben beim ersten Versuch versagt hätte.
Was könnten wir dann auf diesen und alle anderen Biomarker geben, wenn wir diese mal in den Atmosphären extrasolarer Planeten finden?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 16. September 2020, 13:24:17
Wir können nichts anderes machen als lernen. Und um so besser wenn wir falsch-positive Treffer schon im eigenen Sonnensystem herausfinden können - auch wenn es schade in Bezug auf die Möglichkeiten von Biomarkern wäre!

Die Wissenschaftsredaktionen scheinen gespalten zu sein.

Spektrum (https://www.spektrum.de/news/kein-leben-in-der-gluthoelle/1768056) titelt extrem skeptisch [und etwas voreingenommen] mit Kein Leben in der Gluthölle/Venus Atmosphäre.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 16. September 2020, 13:55:38
Phophin eignet sich wahrscheinlich nicht als Biomarker, da diese Verbindung auch in der Atmosphäre von Jupiter und Saturn nachgewiesen wurde, wo es vermutlich anorganisch durch den hohen Druck entstanden ist.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 16. September 2020, 14:26:50
Das trifft (nach jetzigem Wissen) aber nur auf Gasplaneten zu.

Die Unterscheidung fällt natürlich bei Supererden auch wieder schwer, aber wenn man einen Planeten mit Venusmasse findet sollte klar sein dass es kein Gasriese ist.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: spacepete am 16. September 2020, 15:14:33
Zumal das Phosphin ja explizit nur in der habitablen Zone der Venus gefunden wurde. Dort sind die Bedingungen ja eben überhaupt nicht höllisch, eine Entstehung ist dort anorganisch nicht erklärbar.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: rok am 16. September 2020, 15:41:07
Außerdem haben Gasplaneten einen hohen Wasserstoff-Anteil in der Atmospäre, was wahrscheinlich eine Voraussetzung für die Bildung von Phosphin durch anorganische Prozesse ist.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: einsteinturm am 16. September 2020, 16:33:14
Also ich würde auch erwarten, dass man die möglichen Analogien zum Jupiter seit 2017 geprüft hat.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: FlyRider am 16. September 2020, 21:18:48
Zumal das Phosphin ja explizit nur in der habitablen Zone der Venus gefunden wurde. Dort sind die Bedingungen ja eben überhaupt nicht höllisch, eine Entstehung ist dort anorganisch nicht erklärbar.

Sogar die "weniger geeigneten" Breitengrade weisen eine deutlich geringere oder gar keine Phosphin Konzentration auf. Es kommt wohl nur in den mittleren Breitengraden vor, nicht an den Polen und nicht am Aquator. Möglicherweise weil die Atmosphäre dort weniger turbulent ist und das der Entstehung und dem Erhalt von Leben zu Gute kommt.

Schon sehr spannend das Ganze - ich hoffe, dass da paar neue und aufregende Missionen daraus entstehen  8)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 16. September 2020, 21:31:53
Phophin eignet sich wahrscheinlich nicht als Biomarker, da diese Verbindung auch in der Atmosphäre von Jupiter und Saturn nachgewiesen wurde, wo es vermutlich anorganisch durch den hohen Druck entstanden ist.

Wurde schon mehrfach geschrieben. Man hat lange nach verlässlichen Biomarker gesucht und gefunden. Es würde schon einer kleinen Sensation gleichkommen, wenn der Biomarker schon beim Testlauf versagt.

Es gibt 3 Kriterien, die zusammengenommen schon eher für, als gegen organisches Prozesse sprechen.
Fundort, Menge, Environment.

Ansonsten bin ich für eine sample return mission. Sollte man Leben finden, wird sofort die naechste Fragen lauten, woher stammt es.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MR am 17. September 2020, 02:40:57
Ansonsten bin ich für eine sample return mission. Sollte man Leben finden, wird sofort die naechste Fragen lauten, woher stammt es.

Eine Sample Return Mission zur Erde halte ich für zu gefährlich. Wenn es Leben auf der Venus gibt, dann ist es Einzellig oder kleiner und sehr widerstandsfähig. Sollten es Krankheitserreger sein, hätten wir dagegen keine Abwehrkräfte.

Deswegen auf jeden Fall erst eine unbemannte Vor-Ort-Untersuchung. Das muss kein Ballon sein, sondern man gewinnt eine Probe und untersucht sie in der Umlaufbahn. Erst wenn jede Gefahr ausgeschlossen ist, bringt man eine Probe zur Erde.

Es ist schon lustig. Regelmäßig rechtfertigt man mit der Suche nach Leben die teuersten Missionen zum Mars. Die Venus wird ignoriert. Und plötzlich ist die Venus auf einmal interessanter als der Mars.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Therodon am 17. September 2020, 03:01:11
Die Frage ist doch was untersucht man da und wie schnell sind neue Missionen unterwegs. So eine Sonde schleppt ja nun kein vollausgestattetes Labor da hin mit dem man dann im Weltraum monatelange Untersuchungen macht.

Wenn man nichts zurück bringt, wird es wahrscheinlich heissen „Leben gefunden. Und nun?“
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: FlyRider am 17. September 2020, 06:52:03
Die Frage ist doch was untersucht man da und wie schnell sind neue Missionen unterwegs. So eine Sonde schleppt ja nun kein vollausgestattetes Labor da hin mit dem man dann im Weltraum monatelange Untersuchungen macht.?“

Als ersten Schritt, warum nicht? Die aktuellen Mars - Rover haben auch rund eine Tonne und haben auch Labore für chemische Untersuchungen an Board, die jahrelang betrieben werden. Ein Ballon oder Luftschiff mit einem komplett auf Biomarker spezialisierten Labor müsste doch durchaus machbar sein.

Sollte sich der Verdacht auf Leben damit erhärten, wäre ein Sample Return der nächste Schritt. Und dann HAVOC  8)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: einsteinturm am 17. September 2020, 10:14:34
Im ganzen betrachtet ist Mars schon das wesentlich kalkulierbarere Pflaster.

Habe gelesen das sowohl der Weg hin zu Venus energieaufwendiger ist, der Rückweg vielleicht auch? Was kostet denn ein Rückstart von einer Tonne Venus-Erde aus 50 km Höhe an Energie?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 17. September 2020, 10:15:03
@FlyRider: Ja, das werden die nächsten Schritte sein. Und, ja, das dauert alles noch.
Roskosmos/Rogozin hat ja auch gleich angekündigt dass die Venus ein russischer Planet ist ( 8) ) und sie außer Venera-D eine komplett eigene Mission entwerfen und entsenden wollen.


Eine Sample Return Mission zur Erde halte ich für zu gefährlich. Wenn es Leben auf der Venus gibt, dann ist es Einzellig oder kleiner und sehr widerstandsfähig. Sollten es Krankheitserreger sein, hätten wir dagegen keine Abwehrkräfte.

 ???
In der Venusatmosphäre werden keine Krankheitserreger gezüchtet. Da fehlt ihnen überhaupt erst einmal ein Wirt.
Zudem die Bedingungen dort schon sehr speziell sind - und mit Sicherheit nicht in einem Menschlichen Körper vorkommen.

Aber ja, erst Vorortuntersuchungen und danach eine gut gesicherte Sample Return Mission in den 30er Jahren. Darauf wird es hinaus laufen.

EDIT:
@einsteinturm: Venus vs. Mars: ~3500m/s vs. 2500m/s
https://space.stackexchange.com/questions/14653/how-can-delta-v-and-aerobraking-as-shown-in-this-chart-be-explained (https://space.stackexchange.com/questions/14653/how-can-delta-v-and-aerobraking-as-shown-in-this-chart-be-explained)

Damit ist die Venus etwa 40% schwieriger zu erreichen.
ABER da spielt eben auch immer stark die Trockenmasse mit hinein. Wenn die Nutzlast schön klein ist macht das nicht so viel aus. 
Und selbst wenn man die Rückkehr-Rakete ne Ecke vergrößern müsste ... hauptsächlich müsste dann mehr Treibstoff verbracht werden. Das sollte die Kosten nicht so stark steigen lassen.
Das ist alles machbar.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Pham am 17. September 2020, 12:59:11
Ob  das mögliche leben in der oberen Venusatmosphäre überhaupt als Krankheitserreger taugt, hängt mit entscheidend davon ab, ob es mit dem leben auf der Erde "verwandt" wäre oder sich wirklich komplett eigenständig, ohne gegenseitigen "Austausch" in der Frühzeit unserer beider Planeten entwickelt hat.

Zweiteres ist nicht ganz unwahrscheinlich, wenn sich beide Planeten zunächst ähnlich lebensfreundlich entwickelt haben und die Venus eher später als früher auf diesem weg ausscherte. Dann könnten die Lebensformen biochemisch vergleichbar sein und eben als mögliche Krankheitserreger taugen die besonders vorsichtig behandelt werden müssen.
Wenn es da unter den gegebenen Bedingungen heute noch leben gäbe, muss diese unglaublich widerstandsfähig sein. Wir wären biochemisch dagegen die vollen "Weicheier".

Sollte sich das leben dort aber vollständig unabhängig entwickelt haben, könnte die Biochemie des Lebens dort komplett anders aufgebaut sein, so dass dies auf uns höchsten eine giftige, aber keine infizierende Wirkung hätte.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 17. September 2020, 13:24:33
'Infizieren' bedeutet 'in dem ökosystem vermehren'.

Und ich bin sehr sicher dass sich der menschliche Körper SEHR von einem Co2/N2 Gas mit Tröpfchen von H2SO4 und Beimengungen von P, Cl und S unterscheidet.

Gerade! weil die Venusatmosphäre eine so starke Nische ist wird sich dortiges Leben hier eher schlecht einpassen können. (ein EVA-Raumanzug eignet sich auch nicht gut als Alltagskleidung)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: McPhönix am 17. September 2020, 16:43:36
Keine Gefahr durch Venusbakterien o.ä. Kleinzeug von dort ?
Keine Vermehrung auf der Erde möglich ?

Was das betrifft, hat man auf Erdbakterien bezogen früher sicher ähnlich gedacht.
Bis man die Schwefelbakterien entdeckte.
Und dann die Thiomargas.
Und dann Leptospirillum.
Und als man dachte, schlimmer könnte es nicht kommen, fand man
Deinococcus.

Es ist dabei wurscht, ob da jeweils Symbiosen zum Überleben nötig sind oder nicht.
Fakt ist - wurde ein Lebensraum okkupiert, wird versucht ihn auszudehnen.
Anpassung funktioniert auch anderherum !
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 17. September 2020, 17:03:36
Keine Gefahr durch Venusbakterien o.ä. Kleinzeug von dort ?
Keine Vermehrung auf der Erde möglich ?

Nicht falsch Zitieren. ;)
Es gibt eine Gefahr von Lebewesen von der Venus.
Aber keine besonders Große. Und vor allem nicht direkt für den menschlichen Körper.

Klar wird eine Vermehrung auch auf der Erde möglich sein. Spätestens irgendwo unter Idealen Bedingungen in einem Labor  8)

Hier in freier Umwelt müssen die handvoll von Venus-Zellen tatsächlich erst einmal von der Rückkehrsonde rein physisch erst einmal in ein derart spezielles Ökosystem kommen.

Zitat
Es ist dabei wurscht, ob da jeweils Symbiosen zum Überleben nötig sind oder nicht.
Fakt ist - wurde ein Lebensraum okkupiert, wird versucht ihn auszudehnen.
Anpassung funktioniert auch andersherum !

Aber viel viel schlechter als sorum.

Generalisten können sich immer schön ausbreiten und dann anpassen.
Hochspezialisten brauchen erst einmal ihre Nische, wo sie sich erst einmal vermehren und weiterleben können um von dort aus sich dann ausbreiten zu können.


Ich sag nicht dass man bei der Probenrückführung nicht vorsichtig sein sollte!
, erst Vorortuntersuchungen und danach eine gut gesicherte Sample Return Mission in den 30er Jahren. Darauf wird es hinaus laufen.

Aber andersrum muss man auch nicht die Hunde unnötig scheu machen - und Medien Gratismunition für Meinungen gegen eine Rückführmission liefern.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Duncan Idaho am 17. September 2020, 17:32:49
Peter Beck ist "Feuer und Flamme".
https://spaceflightnow.com/2020/09/14/hints-of-life-raises-interest-in-venus-missions-and-a-privately-funded-probe-could-lead-the-way/ (https://spaceflightnow.com/2020/09/14/hints-of-life-raises-interest-in-venus-missions-and-a-privately-funded-probe-could-lead-the-way/)

Zitat
“If I’m going, I’m going to Venus privately,” he said. “I think it’s super important for (it to be) a private mission because just the mere fact of trying to do it raises the bar. A private mission to another planet is something that’s never been done before, or attempted before, and I think that once you show that can be done, that leads the way for a bunch more missions in the future.”

Zitat
"Wenn ich gehe, gehe ich privat zur Venus", sagte er. "Ich denke, es ist super wichtig für eine private Mission, denn schon die bloße Tatsache, es zu versuchen, legt die Messlatte höher." Eine private Mission auf einem anderen Planeten ist etwas, das noch nie zuvor durchgeführt oder versucht wurde, und ich denke, wenn Sie einmal gezeigt haben, dass dies möglich ist, ist dies der Weg für eine Reihe weiterer Missionen in der Zukunft. "

3kg für wissenschaftliche Nutzlast, nicht viel aber immerhin.
Photon dient als Relais.

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Mim am 17. September 2020, 17:48:19
Was ich auch schlimm fände wäre, wenn "wir" die Venus verunreinigen würden. Die kann sich von der Erde ja wer weiß was holen. (mal laienhaft gesagt)
Denn so herum muß ja auch aufgepaßt werden...
MfG, Mim
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: FlyRider am 17. September 2020, 18:00:34
Peter Beck ist "Feuer und Flamme".
https://spaceflightnow.com/2020/09/14/hints-of-life-raises-interest-in-venus-missions-and-a-privately-funded-probe-could-lead-the-way/ (https://spaceflightnow.com/2020/09/14/hints-of-life-raises-interest-in-venus-missions-and-a-privately-funded-probe-could-lead-the-way/)

Wie cool ist das denn!!  :D

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was es auslösen könnte, wenn Peter Beck wirklich anfängt, diese Mission zu planen und vorzubereitet. Mag sein, dass das "ich war erster" Spielchen bisschen kindisch für eigentlich erwachsene Menschen ist, aber: Wenn es wirklich so sein sollte, dass mit ganz viel Glück eine rein private Mission eines "Raketen - Fans" das erste außerirdische Leben entdeckt, dann gibt das bei NASA, ESA, ROSCOSMOS und Co. paar ganz, ganz unangenehme Pressekonferenzen ... ich bin mir ziemlich sicher, dass die Agenturen sich davor auch überlegen würden, wie man das verhindern kann  8)

Das kann jetzt wirklich spannend werden!  :)   
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 17. September 2020, 18:20:00
Ein direkter Nachweis dürften mit 3kg Gesamtnutzlast nur schwer möglich sein. Eher werden weitere Hinweise (oder dessen Gegenteile) dabei raus kommen.

Was ich auch schlimm fände wäre, wenn "wir" die Venus verunreinigen würden. Die kann sich von der Erde ja wer weiß was holen. (mal laienhaft gesagt)

Mal konkret gefragt: Welche lebewesen sollen sich im Reinraum der Satellitenmanufaktur anheften, so dass sie den Flug überleben, sich in den Wolken der Venus wieder lösen, dort überleben, und auch noch unter diesen Bedingungen überleben? (Die meisten Desinfektionsmittel selber sind auf der Erde lebensfreundlicher als das dortige Wetter)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 17. September 2020, 20:48:41
Übersicht über zuletzt durchgeführte Studien und Vorschläge (aus den USA) um die Atmosphäre der Venus genauer zu untersuchen:

https://www.youtube.com/watch?v=cm8U3rmg7rg&ab_channel=FraserCain (https://www.youtube.com/watch?v=cm8U3rmg7rg&ab_channel=FraserCain)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Lumpi am 18. September 2020, 10:32:37
Auch BepiColombo könnte bei den Vorbeiflügen an der Venus möglicherweise das Phosphin in der Atmosphäre nachweisen und damit die Entdeckung bestätigen. Weil der erste Vorbeiflug am 15. Oktober mit 10.000 km recht weit entfernt erfolgt, stehen die Chancen dafür am 10. August nächsten Jahres bei nur 550 km besser.

Zitat
“We possibly could detect phosphine,” says ESA's Johannes Benkhoff, BepiColombo's Project Scientist. “But we do not know if our instrument is sensitive enough.”
https://www.forbes.com/sites/jonathanocallaghan/2020/09/16/in-a-complete-fluke-a-european-spacecraft-is-about-to-fly-past-venus--and-could-look-for-signs-of-life/#34344fb12681 (https://www.forbes.com/sites/jonathanocallaghan/2020/09/16/in-a-complete-fluke-a-european-spacecraft-is-about-to-fly-past-venus--and-could-look-for-signs-of-life/#34344fb12681)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: KlausLange am 19. September 2020, 22:43:29
So neu sind solche Venus Meldungen ja nicht.

Habe mich daran erinnert, dass es schon einmal im Jahr 2002 den Nachweis von Biosignaturen in der Venus-Atmosphäre gab. Habe daher nochmals zum Buch von Sven Piper Exoplaneten - Die Suche nach einer zweiten Erde gegriffen und bin fündig geworden.

Sven Piper erwähnt die Nachweise von den Astrobiologen Dirk Schulze-Makuch und Louis Irwin.

Sie werteten nochmals die Messungen der Sonden Verena und Pioneer aus und fanden deutliche Biosignaturen in genau jener Atmosphärenschicht, die auch aktuell wieder für Spekulationen sorgt.

Siehe https://www.heise.de/tp/features/Leben-auf-der-Venus-3426799.html (https://www.heise.de/tp/features/Leben-auf-der-Venus-3426799.html)


Daraus zu den beiden Signaturen: Zum einen das gleichzeitige Vorhandensein von Schwefelwasserstoff und zugleich Schwefeldioxid. Das seltsame: Beide Stoffe reagieren miteinander und dürften daher nicht gleichzeitig nebenher zu finden sein, es sei denn bei biologischer Aktivität. Zum anderen Carbonylsulfid-Vorkommen. Dieses Gas ist anorganisch so schwer herzustellen, dass dafür eigentlich nur biologische Prozesse infrage kommen.

Im Jahre 2004 zeigten die Forscher in weiteren Abhandlungen, wie Mikroben auf der Venus vor langer Zeit entstanden sein könnten und wie sie möglicherweise in der Atmosphäre bis heute überdauern konnten.

Die Arbeiten erschienen im Fachjournal Astrobiology.

Seltsamerweise zitiert die aktuelle Abhandlung über den Fund von Monophosphan gar nicht die damaligen Funde...
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 20. September 2020, 21:53:55
Danke Klaus

Sehr interessanter Beitrag. Werde mir das mal genauer anschauen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: alepu am 20. September 2020, 22:41:02
Schade, daß das nicht schon damals allgemein besser bekannt wurde und keine entsprechende Sondenaktivität hervorgerufen hat.
Dann wären wir jetzt wohl nicht auf vage Vermutungen angewiesen und müßten nicht noch Jahre auf sichere Ergebnisse warten!  :-\
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: einsteinturm am 21. September 2020, 08:29:36
So etwas wird wohl nicht erwähnt,  um die Priorität nicht zu gefährden. Aber danke für den Hinweis.Es kommt leider bei allen Themen vor allem auf medialen Rummel an
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Lumpi am 21. September 2020, 14:42:05
Hier wird die ganze Aufregung um die Phosphin-Entdeckung schön als Comic erklärt:  :)
https://blogs.helmholtz.de/augenspiegel/2020/09/klar-soweit-78/ (https://blogs.helmholtz.de/augenspiegel/2020/09/klar-soweit-78/)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up073525.jpg) (https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up073526.jpg)
Credit: Helmholtz-Wissenschaftscomic No.78 | Phosphinsignatur: ALMA (ESO/NAOJ/NRAO), Greaves et al. & JCMT (East Asian Observatory) | Bilder: Véro Mischitz | Helmholtz-Gemeinschaft, CC-BY-ND 4.0
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: McPhönix am 21. September 2020, 15:06:26
Da hat einer noch das WELCOME T-Shirt von der letzten Demo an. Ist das jetzt symbolisch gemeint für "Microbenschutzmaßnahmen brauchen wir nicht. Die sind alle friedlich" ?
Das kommt ja immerhin von der Helmholtz Gesellschaft.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: alepu am 28. September 2020, 11:20:41
Inzwischen werden immer mehr Zweifel laut:

https://space.com/skepticism-life-on-venus (https://space.com/skepticism-life-on-venus)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Galileo am 29. September 2020, 12:21:52
Wäre eine Probenrückführung nicht nur extrem aufwendig, sondern mit unseren aktuellen technischen Möglichkeiten sogar unmöglich? Ich meine  wir sind ja nicht einmal in der Lage, Gesteinsproben vom Mars zur Erde zu führen. Die Schwerkraft der Venus ist aber um einiges höher und die Atmosphäre sehr aggressiv.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: alepu am 29. September 2020, 12:50:39
Nicht nur das!
Aber trotzdem stell ich mir eine Probenrückführung von der Venus einfacher vor.
Die Proben sollen ja nicht von der Venus-Oberfläche genommen werden, sondern hoch oben aus der Atmosphäre.
Also: keine komplizierte Landetechnik, kein Rover, kein Bohren, kein mühsames Einsammeln....., kein übermässiger Druck, keine höllische Hitze....
Eintauchen in die obere Atmosphäre, Ballon aufblasen, Schleusen für eine gewisse Zeit auf, Schleusen wieder zu, Abflug.
O.k. , wird natürlich nicht gaaaaaanz so einfach...... ::)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 29. September 2020, 14:08:21
Inzwischen werden immer mehr Zweifel laut:

https://space.com/skepticism-life-on-venus (https://space.com/skepticism-life-on-venus)

Der Artikel gefällt mir nicht. Das Wissenschaftsteam hat nie von einem Beweis von Leben gesprochen. Was die Ergebnisse der Messungen und die Zuverlässigkeit anbelangt, gibt es ein tolles Video von Gassner.

Phosphinnachweis (https://www.youtube.com/watch?v=Ag6Bp3NOFVI)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: alepu am 29. September 2020, 16:27:47
Vielen Dank  MilleniumPilot für das ausgezeichnete Video!
Ich kannte den Gassner noch nicht, und ich muß sagen ich bin begeistert! (Und auch noch ein waschechter Bayer!!)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Prodatron am 30. September 2020, 00:40:20
Ich kannte den Gassner noch nicht
Wie zum Geier kann man den Josef (https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_M._Ga%C3%9Fner) nicht kennen! :D :P
Für mich neben Florian Freistetter mit Abstand einer der beste Astronomie-Vermittler für Laien in der aktuellen Zeit (wobei Josef schon teilweise recht hardcore ist vom Schwierigkeitsgrad).
(sorry für OffTopic)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 30. September 2020, 08:22:26
Alepu  ;)

Muss mich Prodatron anschließen. Gassner ist neben Lesch die Ikone der Urknall Weltall Leben Serie. Allerdings erfordern viele seiner Videos schon etwas Vorkenntnisse in Mathematik und Physik. Teils harter Tobac. Dafür weiß man aber auch, dass man Wissen aus erster Hand vermittelt bekommt.

Auch von mir sorry für OT
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: KlausLange am 08. Oktober 2020, 16:32:37
Habe vor einiger Zeit gepostet, dass schon andere Forscher ältere Sonden-Daten ausgewertet hatten und in der Venus-Atmosphäre Biomarker fanden.

Nun gibt es ein neues Paper, worüber u.a. Universetoday.com (https://www.universetoday.com/148132/did-pioneer-see-phosphine-in-the-clouds-of-venus-decades-ago/) berichtet.

Es geht in erster Linie um Daten der Venus-Sonde Pioneer 13, die 1978 Messungen direkt in der Atmosphäre durchführte. Ihre Daten zeigen auch Phosphan, aber auch andere Biomarker in der entsprechenden Atmosphären-Schicht der Venus.
Auch wird in diesem Paper auf die Ergebnisse von Schulze-Makuch verwiesen, den ich ja damals erwähnte.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 08. Oktober 2020, 17:55:31
Nochmal danke Klaus.

Den Artikel habe ich auch gelesen. Das nimmt langsam richtig Form an. Die Indizien verstärken sich. Leider werden wir uns noch Jahre gedulden muessen.

  ???
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: BigR2020 am 18. Oktober 2020, 14:03:09
Es wurde auch Glycin auf der Venus gefunden. Die Existenz von Aminosäuren macht die Venus sehr interessant.

sputniknews (https://de.sputniknews.com/wissen/20201018328206815-forscher-finden-zweites-lebenszeichen-auf-der-venus/)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 19. Oktober 2020, 15:19:43
Hier ein Link zur Originalarbeit.

https://arxiv.org/abs/2010.06211 (https://arxiv.org/abs/2010.06211)

Interessant, das Glycin wurde in der selben Region wie das Phosphin gefunden. Es muss aber erwaehnt werden, dass das Glycin auch schnödes Schwefeloxid sein, weil es aehnliche Spektrallinien hat.

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: alepu am 19. Oktober 2020, 20:50:41
Ein etwas ausführlicherer Artikel:

https://futurezone.at/science/leben-auf-der-venus-baustein-von-dna-entdeckt/401068506 (https://futurezone.at/science/leben-auf-der-venus-baustein-von-dna-entdeckt/401068506)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 19. Oktober 2020, 21:13:09
Hallo Zusammen,

jetzt habe ich mir etwas Zeit für diesen Thread genommen.

In dem Link von @alepu wird von einigen
Zitat
Forschern die Theorie aufgestellt, dass die aktiven Vulkane der Venus für die Entstehung von Phosphorwasserstoff verantwortlich sind, anstatt biologische Prozesse.
Und der Satz :
Zitat
Es könnte sich auch herausstellen, dass es sich bei der Entdeckung um einen Messfehler handelt.
Quelle:
https://futurezone.at/science/leben-auf-der-venus-baustein-von-dna-entdeckt/401068506 (https://futurezone.at/science/leben-auf-der-venus-baustein-von-dna-entdeckt/401068506)

So ist alles mit sehr viel Vorsicht zu registrieren.

Einer Mission zu der Venus würde ich aus vielen Gründen natürlich sofort zu stimmen.
Beste Grüße, Gertrud
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 20. Oktober 2020, 09:34:25
Hallo Zusammen,

jetzt habe ich mir etwas Zeit für diesen Thread genommen.

In dem Link von @alepu wird von einigen
Zitat
Forschern die Theorie aufgestellt, dass die aktiven Vulkane der Venus für die Entstehung von Phosphorwasserstoff verantwortlich sind, anstatt biologische Prozesse.
Und der Satz :
Zitat
Es könnte sich auch herausstellen, dass es sich bei der Entdeckung um einen Messfehler handelt.
Quelle:
https://futurezone.at/science/leben-auf-der-venus-baustein-von-dna-entdeckt/401068506 (https://futurezone.at/science/leben-auf-der-venus-baustein-von-dna-entdeckt/401068506)

So ist alles mit sehr viel Vorsicht zu registrieren.

Einer Mission zu der Venus würde ich aus vielen Gründen natürlich sofort zu stimmen.
Beste Grüße, Gertrud

Ich glaube, das mit dem Messfehler kann man inzwischen relativ sicher ausschließen. Warum, hat Gassner doch recht eindrucksvoll erklärt. Dass das vermeintliche Glycin jetzt exakt an der gleichen Stelle wie das Phosphin gefunden wurde, ist auch kein Beweis, zumal es sich hier tatsächlich um einen Messfehler handeln kann. Dennoch ist bemerkenswert, dass es an der gleichen Stelle gefunden wurde und nicht in der gesamten Atmosphäre. Für mich ist das ein Prozess. Wir haben keinen Beweis für Leben, aber seit wir unseren Focus auf das Phosphin werfen, bildet sich eine Indizienkette, wie sie so nicht erwartet wurde. Je mehr Indizien auftauchen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass wir KEIN Leben gefunden haben und zwar ohne direkten Beweis. Natürlich sind wir von dem Punkt noch sehr weit entfernt, aber wundern würde mich inzwischen nichts mehr.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Terminus am 21. Oktober 2020, 19:28:13
Forscher zweifeln an den Lebensspuren in der Venus-Atmosphäre:

https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/vermeintliche-lebensspuren-forscher-zweifeln-am-venus-sensationsfund-a-f3e1b23a-0245-4d39-bee5-0830bbce4633 (https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/vermeintliche-lebensspuren-forscher-zweifeln-am-venus-sensationsfund-a-f3e1b23a-0245-4d39-bee5-0830bbce4633)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: alepu am 22. Oktober 2020, 15:32:31
Es ist die Aufgabe und das Wesen der Wissenschaftler/Forscher zu zweifeln, zu forschen, zu testen, auszuwerten und dann erneut zu zweifeln, zu forschen, zu testen.......
Nur im Idealfall kommt man da immer zum gleichen Ergebnis. ;)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 23. Oktober 2020, 15:39:28
Etwas überraschend kommt das für mich trotzdem: die Ursprungstudie schien viel wert darauf gelegt zu haben, nachzuweisen, dass diese Nachweise von Monophosphan wirklich korrekt sind.

Jetzt gibt es schon zwei (vor)Veröffentlichungen die Zweifel an dem Nachweis selbst haben.

https://www.spektrum.de/news/phosphan-messungen-voruebergehend-zurueckgezogen/1784414 (https://www.spektrum.de/news/phosphan-messungen-voruebergehend-zurueckgezogen/1784414)
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: BigR2020 am 26. Oktober 2020, 17:01:33
Dann war der Nachweis wohl eine Ente. So einfach zieht man eine Publikation nicht zurück, man muss schon selbst Zweifel daran haben. Was mich stört: Die Medien stürzen sich einfach auf Nachrichten, ohne jede Expertise wie man sieht. Woher bekommt man dann noch wirkliche Neuigkeiten?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 26. Oktober 2020, 19:12:46
Wo siehst du, dass Jane S. Greaves et alii ihr paper zurückgezogen haben.

Zitat
Woher bekommt man dann noch wirkliche Neuigkeiten?
OT:
Neuigkeiten: von überall her.
Du meinst aber sicherlich eher Wissen.

1. Wissenschaft funktioniert so nicht! Es gibt widerstreitende Meinungen, Forschungen und Ansichten. Das muss man wohl als Konsument einfach akzeptieren und verstehen - gerade bei neuen Entdeckungen.
Letztendliches, unumstößliches 'Wissen' findet man wohl nur in der Religion.

2. Für relativ fundierte Meldungen gibt es einige Anhaltspunkte:
 a) Sie posten ihre Quellen! Alle, die das nicht tun, würde ich zumeist sofort bei Seite legen.
 b) Credibility. Einer Spektrum der Wissenschaft vertrau ich mehr als einer Bild. Einer Nature mehr als einem EIKE-Institut.
 c) unaufgeregte Aufmachung, keine Clickbaitüberschriften, auch erwähnen von pro/contra oder von Zweifeln..
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: BigR2020 am 26. Oktober 2020, 20:08:10
Mir war nicht bewußt, das es nur ein Preprint ist.

Auch das geht in den Medien als Publikation und Fund durch, nicht mal das wird kommuniziert.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Sensei am 26. Oktober 2020, 20:22:13
https://www.nature.com/articles/s41550-020-1174-4 (https://www.nature.com/articles/s41550-020-1174-4)

Es ist ein Paper im Nature.
Soweit ich das sehe ist das kein Preprint. Schon gar keine Ente. (Dafür hätte ich echt gerne einen Beleg von dir)


Ich stimme dir fast zu, aber nicht dem Teilsatz: "... mehr als einem EIKE-Institut."

Musste das sein? Gut, unsere geliebte Kanzlerin würde das auch so sehen. Beschäftige dich erst einmal mit den Theorien des menschengemachten Klimawandels und CO2! Dann sehen wir weiter.

Kleiner Zusatz: Google und 'birds+windmills'

Nein, darüber, ob es den menschengemachten Klimawandel gibt, werden wir hier nicht diskutieren.

Und, ja, eines DER renomiertesten Wissenschaftsjounale werde ich mehr vertrauen als einem in Fachkreisen (zurecht oder nicht) hochgradig kritisierten eingetragenen Verein.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: Gertrud am 26. Oktober 2020, 20:44:32
Hallo Zusammen,

bitte nennt in unserem Forum nicht immer den Namen von dem Institut. Da kann man auch andere, bessere Vergleiche finden. Gruß Gertrud

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: BigR2020 am 27. Oktober 2020, 00:08:33
Mit Ente meine ich nicht reproduzierbare Datensätze. Ich weiß nicht, ob das hier der Fall ist. Bei meiner Arbeit in der Informatik, ist jeder schlechte Datensatz als Diagramm dem Professor aufgefallen, aber das war auf der Erde. Die statistischen Methoden der Publikation https://www.nature.com/articles/s41550-020-1174-4 (https://www.nature.com/articles/s41550-020-1174-4) sind qualitativ schlecht, mathematische Modelle und Formeln werden durch Computer Software ersetzt, wer liest so etwas?
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: errsu am 27. Oktober 2020, 00:59:55
Die statistischen Methoden der Publikation https://www.nature.com/articles/s41550-020-1174-4 (https://www.nature.com/articles/s41550-020-1174-4) sind qualitativ schlecht, mathematische Modelle und Formeln werden durch Computer Software ersetzt, wer liest so etwas?

Ohne die tatsächliche Qualität der Publikation beurteilen zu können, würde ich die Zweifel an der Methode nicht teilen. Solche Vorgehensweise ist im Bereich digitaler Methoden m.E. normal. Beispiel Wetter: für die riesigen Systeme von Differentialgleichungen, die die Atmosphäre beschreiben, sind gar keine analytischen Lösungen ("Formeln") bekannt, da gibt es nur numerische Näherungsmethoden, die aber grundsätzlich in Form von Algorithmen und insbesondere getesteten Programmen daherkommen. Anderes Beispiel: elektronische Schaltungen. Für die einzelnen Bauelemente gibt es Formeln, aber für die ganze Schaltung nicht mehr, da definiert man Anfangsbedingungen und schaut in sehr kleinen Intervallen, was entsprechend den Differentialgleichungen passiert. Und da kommt es darauf an, dass ich eine Software habe, die vielfach bewährt ist und der ich vertrauen kann. Wenn diese Software im Quellcode offen liegt, ist das schon mal gut. Und ich brauche die Software gar nicht zu verstehen, ich kann sie auf ein bereits gelöstes Problem loslassen und sehen, ob sie die selbe Lösung liefert. Wie beim Wetter und der Elektronik kann das allerdings auch mal schief gehen - das System findet keine stabile Lösung oder die Realität ist instabil und voller Singularitäten - deshalb ist wiederholtes Prüfen und Nachmessen ja auch trotzdem immer 'ne gute Idee.  ;)

/errsu
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: BigR2020 am 27. Oktober 2020, 01:53:27
Mich stört die Verwendung von Polynominterpolation, davon weiß man um die schlechte Kondition. Auch große Differentialgleichungen haben einen Ursprung als Formel. Mich stört besonders die Statistik, die Nullhypothese es gibt Phosphin an einem bestimmten Ort auf der Venus, wird nicht gegen die Alternativhypothese getestet. Statt dessen präsentiert man Diagramme und die Angabe von Konzentrationen ohne Modell. Als Mathematiker brauche ich die Computer Software nicht um das Verfahren zu verstehen.
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: errsu am 27. Oktober 2020, 11:58:19
@BigR2020 Was eine explizitere mathematische Erläuterung betrifft, stimme ich Dir zu. Es würde einigen eine bessere Beurteilung erlauben. Die Polynomialkoeffizienten zum Beispiel tauchen in der Arbeit auch gar nicht auf, weil sie zunächst eine Software laufen lassen, um die Koeffizienten für einen Bandpassfilter mit einem bestimmten Fenster ("through") zu berechnen, und dann gleich weiter im nächsten Schritt zur Anwendung bringen. Nicht dass ich selbst aus den Koeffizienten schlau werden würde ... Aber insgesamt scheint es doch so, dass hier ein sehr schwaches Signal aus einer riesigen Menge von Rauschen und Meßgerät-bedingten Artefakten extrahiert wird, die Probleme scheinen weniger theoretisch-mathematischer sondern eher meßtechnischer Natur.

Übrigens wurde nicht die Publikation zurückgezogen, sondern nur ein Teil der Daten auf denen sie beruht. Wenn sich jetzt herausstellt, dass in den Daten ein Fehlersignal enthalten war, das Phosphan simuliert, dann haben sie einfach Pech gehabt und waren nicht zu unrecht überrascht.

/errsu
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: odo am 28. Oktober 2020, 13:11:52
Nach diesem neuestem Artikel sagt nun ein Team um den Astronomen Geronimo Villanueva vom NASA Goddard Space Flight Center dass die vermeintliche Messung von PH3 auf der Venus wohl auf Auswertungsfehler zurück geht. (und nicht nur auf Datenfehler über ALMA). Er empfiehlt die Veröffentlichung zu überarbeiten und in Betracht zu ziehen, sie zu korrigieren oder zurückzuziehen.

https://www.spektrum.de/news/kein-lebenszeichen-auf-der-venus/1786838?utm_term=Autofeed&utm_medium=Social&utm_source=Twitter#Echobox=1603879819 (https://www.spektrum.de/news/kein-lebenszeichen-auf-der-venus/1786838?utm_term=Autofeed&utm_medium=Social&utm_source=Twitter#Echobox=1603879819)

Denkt Ihr da ist überhaupt noch irgendwas dran? BepiColombo wird ja bei seiner Passage höchstwahrscheinlich eh nix gemessen haben. Und bis die Sonde wieder vorbeifliegt vergeht ein Jahr. Man könnte die Erdmessungen nochmal wiederholen oder mit noch mehr vergleichenden Teleskopen machen...hm....
Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: MillenniumPilot am 28. Oktober 2020, 16:18:36
Selbst wenn sich die Messung als falsch herausstellen sollte, was im Uebrigen noch zu beweisen ist, waere das unglaublich wichtig für die Messungen im echten Einsatz. Nicht auszudenken, wenn JWST und Co in Dauerschleife Hinweise auf Leben auf Exoplaneten vermelden, was sich dann als Unsinn entpuppt. So als wuerde ein 10 Milliarden Dollar teures Thermometer den Siedepunkt von Wasser auf der Erde vermelden, dass kurz davor steht, in den festen Aggregatzustand überzugehen.

Aber wie gesagt, es muss auch erst mal bewiesen werden, dass die Messungen falsch sind. Und selbst dann bleibt die Frage, wieso es nur in bestimmten Teilen der Venusatmosphaere gefunden wurde. Von der Artikelaufmachung bin ich uebrigens schwer enttäuscht. Das ist click bait wie in der Boulevardpresse. Das war auch schonmal besser.

Titel: Re: Planet Venus
Beitrag von: alepu am 28. Oktober 2020, 16:20:26
Wieder mal nur "Viel Wind um nix" ?

Wäre wirklich schade, aber sollte ein Zeichen für spätere Veröffentlichungsabsichten sein, alles lieber einmal zuviel als einmal zuwenig zu überprüfen!