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Raumfahrt => Organisationen, Unternehmen und Programme => Thema gestartet von: tomtom am 04. Januar 2011, 18:03:05

Titel: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 04. Januar 2011, 18:03:05
Hallo,

so, ich mach jetzt doch mal einen neuen Thread auf. Bisher hatten wir verschiedenes in der Rubrik "Konzepte" im Thread "Europäische Vision" einsortiert.

Nachdem 2010 verschiedene Konferenzen durchgeführt wurden, macht die EU eine öffentliche Anhörung bis Ende Februar über mögliche EU-Raumfahrtprogramme.
http://ec.europa.eu/enterprise/policies/space/esp/public-consultation/index_en.htm (http://ec.europa.eu/enterprise/policies/space/esp/public-consultation/index_en.htm)

Da kann man sich auch nochmal die Backgroundinfos aus 2010 holen. (Die EU ist ja für Galileo und GMES zuständig, würde aber gem. Lisabon-Vertrag auch Raumfahrt allgemein und Exploration speziell durchführen.)

Interessant daran ist die etwas versteckte Umfrage!

Per Fragebogen darf man nämlich seine Ansichten zu
- Space Situational Awareness und
- Exploration
kundtun, also ob und wie man das bei der EU angesiedelt haben will.

z.B. Sollte die EU die Kosten der ISS tragen?
oder Wie man das Budget im Vergleich zum US-Budget beurteilt?

Viel Spass beim lesen und ausfüllen: http://ec.europa.eu/yourvoice/ipm/forms/dispatch?form=space (http://ec.europa.eu/yourvoice/ipm/forms/dispatch?form=space)

LG tomtom
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 04. Januar 2011, 20:43:14
Danke Thomas,

ich habe meine Meinung "kund getan". Mal schauen, wie die Stimme des Volks wahrgenommen wird, und wie sie ist.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Metus am 05. Januar 2011, 13:14:14
Interessant dass man bemannte Raumfahrt recht explizit in Betracht zieht. Danke für die Meldung.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 19. Januar 2011, 22:51:06
Raumfahrtpolitik ist in der EU-Kommission unter "Enterprise and Industry" angesiedelt, das vom Italiener Tajani geführt wird, Generaldirektor ist Heinz Zourek. Der hat heute zwei Vize-Generaldirektoren ernannt, einer davon ist u.a. auch für Space und Galileo zuständig. Dafür ist jetzt der Deutsche Paul Weissenberg ernannt worden, der bisher Direktor für Space war.

An P. Weissenberg berichten jetzt die drei Bereiche
1. Coordination, Infrastruktur, Exploitation - Paul Verhoef
2. Legal, Financial and Institutional - Ekaterini Kavvada
3. Applications Security, Internat. Aspects - Edgar Thielmann
Quelle (http://europa.eu/rapid/showInformation.do?pageName=middayExpress)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 20. Januar 2011, 13:08:44
Die EU-Kommission berichtete über Kostensteigerungen im Projekt Galileo. Diese Meldungen basieren auf einem interessanten, ca. 30 seitigen Bericht der Kommission an das Parlament.
Quelle(DE) (http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/_getdocument.cfm?doc_id=6314)

Lesenswert ist das Dokument hinsichtlich der Aspekte, die in der EU-Bürokratie in der Vergangenheit und aktuell eine Rolle spielen.
- Management- und Lenkungsprobleme
- Finanzierungsprobleme
- Risikomanagement

Bzgl. Galileo ist bemerkenswert, dass
- man 800 Mio Betriebskosten aufgrund einer Schätzung im Sommer 2010 erreichte,
- das man die Fertigstellung bis 2019 projektiert, obschon dazu bisher überhaupt keine Entscheidungen getroffen wurden.
- Betriebsphase und Entwicklungsphase sich überschneiden (was man management- und finanztechnisch auch schon kritisch sehen kann.)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 04. Februar 2011, 00:59:44
Galileo macht derzeit aufgrund der Zeit- und Kostensteigerungen einige Schlagzeilen, so wird in folgendem Artikel EU-Programmmanager Paul Verhoef schon mit Clint Eastwood verglichen, dem nichts anderes übrig bleibt, als mit stählernem Blick das Projekt weiterzuverfolgen. :)
Zitat
It’s a long, hard, dusty cattle drive, podners, across a hostile landscape infested with rattlers, rustlers, and budget cutters, to get a satellite system mounted and orbiting. But Galileo has got its wagon packed and horses saddled. While its doubters have not diminished either in numbers or vociferousness, the herd is on the move.
http://www.gpsworld.com/gnss-system/head-em-up-move-em-out-galileo-10984 (http://www.gpsworld.com/gnss-system/head-em-up-move-em-out-galileo-10984)

AviationWeek thematisiert ebenso die Entwicklung, um am Ende recht vielsagend anzumerken, dass eine Reihe von Ländern, vor allem Frankreich, eine Änderung des EU-ESA-Council anstrebt, in der die European Space Policy bestimmt wird, während ESA-Chef Dordain sagt, erstmal müßte geklärt werden, ob es da genügend Geld für Galileo und GMES gibt und wenn ja, ob es noch Geld gibt für anderes.
Quelle (http://www.aviationweek.com/aw/generic/story_channel.jsp?channel=space&id=news/awst/2011/01/24/AW_01_24_2011_p39-284139.xml&headline=Completing Galileo To Cost $2.5 Billion)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 03. März 2011, 18:38:01
Auf der Münchner Satellite Navigation Submit erklärten EU-Vertreter Paul Weissenberg und ESA-Direktor Dordain ihre Überzeugung für das System Galileo.
http://www.entity38.de/aerobrief/index.php?article_id=10456&issue=10456 (http://www.entity38.de/aerobrief/index.php?article_id=10456&issue=10456)

Dennoch scheint man über ein evtl. Teilsystem von 18 Satelliten in 2014 hinaus noch keine Fortschritte erreicht zu haben.

Im Vergleich dazu hat die Air Force trotz aller US-Budgetprobleme für 2012 einen Budgetanstieg allein für ihr GPS auf 1.46  Mrd $ zu verzeichnen (2010= 880 Mio $).
http://www.spacenews.com/military/110214-pentagon-seeks-boost-eelv.html (http://www.spacenews.com/military/110214-pentagon-seeks-boost-eelv.html)

Ich schätze, da muß sich die EU aber noch anstrengen, wenn sie die Nummer 2 werden will.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 05. März 2011, 00:09:23
China und Europa haben immer noch Frequenz-Schwierigkeiten mit ihren Navigationssystemen Beidou/Compass und Galileo.

China hat allerdings schon 14 Satelliten im Orbit und will dieses Jahr 4 weitere starten. Einige dieser Satelliten decken (ähnlich wie beim europäischen EGNOS) nur den asiatischen Teil ab.
Das volle Systeme wird von China allerdings auch erst voraussichtlich 2020 erreicht.

http://www.spacenews.com/satellite_telecom/110304-china-europe-odds-nav-spectrum.html (http://www.spacenews.com/satellite_telecom/110304-china-europe-odds-nav-spectrum.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 25. März 2011, 10:14:34
EU-Kommission fordert Kostensenkung bei den geschätzten € 1,9 Mrd Mehrkosten.

Das Handelsblatt (http://www.handelsblatt.com/politik/international/eu-kommission-will-galileo-kosten-eindaemmen/3986968.html) berichtet, dass sich Tajani mit der Industrie getroffen hat, um deutlich zu machen, dass die Kosten für den weiteren Ausbau (1,9 Mrd €) sinken müssen. Er traf sich - wie es heißt zum Rapport - u.a. mit Industrievertretern von Astrium, OHB, Thales Alenia, Space Opale und Arianespace.

Anscheinend geht es aber insbesondere darum, dass die EU bei der Festlegung des Finanzrahmen 2014-19 für Galileo Gelder mobilisiert werden müssen und das nur geht, wenn die Kommssion vorher ihren Sparwillen zum Ausdruck bringt.

ESA-Chef Dordain sagte "Wir haben jetzt genügend Erfahrung mit den Kosten für die Infrastruktur, so dass es keine großen Überraschungen mehr geben sollte".  (Eine gewagte Aussage ;) ).
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 31. März 2011, 13:09:17
Heute treffen sich die EU-Verkehrsminister, um über Galileo zu beraten.

Tajani will am 04. April mit dem Besuch des Erdbeobachtungszentrum der ESA in Frascati dann ein Statement veröffentlichen, in der die EU space policy zum Nutzen der Bürger bekräftigt werden soll:
- Fertigstellung von Galileo und GMES
- Erhaltung von Raumkomponenten für die zukünftigen Forschungsprogramme.
- Leitlinien für die EU-Programmführung

http://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/eu-verkehrsminister-wollen-nicht-mehr-geld-in-galileo-stecken-106565353 (http://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/eu-verkehrsminister-wollen-nicht-mehr-geld-in-galileo-stecken-106565353)
http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/itemlongdetail.cfm?item_id=5010&lang=en&tpa=141&displayType=calendar (http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/itemlongdetail.cfm?item_id=5010&lang=en&tpa=141&displayType=calendar)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 03. April 2011, 22:09:57
Das Handelsblatt berichtet, dass die EU-Mitgliedsstaaten bei Galileo den Geldhahn zudrehen. Das hört sich dramatischer an als es ist, denn es geht "nur" um die Mehrkosten. Aus Deutschland kam die Aussage, "Vielleicht müssen wir auf die ein oder andere Anwendung verzichten".
http://www.handelsblatt.com/politik/international/staaten-drehen-galileo-den-geldhahn-zu/4009846.html (http://www.handelsblatt.com/politik/international/staaten-drehen-galileo-den-geldhahn-zu/4009846.html)

Für den Fall, dass man neue Geldquellen braucht oder den Funktionsumfang von Galileo auf Sicherheitsdienste reduziert wird, kommt zunehmend die Verwendung für militärische Zwecke ins Blickfeld.

Da protestieren natürlich die Grünen, voran der EU-Grüne Bütikofer. Der erklärt aber auch, dass er gegen Galileo im Rahmen der europäischen Verteidigungspolitik gar nichts einzuwenden hätte. Wohl aber gegen entsprechende rein nationale Nutzung, die der EU-Steuerzahler bezahlen soll.
Quelle (http://www.researchresearch.com/index.php?option=com_news&template=rr_2col&view=article&articleId=1043845)

EU-Kommissar Tajani will jedenfalls am Montag vorschlagen, dass Europa sich in die Lage versetzen sollte, eigenständige Missionen durchzuführen. Europa soll seine Beteiligung an der ISS ausweiten und einen unabhängigen Zugang von Kourou aus sicherstellen. Brüssel möchte einen autonomen Zugang zu sowohl bemannten als auch robotische Missionen haben, besonders nach dem Auslaufen des Shuttleprogramms.
http://www.euractiv.com/en/innovation/brussels-mission-boost-eus-role-space-exploration-news-503674 (http://www.euractiv.com/en/innovation/brussels-mission-boost-eus-role-space-exploration-news-503674)

Mal sehen, ob da auch Taten folgen (ich vermute aber, dass sind nur blumige Worte dessen, was wir schon wissen) ....
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 04. April 2011, 16:03:14
Hier ist die Space Policy:
http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/_getdocument.cfm?doc_id=6400 (http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/_getdocument.cfm?doc_id=6400)
http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/11/398&format=PDF&aged=0&language=EN&guiLanguage=en (http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/11/398&format=PDF&aged=0&language=EN&guiLanguage=en)

Viel steht ja nicht drin, achja man will jetzt auch einem EU Raumfahrtprogramm arbeiten.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 05. April 2011, 23:24:19
Jetzt äußerte auch das Space Command des französischen Militärs so seine Zweifel an Galileo und will die Beschaffung von entsprechenden Empfängern erstmal zurückstellen. Sie scheinen Zweifel zu haben, dass die EU das Projekt entsprechend erfolgreich steuern kann.

Ebenso ist Weltraumlageüberwachung und die Nutzung von optischen Satellitentechnik ein Thema (Musis). Frankreich befürchtet, dass der Abstimmungsprozess zwischen den Regierungen zu schwierig wird und die Geheimhaltung der Datennicht sichergestellt ist.

http://www.spacenews.com/military/110405-questions-euro-coop-milspace.html (http://www.spacenews.com/military/110405-questions-euro-coop-milspace.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 06. Mai 2011, 22:50:23
Der folgende TV-Beitrag des EU-Parlament geht der Frage nach: Warum hebt Galileo nicht ab?

Ich glaube, die Frage wird zwar nicht beantwortet, aber der Beitrag ist trotzdem sehr aufschlußreich und  zeigt die politischen Verhältnisse in Euro-Land, insbesondere durch die Interviews am Ende.

http://www.europarltv.europa.eu/de/player.aspx?pid=d5ea2cc3-b06e-40fb-a9b4-9edb00a407b4 (http://www.europarltv.europa.eu/de/player.aspx?pid=d5ea2cc3-b06e-40fb-a9b4-9edb00a407b4)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 12. Juni 2011, 11:09:26
Die EU-Kommission überweist 104 Mio € an die ESA für GMES-Management.
Man will damit des 2 Mrd. € Projekts bis 2014 sicherstellen. Für den nächsten Finanzierungszeitraum 2014-20 will man jetzt die Weichen stellen.
http://www.spacenews.com/civil/110610ec-payment-gmes-launchers.html (http://www.spacenews.com/civil/110610ec-payment-gmes-launchers.html)

Interessant ist jetzt, dass für den Betrieb von GMES (Sentinel 1B, Sentinel 2B, Sentinel3B, u.a.) jährliche Betriebskosten von 600 Mio € geschätzt werden.

Für das andere EU-Großprojekt Galileo sind € 800 Mio geschätzt. Dann soll SSA (Space Situational Awareness, also Raumüberwachung) ausgebaut werden. Exploration ist praktisch bei null Euro.

Derzeit liegt das Space-Budget bei ca. 900 Mio., für GMES sind aktuell 40 Mio € vorgesehen. Wenn man bedenkt, dass die Mitgliedstaaten den EU-Haushalt eigentlich einfrieren wollen, wird das ziemlich schwierig.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 12. Juni 2011, 11:28:22
Zitat
Exploration ist praktisch bei null Euro.

Mit Exploration hat die EU doch praktisch nix am Hut. Sie möchte Projekte umsetzen, die einen sehr direkten Weg zu Produkten und Mehrwert für die Bevölkerung (der EU) führen. Exploration dürfen/sollen die eigenständigen Raumfahrtagenturen mit ihren (Forschungs-)Budgets machen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Kreuzberga am 12. Juni 2011, 11:54:12
Wenn man bedenkt, dass die Mitgliedstaaten den EU-Haushalt eigentlich einfrieren wollen, wird das ziemlich schwierig.

Die Verhandlungen laufen ja noch. Das Parlament fordert jedenfalls 5,5 Prozent mehr Geld für die EU und zudem die Einführung einer eigenen EU-Steuer. Die Mitgliedstaaten sagen, Budget einfrieren. Am Ende wird man sich irgendwo treffen, z.B. keine EU-Steuer, dafür 2,5 Prozent mehr Geld.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Volker am 12. Juni 2011, 12:28:37
Mit Exploration hat die EU doch praktisch nix am Hut. Sie möchte Projekte umsetzen, die einen sehr direkten Weg zu Produkten und Mehrwert für die Bevölkerung (der EU) führen.

Im FP-7 Programm der EU (http://cordis.europa.eu/fp7/home_en.html (http://cordis.europa.eu/fp7/home_en.html)) sind 6.4 Milliarden Euro fuer Forschung und Entwicklung vorgesehen. Davon geht auch einiges in Projekte die mit Raumfahrt und Astrophysik zu tun haben, vor allem wenn es um internationale Projekte innerhalb der EU geht. Und es werden nicht nur grosse und kleine Projekte, sondern auch einzelne Forscher damit finanziert.

Gruss,
Volker
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 12. Juni 2011, 12:54:33
Ich meinte schon eigene Raumfahrtprojekte und -ziele der EU, nicht generell Fördergelder der EU, die natürlich auch in alle Bereiche der Forschung gehen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Volker am 12. Juni 2011, 15:26:08
Ich meinte schon eigene Raumfahrtprojekte und -ziele der EU

Dafuer gibt es ja auch schon die ESA, das waere ja auch nicht clever, da noch wieder einen anderen Kanal aufzumachen oder noch von anderer Seite Prioritaeten zu setzen. 4 Milliarden fuer die ESA in 2011 muessen da schon reichen. Wie bei der NASA gehen wir auch bei der ESA durch einen schmerzhaften Lernprozess, dass man nicht viele unterfinanzierte  Missionen auf den Weg schicken kann und sich dann wundert, dass das gesamte Programm zu scheitern droht.

Gruss,
Volker
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 12. Juni 2011, 15:38:33
Na rate mal was die EU da vor hat ;). Es gibt durchaus ernste Bestrebungen Raumfahrt zentral in Europa zu koordinieren. Nicht jeder möchte die ESA als zentrale europäische Raumfahrtagentur sehen, sondern durchaus andere/neue Kompetenzen aufbauen. Zumal, ESA und EU umfassen nicht die selben Mitglieder. Wer gibt wohin Geld? Wer darf wie und wo mitreden? Da herrschen zwischen den Beiden sehr unterschiedliche Ansätze.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 16. Juni 2011, 16:53:25
Europas Anspruch und Wirklichkeit wird in diesem Beitrag analysiert:
http://www.flightglobal.com/articles/2011/06/14/357539/europe-outlines-future-in-space.html (http://www.flightglobal.com/articles/2011/06/14/357539/europe-outlines-future-in-space.html)

Allbekannte Grundsätze und Situation um Galileo und GMES wiederhole ich mal nicht (s.o.). Beim Thema SSA, dass die EU übernehmen möchte, sagt das ESA Programmbüro, das ab 2012/13 jährliche Kosten von 600-700 Mio. geschätzt werden, was sich aber bezahlt machen könne, weil die Schäden aufgrund von Weltraumschrott auf 332 Mio. geschätzt werden.

Zum Bereich Exploration wird dann das übliche gesagt, auch wenn Frank de Winne die Bedeutung der Exploration für Europa mit dem 400 Mio. € ESA-Budget hochzuhalten versucht.

Im letzten Abschnitt geht es um die Telecom-Sat-Betreiber, die weitgehend kommerziell arbeiten, eine gewisse Sorge um ihr Business Modell haben und Planungssicherheit anstreben.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: TillP am 16. Juni 2011, 17:01:26
Beim Thema SSA, dass die EU übernehmen möchte, sagt das ESA Programmbüro, das ab 2012/13 jährliche Kosten von 600-700 Mio. geschätzt werden,

In den ersten 5 Jahren insgesamt. Sonst wäre das doch etwas arg teuer...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 17. Juni 2011, 01:31:40
stimmt, die Korrektur war nötig.
600-700 Mio für 5 Jahre.

Ich ergänze das mal, die ESA hat jetzt ein SSA-Budget in 2011 bei gut 15 Mio. €.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: GG am 19. Juni 2011, 14:56:05
Was ist SSA?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Volker am 19. Juni 2011, 15:23:29
Was ist SSA?
European space situational awareness (SSA) system. Hier geht es darum, Positionen und Umlaufbahnen von Weltraumschrott zu bestimmen und so Kollisionen mit Satelliten zu verhindern.

Gruss,
Volker
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: GG am 19. Juni 2011, 15:35:28
Danke.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 19. Juni 2011, 15:36:54
Etwas allgemeiner und weiter gefasst, geht es grundlegend darum überhaupt zu wissen, was da oben los ist, und das möglichst umfassend und selbständig/unabhängig. Welche Objekte gibt es im Orbit? Wann kommt etwas neues auf welchem Orbit hinzu?  Dabei sind dann auch andere (nicht eigene) Satelliten gemeint. Von wem ist etwas? Was kann es?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 19. Juni 2011, 22:26:28
SSA - Die ESA erklärt es so: (leider auf englisch)

  (http://www.youtube.com/watch?v=2PL5qglOBys#ws)

ESA-Webseite dazu: http://www.esa.int/SPECIALS/SSA/index.html (http://www.esa.int/SPECIALS/SSA/index.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 20. Juni 2011, 09:52:20
Die EDA (European Defense Agency) und ESA unterzeichnen in Paris eine Vereinbarung zur Kooperation.

Die EU-Verteidigungsminister hatten die Außenbeauftragte Catherine Ashton vor einem Jahr damit beauftragt, diese Vereinbarung herbeizuführen.

Die Vereinbarung beinhaltet fünf Bereiche: Identifizierung von Bedarf und Anforderungen, die beide Agenturen haben, Koordinierung von Forschung und Entwicklung, Synergieentwicklung beider Agenturen und Koordination des industriellen Wettbewerbs. Beispiele sind militärische Kommunikation, SSA-Raumüberwachung und satellitengestützte Kontrollsysteme für unbemannte Flugkörper.

Die möglichen Bedenken, dass die ESA ja eigentlich auf zivile Projekte beschränkt ist, werden angesprochen und zurückgewiesen. Es ginge darum, sich gegenseitig zu helfen und doppelte Kosten in Forschung und Entwicklung zu vermeiden. Viele Raumfahrtaktivitäten hätten einen Dual-Use-Charakter, dh. sind sowohl militärisch als auch zivil von Bedeutung.

Budgets zwischen den Agenturen sollen nicht fließen, auch keine organisatorische Integration. "Es geht nur um praktische Kooperation zum Nutzen beider Seiten."

http://www.europolitics.info/sectorial-policies/eu-s-defence-and-space-agencies-to-sign-cooperation-agreement-art307220-13.html (http://www.europolitics.info/sectorial-policies/eu-s-defence-and-space-agencies-to-sign-cooperation-agreement-art307220-13.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 22. August 2011, 08:14:40
Jetzt gibt es eine Auswertung der o.a. Befragung zu einem EU-Space-Programm:
http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/itemlongdetail.cfm?item_id=5307&lang=en&tpa_id=0&displayType=consultation (http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/itemlongdetail.cfm?item_id=5307&lang=en&tpa_id=0&displayType=consultation)

Hier die Grafiken der ausgewerteten Daten:
http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/_getdocument.cfm?doc_id=6727 (http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/_getdocument.cfm?doc_id=6727)

Es gab 608 Antworten, davon mit 18,9% der höchste Anteil aus Deutschland. Die Zahl wirkt klein. Wie ist denn das Antwortverhalten bei anderen EU-Umfragen? Viele Antworten (68%) kamen aus dem Raumfahrtsektor.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 09. September 2011, 20:30:06
Was Daniel und Tobi schon unter GMES zur EU-Budgetproblematik schon gepostet haben, möchte ich hier mit den EU-Dokumenten belegen.

Die EU-Kommission hat im April ein Strategiepapier vorgelegt, in denen die Inhalte der EU-Raumfahrtpolitik beschrieben wurden.
http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/com/com_com(2011)0152_/com_com(2011)0152_de.pdf (http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/com/com_com(2011)0152_/com_com(2011)0152_de.pdf)

Da kann man zb. lesen:
Zitat
Die Kommission ist der Ansicht, dass die ESA ihre Entwicklung hin zu einer Organisationsform fortsetzen sollte, die es ermöglicht, innerhalb einer einzigen Struktur nebeneinander sowohl die militärischen und zivilen Programme als auch einen zwischenstaatlichen und einen die Union betreffenden Bereich zu integrieren. In Bezug auf die Umsetzung von Galileo und GMES muss die ESA jetzt bereits die Rechtsvorschriften der Europäischen Union beachten. Sie sollte ihre Annäherung an die Union fortsetzen und sich je nach Bedarf Strukturen schaffen, die ausschließlich dem Management der Unionsprogramme dienen.

Ende Juni wurde dann von der EU-Kommision der (innovative) Finanzrahmen 2014-20 vorgestellt. Man will Großprojekte ausgliedern, nicht jedoch Galileo. (was mE. nicht sehr schlüssig ist.)
http://ec.europa.eu/budget/library/biblio/documents/fin_fwk1420/MFF_COM-2011-500_Part_I_de.pdf (http://ec.europa.eu/budget/library/biblio/documents/fin_fwk1420/MFF_COM-2011-500_Part_I_de.pdf)

Wie die EU-Kommission mit dem Budget ihren og. Anspruch aufrecht erhalten will, ist fraglich. Aber ihr fehlen eben die Mittel.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 21. September 2011, 20:56:53
Die EU veranstaltet im November mal wieder eine Konferenz zur Space Policy für Bürger und Gesellschaft.
Quelle (http://www.spaceconference.eu/2011/program_en.shtml)

Das Programm:
- Verfolgung der europäschen Interessen
- Industrie Politik und Innovation
- Werkzeug für Krisenprävention und -Management
- Ozean, Umwelt und Klima
- Raumplanung, Landwirtschaft und Telekommunikation
- EU-Management von Projekten
- Finanzierung von Projekten

*gähn*
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 05. Oktober 2011, 00:04:25
Bei der jährlich stanttfindenden World Standards Days geht es diesmal um Raumfahrt.

Die EU will mit Standards die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie erhöhen.

http://ec.europa.eu/enterprise/policies/european-standards/world-standards-day/index_en.htm (http://ec.europa.eu/enterprise/policies/european-standards/world-standards-day/index_en.htm)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 05. Oktober 2011, 00:08:05
Nur eine Debatte ist um Raumfahrt und die geht 1:05 Stunden:
http://ec.europa.eu/enterprise/policies/european-standards/files/world-standards-day/2011_agenda_de.pdf (http://ec.europa.eu/enterprise/policies/european-standards/files/world-standards-day/2011_agenda_de.pdf)

Normen könnten sich im Satellitenbereich lohnen. Neue Raketen entwickeln wir ja nicht allzu oft. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: runner02 am 05. Oktober 2011, 11:29:45
Zitat
Normen könnten sich im Satellitenbereich lohnen. Neue Raketen entwickeln wir ja nicht allzu oft. ;)

Zumindest fliegen sie seltener als sie entwickelt werden...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 09. Oktober 2011, 12:05:15
Neben der schon unter #32 geposteten Konferenz gibts auch in diesem Jahr am 10. November wieder eine Space Exploration Conference, diesmal in Italien:
http://www.congrex.nl/11a18/ (http://www.congrex.nl/11a18/)

Es soll gehen um: Strategie und Internationale Zusammenarbeit -
namentlich - robotic exploration, enabling technologies, space transportation, Low Earth Orbits (LEO) infrastructures and space stations

Ein Programm gibts noch nicht.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 20. Oktober 2011, 08:44:14
Auch die EU schaut sich in Brüssel den Start von Galileo an, mit Prominenz u.a. EC-Präsident José Manuel Barroso.

Das Event wird im Web übertragen:
http://ec.europa.eu/avservices/ebs/schedule.cfm (http://ec.europa.eu/avservices/ebs/schedule.cfm)


(http://www.raumfahrer.net/forum/smf/MGalleryItem.php?id=10776)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 09. November 2011, 19:34:32
Morgen, am 10.11. findet die dritte Konferenz über Exploration in Europa statt. Neben EU und ESA-Vertretern sind auch andere Nationen (Russland, Japan, China) eingeladen.

Diese Konferenz soll aber keine Entscheidungen treffen, sondern einen "flexiblen high-level- strukturierten politischen Dialog" ermöglichen.

Themen sind: "Nutzen von Exploration für Gesellschaft und Wirtschaft" und "politischer Dialog über Koordination und Kooperation"
Quelle (http://cms.dynaweb3.nl/users/esa//docs/11A18_exploration/annex2_concept-paper_rev12102011bis.pdf)

Es gibt eine Live-Webcast:
webcast.ec.europa.eu/eutv/portal/space-conference_2011

Interessant könnte es vielleicht hinsichtlich der aktuellen ExoMars Problematik (2016/18) werden und ggf. auch, weil die EU sowieso kein Geld für Exploration hat (allenfalls für Galileo).
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 10. November 2011, 19:46:31
ESA und EU beharken sich wegen GMES.

Da die EU in ihrer Mittelfristplaung 2014-2020 keine Mittel für den Betrieb von GMES eingeplant hat, will die ESA die Sentinel Satelliten 2013 nicht starten.

"Es macht keinen Sinn, die Satelliten zu starten, wenn man sie nach nur einem Jahr wieder aufgeben müßte."

Ein spannendes Budgetproblem in Europa.

http://www.spacenews.com/civil/111110-budget-battle-threatens-gmes.html (http://www.spacenews.com/civil/111110-budget-battle-threatens-gmes.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 11. November 2011, 12:29:33
Explorations-Konferenz in Lucca, Italien:

Überraschung - Um es vorweg zu nehmen, ich bin überrascht, dass aus dieser europäischen Konferenz jetzt eine global-internationale geworden ist. So heißt es in der Abschlußdeklaration, die Regierungsrepräsentanten wollen den high-level Dialog fortsetzen und die nächste Konferenz soll in USA stattfinden.

http://www.esa.int/esaCP/SEM90KTWLUG_index_0.html (http://www.esa.int/esaCP/SEM90KTWLUG_index_0.html)

Im Prinzip gibts auf internationaler Ebene schon die ISECG (http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=4859.msg200631#msg200631), die an der global-koordinierten Vorgehensweise der Exploration arbeitet. Wo also die Berechtigung für eine weitere internationale Konferenz liegen könnte, ist mir eigentlich schleierhaft.

Womit sich die nächste Frage stellt, wird am Tisch dann ein ESA-Vertreter oder ein EU-Vertreter oder ein Sammelsurium an Staatssekrätären sitzen und die Stimme Europas sein.

Im übrigen kann von Konsens gar keine Rede sein. Während die USA ihre Aktivitäten auflisteten (ISS, Commercial, Orion/SLS, Technologie Entwicklung) und bekanntermaßen von Mondexploration nicht mehr viel wissen wollen, pointierte Russland vor allem seine Pläne zur Mondexploration.

(http://www.raumfahrer.net/forum/smf/MGalleryItem.php?id=11377" alt="" /)

Und während die Länder ihre Missionen vorstellten, forderte der EU-Vertreter ausschließlich konkreten erdbezogenen Nutzen für die Bürger ein (Wassermanagement, Gesundheitsvorsorge) und damit im Prinzip die Einstellung jeglicher Deep-Space-Exploration.

Wirklich hörenswert waren für mich die Aussagen von ESA-Chef Dordain, der die Schwierigkeiten der aktuellen Situation klar erkennt und ausspricht. So zb. dass es ISS Kooperation gibt, aber nur begrenzt, dass es für Maßnahmen in der Exploration um eine Perspektive bis 2020 gehen muß und alles darüberhinaus viel zu wage und weit weg wäre oder auch, dass mehr Interaktion mit der Öffentlichkeit hergestellt werden muß.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 18. November 2011, 01:09:32
Ende Juni wurde dann von der EU-Kommision der (innovative) Finanzrahmen 2014-20 vorgestellt. Man will Großprojekte ausgliedern, nicht jedoch Galileo. (was mE. nicht sehr schlüssig ist.)
http://ec.europa.eu/budget/library/biblio/documents/fin_fwk1420/MFF_COM-2011-500_Part_I_de.pdf (http://ec.europa.eu/budget/library/biblio/documents/fin_fwk1420/MFF_COM-2011-500_Part_I_de.pdf)

Wie die EU-Kommission mit dem Budget ihren og. Anspruch aufrecht erhalten will, ist fraglich. Aber ihr fehlen eben die Mittel.

Auf der Space-Conference am 09.11. wurde das Thema Finanzierung von GMES diskutiert. Die EU steckt in einem großen Dilema, da der EU-Gesamthaushalt kaum anwachsen soll und so weitere politische Aufgabenfelder wie der GMES-Betrieb nicht finanzierbar sind.

Interessant vor allem der Beitrag von Reimer Böge vom Haushaltsausschuß, der kritisiert
- zuviele parallele Managementstrukturen bei EU, ESA und national
- die Beschränkung der Haushaltsmittel durch die Mitgliedsstaaten
- die unterschiedliche Handhabe von Galileo und GMES führt in ein Chaos
- die Vorgehensweise der EU-Kommission
und endet mit den Worten, "dass wird das Parlament nie und nimmer beschließen".
Wer sich interessiert, wie es in Europa zugeht, sollte hier mal reinschauen.
Webstream (http://ec.europa.eu/avservices/player/streaming.cfm?type=ebsplus&sid=189988) des Ausschnitts der Konferenz Financial Support
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 18. Dezember 2011, 12:18:19
Seit Frühjahr ist wieder etwas Zeit ins Land gegangen, so dass man mal wieder eine Zahl präsentieren kann. Es heißt Galileo kostet 7 Mrd €.
Bisher hieß es ja, dass zu den geplanten 3,4 Mrd Mehrkosten von 1,9 Mrd hinzukämen.
Tatsächlich sagt man jetzt, das zu dem bisherigen Investments jetzt noch 7 Mrd € von 2014-2020 hinzukommen. 2020 soll Galileo dann ausgebaut sein.
Tajani verspricht aber keine weiteren Diskussionen über Budgetüberschreitungen:
Zitat
“No more talk of cost over-runs. In the next multi-annual financial framework, from 2014-2020, Galileo is being allocated €1 billion per year with a strict budgetary control mechanism in place.”
http://ec.europa.eu/enterprise/magazine/articles/industrial-policy/article_11023_en.htm (http://ec.europa.eu/enterprise/magazine/articles/industrial-policy/article_11023_en.htm)

btw: Tajani traf sich Anfang Dezember mit Bundesverkehrsminister Ramsauer und Staatssekrätär für Raumfahrt Scheurle.
www.bmvbs.de/SharedDocs/DE/Fotoreihen/ZuBesuch/2011/111201-ramsauer-eu-tajani.html (http://www.bmvbs.de/SharedDocs/DE/Fotoreihen/ZuBesuch/2011/111201-ramsauer-eu-tajani.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 26. September 2012, 21:14:36
nachdem es längere Zeit recht ruhig auf der EU-Space-Seite zuging, gibts zwei News zu vermelden:

1. Die EU hat wieder eine Umfrage über die Meinungen von EU-Bürgern zur Raumfahrt eingeholt, zb. zur Bekanntheit von Galileo, GMES und anderen Fragestellungen:
http://ec.europa.eu/enterprise/policies/space/files/eurobarometer/report-fl355-space-activities_en.pdf (http://ec.europa.eu/enterprise/policies/space/files/eurobarometer/report-fl355-space-activities_en.pdf)

2. Die EU macht wenig in der Exploration, immerhin gibt es im Rahmen des FP7-Programms (Forschung von 2007-2013) ein Projekt PRoViScout, in dem ein Rover auf Teneriffa getestet wurde. Ziel ist es, Mobilität und Identifikation von Forschungsobjekten durch den Rover autonom zu gestalten.
http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/_getdocument.cfm?doc_id=7638 (http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/_getdocument.cfm?doc_id=7638)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 07. November 2012, 00:01:09
Der Rechnungshof der EU hat seinen Bericht für den EU-Haushalt 2011 vorgelegt, in dem gewisse Mängel in der Haushaltsführung der EU angeprangert werden. Wo das meiste Geld versickert/verschwendet wird, ist da zu lesen (natürlich vor allem bei den Agrarsubventionen ua.), aber auch in der Forschung ist nicht alles so ordnungsgemäß.

Eigentlich wollte man zumindestens bei Galileo entsprechende Vermögenswerte aktivieren. Da es aber erst letztes Jahr zwei Satelliten gibt, hat man alle bisherigen Ausgaben als Kosten (unter Forschung) verbucht. (Bis zum Aufbau der Vermögenswerte dürften auch noch weitere entsprechende Kosten anfallen.) Es heißt dann, Beträge sind zur ESA tranferiert, die genaue Höhe wird noch festzulegen sein.

http://eca.europa.eu/portal/pls/portal/docs/1/17816751.PDF (http://eca.europa.eu/portal/pls/portal/docs/1/17816751.PDF)

Eigentlich ist das Thema Galileo so etwa 2007 ja schonmal durch den Rechnungshof gegangen. Das wird bestimmt nochmal passieren.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 14. November 2012, 16:33:42
Während in Kürze die ESA ihre Ministerratskonferenz abhält, wird die EU Ende Januar ihre 5. Konferenz zum Thema Space Policy abhalten.

Themen:
1. Wettbewerb und Liefersicherheit
2. Forschung, Entwicklung und Innovation
3. Betrieb von Systemen und Zugang zum All
4. Beziehung zwischen EC, ESA und nationalen Agenturen um bestmögliche Projektsteuerung zu gewährleisten.
5. Sicherheit, Verteidigung und der "Code of Conduct" bei Raumfahrtaktivitäten

http://www.spaceconference.eu/2013/en_GB/programme.html (http://www.spaceconference.eu/2013/en_GB/programme.html)

Zur Erinnerung sei gesagt, dass die EU eigentlich ihre Prioritäten auf Galileo, GMES und Space Situational Awareness legt.
Titel: Re: ESA-Ministerratstagung 2012
Beitrag von: Kreuzberga am 19. November 2012, 20:01:57
Hier ist die Mitteilung der EU-Kommission an EU-Parlament und Rat: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2012:0671:FIN:EN:PDF (http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2012:0671:FIN:EN:PDF)

Im wesentlichen werden zuerst die Probleme bei der Zusammenarbeit von EU und ESA beschrieben und danach Lösungsoptionen aufgezeigt, sowie ein Zeitplan, in dem man die Probleme lösen möchte.

Ein Problem sind die unterschiedlichen Ausschreibungsregeln von EU und ESA. Während ESA dem "geographischen Rückfluss" verpflichtet ist, ist die EU freien Ausschreibungen verpflichtet. Das wird wohl insbesondere dann ein Problem, wenn Projekte sowohl aus ESA- als auch EU-Töpfen finanziert werden.

Darüber hinaus machen Norwegen und die Schweiz als Nicht-EU-Mitgliedstaaten Probleme, insbesondere dann, wenn es auch um militärische Fragen geht. Norwegen und die Schweiz hätten bei einstimmig zu fällenden Entscheidungen überproportional viel Gewicht.

Außerdem mangelt es der ESA an einer direkten Rückbindung an die Bürgerinnen und Bürger, da das EU-Parlament nicht mitreden darf.

Diese Probleme will die Kommission bis zu einem "klaren Zieldatum" lösen. Das Zieldatum soll nach dem Willen der Kommission "klar" im Zeitraum 2020-25 liegen. Die Kommission schlägt vor, den Mitgliedstaaten in enger Kooperation mit ESA bis Ende 2013 verschiedene Optionen zu präsentieren.

Die Optionen werden kurz beschrieben:
- Verbesserte Zusammenarbeit bei weitgehender Beibehaltung des status quo
- Überführung der ESA in einer intergouvernementale Organisation unter EU-Autorität
- Transformation der ESA zu einer EU-Behörde

Dazu gibt es noch einige Vorschläge, wie man die Zusammenarbeit bis zum Finden einer Lösung verbessern kann. Als nächstes dürfen nun das Parlament und der Rat sagen, was sie davon halten.

PS: Vielleicht besser verschieben nach "Space Policy auf EU-Ebene"?
Titel: Re: ESA-Ministerratstagung 2012
Beitrag von: tomtom am 19. November 2012, 21:53:51
Danke, Kreuzberga, dass hilft mir weiter.

Hätte auch nicht gedacht, dass die Ausnahmeländer da überhaupt angesprochen werden.

Würde gerne da auf die anderen Detail noch eingehen.

Ja, Thema wäre in dem anderen Thread aber sinnvoller, wenn Nitro das da rüberlegt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. November 2012, 17:24:12
Die EU möchte die Policy-Hoheit über die ESA:
http://www.spacenews.com/article/battle-brewing-over-european-space-policy (http://www.spacenews.com/article/battle-brewing-over-european-space-policy)

Es gibt 3 Probleme mit der ESA aus EU Perspektive:
Zitat
The document says that the EU has several problems with ESA relating to ESA’s inclusion of non-EU nations in its membership, the way it awards contracts and the lack of democratic oversight of ESA’s functioning.

1. Norwegen, Schweiz und Kanada sind nicht in der EU.
2. Die Auftragsvergabe geht nach dem GEO-Return und nicht frei EU-weit wie bei der EU
3. Die Entscheidungen bei der ESA sind intransparent und sie ist nicht unter demokratischer Aufsicht (vielleicht liegt da auch das Problem der miesen Pressearbeit z.B. im Vergleich zur NASA... ::))

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 30. November 2012, 17:57:33
(vielleicht liegt da auch das Problem der miesen Pressearbeit z.B. im Vergleich zur NASA... ::))

"Demokratische Aufsicht" heißt hier aber nicht Öffentlichkeitsarbeit. Es geht um interne Prozesse, Gremien und wie Programme und Haushalt durch die Mitglieder kontrolliert werden. Da hilft auch PR nicht ... oder ich sehe den Zusammenhang gerade nicht.

Nur, diesen letzten Punkt der Kritik kann ich so erstmal nicht nachvollziehen. Wo soll es konkret hapern?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. November 2012, 18:47:13
Mein Gedanke war der, dass wenn es einen höheren Rechtfertigungsdruck geben würde, man auch mehr Informationen/Bilder/Videos der Öffentlichkeit als Rechtfertigung zur Verfügung stellen würde.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Kreuzberga am 30. November 2012, 19:42:32
Würde deiner These aus dem Bauch heraus zustimmen, Tobi. Aber macht denn das demokratisch kontrollierte DLR im Vergleich zur ESA so viel bessere Öffentlichkeitsarbeit?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 30. November 2012, 19:43:06
Das ist eine gewisse "Top-Level-Rechtfertigung", quasi über Endergebnisse, die aber nicht 1:1 mit Details oder überhaupt mit der Arbeitswelt in der ESA verknüpft ist. Damit lassen sich keine Prozesse, Methoden oder Haushaltszahlen kontrollieren und verbessern.

Ich weiß aber immer noch nicht was die EU da konkret bemängelt. Die ESA-Mitgliedsstaaten achten schon auf ihr Geld und geben Dinge (ja gerade) nicht aus der Hand. Es darf halt nur keiner mit reinschauen, der nicht auch eingezahlt hat ...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. November 2012, 19:56:23
Aber macht denn das demokratisch kontrollierte DLR im Vergleich zur ESA so viel bessere Öffentlichkeitsarbeit?

Touché. ;)

Zufällig weiß ich, dass es von der Shefex II Mission tolles Videomaterial gibt, was bisher niemand beim DLR für nötig gehalten hat zu veröffentlichen und jetzt wo Gras über die Sache gewachsen ist, bringts wohl auch nicht mehr soviel. Eine aufwendige Dokumentation hat man jetzt beim DLR produzieren lassen, die man aber auch nicht veröffentlichen kann, weil eigene Stellen nochmal neu vertont werden müsse aufgrund (politisch oder technisch?) unkorrekter Aussagen....
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 30. November 2012, 23:48:35
Das Anliegen der EU ist sicher nicht eine bessere PR.

Die EU stellt einfach unterschiedliche strukturelle Differenzen fest. Sie bleibt aber in der Hoffnung, dass sich die ESA in die EU-Mechanismen integrieren läßt. Das soll aber erst langfristig geschehen, zwischen 2020-2025. Bis dahin will man im Status quo weiterarbeiten und Verbesserungen im Detail erreichen.

Aus meiner Sicht ist die Aufteilung zwischen ESA, Mitgliedstaaten und EU eher technisch ausgerichtet und nicht politisch. Die EU hat sich insbesondere Galileo gewidmet, hat bei GMES schon Finanzierungsschwierigkeiten und macht einige Forschungsprojekte. Die ESA belegt andere Felder, die natürlich ebenso einen europäischen Anspruch haben.

Die EU sagt aber auch in dem Papier, dass man internationale Zusammenarbeit gestalten könne. Es wäre aber in ihrer Hand, diese Dinge zu gestalten. Das das nicht oder zu wenig passiert, liegt in erster Linie an den Schwächen der EU und nicht an der ESA und den Mitgliedsländern.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 01. Dezember 2012, 01:23:13
Die EU möchte die Policy-Hoheit über die ESA:
http://www.spacenews.com/article/battle-brewing-over-european-space-policy (http://www.spacenews.com/article/battle-brewing-over-european-space-policy)

Es gibt 3 Probleme mit der ESA aus EU Perspektive:
Zitat
The document says that the EU has several problems with ESA relating to ESA’s inclusion of non-EU nations in its membership, the way it awards contracts and the lack of democratic oversight of ESA’s functioning.

1. Norwegen, Schweiz und Kanada sind nicht in der EU.
2. Die Auftragsvergabe geht nach dem GEO-Return und nicht frei EU-weit wie bei der EU
3. Die Entscheidungen bei der ESA sind intransparent und sie ist nicht unter demokratischer Aufsicht (vielleicht liegt da auch das Problem der miesen Pressearbeit z.B. im Vergleich zur NASA... ::))

Wieso sollte denn Punkt 2 ein Problem darstellen? Wenn die EU als Mitglied oder Quasimitglied (etwa auf Kooperationsbasis) ein Projekt bei der ESA bestellen würde, wäre sie sicherlich groß genug, um die Rechnung komplett oder zumindest zu einem großen Teil zu bezahlen. Der Geo-Return der ESA würde also einen Mittelrückfluss in die EU erfordern, aber keinerlei Forderungen daran darstellen, welche Unternehmen diese Gelder erhalten dürften. Der Staat(enverbund) Europäische Union ist ziemlich groß, und die EU wäre frei in ihrer Entscheidung über die Verteilung der Mittel.

Oder mal etwas konkreter: Die ESA startet ein Projekt für geschätzte 4 Milliarden Euro. Die Schweiz beteiligt sich mit 400 Millionen, Norwegen mit 100 Millionen, Frankreich und Deutschland mit je 250 Millionen und die EU trägt den Rest von 3 Milliarden. Also gehen 100, 250, 250 und 400 Millionen an norwegische, deutsche, französische und schweizerische Unternehmen sowie 3 Milliarden an EU-Unternehmen. Die EU entscheidet sich jetzt (vermutlich nach längerem internen Gezänk) dafür, 2 Milliarden an französische und 500 Millionen an deutsche Unternehmen zu vergeben. Der Rest von noch einmal 500 Millionen möge sich dann auf Großbritannien, Niederlande und Italien verteilen.

Also, wo wäre der Geo-Return der ESA jetzt genau das konkrete Problem?  :)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 03. Dezember 2012, 23:52:45
Hier ein Artikel über die ESA-EU Debatte:
http://www.aviationweek.com/Article.aspx?id=/article-xml/AW_12_03_2012_p37-521989.xml&p=1 (http://www.aviationweek.com/Article.aspx?id=/article-xml/AW_12_03_2012_p37-521989.xml&p=1)

Zitat
ESA uses very flexible and efficient rules to manage 70% of the public civilian space activities of its member states, and it is an incredible success,” says Alain Dupas, an international space policy consultant based in Paris.

Alles super bei der ESA, meint ein Analyst aus Paris.

Achtung Ironie: Warum machen wir Raumfahrt jetzt nicht in Deutschland zur Ländersache. Die Länder zahlen in eine deutsche Raumfahrtagentur ein und bekommen Industrieaufträge zurück. Das wäre doch eine ideale Chance Raumfahrtkompetenz in Mecklenburg Vorpommern aufzubauen.... Nur was wäre dann mit Astrium Bremen.... :o Zahlen nix, hochverschuldet und kriegen alle Prestige-Industrieaufträge, so geht das doch nicht...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 06. Dezember 2012, 22:25:10
Doug Messier von Parabolic ARC meldet, dass DLR-Chef Wörner dagegen ist, das die ESA von der EU übernommen wird.

Inhaltlich ist das bekannt und eben der deutsche Standpunkt.

Erwähnenswert ist hier, dass Doug die Debatte interessant findet, aber aus seiner kommerziellen US-Perspektive eher für überholt und kaum zeitgemäßg hält, auch wenn der kommerzielle Trend noch weit weg ist vom Erfolg.

http://www.parabolicarc.com/2012/12/06/dlr-chairman-says-nein-on-eu-takeover-of-esa/ (http://www.parabolicarc.com/2012/12/06/dlr-chairman-says-nein-on-eu-takeover-of-esa/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 06. Dezember 2012, 22:34:43
Die EU wird im Januar und Februar Workshops über Weltraum Forschung und Entwicklung zur weiteren Vorbereitung des Rahmenplans 8 (FP8) durchführen.

http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=6303&lang=en&tpa_id=141&title=Space%2DTechnology%2DWorkshop (http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=6303&lang=en&tpa_id=141&title=Space%2DTechnology%2DWorkshop)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Rücksturz am 01. Januar 2013, 10:27:02
@Ruhri
Zitat
Also, wo wäre der Geo-Return der ESA jetzt genau das konkrete Problem?

Erstmal ein gutes neues Raumfahrt-Jahr!!

Meine Antwort kommt etwas spät...sorry!
Für die EU ist der ESA-Geo-Return auf jeden Fall ein Problem, weil es den in der EU schlicht und ergreifend gar nicht gibt.
Wenn in der EU ein öffentlicher Auftrag ausgeschrieben wird (zumindest ab einer gewissen Vergabesumme), kann sich jede einigermaßen dafür geeignete Firma darum bewerben, egal ob diese in Rumänien, in UK oder sonst wo (innerhalb der EU) ansässig ist.
Egal wieviel die EU selbst oder ein bestimmtes Land zur Finanzierung beiträgt, wird es als EU-Projekt ausgeschrieben, kann es keinen Geo-Return geben.
Bei nicht EU-Staaten wäre es ebenfalls kompliziert, sie könnten zwar einzahlen, aber als nicht-EU-Staaten dürften sie sich dann nicht um die Aufträge bewerben????
Man müsste also alle EU-Richtlinien über Bord werfen und eine Lex-Raumfahrt schaffen, damit es weiterhin einen Geo-Return geben kann.
Dann kann man es aber auch weitgehend so lassen wie es ist.

Oder man verabschiedet sich dann grundsätzlich vom Geo-Return, das könnte langfristig tatsächlich zu einer gewissen Effizienzverbesserung beitragen.
Aber da keiner der beteiligten Staaten "bluten" will, halte ich das für äußerst unwahrscheinlich.

LG
Rücksturz

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 01. Januar 2013, 12:36:31
Das ist aber doch kein Problem, wenn die Aufträge von der ESA ausgeschrieben werden. Die verantwortlichen Manager der ESA müssten bei der Vergabe der Aufträge lediglich darauf achten, dass die von der EU eingezahlten Mittel auch wieder an Firmen in EU-Staaten gehen.

Ich erinnere daran, dass zwischen der ESA als Organisation und den ESA-Mitgliedsstaaten eine Dienstleister-Kunde-Verhältnis besteht. Die Staaten beauftragen und finanzieren ein Projekt und die ESA setzt es um. Da kann sich die EU ganz prima mit einklinken. Die EU will ein Projekt umgesetzt haben? Sie bestellt und finanziert (u.U. in Kooperation mit einzelnen Staaten wie etwa Schweiz und Norwegen) und die ESA realisiert es dann.

Egal was man vom Geo-Return der ESA halten mag und ob er vielleicht irgendwann abgeschafft werden wird, ist es völlig unerheblich, dass es den in der EU nicht gibt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 01. Januar 2013, 13:22:08
Das bringt doch nur auf dem Papier was. Wenn die EU und die Mitgliedsstaaten Projekte über die ESA abwickeln, werden die Mitgliedsstaaten doch ihr eigenes Geld weiter national über GEO-Return fließen lassen und nicht über die EU. Diejenigen Länder, die zu einer Aufgabe dea GEO-Returns bereit wären, wollen natürlich nicht, dass einige Länder aus der Reihe "tanzen".

Alle Mitgliedsstaaten müssen sich einigen, dass alle europäische Raumfahrtprojekte nur noch über die EU laufen und nicht über die ESA Ministerratskonferenz.

Außerdem macht das doch doppelte Arbeit. Die Mitgliedsstaaten müssen sich über das EU-Raumfahrtprogramm einigen und nochmal separat über das normale ESA Programm auf der ESA Ministerratskonferenz.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 01. Januar 2013, 13:44:44
Das bringt doch nur auf dem Papier was. Wenn die EU und die Mitgliedsstaaten Projekte über die ESA abwickeln, werden die Mitgliedsstaaten doch ihr eigenes Geld weiter national über GEO-Return fließen lassen und nicht über die EU. Diejenigen Länder, die zu einer Aufgabe dea GEO-Returns bereit wären, wollen natürlich nicht, dass einige Länder aus der Reihe "tanzen".


Nein, wieso denn? Die EU-Mitgliedsstaaten sind es doch gewohnt, dass es bei der Verteilung der EU-Mittel keinen exakten Rückfluss gibt. Das findet natürlich nicht immer ungeteilte Begeisterung (Stichwort: "I want my money back!", der "Briten-Rabatt"). Wenn also die EU bei der ESA ein Projekt bestellt, muss die ESA nur darauf achten, dass der EU-Beitrag auch wieder in die EU fließt. In der Regel wird der sowieso nahe bei 100 % liegen.

Zitat
Alle Mitgliedsstaaten müssen sich einigen, dass alle europäische Raumfahrtprojekte nur noch über die EU laufen und nicht über die ESA Ministerratskonferenz.


Das macht aber gerade auch wieder keinen Sinn, weil man damit die Nicht-EU-Länder automatisch ausschließen würde.

Zitat
Außerdem macht das doch doppelte Arbeit. Die Mitgliedsstaaten müssen sich über das EU-Raumfahrtprogramm einigen und nochmal separat über das normale ESA Programm auf der ESA Ministerratskonferenz.

Das kommt dann aber darauf an, wieviele Überschneidungen es da geben wird. Was will die EU und was wollen damit die EU-Staaten (und zwar alle!!) in der Raumfahrt erreichen? Was wollen einzelne ESA-Staaten in der Raumfahrt erreichen? Die ESA ist ja nun einmal so angelegt, dass sich jedes Land pro Projekt entscheiden kann, inwieweit es beteiligt sein will. Ich würde also vermuten, dass sich die EU als Ganzes auf einige wenige Projekte beschränken wird, die aber dafür extrem kostspielig sein werden. Die ESA bildet dann aber immer noch einen guten Rahmen, um fallweise eine "Koalition der Willigen" zu formieren. Wer mitmachen will, macht mit. Wer nicht mitmachen will, lässt es eben sein. Bei der EU muss sich jeder Mitgliedsstaat automatisch beteiligen bzw. es müsste in den Abstimmungsprozesse aktiv gegen eine Realisierung votieren.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. Januar 2013, 13:53:35
Alle Mitgliedstaaten haben sich darauf geeinigt, dass Weltraumpolitik sowohl von der EU, der ESA als auch den Nationalstaaten betrieben wird.

Das Scenario "EU als Mitglied in der ESA" löst in der Tat nicht die parallele Komplexität und wird von der EU auch nicht angestrebt. In dem EC-Papier wird zb. gefordert, die ESA möge einen EU-Direktor für "ihre" Programme einrichten und will damit ihre Regulierungsprozesse stärker in der ESA implementieren.

GEO-Prinzip hin oder her, für mich beweist die EU mit Galileo und Copernicus/GMES leider nicht gerade eine effiziente Programmrealisierung.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Rücksturz am 01. Januar 2013, 13:57:21
@Ruhri:
Alles richtig was Du schreibst und es beschreibt mehr oder minder den Status Quo.
Wirklich schwierig wird es nur, wenn man die ESA als offizielle Organisation zu einem Teil der EU machen wollte.
Geo-Return und Vergaberichtlinien der EU passen nicht zusammen.
Insoweit vermute ich, dass es vielleicht ein paar Optimierungen in der Kooperation zwischen ESA und EU geben wird, aber beide auf dauer von einander unabhängige Organisationen bleiben.

@tomtom:
Volle Übereinstimmung!
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 01. Januar 2013, 14:10:03
GEO-Prinzip hin oder her, für mich beweist die EU mit Galileo und Copernicus/GMES leider nicht gerade eine effiziente Programmrealisierung.

Die EU steht in ihrer Raumfahrtmanagementerfahrung ja auch erst am Anfang. Außerdem sind beides riesige Projekte und bei der ESA hat auch Managementprobleme mit großen Projekten, siehe Ariane, ATV, etc..
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. Januar 2013, 14:40:50
Na ich weiß nicht, ob die EU tatsächlich so unerfahren ist, jedenfalls hat sie ihren Bürokratismus in den letzten 20 Jahren perfektioniert.

Da ich annehme, dass sich Kommission (und Parlament) nicht auf eine Umsetzung einigen können, lägen die Entscheidungen beim Europäischen Rat, also auf ministerialer Ebene der Mitglieder und damit bei den üblichen Verdächtigen (und ohne das deren Verantwortung so transparent ist). Dort gilt aber Einstimmigkeit. Viel Spass.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 01. Januar 2013, 19:43:30
[...]
Wirklich schwierig wird es nur, wenn man die ESA als offizielle Organisation zu einem Teil der EU machen wollte.
Geo-Return und Vergaberichtlinien der EU passen nicht zusammen.
Insoweit vermute ich, dass es vielleicht ein paar Optimierungen in der Kooperation zwischen ESA und EU geben wird, aber beide auf dauer von einander unabhängige Organisationen bleiben.
[...]

Das dürfte korrekt sein, selbst wenn man sich bei der ESA vom Geo-Return verabschieden würde.

Na ich weiß nicht, ob die EU tatsächlich so unerfahren ist, jedenfalls hat sie ihren Bürokratismus in den letzten 20 Jahren perfektioniert.

Da ich annehme, dass sich Kommission (und Parlament) nicht auf eine Umsetzung einigen können, lägen die Entscheidungen beim Europäischen Rat, also auf ministerialer Ebene der Mitglieder und damit bei den üblichen Verdächtigen (und ohne das deren Verantwortung so transparent ist). Dort gilt aber Einstimmigkeit. Viel Spass.

Das hatte ich auch versucht, heraus zu stellen. Das Einstimmigkeitsprinzip der EU würde so manches Projekt verhindern. Trotz Geo-Return sehe ich da die ESA als die effizientere Organisation.

Man stelle sich nur ein Szenario wie folgendes vor: Die Schweiz ist nach wie vor nicht in die EU eingetreten, das Vereinigte Königreich (möglicherweise ohne Schottland) schon längst ausgetreten. Beide Staaten und die EU wollen ein Projekt durchziehen und man hat sich über die Finanzierung eigentlich schon geeinigt. Der EU-Beitrag ist in Augen der "üblichen Verdächtigungen" (Deutschland, Frankreich, Italien) kein Problem, aber dann gibt es einen EU-Gipfel, bei dem die kleineren bzw. ärmeren Länder wie Polen, Spanien, Portugal, Dänemark und Schweden ihre Vetos einlegen. Tja, und dann? Abwicklung über die ESA auf Basis der Nationalstaaten wie anno dazumal (also heute) oder Aushandlung eines besonderen Abkommens in diesem speziellen Einzelfall?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 08. Januar 2013, 23:27:34
Aus dem ESA Thread greife ich nochmal auf:
Aber die Folgerungen sind doch klar:
Zitat
European positions are challenged
 In civil space
ESA is not anymore the undisputed third player in space behind Roskosmos and NASA.
 The past decade has shown the constant growth with impressive rates of the Roskosmos and ISRO
budgets.
 The evolution of the Chinese budget remains unknown, but the quantitative series of Chinese space
activity speak for themselves.
 European civil space budget evolution is flat
 In military space
 Europe is not a military space power, but Russia, the USA and China are...
 Military space programmes create a technology and capability gap that is very difficult to bridge
 Captive markets are key
 Institutional captive markets are the main driving force of space systems and technology
 There is only limited room for global competition in space
 European domestic institutional markets are quite weak, compared to Russia, the USA and China
 Government procurement impacts competition
 Government ownership of major/critical space assets is still a reality worldwide
 Industrial competition is a complex issue
 Affected by externalities (government and captive markets), government support and investment
 Competition is growing on ‘commercial’ and open markets, new entrants (China) and rising
ambitions

Summa summarum: Europa fällt zurück, die dritte Position hinter USA und Russland ist inzwischen zweifelhaft. Ein großes Problem ist die fehlende militärische Raumfahrt in Europa, die in den anderen Ländern auch einen hohen Anteil an der Forschung hat.

Ich glaube, mit dem 4ten oder ... Platz hat man sich längst zufrieden gegeben.
Es zeigt sich auch leider, dass Europa trotz geringerer Militärausgaben dennoch nicht mehr für zivili Raumfahrt übrig hat.


Die Rolle Europas wird ja nun auch wieder von der EU diskutiert - Ende Januar auf der 5.ten Space Policy Konferenz. Eigentlich sollte es reichlich Anlaß geben, europäische Projekte in Angriff zu nehmen.
http://www.spaceconference.eu/2013/en_GB/programme.html (http://www.spaceconference.eu/2013/en_GB/programme.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Atlan am 09. Januar 2013, 16:39:49
Ist doch alle gar nicht verwunderlich. Ohne Militär, bzw. Erfindungen die zuerst einmal für das Militär entwickelt wurden wurde doch noch nichts wirklich revolutionäres Erfunden bzw. realisiert.
Penicillin, Raketen, Dynamit, Funk, Radar, Straßenbau (in Europa zumindest)...die Liste liesse sich ewig lange Fortsetzen. Ohne die Furcht als Triebfeder ist die Gesellschaft meistens zu träge und risikoscheu um wirklich viel Geld in etwas anderes als die eigene Bequemlichkeit und Unterhaltung zu stecken. 
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: GG am 09. Januar 2013, 22:51:50
Dynamit und Funk wurden nicht für das Militär erfunden. Auch die ersten Raketen der Neuzeit wurden von Enthusiasten mit Raumfahrtideen entwickelt. Straßen wurden zuerst für Handelswege gebaut. Natürlich wurde jede gute Idee von den Militärs für ihre Zwecke missbraucht.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 10. Januar 2013, 09:33:58
Nun ja, die ersten Schwarzpulverraketen wurden natürlich bereits militärisch eingesetzt, auch wenn sie sicherlich mehr psycholgische Effekte als irgendewas anderes hervor gerufen haben. Was die Raketen der Neuzeit angeht, so hat es diese Enthusiasten natürlich gegeben. Robert Goddard war so jemand und er ist es, so weit ich weiß, auch immer geblieben. Konsequenterweise ist sein deutscher Gegenpart Wernher von Braun mit seinen Raketen in Punkte Größe und Leistungsfähigkeit dank Geld vom Militär locker an ihm vorbei gezogen.

Der Fernstraßenbau dürfte übrigens auch primär militärischer Herkunft sein. So hat etwa das das Imperium Romanum viele Straßen gebaut, um seine Legionen besser verlegen zu können. Natürlich haben auch Händler diese Straßen genutzt, aber die als Niedergang empfundene Zeit nach dem Fall des Weströmischen Reichs dürfte zu einem Gutteil daher gerührt haben, dass es kein Geld aus dem Militäretat mehr gegeben hatte, um das Straßennetz weiter zu pflegen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 29. Januar 2013, 13:07:52
Die aktuelle Konferenz wird inkl. Übersetzung im Web übertragen:

http://scic.ec.europa.eu/streaming/index.php?es=2&sessionno=740a02d0786a4239a62076f650cd26da (http://scic.ec.europa.eu/streaming/index.php?es=2&sessionno=740a02d0786a4239a62076f650cd26da)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 30. Januar 2013, 10:44:13
Gestern ging es vor allem um das Thema Forschung und das EU-Budget 14-20, dass nächste Woche vom Europäischen Rat beschlossen werden soll. Heute geht es um das Verhältnis EU-ESA und in einem zweiten Teil um den "Code of Conduct" (Verpflichtung zur Vermeidung von Weltraumschrott)

Der genannte Link hat zwar gestern prima funktioniert, beinhaltet jetzt aber nur die Konferenz von gestern. Mir ist noch kein anderer Link bekannt. :(
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 30. Januar 2013, 18:14:07
Hier der Link zur heutigen Konferenz:
http://scic.ec.europa.eu/streaming/index.php?es=2&sessionno=f35fd567065af297ae65b621e0a21ae9 (http://scic.ec.europa.eu/streaming/index.php?es=2&sessionno=f35fd567065af297ae65b621e0a21ae9)

Diese beinhaltete durchaus Brisanz mit dem Thema Verhältnis EU-ESA und Governance im allgemeinen.
Während der Vertreter der Kommission über Galileo und Copernicus im Sinne von Weltraumanwendungen referierte, meinte der Vertreter der CNES, er könne sich vorstellen, dass die ESA eine Agentur der EU werden könne, aber auch weiter ESA-Programm der Mitgliedstaaten managen sollte.

DLR-Chef Wörner lehnte dann eine führende Rolle der Kommission rundheraus ab. Er lehnte ebenso das Papier der Kommission ab, er sieht nicht die dort aufgeführten Mängel einer fehlender demokratischer Legitimierung des ESA-Ministerrats oder von Sicherheitproblemen durch Nicht-EU Mitgliedern (Schweiz/Norwegen). Die deutsche Position ist, dass hier zu einer Fehlinterpretation des Lissabon-Vertrags vorläge und eine Diskussion über das ESA-EU-Verhältnis sinnlos sei.

Leider wurde dann nicht mehr auf diese offensichtliche Spannung eingegangen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Januar 2013, 19:34:21
Das EU Parlament droht mit einem Veto, sollte das EU-Raumfahrtbudget zu klein sein! :D
https://twitter.com/pbdes/status/296665786339192832 (https://twitter.com/pbdes/status/296665786339192832)

Zitat
Euro Parl threatens veto if Commission presents too-low space budget. Galileo/GMES/Horizon 2020 face test Feb. 7/8 at Euro Council.

Wie ich schon sagte, das EU Parlament sollte das Sagen in der europäischen Raumfahrt haben! ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 30. Januar 2013, 19:49:54
Wenn es zum Veto kommt, wird sich alles verzögern und zwar kräftig.

Dann passiert erstmal gar nichts.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Januar 2013, 19:54:18
Besser sie legen ein Veto ein, wenn es zu klein ist, als wenn es zu groß ist, oder? ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: HK am 30. Januar 2013, 22:28:51
Die Komission muss sowieso sparen, und wird versuchen möglichst viel bei den sinnlosen Agar-Subventionen zu belassen. Daher wäre es gar nicht verwunderlich, wenn sie beim Weltraumbudget spart.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 13. Februar 2013, 21:45:04
Auf dem EU-Gipfel wurde ein EU-Finanzrahmen für 2014-2020 von den Mitgliedsstaaten genehmigt, dass für den Forschungsbereich 70 Mrd € vorsieht, von dem 10 Mrd € in die Projekte Galileo (6,7) und Copernicus (2,3) fließen sollen.

Ein weiterer Trick ist, dass die EU zwar Geld versprechen, aber nicht in gleicher Höhe ausgeben darf. Zahlungen müßten dann also erst später erfolgen und belasten damit zukünfige Budgets.

Aber vielleicht sagt ja noch das Parlament Nein dazu.

Der nächste Schritt wäre eine Sitzung des EU-Weltraumrats im Mai, in dem EU und ESA sich gemeinsam abstimmen (an dessen Beschlüssen jedoch beide Seiten nicht gebunden sind.)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 18. Februar 2013, 22:27:30
Korrektur, bei Copernicus sind es € 3,7 Mrd  (nicht 2,3), da war ich wohl verrutscht.

3,7 sind trotzdem 2 Mrd weniger, als ursprünglich veranschlagt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. Februar 2013, 17:01:09
Die EU möchte gemäß eine heutigen Mitteilung an die Presse die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Raumfahrtindustrie erhalten und Satellitenkollisionen vermeiden.

Die EU-Kommission schlägt eine neue Industriepolitik für den europäischen Raumfahrtsektor vor:
- die Neuordnung des EU-Rechtsrahmens, um ihn zu einer Triebfeder für die Raumfahrtindustrie zu machen / Schaffung eines echten Binnenmarktes
- die Überwachung und Verbesserung bei der Ausfuhrkontrolle von zivilen und militärischen Technologien,
- schnellere Verfügbarmachung von Finanzmitteln und Investitionen
- Frequenzen im Satellitenfunk und
- gewerbliche Raumflüge.

Beim Zugang zum Weltraum will die Kommission die Entwicklung einer europäischen Trägerraketenpolitik fördern.

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-172_de.htm (http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-172_de.htm)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: LOXRP1 am 28. Februar 2013, 17:34:51
@tomtom

Hell it's about time! Wollen wir hoffen, dass es nicht nur bei Wollen und Reden bleibt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 02. März 2013, 22:59:11
Die EU möchte die Weltraumüberwachung in die Hand nehmen, nachdem ein Projekt auf ESA Ebene aus Sicherheitstechnischen Überlegungen gescheitert ist. Dabei sollen die nationalen Einrichtungen der EU-Mitgliedsstaaten zum Einsatz kommen.
https://twitter.com/pbdes/status/307503914037678080

Zitat
EU Commission proposes European space surveillance service w/ existing national radars/telescopes. ESA effort failed on military concerns
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 07. März 2013, 18:43:18
Eine Anaylse des Magazins InsideGNSS über die letzte Space Conference der EU ist ziemlich ernüchternd:

"Das Verhältnis zwischen EU-Kommission und ESA ist so schlecht wie nie."

ESA-Direktor für Galileo Didier Faivre wird zitiert: "Ein Programm zu haben bedeutet, ein Programm auch umzusetzen. Der Focus sollte sein, die Services zu liefern und das sei nicht der Job der ESA."

In den Hintergrund-Gesprächen in den Bistros hörte man: "Die ESA glaubt, das die Kommission mit der GSA eine neue EU Space Agency als Ersatz für die ESA einrichten will." Das sei aber falsch, denn die GSA soll ähnlich wie EUMETSAT den Betrieb von Galileo übernehmen.

"Die Beschaffung durch die ESA ist zu langsam und beinhaltet System Integrationsleistungen, die besser in der Industrie angesiedelt wären."

Die Probleme, wer da über was das Sagen hat, werden scharf zusammengefasst: Die Teilnehmer des Panels Governance sagen das, was ihnen ihre Chefs aufgetragen haben. "Es geht um nichts anderes als um -Alte Männer spielen Machtspiele-."

http://www.insidegnss.com/node/3435 (http://www.insidegnss.com/node/3435)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 08. Mai 2013, 00:50:33
Hier mal wieder eine Wasserstandsmeldung über Galileo -
in einem Interview mit Paul Flament, Leiter für Satelliten Navigation bei der europäischen Kommission.

http://www.insidegnss.com/node/3539 (http://www.insidegnss.com/node/3539)

Insgesamt 26 Satelliten sollen bis 2015 plaziert werden (!? - bisher galt 2019 als Zielmarke). Es gibt allerdings offene Fragen.

Das Verhältnis EC - EU sei gut (zumindestens zwischen Tajani und Dordain) und verweißt darauf, dass für Galileo mittlerweile 100% des Budgets von der EU kommt.

Für den Zeitraum 14-20 sind 6,3 Mrd € geplant, aber noch nicht genehmigt. Wenn sich das bis in 2014 verzögern sollte, dann wird es sehr schwierig, dann wird man Anpassungen an die Vertragslaufzeiten und ans Risikomanagement machen müssen.

Er betont, dass es sinnvoll ist, neben GPS ein redundantes System zu haben. Die Kommission sieht in Galileo ein Stimulus sowohl für Technologie als auch für wirtschaftliches Wachstum.

Zum bekannten Problem der Beziehung zwischen EU und China und der Überlappung der Frequenzen beider Systeme meint er, dass diese durch das ITU Framework geklärt werden solle. Er sieht auch Kooperationsmöglichkeiten mit Russland.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 25. Juli 2013, 23:48:02
Die EU Kommission möchte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Verteidigungsindustrie verbessern.

In dem Papier gibt's auch ein Kapitel über Raumfahrt und Verteidigung. Die EC kritisiert darin, dass die zivile und militärische Nutzung nur unzureichend koordiniert wird.

Die EC ist daran interessiert, ein Weltraumüberwachungssystem (SST) zu realisieren (aus bereits vorhandenen Einrichtungen und im Rahmen des NATO-Bündnisses).

Außerdem will man die militärischen Kommunikationssysteme stärker zusammenführen.

http://ec.europa.eu/enterprise/sectors/defence/files/communication_defence_en.pdf (http://ec.europa.eu/enterprise/sectors/defence/files/communication_defence_en.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 02. August 2013, 21:26:22
Die EU will ein starkes europäisches Space Situational Awareness Programm:
http://www.spacenews.com/article/military-space/36593european-union-presses-ahead-with-proposal-to-lessen-dependence-on-us (http://www.spacenews.com/article/military-space/36593european-union-presses-ahead-with-proposal-to-lessen-dependence-on-us)

Aufgrund der stark militärischen Aspekte ist eine Ansiedlung bei der ESA bisher nicht gelungen. Jetzt will es die EU selbst richten.

Meiner Meinung nach ist es unausweichlich eine EU-Raumfahrtagentur zu gründen, mindestens für die militärischen Aspekte.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. August 2013, 22:58:05
Frankreich sähe es gerne, wenn die EU mehr im Bereich Space Situational Awareness (SSA) engagieren würde und Kunde der nächsten Generation von optischen Erdbeobachtungssatelliten werden würde (z.Zt. ist das Helios-2). Frankreich bietet dazu die Übernahme der vorhandenen zwei Satelliten an (unter Preis- und anderen Restriktionen).

http://www.spacenews.com/article/military-space/36973french-official-seeks-wider-european-union-role-in-imaging-space (http://www.spacenews.com/article/military-space/36973french-official-seeks-wider-european-union-role-in-imaging-space)

Die EU würde wohl schon gerne, aber ihr fehlt das Geld. ;)


Und dann gibt's da noch die European Defence Agency (EDA). Die scheint aber noch recht unterbelichtet zu sein und eher von der ESA lernen zu wollen, insbesondere was Programmatik und Drohnen angeht.

http://www.esa.int/About_Us/DG_s_News_and_Views/Claude-France_Arnould_Chief_Executive_of_the_European_Defence_Agency_Space_is_now_embedded_in_practically_everything_we_do (http://www.esa.int/About_Us/DG_s_News_and_Views/Claude-France_Arnould_Chief_Executive_of_the_European_Defence_Agency_Space_is_now_embedded_in_practically_everything_we_do)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 23. Oktober 2013, 21:31:30
Zwei News aus Europa zu Galileo:

- die EU hat mit Israel eine Kooperations-Vereinbarung bzgl. Galileo unterschrieben, so dass Universitäten und Industrie daran beteiligt werden.
http://euobserver.com/tickers/121848 (http://euobserver.com/tickers/121848)

- Neuer Direktor in der Kommission für Galileo ist Matthias Petschke, ein Rechts- und EU-Experte, der bisher die Kommission in Berlin repräsentierte.
http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=7008&lang=en (http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=7008&lang=en)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: McFire am 24. Oktober 2013, 12:45:31
Das ist alles so häßlich und traurig..... ???
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. Oktober 2013, 21:47:47
Dordain berichtet ans UK-Parlament.

UK ist der Meinung, dass die ESA nicht unter EU-Kontrolle kommen sollte.

Dordain ist der Ansicht, dass Sicherheits- und Verteidigungsaspekte sehr wohl von der ESA berücksichtigt werden können.

Bzgl. Galileo wünscht er sich, es so zu tun, wie es die ESA gerne hätte und nicht so, wie es die EU möchte. Sagt aber auch, wenn man Komponenten in China, Indien, USA etc. aus Kostengründen einkauft, kann man auch GPS nutzen, dann ist Galileo komplett sinnlos.

http://www.spacenews.com/article/military-space/37902dordain-esa-pact-doesn%E2%80%99t-rule-out-defense-work (http://www.spacenews.com/article/military-space/37902dordain-esa-pact-doesn%E2%80%99t-rule-out-defense-work)

Also der übliche interne Streit EU - ESA - Nationen, ohne Lösung und Fortschritte.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 28. Oktober 2013, 23:44:01
Umgekehrt würde es ja auch wirklich mehr Sinn machen. Die EU vergibt als volles oder assoziiertes Mitglied Aufträge an die ESA, und die sorgt dann für die Realisierung. Das würde auf jeden Fall Doppelstrukturen vermeiden helfen, denn die EU müsste nicht auch noch eine Raumfahrtagentur aufbauen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 29. Oktober 2013, 00:00:46
Dordain ist der Ansicht, dass Sicherheits- und Verteidigungsaspekte sehr wohl von der ESA berücksichtigt werden können.

Zivil und militärisch sollte getrennt werden und militärische Projekte haben in der ESA nichts verloren. Vor allem, wenn man den Sicherheitsaspekt bedenkt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Rugoz am 29. Oktober 2013, 02:38:38
Zitat von: tomtom
Dordain ist der Ansicht, dass Sicherheits- und Verteidigungsaspekte sehr wohl von der ESA berücksichtigt werden können.

Natürlich, andernfalls könnte man ja einfach alles bei den Amis einkaufen, oder den Russen.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 31. Oktober 2013, 19:17:07
Bzgl. Galileo wünscht er sich, es so zu tun, wie es die ESA gerne hätte und nicht so, wie es die EU möchte. Sagt aber auch, wenn man Komponenten in China, Indien, USA etc. aus Kostengründen einkauft, kann man auch GPS nutzen, dann ist Galileo komplett sinnlos.

Haha! ;D

Dordain hat doch maßgeblich dafür gepusht, die Sojus nach Kourou zu holen, wenn man doch auch von Baikonur hätte fliegen können. Zur Erinnerung: die Sojus ist eine 100% russische Rakete. Die Sojus ist auch viel günstiger von Baikonur.

Und jetzt kritisiert er die EU Kommission wegen ein paar nicht-EU Teilen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: HausD am 31. Oktober 2013, 19:32:29
... Die Sojus ist auch viel günstiger von Baikonur....
Baikonor liegt nur leider nicht am Äquator .

HaHa  ;D
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 31. Oktober 2013, 19:58:24
Mein Kommentar bezog sich vor allem auf die europäischen staatlichen Nutzlasten, z.B. Galileostarts oder polare Orbits oder L2. Das geht alles von Baikonur. GTO geht auch mit Einschränkungen.

Natürlich kann die Sojus mehr von Kourou in den GTO bringen. Aber die ESA hat nur sehr wenige Nutzlasten für den GTO.

Und bei den Sojusstartsvon Kourou geht das meiste Geld natürlich an Russland und Europa bezahlt alles. Exzellentes strategisches Management wieder hier bei der ESA...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 17. November 2013, 14:49:33
Die EU ist in letzter Zeit recht nachrichtenarm geworden. Daran dürfte auch die aktuelle News nichts ändern, wo die EU auf ein neues Comic "All U need is Space" verweist, dessen Erstellung von EC und ESA beauftragt wurde.

Tajani: Die Europäische Kommission und die Europäische Weltraumorganisation entwickeln in Zusammenarbeit mit einigen ihrer Mitgliedstaaten immer mehr alltagstaugliche Anwendungen für Technologien aus der Raumfahrt."

Der Disclaimer enthält dann auch erstmal den Hinweis: "Die Informationen in dieser Veröffentlichung geben nicht unbedingt den Standpunkt oder die Position der Europäischen Union wieder."

Zielgruppe des Comic sind erklärtermaßen Kinder und Jugendliche. Es zielt ganz darauf ab, den Nutzen der Raumfahrt zu erklären.

Ob das so inspirierend ist vage ich mal zu bezweifeln und die europäische Idee zu erklären kommt dabei sicher auch nicht zur Sprache.

Immerhin ich ganz witzig, dass man in der Geschichte Hinweise auf SF-Filme finden soll.
 
http://ec.europa.eu/enterprise/policies/space/policy/learning-space/comic-book/ (http://ec.europa.eu/enterprise/policies/space/policy/learning-space/comic-book/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 17. November 2013, 23:04:40
Was verbirgt sich hinter dem Kürzel "EC"? Die Europäische Kommission?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Pirx am 18. November 2013, 16:18:05
Was verbirgt sich hinter dem Kürzel "EC"? Die Europäische Kommission?
Ja, ich denke, diese ist gemeint: http://ec.europa.eu/index_de.htm (http://ec.europa.eu/index_de.htm)

Gruß   Pirx
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 21. November 2013, 12:17:33
Das EU-Parlament hat die Finanzierung von Galileo und EGNOS für den Zeitraum 2014-2020 mit 7 Mrd € genehmigt.

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1129_en.htm? (http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1129_en.htm?)

Bis zur Fertigstellung von Galileo werden neben den bisherigen Ausgaben nochmal 7 Mrd € anfallen - in der Hoffnung, dass es dann fertig ist. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. Dezember 2013, 11:24:36
Die Schweiz und Norwegen haben jetzt offiziell den Kooperationsvertrag zu Galileo/EGNOS mit der EU unterzeichnet und beteiligen sich an der Realisierung.
http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1292_de.htm (http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1292_de.htm)

China bietet sein Beidou Navigation System seinen Nachbarstaaten, insbesondere Pakistan, Sri Lanka, Bangladesh und Thailand an.
http://www.thehindu.com/news/international/world/china-offers-satellite-system-use-to-neighbours-in-strategic-push/article5508993.ece (http://www.thehindu.com/news/international/world/china-offers-satellite-system-use-to-neighbours-in-strategic-push/article5508993.ece)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 04. Januar 2014, 21:52:00
Die EU möchte Fortschritte in der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik errreichen. 2014 soll dazu ua. im Bereich Satellitenkommunikation eine gemeinsame Nutzergruppe gebildet werden.

http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/de/ec/140268.pdf (http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/de/ec/140268.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 15. Januar 2014, 13:55:28
Die EU diskutiert am 28/29. Jan. auf ihrer 6. Space Conference wieder ihre Space Policy für 2014-20.
"Welche Richtung solle Europa in der Raumfahrt zwischen jetzt und 2020 einschlagen".

Man sollte meinen, dass die EU ihre Politik mit den Programmen Galileo und Copernicus gefunden hat, aber man scheint auch andere Aspekte in den Blick nehmen zu wollen:
- Verteidigungs- und Sicherheitsaspekte (wo die EU traditionell kaum eine Rolle spielt und die EDA ziemlich unterbelichtet ist)
- SST (Space Surveillance and Tracking) - würde man gern machen, hat aber kein Geld
- internationale Kooperation und Wettbewerb (läuft meist auch über nationale Agenturen bzw. ESA)
- man scheint sich auch mit dem Thema Trägerentwicklung / Wettbewerb beschäftigen zu wollen

Man hält das für einen guten Zeitpunkt, da man gerade erst den Planungszeitraum 2014-20 mit einem Galileo und Forschungsbudget beschlossen hat.

Auf der Agenda befinden sich einige Akteure (zT noch nicht bestätigt), die wir aus der Vergangenheit gut kennen:
- DLR-Chef Wörner, der sich bisher sehr EU/EC kritisch zeigte, diskutiert mit über neue Herausforderungen und Möglichkeiten.
- leGall und F. Auque zum Thema Wettbewerb
- Stephane Israel zum Thema EU-Programme !?
- Thomas Reiter zum Thema Internat. Kooperation/Wettbewerb

Mir scheint, wie gehabt, einige Paralleldiskussion stattzufinden und das Verhältnis EU/ESA nach wie kaum voranzukommen.

Darf man Antworten auf die Frage im Konferenz-Titel erwarten? - soweit sie sich überhaupt stellt, ich denke nein.

http://www.spaceconference.eu/2014/en_GB/programme.html (http://www.spaceconference.eu/2014/en_GB/programme.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: McFire am 15. Januar 2014, 15:24:26
In den Beiträgen der letzten Zeit hier stelle ich vermehrt Interesse diverser Hersteller/Organisationen an "Verteidigungspolitik" fest (z.B. Airbus, aber auch anderswo). Kommt da schleichend wieder der kalte Krieg hoch? Oder ist es nur "Rüstung bringt mehr Geld. Und kann natürlich auch mehr Geld einfordern, denn das Volk will ja geschützt sein" ?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 15. Januar 2014, 15:29:59
Hallo McFire,

es passiert doch genau das Gegenteil: der Rüstungsmarkt schrumpft. Cassidian und Astrium wurden/waren die Sorgenkinder von EADS. Die Hersteller müssen reduzieren und konsolidieren. Die Cash-Cows liegen in der zivilen Produktion und in Nutzer-Diensten.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: McFire am 15. Januar 2014, 16:33:08
Naja aber ich seh doch wie Russen und Amis laufend ihre Streikräfte modernisieren. Und da ist doch zwangsläufig heutzutage immer Raumfahrt oder zumindest Satelliten mit dabei. Und die oben erwähnte Umgestaltung und anderes. Aber nun ja, vielleicht ist es ja auch nur eine zufällige Häufung von Informationen, kann ja sein....
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 24. Januar 2014, 23:05:12
Im März wollen ESA und EU wieder über die Verbesserung ihrer Beziehungen weiterverhandeln.

http://www.insidegnss.com/node/3898 (http://www.insidegnss.com/node/3898)

Irgendwie müssen die Millionen bei ESA und EU ziellos ja verbraten werden. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 24. Januar 2014, 23:11:59
Irgendwie müssen die Millionen bei ESA und EU ziellos ja verbraten werden. ;)

Bei leckeren Buffets. ;) Da würde ich auch gerne kommen, für die Buffets!
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: roger50 am 25. Januar 2014, 01:46:20
N'abend,

Bei leckeren Buffets. ;) Da würde ich auch gerne kommen, für die Buffets!

Die lohnen die Anreise nicht!

Glaub's mir!  ;) 8)

Die von AE sind allerdings recht gaumenfreundlich... ;D

Gruß
*hicks* roger50
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: TWiX am 25. Januar 2014, 11:06:32
Naja aber ich seh doch wie Russen und Amis laufend ihre Streikräfte modernisieren. Und da ist doch zwangsläufig heutzutage immer Raumfahrt oder zumindest Satelliten mit dabei. Und die oben erwähnte Umgestaltung und anderes. Aber nun ja, vielleicht ist es ja auch nur eine zufällige Häufung von Informationen, kann ja sein....
Na ja, es ist ja bekannt, dass die Amerikaner ein Heidengeld in ihre Rüstungsindustrie stecken. Aber auch deren Rüstungsetat ist zuletzt marginal geschrumpft. Trotzdem laufen aber, wie du richtig sagtest im Moment einige größere Modernisierungskampangen, vor allem die Einführung des neuen F-35 und die neuen Flugzeugträger ab der USS Gerald Ford. Aber das ist in dem Ausmaß total üblich, irgendwann ist das Gerät veraltet.
Bei den Russen ist die Lage etwas anders: sie sind dank guter Geschäfte mit Öl und Gas sehr liquide und können daher nun ihre Streitkräfte modernisieren. Und das ist acuh nötig, teilweise sind Einheiten noch mit Gerät aus dem Kalten Krieg ausgestattet. Und so werden dort im Moment sämtliche Teilstreitkräfte stark modernisiert: neue Schiffe, neue Panzer, neue ICBMs, Einführung neuer Kampfflugzeuge, Digitaltechnik usw.
Wo der Rüstungsetat im Moment tatsächlich wächst ist der ferne Osten. Dort stehen sich Japan, China, Taiwan, Süd- und Nordkorea, die Philippinen und so weiter gegenüber. Alles (bis auf Nordkorea ;) )aufstrebende Wirtschaftsmächte, die nun beginnen, in die Rüstung zu investieren, um Gebietsansprüche durchzusetzten. Da geht es vor allem um mögliche Rohstoffvorkommen, deren Zugehörigkeit nicht geklärt ist. Auch andere Schwellenländer, z.B. Brasilien oder Indien werden, auch um ihre internationale Wichtigkeit zu unterstreichen, mehr im Rüstungsbereich investieren. Wie aber schon gesagt wurde, schrumpfen in Europa und Amerika die Etats. Dazu gibt es auch Zahlen des SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute), die das belegen
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2014, 10:58:34
Ein paar Zitate, die ich mal in den Raum werfe:
Zitat
CNES chief Le Gall pays homage to EC VP Tajani: 'Without him, there wld have been no Galileo, no Copernicus. Everyone shld understand this.'
Le Gall lobt Tajani wegen Galileo und Copernicus.

Zitat
Euro Space Oper Assn's Bausch (SES): Despite Euro govt pro-space talk, huge Euro govt subsidies of fiber undermine satellite co's.
Bausch von SES sagt, es gibt zuviele Subventionen für das Kabelinternet.

Zitat
Eurospace's Marco Fuchs (OHB): EU-USA Trade/Investment Partnership shouldn't open EU govt. market unfairly to US space-hardware co's.
OHB sorgt sich, dass mit dem Freihandelsabkommen der europäische Markt "unfair" mit günstigen US Bauteilen geflutet wird.

Zitat
ESA chief Dordain to EC VP Tajani: 'Sorry, Mr. Vice President, but taking risks means accepting delays, and we have seen some' on Galileo.
Dordain sagt zu Tajani: Risiko eingehen bedeutet Verspätungen zu akzeptieren.

Zitat
EC VP Tajani: Patent-related issues will not be allowed to interfere with Galileo deployment/use by industry.
Tajani: Patentstreitigkeiten dürfen nicht die Galileoentwicklung aufhalten.

Quelle: https://twitter.com/pbdes
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2014, 12:43:18
Und mehr:
Zitat
Thales Alenia Space's Galle: EC shouldn't see monopolies in Euro space cmpnent bldrs as anti-competitive. Global mket will keep them honest.
TAS sagt Monopole in Europa sind nicht anti-Wettbewerb. Öhhh was? :o

Zitat
CNES' Le Gall: EC's EUR 200M/yr Horizon 2020 R&D bdget leaves out satcom & launchers. Competitive urgency shld divert $$ to these areas.
Le Gall will mehr Geld für A6 und elektrische Satelliten, diesmal von der EU.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2014, 12:58:18
Hier gibts einen Livestream:
https://scic.ec.europa.eu/streaming/index.php?es=2&sessionno=429e4a44bec547a527df987730b19aab

Die EU ist eindeutig am transparentesten in der Raumfahrt in Europa.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2014, 13:21:43
"Wettbewerb in Kooperation" war eines der Schlussworte der Session. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2014, 15:03:47
Der Grund, warum die Umbennenung von GMES zu Copernicus so lang gedauert hat, ist offenbar die Schreibweise! Man konnte sich nicht auf k oder c einigen! ;D
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2014, 15:08:51
Paul Weissenberg ist stolz darauf, dass Copernicus von europäischem Boden gestartet wird. Er hat das wohl mit der Sojus vergessen.

Und ich weiß es nicht sicher, aber vermute stark, dass das Sojusgelände in Kourou Botschaftsstatus hat und damit außerhalb europäischen Einflusses ist! Sonst könnten sich ja europäische Geheimdienste einfach Zugang gewähren, dem hätte Russland niemals zugestimmt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. Januar 2014, 15:19:40
Die EU ist eindeutig am transparentesten in der Raumfahrt in Europa.

Das würde ich jetzt nicht so sehen, ich hab nirgendwo diesen Link gefunden. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2014, 15:22:35
Er wurde auf Twitter gepostet. ;)

Ich gebe zu, man hätte ihn auch auf der Webseite posten können.

Aber wenn die Konferenz von der ESA organisiert worden wäre, gäbe es gar keinen Livestream. Und jetzt sogar mit Übersetzung in 5 Sprachen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2014, 16:06:44
Gerade hatte Monsieur Israel seinen Auftritt und ich finde er hat in der Tat einen guten Auftritt gemacht. Folgende Dinge sieht er als Stärke von Arianespace: die sehr gute Arianebilanz, die Flexibilität und die Nicht-Priorisierung von Regierungssatelliten (im Gegensatz zur ULA z.B.). Gleichzeitig hat er gesagt, dass in Kundengesprächen man herausgefunden hat, dass es ein sehr großes Interesse an elektrischen Satelliten bei den meisten Satellitenbetreibern gibt und man sich dem anpassen müsse. Weitere Probleme sind die Nutzlasten im 3-4 Tonnenbereich (SpaceX) und der starke Euro.

Politisch war er neutral und hat die Notwendigkeit sowohl von ME als auch der A6 betont. ;)

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 29. Januar 2014, 10:50:18
Es gibt einen neuesn Livestream-Link für heute:
https://scic.ec.europa.eu/streaming/index.php?es=2&sessionno=5cbba2d075f0d1648e0851e1467ba79f

Der andere Link wiederholt das Programm von gestern.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 29. Januar 2014, 11:45:06
Zitat
UK Minister Willetts: 'The next man on Moon is likely to be Chinese, & if they're smart it will be the first woman on the Moon.'
Großbritannien: Der nächste Mensch auf dem Mond wird chinesisch sein und wenn die Chinesen intelligent sind, eine Frau! :)

Zitat
UK Minister Willetts: UK will not support any move to put ESA inside EU. Debate on this wastes time and needs to end.
Großbritannien ist gegen ESA in der EU, wen wunderts bei der britischen Anti-Europastimmung.

Zitat
EU VP Tajani's head of cabinet: 'We await member state proposals on making Galileo compulsory on Euro infrastructure prgrms. US, Russia do.'
Galileo soll verpflichtend für europäische Infrastrukturprogramme werden.

https://twitter.com/pbdes
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 29. Januar 2014, 11:51:40
Ja, Galileo muss eine dauerhafte Finanzierung bekommen ... dieses "von Charge zu Charge" hoppeln und gar Ideen das mit einem Sonderhaushalt zu stemmen, kann nicht ewig gut gehen. Es ist ein Programm was systematisch am Leben gehalten werden muss.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 29. Januar 2014, 14:45:16
Zitat
EU Commission's Weissenberg: Space-based maritime security is best place to start EU milspace capab w/ Greek/Italian EU presidencies in 2014

2014 soll es mit militärischen Aspekten in der EU Raumfahrt losgehen und zwar mit Mittelmeerüberwachung im Rahmen der griechischen und italienischen EU Präsidenschaften.

Die EU Raumfahrtagentur für militärische Raumfahrt wird meiner Ansicht nach kommen - nicht sofort aber in 10 Jahren ist sie da. Vielleicht unter der derzeit noch machtlosen EDA: http://www.eda.europa.eu/ (http://www.eda.europa.eu/)

Wenn sie dann noch mit einem 10-stelligen Budget ausgestattet wird, können wir langsam zu den Amerikanern aufschließen. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 29. Januar 2014, 21:02:54
Auch wenn seit einiger Zeit offener über militärische Aspekte der europäischen Raumfahrt diskutiert wird, ich glaube nicht, dass die EU das schafft.

Hinsichtlich des Konferenzthemas "welche Richtung bis 2020 sollte Europa einschlagen" scheint es wohl mehr um die Fortsetzung bisheriger Projekte zu gehen.

Bei Galileo will man glauben machen, dass es Realität sei - mit 4 Satelliten. Immerhin ist man doch zuversichtlich, dass man das System bis 2020 realisiert bekommt (so zumindestens der Plan). Interessanterweise macht man sich Sorgen, ob Galileo denn auch genutzt wird und fordert verpflichtene Regularien zb. im Bereich eCall u.a. In diesem Zusammenhang scheint erkennbar, dass die EU auch in der Nutzungsphase noch nicht über funktionierende Management-Strukturen verfügt und das Gezerre und Verzögerungen auch dort noch weitergehen dürfte.

Richtig visionär wäre ja mal, eine Organisation zu schaffen, die vorbildlich für Europa sein könnte.

Irgendwie fällt es schwer, EU-Fan zu sein/zu bleiben.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 31. Januar 2014, 09:33:58
Die EC möchte Regeln erlassen, wie hochaufgelöste Erdbeobachtungsdaten zwischen Ländern vermarktet werden können, speziell an welche Länder sie exportiert werden dürfen. UK scheint das zu blockieren, so dass wohl nur ein "Hinweis" der EC wird, keine bindende Regel. In UK sieht man eine Gefahr für die kommerzielle Vermarktung. UK sieht keinen Bedarf, dass die EU hier etwas regelt, sondern die Hoheit weiter bei den Ländern selbst liegt.

Die Herausforderung ist aber, dass viele Konzerne heute "transnational" sind, also in mehrere Ländern Niederlassungen haben und Märkte bedienen. Da es zu Satellitendaten unterschiedliche nationale Regeln gibt, richten sich die Konzerne in ihrer Exportvermarktung dann nach den "passenden Regeln" im "richtigen Land".

http://www.spacenews.com/article/civil-space/39328uk-blocks-bid-to-create-common-european-imagery-policy (http://www.spacenews.com/article/civil-space/39328uk-blocks-bid-to-create-common-european-imagery-policy)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. Februar 2014, 18:34:17
England und Frankreichs Regierungschef Cameron und Hollande trafen sich in London und vereinbarten gemeinsame Investitionen in Raumfahrttechnologie. Über die Europapolitik ist man sich aber uneins.

15 Mio Pfund in Erdbeobachtung, Telekommunikation und Forschung.

http://www.nytimes.com/2014/02/01/world/europe/france-and-britain-agree-on-outer-space-but-find-no-common-ground-on-europe.html?_r=0 (http://www.nytimes.com/2014/02/01/world/europe/france-and-britain-agree-on-outer-space-but-find-no-common-ground-on-europe.html?_r=0)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 06. Februar 2014, 07:51:21
Die europäische Raumfahrtindustrie will, dass jedes europäische Unternehmen eine europäische Monopolstellung für gewisse Komponenten hat, damit man die Beine hochlegen kann ähhh damit man international wettbewerbsfähig bleibt. Durch den internationalen Wettbewerb würden die Preise nicht steigen, behauptet man.

Außerdem begrüßt man das Freihandelsabkommen, wenn es gleiche Spielregeln für amerikanische und europäische Firmen gibt.

Quelle:
http://www.spacenews.com/article/financial-report/39398european-primes-say-component-monopolies-would-enhance-global (http://www.spacenews.com/article/financial-report/39398european-primes-say-component-monopolies-would-enhance-global)

Hmm haben die Amerikaner das nicht so ähnlich mit der ULA für Militärstarts gemacht? Und die Preise gingen nur in eine Richtung, nämlich nach oben. ::) Also wer sagt, dass sich die europäischen Firmen nicht auf innereuropäischen Aufträgen ausruhen werden so wie die ULA mit inneramerikanischen? Die europäischen Staaten werden immer bevorzugt in Europa kaufen auch bei einem höheren Preis.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 06. Februar 2014, 08:08:36
Da kann ich nur noch den Kopf schütteln. Will unsere Industrie wirklich staatlich sanktionierte Monopole für sich bekommen und regulatorischen Schutz vor Konkurrenz mit neuen Ideen ... aber selbst ungehinderten Zugang zu neuen Märkten? Das ist doch absurd. Das wäre ein regulatorisches Monstrum und könnte in Klagen und Gegenklagen enden, wie es Elektronikkonzerne bei Patenten und Schutzrechten durchführen ...
Wenn das wirklich der gewünschte Königsweg ist, heißt das wohl umgekehrt, dass unsere Raumfahrtindustrie nicht wirklich als Industrie funktioniert und sich selbst nichts zutraut. Stattdessen will sie geschützt werden.

Normalerweise stellt sich die EU gegen solche markthemmenden Instrumente ...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 06. Februar 2014, 08:15:10
Wenn ich so einen Satz höre, dreht sich mir der Magen um:
Zitat
Auque said ESA governments should be able to agree among themselves on a list of companies that would be the acknowledged specialists in a given technology. Fewer European companies that are better able to survive in the global marketplace is the goal, he said.

Regierungen der ESA-Staaten sollten eine Liste der Spezialisten-Firmen für bestimmte Technologien abstimmen. Weniger europäische Firmen könnten besser auf dem globalen Markt überleben.


Die Regierungen sollen entscheiden, welche Firmen wichtig sind und überleben dürfen? Die Regierungen sollen das Todesurteil über andere Firmen sprechen? Ja wo sind wir denn? Bei solchen Zitaten aus unserer Industrie, werden sich die CEO amerikanischer Firmen wohl totlachen ... "Das sind also unsere 'Konkurrenten' ... "

Solche Schutzinstrumente verzögern höchstens Reformen, halten sie aber nicht auf ... nur dass es dann wohl noch schmerzhafter wird.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: cullyn am 06. Februar 2014, 09:30:44
Ist ein extrem zweischneidiges Schwert, aber in der Raumfahrt gelten teilweise Regeln, die anderswo nicht gelten.

Wenn der Martk für "US-Only" Anbieter so groß ist, wie der gesamte restliche Weltmarkt, kann man nicht sagen der Markt regelt sich von alleine, wenn man nicht bereit ist langfristig nur noch Anbieter zu haben, die den US-Only Markt bedienen können.

Aber auch bei den Komponenten die im Artikel erwähnt werde ist ein grosses Problem, dass es immer schwerer wird Quellen aufzutun, die Qualität ohne Exportbeschränkung liefern. Insbesondere in Europa ist es nicht so einfach, wenn mal ein Bauteil nicht aus den USA Beschränkungen unterliegt, dann legen die Chinesen oder Japaner Stoplersteine in den Weg.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 06. Februar 2014, 14:54:54
@Daniel: Schön, dass wir mal einer Meinung sind! ;)

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 06. Februar 2014, 15:00:10
;) ... dachte ich mir beim Schreiben auch.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: roger50 am 06. Februar 2014, 16:24:29
Dann sind wir ausnahmsweise ja schon drei...

Gruß
roger50
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MX87 am 06. Februar 2014, 16:38:06
Das kann doch hoffentlich nur ein schlechter Scherz sein  :o  :'(

Schon jetzt "leidet" der europäische Raumfahrtmarkt darunter, dass Airbus in vielen Bereichen quasi ein Monopol hat. Was Europa braucht ein weiterer großer Luft- und Raumfahrtkonzern, statt eine weitere Monopolisierung.

Sogar Russland hat gemerkt, dass eine Zusammenlegung der Luft-und Raumfahrtindustrie unter "ein Dach" weder domestische noch internationale Wettbewerbsfähigkeit fördert.

Vor allem wäre dies ein Todesurteil für jede (größere) Neugründung im Bereich Raumfahrt. Ein hypothetisches europäisches Pendant zu SpaceX, Sierra Nevada etc. wäre demnach von Vornherein ausgeschlossen...

Ich bin großer Fan der EU und der ESA aber das ist eine Perversion des europäischen Gedankens  :'(

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Major Tom am 06. Februar 2014, 17:19:12
Wenig überraschend, daß die Konzerne so etwas wollen. Denen geht es einzig und allein um Gewinnmaximierung. Kapitalismus in Reinkultur.  >:(
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Führerschein am 06. Februar 2014, 17:57:01
Das kann doch hoffentlich nur ein schlechter Scherz sein  :o  :'(

Schon jetzt "leidet" der europäische Raumfahrtmarkt darunter, dass Airbus in vielen Bereichen quasi ein Monopol hat. Was Europa braucht ein weiterer großer Luft- und Raumfahrtkonzern, statt eine weitere Monopolisierung.

Sogar Russland hat gemerkt, dass eine Zusammenlegung der Luft-und Raumfahrtindustrie unter "ein Dach" weder domestische noch internationale Wettbewerbsfähigkeit fördert.

Vor allem wäre dies ein Todesurteil für jede (größere) Neugründung im Bereich Raumfahrt. Ein hypothetisches europäisches Pendant zu SpaceX, Sierra Nevada etc. wäre demnach von Vornherein ausgeschlossen...

Ich bin großer Fan der EU und der ESA aber das ist eine Perversion des europäischen Gedankens  :'(

Aber realistisch betrachtet gibt es keinen europäischen Markt, der ein wirklich starkes neues Unternehmen tragen könnte. Auch wenn die Zuschüsse im großen Bild eher geringfügig waren, ohne die COTS und Crew Zuschüsse und den CRS -Vertrag wäre SpaceX nicht da, wo sie sind. Könnte die ESA in Europa mit dem gleichen Geld etwas ähnliches erreichen?

Die Alternative zu dem, was sie da vielleicht machen wollen, wäre ein Rückzug aus dem Trägergeschäft und Konzentration auf wissenschaftliche Missionen. Das würde ich aber gar nicht als so verkehrt ansehen. Ein Gegengewicht zu Boeing in Form von Airbus werden wir im Bereich Raumfahrt wohl nicht schaffen können. Jedenfalls nicht ohne den Willen, eigene Großprojekte anzufassen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MX87 am 06. Februar 2014, 19:44:21

Aber realistisch betrachtet gibt es keinen europäischen Markt, der ein wirklich starkes neues Unternehmen tragen könnte. Auch wenn die Zuschüsse im großen Bild eher geringfügig waren, ohne die COTS und Crew Zuschüsse und den CRS -Vertrag wäre SpaceX nicht da, wo sie sind. Könnte die ESA in Europa mit dem gleichen Geld etwas ähnliches erreichen?

Die Alternative zu dem, was sie da vielleicht machen wollen, wäre ein Rückzug aus dem Trägergeschäft und Konzentration auf wissenschaftliche Missionen. Das würde ich aber gar nicht als so verkehrt ansehen. Ein Gegengewicht zu Boeing in Form von Airbus werden wir im Bereich Raumfahrt wohl nicht schaffen können. Jedenfalls nicht ohne den Willen, eigene Großprojekte anzufassen.

Ich habe mich etwas unklar ausgedrückt. Mit europäischen Markt meine ich eher die europäischen Anbieter auf dem globalen / internationalen Markt, bei der Raumfahrt ist es schwer von nationalen Märkten zu sprechen - vor allem im zivilen Bereich.

Einen wirklich massiv beherrschenden Konzern in der Raumfahrt haben auch die USA nicht. Boeing und Lockheed halten sich in etwa die Waage, danach kommt SpaceX als starker Verfolger und die anderen mittleren Unternehmen wie Orbital, SNC usw.

In Europa gibt es allein Airbus und mit weitem Abstand kommen OHB, Thales Alenia Space etc.. Dass europäische Unternehmen auf dem internationalem Markt etwas reißen könnten zeigt die Beteiligung von Thales Alenia an verschiedenen US-Programmen. Orbital bezieht ja das Cargo-Modul von Cynus aus Italien. Das Leid der europäischen Industrie ist, dass man sich außerhalb der ESA bzw. Europa so gut wie gar nicht um Aufträge bemüht. Man sieht nahezu allein Europa als möglichen Kunden. Entsprechend kommt sehr oft der Eindruck auf, dass die europäischen Großkonzerne einzig das öffentliche "Safe Business" in Europa interessiert. Außerhalb von Europa könnten die Unternehmen aber weitere Märkte erschließen, notfalls durch eine Übernahme. In anderen Branchen funktioniert das bei Airbus doch auch: Eurocopter fliegen in der US Armee beispielsweise.

Immer mal wieder gab es zaghafte Versuche der europäischen Industrie sich auf den kommerziellen Markt der bemannten Raumfahrt zu engagieren. Astrium hatte mal einen Papiertiger samt Mock-Up eines suborbitalen Raumschiffs produziert, OHB beteiligte sich an SpaceDev (damals u.a. Dream Chaser vor Übernahme durch SNC) und EADS Astrium mischt noch an der Liberty-Rakete zusammen mit ATK mit. Leider waren all diese Versuche aber zu zaghaft oder vom Konzept her schlicht schwach. Was es bräuchte wäre ein starkes Commitment und entsprechend konsequente Handlungen. Leider sind sich in dieser Mentalität Airbus, Boeing und Lockheed nicht so fremd.  :-\

Humankapital hat Airbus mehr als genug. Würde man Mut und das vorhandene Geld in die Hand nehmen könnte man neue Geschäftszweige erschließen, expandieren und auf lange Sicht auch damit Gewinn erwirtschaften.

Wohlgemerkt ich rede hier von den Raumfahrttechnologie produzierenden Unternehmen, nicht Startanbietern wie Arianespace.

EDIT: Die wahrscheinliche Beteiligung von OHB am Dream Chaser sehe ich als willkommenen Lichtblick.  :)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 07. Februar 2014, 07:47:41
Guten Morgen,

falls es der europäischen Lieferantenkette in der Raumfahrt so (strukturell) schlecht geht, wie Eurospace es da unisono sagt, dann kann die Politik helfen, vielleicht soll sie sogar. Aber doch nicht durch "Planwirtschaft"* und Schutzregularien, sondern indem sie Nachfrage steigert, Projekte startet und ausschreibt, Invention fördert. Darauf soll die Industrie dann mit guten Produkten, effektiven Verfahren und effizienten Strukturen antworten ... sonst will die Industrie doch auch keine Überregulierung ...

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie so ein angedachter Schutzmechanismus funktionieren soll ... Legt dann eine Kommission den Jahresplan an Förderungen, Einfuhren, Ausfuhren und Quoten zwischen US- und EU-Markt fest? Und jede "strategisch wichtige" Firma bekommt ihren Anteil oder aber einen Ausgleich?
Wenn wir ineffiziente Strukturen der EU-Raumfahrt künstlich stützen, zahlen wir alle am Ende drauf ... Genau darum geht es in diesen Vorschlägen ja: sie wollen künstlich am Leben erhalten werden, aber nicht mit Industriemitteln. Andere sollen dafür zahlen.
Ich finde diese Ideen sehr unausgegoren.


*bin mir nicht sicher, ob die Anführungszeichen doch nicht sein müssten/sollten ...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: pulsar am 07. Februar 2014, 11:22:40
falls es der europäischen Lieferantenkette in der Raumfahrt so (strukturell) schlecht geht, wie Eurospace es da unisono sagt, dann kann die Politik helfen, vielleicht soll sie sogar. Aber doch nicht durch "Planwirtschaft"* und Schutzregularien,

Ja, ich frage mich auch, ob die europäische Raumfahrtindustrie wirklich so wenig konkurentzfähig und schwach ist, das man sie  immer schützen und subventieren soll?

Das Geld von CNES geht in die Erforschung von Technologien von Neosat, einer neuen Satellitenplattform mit elektrischem Antrieb und weiteren neuen Technologien. Ursprünglich erst 2019 einsatzbereit, soll Neosat jetzt bereits deutlich früher einsatbereit sein.

Interessant ist auch:
Zitat
CNES officials were at a loss to explain how, after more than a decade of working with Russian companies to develop electric propulsion in Europe, CNES and European industry now find themselves playing catch up to Boeing Space and Intelligence Systems of El Segundo, Calif., which has booked the first commercial sales for all-electric satellites. Lockheed Martin Space Systems and Space Systems Loral are also designing all-electric versions of their satellite platforms.

Also Boeing, Lockheed Martin und  Space System Loral können und werden mit eigenem Geld all-elektrische Satelliten entwickeln, aber europäische Industrie braucht dafür subventionen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Führerschein am 07. Februar 2014, 12:22:17

Also Boeing, Lockheed Martin und  Space System Loral können und werden mit eigenem Geld all-elektrische Satelliten entwickeln, aber europäische Industrie braucht dafür subventionen.

Wer sagt, daß die nicht subventioniert werden? Nur nicht so direkt, aber über enorme Gewinnspannen bei Militär-Kontrakten. Bei Loral habe ich keine Ahnung, aber bei Boeing und Lockheed Martin bestimmt. Beweisen läßt sich sowas schwer und es erfüllt vielleicht auch nicht formal die Definition von Subventionen, ist im Endeffekt aber das gleiche.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 10. Februar 2014, 21:00:39
Die EU Kommission legt in einem weiteren Bericht vor, wie sich die Beziehungen zwischen EU und ESA weiterentwickeln lassen.

Man sieht hier 4 alternative Optionen:
1) alles bleibt wie es ist (baseline)
2) verbesserte Kooperation im Status quo
Hierbei würde man mehr Koordination anstreben, aber EU und ESA blieben institutionell selbständig.
3) Entwicklung einer programmtischen Struktur, die speziell auf die EU ausgelegt ist.
In der ESA würde eine EU-konforme Struktur für die spezifischen EU-Programme entwickelt.
4) ESA wird eine EU Agentur mit EU-konformen Regelungen, die dann nur noch in Ausnahmen spezische Regelungen abdeckt, die einzelne Programme zwischen bestimmten Regierungen betreffen.

Roland Berger Consult verbindet die Optionen mit der Bewertung der Kosten der Implementierung und der Effektivität der Lösung. (zumindestens aus EU-Sicht). Der beste Kompromisse aus beiden Faktoren sei die Etablierung einer eigenen EU-Einheit innerhalb der ESA.

Nach einer entsprechenden Diskussion unter Beteiligung des ESA-Chefs und einer Entscheidung über die weitere Entwicklung auf der Ministerkonferenz im Dezember, erwartet man, dass Ende 2014 Anfang 2015  das Verhältnis EU/ESA auf eine neue Grundlage gestellt wird.

http://ec.europa.eu/DocsRoom/documents/4232/attachments/1/translations/en/renditions/native (http://ec.europa.eu/DocsRoom/documents/4232/attachments/1/translations/en/renditions/native)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 10. Februar 2014, 22:59:52
Deutschland und Frankreich scheinen derzeit noch Optionen 1 und 2 zugeneigt. Man sagt, die ESA sei heute schon fit, um EU-Programme umzusetzen, einfach durch individuelle, bilaterale Verträge, und ohne zusätzliche Strukturen/Einheiten/Regeln (Optionen 3 und 4).

Tja ... viele Köche, viele Rezepte ... ich sehe noch keine echten Konsenstendenzen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Major Tom am 10. Februar 2014, 23:12:46
Die EU Kommission legt in einem weiteren Bericht vor, wie sich die Beziehungen zwischen EU und ESA weiterentwickeln lassen.

Man sieht hier 4 alternative Optionen:
1) alles bleibt wie es ist (baseline)

Alles andere führt nur zu noch mehr Bürokratieirrsinn.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 10. Februar 2014, 23:25:44
Option 1 ist Stagnation und damit meiner Meinung nach die schlechteste von allen Optionen.

Aber wenn man mit dem Status Quo zufrieden ist, ist es sicher eine gute Option. Aber wer ist mit dem Status quo zufrieden in Europa?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MX87 am 11. Februar 2014, 00:39:30
Mal eine Frage: Was genau wäre der Vorteil einer ESA unter dem EU-Dach? Ich würde es nur begrüßen, wenn so das Budget steigen würde und mehr Exploration ermöglicht wird.

So sehr ich stolz Pro-EU bin: Eine ESA unter dem Dach der EU darf alles sein, nur kein Selbstzweck.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 11. Februar 2014, 07:35:21
Guten Morgen,

ein wirklich spannender Paradigmenwechsel wäre: weg vom ESA-geo-return, hin zu EU-weiten Ausschreibungen. Da könnte man dann sehen, ob wir bessere Produkte und Preise bekommen ...

Aber, das kann man auch ohne neue Strukturen und Bürokratie hinbekommen: Die EU beauftragt die ESA mit einem EU-Programm mit EU-Geld, in dem EU-Regularien gelten. Der Rest der ESA bliebe unberührt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 11. Februar 2014, 13:36:48
Der Vorteil wäre, dass die ESA nur noch eine Herrin hätte (EU) bzw. die EU in Gänze die ESA steuern könnte. Der Nachteil wäre, dass die ESA nur noch Unterorganisation wäre und keine zwischenstaatliche Institution. Ein sowohl-als-auch macht die ESA eigentlich nur komplexer und schwerfälliger.

Mehr Geld gibt es sicher nicht deswegen. Die EU hat schon Schwierigkeiten, das Geld für ihre Projekte Galileo und Copernicus zusammenzubekommen.

Unter der Annahme, dass Galileo/Copernicus als EU-Projekte bereits den EU-Regularien unterliegen, kann man mE. nicht davon sprechen, dass diese Projekte nachweisen, dass sie effizienter sind als unter der klassischen ESA-Regie. Hier hat es ohne GEO-Return so viel Verzögerungen und Mehrkosten gegeben, dass mir das nicht als Vorbildlich für andere Projekte (bemannte Raumfahrt, Trägersystementwicklung, etc.) erscheint.

Ob die EU soviel Energie aufbringen würde wie Frankreich für die Ariane 6 und Deutschland für die bemannte Raumfahrt, erscheint mir sehr ungewiss. Die Effizienz, die man sich von EU-Ausschreibungen verspricht, geht in einem bürokratischen Entscheidungsprozess verloren.

Insofern stellt sich eher die Frage, ob die Entscheidungsfindung und Finanzierung in der EU reformiert werden müßte. Die EU müßte eher interessante Projekte generieren. Dazu scheint sie aber weder kreativ genug, noch finanziell potent genug zu sein.

Zudem fehlen der EU die Kompentenzen in Sicherheit/Verteidigung und in der Außenpolitik (internat. Kooperationen).
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 11. Februar 2014, 23:13:36
Ein weiterer Nachteil wäre, dass man die Zusammenarbeit mit ESA-Vollmitgliedern und -Anwärtern, die nicht in der EU sind, ganz anders organisieren müsste. Womöglich würde so manches Land (z.B. die Ukraine) sogar abgeschreckt, weil die ESA-Mitarbeit immer auch einen ersten Schritt in die EU darstellen würde. (Andere Länder wie etwa die Türkei mögen darin natürlich einen Vorteil sehen.)

Aber wir dürfen niemals vergessen, dass es in der EU ein faktisches Pendant zum projektbezogenen Georeturn der ESA gibt. Jedes Land schaut doch immer, was es der EU gibt, und was es von der EU bekommt, und zwar jeweils in Summe. Wer sich da über den Tisch gezogen fühlt, wird zu meckern beginnen und Nachverhandlungen fordern. Die Briten mit ihrem gleichnamigen Rabatt sind da nur ein Beispiel.

Vielleicht sollte man den Georeturn der ESA immerhin soweit aufweichen, dass man zwischen verschiedenen Projekten einen Ausgleich herstellen kann? Leider würde der bürokratische Aufwand damit ansteigen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 12. Februar 2014, 07:50:21
Hallo Ruhri,

zum quasi-EU-Geo-Return hast du Recht. Nur wird das "oben" ausgefochten" und betrifft die Fachthemen selbst weniger als bei der ESA, wo das auf Programm- und Projektebene durchwirkt. Man könnte sagen, bei der ESA belastet der Geo-Return die Projektarbeit, bei der EU die Politik.

Aber das führt mich zu deinem letzten Satz:

...
Vielleicht sollte man den Georeturn der ESA immerhin soweit aufweichen, dass man zwischen verschiedenen Projekten einen Ausgleich herstellen kann? Leider würde der bürokratische Aufwand damit ansteigen.

So geschieht es heute ja. In der ESA wird nicht aus einem Topf irgendwie anteilig "zurückgezahlt", sondern man versucht zuerst in Projekten den Geo-Return direkt hinzubekommen (geht oft nicht so einfach) und dann schaut man innerhalb von Programmen, zwischen Projekten, oder zwischen Programmen ... und das zeitversetzt. Wenn es im Jahr 1 im Projekt X nicht passt, wird das ggf. im Jahr 3 im Projekt Y ausgeglichen.

Schwierig wird es wenn man ein Mitglied zwingend beteiligen muss (weil es viel Geld in ein Programm gibt), obwohl dessen Wissenschaft und Industrie noch nicht die Kompetenzen haben, um so umfangreich und wertschöpfend in den Projekt des Programms beteiligt zu werden. Das ist eines der Kriterien, anhand derer man Mitgliedsanträge prüft. Zuletzt war das wohl bei Polen etwas kontrovers bis kritisch. Politisch wollte man Polen in der ESA haben ... technisch bereitet das wohl etwas Kopfzerbrechen. Am Ende kommen dann ggf. viele kleine Unteraufträge in dem Land an (mit entsprechenden Schnittstellenproblemen), anstatt auf Systemebene direkt mitwirken zu können.

Insofern könnte der EU-Geo-Return vielleicht die Projekte entlasten ...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 13. Februar 2014, 12:15:46
zum quasi-EU-Geo-Return hast du Recht. Nur wird das "oben" ausgefochten" und betrifft die Fachthemen selbst weniger als bei der ESA, wo das auf Programm- und Projektebene durchwirkt. Man könnte sagen, bei der ESA belastet der Geo-Return die Projektarbeit, bei der EU die Politik.

Genau so hatte ich es auch verstanden. Unproblematisch wäre es aber auch nicht, wenn etwa ein Land mangels eigener Raumfahrtunternehmen und -technologie versuchen würde, Kürzungen beim EU-Raumfahrt-Etat durchsetzen, oder, noch schlimmer, sich die EU-Ausgaben zu einem möglichst großen Anteil von den anderen Ländern bezahlen zu lassen.

Zitat
So geschieht es heute ja. In der ESA wird nicht aus einem Topf irgendwie anteilig "zurückgezahlt", sondern man versucht zuerst in Projekten den Geo-Return direkt hinzubekommen (geht oft nicht so einfach) und dann schaut man innerhalb von Programmen, zwischen Projekten, oder zwischen Programmen ... und das zeitversetzt. Wenn es im Jahr 1 im Projekt X nicht passt, wird das ggf. im Jahr 3 im Projekt Y ausgeglichen.

Schwierig wird es wenn man ein Mitglied zwingend beteiligen muss (weil es viel Geld in ein Programm gibt), obwohl dessen Wissenschaft und Industrie noch nicht die Kompetenzen haben, um so umfangreich und wertschöpfend in den Projekt des Programms beteiligt zu werden. Das ist eines der Kriterien, anhand derer man Mitgliedsanträge prüft. Zuletzt war das wohl bei Polen etwas kontrovers bis kritisch. Politisch wollte man Polen in der ESA haben ... technisch bereitet das wohl etwas Kopfzerbrechen. Am Ende kommen dann ggf. viele kleine Unteraufträge in dem Land an (mit entsprechenden Schnittstellenproblemen), anstatt auf Systemebene direkt mitwirken zu können.

Insofern könnte der EU-Geo-Return vielleicht die Projekte entlasten ...

Das war mir noch nicht klar gewesen. Was war denn dann die polnische Intention, sich relativ stark in der ESA zu engagieren? So eine Art technologische Entwicklungshilfe vielleicht? Immerhin muss das polnische Geld irgendwie in Polen ausgegeben werden, und dann könnte man sich überlegt haben, Wissen von den anderen ESA-Ländern abzuschöpfen und damit die eigene Industrie aufzubauen.

Wie auch immer, falls die EU als Auftraggeber von ESA-Projekten auftreten würde, ginge es um "kleinere" Beträge, gemessen am Gesamtetat, die eigentlich nicht für allzuviel Aufregung unter den Mitgliedsstaaten führen dürfte. Außerdem könnten sich einzelne Länder ja immer noch über ihren EU-Anteil hinaus engagieren - auch wenn man dann wieder ESA-Georeturn-Anteile einrechnen müsste.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 13. Februar 2014, 12:37:09
Hallo Ruhri,

zur polnischen Motivation schnell in die ESA zu kommen, weiß ich nichts weiter. Daran ist erstmal nichts Unlauteres. Es gab offenbar nur unterschiedliche Ansichten (auf politische Ebene und auf technischer Programmebene) wie zügig das gehen soll. Die politische Ebene hat sich offensichtlich durchgesetzt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 13. Februar 2014, 13:03:30
Ich würde das auch nicht "unlauter" nennen wollen, aber der Punkt in deinen Ausführungen, der mir aufgefallen war, ist doch dieser: Polen tritt in die ESA ein und engagiert sich finanziell, doch die ESA weiß gar nicht so recht, was sie mit dem polnischen Geld tun soll, da die Industrie nicht viel anzubieten hat. Mir ist da einfach in den Sinn gekommen, dass Polen vielleicht mit Hilfe der ESA ihre Raumfahrtindustrie aufbauen möchte, wobei ich das mehr an Wissens- als an Geldtransfer denke.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 13. Februar 2014, 13:43:32
Das kann durchaus sein. So was haben die Briten aber auch im letzten Jahr (erneut) praktiziert, wenn auch auf anderem Leistungsniveau
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: pulsar am 21. Februar 2014, 21:14:26

Also Boeing, Lockheed Martin und  Space System Loral können und werden mit eigenem Geld all-elektrische Satelliten entwickeln, aber europäische Industrie braucht dafür subventionen.

Wer sagt, daß die nicht subventioniert werden? Nur nicht so direkt, aber über enorme Gewinnspannen bei Militär-Kontrakten. Bei Loral habe ich keine Ahnung, aber bei Boeing und Lockheed Martin bestimmt. Beweisen läßt sich sowas schwer und es erfüllt vielleicht auch nicht formal die Definition von Subventionen, ist im Endeffekt aber das gleiche.

Ach bitte nicht schon wieder damit anfangen! Es ist ein europäisches Mantra, das anscheinend ausgedacht wurde, um europäische Steuerzahler zu beruhigen. Ich kann nicht verstehen, wie es ein Subvention sein soll, wenn die Regierung etwas kauft, was sie wirklich braucht, und der Hersteller verdient dabei Geld.
Zitat
Eine Leistung aus öffentlichen Mitteln nach Bundes- oder Landesrecht an Betriebe oder Unternehmen, die wenigstens zum Teil
a) ohne marktmäßige Gegenleistung gewährt wird und
b) der Förderung der Wirtschaft dienen soll
(Wikipedia)

Aber gut, sagen wir mal, Du hast recht und U.S. Unternehmen bekommen undirekte Subventionen. Aber wie ist es denn anders als bei europäische Firmen? Airbus und Thales Alenia Space bekommen auch eine menge Geld durch Regierungsverträge. Angeblich wird Airbus dann auch von U.S.-Regierung subventiert (Airbus liefert z.B. UH-72A, HC-144 und HH-65 für U.S. Army und U.S. Coast Guard).
Airbus und Thales Alenia Space werden dann doppelt subventiert, also beide direkt und undirekt. Die Frage bleibt offen: ist die europäische Raumfahrtindustrie wirklich so schwach, dass sie ohne solche Geschänke nicht konkurieren und überleben kann?

Vergleichen wir mal - Space System Loral hat keine nenneswerte Verträge mit Regierungen, aber trotzdem haben sie selbst Geld um all-elektrische Satelliten zu entwickeln.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: cullyn am 24. Februar 2014, 13:23:20
In der Luft & Ramfahrt genauso wie im militärischen gibt es indirekte Subvention durch die Tasache, das vor Projektbeauftragung feststeht, welche Firmen den Auftrag bekommen. Das bedeute, das im einzelfall nicht unbedingt klar ist, ob LM, SSL oder Boeing einen konkreten Auftrag bekommen, aber klar ist, das bestimmte Aufträge so verteilt werden, dass jede dieser Firmen einen Anteil dieser Aufträge bekommt, egal wie schlimm ihre Angebote objektiv betrachtet sind.
Dabei spielt es nur vordergründig eine Rolle, welche der Firmen die billigsten oder technisch besten Angebote abgeben.
Es ist bei solchen Grossprojekten immer ein gewisses Spiel was für Anforderungen die Wirtschaft erfüllen kann, um diese Anforderungen zu stellen, egal ob sie für das Endziel besonders wichtig sind oder nicht, zumal idR klar ist, dass gerade bei Grossprojekten Budget und Anforderungen nicht ganz zusammen passen. Wer für 5 Euro bei Besteck kaufen will, sollte hinterher nicht darauf bestehen Löffel aus 999er Gold zu bekommen, da die Löffel sonst so klein sind, dass man damit nichts essen kann.

In Europa gibt es die indirekten Subventionen auch, allerdings in wesentlich geringerem Umfang als in USA (sowohl absolut als auch prozentual) und es wird insbesodere in D nicht so strikt darauf geachtet. Während z.B. der Auftrag zur Skynet-5 Flotte der UK ganz konkret daran geknüpft war, Arbeitsplätze in UK aufzubauen, gibt Deutschland bei seinen militärischen Satelliten auch gerne Geld und Know-How-Gewinn ins Ausland für Aufgaben, die in D genausogut erledigt werden können.




Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: ZeT am 24. Februar 2014, 20:09:38
Ich kann nicht verstehen, wie es ein Subvention sein soll, wenn die Regierung etwas kauft, was sie wirklich braucht, und der Hersteller verdient dabei Geld.

Is doch ganz simpel. Du brauchst etwas und zahlst freiwillig den doppelten Preis.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: pulsar am 26. Februar 2014, 09:34:35
Ich kann nicht verstehen, wie es ein Subvention sein soll, wenn die Regierung etwas kauft, was sie wirklich braucht, und der Hersteller verdient dabei Geld.

Is doch ganz simpel. Du brauchst etwas und zahlst freiwillig den doppelten Preis.

Wenn man mehrere Anbieter hat?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 27. Februar 2014, 22:42:13
Gabriel und Zypries waren in Europa (council meeting) und haben mit den anderen Ländern über Wettbewerbsfähigkeit verhandelt. Da hat man auch über die europäische Raumfahrtpolitik gesprochen.

zu Protokoll:

- das Verhältnis zwischen ESA und EU soll verbessert werden, um unnötige Doppelung der Aktivitäten zu vermeiden.

- Die Erfahrungen im Management der EU Programme (GNSS/Galileo/Copernicus) soll die Grundlage für eine zukunftsorientierte, europäische Vision entwickeln.

- Die aktuellen Regelungen liefern nicht länger die Grundlage für eine effiziente und effektive europäische Raumfahrtpolitik durch abgestimmte Kompetenzen zwischen EU und ESA.

http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/intm/141115.pdf (http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/intm/141115.pdf)

Nja, dass Problem ist häufig genug festgestellt worden, wie wärs mal mit Fortschritten?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 15. Mai 2014, 14:17:49
Hallo Tobi,
was meinst du denn mit "Europäischer Raumfahrtagentur" dazu noch militärischen Hinter-bzw. Vordergrund.
Soll das eine NASA Nr. 2 werden? Wer hätte denn das Sagen in so einer Agentur?
Ich denke,es ergeben sich jede Menge Fragen.Es (sollte) kann darüber disskutiert werden.
Aber das gehört wohl nicht hierher zu SpaceX.

Das ist meine Signatur, die unter allen meinen Beiträgen steht und ist mein politisches Raumfahrtstatement zur Europawahl.

Und bei der EU-Militärraumfahrtagentur geht es um die Trennung von zivil und militärisch. ESA DG Dordain und andere Leute wollen EU Militärprojekte innerhalb der ESA abwickeln, wo ich dagegen bin. Die Amerikaner haben auch eine Trennung von zivil (NASA) und militärisch (USAF/NRO etc..).

Und wer meint, dass es ja noch keine militärischen EU-Raumfahrtprojekte gibt, dem sage ich, dass das ziemlich sicher kommen wird. Aufgrund der Krimkrise gibt es ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis in östlichen EU-Ländern, wodurch das Thema europäische Armee wieder auf der Tagesordnung steht. Damit ist dann auch das Thema Militärsatelliten (Raketenfrühwarnung, Aufklärung, Kommunikation etc..) wieder aktuell.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 15. Mai 2014, 21:07:47
tobi, gratuliere, Du bist wohl der erste, der das Thema Raumfahrt in den Europawahlkampf getragen hat.

Bei der EU scheint Raumfahrt schon lange kein öffentlichkeitsrelevantes Thema mehr zu sein.

Das aber (auch noch) eine EU-Militärraumfahrtagentur sinnvoll ist, sehe ich nicht so.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: roger50 am 15. Mai 2014, 22:16:58
N'abend,

Das aber (auch noch) eine EU-Militärraumfahrtagentur sinnvoll ist, sehe ich nicht so.

Solange es (statt der NATO, oder innerhalb derselben) noch keine vereinigten europäischen Streitkräfte gibt, in der die nationale Armeen verschmolzen sind (etwa: EUDO = European Union Defence Organization), wird auch weiterhin jedes Land seine nationalen Militärsatelliten bauen und betreiben.

Gruß
roger50
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: HK am 16. Mai 2014, 14:59:10
Eine EU-Raumfahrtagentur wäre nach Art. 187 i.V.m. Art. 189 AEUV möglich. Sie wäre abseits der Technologieförderung auch sinnvoll. Auch ohne eigene Streitkräfte benötigt die EU ja für die Kontrolle der EU-Außengrenzen, für das Lagezentrum beim Auswärtigen Dienst und für die vielen militärischen Koordinationsprogramme (z.b. EU Naval Force; http://eunavfor.eu/ (http://eunavfor.eu/)) ausreichend Aufklärungsmaterial. Der Souveränitsanspruch der EU wird letztlich auch dazu führen, dass sie Kontrolle über Satelliten und Weltraumprogramme bekommen wird. 
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 27. Mai 2014, 08:28:02
So die (laut Wörner) kalte Kartoffel ist nun auch bei der EU selbst angekommen:
http://spacenews.com/article/civil-space/40685european-union-delays-decision-on-esa-changes (http://spacenews.com/article/civil-space/40685european-union-delays-decision-on-esa-changes)

Zitat
The council said it agreed with the commission’s recent assessment that “transforming ESA into an EU agency would require political consensus that may be difficult to reach in the foreseeable future.”
Also es gibt keinen Konsens, die ESA in eine EU Agentur zu verwandeln.

"Wettbewerbsfähig" (ohne massive Subventionen) wurde also im Arianeprogramm auf Ariane 7 verschoben. Also auf in 30 Jahren. Die Konkurrenz freuts.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Haus Atreides am 27. Mai 2014, 09:22:07
Zitat
The EU Commission awards contracts on a stricter value-for-money basis, which French officials say may play to the advantage of French industry.

Womit wir den wahrscheinlichen Blockierer (wen wunderts..) wohl hätten.

Und wenn man die aktuellen politischen Entwicklungen in Frankreich sieht, wäre für die derzeitige Regierung eine Neuregelung, welche Frankreichs Kuchenanteil verkleinern würde, wahrscheinlich politischer Selbstmord.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 27. Mai 2014, 09:24:10
Das heißt, dass die deutsche Industrie nicht wettbewerbsfähig ist, das sollte uns stark zu denken geben.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 27. Mai 2014, 09:40:54
Wie super wettbewerbsfähig das bei der EU läuft, haben wir ja mit Galileo gesehen. ;)

Angeblich hat die ESA ja im Wettbewerb Angebote für die Ariane 6 einholt, die die Länder dann finanzieren sollen. Daran müßte man ja erkenen können, ob die Industriebasis für Wettbewerb überhaupt geeignet ist.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 27. Mai 2014, 13:36:14
@tomtom: Bei Galileo musste man seitens der EU noch ein bischen üben bei der Beschaffung - schließlich war es das erste große EU Weltraumprojekt. Ich bin optimistisch, dass es in Zukunft besser wird.

PS: Als ich deine Signaturkopie der meinigen gesehen habe, musste ich erstmal laut loslachen! ;D Wie unterschiedlich doch die Ansichten sind! ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 29. Mai 2014, 23:36:39
Die EU befaßt sich im Juni auf eine Konferenz in Athen mit Raumfahrt und Sicherheit.

Dabei will man die Synergien zwischen zivilen und militärischen Raumfahrt Aktivitäten in den Bereichen Space Situation Awareness, Erdbeobachtung, Telekommunikation und Navigation ausloten.

https://space-security-conference.teamwork.fr/en/programme
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Mai 2014, 00:25:13
Was Dordain da erzählt, dürfte klar sein. Er will die EU Militär-/Sicherheitsprogramme alle in der ESA haben.

Ich hoffe mal, dass man das EU-seitig verhindern wird.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 13. Juni 2014, 09:30:05
Offenbar kommt Dordain doch nicht zur Konferenz. Thomas Reiter ist jetzt gelistet. Na da kann man ja gespannt sein...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 02. Juli 2014, 09:11:46
Zitat
Thales Alenia Space CEO: After US, China and Russia now both moving toward sat-component independence. Europe can't do otherwise.

Thales Alenia Space chief Galle: We need better R&D progs in Europe to free us from sat-component dependence on US & its ITAR rules.

Thales Alenia Space CEO Galle: Euro Commission's last R&D program was a failure. Indications are the new one, Horizon 2020, is no better.
https://twitter.com/pbdes

Thales möchte ein besseres Forschungsprogramm von der EU für ITAR-Unabhängigkeit.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 25. August 2014, 23:20:03
Der neue EU Kommissar Ferdinando Nelli Feroci fordert alle Details zu den Galileo-Startproblemen von Arienespace und ESA. Er bekräftigt aber ansonsten das weitere Vorgehen des Projekts.

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-945_en.htm (http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-945_en.htm)

Das mit der ESA-Untersuchungkommission ist ja ganz nett, aber vielleicht sollte der Untersuchungsgegenstand doch etwas ausgeweitet werden, denn die Zahl der Probleme und Verzögerungen sind größer und nicht auf die Technik begrenzt.

Die Untersuchung des weiteren Vorgehens (Technisch, Organisatorisch, Administrativ) wäre sicher ebenso hilfreich wie die Feststellung der Fehlerursache.

Man steckt in dem Projekt mitten drin (2008 angefangen, 2020 soll es fertig werden) und ich habe nämlich nicht das Gefühl, das bei dem Projekt Meilensteine und Sachstand transparent bilanziert und gesteuert werden.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 23. September 2014, 22:43:16
Eine neue Hoffnung für das Galileoprogramm! Die polnische Politikerin El?bieta Bie?kowska wird EU Kommissarin für Industrie und Unternehmertun und hat die große Ehre sich mit dem Galileoprojekt beschäftigen zu dürfen. Am 1. November ist Amtsantritt, wenn ich das richtig sehe (tomtom möge mich korrigieren).

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up061897.jpg)
El?bieta Bie?kowska

Mehr Informationen gibts hier: https://de.wikipedia.org/wiki/El%C5%BCbieta_Bie%C5%84kowska (https://de.wikipedia.org/wiki/El%C5%BCbieta_Bie%C5%84kowska)
Wer ihre Berufung lesen will: http://ec.europa.eu/about/juncker-commission/docs/bienkowska_en.pdf (http://ec.europa.eu/about/juncker-commission/docs/bienkowska_en.pdf)

Da sie aus Polen kommt und es dort quasi keine Raumfahrtindustrie gibt, kann sie vielleicht etwas unvoreingenommener an die Sache rangehen als das bei anderen Politikern der Fall gewesen wäre.

Da kann sie gleich die Sojus Go /No Go Entscheidung treffen. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 23. September 2014, 23:04:00
wobei sich ihr Zuständigkeitsbereich gegenüber dem Vorgänger Tajani erweitert hat um "interen Markt" und "kleine und mittlere Unternehmen".

Die Prioritäten scheinen mir da nicht so auf Galileo zu liegen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 25. September 2014, 20:32:02
Das EU-Kommissariat Wettbewerb (interner Markt, Industrie, Forschung und Raumfahrt) "feierte" heute seinen 3333. tes Council Meeting.

Space kommt da nur im Titel vor, nur ein 4 Zeiler läßt uns wissen, dass man bzgl. EGNOS Verhandlungen mit Afrika und Madagaska authorisiert hat.

http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/intm/144930.pdf (http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/intm/144930.pdf)

Soviel zum Thema, ob Raumfahrt in der EU zumindestens derzeit gut aufgehoben ist. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 26. September 2014, 11:17:21
Ich korrigiere mich! 8) Es gibt jetzt einen neuen Posten für "Transport und Weltraum" besetzt von dem Slowaken Maroš Šef?ovi?, also eine Aufwertung der Raumfahrt!

European Commissioner for Transport and Space

Hier die Berufung: http://ec.europa.eu/about/juncker-commission/docs/sefcovic_en.pdf (http://ec.europa.eu/about/juncker-commission/docs/sefcovic_en.pdf)

Zitat
Transport and Space
Maroš Šef?ovi?

DG Mobility and Transport (MOVE)
The relevant parts of the Innovation and Networks Executive Agency
(INEA)
The relevant parts of the Research Executive Agency (REA)
Responsible for relations with:
The European Aviation Safety Agency (EASA)
The European GNSS Supervisory Authority (GSA)
The European Maritime Safety Agency (EMSA)
The European Railway Agency (ERA)
Changes for DG MOVE:
- Units ENTR G1 (Space Policy and Research), ENTR G2 (Copernicus:
services), ENTR G3 (Copernicus: Infrastructures) and Directorate ENTR
H (EU Satellite Navigation Programmes) move from DG Enterprise and
Industry (ENTR) to DG MOVE.

Quelle: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-984_de.pdf (http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-984_de.pdf)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up061898.JPG)
https://en.wikipedia.org/wiki/Maro%C5%A1_%C5%A0ef%C4%8Dovi%C4%8D (https://en.wikipedia.org/wiki/Maro%C5%A1_%C5%A0ef%C4%8Dovi%C4%8D)

Also er darf jetzt die Sojus Go/Nogo Frage beantworten. ;)

Ich wusste doch bei der EU gibt es Hoffnung.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. September 2014, 11:02:48
Heute um 18 Uhr wird der neue EU Kommissar für Transport und Weltraum vor dem EU Parlament 3 Stunden lang befragt über seine Raumfahrtkompetenz:
http://www.elections2014.eu/en/new-commission/portfolios-and-candidates/20140910CAD60705/Maro%C5%A1-%C5%A0ef%C4%8Dovi%C4%8D (http://www.elections2014.eu/en/new-commission/portfolios-and-candidates/20140910CAD60705/Maro%C5%A1-%C5%A0ef%C4%8Dovi%C4%8D)

Es gibt einen Livestream! 8) Warum werden andere Leute (z.B. Staatssekretäre) nicht mal über ihre Raumfahrtkompetenz vor einem Parlament befragt? Die EU geht mal wieder mit positiven Beispiel voran.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. September 2014, 18:33:15
Also er ist schonmal sehr sprachgewandt. In seiner 15-minütigen Einleitung hat er 4 Sprachen benutzt. Ich schätze er hat von den 15 Minuten 2-3 Minuten über Galileo (Copernicus kam effektiv nicht vor) geredet. Im Prinzip nicht viel neues, er meint, man dürfe sich nicht "entmutigen" lassen und müsse Galileo durchziehen. Außerdem müsse das EU Raumfahrtbudget erhöht werden.

Jetzt wird er befragt und es geht erstmal um innerstädtische Mobilitätskonzepte, russische Sanktionen, soziale Aspekte beim Transport, Single European sky etc..
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. September 2014, 19:27:47
Eine Stunde Befragung, noch keine einzige Raumfahrtfrage. Ich vermute jedoch, dass die Raumfahrtfragen erst am Ende kommen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. September 2014, 20:16:56
Der neue EU Kommissar für Transport und Weltall bekommt jetzt Raumfahrtfragen.

Er unterstützt europäische Autonomie bei Trägerraketen und befürwortet einen europäischen Sojusersatz. Außerdem starke Unterstützung für Galileo und Copernicus. Bzgl. Wechsel zu Ariane oder kein Wechsel will er erst die Untersuchungsergebnisse abwarten.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. September 2014, 20:27:26
Maroš Šefčovič: "we cannot continue with the soyuz launcher".

Also das ist ein Statement. Ich hoffe er hat über die Konsequenzen nachgedacht.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. September 2014, 21:27:22
Ok Anhörung zuende, ich denke er wird vom Parlament bestätigt. Hat eigentlich einen guten Eindruck gemacht, wusste sogar was die Fregat ist, da bin ich mir bei einigen Staatssekretären nicht so sicher.

Seine Meinung zu Sojus ja oder nein war etwas widersprüchlich. Erst hat er gesagt Untersuchungsergebnisse abwarten und dann hat er gesagt, dass wir die Sojus nicht weiter benutzen können. Außerdem war er für einen europäischen Sojusersatz. Bisher ist die EU bei Ariane nicht in Erscheinung getreten, ändert sich das bei Ariane 6? Spannende Frage.

Also am 1. November gehts los und Ende Januar dürfte wieder die EU Raumfahrtkonferenz sein.

Derzeit ist übrigens die EU und nicht Deutschland oder Frankreich der größte ESA-Beitragszahler.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: ZeT am 01. Oktober 2014, 05:04:31
Derzeit ist übrigens die EU und nicht Deutschland oder Frankreich der größte ESA-Beitragszahler.
Also doch Deutschland. ^^
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 01. Oktober 2014, 11:06:35
Zitat
Germany 10th to join EDA's EU Satcom Market, augmenting national Comsatcom. Since May 2013 18 orders placed thru EU Satcom Mkt totaling €2M.
https://twitter.com/AvWeekParis/status/517235608780296192

Deutschland tritt dem EDA Satellitenkommunikationsmarkt bei. 2 Millionen Euro wurden da seit Mai 2013 ausgegeben (also nicht soviel).

EDA ist die europäische Verteidigungsagentur bei Brüssel.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 01. Oktober 2014, 12:59:23
Derzeit ist übrigens die EU und nicht Deutschland oder Frankreich der größte ESA-Beitragszahler.
Also doch Deutschland. ^^

Ein klassischer Fall der Wahl der Perspektive...  ::)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 01. Oktober 2014, 16:27:43
Maroš Šefčovič wurde vom EU-Parlament bestätigt, damit ist er der neue Raumfahrtkommissar ab 1. November.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 01. Oktober 2014, 20:43:18
Bei SpaceNews ausführlich:
http://www.spacenews.com/article/military-space/42048germany-joins-european-military-bandwidth-sharing-program (http://www.spacenews.com/article/military-space/42048germany-joins-european-military-bandwidth-sharing-program)

Zitat
EDA had hoped that the satcom procurement cell would give members a taste of the savings afforded by group purchases and ultimately lead to a consolidation of military satellite communications efforts in Europe, where five nations — also including Italy and Spain — operate their own satellites.
Bei der EU hat mans erkannt. Wenn man die militärische Satellitenkommunikation zusammenlegen würde (z.B. in einer EU-Militärraumfahrtagentur), könnte man ne Menge Geld sparen. Nur die Mitgliedsstaaten wollen nichts abgeben. Stattdessen lieber separat und teuer, für Ersatzteile dann nicht ausreichend Geld und schon haben wir die aktuelle Bundeswehrlage...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 09. Oktober 2014, 22:30:04
Das EU Parlament hat die slowenische designierte Kommissarin durchfallen lassen. Jetzt wird spekuliert, dass Sefcovic doch noch ein anderes Ressort zugesprochen bekommt, wie die Zuständigkeit für die Energieunion. Die Frage ist, wer bekäme dann die Raumfahrtzuständigkeit. :o
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 09. Oktober 2014, 23:07:20
Die EU hat erstmal Aufgaben für Galileo an die ESA und an die GSA delegiert.

Die ESA soll sich um die "Deployment-Phase" kümmern, die GSA um die Services und die "Exploitation-Phase" (Nutzungsphase). Letztere soll 2014-15 beginnen. Volle Inbetriebnahme soll 2020 sein.

http://www.itsinternational.com/categories/utc/news/galileo-service-provision-delegated-to-european-gnss-agency/ (http://www.itsinternational.com/categories/utc/news/galileo-service-provision-delegated-to-european-gnss-agency/)

Richtige Projektpläne werden ja schon lange nicht mehr veröffentlicht. Aber man scheint 2 Organisationen mit einem halbfertigen, virtuellen System beschäftigen zu können.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 14. Oktober 2014, 23:00:41
Da wir hier schonmal das Thema EDA und europäische Militärkooperation hatten:

Tom Enders ist unzufrieden mit der deutschen Verteidigungspolitik, stellt 10 Thesen dazu auf und plädiert dafür, dass die europäische Verteidigungsagentur EDA den selben Stellenwert erhalten sollte wie die ESA !?

http://www.handelsblatt.com/downloads/10837000/1/Thesen_Enders.pdf (http://www.handelsblatt.com/downloads/10837000/1/Thesen_Enders.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 15. Oktober 2014, 20:06:39
Schlechte Nachrichten. Sefcovic ist jetzt für die Energieunion zuständig. Für Transport und Weltraum soll jetzt die Slowenin Violeta Bulc zuständig sein.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 15. Oktober 2014, 23:16:27
Die Frau interessiert sich für Esoterik und New Age.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/violeta-bulc-ueberzeugt-bei-eu-kommissionspraesident-juncker-a-997197.html (http://www.spiegel.de/politik/ausland/violeta-bulc-ueberzeugt-bei-eu-kommissionspraesident-juncker-a-997197.html)

In Junckers Mission Statement für sie kommt Raumfahrt und Galileo aber gar nicht mehr vor.
http://ec.europa.eu/about/juncker-commission/docs/bulc_en.pdf (http://ec.europa.eu/about/juncker-commission/docs/bulc_en.pdf)
Vielleicht vergessen oder es macht doch jemand anders?

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 15. Oktober 2014, 23:20:02
Gute Frage, wer macht jetzt die Raumfahrt? :o Sefcovic scheint sie nicht mitzunehmen...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 15. Oktober 2014, 23:21:16
Ah hier:
Zitat
One element undecided in the new line-up, according to the source close to Juncker, was whether the responsibility that Sefcovic was to have had for space travel would be handed to Bulc. It could be assigned to another commissioner.
http://uk.reuters.com/article/2014/10/14/uk-eu-commission-idUKKCN0I32QA20141014 (http://uk.reuters.com/article/2014/10/14/uk-eu-commission-idUKKCN0I32QA20141014)

Also wer die Raumfahrt bekommt, noch unklar.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 17. Oktober 2014, 20:50:56
Am 22. Okt. soll Juncker vom Europaparlament gewählt werden und er soll in einer Rede dann die offenen Kompetenzen bekanntgeben.

Man darf also hoffen (oder wir werden vertröstet auf einen späteren Zeitpunkt).

Das derjenige, diejenige noch Einfluß auf die Ministerratskonferenz im Dez. nehmen wird, kann man wohl bezweifeln.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 22. Oktober 2014, 09:44:14
Eine neue Hoffnung für das Galileoprogramm! Die polnische Politikerin El?bieta Bie?kowska wird EU Kommissarin für Industrie und Unternehmertun und hat die große Ehre sich mit dem Galileoprojekt beschäftigen zu dürfen. Am 1. November ist Amtsantritt, wenn ich das richtig sehe (tomtom möge mich korrigieren).

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up061897.jpg)
El?bieta Bie?kowska

Mehr Informationen gibts hier: https://de.wikipedia.org/wiki/El%C5%BCbieta_Bie%C5%84kowska (https://de.wikipedia.org/wiki/El%C5%BCbieta_Bie%C5%84kowska)
Wer ihre Berufung lesen will: http://ec.europa.eu/about/juncker-commission/docs/bienkowska_en.pdf (http://ec.europa.eu/about/juncker-commission/docs/bienkowska_en.pdf)

Da sie aus Polen kommt und es dort quasi keine Raumfahrtindustrie gibt, kann sie vielleicht etwas unvoreingenommener an die Sache rangehen als das bei anderen Politikern der Fall gewesen wäre.

Da kann sie gleich die Sojus Go /No Go Entscheidung treffen. ;)

Und sie ist es doch!
http://euobserver.com/political/126170 (http://euobserver.com/political/126170)

Zitat
Space - initially foreseen for the transport commissioner - is to stay as part of DG entreprise and go to the Polish commissioner, Elzbieta Bienkowska.
Also Frauenpower in der europäischen Raumfahrt. Ich hoffe sie kann mehr als die französische Staatssekretärin... Leider dürfte Raumfahrt in diesem Ressort nur ein "Anhängsel" sein...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 22. Oktober 2014, 12:17:26
Juncker hat offenbar die Medikamentenzulassung gegen die Raumfahrt getauscht im Industrieressort:
http://www.euractiv.de/sections/europawahlen-2014/neue-eu-kommission-juncker-entzieht-industrieressort-arzneimittel (http://www.euractiv.de/sections/europawahlen-2014/neue-eu-kommission-juncker-entzieht-industrieressort-arzneimittel)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 02. November 2014, 16:57:58
Die EU feierte mit seinem scheidenden EC-Präsident Baroso in einer Ausstellung "Space for our future" zusammen mit der ESA die Fortschritte der letzten zwei Jahre, inklusive Start von Galileo und Copernicus und gibt einen Ausblick auf 2030.

Dabei wurde auch der Vertrag zwischen EU und ESA für den Aufbau von Copernicus 2014-2021 über 3,15 Mrd € unterschrieben.

(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up042465.jpg)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 18. November 2014, 09:38:27
Es ist unklar, wer jetzt politisch für Galileo zuständig ist:
http://www.insidegnss.com/node/4254 (http://www.insidegnss.com/node/4254)

Ob Galileo bei Unternehmertum bleibt oder doch noch ein anderes Ressort bekommt, ist unklar. Die Managementführung bleibt jedoch erhalten, sodass erstmal wohl Kontinuität herrscht.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. Dezember 2014, 08:00:41
Die EU hat ihr Budget für Galileo und Copernicus geplant und mit Zielen verbunden:

Galileo:
2014 = 1 326,2
2015 = 1 060,6
2016 = 851,7
2017 = 898,7
2018 = 812,0
2019 = 755,8
2020 = 1 253,7
2015 will man 14 Satelliten im Orbit haben, 2020 dann 30.

Copernicus:
2014 = 362,9
2015 = 556,4
2016 = 586,3
2017 = 612,6
2018 = 645,6
2019 = 876,9
2020 = 650,8
2015 will man 4 Satelliten starten

http://ec.europa.eu/budget/annual/lib/documents/2015/DB/DB2015_WDI_en.pdf (http://ec.europa.eu/budget/annual/lib/documents/2015/DB/DB2015_WDI_en.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 04. Dezember 2014, 16:54:55
SPD ist für EU-Militärhauptquartier:
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundeswehr-spd-wirbt-fuer-vereinigte-armee-von-europa/11075390.html (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundeswehr-spd-wirbt-fuer-vereinigte-armee-von-europa/11075390.html)

Da können dann ja auch Spionagesatelliten drin inkorporiert werden und die ESA muss doch nicht zum militärischen Sicherheitsbereich erklärt werden. Es gäbe auch enormes Potential für Kostenseinspaarungen, sodass nicht jedes EU-Land eigene Kommunikationssatelliten oder Spionagesatelliten beschaffen muss. Neulich habe ich gelesen, dass die USA jeden Dollar ins Militär um ein vielfaches effektiver einsetzen als in Europa, weil hier lieber jeder sein eigenes Süppchen kocht. :-\

Weiterer Vorteil: Kein Geo-Return bei EU-Beschaffungen.

Mal schauen wie sich das weiter entwickelt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 14. Januar 2015, 00:28:55
EU Konferenz zur Raumfahrt, 27 & 28. Januar:
http://spaceconference.eu/intro.html (http://spaceconference.eu/intro.html)

Von der EU ist z.B. Sefcovic & Bieńkowska da. Ansonsten zum Beispiel jemand von SpaceX! ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 14. Januar 2015, 23:14:58
Der SpaceX Mann ist Vize-Vorstand für Verkauf und war auch schon auf der ILA letztes Jahr zum Thema Commerziell vs. Staatlich.

Aber vll. hört man ja dort Neuigkeiten zum Airbus Safran Joint Venture.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: proton01 am 15. Januar 2015, 00:08:33
Aber vll. hört man ja dort Neuigkeiten zum Airbus Safran Joint Venture.
Ist unterschrieben und in Kraft. Da wird wohl jetzt von Ariane 5ME auf Ariane 6 umgeschwenkt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 26. Januar 2015, 15:47:22
Angelika Niebler von der EU äußerst sich zur europäischen Raumfahrt:
https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/eu-space-policy-needs-innovation-stay-race-against-us (https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/eu-space-policy-needs-innovation-stay-race-against-us)

Zitat
The small scale, very complex structures in Europe consisting of various players in industry, politics and science are large cost drivers.
Problem erkannt, aber die EU kann da nichts machen. Das sind nationale Angelegenheiten und niemand will seinen Job verlieren oder gar umziehen in ein anderes EU-Land.

Sie ist morgen auf der EU Konferenz. Da gibts sicher nen Livestream.

Es geht auch um Satelliten & Frequenzen. Da dürfte OneWeb & Google/SpaceX ebenfalls das große Thema sein. Europa hat keine Konstellation am Start bisher...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 27. Januar 2015, 09:50:21
Hier Live auf Ebs:
http://ec.europa.eu/avservices/ebs/live.cfm?page=1 (http://ec.europa.eu/avservices/ebs/live.cfm?page=1)

Da zeigt sich mal wieder der Unterschied zwischen EU und ESA. Die EU ist deutlich transparenter.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 27. Januar 2015, 10:06:13
Es reicht aber nur für die Welcome und Schluß-Message, die Themen werden nicht übertragen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 27. Januar 2015, 12:56:24
Zukünftiger ESA-Chef Wörner wiederholt sein Mantra:
PPP heißt Public-Private-Partnership und nicht Public-Pays-Permanently

https://twitter.com/pbdes/status/560038652466978816

Hilft aber alles nicht, wenn der Staat doch immer gerne auf PPP abfährt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 27. Januar 2015, 13:40:46
Zitat
EU Commission's Brunet re Airbus Safran Launchers talk of Euro geographic return buying rules: 'We need to get rid of this 1960s theory.'
https://twitter.com/pbdes/status/560047486774292480

Philippe Brunet von der EU Kommission sagt: der Geo-Return - ein Konzept der 60er - muss weg.

Leider stellt man sich unter anderen in Deutschland und Frankreich quer. So können wir nicht gegen die USA oder China bestehen. Die Aussichten für die Zukunft werden in Europa immer trüber, in der Raumfahrt sind sie bereits düster.  :-\


Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: proton01 am 27. Januar 2015, 22:30:39
Zitat
EU Commission's Brunet re Airbus Safran Launchers talk of Euro geographic return buying rules: 'We need to get rid of this 1960s theory.'
https://twitter.com/pbdes/status/560047486774292480
Philippe Brunet von der EU Kommission sagt: der Geo-Return - ein Konzept der 60er - muss weg.

Leider stellt man sich unter anderen in Deutschland und Frankreich quer. So können wir nicht gegen die USA oder China bestehen. Die Aussichten für die Zukunft werden in Europa immer trüber, in der Raumfahrt sind sie bereits düster.  :-\

Das kann ich nicht nachvollziehen.
Der Geo-return ist keine Theorie, sondern seit den Anfängen der ESA gelebte Praxis. Nur so kann das politische Intesse gewonnen werden, mit welchem Regierungen in ESA-Programme einzahlen in der Erwartung, damit die eigene Industrie zu fördern. Bitte melden, wer seine Steuergelder dafür verwendet haben will, die Arbeitslosigkeit in Frankreich zu verringern statt entweder die eigene Wirtschaft zu fördern oder wirklich Bedürftigen zu helfen.
Das klingt natürlich populistisch, aber so einfach wird das betrachtet.

Der Vergleich mit USA oder China hinkt, da diese beiden keine Ansammlung unabhängiger Staaten sind sondern jeweils Länder mit einem Staatshaushalt, über den von einem Parlament entschieden wird.

In Europa ist der Geo-return nun mal das Instrument, mit dem erreicht wird das mehrere Staaten Ihr Geld zusammenlegen um ein Projekt gemeinsam durchzuführen, was kein Land alleine stemmen könnte. Wenn Frankreich oder Deutschland oder sonstwer die nächste Ariane als nationales Projekt durchführen wollte könnte keiner sie dran hindern.

Das Problem entsteht vielmehr dann, wenn trotz Geo-return die Industrie des Staats, der die Mehrheit einzahlt meint, damit könnte sie die anderen Länder kommandieren, statt daß es zu partnerschaftlicher Zusammenarbeit kommt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 28. Januar 2015, 07:01:06
Grundsätzlich bin da bei proton01. Der GEO-Return ist ein politisches Instrument, um Zusamenarbeit der souveränden Staaten zu ermöglichen. Gemessen daran ist er auch keine "Theorie" und auch nicht pauschal überholt, sondern hat Ergebnisse in der Raumfahrt gebracht.

Er ist aber nicht frei von Problemen, und wenn sie systemimmanent sind, muss man sie ggf. akzeptieren (bzw. ihre negative Wirkung dem volkswirtschaftlichen Gesamtnutzen gegenüberstellen ... alles nicht trivial zu quanitifzieren) ...

...
Das Problem entsteht vielmehr dann, wenn trotz Geo-return die Industrie des Staats, der die Mehrheit einzahlt meint, damit könnte sie die anderen Länder kommandieren, statt daß es zu partnerschaftlicher Zusammenarbeit kommt.
...

Hier sehe ich aber nicht das Problem. Gleichzeitig zeichnen sich erfolgreiche Projekt nunmal auch durch eine klare Führung und Verantwortung aus. Man könnte das ja auch umdrehen: Warum springen die Juniopartner nicht über ihre Schatten und machen einfach ordentlich mit, was der Prime entscheidet und verantwortet?

Problematisch sind die überkomplexen Projektstrukturen, die der GEO-Return einem Projekt aufzwingt. Es gibt mehr Beteiligte, als effizient und effektiv. Es gibt dann mehr Schnittstellen, die zu überwachen sind. Man muss Lieferanten aus Ländern einbinden, obwohl es woanders vielleicht geeignetere gibt (sei es bei Leistung, Kosten, Management, Erfahrung, etc.). Das geht hin bis zum Mikromanagement und -controlling kleinster Projektteile. Überhaupt sind der Controllingaufwand und die Rechenschaftslegung gegenüber der ESA ziemlich hoch. Dazu kommen dann oft (im Detail) inkompatible nationale Richtlinien (u.a. zur Rechnungslegung und Vertragsgestaltung), was aber auch ohne GEO-Return zuschlagen würde.
Alles nicht einfach ...

Ach ja, und die ESA sitzt mit ihren Fachleuten den Lieferanten/Herstellern auch sehr im Nacken, will alles wissen, alles kontrollieren, alles dokumentiert haben ... will überall mit dabei sein.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2015, 10:10:36
Geo-Return war gut in den 60/70ern, da war der zweite Weltkrieg noch nicht lange vorbei und niemand hat sich über den Weg getraut. Aber jetzt sind wir im 21. Jahrhundert, es gibt Alternativen inzwischen, nämlich die EU. Klar bei Galileo gabs Managementprobleme aber das ist lösbar, die Probleme des Geo-Returns lassen sich nur durch eine grundsätzliche Änderung der europäischen Raumfahrtstruktur lösen (Auflösung/Umbau der ESA so wie sie heute existiert.).

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: cullyn am 28. Januar 2015, 10:24:20
In den USA und China ist Raumfahrt auch nicht ganz frei von politische Interessen.
Die Grösse des Spaceshuttles war letztendlich bestimmt durch die Grösse von Eisenbahntunnels, weil aus politischen Gründen Teile der Fertigung über das Land verteilt werden mussten.
In China fehlt uns vermutlich zunächst Einblick in die Entscheidungskriterien, aber du kannst sicher sein, dass dort Raumfahrt zu 100% nicht kommerziell sondern politisch motiviert ist. Ähnlich verhält es sich übrigens in allen Ländern der Welt, egal ob Russland, Indien, Iran oder auch Nordkorea das Raumfahrt eben zu gutem Teil nicht kommerziell zu sehen ist.

Und ich kenne keine Firma deren Umsatzanteil an kommerziell motivierter Raumfahrt >75% liegt. Die Firmen deren kommerzieller Umsatzanteil prozentual am höchsten ist findest du in Europa.
Es ist lediglich so, dass in machen Ländern die Zahlen besser versteckt sind als in anderen. Ich wage zu behaupten, dass bei SpaceX z.B. der Anteil an offenen und verdeckten Subventionen so hoch ist, das in Europa die Firmen nur Neidisch über den Teich schauen können.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2015, 11:35:44
Die Amerikaner haben Elon Musk und das Silicon Valley, das ist der Unterschied.

Die Chinesen haben 1 Milliarde Leute und eine (fast) absolutistische Regierung, die Projekte einfach durchdrückt, Konsolidierung ist da kein Problem. Außerdem ein riesiges Wirtschaftswachstum.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. Januar 2015, 13:51:28
hier die Rede von Frau Bienkowska:

Sie glaubt, dass es eine effizientere und effektivere Raumfahrtpolitik braucht und dass das Verhältnis EU-ESA verbessert werden kann, was auch schon lange diskutiert wurde. Sie geht es mit frischem Elan an.

http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-15-3840_en.htm (http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-15-3840_en.htm)

Nunja, darin darin dürfte sie sich von ihren Vorgängern auch nicht unterscheiden.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Führerschein am 29. Januar 2015, 08:57:58
Es ist lediglich so, dass in machen Ländern die Zahlen besser versteckt sind als in anderen. Ich wage zu behaupten, dass bei SpaceX z.B. der Anteil an offenen und verdeckten Subventionen so hoch ist, das in Europa die Firmen nur Neidisch über den Teich schauen können.

Antwort wäre im EU Thread OT. Ich schreibe was dazu im SpaceX-Diskussions-Thread.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 29. Januar 2015, 23:13:33
InsideGNSS machte ein (p)review auf Galileo 2014. Dordain kündigte Anfang 2014 sechs neue Satelliten an und am Ende waren es zwei im falschen Orbit.

Am Ende fragt man sich, wird Frau Bienkowska es packen oder "Game Manager" sein, wie man es aus europäischen Zirkeln gewohnt ist. ;)

http://www.insidegnss.com/node/4395 (http://www.insidegnss.com/node/4395)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Januar 2015, 09:45:01
Die europäische Satellitenindustrie hängt von den USA bei Elektronikbauteilen ab:
http://spacenews.com/european-satellite-still-heavily-dependent-on-u-s-parts/ (http://spacenews.com/european-satellite-still-heavily-dependent-on-u-s-parts/)

Zitat
“It goes without saying that if 30-40 percent of critical components of European satellites are made in Europe, that means at least 60 percent that we are importing from outside Europe,” said Gilles Bellaiche of the CNES technology directorate during a Jan. 29 presentation of CNES’s research priorities.

60% der kritischen Satellitenbauteile kommen aus dem Ausland.

Zitat
European companies and government agencies continue to have issues with U.S. technology-export restrictions despite the overall relaxing of many of the rules in the International Traffic in Arms Regulations, or ITAR. Since last November, many of the permissions for export of satellite components are now granted by the U.S. Commerce Department, and not the State Department.
Man hat weiter ITAR Probleme.

Kommentar: ITAR hilft Europa mehr als das es schadet. Wenn es kein ITAR gäbe, würde China uns massive Konkurrenz machen, Europa wär noch chancenloser als ohnehin schon. Viele Top-Leute würden sofort zu SpaceX & Co in die USA rennen. Ein Braindrain wäre die Folge.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 30. Januar 2015, 09:49:49
Unter dem "Department of Commerce" ist das dann nicht mehr ITAR, sondern EAR (Export Administration Regulations). Die werden manchmal sogar als "schlimmer betrachtet", in den administrativen Anforderungen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Januar 2015, 22:20:47
ESA und EU schieben sich regelmäßig gegenseitig die Schuld in die Schuhe, halten sich gegenseitig für inkompetent etc, etc...
http://spacenews.com/data-relay-project-exemplifies-uneasy-relationship-between-european-commission-and-esa/ (http://spacenews.com/data-relay-project-exemplifies-uneasy-relationship-between-european-commission-and-esa/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 02. Februar 2015, 15:49:23
Eine Reihe von Kommentaren aus der EU zur Raumfahrtpolitik:
https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/investment-space-sector-not-extravagance-necessity (https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/investment-space-sector-not-extravagance-necessity)
https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/eu-needs-competitive-and-independent-space-policy (https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/eu-needs-competitive-and-independent-space-policy)
https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/technological-independence-key-eu-space-policy (https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/technological-independence-key-eu-space-policy)

Bester (Ironie!!!) Kommentar hier:
https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/europe-leading-field-space-technology (https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/europe-leading-field-space-technology)

Zitat
Europe is leading the field in space technology
Der Witz ist gut. ;D
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 02. Februar 2015, 22:05:46
Ein (deutscher?) Kommentar zur EU/ESA Geschichte:
http://www.thespacereview.com/article/2687/1 (http://www.thespacereview.com/article/2687/1)

Der Autor ist meiner Meinung (\o/), dass die ESA zumindestens in gewissen Bereichen eine Sackgasse ist und dringend von der EU abgelöst werden muss, wenn wir gegenüber SpaceX nicht komplett untergehen wollen. Der Georeturn ist ineffizient und muss weg. Die aktuelle Übereinkunft zwischen ESA und EU läuft wohl 2016 aus, da gibt es eine neue Chance.  Ich vermute, dass dieses Jahr SpaceX bei dem Auftragseingang von kommerziellen Flügen an Arianespace vorbeizieht (2014 war man gleich auf). Der Leidensdruck steigt also, mal schauen, wann die Schmerzgrenze erreicht ist.

Zitat
Last month, news surfaced that Elon Musk, working with and funded by Google, want to create a constellation of about 4,000 small satellites to provide global Internet access. A new SpaceX factory dedicated to manufacturing satellites will be created as part of that effort. The Virgin Group, together with OneWeb, has similar ambitions. It is very likely that this development will challenge the next major sector in space: satellite manufacturing. It is easy to imagine that Europe’s satellite manufacturing industry will experience a shock similar to what the launcher industry is experiencing now. It is also possible that ESA will, again, try to increase efficiency by disregarding the GeoReturn principle.
Auch er sieht noch eine böse Überraschung für Europa bei den Satelliten kommen.

Damit gibt es ja schonmal mindestens zwei Deutsche (er & ich), die dieser Meinung sind. Im Forum hier scheine ich ja fast einzige zu sein. Die Mehrheit fühlt sich ja bei der ESA bestens aufgehoben...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: proton01 am 02. Februar 2015, 22:43:15
Ein (deutscher?) Kommentar zur EU/ESA Geschichte:
http://www.thespacereview.com/article/2687/1 (http://www.thespacereview.com/article/2687/1)
Soweit ich informiert bin:.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 04. Februar 2015, 12:29:02
Die EU hat einen neue Webseite gebaut, darin kommt Raumfahrt aber nur noch ganz untergeordnet als eine von 20 industrielle Sektoren vor, dass ganze nicht mehr unter dem Begriff "Unternehmen", sondern unter dem Begriff "Wachstum".

http://ec.europa.eu/growth/index_en.htm (http://ec.europa.eu/growth/index_en.htm)

Von Kritikern des Geo-Return-Prinzips lasse ich mich gerne überzeugen, aber ich sehe keine Ansätze, wo die EU bessere Managementmethoden hätte (sh. Galileo, Copernicus, H2020).
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 04. Februar 2015, 15:30:35
Von Kritikern des Geo-Return-Prinzips lasse ich mich gerne überzeugen, aber ich sehe keine Ansätze, wo die EU bessere Managementmethoden hätte (sh. Galileo, Copernicus, H2020).

Bei Galileo hat bisher keiner der Beteiligten einen guten Eindruck gemacht. Ich erinnere nur an den kürzlichen Fehlstart, die Verzögerungen bei OHB, die falsche Erfolgsmeldung von Arianespace, den Sojus-Designfehler der Russen, die zu späte Inangriffnahme der Qualifikation der Satelliten für Ariane, die ungelösten Probleme bei den Airbus IOV -Satelliten etc, etc...

Natürlich trägt die EU die Gesamtprojektverantwortung aber die individuellen Verantwortungen der Beteiligten sollte man hier nicht außer Betracht lassen. Und ich darf darauf hinweisen, dass das technische Management ja in Verantwortlichkeit der ESA liegt...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 14. Februar 2015, 08:46:07
Es gibt ein paar interessant Zitate bei SN zur Wirksamkeit und Attraktivität der EU-Förderung in der Raumfahrt:
http://spacenews.com/europes-latest-space-technology-stimulus-left-contractors-cold/ (http://spacenews.com/europes-latest-space-technology-stimulus-left-contractors-cold/)



Zitat
Several European government officials said the commission is under pressure from its member states to spread the wealth among a maximum number of nations even if, unlike ESA, the commission has no geographic-return requirements mandating that a given nation’s industry get a given amount of contract based on its government’s contributions.
Politiker sagen: Auch in der EU gibt es einen ungeschriebenen "Quasi-Geo-Return" ...  (Ruhri hat das hier im Forum ja immer wieder betont)

Zitat
Jean-Loic Galle, chief executive of satellite prime contractor Thales Alenia Space of France and Italy, has been a regular critic of FP7, saying that any lasting impact it might have had evaporated because its financial support is spread so thinly over so many projects.
...
Horizon 2020 needs to bring technology to the point where it includes flight demonstrations, and in-flight validation,”
...
The problem, industry officials say, is that FP7 funds were unavailable for in-orbit demonstration projects or any technologies that had moved beyond low Technology Readiness Levels. The result: promising developments that, for want of support, have never left the research laboratory or design office.
...
“We have on many occasions pointed out the lack of focus of FP7, its limitations to low [Technology Readiness Level] activities, the unfair competition between public and private entities, etc. In the end, its usefulness to industry is questionable.”
...
maller companies, said the legal and financial paperwork for FP7, already a barrier for small companies, has only gotten worse with Horizon 2020.
...
Horizon 2020 programs were created to favor the participation of researchers rather than engineers.
Industrie sagt, dass die Technologieförderung in FP7 und Horizon2020 so keinen nachhaltigen Effekt hat. Das Geld wäre über zu viele kleine Projekte verteilt. Die Förderung beschränke sich auf zu niedrige TRL (Technologische Reifegrade), so dass die Ergebnisse nie die Labore verließen und nicht im Flug erprobt würden (innerhalb der Förderung). Außerdem sei die Bürokratie schlimm und würde schlimmer.

Die EU will aber für Horizon2020 ihre Ziele und Rahmenbedinungen anpassen, u.a. "Reseach-Cluster", um Schwerpunkte zu setzen und In-Orbit-Validation als Teil der Förderung.

Die EU sagt


Mein Fazit:
Bei der EU ist auch nicht alles Gold ....
Die große Industrie will mehr Geld ... und die EU gibt ihr Geld an kleine ...
Außerdem, hier spricht offenbar nur die "upstream"-Industrie, die also Raumfahrt "baut". Die EU fördert aber auch den "downstream"-Bereich, also Anwendungen und Dienste, die Raumfahrtergebnisse nutzen. In dem Feld tummeln sich die Großen gerade nicht ...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 14. Februar 2015, 10:39:23
Ich denke diese Probleme können gelöst werden.

1. Die Gelder müssen halt aufgeteilt werden nach TRLs, sodass eine bestimmte Anzahl an TRLs jeder Stufe gefördert werden. Viele auf den niedrigeren und dann logischerweise nur noch wenige auf einem hohen TRL (weil es da teuerer wird).

2. Außerdem braucht die EU eine Gesamtraumfahrtstrategie (nicht nur Galileo und Copernicus) um zu entscheiden, welche Technologien Priorität haben (insbesondere bei teueren Vorhaben).

3. Die Vorschläge müssen technisch/wissenschaftlich besser auf ihre Wertigkeit untersucht werden, dafür braucht es technisches Personal, also die EU-Raumfahrtagentur.

4. Den Quasi-Geo-Return gibt es, weil die Mitgliedsstaaten zuviel Einfluss auf die Europapolitik haben. Diesen Einfluss könnte man z.B. durch eine EU-Steuer schwächen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 14. Februar 2015, 12:25:28
Hallo Tobias,

EU-Steuer = eigenes Geld der EU, über das die EU frei entscheiden kann?

Das wäre blanke Theorie. Das Geld käme immer noch aus den Gesellschaften/Volkswirtschaften der Mitglieder und in den EU-Gremien säßen immer noch Menschen aus den Mitgliedsstaaten, von dort bestellt/beauftragt/mandatiert/entsandt/geboren ... Eine EU-Steuer wäre nur noch ein Baustein Bürokratie samt Verwaltungsaufwand, keine "Lösung".

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 20. Februar 2015, 14:57:09
Der "Vorteil" der EU gegenüber der ESA ist es lediglich, dass die Staaten ihre Beiträge gegen alle Gelder abwägen, die sie in den unterschiedlichen Bereichen zurück erhalten. Wer sich dabei benachteiligt vorkommt, wird entsprechend hart verhandeln, um zukünftig weniger zu zahlen oder mehr zu erhalten.

Wenn das alles enden soll, müsste man vermutlich alle EU-Mitgliedsstaaten auflösen und in der Europäischen Union aufgehen lassen. Aber wer will das schon? So lange gilt das alte Prinzip: "Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht."
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 20. Februar 2015, 20:11:43
Wenn das alles enden soll, müsste man vermutlich alle EU-Mitgliedsstaaten auflösen und in der Europäischen Union aufgehen lassen. Aber wer will das schon? So lange gilt das alte Prinzip: "Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht."

Die Mitgliedsstaaten muss man nicht auflösen, man macht sie zu "Ländern", man könnte auch EU-Bundesländer sagen. Die haben dann weitreichende Autonomierechte.

Genau wer will das? Ich will das.

Natürlich können wir auch die EU auflösen, Schlagbäume wieder runter machen, jeder wieder seine nationale Währung. Dann hat jeder seinen Nationalstolz wieder - treu dem Motto "Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht." Aber die Musik spielt dann eben in China und USA, in ein paar Jahrzehnten vielleicht Indien. Wer dann noch an den großen Aufgaben der Zeit arbeiten will, sollte schnell einen Immigrationsantrag in die USA stellen (oder China aber die sind ja etwas unfrei und haben eh genug Bevölkerung).

Vielleicht schafft es jede europäische Nation dann dem großen Individualvolk - den Schweizern - erfolgreich nachzueifern. Aber was ist die Schweiz schon? Die Welt hat 7 Milliarden Einwohner, in der Schweiz wohnen 8 Millionen. <1% der Weltbevölkerung.  Das ist doch total insignifikant, die Musik spielt woanders, aktuell verstärkt in China.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 25. März 2015, 10:38:11
Europa diskutiert weiter auf der EIWK-Konferenz über die Rollenverteilung von EU, ESA und Mitgliedsstaaten in der Raumfahrt.

http://www.dlr.de/pw/desktopdefault.aspx/tabid-10113/17454_read-42183/ (http://www.dlr.de/pw/desktopdefault.aspx/tabid-10113/17454_read-42183/)

Bottom-up und Top-down Ansatz stehen sich gegenüber. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 13. April 2015, 21:33:20
Die EU plant allein für nächstes Jahr mehr als 1 Mrd € für Galileo auszugeben.

wow, dagegen ist z.B. JWST ein Schnäppchen.

Wen störts?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 13. April 2015, 21:53:46
Die EU plant allein für nächstes Jahr mehr als 1 Mrd € für Galileo auszugeben.

wow, dagegen ist z.B. JWST ein Schnäppchen.

Wen störts?

Naja Galileo ist ein Projekt, dass - wenn mal fertig - hunderten von Millionen EU-Bürgern nützt. JWST ist ein Teleskop für ein paar Forscher.

Also ja, Galileo ist teuer, vielleicht zu teuer - aber das JWST ist relativ gesehen nochmal ne Größenordnung schlimmer im Geldvernichten.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 13. April 2015, 22:06:48
Mag sein, dass JWST dem einzelnen Bürger nicht den Weg zeigt (;) ), aber der seit dem Jahr 2000 oder früher versprochene Nutzen von Galileo ist auch nicht da. Nicht einmal der erforderliche Nachdruck.

Die zuständige Kommissarin (Industriepolitik) befaßt sich jetzt mit einer Expertengruppe für Forschung und Verteidigung. Da spielt wahrscheinlich Galileo keine Rolle, weil das ja zivil sein soll, aber was will man da sonst besprechen. (achja, vielleicht Drohnen, die den Weg finden müssen). ;)




Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 09. Mai 2015, 21:59:09
Die ESPI bewirbt das Buch "Europäische Autonomie in der Raumfahrt".
Das gibts jetzt in der 10ten Ausgabe zum stolzen Preis von € 103,99.

Thematisiert wird wohl vor allem die EU-Sicht.
Dem DLR-Vertreter geht es um die Autonomie in den Raumfahrt-Anwendungen.

http://www.espi.or.at/news-archive/987-european-autonomy-in-space-published-in-the-book-series-studies-in-space-policy-by-springerwiennewyork (http://www.espi.or.at/news-archive/987-european-autonomy-in-space-published-in-the-book-series-studies-in-space-policy-by-springerwiennewyork)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 26. Juli 2015, 10:22:45
OT Beitrag gelöscht
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 10. September 2015, 21:41:21
ui, Interview mit Kommissions-Direktor Philippe Brunet, der auch mal Klartext redet. :)

Während Ex-Kommisionspräsident Barroso und jetziger Herr Juncker noch vor ein paar Jahren für die EU das Thema Space Exploration und bemannte Raumfahrt als Gegenstand der EU Space Policy erachteten, ist davon heute nicht mehr die Rede.

Die EU-Kommissionsdirektorat interessiert sich nicht für wissenschaftliche Aspekte oder die Begeisterung der Öffentlichkeit, sondern will durch Investments nur die Industrie stärken und wirtschaftliches Wachstum erreichen.

Von Wörners Vorschlag einer Mondbasis auf der Rückseite hat man noch nichts gehört, findet es ok, hat aber andere Probleme.

Die EU will wissen wer was macht. Das Verhältnis EU/ESA soll in einem Review bis Ende 2015 überprüft und veröffentlicht werden.

https://euobserver.com/news/130206 (https://euobserver.com/news/130206)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 24. September 2015, 15:25:46
EU Kommissarin Bieńkowska besuchte das ESTEC und informierte sich über den aktuellen Stand von Galileo, Copernicus und ExoMars.

http://www.esa.int/About_Us/ESTEC/EU_Commissioner_Bienkowska_tours_ESA_s_technical_heart (http://www.esa.int/About_Us/ESTEC/EU_Commissioner_Bienkowska_tours_ESA_s_technical_heart)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 29. September 2015, 21:20:57
Politiker aus den nationalen Parlamenten in Europa trafen sich in Madrid auf der EIWK, um über die Führung und Steuerung der Raumfahrtpolitik in Europa und das Verhältnis zwischen ESA, EU und Mitgliedsstaaten zu diskutieren.

ESA-Chef Wörner sprach diesmal nicht über eine Kartoffel, sondern bemühte eine Orange:
(http://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up048587.jpg)

und stellte seine Idee von "united space of Europe" vor. Demnach soll die EU für die Aufstellung des Haushalts, des Kalenders und der Highlevel Anforderungen verantwortlich sein.

Die ESA sei dagegen der „Broker, Mediator und Befähiger“.

http://www.dlr.de/pw/Portaldata/68/Resources/dokumente/berlinbulletin_ab08_2015/BerlinBulletin172015.pdf (http://www.dlr.de/pw/Portaldata/68/Resources/dokumente/berlinbulletin_ab08_2015/BerlinBulletin172015.pdf)

Möglicherweise sehe ich das etwas verkürzt, aber wenn die bisherigen Unterschiede die waren, dass die EU die kommerziellen Anwendungen und die ESA die wissenschaftlichen und internationalen Programme gemacht hat, dann liegt da noch ein ganzes Stück Arbeit vor Europa. ;)


"Dabei bildete der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Raumfahrtindustrie vor dem Hintergrund der Entwicklungen in den USA den roten Faden, auf den alle Sprecher zurückkamen."
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 16. Oktober 2015, 19:46:52
vom 20.10-22.10 findet in Berlin die Satellite Masters Conference statt, also Thema Copernicus, Galileo und "Space 4 Digital Business"

http://www.satellite-masters-conference.eu/programme (http://www.satellite-masters-conference.eu/programme)

Es geht vor allem um Services für staatliche Infrastrukturen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: GerdW am 22. Oktober 2015, 20:40:40
vom 20.10-22.10 findet in Berlin die Satellite Masters Conference statt, also Thema Copernicus, Galileo und "Space 4 Digital Business"

http://www.satellite-masters-conference.eu/programme (http://www.satellite-masters-conference.eu/programme)

Es geht vor allem um Services für staatliche Infrastrukturen.

Hallo,

Aus dem Veranstaltungsplan:

21. Oktober 9:00 Uhr

Zitat
   Status Update European Space Programmes - GALILEO
Christoph Kautz
Deputy Head of Unit Galileo and EGNOS - Applications, security, international cooperation, European Commission (EC)

Wird denn davon etwas veröffentlicht? Zum Beispiel der Status der im Orbit befindlichen Galileo-FOC Satelliten? Bisher ist  keiner davon im Regelbetrieb.

Viele Grüsse,
GerdW
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 22. Oktober 2015, 21:42:04
Im Prinzip schon, aber vielleicht nicht so schnell - und nicht so präzise, da hätte man schon dabei sein müssen.

Hier die Präsi vom letzten Jahr 2014:
http://www.satellite-masters-conference.eu/archive/2014/pdf/presentations/141023_conference_opening_&_status/christoph_kautz_ec.pdf (http://www.satellite-masters-conference.eu/archive/2014/pdf/presentations/141023_conference_opening_&_status/christoph_kautz_ec.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: GerdW am 22. Oktober 2015, 21:55:32
Vielen Dank für den Link.

Also warten wir auf die Veröffentlichung 2015, vielleicht erfähren wir ja etwas Konkretes.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 30. Oktober 2015, 08:09:15
Die aktuelle EU Kommission ist ein Jahr im Amt und hat sich jetzt ein Arbeitsprogramm für 2016 gegeben, mit 23 Prioritäten in 10 Initiativen. Unter der Initiative "Ein besserer und fairer interner Markt" will man die Priorität "Eine Raumfahrtstrategie für Europa" abarbeiten. (außerdem ein "Europäischen Verteidigungs- Aktions Plan")

http://ec.europa.eu/priorities/work-programme/index_en.htm (http://ec.europa.eu/priorities/work-programme/index_en.htm)

Die ESA wird sich freuen. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Oktober 2015, 08:39:14
Eine gemeinsame Raumfahrtstrategie ist dringend notwendig. Wenn jeder Mitgliedsstaat seine eigene hat, dann ist das wenig sinnvoll.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 30. Oktober 2015, 09:10:16
Diese gemeinsame Raumfahrtstrategie gibt es doch, seit 2007:
http://www.esa.int/About_Us/Welcome_to_ESA/European_Space_Policy (http://www.esa.int/About_Us/Welcome_to_ESA/European_Space_Policy)

"Mit diesem Dokuement, EU, ESA und Mitgliedsstaaten engagieren sich in der verstärkten Koordinierung ihrer Aktivitäten und Programme und der Organisation ihrer Rollen in der Raumfahrt"

Ok, dass ist auch seit 2007 passiert, aber vielleicht nicht so effektiv.
Vieles darin zielt ab auf den Planungszeitraum bis 2013.


Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Oktober 2015, 09:17:23
Diese gemeinsame Raumfahrtstrategie gibt es doch, seit 2007:
http://www.esa.int/About_Us/Welcome_to_ESA/European_Space_Policy (http://www.esa.int/About_Us/Welcome_to_ESA/European_Space_Policy)

"Mit diesem Dokuement, EU, ESA und Mitgliedsstaaten engagieren sich in der verstärkten Koordinierung ihrer Aktivitäten und Programme und der Organisation ihrer Rollen in der Raumfahrt"

Du meinst die hier:
http://www.esa.int/esapub/br/br269/br269.pdf (http://www.esa.int/esapub/br/br269/br269.pdf)

Ich habe kurz mal reingeschaut. Die ist so allgemein, das unterschreibt jeder.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Oktober 2015, 09:34:42
Zitat
Member States invest a little under €3 billion annually through ESA,  and  a  similar  amount  in  national  programmes.  ESA programmes  are  governed  by  the  industrial  policy  principles established  in  the  ESA  Convention,  in  particular  by  exploiting competitive  bidding  while  distributing  industrial  contracts  in proportion  to  funding  from  Member  States  (‘fair  return’).  This provides   governments   an   incentive   to   invest   in   European R&D  space  programmes  and  may  contribute  to  maintaining competing  suppliers  within  Europe,  limiting  the  risk  associated with the emergence of monopolies. It has enabled the leveraging of funds, competitive industries and the convergence of national priorities.  It  has,  however, limited  rationalisation  of  facilities within  prime  contractors  and  limited  specialisation  among suppliers of subsystems.
 
With the objective to improve further the efficiency, specialisation and competitiveness of European industry and after an assessment of the most recent reform, the process of introducing additional flexibility into the ESA rules should continue to develop, taking into  account  in  particular  the  anticipated expansion  of  ESA’s membership.

Problembeschreibung statt Lösungsansätze. Ok, immerhin hat man sich auf das Problem geeinigt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: GerdW am 13. November 2015, 15:23:55
Im Prinzip schon, aber vielleicht nicht so schnell - und nicht so präzise, da hätte man schon dabei sein müssen.

Hier die Präsi vom letzten Jahr 2014:
http://www.satellite-masters-conference.eu/archive/2014/pdf/presentations/141023_conference_opening_&_status/christoph_kautz_ec.pdf (http://www.satellite-masters-conference.eu/archive/2014/pdf/presentations/141023_conference_opening_&_status/christoph_kautz_ec.pdf)

Hallo,

"nicht so präzise" trifft es wohl.
Hier ist die PDF zum Galileo-Status-Update auf der "Satellite-Masters-Conference 2015" von Christoph Kautz.

http://www.satellite-masters-conference.eu/pdf/presentations/2015/151021_conference_opening_&_status_update/christoph-kautz_european-commission.pdf (http://www.satellite-masters-conference.eu/pdf/presentations/2015/151021_conference_opening_&_status_update/christoph-kautz_european-commission.pdf)

Zitat
...New start on 27th March 2015
 All actions taken for return to launch of Soyuz with modified Fregat
stage
 Successful Soyuz launch and Satellites 203 and 204 positioned in
nominal orbits
 In Orbit Testing conducted on the two satellites
 Satellites to join operational constellation soon...

Wann ist denn das konkret " soon " ?  >:(

Oder:
EIN Ariane-Start mit 4 Galileo-Satelliten 2016, aber:
Zitat
Constellation deployment
continues and speeds up:


Na Hauptsache gutes Essen und Trinken gab es. (und nicht erst "soon")
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 13. November 2015, 15:37:38
Hallo GerdW,

woran störst du dich konkret? Dass es nicht (wie erwartet/erhofft) voran geht? Oder dass es keine weiteren Informationen gibt?

Wenn es Probleme gibt, dann arbeiten die Leute wohl daran.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: GerdW am 13. November 2015, 15:58:47
Zitat
Hallo GerdW,

woran störst du dich konkret? Dass es nicht (wie erwartet/erhofft) voran geht? Oder dass es keine weiteren Informationen gibt?

Beides wahrscheinlich  :), es gibt absolut keine offiziellen Informationen.
7 Monate nach dem Start von "Adam" und "Anastasia", sind diese Satelliten immer noch nicht im operativen Betrieb.
Warum, was ist da los?
"Doresa" und "Milena" werden jetzt zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt. (Steht nicht in der PDF)
"Sif" ist in der PDF rot, d.h. wohl offiziell abgeschrieben.
Also immer noch 3

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 13. November 2015, 16:02:57
Wie gesagt, wenn's Probleme geben sollte, wird man daran arbeiten. Aus unserem Informationswunsch lässt sich aber kein Informationsanspruch ableiten ;).
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 20. November 2015, 20:14:37
Die EU macht einen Workshop mit der Raumfahrtindustrie und diskutiert über den Zugang zum Geld.

Die EU hat letztes Jahr ihr Lieblingsprojekt des 315 Mrd € Fonds gestartet. Das ging zwar zu Lasten des Horizont2020 Fonds, aber den gibt es auch noch.

Vor allem die Klein- und Mittelständische Raumfahrtindustrie soll in den Genuß dieser Gelder kommen.

http://ec.europa.eu/growth/tools-databases/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=8501&lang=en&title=Workshop-with-the-space-industry-on-access-to-finance (http://ec.europa.eu/growth/tools-databases/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=8501&lang=en&title=Workshop-with-the-space-industry-on-access-to-finance)

So ganz leicht dürfte das aber nicht sein, denn zumindestens beim EFSI-Fonds sind private Eigenmittel erforderlich und das erfordert normalerweise ein vorhandenes Businessmodell.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 26. November 2015, 20:06:06
ESPI-Studie über die Zukunft der EU-Flagship Programme.

Thematisiert wird die Zukunft von Galileo und Copernicus, wenn diese in die Betriebsphase übergehen werden.

Vor allem aber wird drüber nachgedacht, ob und in welcher Weise die EU in weiteren Bereichen sich engagieren könnte:
1) Space Exploration
2) Launchers
3) Raumfahrt Sicherheit

http://www.espi.or.at/images/stories/dokumente/studies/ESPI_Report_53.pdf (http://www.espi.or.at/images/stories/dokumente/studies/ESPI_Report_53.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 27. November 2015, 15:02:20
Am 12.+13. Januar 2016 soll es in Brüssel wieder eine zweitätige Space Conference geben.

Am Programm erwähnenswert wäre, dass weder Galileo noch Copernicus explizit genannt werden, stattdessen Satelliten, Trägermarkt, BigData, EU-Finanzen und Verteidigungspolitik.

http://www.spaceconference.eu/programme.html (http://www.spaceconference.eu/programme.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. Januar 2016, 14:10:39
ESA-Chef Wörner beschreibt in seinem Blog, wie man in Europa in Sachen Raumfahrt zusammenarbeitet - nämlich in einem informellen Space Council.

Dieses informelle Meeting biete die Möglichkeit, dass sowohl ESA, EU als auch Mitgliedstaaten eine gemeinsame Politik abstimmen.

Auf der Agenda standen drei Punkte
1. wie entwickelt man sich selbst
2. der staatliche Bedarf an Trägern
3. Promotion für Anwendungen und öffentliche Datenpolitik

Die Zusamenarbeit hält er dann doch noch für Verbesserungsfähig. Am Ende noch sein Motto "United Space in Europe".

http://blogs.esa.int/janwoerner/2015/12/14/how-do-we-work-together/ (http://blogs.esa.int/janwoerner/2015/12/14/how-do-we-work-together/)

Das scheint dann noch nicht erreicht zu sein. ;) Wird es 2016 Fortschritte geben?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 11. Januar 2016, 22:58:49
Morgen beginnt die EU Konferenz.

Bieńkowska ist auch da, leider ist die Raumfahrt ja bei ihr nur ein Anhängsel.

Ehrenfreund hat ihren Auftritt. Sie soll ja eine neue DLR Strategie entwickeln, mal schauen, ob sie da erste Details preisgibt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 12. Januar 2016, 11:08:22
pbdes tweetet fleißig:
https://twitter.com/pbdes (https://twitter.com/pbdes)

Es lohnt sich mal reinzuschauen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Major Tom am 12. Januar 2016, 13:50:59
Zitat
Peter B. de Selding ‏@pbdes 1 Std.vor 1 Stunde

Commission's Philippe Brunet fires shot at ESA, Arianespace, Airbus Safran Launchers, says EU wants role in rocket design. #EUSpacePolicy16

Die EU Kommision will an der Ariane herumpfuschen? Was bilden die sich eigentlich ein? Es wird Zeit, dass diese unerträgliche Kommision endlich abgeschafft wird und alle Kompetenzen ans demokratisch gewählte EU-Parlament übergehen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 12. Januar 2016, 16:40:10
Zitat
Peter B. de Selding ‏@pbdes 1 Std.vor 1 Stunde

Commission's Philippe Brunet fires shot at ESA, Arianespace, Airbus Safran Launchers, says EU wants role in rocket design. #EUSpacePolicy16

Die EU Kommision will an der Ariane herumpfuschen? Was bilden die sich eigentlich ein? Es wird Zeit, dass diese unerträgliche Kommision endlich abgeschafft wird und alle Kompetenzen ans demokratisch gewählte EU-Parlament übergehen.
Tja, wo ist der Unterschied dazu, dass die ESA Mitgliedsstaten schon lange am Design rumpfuschen? Sind im Endeffekt die gleichen Leute (Die Regierungen der Staaten) und die gleichen Ziele (Erhalt der Standorte im eigenen Land).
Damit will ich übrigens das verhalten nicht legitimieren, ich seh nur keine Veränderung.

Hier noch 2 weitere Tweets:
Zitat
Euro industry official on demand for EU role in post-Ariane 6 design: If I buy 1,000 Mercedes I get to design the cars?
Zitat
Arianespace CEO to EU: If we'd met 29 June, we'd talk about a [SpaceX] failure, not worrying re 1st-stage recovery success
von https://twitter.com/pbdes (https://twitter.com/pbdes)

Was für ein Quatsch! Man hat es aktuell noch nicht mal vertraglich vereinbaren können, dass die Industrie 100 Mio entwicklungskosten der Ariane 6 übernimmt, damit sind die ESA-Staaten also keine Großkunden, sondern Investoren! Und Investoren hatten schon immer Mitspracherecht in Designfragen!

Und das 2. Zitat ist ja wohl hoffentlich nicht wirklich so gefallen! So kann man natürlich auch die Augen verschließen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Prodatron am 12. Januar 2016, 16:51:22
Zitat von: Peter B. de Selding
Euro parliament, Commission: Blue Origin & SpaceX ultimately cld take commercial market that is lifeblood of Euro launchers.
EU Kommission und Parlament befürchten, daß die Privatfirmen mit Wiederverwendung den Euro-Trägern das Geschäft wegnehmen können.

Zitat von: Peter B. de Selding
Are resusable rockets like SpaceX a real threat to Euro launcher autonomy? Paris says no. Brussels appears to say, maybe.
Anders ausgedrückt: Frankreich will am veralteten Konzept festhalten und nichts ändern, Brüssel bezweifelt, ob das eine gute Idee ist.

Vielleicht sollte die EU Kommision doch ein bischen am Konzept rumpfuschen  :D
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Major Tom am 12. Januar 2016, 17:55:39
Zitat
Peter B. de Selding ‏@pbdes 1 Std.vor 1 Stunde

Commission's Philippe Brunet fires shot at ESA, Arianespace, Airbus Safran Launchers, says EU wants role in rocket design. #EUSpacePolicy16

Die EU Kommision will an der Ariane herumpfuschen? Was bilden die sich eigentlich ein? Es wird Zeit, dass diese unerträgliche Kommision endlich abgeschafft wird und alle Kompetenzen ans demokratisch gewählte EU-Parlament übergehen.
Tja, wo ist der Unterschied dazu, dass die ESA Mitgliedsstaten schon lange am Design rumpfuschen? Sind im Endeffekt die gleichen Leute (Die Regierungen der Staaten) und die gleichen Ziele (Erhalt der Standorte im eigenen Land).
Damit will ich übrigens das verhalten nicht legitimieren, ich seh nur keine Veränderung.

Das eine sind die beteiligten und das Projekt finanzierenden Staaten, das andere ist die EU Kommision, die alle EU-Mitglieder vertritt. Sehr großer Unterschied. Die Kommission hat nur bei EU-finanzierten Projekten (leider) etwas zu sagen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Major Tom am 12. Januar 2016, 17:57:48
Zitat von: Peter B. de Selding
Euro parliament, Commission: Blue Origin & SpaceX ultimately cld take commercial market that is lifeblood of Euro launchers.
EU Kommission und Parlament befürchten, daß die Privatfirmen mit Wiederverwendung den Euro-Trägern das Geschäft wegnehmen können.

Da sind sie nicht alleine.

Zitat
Zitat von: Peter B. de Selding
Are resusable rockets like SpaceX a real threat to Euro launcher autonomy? Paris says no. Brussels appears to say, maybe.
Anders ausgedrückt: Frankreich will am veralteten Konzept festhalten und nichts ändern, Brüssel bezweifelt, ob das eine gute Idee ist.

Vielleicht sollte die EU Kommision doch ein bischen am Konzept rumpfuschen  :D

Auch wenn es auf den ersten Blick positiv wirkt: Nein. Es ist kein EU Projekt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 12. Januar 2016, 18:05:15
Zitat
Eutelsat CEO: 'If Ariane 6 is not on time for 2020, it will be useless and lose market share.' #EUSpacePolicy16

Eutelsat CEO de Rosen: 'There's only 1 high-tech sector where Europe leads the world: telecom satellite operations.' #EUSpacePolicy16

Eutelsat CEO (der sich immer gerne mit schwarzem T-Shirt zeigt um seine Verbundenheit mit dem Silicon Valley zu zeigen):
1. Ariane 6 muss 2020 kommen, sonst ist sie nutzlos. 
2. Es gibt nur eine Hochtechnologiebranche, wo Europa weltweit führend ist und das ist der Betrieb von Telekommunikationssatelliten. (Ob das so stimmt...?)

---------

Außerdem: Airbus & TAS wollen mehr Geld von EU Horizons 2020, DLR will weniger teure ESA Bürokratie, die Konferenz schafft 100 Minuten ohne das Wort mit X am Ende etc...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Sensei am 12. Januar 2016, 18:23:51
Wobei ein X schon vorher vor kam  :P

Zitat
French Research Minister Mandon at EU in interesting phrasing: 'Europe's space sector has no need to chase after X or Y.'
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 12. Januar 2016, 23:39:12
SpaceNews hat den Artikel:
http://spacenews.com/brunet-european-commission-should-have-hand-in-designing-next-gen-rocket/ (http://spacenews.com/brunet-european-commission-should-have-hand-in-designing-next-gen-rocket/)

Zitat
Brunet said the European Commission, starting in 2017, will begin investment in a future launcher program. He said nothing about whether the commission would contribute to the European spaceport, a subject of debate for several years now.
Ab 2017 will die Kommission in Trägerraketen investieren.

Neben den Wünschen der Kommission und des Parlamentes am Ariane 6 Design beteiligt zu werden, gibt es andere abstruse Wünsche:
Das Internet von Französisch Guyana nach Europa geht über Seekabel von Südamerika in die USA und dann nach Europa. Die Amerikaner könnten also den Datenstrom abhöhren (und sie machen es auch sehr wahrscheinlich).

Die Lösung für das sichere Internet ist aber nicht ein eigenes Seekabel, denn die Amerikaner haben U-Boote, die Seekabel abhören können. Die Lösung ist die Anwendung moderner Verschlüsselungstechniken.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MX87 am 13. Januar 2016, 00:40:42
Es ist schon ein starkes Stück, dass die EU Kommission die Idee eines wiederverwendbaren Träger für eine größere Bedrohung für Ariane sieht, als Arianespace selbst. Da sind offensichtlich Leute mit mehr "Out of the Box"-Denken vertreten, als bei CNES, ESA, DLR und Arianespace...


Eutelsat CEO (der sich immer gerne mit schwarzem T-Shirt zeigt um seine Verbundenheit mit dem Silicon Valley zu zeigen):
1. Ariane 6 muss 2020 kommen, sonst ist sie nutzlos. 

Um 2020 dürfte auch der zweite Anbieter mit einer Rakete mit wiederverwendbarer Erststufe auf den Markt treten. Ariane 6 dürfte also dann relativ kurz darauf Probleme am Markt bekommen...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 13. Januar 2016, 09:56:00
Zitat
EU Commission VP Sefcovic: US law on space commercialization/mining was visionary; a good thing. We should be so visionary.#EUSpacePolicy16
https://twitter.com/pbdes/status/687193905318735872 (https://twitter.com/pbdes/status/687193905318735872)

Leider ist Sefcovic nicht der EU-Raumfahrtminister geworden...  :(
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Ruhri am 13. Januar 2016, 12:49:31
Seit wann hat die Europäische Union denn eigene Minister? ???
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stefang am 13. Januar 2016, 13:02:53
Seit wann hat die Europäische Union denn eigene Minister? ???
Die heißen "Hoher Vertreter der EU für" statt Minister (hat Großbritanien durchgesetzt). Aber für Raumfahrt gibt es dort keinen eigenen Posten scheinbar tatsächlich jemanden.  Die slowenin Violeta Bulc (https://de.wikipedia.org/wiki/Violeta_Bulc) leitet das Resort "Verkehr und Weltraum (https://de.wikipedia.org/wiki/Kommission_Juncker#Mitglieder_der_Kommission)".

Klicke mich gerade auf Wikipedia durch die Zuständigkeiten Ist nicht ganz unkompliziert :) (https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Weltraumrat) Erstaunlich, dass da überhaupt am Ende funktionierende Programme heraus kommen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 13. Januar 2016, 13:41:41
Seit wann hat die Europäische Union denn eigene Minister? ???

Ich meinte Kommissar.

Seit wann hat die Europäische Union denn eigene Minister? ???
Die heißen "Hoher Vertreter der EU für" statt Minister (hat Großbritanien durchgesetzt). Aber für Raumfahrt gibt es dort keinen eigenen Posten scheinbar tatsächlich jemanden.  Die slowenin Violeta Bulc (https://de.wikipedia.org/wiki/Violeta_Bulc) leitet das Resort "Verkehr und Weltraum (https://de.wikipedia.org/wiki/Kommission_Juncker#Mitglieder_der_Kommission)".

Klicke mich gerade auf Wikipedia durch die Zuständigkeiten Ist nicht ganz unkompliziert :) (https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Weltraumrat) Erstaunlich, dass da überhaupt am Ende funktionierende Programme heraus kommen.

Das ist nicht korrekt. Die deutsche Wikipedia ist da veraltet, die englische Wikipedia stimmt. Ursprünglich sollte Sefcovic "Verkehr und Weltraum" übernehmen. Dann gab es aber Probleme mit anderen Kommissarsbesetzungen und daher wurde Sefcovic befördert auf einen wichtigeren Kommissarsposten/Vizepräsident. Violeta Bulc macht nur Verkehr. Der Weltraum ist weiterhin im Ressort "Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU" bei     Elżbieta Bieńkowska angesiedelt. Dadurch wurde der Weltraum nicht wie erhofft aufgewertet.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stefang am 13. Januar 2016, 13:48:18
Sehr interessant. Danke für die Korrektur.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 13. Januar 2016, 13:51:43
Sehr interessant. Danke für die Korrektur.

Keine Ursache.  :)

---


Btw, hier ist die Rede von Sefcovic bei der EU Space Policy Konferenz:
http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-16-50_en.htm (http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-16-50_en.htm)

Hier ist die Rede von Bienkowska:
https://ec.europa.eu/commission/2014-2019/bienkowska/announcements/european-space-strategy-creates-jobs-and-growth_en (https://ec.europa.eu/commission/2014-2019/bienkowska/announcements/european-space-strategy-creates-jobs-and-growth_en)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 07. Februar 2016, 17:30:47
Entwurf für eine europäische Raumfahrtstrategie:
http://ec.europa.eu/smart-regulation/roadmaps/docs/2016_grow_007_cwp_european_space_strategy_en.pdf (http://ec.europa.eu/smart-regulation/roadmaps/docs/2016_grow_007_cwp_european_space_strategy_en.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. April 2016, 22:47:02
Viel hört und liest man ja nicht mehr aus der Europäischen Kommission, obwohl man ja nun nach der Neuorganisation arbeitsfähig sein soll.

Aber jetzt haut die EC den News-Knaller raus - kein Fake:

Sie informiert über ein neues Online-Spiel. Story: Während eines Familienausflugs auf ein Raumfahrtzentrum soll sie einem alten Professor helfen, eine Wissenschaftsmission zu realisieren.

http://ec.europa.eu/growth/tools-databases/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=8742&lang=en&tpa_id=1059&title=All-U-Need-is-Space-web-game (http://ec.europa.eu/growth/tools-databases/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=8742&lang=en&tpa_id=1059&title=All-U-Need-is-Space-web-game)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Spike77 am 02. April 2016, 02:14:01
ist doch besser als gar keine Raumfahrt *duck* :D
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 22. April 2016, 08:18:28
Entwurf für eine europäische Raumfahrtstrategie:
http://ec.europa.eu/smart-regulation/roadmaps/docs/2016_grow_007_cwp_european_space_strategy_en.pdf (http://ec.europa.eu/smart-regulation/roadmaps/docs/2016_grow_007_cwp_european_space_strategy_en.pdf)
Die Kommission startete jetzt dazu eine öffentliche Befragung bis zum 12.07.16
http://ec.europa.eu/growth/tools-databases/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=8761 (http://ec.europa.eu/growth/tools-databases/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=8761)

Die EU engagiert sich in der Satellitennavigation (Galileo) und der Erdbeobachtung (Copernicus) und dem Forschungsprogramm Horizon2020 mit insgesamt 12 Mrd € im Zeitraum 2014-2020.
Sie sieht jetzt auch die dynamischen Veränderungen in der Raumfahrtindustrie durch "New Space".

Die Kommission will zur Vorbereitung ihrer "Raumfahrtstrategie für Europa" bis 2030 die Ansichten der verschiedenen Interessengruppen anhören und eine Unternehmenbefragung zur Copernicus-Datennutzung durchführen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 11. Mai 2016, 00:01:51
Ein eventueller Brexit, der Ausstieg der Briten aus der EU, könnte die britische Raumfahrtindustrie treffen.

ESA-Chef Wörner sieht zwar keine Auswirkungen auf Grund der ESA-Mitgliedschaft, wohl aber in den EU-Programmen, insbesondere Copernicus. Zwar könne die EU für eine Lösung/Umstellung sorgen, aber das wäre erstmal zu verhandeln.

Auch ESA-EO-Direktor Liebig hält es für ungewiss, was bei einem Brexit passieren würde.

https://euobserver.com/science/133375 (https://euobserver.com/science/133375)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: TWiX am 11. Mai 2016, 09:20:31
Und der Versuch hier in Deutschland ein Unternehmen wie SpaceX zu Gründen würde wohl grandios scheitern.
Da wirst du wohl recht haben. Allerdings sehe die Ursache dafür weniger in der deutschen Kultur, denn wie viel mehr in der Tatsache, dass wir einer Firma wie SpaceX nicht das nötige ökonomische Umfeld bieten können. In einem Europa der Nationalstaaten (und in die Richtung läuft`s im Moment) kannst du nicht einfach einen Milliardenauftrag an eine private Firma in D vergeben, die völlig frei agieren kann, stattdessen müssen die Interessen aller Beitragsnationen berücksichtigt werden, in Form von zurückfließenden Geldern. Und zack, wird aus der Firma, die groß in den Trägermarkt einsteigen will ein aufgedröseltes Konsortium, das zwischen Spanien und Deutschland, Schweden und Italien überall Produktions-/ Entwicklungskapazitäten haben muss bzw. lokale Partner einbinden muss. Ich bin mir sicher, hätte ein eher föderativ angelegtes europäisches Staatengebilde (wobei ich die EU noch nicht als solches ansehe) das sich dann auch nicht an so Zwänge wie Geo-Return halten müsste, ähnlich lukrative Deals für den Trägermarkt im Angebot (jedes Jahr ca. ein Dutzend Starts für die Regierung, die ausschließlich an einheimische Anbieter vergeben werden), könnte das durchaus Interessenten (nicht nur im Trägermarkt, sondern auch für Technologie/ Dienstleistung der Nutzlasten auf den Markt locken. Aber dafür müsste man die Ausgaben (sowohl für Nutzlasten als auch für Starts) deutlich erhöhen, wenn man mit den USA gleichziehen wollte gar verfachen....
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 12. Juni 2016, 17:13:53
Europa-Parlamentarierin Monika Hohlmeier fordert von der EU, dass sie nunmehr Nutzen aus den Investitionen in Raumfahrt zieht.

Das würde gehen, in dem die EU eine Europäische Raumfahrtstrategie bzgl. neuen Herausforderungen und Chancen einer globalen Raumfahrtindustrie verabschiedet.

https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/its-time-eu-capitalise-its-space-investments (https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/its-time-eu-capitalise-its-space-investments)

Die Logik erschließt sich mir zwar nicht so recht. Unter der Annahme, dass die EU-Strategie den Anwendungsbereich Galileo und Copernicus umfaßt, bleibt es wohl bei zwei Strategien, die der EU einerseits und die der ESA andererseits.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 15. Juni 2016, 13:30:55
Mal wieder ein schöner Hintergrundbericht von Peter Gutierrez in
http://www.insidegnss.com/node/4999 (http://www.insidegnss.com/node/4999)

EU-Kommissarin Bienkowska äußerte sich auf der "Space Solutions" Konferenz in Den Haag zur Europäischen Raumfahrtpolitik. Die EU stehe mit Galileo vor der Herausforderung, eine nachhaltig-never-ending-Service sicherzustellen.

Einen breiten Raum der Konferenz/im Artikel nimmt das Thema Dual-Use und militärische Nutzung ein und geht auf das Verhältnis von EU/ESA/GSA/EDA ein.

ESA-Chef Wörner konnte wieder seine Buzzwords vortragen ("united in space") und betont, "die ESA unterstützt einen europäischen Geist und Identität" (und bezieht sich dabei auf den Apollo-Effekt).
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 18. Juli 2016, 20:55:15
Es gibt einen Entwurf für eine EU-Raumfahrtstrategie:
http://spacenews.com/eu-draft-space-policy-calls-for-more-military-involvement/ (http://spacenews.com/eu-draft-space-policy-calls-for-more-military-involvement/)
http://spacenews.com/wp-content/uploads/2016/07/EU-draft-space-policy.pdf (http://spacenews.com/wp-content/uploads/2016/07/EU-draft-space-policy.pdf)

Die EU möchte militärisch stärker aktiv werden. Außerdem natürlich die Abhängigkeit von Amerika reduzieren, z.B. bei Elektronikbauteilen. Dann gibts noch das Thema Ariane.

Leider wird die Beziehung zwischen ESA und EU nicht näher definiert. Wie sollen EU Programme bei der ESA militärisch sein, wenn einige Mitglieder nicht in der EU sind. Da gibt es doch einen Konflikt.

Das Papier ist zu weich, der GEO Return wird überhaupt nicht erwähnt. Dabei laufen doch die meisten Technologieprogramme (z.B. für Elektronik) über die ESA. Und durch die aufgestülpte GEO Return Struktur ist man dann ja gegenüber Amerika gleich mal nicht wettbewerbsfähig.

Achja und bei Ariane macht die EU bisher nicht mit. Eine Finanzierung des CSGs mit EU Geld macht die EU nicht umsonst, da wird es Gegenleistungen geben müssen, z.B. Mitsprache beim Design.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 13. September 2016, 11:41:42
Vize Präsident der EU-Kommission Maroš Šefčovič im ESA Council:

unterstreicht die gemeinsamen Anstrengungen zur Konsolidierung hinsichtlich ESA Ministerratskonferenz und EC-Kommunikation der Raumfahrtstrategie.

http://www.esa.int/For_Media/Latest_web_news/Maros_Sefcovic_Vice-President_of_the_European_Commission_at_ESA_s_Council (http://www.esa.int/For_Media/Latest_web_news/Maros_Sefcovic_Vice-President_of_the_European_Commission_at_ESA_s_Council)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 09. Oktober 2016, 11:37:21
EU-Kommissarin Bienkowska reiste nach San Francisco und besuchte den Firmensitz von Planet Labs (die 2015 die insolvente RapidEye übernommen haben).

Planet Labs würde gerne die EU-Erdbeobachtungsdaten auf seiner Internetplattform hosten und vermarkten.

Die EU möchte "sicherstellen, dass Europa aufregende Möglichkeiten für Raumfahrttechnologie bietet, die letztlich neue Anwendungen und Dienstleistungen liefert."

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Planet-heisst-EU-Kommissarin-El-bieta-Bienkowska-im-Hauptsitz-in-San-Francisco-willkommen-5094590 (http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Planet-heisst-EU-Kommissarin-El-bieta-Bienkowska-im-Hauptsitz-in-San-Francisco-willkommen-5094590)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 19. Oktober 2016, 23:41:05
EU-Kommissar Maros Sefcovic und EAC-Chef Frank de Winne reden über europäische Raumfahrt.

de Winne rechnet mit Brexit-Auswirkungen aufgrund der Pfund-Schwäche.

Maros Sefcovic meint, dass im Bereich Exploration die ESA besser aufgestellt sei. Die EU ist dagegen Kunde von Satellitentransporten und Raumfahrtanwendungen und man habe ein gutes Arbeitsverhältnis zur ESA.

Die Strategie ist von der EU geschrieben.

https://euobserver.com/science/135509 (https://euobserver.com/science/135509)

Hört sich eher nach Abgrenzung und noch nicht so nach gemeinsamer Strategie an. Na mal sehen...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 21. Oktober 2016, 12:15:39
Der EU-Wissenschaftsberater und Franzose Didier Schmitt erklärt uns "Realpolitik (in space)".

Gemeint ist damit für ihn die Abkehr von staatlichen Programmen hin zu "New Space" und business-orientieren Aktivitäten. Space Exploration sei nicht länger ein wissenschaftliches oder menschliches Abenteuer, sondern es gehe um Besitz und Verkauf von Ressourcen.

Europa und die EU sollen eine eigene Vision entwickeln, in der es um "Raumfahrtanwendungen für den Bürger" gehen soll, andernfalls hätte man Ausdehnung der Regeln des Wilden Westens ins Weltall zu akzeptieren.

https://www.euractiv.com/section/digital/opinion/realpolitik-in-space/ (https://www.euractiv.com/section/digital/opinion/realpolitik-in-space/)

Richtig daran ist wohl, dass dann die EU und Nationen mit neuen Programmen einen Bedarf und einen Markt mit Perspektive finanzieren müßte. Ansonsten kann ich mit dem Artikel nicht so viel anfangen.

btw, Schmitt sieht sich als Erfinder von Exomars und warb bisher für europäische Exploration.
http://newparadigm.schillerinstitute.com/de/media/dr-didier-schmitt-das-exomars-projekt/ (http://newparadigm.schillerinstitute.com/de/media/dr-didier-schmitt-das-exomars-projekt/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 26. Oktober 2016, 13:19:18
Die Europäische Kommission hat heute eine europäische Raumfahrtstrategie veröffentlicht:
http://ec.europa.eu/docsroom/documents/19442 (http://ec.europa.eu/docsroom/documents/19442)

- Mehrwert für Gesellschaft und Wirtschaft maximieren
- Konkurrenzfähigkeit der europäischen Raumfahrt fördern
- Autonomie bei Zugang und Nutzung ins Weltall stärken
- gloabale Rolle Europas stärken


Also sehr bodenständig ... für Visionen wäre dann noch Platz in nationalen und kooperativen Wegen ...


Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 26. Oktober 2016, 20:20:54
Erst hab ich gedacht, alles wie gehabt, wozu eine neue Strategie. Vieles ist natürlich allgemein gehalten.

Nach meinem Gefühl scheint sich die EU mehr als bisher mit der Sicherstellung von Startanlagen (unabhängiger Zugang) engagieren zu wollen.

Bzgl. Exploration weitgehende Leere: die EU will nur mitreden.
("It will contribute to international dialogue on space exploration together with Member States and ESA, promoting common European positions.")

Soweit der Begriff Public verwendet wird, bedeutet er staatliche Interessen, soweit der Begriff Citizens verwendet wird (=2 mal), bedeutet er "täglicher Nutzen" und "Sicherheit".

Das ist der EU-Anteil.
Man scheint keine europäisch gestalterische Funktion mit Raumfahrt zu verbinden.

Tatsächlich gab es eine gemeinsame Unterschrift von ESA und EU, in der dann wohl zum Ausdruck kommt, das es einen spezifischen EU und einen spezifischen ESA Teil gibt. Das gemeinsame Statement betrifft dann Themen, in denen beide Seiten unterwegs sind.

http://www.esa.int/About_Us/Welcome_to_ESA/Shared_vision_and_goals_for_the_future_of_Europe_in_space (http://www.esa.int/About_Us/Welcome_to_ESA/Shared_vision_and_goals_for_the_future_of_Europe_in_space)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up061896.jpg)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 27. Oktober 2016, 14:24:46
Die EU erläutert ihre Raumfahrtstrategie per Q&A.
Man wolle das Investment von 12 Mrd € (von 2014-2020) zu einem Markterfolg führen.

http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-16-3531_en.htm (http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-16-3531_en.htm)

Falls irgendwer noch einen Zweifel hatte bekommt es da ganz klar gesagt:

"Die EU finanziert keinerlei Aktivitäten in der Space Exploration."
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 14. November 2016, 22:51:47
Der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie diskutierte letzte Woche in einer zweistündigen Fragestunde über die neue Strategie, ua. mit ASI-Chef Battiston.

Ich glaube nicht, dass es da neue Erkenntnisse gegeben hat, aber durch das Streaming ist das zumindestens für uns transparent.

Als erste Reaktion auf die Trump-Wahl fragt man sich, ob Europa mehr auf autonome Projekte ausgerichtet werden sollte.

http://www.europarl.europa.eu/news/en/news-room/20161026IPR49234/committee-on-industry-research-and-energy-meeting-10112016-(pm) (http://www.europarl.europa.eu/news/en/news-room/20161026IPR49234/committee-on-industry-research-and-energy-meeting-10112016-(pm))
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 21. November 2016, 10:48:25
Der Ausschuss für Wissenschaft und Technologie diskutierte letzte Woche über die neue Strategie ua. mit ESA-Chef Wörner und Reinhold Ewald.

Wörner präsentiert natürlich wieder Space 4.0 und spricht über Neugier und Inspiration, Ewald über die ISS.

Beides sind eigentlich Themen, die die EU aus welchen Gründen auch immer ausgegrenzt hat und Themen der ESA sind, bei denen der Ministerrat abzuwarten wäre, was da für die Zukunft festgelegt wird.

Angesprochen wird auch, dass für kleine Unternehmen der Bürokratismus der EU zu groß ist.

http://www.europarl.europa.eu/news/en/news-room/20161109IPR50653/science-and-technology-options-assessment-meeting-16112016-(pm) (http://www.europarl.europa.eu/news/en/news-room/20161109IPR50653/science-and-technology-options-assessment-meeting-16112016-(pm))

Europa ist kompliziert.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 21. November 2016, 19:43:59
Am 07. Dezember will man in Washington zum zweiten Mal über die EU-US Raumfahrtpolitik diskutieren.

https://www.eventbrite.com/e/2nd-eu-us-space-policy-conference-tickets-29168413510 (https://www.eventbrite.com/e/2nd-eu-us-space-policy-conference-tickets-29168413510)

Stelle ich mir schwierig vor, wenn in den USA noch nichts klar ist und die EU vor allem in Sachen Navigation und Erdbeobachtung unterwegs ist. Gemeinsames Ziel scheint nur die Wirtschaftsförderung von Startups zu sein, so dass Planet, Blue Origin, Virgin, OneWeb und Spire dabei sind.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 29. November 2016, 10:26:46
Die EU diskutiert im Ausschuß für Wettbewerb über die europäische Raumfahrtstrategie.

Man beschwört einmal mehr den Nutzen von Galileo, Copernicus und EGNOS.

http://video.consilium.europa.eu/en/webcast/bce270f3-3baa-4a18-bde5-31d53630281e (http://video.consilium.europa.eu/en/webcast/bce270f3-3baa-4a18-bde5-31d53630281e)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 29. November 2016, 12:35:25
Gast-Redner Wörner meint, das der Raumfahrt-Sektor beweist, das Europa funktioniert.

EU-Kommissarin Bienkowska betont in ihrer Zusammenfassung, dass sie nicht verantwortlich sein will für Mars-Missionen. Der Focus liege auf Industriepolitik. Sie wolle eine raumfahrtbezogene Initiative im Bereich Defense starten.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 29. November 2016, 13:47:23
Defense ist Industriepolitik aber Mars nicht? Was würde die NASA dazu sagen?

Dass das Militärthema jetzt wieder auf die Tagesordnung tritt war abzusehen. Hoffentlich setzt sie da nicht auf die ESA, zivile und militärische Raumfahrt sollte getrennt bleiben. Und bei ESA gibt es das Problem der Briten, die keine gemeinsame Verteidigungspolitik wollen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 29. November 2016, 15:37:20
Defense ist Industriepolitik aber Mars nicht? Was würde die NASA dazu sagen?
Gemeint war damit Industriepolitik an sich, also Autonomie (z.B. All-Zugang),  Newspace/KMU, freier Datenzugang, etc.

Zitat
Dass das Militärthema jetzt wieder auf die Tagesordnung tritt war abzusehen. Hoffentlich setzt sie da nicht auf die ESA, zivile und militärische Raumfahrt sollte getrennt bleiben. Und bei ESA gibt es das Problem der Briten, die keine gemeinsame Verteidigungspolitik wollen.
Ich kann mir eigentlich am wenigsten vorstellen, dass Länder ausgerechnet im Defense-Bereich Kompetenzen abgeben wollen, abgesehen von Symbolpolitik.

Konkret geht es wohl um GovSatCom, die EU (EDA) möchte ihr eigenes Kommunikationssystem für sich und ihre Mitglieder.
Daran sind vor allem kleinere Länder interessiert, die über keine eigenen Kapazitäten verfügen.
Auf dem Gebiet sind aktuell aktiv:
Syracuse in Frankreich,
Satcom Bw in D,
Skynet in U.K.,
Sicral in Italien,
Spainsat in Spanien,
Luxemburg plant mit SES einen neuen LuxGovSat

Der Brexit macht es tatsächlich eher komplizierter, weil UK ein Unterstützer ist, weil Skynet modernisiert werden soll.

Das Hauptproblem ist dagegen: "die Mitgliedsstaaten sind auf vielen Ebenen nicht in der Lage eine gemeinsame Entwicklung und Finanzierung zu vereinbaren."

Das EU-Angebot/Konzept soll Ende des Jahres den Verteidigungsministern der Mitgliedsstaaten zu Entscheidung vorgelegt werden.
Man rechnet sich gute Chancen aus, weil die Verteidigungshaushalte wieder steigen.

http://www.satellitetoday.com/publications/st/2016/08/23/europe-nears-decision-point-shared-govsatcom-program/ (http://www.satellitetoday.com/publications/st/2016/08/23/europe-nears-decision-point-shared-govsatcom-program/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: GerdW am 29. November 2016, 21:53:15
...

EU-Kommissarin Bienkowska betont in ihrer Zusammenfassung, dass sie nicht verantwortlich sein will für Mars-Missionen. ...

Hat Jemand die Arianespaceübertragung nach dem Galileo-Start bis zum Ende gesehen?
EU-Vizepresident Maroš Šefčovič sagt: Lasst uns bis Weihnachten den "Galileo initial Service" starten. Großer Auftritt.
(er weiss sicher, daß die am 17.11. gestarteten Satelliten erst 2017 operativ werden.)
EU-Kommissarin Bienkowska widerspricht ihrem Vizepresidenten sofort, "Galileo initial Service" so schnell wie möglich. 
Aber zu Weihnachten, das will sie nicht versprechen.
Šefčovič lacht. (gucken ja nicht viele zu bei Arianespace)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 07. Dezember 2016, 10:55:31
Es gibt Ende Januar wieder eine EU Space Policy Konferenz mit einem großen Aufgebot an Politikern und Interessenvertretern.

Die Themen sind leider wie üblich ziemlich langweilig: NewSpace und Wettbewerb, Gesellschaft und Wirtschaft, Diplomatie, Sicherheit und Verteidigung, Sat-Industrie und Raumfahrt-Markt.

Vielleicht sorgt Günther Öttinger mit seinem Vortrag wenigstens für etwas Unterhaltung. ;)

http://www.spaceconference.eu/programme.html (http://www.spaceconference.eu/programme.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 07. Dezember 2016, 11:03:35
Es gibt Ende Januar wieder eine EU Space Policy Konferenz mit einem großen Aufgebot an Politikern und Interessenvertretern.

Die Themen sind leider wie üblich ziemlich langweilig: NewSpace und Wettbewerb, Gesellschaft und Wirtschaft, Diplomatie, Sicherheit und Verteidigung, Sat-Industrie und Raumfahrt-Markt.

Vielleicht sorgt Günther Öttinger mit seinem Vortrag wenigstens für etwas Unterhaltung. ;)

http://www.spaceconference.eu/programme.html (http://www.spaceconference.eu/programme.html)

Tja und wer berichtet jetzt von dieser Konferenz?  :o Hoffentlich ist pbdes vor Ort...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 19. Januar 2017, 16:06:14
Die EU Kommission sorgt sich um den nächsten EU-Finanzrahmen 2020-27, der ab 2018 verhandelt werden soll. Wegen Brexit müßten andere Länder dann mehr bezahlen. Die Verhandlungen werden nicht einfach.

https://twitter.com/pbdes/status/822012482738864128 (https://twitter.com/pbdes/status/822012482738864128)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 25. Januar 2017, 10:42:21
Das aktuelle Uhrenproblem bei Galileo macht es etwas interessanter in die EU Konferenz reinzuhören.

Aber alles wie gehabt, EU-Kommissarin Bienkowska lobt den Erfolg von Galileo, das Schwierigkeiten eben auftreten können und bis 2020 alles super läuft.
http://ec.europa.eu/avservices/video/player.cfm?ref=I132594 (http://ec.europa.eu/avservices/video/player.cfm?ref=I132594)

Wörner darf die verschwurbelte Raumfahrtinstitutionen der EU/ESA/Mitgliedsstaaten weiter "United Space" nennen.
http://ec.europa.eu/avservices/video/player.cfm?ref=I132595 (http://ec.europa.eu/avservices/video/player.cfm?ref=I132595)

Interessanter schon die Industriesicht von Jean-Loic Galle, der die Wettbewerbsituation mit den USA (Silicon Valley cost-reduction, defense sector) und China (Technologieführung 2025) hervorhebt.
http://ec.europa.eu/avservices/video/player.cfm?ref=I132596 (http://ec.europa.eu/avservices/video/player.cfm?ref=I132596)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 26. Januar 2017, 23:05:28
Kaum gibt es einen gemeinsamen Feind wie Trump, gibt es neue Energie für Zusammenarbeit:
https://www.spaceintelreport.com/trump-seen-as-boon-for-european-space-autonomy-effort (https://www.spaceintelreport.com/trump-seen-as-boon-for-european-space-autonomy-effort)

In der Krise ist auch eine Chance, wie man weiß.

Auch Deutschland scheint sich jetzt der Ariane zu verpflichten.

Man hat außerdem erkannt, dass der amerikanische SSA Service nicht ewig umsonst sein wird und das man hier etwas tun muss. Das habe ich hier ja schon häufiger gepostet, dass da Handlungsbedarf besteht.

Die EU will jetzt einen militärischen Kommunikationssatelliten starten. Das Projekt könnte wegen Trump nun endlich die notwendige politische Energie bekommen. Da stellt sich bald die Gretchenfrage. Mit oder ohne ESA. Man kann nur hoffen, dass die EU GovSatCom ohne die ESA durchzieht. Die EU muss das Projekt selbst in einer neuen militärischen EU-Agentur managen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. Januar 2017, 10:54:59
Der Brexit ist Schuld, dass Europa die Entwicklung von wiederverwendbaren Trägern aufschiebt,
so jedenfalls dieser Artikel:
http://www.euractiv.com/section/transport/news/europe-to-enter-new-space-race-after-2020/ (http://www.euractiv.com/section/transport/news/europe-to-enter-new-space-race-after-2020/)

Naja, gemeint ist wohl eher, dass die EU mit ihrem 7-jährigen Finanzrahmen die Gelder nicht einfach umwidmen kann (obwohl das mit dem Horizon2020 in Richtung EFSI durch Junker genau passiert ist).

Zu wenig, zu spät.

Man will 2017 Vorschläge machen für den Finanzrahmen 2020-2027.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2017, 12:17:24
Die ESA Ministerratskonferenz wird sich da von der EU nicht reinreden lassen. Ja die EU kann da ein Programm für wiederverwendbare Raketen auflegen. Aber

1.  ESA+CNES+DLR+ASL+Airbus+Safran+ASI+Arianespace glauben nicht an wiederverwendbare Raketen, es gibt keine Unterstützung auf der Managementebene dafür.
2. Die Mitgliedsstaaten+Gewerkschaften+Arbeitnehmer haben Angst, dass ihre Feststoffboosterindustrie plötzlich arbeitslos wird (vgl. Elektromobilität)
3. die EU hat nicht genug Geld um eine Parallelariane zu entwickeln
4. Dem spanischen Startup PLD fehlt das notwendige Kleingeld
5. Airbus hat gerade ein eigenes Investment in Ariane 6 gemacht, das wäre dann ja hinfällig

Fazit: Flop.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Doc Hoschi am 28. Januar 2017, 14:06:36
(obwohl das mit dem Horizon2020 in Richtung EFSI durch Junker genau passiert ist).
Kannst du das bitte kurz genauer erklären? Sind denn Horizon 2020 und EFSI nicht unabhängig voneinander?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. Januar 2017, 22:47:42
Der EU Präsident Junckers wollte 2015-17 ein Investitionsprogramm (Konjunkturprogramm) über 315 Mrd € starten, dass überwiegend kreditfinanziert ist. Da auch die Investitions-Bank nicht nur Kredit, sondern auch Einlagen sehen wollte, hat die Kommission 2,7 Mrd. dem Forschungsbudget Horizon2020 entzogen.

Mit dem EFSI sollen eigentlich kommerzielle Projekte mitfinanziert werden, die auch von dritter Seite mitfinanziert werden. Da tut sich Raumfahrt wohl schwer, ein Beispiel wäre aber das Projekt Electra, bei dem neben DLR und ESA-Mitteln der OHB-Anteil (25-35 Mio €) wohl jetzt durch die EFSI finanziert werden.
http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-politik-wirtschaft_artikel,-Bremer-Raumfahrtfirma-bekommt-Millionenkredit-von-der-EU-_arid,1517075.html (http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-politik-wirtschaft_artikel,-Bremer-Raumfahrtfirma-bekommt-Millionenkredit-von-der-EU-_arid,1517075.html)

(Edit: Typo)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Doc Hoschi am 29. Januar 2017, 09:53:09
Hallo tomtom, danke für die Erklärung. Dass Horizon 2020 tatsächlich Mittel entzogen wurde, wusste ich nicht.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 04. Februar 2017, 13:24:32
Das Galileo Programm sieht sich größeren Problemen konfrontiert und liegt 13 Jahre hinter der ursprünglichen Planung und mit 9,9 Mrd € einer Verdreifachung der Kosten.
Dabei ist die EU neben der ESA und der GSA und weiteren Akteuren ein Element einer organisatorischen Architektur von Raumfahrtaktivitäten.

So formuliert es eine ESPI Studie, die Vorschläge machen will, wie in Zukunft Galileo besser gesteuert werden könnte und thematisiert drei Scenarien:
1. auf Basis der aktuellen Rahmenbedingungen
2. durch Schaffung einer zentralen Organisation (Übernahme der Abteilungen der ESA und GSA)
3. Transformation der GSA in eine rein administrative Einheit, die zur Durchführung den privaten Sektor beauftragt.

http://www.espi.or.at/images/Rep62_online_170203_1142.pdf (http://www.espi.or.at/images/Rep62_online_170203_1142.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 15. Februar 2017, 11:09:58
Der EU "Blockbuy" kommt wohl:
https://www.spaceintelreport.com/eu-council-to-address-european-rocket-cloud-computing-autonomy (https://www.spaceintelreport.com/eu-council-to-address-european-rocket-cloud-computing-autonomy)

Zitat
The launcher policy sought by European industry, and long sought by the French government, would lead to a five-year contract with the European Commission covering launches between 2021 and 2025. The contract would cover all European government missions, including those that today are launched by the Europeanized Soyuz medium-lift rocket.

Aber:
Zitat
In 2019, Europe’s new Vega-C small-satellite rocket is scheduled to be operational, followed the next year by the heavy-lift Ariane 6 vehicle.

By 2021, European industry wants the German-Russian Rockot vehicle and the Europeanized Soyuz to be removed from the family of European vehicles eligible for European government missions.

Ab 2021 sollen Rockot und Sojus nicht mehr für EU Starts verwendet werden. Eurockot ist dann also tot.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Calapine am 16. Februar 2017, 08:24:36
Waren es nicht eher die Russen die Eurockot "getötet" mit der Entscheidung Rockot nicht mehr zu verwenden?

Russia to close Rokot conversion rocket launches under new space program draft (http://tass.com/science/854018)

Sentinel 2B sollte war nach früher ja auch auf Rockot geplant (steht auf einigen Websiten immer noch so) und ist jetzt Vega.

Mit Vega und Vega-C wird es keinen Bedarf mehr für Rockot/Denpr/etc... in Europa geben.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 16. Februar 2017, 10:09:53
Da es nicht wirklich genau im Artikel steht: Geht es darum, dass die EU zusichert in den nächsten 5 Jahren eine gewisse Anzahl an Raketen zu kaufen ("Blockbuy") oder darum, dass die EU zusichert, alle Regierungsmissionen auf europäischen Trägern durchzuführen? Ich verstehe den Artikel so, dass letzteres gelten soll und das ist mMn eine dringend überfällige Entscheidung!

Wieso sollte Europa Milliarden in die Entwicklung von Trägern stecken, die dann aber nicht von den Ländern verwendet werden, stattdessen finanziert man amerikanische Unternehmen... Besonders dubios finde ich das bei den 3 Bundeswehr-Sats die auf 2 SpaceX Starts fliegen sollen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 16. Februar 2017, 10:21:39
Aus Sicht von Airbus geht es schon um die Zusicherung einer Mindestabnahme für den Zeitraum 2021-25, um ein entsprechendes Produktionslos zu planen.

Die ESA sagt, dass die Starts für Galileo und Copernicus von der EU beauftragt werden und somit die EU eine solche Zusage machen müßte.

Da Europa viele Akteure hat, ist ein Europe-only etwas schwierig, die generelle Bereitschaft auch schnell erklärt, aber substantiell in Form von Auftragsgarantien vielleicht eben doch nicht. Im Prinzip wäre es natürlich auch ein Verlust an Wettbewerb.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 16. Februar 2017, 10:35:50
Da es nicht wirklich genau im Artikel steht: Geht es darum, dass die EU zusichert in den nächsten 5 Jahren eine gewisse Anzahl an Raketen zu kaufen ("Blockbuy") oder darum, dass die EU zusichert, alle Regierungsmissionen auf europäischen Trägern durchzuführen? Ich verstehe den Artikel so, dass letzteres gelten soll und das ist mMn eine dringend überfällige Entscheidung!

Es gibt einen Vertrag über 5 Jahre für EU Missionen. Die EU Kommission dürfte keinerlei Handhabe den Nationalstaaten gegenüber diesbezüglich haben.

Deswegen dürfte der Vertrag nur für Copernicus und Galileo und eventuell andere Missionen wie GovSatCom gelten.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 16. Februar 2017, 11:14:03
Es geht also nur um EU gefürte Missionen und nicht um eine EU-RIchtlinie, die den Mitliedsstaaten vorschreibt für die jeweiligen Regierungsmissionen einen europäischen Träger zu verwenden?! Dann sehe ich erst recht kein Problem in so einem Deal. Die Ariane/Vega Produktion findet komplett in EU-Mitgliedsstaaten statt und die Mehrkosten der Trägerwahl sind im Allgemeinen klein gegenüber den Projektkosten bzw. Mehrkosten durch Verzögerungen. Abgesehen davon werden diese Projekte ja schon jetzt nur auf Arianespace-Trägern gestartet (Rokot is tot) und die Anzahl der benötigten Starts ist relativ genau bekannt. Also wäre die Konsequenz aus dem Vertrag nahezu nicht existent
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 08. März 2017, 23:11:32
Die EU beschließt EU-Militärhauptquartier:
http://www.dw.com/en/eu-military-headquarters-is-first-step-in-defense-plan/a-37844411 (http://www.dw.com/en/eu-military-headquarters-is-first-step-in-defense-plan/a-37844411)

Endlich, das wurde aber auch Zeit. Natürlich ist das nur ein Anfang. Jetzt ist es nur noch ein Jahrzehnt oder so bis GovSatCom & Co. Dann kann die immense Geldverschwendung in der Rüstungsindustrie endlich reduziert werden und nicht mehr jedes Land braucht all Kompetenzen und nicht mehr jedes Land seinen eigenen Nachrichtensatelliten.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 09. März 2017, 12:58:24
Europa hat viele Probleme, aber Wörner lobt die Zusammenarbeit von 60 Unternehmen und diversen Raumfahrtagenturen, Arianespace und der EU-Kommission.

Das europäsiche Ziel sei ein perfektes Erdbeobachtungssystem zu haben.

http://home.bt.com/news/world-news/spy-in-the-sky-satellite-launched-into-space-11364162567422 (http://home.bt.com/news/world-news/spy-in-the-sky-satellite-launched-into-space-11364162567422)

Na dann ist ja alles super. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 08. April 2017, 20:06:44
Die Rede von EU-Kommissarin Bienkowska, mit einigen taffen Aussagen, die vielleicht nicht jedem gefallen werden. Neben den Themen Copernicus und Galileo kommen die Themen Startup-Förderung (350 Mio), Defense/GovSatCom & Space Debris Tracking, internationale Zusammenarbeit und man beobachte den Wettbewerb (Wiederverwendbarkeit) genau und investiert in eine smarte Trägerentwicklung.

https://ec.europa.eu/commission/commissioners/2014-2019/bienkowska/announcements/europe-ready-space-working-together-space_en (https://ec.europa.eu/commission/commissioners/2014-2019/bienkowska/announcements/europe-ready-space-working-together-space_en)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 18. Juni 2017, 10:43:43
Die EU konkretisiert ihr Vorhaben des im letzten Jahr angekündigten European Defense Fund, wobei es anscheinend viel um Geld und Einfluß und weniger um Inhalte geht.
Die EU will die Forschung finanzieren und die Investments der Mitgliedsstaaten in Entwicklung und Beschaffung koordinieren. Verantwortlich für den Fond ist das Ressort Industriepolitik.

Dabei sieht man auch Synergien zu anderen Bereichen, ua. der Raumfahrt. Hier will die EU die Satellitenkommunikation entwickeln (Stichwort GovSatCom) und im Copernicus Programm die Sicherheits- und Überwachungsanwendungen erforschen.

http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-17-1476_en.htm (http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-17-1476_en.htm)

Immerhin entwickelt man eine Vision für 2025 für eine gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit.
https://ec.europa.eu/commission/sites/beta-political/files/reflection-paper-defence_en_1.pdf (https://ec.europa.eu/commission/sites/beta-political/files/reflection-paper-defence_en_1.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 27. Juni 2017, 10:20:32
Schönes PR- und Image Video unter dem Motto "Europe for Space, Space for Europe" aus Anlass 60 Jahre römische Verträge.

Sowas macht die GSA (Galileo Betreiber Agentur).

https://www.youtube.com/watch?v=iYNIyJOEVwc (https://www.youtube.com/watch?v=iYNIyJOEVwc)

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 20. Juli 2017, 23:53:00
Auf dem Ministerratstreffen von Merkel und Macron beschloss man nicht nur die Entwicklung eines neuen Kampfjets und einer Euro-Drohne, sondern auch ein bisschen militärische Raumfahrt.

Zur strategischen Autonomie gehören militärische Weltraumanwendungen wie das Projekt Galileo. Deutschland und Frankreich wollen in der Weltraumüberwachung zusammenarbeiten und Radardaten der EU European External Action Service (ist quasi das Außenministerium der EU) zur Verfügung stellen.

http://www.politico.eu/article/angela-merkel-and-emmanuel-macron-rekindle-german-french-romance/ (http://www.politico.eu/article/angela-merkel-and-emmanuel-macron-rekindle-german-french-romance/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. Oktober 2017, 13:16:11
Die EU will im Rahmen von Horizon2020 für die verbleibenden Jahre 2018,19,20 einzelne europäische Projekte mit zumeist 1-3 Mio. € Zuwendungen fördern. Im Teilbereich Raumfahrt hat man dazu ein 85 seitiges Dokument mit den einzelnen Ausschreibungsthemen erstellt.

Man will auch einen European Innovation Council (EIC) Preis stiften für "Low cost Space Launch". Der startet im 4Q. 2017 und läuft bis 4Q. 2020, Preisvergabe 2021 und hat ein Budget von 10 Mio €.

http://ec.europa.eu/research/participants/data/ref/h2020/wp/2018-2020/main/h2020-wp1820-leit-space_en.pdf (http://ec.europa.eu/research/participants/data/ref/h2020/wp/2018-2020/main/h2020-wp1820-leit-space_en.pdf)

http://ec.europa.eu/research/participants/data/ref/h2020/wp/2018-2020/main/h2020-wp1820-eic_en.pdf (http://ec.europa.eu/research/participants/data/ref/h2020/wp/2018-2020/main/h2020-wp1820-eic_en.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Oktober 2017, 13:58:33
Man will auch einen European Innovation Council (EIC) Preis stiften für "Low cost Space Launch". Der startet im 4Q. 2017 und läuft bis 4Q. 2020, Preisvergabe 2021 und hat ein Budget von 10 Mio €.

Details sind noch Mangelware aber es soll wohl um einen Kleinsatellitenstarter gehen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 13. November 2017, 16:31:13
Kaum gibt es einen gemeinsamen Feind - ähh sagen wir nicht mehr so großen Freund (Donald Trump) - und schon gibt es Bewegung beim Thema EU-Militär:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/bruessel-23-eu-staaten-gruenden-pesco-zusammenarbeit-bei-verteidigung-a-1177685.html (http://www.spiegel.de/politik/ausland/bruessel-23-eu-staaten-gruenden-pesco-zusammenarbeit-bei-verteidigung-a-1177685.html)

Zitat
Obendrein könne man künftig viel Geld sparen, so Gabriel. Europa gebe für Verteidigung halb so viel Geld aus wie die USA, erreiche aber nur 15 Prozent von deren Effizienz.
Solange die Amerikaner mit der überteuerten Atlas & Delta starten, scheint mit das europäische Militär zumindestens beim Thema Raumtransport deutlich effizienter.

Zumindestens im Ausland kann Trump positives bewirken. Die Chinesen feiern Trump sicher auch gerade.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 04. Dezember 2017, 19:17:41
Der Think Tank ESPI sagt uns in dieser Präsentation, was Europa in der Raumfahrt macht (zumindestens im Verteidigungsbereich, allerdings ohne taktische Raketen):
1. Trägerentwicklung Ariane 6
2. Erdbeobachtung Copernicus
3. Navigation Galileo
Sie listen dann die militärischen Satelliten aus Europa auf. Europa hat Ressourcen, es mangelt aber an Zusammenarbeit.
Sie wollen sich in 2018 mit dem Thema Space Security befassen.

https://www.espi.or.at/images/Europes_Space_Security.pdf (https://www.espi.or.at/images/Europes_Space_Security.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 06. Dezember 2017, 20:03:19
Galileo geht in die nächste Runde. Am 12.12 soll mit einer Ariane V vier weitere Satelliten gestartet werden. Ein Bericht zur Konferenz in Tallin ist aufschlußreich:

Die EU denkt darüber nach, den "Commercial Service", also die genauere Positionsbestimmung im Vergleich zum öffentlichen Service, doch nicht mehr gegen Gebühr sondern frei anzubieten. Dazu müsse man allerdings die Regularien ändern. Unternehmen haben sich eigentlich auf diesen kommerziellen Service eingestellt. Eine Änderung wäre also nicht so einfach.

Überhaupt ging es sehr um "Business" - "Europe is the best place in the world to start a business.”

Ein Vertreter von Planet sieht das wohl anders. Während man Güter in Europa noch ziemlich einfach handeln und transportieren kann, stoßen digitale Services immer noch an jede einzelne Landesgrenze, die es in Europa gibt.

Die EU will sich 2018 mit dem Raumfahrtbudget befassen. Während in den letzten Jahren das ESA-Budget unverändert blieb, stieg das EU-Budget jeweils an. Wegen Brexit wird es schwieriger, aber man sei zuversichtlich.

http://www.insidegnss.com/node/5701 (http://www.insidegnss.com/node/5701)

Zur Ariane 6 Launcher Garantie steht leider nichts drin.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 13. Dezember 2017, 23:16:36
Die EU Kommission freut sich natürlich auch über 4 neue Galileo Satelliten, die nächsten vier sind für Juli 2018 geplant.

Zur EU Space Policy hier ein 2-seitiges Factsheet:
https://ec.europa.eu/docsroom/documents/26161/attachments/1/translations/en/renditions/native (https://ec.europa.eu/docsroom/documents/26161/attachments/1/translations/en/renditions/native)

Wissenschaft und Technologieentwicklung kommen darin nicht vor.

Man plant 30 Satelliten in 10-15 Jahren.
Hört sich nicht nach der Garantiezahl an, die Airbus für Ariane/Vega gerne hätte, obwohl die EU nicht abgeneigt zu sein scheint.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 19. Januar 2018, 18:26:13
Der französische EU-Politiker Franck Proust kommentiert die EU-Weltraumpolitik:
https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/space-not-final-frontier (https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/space-not-final-frontier)


Nächste Woche ist übrigens die EU-Weltraumkonferenz in Brüssel:
http://www.spaceconference.eu/speakers.html (http://www.spaceconference.eu/speakers.html)

PS: Pascale Ehrenfreund, die geheime Chefin vom DLR, muss auch mal wieder öffentlich was sagen. Falls die Bundesregierung das DLR durch ihre Berufung öffentlich einschläfern wollte, man kann nur sagen: Mission erfolgreich.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 19. Januar 2018, 18:46:27
PS: Pascale Ehrenfreund, die geheime Chefin vom DLR, muss auch mal wieder öffentlich was sagen.

Naja, sie ist bei genau einer einstündigen Session als eine von 9 Personen bei einem Q&A dabei. Vielleicht schafft sie es sogar, doch nichts sagen zu müssen  ;D
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 23. Januar 2018, 10:04:26
Zitat
EU Commissionner @EBienkowskaEU urges EU space industry propose missions for EU Defense Fund - EUR 600M to 2020, and proposal of EUR 1.5B/yr after 2020 (if EU govts accept).#EUSpaceStrategy #BBESpaceConf
https://twitter.com/pbdes/status/955719947107303424 (https://twitter.com/pbdes/status/955719947107303424)

Die EU Militärraumfahrt bekommt 600 Millionen von der EU, wenn ich das richtig sehe? EU Militärprojekte werden doch hoffentlich bei einer Militäragentur angesiedelt, so wie das die Amerikaner haben?


Zitat
Jan Woerner, @ESA DG: 'Every day I have discussions about whether Ariane 6 is the way we should go, because the competition is so difficult.'
https://twitter.com/pbdes/status/955724248777220096 (https://twitter.com/pbdes/status/955724248777220096)

Wörner hat Diskussionen über Ariane 6.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 23. Januar 2018, 10:08:18
Hier kann man die EU Weltraumkonferenz live gucken:
https://ec.europa.eu/avservices/ebs/live.cfm?page=1 (https://ec.europa.eu/avservices/ebs/live.cfm?page=1)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 23. Januar 2018, 15:36:25
allerdings nur zeitweise.
Vielleicht gibts von den Lücken wenigstens Aufzeichnungen.
Wörner sagte zu Beginn, die ESA bereitet die Ministerkonferenz 2019 vor und sammelt Ideen und Vorschläge.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 23. Januar 2018, 17:18:52
Zitat
Pascale Ehrenfreund, chairman of @DLR_de, said Europe needs to be global coordinator on climate research 'especially given the situation in the United States now.' #EUSpacePolicy #EUSpaceStrategy #BBESpaceConf
https://twitter.com/pbdes/status/955828125123989505 (https://twitter.com/pbdes/status/955828125123989505)

#siehatwasöffentlichgesagt
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 23. Januar 2018, 23:12:08
EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger fehlen wegen des Brexits in Zukunft 14 Mrd € im Jahr und sieht auch die Raumfahrt unter finanziellen Restriktionen und Einsparungen. Er meint, die Raumfahrt könnte evtl. durch Mittel im Bereich Defense profitieren.

https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/brexit-oettinger-bereitet-raumfahrt-auf-moegliche-kuerzungen-vor-5929143 (https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/brexit-oettinger-bereitet-raumfahrt-auf-moegliche-kuerzungen-vor-5929143)

Raumfahrt wird auch in Europa zunehmend militärisch. Wo sind die zivilen Europaprojekte, die da nicht nur virtuelle Rhetorik ist?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 24. Januar 2018, 13:26:50
Zitat
Antoine Noguier, head of @AirbusDefence @AirbusSpace strategy: Space already being militarized; cyber attacks in it, missiles through it. Our ability to operate freely in space is no longer guaranteed; new US govt policies dont help. #BBESpaceConf #EUSpacePolicy #EUSpaceStrateg
https://twitter.com/pbdes/status/956130568722370560 (https://twitter.com/pbdes/status/956130568722370560)

Es gab staatliche Hackerangriffe auf Satelliten laut Airbus D&S. Kennt jemand konkrete Beispiele?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 27. Januar 2018, 11:41:02
„Wir haben das Geld, aber keine Vision“, sagte der portugiesische EU-Forschungskommissar Carlos Moedas. Die Forschung habe den Draht zu den Bürgern und Politikern verloren.

Ansonsten wird einmal mehr von NewSpace geschwärmt.
Galileo ist viele Millarden teurer geworden, was an der komplizierten Sruktur der europäischen Raumfahrt und den Interessenkonflikten gelegen haben mag.

http://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/wirtschaft/detailansicht-wirtschaft/artikel/fuer-die-erde-ins-all.html (http://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/wirtschaft/detailansicht-wirtschaft/artikel/fuer-die-erde-ins-all.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Januar 2018, 10:38:07
Zitat
BRUSSELS — European government and industry officials insist they’re closer than ever to agreeing to a Buy European Act for government satellites despite the headlines they expect in the coming weeks as U.S.-based SpaceX launches European government telecommunications and reconnaissance satellites. In the coming days SpaceX is scheduled to launch GovSat-1, a joint venture of
https://www.spaceintelreport.com/european-satellite-launch-policy-now-remains-booster-no-payload/ (https://www.spaceintelreport.com/european-satellite-launch-policy-now-remains-booster-no-payload/)

Der "Buy European Act" für Regierungssatelliten ist wohl am kommen.

PS: Nein ich kann den Artikel auch nicht lesen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 02. März 2018, 13:07:09
Die EU-Kommission veranstaltete einen "EU Industry Day", in dem industriepolitisch über die Perspektive 2030 diskutiert wurde. Die EU Mitgliedsstaaten sollten im Frühjahr den Finanzrahmen für den nächsten Planungszeitraum 2021-2027 (Multiannual Financial Framework) im Kontext des Brexit entwerfen.

Soweit kein Raumfahrtbezug. DLR-Chefin Ehrenfreund beteiligte sich mit einem Vortrag über Digitalisierung.
Soweit auch kein Raumfahrbezug (auch wenn sie die Firma SpaceX erwähnt haben mag).

https://ec.europa.eu/commission/news/eu-industry-day-2018-feb-22_en (https://ec.europa.eu/commission/news/eu-industry-day-2018-feb-22_en)

Die EU-Kommission will sich von einer "High Level Strategy Group for industrial Technologies" beraten lassen, welche Themen und Technologien die EU fördern sollte. Dieses Beratergremium wird geleitet von Jürgen Rüttgers.

http://ec.europa.eu/transparency/regexpert/index.cfm?do=groupDetail.groupDetail&groupID=3540&news=1&Lang=DE (http://ec.europa.eu/transparency/regexpert/index.cfm?do=groupDetail.groupDetail&groupID=3540&news=1&Lang=DE)

Rüttgers war nicht nur NRW-Ministerpräsident, sondern auch Forschungsminister und hat auch zum Thema Europa einiges zu sagen, insofern passt das.

Es gibt keinen Hinweis auf irgendwelche Raumfahrtthemen, aber interessanterweise hat Jürgen Rüttgers in den 90er die kommerzielle Ausrichtung der Raumfahrt gefordert und ein Buch über "Europas Wege in den Weltraum" geschrieben.

Ich hab es mir besorgt, es ist zwar von 1989. Da ist natürlich viel von Ariane, Hermes, Spacelab, Columbus, etc., aber in den politischen Aspekten, in denen es in dem Buch vor allem geht, ist es erstaunlich aktuell gehalten und könnte nahezu 1:1 auch heute veröffentlicht werden. ;)

Bleibt zu hoffen, dass doch noch mal die europäische Raumfahrt thematisiert wird.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 18. März 2018, 11:07:17
Ein interessante Zusammenfassung zur Entwicklung der europäischen Raumfahrtpolitik, die in den letzten 20 Jahren vor allem dadurch geprägt ist, die Verantwortlichkeit zwischen ESA und EU zu klären. (Anwendung bei der EU, Technologieentwicklung und Exploration bei der ESA).

Das Papier von Anfang 2017 sollte das EU-Parlament zur vorgelegten Strategie informieren.

In der gegenwärtigen Strategie von 2016 fehlen noch die Aspekte Defense, Trägerentwicklung und Weltraumgesetz.

http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/IDAN/2017/595917/EPRS_IDA%282017%29595917_EN.pdf (http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/IDAN/2017/595917/EPRS_IDA%282017%29595917_EN.pdf)

Das Papier referenziert die Nicht-Zuständigkeit der EU für Space-Exploration (zuständig ist die ESA) ins Jahr 2005, was mir gar nicht so klar war.

Nach meiner Ansicht ist die bloße Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen EU und ESA zwar notwendig, aber nicht wirklich zweckmäßig.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 24. April 2018, 12:22:44
Jean-Loic Galle, Präsident von Eurospace, Vereinigung der europäischen Raumfahrtindustrie, schreibt einen Brief an EU-Präsident Juncker und EU-Kommissar Oettinger man möge im nächsten EU-Finanzplan 2020-2027 die Budgets für Egnos, Galileo und Copernicus weiterführen.

Oettinger will am 02. Mai seinen Entwurf zum EU-Budget vorlegen.

http://www.eurospace.org/Data/Sites/1/11april2018letterjlgtojcjunckergoettingermff.pdf (http://www.eurospace.org/Data/Sites/1/11april2018letterjlgtojcjunckergoettingermff.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 23. Mai 2018, 11:59:09
Meine Prognose zum Buy-European-Act: Falls der kommt, wird Ariane Group zu ULA 2.0, wo man es sich mit Staatsaufträgen komfortabel macht und sich nicht mehr um kommerzielle Starts bemüht. Da es keine innereuropäische Konkurrenz hat, muss man nichts befürchten.

Wenn man schon nicht SpaceX unterstützen will, wäre ein buy-not-American-Act besser. Da stände Ariane 6 noch in Konkurrenz zu Proton, womit man ja schon ebenfalls sehr gefordert wäre, siehe OneWeb.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 31. Mai 2018, 00:06:37
Am 28/29.5 tagte das EU-Council für Wettbewerb zum Thema Forschung, Innovation und Weltraum, in dem sich die zuständigen Minister der EU-Mitgliedstaaten beraten.

Man unterstrich die Bedeutung der Flagschiff-Programme Galileo und Copernicus, die man fortsetzen will.

Ziel der EU ist, einen autonomen, sicheren und effizienten Zugang zur Weltraum zu erreichen.

ESA-Chef Wörner konnte die ESA-Perspektive zur Europäischen Weltraumstrategie kundtun.

Nächste Woche sollen weitere Ergebnisse veröffentlicht werden.

http://www.consilium.europa.eu/en/meetings/compet/2018/05/28-29/ (http://www.consilium.europa.eu/en/meetings/compet/2018/05/28-29/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 01. Juni 2018, 09:03:31
Wörner bloggt wieder über das EU/ESA Verhältnis:
http://blogs.esa.int/janwoerner/2018/05/31/united-space-in-europe-united-europe-in-space/ (http://blogs.esa.int/janwoerner/2018/05/31/united-space-in-europe-united-europe-in-space/)

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. Juni 2018, 10:28:30
Er plädiert dafür, Doppelstrukturen in Europa zu vermeiden, eine europäische Raumfahrtagentur reicht aus, ESA sieht er als technische, die EU als politische Institution.

"To go beyond the existing structures would just be a small step for us but a giant leap for Europe."

Er bemüht eine große Vision für eine Anpassung von Strukturen, wobei mir unklar ist, was für eine Änderung das nun sein soll.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 01. Juni 2018, 15:21:33
Wörner bloggt wieder über das EU/ESA Verhältnis:
http://blogs.esa.int/janwoerner/2018/05/31/united-space-in-europe-united-europe-in-space/ (http://blogs.esa.int/janwoerner/2018/05/31/united-space-in-europe-united-europe-in-space/)

Warum bloss erinnert mich dass an ein Parteitagsprotokoll der SED?

1. Begruessung des ZK der SED
2. Kritiklose Lobhuddelei*
3. Wiederwahl des ZK der SED
4. Kaffeekraenzchen
5. Weiter so wie bisher....

*zumindest gab es damals ansatzweise Kritikpunkte
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: proton01 am 01. Juni 2018, 16:41:10
Da hast Du nicht richtig gelesen. Die Aussage ist doch ganz klar: Die EU soll die politischen Weichen stellen und dann die ESA die technische Durchsetzung machen lassen ohne sich da einzumischen. Dargestellt als win-win Situation.

Edit tomtom: Zitat entfernt
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 01. Juni 2018, 19:07:56
Und genau das wird nicht passieren. In den USA hat es nicht mal gereicht, die ULA gegen die NASA antreten zu lassen. Erst als die Privatwirtschaft in Form von BO und SpaceX in das Wasser gesprungen ist, kam Bewegung in die Sache. Bis sich da nichts in Europa tut, sehe ich dunkelschwarz. Einerseits waere es gut, ArianeSpace der Konkurrenz zu stellen, andererseits waere es sehr wahrscheinlich, dass mit dem Material, was man jetzt besitzt, AS ziemlich flott bankrott geht. Also wuerde man es wieder subventionieren und der Teufelskreis beginnt von neuem. Ich bin ausdruecklich fuer eine europaeische Raumfahrtorganisation, aber nicht um jeden Preis. Im uebrigen bin ich mal gespannt, wie lange der amerikanische Steuerzahler die NASA noch an der SLS basteln laesst. Spaetestens wenn NG und BFR wie geplant in wenigen Jahren fliegen, duerfte die naechste Kongressanhoerung stattfinden. Wenn man es da fuer finanziell sinnvoll haelt, SLS einzustampfen, dann wird das, anders als in Europa, auch passieren. Mag sein, dass ich das etwas zu schwarz male, aber ich kann an ArianeSpace derzeit nix toll finden. Das Letzte was da toll war, war Ariane 5 und das ist jetzt 20 Jahre her.

Edit tomtom: Zitat entfernt
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: proton01 am 01. Juni 2018, 19:30:31
Man kann sicher vieles kritisieren. Mache ich auch. Aber der Vergleich mit der SED ist doch eher eine Verharmlosung des Unrechtstaaats den es mal im östliche Teil Deutschlands gab. (Und das bitte nicht weiter diskutieren, sondern lieber sachliche Kritik am Thema üben).

Zum Vergleich mit ULA, BO, SpX:  Der Unterschied ist ja eben daß all diese durch institutionelle Flüge gegen sehr, sehr großzügige Bezahlung aufrechterhalten werden, was es ihnen ermöglicht am kommerziellen Markt dann mit Dumpingpreisen aufzutreten. Das geht eben, solange ausreichend institutionelle Missionen kommen. Und eben dieses fordert Charmeau jetzt ein, aber nur wie ausgemacht zu Marktpreisen, nicht, wie in den USA, zu quasi Subventionspreisen.

Und da soll eben die EU mithelfen, ausreichend viele instiutionelle Missionen auf der Ariane bereitzustellen. Man könnte ja z.B. verfügen daß Galileo nur Ariane (oder Vega) fliegt, damit das europäische Steuergeld auch in Europa bleibt.

Edit tomtom: Zitat entfernt
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 01. Juni 2018, 21:28:47
Wenn alleine die institutionellen Fluege den Boom ausgeloest haetten, muesste heute die ULA an der Spitze der Weltraumfahrt stehen. Mit grossem Abstand. Dem ist aber nicht so. Weder Branson, Bezos, oder Musk wurden von der Regierung aufgefordert, Raketen nach deren Anforderungsprofil zu bauen. Man hat erst mal Raketen gebaut, erst danach hat die Regierung insbesondere SpaceX unter die Arme gegriffen und zwar aus 3 Gruenden:

Unabhaengigkeit von russischer Raumfahrttechnik
Wiederaufnahme der bemannten Raumfahrt made in USA
Enorme Kosteneinsparung

Das man der ULA 2015 nicht den Stecker gezogen hat lag schlicht daran, dass man sich nicht alleine auf SpaceX oder vielleicht einen etwaigen anderen privaten Anbieter verlassen wollte. Das ist keine Interpretation von mir, dass wurde in den Kongressanhoerungen explizit so ausgedrueckt. Die Anhoerungen sind auf Youtube verfuegbar. Leider ist das sehr zeitaufwendig und ich kann das jetzt nicht raussuchen.

Inzwischen ist es natuerlich so, dass man SpaceX vermutlich wirklich mit Geld zuschei...t. Zum einen um die Raptortriebwerke fertig zu entwickeln und zum anderen um eine preiswerte “Speditionsfirma” zu unterstuetzen. Denn trotz grosszuegiger Bezahlung sind die immernoch sehr billig. Auch fuer den US Steuerzahler. Um jetzt den Bogen zu ESA und ArianeSpace zu spannen. Ich sehe viele Probleme:

Man stellt sich nicht dem Wettbewerb
Man ist nicht wettbewerbsfaehig
Es gibt keine Konkurrenz in Europa
Zuviele politische Restriktionen und Grabenkaempfe machen eine Wettbewerbsfaehigkeit unmoeglich
und gibt es eigentlich eine Vision, so ne Art Matchplan 2030 oder 2050? Marsbesiedlung? Nutzbarer Ionenantrieb fuer grosse Raumschiffe?

Was macht man eigentlich, wenn BFR, NG und SLS wirklich fertig entwickelt werden? Die Ariane 6 als Booster vermarkten?

Der ESA mehr Handlungspielraum zu geben, wird nicht reichen. Vermutlich muss da erst der ganze alte Mief raus und junge Leute rein. Dann kann man aber auch gleich ne neue Firma gruenden, wie SpaceX, Blue Origin, etc. Aber dafuer fehlen in Europa die Milliardaere mit visionaerem Denken. Je mehr ich darueber nachdenke, sehe nicht mal einen Loesungsansatz wie man den Karten aus dem Dreck ziehen soll. Vielleicht einen richtig ambitionierten Plan aufstellen und dann ausreichend Geld investieren, wobei ein Teil dieser Gelder als Venturekapital in Startups fliessen muss, um innovative Ansaetze und Loesungen fuer die Raumfahrt von morgen zu entwickeln. Die Milliarden koennen ja aus der Ruestung abgezogen werden und dann wieder im Haushalt als Ruestungsausgaben deklariert werden, nur mit dem Unterschied, dass die nicht in sagen wir mal neue Panzer fliessen, sondern in Raketentechnologien, denn machen wir uns nix vor, das Militaer sind sowieso die ersten, die mit den neuen Spielsachen spielen duerfen.

Mein Fazit: Entweder man laesst das mit der europaeischen Raumfahrt ganz bleiben, oder man ist bereit, mit den richtigen Leuten mit Visionen, frischen Ideen und viel Geld wieder wettbewerbsfaehig zu werden. Dieses politische Geplaenkel und einer GmbB (Gesellschaft mit beschraenktem Budget) ist nichts als rausgeschmissenes Geld fuer Silvesterknaller die die Welt nicht braucht.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. Juni 2018, 21:58:19
Was für ein Rundumschlag - ich versuche mal zu sortieren.

Du kritisierst Arianespace/Arianegroup, die sich aber als JointVenture gegründet haben und eine kommerzielle Basis (Airbus) darstellt.
Du kritisierst die fehlende Vision, die EU hat aber eine Strategie (Galileo/Copernicus) - ok, muß einem nicht gefallen, aber ist so. Ändere das mal. ;)
Du kritisierst die ESA, die nicht mehr auf Konkurrenz setzt.

Deine Vorstellung ist wohl, dass es ein europäisches SpaceX geben sollte - ein Startup, ein innovatives, mit einem charismatischen Unternehmer und ein bisschen verrückt mit vielen Versprechungen und gepushed mit reichlich Steuergeld. Ja, davon sprechen viele.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 01. Juni 2018, 22:21:55
Was für ein Rundumschlag - ich versuche mal zu sortieren.

Du kritisierst Arianespace/Arianegroup, die sich aber als JointVenture gegründet haben und eine kommerzielle Basis (Airbus) darstellt.
Du kritisierst die fehlende Vision, die EU hat aber eine Strategie (Galileo/Copernicus) - ok, muß einem nicht gefallen, aber ist so. Ändere das mal. ;)
Du kritisierst die ESA, die nicht mehr auf Konkurrenz setzt.

Deine Vorstellung ist wohl, dass es ein europäisches SpaceX geben sollte - ein Startup, ein innovatives, mit einem charismatischen Unternehmer und ein bisschen verrückt mit vielen Versprechungen und gepushed mit reichlich Steuergeld. Ja, davon sprechen viele.

Galileo ist nicht schlecht, man muss mir nur mal erklaeren, wieso man damit erst 25 Jahre nach GPS und Glonass um die Ecke kommt? Dass es im Endeffekt 50 Prozent teurer war als geplant, geschenkt. Aber 25 Jahre spaeter als die Konkurrenz? Das meine ich mit Visionen. In den USA und Russland wurde es entwickelt, weil man der Meinung war, es koennte sinnvoll sein. Galileo wurde in Angriff genommen, als es gebraucht wurde. Soll das in Zukunft so weiter gehen? Will man immer hinterherhecheln? Viel Spass.

Und haben nicht gerade die privaten Visionaere die USA aus dem Dornroeschenschlaf geweckt. Womit hat denn die NASA ohne Budget und ohne Visionen nach dem Shuttle die Menschen begeistert? Was soll uns Hoffnung machen, dass eine Strukturreform irgendwo Besserung in der europaeischen Raumfahrt bringt? Und wenn viele ueber den verrueckten Musk sprechen, der hat es zumindest geschafft, dass der amerikanische Steuerzahler wieder bereit ist, Geld fuer die Raumfahrt als sinnvolle Ausgabe zu erachten! Er hat dafuer gesorgt, dass das Establishment aufgeschreckt wurde. Was ist also schlecht, wenn viele Menschen davon reden? Und gepusht mit reichlich Steuergeld? Die Frage muss wohl laufen, warum macht das die US Regierung und wann hat sie damit angefangen? Und was passiert mit den Steuergeldern? Im Gegensatz zur europaeischen Raumfahrt kann ich mir vorstellen was SpaceX damit anstellt.

Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich wette, in 10 Jahren ist entweder die europaeische Raumfahrt am Ende, oder wir fuehren die Diskussion des “Rundumschlags” von vorne.

PS: Ich war in den 90iger Jahren begeistert, die Ariane fliegen zu sehen. Ich war begeistert, das Shuttle fliegen zu sehen. Ich war von der MIR begeistert. Nationalitaeten haben mich dabei nie interessiert. Wie soll ich aber von einem Konstrukt begeistert sein, dass seine Marktfuehrerschaft in buerokratischem Geplaenkel verloren hat und heute in Selbstmitleid ertrinkt? Also ja, ein europaeisches SpaceX und ein europaeisches BO waeren richtig toll.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 02. Juni 2018, 07:59:24
Stell dir vor, Raumfahrt geht nicht nur um Raketenstarts.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 02. Juni 2018, 08:52:53
Stell dir vor, Raumfahrt geht nicht nur um Raketenstarts.

Dann kann man sich doch gleich auf diese Kompetenzen konzentrieren. Ich lass das jetzt mal bleiben. Ich habe meine Meinung mehr als genug zum Ausdruck gebracht.  ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 02. Juni 2018, 11:10:30
Das sollte auch kein Argument gegen deine Inhalte zum Thema europäische Launcher sein.
Da bin ich anderer Meinung und ich könnte mir auch den Aufwand machen, dir an einigen Stellen zu zeigen, an denen du schlicht falsches als Grundlage für deine Meinung genommen hast, aber das wurde hier alles schon so oft gemacht und trotzdem werden diese Sachen immer wieder genannt, da bin ich es einfach Leid darauf einzugehen

Aber du hast jetzt mehrfach gemeint, die europäische Raumfahrt sei am Ende, die ESA sei am Ende, man solle europäische Raumfahrt bleiben lassen, europäische Raumfahrt nicht um jeden Preis, das letzte gute europäische Raumfahrtprojekt ist 20 Jahre her, usw. Und daher wollte ich dich einfach mal daran erinnern, dass für manche Leute Raketenstarts kein Selbstzweck sind sondern eine Mission erst dann richtig los geht, wenn der Start zu Ende ist.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 02. Juni 2018, 11:46:38
Das sollte auch kein Argument gegen deine Inhalte zum Thema europäische Launcher sein.
Da bin ich anderer Meinung und ich könnte mir auch den Aufwand machen, dir an einigen Stellen zu zeigen, an denen du schlicht falsches als Grundlage für deine Meinung genommen hast, aber das wurde hier alles schon so oft gemacht und trotzdem werden diese Sachen immer wieder genannt, da bin ich es einfach Leid darauf einzugehen

Aber du hast jetzt mehrfach gemeint, die europäische Raumfahrt sei am Ende, die ESA sei am Ende, man solle europäische Raumfahrt bleiben lassen, europäische Raumfahrt nicht um jeden Preis, das letzte gute europäische Raumfahrtprojekt ist 20 Jahre her, usw. Und daher wollte ich dich einfach mal daran erinnern, dass für manche Leute Raketenstarts kein Selbstzweck sind sondern eine Mission erst dann richtig los geht, wenn der Start zu Ende ist.

Was glaubst Du, wie lange die Privatwirtschaft diesen Sektor noch ignoriert, wenn man auch damit Geld verdienen kann? Die fangen ja jetzt schon an, eigene Satelliten zu bauen. Und da meine ich noch nicht mal Iridium&Co Das ist doch nur der Anfang. Private Raumfahrt gibt es seit gerade einmal 15 Jahren, wie lange glaubst Du, brauchen die, um auch in andere Bereiche vorzudringen? Heute ist doch nix laenger als 6 Monate in Stein gemeiselt. Galileo hat von der Planung bis zur Realisierung knapp 20 Jahre gedauert. Wie lange wird es wohl dauern, bis z.B. das LEO Satelliten Internet installiert sein wird und wenn erfolgreich, wie lange wird man in Europa brauchen, um was aehnliches zu bauen.

Es gibt keine richtige oder falsche Meinung zum Thema. Nur die Zeit wird zeigen, wer die richtige Strategie hat und fuer die Zukunft gut aufgestellt ist. Meine Meinung ist halt die, dass die Glanzeiten der europaeischen Raumfahrt in den 90iger Jahren zu finden sind, seit dem geht es kontinuierlich bergab.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 02. Juni 2018, 14:19:08
Und daher wollte ich dich einfach mal daran erinnern, dass für manche Leute Raketenstarts kein Selbstzweck sind sondern eine Mission erst dann richtig los geht, wenn der Start zu Ende ist.

Umgekehrt wird allerdings auch ein Schuh draus. Zumindestens die EU hat das Launcher-Thema komplett ausgeklammert und nur die Nutzung in den Blick genommen.

Im weiteren will man die Raumfahrtpolitik in Richtung Digitalisierung entwickeln.
http://www.consilium.europa.eu/de/policies/eu-space-programmes/ (http://www.consilium.europa.eu/de/policies/eu-space-programmes/)

Das ist natürlich nicht verkehrt, aber nicht unbedingt inspirierend.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 06. Juni 2018, 00:10:01
Die EU will in kürze ein Papier zur Raumfahrtpolitik veröffentlichen, in der die GSA als Agentur für Galileo neu positioniert wird. Die ESA bleibt zwar für Beschaffungen für die EU zuständig, aber manche befürchten eine Konkurrenz zwischen ESA und GSA.

Die Probleme bei der Galileo-Beschaffung und dem Brexit sollen nun durch Mehrheitsentscheid möglich werden. Nicht EU-Länder sollen Programme der EU nicht blockieren dürfen.

https://www.ft.com/content/8b37b0ea-68d6-11e8-8cf3-0c230fa67aec (https://www.ft.com/content/8b37b0ea-68d6-11e8-8cf3-0c230fa67aec)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 06. Juni 2018, 09:43:01
Heute wird das 16 Milliarden EU Raumfahrtbudget für 2021-2027 vorgestellt:
https://twitter.com/EBienkowskaEU/status/1004266053256572929 (https://twitter.com/EBienkowskaEU/status/1004266053256572929)

Das sind über 2 Milliarden Euro pro Jahr. Jetzt nochmal verdoppeln und der EU Anteil an der ESA-Finanzierung ist größer als der Rest von den Mitliedsstaaten. Dann kann man es eigentlich auch alleine machen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 06. Juni 2018, 15:13:44
ESA-Chef Wörner schlägt vor, dass die EU das Budget auf der Ministerratskonferenz koordinieren solle. Dabei sollen Nicht-EU Länder kein Stimmrecht haben.

https://www.ft.com/content/84a5406c-67ff-11e8-8cf3-0c230fa67aec (https://www.ft.com/content/84a5406c-67ff-11e8-8cf3-0c230fa67aec)

Als wäre die Entscheidungsfindung nicht schon komplex genug. ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 06. Juni 2018, 16:00:39
ESA-Chef Wörner schlägt vor, dass die EU das Budget auf der Ministerratskonferenz koordinieren solle. Dabei sollen Nicht-EU Länder kein Stimmrecht haben.

https://www.ft.com/content/84a5406c-67ff-11e8-8cf3-0c230fa67aec (https://www.ft.com/content/84a5406c-67ff-11e8-8cf3-0c230fa67aec)

Als wäre die Entscheidungsfindung nicht schon komplex genug. ;)

Ich lach mich schlapp. :D Wenn Nicht-EU Länder kein Stimmrecht haben sollen, dann können wir die ESA gleich abschaffen und eine EU Agentur machen. Dabei hat er in seinem letzten Blogeintrag noch von der ESA rumgeschwärmt, die verschiedene Interessen aufnehmen würde von EU, Mitgliedstaaten etc. pp.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 06. Juni 2018, 19:36:41
Aha, die GSA wird umbenannt in "'EU Agency for the Space Programme" !

Die EU will keine Galileo Agentur, sondern eine für ihre Raumfahrtprogramme.
Also ja, die Einwände der ESA sind nachvollziehbar - eine Lösung (Reform) aber weder bei der ESA noch der EU nicht in Sicht.
Und das Launcherthema mit Wiederverwendbarkeit hat man sich auch gleich auf die Fahne geschrieben.

Galileo sollte mal 3,4 Mrd kosten, dann 5,2 - jetzt also weitere 9,7 Mrd. - dafür könnte man viele spannende Projekte machen.

https://ec.europa.eu/growth/content/eu-budget-%E2%82%AC16-billion-space-programme-boost-eu-space-leadership-beyond-2020_en (https://ec.europa.eu/growth/content/eu-budget-%E2%82%AC16-billion-space-programme-boost-eu-space-leadership-beyond-2020_en)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 06. Juni 2018, 19:50:44
Aha, die GSA wird umbenannt in "'EU Agency for the Space Programme" !

Exzellente Nachrichten! 8)

Zitat
The European Global Navigation Satellite Systems Agency, to be renamed the 'EU Agency for the Space Programme', will increasingly support the exploitation and market uptake of EU space activities and play an increased role in ensuring the security of all the components of the programme.
Fokus liegt wohl erstmal auf Raumfahrtanwendungen und Sicherheit.

Hier das Gründungsdokument der EU Raumfahrtagentur:
https://ec.europa.eu/commission/sites/beta-political/files/budget-june2018-space-programme-regulation_en.pdf (https://ec.europa.eu/commission/sites/beta-political/files/budget-june2018-space-programme-regulation_en.pdf)

Zitat
This Regulation establishes the European Union Agency for the Space Programme ('Agency')
that  replaces  and  succeeds the  European  GNSS  Agency  established  by  Regulation  (EU) No 912/2010 and lays down the rules of operation of the Agency.

Ein historischer Moment, viel wichtiger als andere Events heute.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 06. Juni 2018, 20:24:38
Artikel 3, Ziffer (d)
Zitat
a  space  surveillance  and  tracking  system  aiming  to  improve,  operate  and  provide  data, information  and  services  related  to  the  surveillance  and  tracking  of active  and  inactive spacecraft, discarded launchers stages, debris and debris fragments that orbit around the Earth and  complemented  by  observational  parameters  related  to  space  weather  events  and  the  risk of near earth objects ('NEOs') approaching earth monitoring (‘SST’);

Die EU macht bei Weltraumüberwachung jetzt ernst.

Ziffer (e)
Zitat
a   governmental   satellite   communications   service   enabling   the   provision   of   satellite communications  services  to  Union  and  Member  State  authorities  managing  security  critical missions and infrastructures (‘GOVSATCOM’)
Sichere Satellitenkommunikation ist jetzt auch ein Schwerpunkt.

Zitat
Article 5
Access to space
The Programme shall support:
(a) provision of launching services for the needs of the Programme;
(b) development activities linked to autonomous, reliable and cost-efficient access to space;
(c) where this is required for the needs of the Programme, the necessary adaptations to the space
ground infrastructure.
Der Zugang zum All soll autonom, zuverlässig und kosteneffizient sein. Und Bodeninfrastruktur soll bezahlt werden, da freut sich CNES.

Zitat
The Commission shall conclude with the Agency and the European Space Agency a financial framework partnership agreement as provided for in [Article 130] of the Financial Regulation. That financial framework partnership agreement shall:
–clearly  define  the  responsibilities  and obligations  of  the  European  Space  Agency  with
regard to the Programme;
–require  that  the  European  Space  Agency  complies  with  the  security  rules  of  the  Union
programme, in particular with regard to the processing of classified information;
Eieiei, das dürfte schwierig werden.

Zitat
The Agency shall be represented by its Executive Director.
Der EU Direktor dürfte mehr zu sagen haben als der ESA DG.

Zitat
The seat of the Agency shall be located in Prague (Czech Republic).
Die Agentur sitzt in Prag, das war zu erwarten.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 06. Juni 2018, 21:12:02
Aha, die GSA wird umbenannt in "'EU Agency for the Space Programme" !

Die EU will keine Galileo Agentur, sondern eine für ihre Raumfahrtprogramme.
Also ja, die Einwände der ESA sind nachvollziehbar - eine Lösung (Reform) aber weder bei der ESA noch der EU nicht in Sicht.
Und das Launcherthema mit Wiederverwendbarkeit hat man sich auch gleich auf die Fahne geschrieben.

Galileo sollte mal 3,4 Mrd kosten, dann 5,2 - jetzt also weitere 9,7 Mrd. - dafür könnte man viele spannende Projekte machen.

https://ec.europa.eu/growth/content/eu-budget-%E2%82%AC16-billion-space-programme-boost-eu-space-leadership-beyond-2020_en (https://ec.europa.eu/growth/content/eu-budget-%E2%82%AC16-billion-space-programme-boost-eu-space-leadership-beyond-2020_en)

Ich waehne mich gerade im falschen Film! Wozu braucht Galileo nochmal 9,7 Mrd. Euro? 60 Prozent des Raumfahrtetats. Ernst gemeinte Frage. Copernicus kann ich nachvollziehen, ansonsten ist das doch bloss Stuehleruecken und massive Verschwendung von Steuergeldern. Prag als Standort macht Sinn. In Tschechien ist das Bier nach wie vor sehr preiswert.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 07. Juni 2018, 08:55:00
Keine Ahnung, wie die EU auf 9,7 Mrd für den Zeitraum 2021-27 kommt, aber anscheinend waren für 2014-20 bereits knapp über 7 Mrd. für die Aufbauphase eingeplant.

Das Galileo eine Dauerinvestition ist, wird man lernen müssen. Wegen des Brexit soll es a) mehr für die einzelnen Länder kosten und b) möglicherweise Mehrkosten geben.

Interessanterweise steht aber Oettinger als EU-Haushaltskommissar voll hinter Galileo. Aber erstmal ist das nur der Vorschlag der Kommission und die Mitgliedsstaaten müssen noch zustimmen (und dann bezahlen).

https://uk.finance.yahoo.com/news/brexit-game-changer-eu-spending-says-commission-amid-criticism-cuts-111333771.html (https://uk.finance.yahoo.com/news/brexit-game-changer-eu-spending-says-commission-amid-criticism-cuts-111333771.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 07. Juni 2018, 09:03:14
Es müssen halt regelmäßig Satelliten nachgeschossen werden. Außerdem sollen die Satelliten auch verbessert werden.

Die Amerikaner pumpen auch viel Geld ins GPS (2014):
http://spacenews.com/40068us-air-force-orders-two-more-gps-3-satellites/ (http://spacenews.com/40068us-air-force-orders-two-more-gps-3-satellites/)

Zitat
As of late last year, the estimated cost of the GPS 3 space segment through the first eight satellites was $4.4 billion, including nearly $2.8 billion for development and $1.6 billion for procurement, according to a newly released U.S. Government Accountability Office report on military acquisition programs. That translates into an average amortized cost of $547 million per satellite, a 5.6 percent increase from 2008 estimates, the report said.
Das GPS 3 Segment kostet über 500 Millonen Dollar pro Satellit (inkl Entwicklungskosten)

Oder hier noch teurer (2015):
http://spacenews.com/gps-3-sat-ground-segment-costs-rose-1b-in-last-year/ (http://spacenews.com/gps-3-sat-ground-segment-costs-rose-1b-in-last-year/)
Zitat
In its annual space acquisition report to Congress April 29, the GAO said the current price tag for the GPS 3 program is $4.9 billion for the satellites and $4.1 billion for the ground system, known as the Operational Control Segment, or OCX. Those figures are up from $4.4 billion and $3.5 billion, respectively, from the same report last year.
GPS 3 kostet 4,9 Milliarden für die Satelliten und 4,1 Milliarden für das Bodensegment.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 07. Juni 2018, 11:04:59
Die ESA nimmt Stellung zum EU-Vorhaben, findet das gut, will ein Partnerschaftsabkommen über den Finanzrahmen zwischen EU und ESA verhandeln und verspricht volle Transparenz.

"Wir werden uns über die Weiterentwicklung unserer Beschlussfassungsverfahren Gedanken machen, was nach Ansicht des ESA-Generaldirektors notwendig ist, um die Verwirklichung von Weltraumprogrammen der EU durch die ESA und die mögliche Beteiligung der EU an fakultativen Programmen der ESA zu erleichtern.

Wir werden die Einzelheiten der Verordnung eingehend prüfen und den spezifischen Inhalt mit den ESA-Mitgliedstaaten erörtern."

http://www.esa.int/ger/For_Media/Press_Releases/Europaeische_Weltraumorganisation_begruesst_Vorschlag_der_Europaeischen_Kommission_zu_Weltraumtaetigkeiten (http://www.esa.int/ger/For_Media/Press_Releases/Europaeische_Weltraumorganisation_begruesst_Vorschlag_der_Europaeischen_Kommission_zu_Weltraumtaetigkeiten)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 07. Juni 2018, 12:10:21
Die ESA [...] verspricht volle Transparenz.

Oh wer entdeckt das Oxymoron in diesem Satz?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 07. Juni 2018, 15:02:33
Die ESA [...] verspricht volle Transparenz.

Oh wer entdeckt das Oxymoron in diesem Satz?

Da gibt es mehrere. Welches meinst Du.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 07. Juni 2018, 17:47:01
Na da haben sich ja zwei gefunden...   ::)

Was ist denn an EU so hui aber an der ESA pfui?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 07. Juni 2018, 18:25:39
Michael Khan kommentiert das EU-Vorhaben und interpretiert, dass anscheinend die ESA "zunächst noch weiter bestehen soll."

Eine EU Agentur sei im Prinzip zwar die richtige Entscheidung, aber eine Zersplitterung in diverse nationale und internationale Agenturen ist ein Schwächung gegenüber USA, Russland und China.

https://scilogs.spektrum.de/go-for-launch/die-eu-bekommt-eine-raumfahrtagentur/ (https://scilogs.spektrum.de/go-for-launch/die-eu-bekommt-eine-raumfahrtagentur/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 07. Juni 2018, 18:31:43
Was ist denn an EU so hui aber an der ESA pfui?

Die EU macht eine Reform nach der anderen und baut das Raumfahrtengagement in Rekordzeit aus. Die Geldmittel haben sich in den letzten 10 Jahren vervielfacht. Jetzt rettet die EU mit dem Buy European Act noch die Ariane 6 vor dem Untergang.

Erst Galieo, dann Copernicus, jetzt Weltraumüberwachung und GovSatCom.

Mir ist jetzt keine größere strukturelle Reform in Erinnerung, die die Ministerratskonferenz durchgewunken hat. Die Geldmittel der ESA sind ja auch hauptsächlich wegen der EU gestiegen. Der Geo Return wird weiter ohne Kompromisse durchgezogen.

Die letzten 10 Jahre zeigen doch eindeutig, dass wenn es eine Veränderung in Europas Raumfahrt gibt, dann kommt sie aus Brüssel.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 07. Juni 2018, 19:34:17
Was ist denn an EU so hui aber an der ESA pfui?

Die EU macht eine Reform nach der anderen und baut das Raumfahrtengagement in Rekordzeit aus. Die Geldmittel haben sich in den letzten 10 Jahren vervielfacht. Jetzt rettet die EU mit dem Buy European Act noch die Ariane 6 vor dem Untergang.

Erst Galieo, dann Copernicus, jetzt Weltraumüberwachung und GovSatCom.

Mir ist jetzt keine größere strukturelle Reform in Erinnerung, die die Ministerratskonferenz durchgewunken hat. Die Geldmittel der ESA sind ja auch hauptsächlich wegen der EU gestiegen. Der Geo Return wird weiter ohne Kompromisse durchgezogen.

Die letzten 10 Jahre zeigen doch eindeutig, dass wenn es eine Veränderung in Europas Raumfahrt gibt, dann kommt sie aus Brüssel.

Dafuer sorgt die EU aber, dass ein richtiges Chaos herrscht, wer was basteln darf. Ein richtiges Rettungspaket fuer Ariane 6 kann ich auch nicht erkennen, fuerchte aber, dass da “nachgebessert” wird, wenn erforderlich. Ehrlich gesagt sehe ich ueberall ueberbordende Buerokratie...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: TWiX am 08. Juni 2018, 08:48:32
Also ich finde, eine EU-Raumfahragentur ist an und für sich eine gute Sache, allerdings sollte sie dann nach und nach auch mit den Kompetenzen und Geldmitteln versehen werden, damit dies auch glaubwürdig gelingt. Der einfachste, wenn auch politisch wahrscheinlich sehr beschwerliche Weg dahin wäre eigentlich, die nationalen Raumfahrtagenturen nach und nach in der EU-Agentur aufgehen zu lassen und, sobald man mit den nicht-EU-Mitgliedern eine Übereinkunft (z.B. Mitgliedschaft wie in der Zollunion, sprich als assoziiertes Mitglied oder ähnlichem) gefunden hat, auch die ESA aufzulösen. Klar, das wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber meiner Meinung nach hat heutzutage nur noch in Form der EU Europa die notwendige Stärke, um großangelegte Raumfahrtprojekte durchzuführen. Neben den strategischen Programmen, die wohl jetzt schon bei der EU landen werden auch Missionen im Bereich der unbemannten und bemannten Raumfahrt...
Hätte vllt zusätzlich den positiven Nebenaspekt der Identifikation mit der EU, so, wie man beispielsweise die USA immer mit der Mondlandung verbindet, die EU dann eben mit einem von ihr durchgeführten Projekt...

Wäre es eigentlich nicht sinnvoll, für die EU Agency for the Space Programme ein eigenes Thema aufzumachen?


Edit tomtom: ich hab einen älteren Thread dafür umbenannt:
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=13483.0 (https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=13483.0)

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 08. Juni 2018, 09:14:20
Wir müssen das wohl noch etwas besser trennen/aufdröseln.

Ich erwarte nicht, dass die die EU-Agentur ein vergleichbarer Koloss wird, wie die ESA, also mit verschiedenen Kompetenzzentren wie ESTEC, ESRIN, ESAC ... ich erwarte eher eine "reine" Management-Agentur, die die großen Aufträge der EU-Raumfahrt managt: Sie bekomment von der EU eine Strategie und plant dann die Projekte und vergibt die Aufträge, um die Strategie zu erfüllen. Realisiert werden die Aufträge dann durch den jeweiligen Gewinner der Ausschreibungen.
Die ESA könnte mit ihren Kompetenzen und Ressourcen dann da vielleicht auch Empfänger sein (keine Ahnung, ob das politisch passt). Sie wird aber wohl einige Themen abgeben müssen, alles was "europäische (Anwendungs-)Raumfahrtinfrastruktur ist", also Galileo, Copernicus, Träger ... Dafür könnte sie sich auf Forschung und Exploration konzentrieren, mit eigenem ESA-Budget. Ich erwarte derzeit nicht, dass die EU in dem Feld mitspielen will.
Die nationalen Agenturen wird es sicher weiter geben, da es auch weiterhin, eigenständige Raumfahrtprogramme und -missionen in den Ländern gibt. Wir lösen ja auch nicht die anderen Behörden auf, nur weil die EU die Themen mitreguliert.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 08. Juni 2018, 09:26:26
Dass die EU Trägerraketen macht, sehe ich bisher nicht. Im Gründungsdokument steht davon nichts. Geld gibts nur für Copernicus, Galileo, Weltraumüberwachung und GovSatCom.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 08. Juni 2018, 09:48:17
Zumindestens der politische Wille und erklärtes Ziel dazu scheint aber gegeben zu sein:

"Reinforce the EU's capacity to have a guaranteed access to space and space services. Space capacities are so strategic that the EU must mitigate dependence on external actors to build, launch and operate satellites; it must preserve its freedom of action and autonomy of decision. The Space Programme therefore supports innovative EU efforts to remain competitive in the launcher sector and the wider space sector"
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=COM%3A2018%3A321%3AFIN (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=COM%3A2018%3A321%3AFIN)

Verschiedene Kompenzzentren in der EU sind bestimmt nicht auszuschließen, auch da gibt es immer den Druck die diversen Länder mit regionalen Standorten zu beglücken. Da macht die EU gegenüber der ESA oder dem DLR sicher keine Ausnahme.

Exploration und bemannt Raumfahrt schließt die EU bisher vehemend aus, wobei eigentlich gerade das eine EU-Identität schaffen könnte.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 08. Juni 2018, 09:50:10
Derzeit nicht, das stimmt. Aber langfristig erwarte ich das. Die EU wird sich allem annehmen, was "europäische Infrastruktur" ist und mit Budget versehen. Da würden dann eines Tages auch Träger dazu gehören.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Kryo am 08. Juni 2018, 10:00:00
Gibt es ja schon in Teilen, z.b. 10 Mio € Preis für den Small Sat launcher
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 08. Juni 2018, 11:01:59
Gibt es ja schon in Teilen, z.b. 10 Mio € Preis für den Small Sat launcher

Den gibt es bei Rocketlab laut Preisliste fuer 5.7 Mio. $. Exakt zum halben Preis!
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: TWiX am 08. Juni 2018, 11:12:48
Gibt es ja schon in Teilen, z.b. 10 Mio € Preis für den Small Sat launcher

Den gibt es bei Rocketlab laut Preisliste fuer 5.7 Mio. $. Exakt zum halben Preis!
Ich glaube, Kryo meint Preis im Sinne von Siegespreis, nicht im Sinne von Kaufpreis...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Kryo am 08. Juni 2018, 12:03:53
Gibt es ja schon in Teilen, z.b. 10 Mio € Preis für den Small Sat launcher

Den gibt es bei Rocketlab laut Preisliste fuer 5.7 Mio. $. Exakt zum halben Preis!

selbst wenn ich von einem launcher preis reden würde, wäre deine Aussage nicht sinnvoll, weil ein Mini Launcher kann auch 10 Mio $ kosten, wenn er 300-400 kg in den Orbit bringt, oder 15 Millionen wenn er 600-800 kg in den Orbit bringt. Aber wie TWiX schon schrieb, geht es um ein Preisgeld für die erste Firma, die es schafft.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 08. Juni 2018, 12:37:33
Gibt es ja schon in Teilen, z.b. 10 Mio € Preis für den Small Sat launcher

Den gibt es bei Rocketlab laut Preisliste fuer 5.7 Mio. $. Exakt zum halben Preis!
Ich glaube, Kryo meint Preis im Sinne von Siegespreis, nicht im Sinne von Kaufpreis...

Achso, wusste ich gar nicht. Danke
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: LeavingOrbit am 19. Juni 2018, 10:33:22
Airbus-Chef Tom Enders hat Ende Mai an Merkel und Macron geschrieben, mit CC an Edouard Philippe, Bruno Le Maire und Frédérique Vidal sowie Peter Atlmaier und Olaf Scholz. Enders greift frontal die ESA und die nationalen Raumfahrtagenturen an und wirft ihnen vor, in der internationalen Raumfahrt den Anschluss verpasst zu haben. Er will, dass die Raumfahrtindustrie jetzt direkt mit den Staaten verhandelt und Deutschland + Frankreich dabei die Vorreiter spielen.

https://www.latribune.fr/entreprises-finance/industrie/aeronautique-defense/europe-spatiale-la-bombe-de-tom-enders-782059.html (https://www.latribune.fr/entreprises-finance/industrie/aeronautique-defense/europe-spatiale-la-bombe-de-tom-enders-782059.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 22. Juni 2018, 07:24:14
Bei der ESA hört man jetzt schon den Satz: Wir werden wieder zur ESRO ... also wissenschaftliche Raumfahrt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 22. Juni 2018, 09:23:23
Bei der ESA hört man jetzt schon den Satz: Wir werden wieder zur ESRO ... also wissenschaftliche Raumfahrt.

Und das ist doch eine gute Nachricht.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 22. Juni 2018, 09:28:24
Ich bin da auch ganz offen ... aber den Mitarbeitern der ESA mag so ein "de-scope" natürlich erstmal nicht schmecken.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 22. Juni 2018, 11:01:12
Bei der ESA hört man jetzt schon den Satz: Wir werden wieder zur ESRO ... also wissenschaftliche Raumfahrt.

Und das ist doch eine gute Nachricht.

Das scheint ja auch der Weg der NASA zu sein. Macht auch Sinn. Private Unternehmen werden immer den kurz- respektive mittelfristigen Nutzen sehen. Wissenschaft ist langfristig angelegt.  Von daher, warum nicht?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Juni 2018, 08:15:56
USA überlegen Truppenabzug aus Europa: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/amerika-prueft-angeblich-truppenabzug-aus-deutschland-15667199.html (http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/amerika-prueft-angeblich-truppenabzug-aus-deutschland-15667199.html)

Truppenabzug aus Ramstein + Brexit => nur noch französische Atomwaffen in EU => Panik bei den Politikern => Deal mit Frankreich über Nukleare Teilhabe und mehr => Frankreich will Geld von anderen EU Staaten => allgemeine nukleare Aufrüstung in Europa => mehr Geld für die M51 =>  Loslösung von M51 und Ariane möglich => Wiederverwendbare reine Flüssigariane möglich
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Kryo am 30. Juni 2018, 11:37:31
reine Flüssigariane ist doch eh am Kommen mit dem Prometheus Konzept.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 30. Juni 2018, 15:47:10
reine Flüssigariane ist doch eh am Kommen mit dem Prometheus Konzept.

Ja die Ariane 6 war mit SCORE-D Nachfolger oder Feststoff auch mal im Kommen, ohne Ministerratsbeschluss glaube ich gar nichts.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. Juli 2018, 09:46:45
Die Wirtschaftsminister von Deutschland und Frankreich vereinbarten in Meseberg die Wettbewerbsfähigkeit in der EU durch strukturelle Reformen und Investitionen zu verbessern. Im Raumfahrtsektor sieht man aus bekannten Gründen offensichtlich auch Handlungsbedarf, so dass dieser explizit in der Vereinbarung ausgeführt wird.

Beide Seiten wollen die Ariane 6, die Forumulierung lautet jetzt: Maximierung der Verwendung für staatliche Missionen, wie es auch andere Länder machen.

Die ESA soll für die Trägerweiterentwicklung für marktgerechte Systeme zuständig sein!

Satelliten und Anwendungen sollen gefördert werden. SST will man machen. "European NewSpace" will man machen. Galileo soll die Autonomie der EU demonstrieren.

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/G/german-french-paper-enhancing-the-competitiveness-of-the-eu.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/G/german-french-paper-enhancing-the-competitiveness-of-the-eu.pdf?__blob=publicationFile&v=4)

Was sich jetzt nicht in dem Papier findet, ist eine neue Raumfahrtinitiative oder ein Statement zur bemannten Raumfahrt (ISS). Liegt vielleicht daran, dass das nicht ein Anliegen der Wirtschaftsminister ist.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 01. Juli 2018, 09:54:48
Die ESA soll für die Trägerweiterentwicklung für marktgerechte Systeme zuständig sein!

Ahja. Weiter Geo Return bei Ariane aber marktgerecht. Das wird ein Flop.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 01. Juli 2018, 10:26:07
Vielleicht muß ich korregieren, die ESA soll Technologieentwicklung im Träger-Bereich durchführen.

Das ist aber auch nichts Neues und war in der Vergangenheit vielleicht nicht so effektiv wie der Wettbewerb. Der Geo-Return bleibt das wichtigste Element.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 02. Juli 2018, 11:54:39
Wie muss man das verstehen?

“marktgerechte Systeme”

“Maximierung der Verwendung fuer staatliche Verwendung”

Werden die Programme in der EU auch mal Korrektur gelesen?

Bei solch widersprüchlichen Programmtexten muss man Tobi Recht geben. Das wird ein Flop.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 02. Juli 2018, 12:11:52
"marktgerecht" habe ich im Dokument jetzt nicht gefunden ...

Zitat
In the field of launchers, Germany and France reaffirm their full support for the Ariane 6 program of the European Space Agency in order to maintain access to space thanks to a launcher more competitive than Ariane 5. The two countries will work to maximize the use of European launchers for institutional missions, similarly to other major space powers. In addition, Germany and France continue their cooperation, especially within ESA, on the development of breakthrough technologies in the field of launchers.

Da steht nur, dass die A6 konkurrenzfähiger sein soll als die A5 (ein dehnbarer Begriff, der auf alle möglichen Marktsegmente anwendbar ist) und dass DE und FR daran arbeiten die Nutzung der A6 bei staatliche Missionen zu maximieren (das ist eine regulatorische Aussage, keine Aussage zum Design).
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 02. Juli 2018, 12:44:53
"marktgerecht" sind Systeme, die hinsichtlich Leistung, Qualität und Preis wettbewerbsfähig sind.

Ich hatte mich bzgl. Übersetzung schon korregiert, weise aber nochmal darauf hin, dass das ganze Papier unter dem Titel
"Enhancing the competitiveness of the EU by way of structural reforms and investments"
steht.

Das kann man dann zwar immer noch interpretieren, dass es nicht um das Trägersystem, sondern um die Anwendung wie Galileo/Copernicus oder um die Wirtschaft als solches gehen könnte. Aber es liegt doch relativ nahe, warum der Raumfahrtsektor in diesem Papier mit diesem Titel überhaupt eine Rolle spielt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 10. Oktober 2018, 17:33:37
Die EU-Kommission hätte gerne aus der GSA eine EU Agency for Space Programme in Prag gemacht. Die EU Mitgliedsstaaten (EU Council) und das EU Parlament müssen aber zustimmen. Am Montag gab es eine Ausschussitzung des EU Parlaments, in der es um die neue Rolle der Agentur ging.

Einige Mitgliedstaaten sind kritisch eingestellt und es gibt auch Vorbehalte, ob die Agentur in Prag genügend Personal finden kann, weil man dort weniger verdient als in Brüssel.

https://euobserver.com/institutional/143029 (https://euobserver.com/institutional/143029)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 10. Oktober 2018, 17:37:22
Zitat
Sources from national space agencies told EUobserver off-the-record that the proposal for a beefed-up European Union Agency for the Space Programme has been met with criticism from member states, and that ESA had sent a letter to the commission about the proposal.

Die Gegner einer positiven Zukunft der europäischen Raumfahrt sitzen im Kanzleramt, im Élysée-Palast und im ESA-HQ.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 10. Oktober 2018, 17:49:00
"Die Gegner einer positiven Zukunft der europäischen Raumfahrt sitzen im Kanzleramt, im Élysée-Palast und im ESA-HQ."
Oder anders/weniger polimisch formuliert: Alle wichtigen institutionellen europäischen Raumfahrtakteure halten das für ne dumme Idee.

Aber die haben natürlich keine Ahnung! Die GSA ist natürlich der einzige Weg, die Seuche des GEO-Returns loszuwerden. Deshalb sitzt sie auch in Prag, dem Ballungszentrum der europäischen Raumfahrt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 10. Oktober 2018, 19:42:24
Für die Schaffung der EU-Raumfahrtagentur muss der Rat der europäischen Union dafür stimmen, die nationalen Regierungen können es also noch verhindern:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_der_Europ%C3%A4ischen_Union (https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_der_Europ%C3%A4ischen_Union)

Ich gehe davon aus, dass das EU-Parlament dafür stimmt.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.  8)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 17. Oktober 2018, 14:42:03
Ich poste mal hier auch wenn es von Eurospace kommt:
https://eurospace.org/eurospace-position-paper-the-growing-us-ambition-for-space-dominance-a-new-challenge-for-european-independence-in-space/ (https://eurospace.org/eurospace-position-paper-the-growing-us-ambition-for-space-dominance-a-new-challenge-for-european-independence-in-space/)

Eurospace schlägt Alarm bzgl. den US-Ambitionen in der zivilen und militärischen Raumfahrt. Europa wird abgehängt.

Man hat sich mit der ESA getroffen:
https://eurospace.org/high-level-forum-eurospace-esa-joint-press-release/ (https://eurospace.org/high-level-forum-eurospace-esa-joint-press-release/)

Zu der geplanten EU Agentur gibt man keine Stellungnahme ab. Schwach.

Zitat
Jan Woerner and Jean-Loïc Galle shared the need for the European space sector to have at disposal resources commensurate with both EU and Member States political ambitions and Industry competitiveness challenges. In this regard – they said – next ESA ministerial Council in 2019 will be a turning point for the perspectives of the European space sector and for the value it will be able to generate for Europe in the years to come.
Space19+ soll jetzt der Wendepunkt werden. Das bezweifle ich doch mal stark.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 17. Oktober 2018, 16:37:33
Aus Tobi’s Link:

Zitat
In this perspective, large-scale private projects such as the Starlink mega-constellation currently designed and built entirely by SpaceX (launchers, satellites and ground terminals) are candidates for massive US governmental support through long-term service contracts, directly contributing to the strategic goal of US hegemony of the global space sector.

Ist da mehr im Busch als wir denken?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 02. November 2018, 23:24:20
Die EU befaßt sich auf einer Konferenz "EUSpace for Business" mit den üblichen Akteuren zu den Themen Newspace und Security, also vor allem um Geschäft.

http://copernicus.eu/euspace-business (http://copernicus.eu/euspace-business)

Das bisherige Geschäft Ariane ist wohl kein Thema.

Und Ende Januar 2019 gibt es die 11te Ausgabe der EU-Space-Policy-Konferenz.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 11. November 2018, 00:53:10
Bericht von der EUSpace-Konferenz, Graz, wo sich ca. 250 Regierungs- und Kommissionsmitglieder über die Entwicklung der europäischen Raumfahrtpolitik berieten.

Mit Ausnahme der bemannten Raumfahrt nimmt Europa bereits führende Positionen in allen Weltraumbereichen ein: dazu gehören Wissenschaft, Erkundung, Erdbeobachtung, Navigation, Telekommunikation, Startdienste, Raumflugbetrieb.

https://infothek.bmvit.gv.at/weltraumkonferenz-euspace-kleinsatelliten-aus-oesterreich/ (https://infothek.bmvit.gv.at/weltraumkonferenz-euspace-kleinsatelliten-aus-oesterreich/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 12. November 2018, 10:58:27
ESA-Chef Wörner will mit der EU zum EU-Rahmenprogramm (2021-27) verhandeln:
„Die Frage ist, wer hat das Sagen bei neuen Programmen und wer macht was, da muss man schon genauer hinsehen. Das sind einfach zwei unterschiedliche Welten, die miteinander kooperieren.“

Er sagt aber auch, dass die Kooperation mit der EU im Prinzip so weitergeht wie bisher. „Wir haben eine saubere Struktur, die sehr gut funktioniert. Deshalb versuche ich immer wieder klarzumachen, ich kämpfe nicht gegen die EU - und ich hoffe, die EU kämpft nicht gegen uns -, sondern wir sehen in der Kooperation, dass wir da weiterkommen als im Wettbewerb. Aber wir sind da auf gutem Weg, denke ich.“

https://science.orf.at/stories/2946280/ (https://science.orf.at/stories/2946280/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 12. November 2018, 12:16:45
Deshalb versuche ich immer wieder klarzumachen, ich kämpfe nicht gegen die EU - und ich hoffe, die EU kämpft nicht gegen uns -, sondern wir sehen in der Kooperation, dass wir da weiterkommen als im Wettbewerb. Aber wir sind da auf gutem Weg, denke ich.“

https://science.orf.at/stories/2946280/ (https://science.orf.at/stories/2946280/)

Ich hoffe die EU kämpft gegen die ESA. :o
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 12. November 2018, 20:02:58
Zitat
„Es steht in der Konvention, dass wir die Industrie in allen unseren Mitgliedsländern entwickeln müssen. Wir können nicht einfach ein Monopol in einem Land machen.“

Hmm man könnte auch eine DLR-Konvention machen. Die Bundesländer finanzieren das DLR und das DLR verteilt die Aufträge entsprechend der eingegangen Geldmittel. Das Bremen soviel Geld als Mini-Bundesland bekommt, konnte ich noch nie nachvollziehen! :o
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 14. November 2018, 05:51:46
Bericht von der EUSpace-Konferenz, Graz, wo sich ca. 250 Regierungs- und Kommissionsmitglieder über die Entwicklung der europäischen Raumfahrtpolitik berieten.

Mit Ausnahme der bemannten Raumfahrt nimmt Europa bereits führende Positionen in allen Weltraumbereichen ein: dazu gehören Wissenschaft, Erkundung, Erdbeobachtung, Navigation, Telekommunikation, Startdienste, Raumflugbetrieb.

https://infothek.bmvit.gv.at/weltraumkonferenz-euspace-kleinsatelliten-aus-oesterreich/ (https://infothek.bmvit.gv.at/weltraumkonferenz-euspace-kleinsatelliten-aus-oesterreich/)

Bei den ersten 3 Punkten stimme ich noch zu, aber Navigation, Telekommunikation und Startdiensten ist man fuehrend? Wozu braucht dann Ariane Space Milliardensubventionen? Wenn ich irgendwo der Beste bin, dann verdiene ich Geld und haenge nicht am Tropf von Regierungen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 14. November 2018, 11:12:23
Bei den ersten 3 Punkten stimme ich noch zu, aber Navigation, Telekommunikation und Startdiensten ist man fuehrend? Wozu braucht dann Ariane Space Milliardensubventionen? Wenn ich irgendwo der Beste bin, dann verdiene ich Geld und haenge nicht am Tropf von Regierungen.

Die Frage, ob jemand führend ist, ist unabhängig davon, ob staatliche Subventionen fließen. Die USA legen wert darauf, dass die NASA führend ist und geben dafür eine Menge staatlicher Gelder aus. Ariane hatte (hat) einen hohen Marktanteil an kommerziellen Sat-Starts und kann daher als führend bezeichnet werden, unabhängig davon, ob das mit Subventionen erkauft wird (werden wird).

Die Frage ist tatsächlich, ob die EU die bessere Organisation ist. Die Interessen liegen zu ca. 50% bei Frankreich, zu ca. 20% bei Deutschland. Ein EU-Interesse läßt sich eigentlich nicht erkennen, das BMWi behauptet jedenfalls, dass kleinere Mitgliedsländer kein Interesse an Raumfahrt haben.

Wenn jemand etwas für Ariane machen könnte, dann Frankreich und Deutschland und da ist im Moment Schweigen im Wald.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 14. November 2018, 14:19:29
4 komerzielle Starts der Ariane 5 und eine Wissenschaftsmission in 2018 sind viel? Und dafuer muss die Rakete auch noch massivst mit Foerdermitteln subventioniert werden. Bei allem Respekt, dass ist nicht fuehrend, dass ist irgendwo im Mittelfeld rumhaengen. Und ich teile auch absolut nicht Deine Meinung, dass Subventionen nichts mit Wettbewerbsfähigkeit zu tun hat. Wer Subventionen benoetigt ist nicht wettbewerbsfähig und wer nicht wettbewerbsfähig ist, ist nicht fuehrend. Ich glaube auch kaum, dass sich die NASA als fuehrend iin der aktuellen Raumfahrt bezeichnet. Wie wettbewerbsfähig die Ariane 5 wirklich ist, wuerde man sehen, wenn die Foerdermittel eingestampft und die EU die Entwicklungskosten einfordern wuerde. Dann waere der Laden pmeite.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 17. November 2018, 09:43:12
14 europäische Raumfahrtunternehmen schicken einen Brief an die Kommission, das sie ein eigenständiges Forschungs- und Entwicklungs-Raumfahrtbudget festlegen solle anstatt ein allgemeines Horizon2020 Budget.

https://twitter.com/pbdes/status/1063391709311246336 (https://twitter.com/pbdes/status/1063391709311246336)

Die Kritik der Industrie an Horizon2020 gibt es schon länger, da ist man Unzufrieden, wie es die EU handhabt.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 17. November 2018, 09:57:38
Meine Güte, wäre es denn wirklich zu viel verlangt, wenn europäische Raumfahrtunternehmen nur ein einziges Mal eine Entwicklung aus eigener Kasse bezahlen?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 23. November 2018, 17:30:34
Die EU möchte im Rahmen ihrer PESCO-Initiative eine militärische Beobachtung/Überwachung des Weltraums realisieren ("European Military Space Surveillance Awareness Network" (EU-SSA-N)).

Zudem soll ein militärisches Galileo Positions- und Navigationssystem entstehen. ("EU Radio Navigation Solution" (EURAS)).

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Cyberwar-EU-ruestet-bei-Drohnen-und-elektronischer-Kampffuehrung-auf-4227271.html (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Cyberwar-EU-ruestet-bei-Drohnen-und-elektronischer-Kampffuehrung-auf-4227271.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 26. November 2018, 14:12:43
Zitat
Le document N° 1438 - Rapport d'information de Mme Aude Bono-Vandorme et M. Bernard Deflesselles déposé par la commission des affaires européennes sur la politique spatiale européenne n'a pas encore été édité
http://www2.assemblee-nationale.fr/documents/notice/15/europe/rap-info/i1438/(index)/depots (http://www2.assemblee-nationale.fr/documents/notice/15/europe/rap-info/i1438/(index)/depots)

Noch nicht veröffentlicht aber pbdes hat schon nen Artikel dazu.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Duncan Idaho am 26. November 2018, 14:44:11
Zitat
Le document N° 1438 - Rapport d'information de Mme Aude Bono-Vandorme et M. Bernard Deflesselles déposé par la commission des affaires européennes sur la politique spatiale européenne n'a pas encore été édité
http://www2.assemblee-nationale.fr/documents/notice/15/europe/rap-info/i1438/(index)/depots (http://www2.assemblee-nationale.fr/documents/notice/15/europe/rap-info/i1438/(index)/depots)

Noch nicht veröffentlicht aber pbdes hat schon nen Artikel dazu.

Ist er wirklich gut Informiert oder haut er nur einen Artikel raus?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: R2-D2 am 26. November 2018, 15:10:35
Zitat
Le document N° 1438 - Rapport d'information de Mme Aude Bono-Vandorme et M. Bernard Deflesselles déposé par la commission des affaires européennes sur la politique spatiale européenne n'a pas encore été édité
http://www2.assemblee-nationale.fr/documents/notice/15/europe/rap-info/i1438/(index)/depots (https://www.raumfahrer.net/documents/notice/15/europe/rap-info/i1438/(index)/depots)

Noch nicht veröffentlicht aber pbdes hat schon nen Artikel dazu.
Es gibt aber ein Video:
http://videos.assemblee-nationale.fr/video.6973541_5bf57819d1780.commission-des-affaires-europeennes--rapport-d-information-sur-la-politique-spatiale-europeenne--c-21-novembre-2018 (http://videos.assemblee-nationale.fr/video.6973541_5bf57819d1780.commission-des-affaires-europeennes--rapport-d-information-sur-la-politique-spatiale-europeenne--c-21-novembre-2018)
Ich vermute, dass die Infos hierher kommen - habe mir das Video aber nicht angesehen.
In der Zusammenfassung hier (http://www2.assemblee-nationale.fr/15/autres-commissions/commission-des-affaires-europeennes/secretariat/a-la-une/politique-spatiale-europeenne-examen-d-un-rapport-d-Information) steht auch wenig Konkretes.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 27. November 2018, 18:37:52
Die EU Raumfahrt Programme: Copernicus, Galileo, EGNOS, SSA und GovSatCom

Aber man wirbt auch mit den 14 aktiven ESA-Astronauten ;)

Der ITRE-Ausschuss des Parlaments hat die Berichterstattung von Massimiliano Salini angenommen.
Der sieht Europa in Sachen Erdbeobachtung, Navigation und technische Forschung als zweite Weltraummacht.
https://www.eureporter.co/frontpage/2018/11/27/the-final-frontier-how-the-eu-supports-galileo-copernicus-and-other-space-programmes/ (https://www.eureporter.co/frontpage/2018/11/27/the-final-frontier-how-the-eu-supports-galileo-copernicus-and-other-space-programmes/)

Wer hier Fan der EU ist, muß sich die Ausschuss-Aussprache vom 08.10. ansehen.
Die ist nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Aber immerhin ist die EU da transparenter als die ESA.
mms://vod.europarl.europa.eu/wmv/nas/nasvod02/cod1810/wm_pad/Channel08/VODChapter_20181008_15045600_18273200_Ch08_6d40c61664dfaead17c3e.wmv?wmcache=0 (http://mms://vod.europarl.europa.eu/wmv/nas/nasvod02/cod1810/wm_pad/Channel08/VODChapter_20181008_15045600_18273200_Ch08_6d40c61664dfaead17c3e.wmv?wmcache=0)

(https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up066217.jpg)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MpunktApunkt am 27. November 2018, 19:39:18
Hallo,

ist die EU wirklich für 780.000 Schrottteilchen größer 1cm im Orbit verantwortlich? ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 28. November 2018, 00:43:14
OT gelöscht, bitte hier keine Klimawandeldiskussion, es soll um Raumfahrt gehen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 28. November 2018, 09:17:36
Naja, bei Erdboeobachtung und Forschung wuerde ich die europäische Raumfahrt schon als eine der führenden Einrichtungen sehen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. November 2018, 10:01:48
Wer hier Fan der EU ist, muß sich die Ausschuss-Aussprache vom 08.10. ansehen.
Die ist nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Aber immerhin ist die EU da transparenter als die ESA.
mms://vod.europarl.europa.eu/wmv/nas/nasvod02/cod1810/wm_pad/Channel08/VODChapter_20181008_15045600_18273200_Ch08_6d40c61664dfaead17c3e.wmv?wmcache=0 (http://mms://vod.europarl.europa.eu/wmv/nas/nasvod02/cod1810/wm_pad/Channel08/VODChapter_20181008_15045600_18273200_Ch08_6d40c61664dfaead17c3e.wmv?wmcache=0)


Die Aussprache schau ich mir später an. Viel wichtiger ist für mich die Frage, wann endlich über die EU-Raumfahrtagentur abgestimmt wird. Noch wurde sie ja nicht beschlossen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 30. November 2018, 23:11:36
In der EU geht es um die Gestaltung des Forschungs-Budgets Horizon Europe 2021-27. Die Kommission hatte allgemein 5 Cluster-Themen vorgeschlagen mit insgesamt 52,7 Mrd €.

Einige Länder wollen darin ein eigenes Raumfahrt-Budget ausweisen (Tschechien, Frankreich, Polen, Portugal), andere sind dagegen. Kompromissvorschlag von Österreich ist, es "Digitales, Industrie und Raumfahrt" zu nennen.

https://sciencebusiness.net/framework-programmes/news/horizon-europe-obstacles-still-facing-negotiators (https://sciencebusiness.net/framework-programmes/news/horizon-europe-obstacles-still-facing-negotiators)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 05. Dezember 2018, 18:29:41
Dokument:
http://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-13987-2018-INIT/en/pdf (http://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-13987-2018-INIT/en/pdf)

Zitat
Despite the significant efforts deployed and the substantial progress made, the Presidency is aware that further work is needed. It is the Presidency's intention to present shortly a revised compromise proposal to the Space Working Party with a view to reaching an overall agreement on the text and seek a mandate from Coreper to start negotiating with the European Parliament as soon as possible.

Also: bald soll es ein neues Dokument für die EU Raumfahrtbehörde und Programm geben, dass dann Coreper (Arbeitsgremium des EU-Rats) und dem EU-Parlament vorgestellt werden soll.

Zitat
b) Access to space (Article 5): further work is needed to define the perimeter of the activities under access to space.
EU und Trägerraketen, dieses Kapitel soll auch nochmal überarbeitet werden. Was wird rauskommen? Macht die EU Abnahmegarantien, buy-European oder steigt sie sogar in die Entwicklung ein?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 08. Dezember 2018, 10:11:04
Prag wirbt fleißig für die EU Raumfahrtagentur und will möglichst viele Kompetenzen und möglichst viel Geld für die neue Agentur:
https://www.euro.cz/praha/prague-wars-1431495 (https://www.euro.cz/praha/prague-wars-1431495)

Find ich gut. :)

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: stillesWasser am 08. Dezember 2018, 15:03:35
Warum findest du Prag dafür geeignet?
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: MillenniumPilot am 09. Dezember 2018, 16:09:46
Wenn ich mir den Artikel durchlese, krieg ich nen Wutanfall Tobi. Ich bin zwar mit Tschechien verbandelt, aber ein Land, dass nix besseres zu tun hat, als ueber die EU zu schimpfen, sich beim Thema Fluechtlinge vornehm zurück gehalten hat und sich immer in die zweite Reihe verdrueckt, wenns um Pflichten geht und dann den Artikel lese, wo man schon mal die Kohle zaelt, die man mit der Argentur verdient (kolik sype ist nicht unbedingt ein netter Ausdruck), dann sollte sich die EU wirklich 4 mal ueberlegen, ob man die Argentur wirklich braucht und wenn, ob Prag es auch verdient haette.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 13. Dezember 2018, 19:15:12
Das EU Parlament hat den Vorschlag 2021-2027 EU Space Programme mit 483 Ja, 68 Nein und 19 Enthaltungen angenommen.
Es sollen insgesamt €15.02 Mrd in 2018 Preisen (16.93 in aktuellen Preisen) bereitgestellt werden.

https://www.europeaninterest.eu/article/parliament-wants-fund-crucial-areas-stimulate-european-growth/ (https://www.europeaninterest.eu/article/parliament-wants-fund-crucial-areas-stimulate-european-growth/)

Ist natürlich nur ein Zwischenschritt, letztlich kommt es auf die Mitgliedsstaaten an.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 20. Dezember 2018, 15:20:40
Die EU bekommt ihre Agentur für Raumfahrtprogramme, das Council hat dem Entwurf zugestimmt. Der beinhaltet Galileo, EGNOS, Copernicus, SSA (Near Earth Objects) und GOVSATCOM. Auf 120 Seiten sind die Regelungen und Ziele formuliert.

Die Budgets sind damit aber noch nicht festgelegt.

https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2018/12/20/council-agrees-its-position-on-future-eu-space-programme/# (https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2018/12/20/council-agrees-its-position-on-future-eu-space-programme/#)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 20. Dezember 2018, 15:43:32
Die EU bekommt ihre Agentur für Raumfahrtprogramme, das Council hat dem Entwurf zugestimmt. Der beinhaltet Galileo, EGNOS, Copernicus, SSA (Near Earth Objects) und GOVSATCOM. Auf 120 Seiten sind die Regelungen und Ziele formuliert.

Die Budgets sind damit aber noch nicht festgelegt.

https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2018/12/20/council-agrees-its-position-on-future-eu-space-programme/# (https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2018/12/20/council-agrees-its-position-on-future-eu-space-programme/#)

PARTYYYYYYYYYYYYYY!!!!!!!!!!!!! 8)

Hier der Originaltext:
https://www.consilium.europa.eu/media/37659/st15767-en18.pdf (https://www.consilium.europa.eu/media/37659/st15767-en18.pdf)

Zitat
This Regulation establishes the European Union Agency for the Space Programme ('Agency') that replaces and succeeds the European GNSS Agency established by Regulation (EU) No 912/2010 and lays down the rules of operation of the Agency.

Zitat
The contracting authority shall act in accordance with the following principles in procurement procedures for the purpose of the Programme:
(a) to promote in all Member States, throughout the supply chain, the widest and most open participation possible of all economic operators, in particular start-ups, new entrants and small and medium sized enterprises, including the requirement of sub-contracting by the tenderers;
(b) to avoid abuse of dominant position and, where possible, reliance on a single provider, in particular for critical equipment and services, taking into account the objectives of technological independence and continuity of services;
(c) by derogation from Article 167 of the Financial Regulation, to use, wherever appropriate, multiple supply sources in order to ensure better overall control of all the components of the Programme, their cost and schedule;
(cc) to follow the principles of open access and fair competition throughout the industrial supply chain, tendering on the basis of the provision of transparent and timely information, clear communication of the applicable procurement rules and procedures, selection and award criteria and any other relevant information allowing a level-playing field for all potential bidders, including SMEs and start-ups;

Zitat
Conditional stage-payments contracts
1. With regard to operational and infrastructure-specific activities, the contracting authority may award a contract in the form of a conditional stage-payment contract in accordance with this article.
Vergleiche COTS/Space act agreement.


Zitat
Cost-reimbursement contracts
1. The contracting authority may opt for a full or partial cost-reimbursement based contract under the conditions laid down in paragraph 3.
The price to be paid shall consist in the reimbursement of all direct costs actually incurred by the contractor in performing the contract, such as expenditure on labour, materials, consumables, and use of the equipment and infrastructures necessary to perform the contract, indirect costs, a fixed profit and an appropriate incentive fee based on achieving objectives in respect of performance and delivery schedules.
Cost-plus.

Zitat
Article 17
Subcontracting
1. To encourage new entrants, in particular cross border participation of small and medium enterprises and start-ups, and to offer the widest possible geographic coverage while protecting the Union's autonomy, the contracting authority shall request that the tenderer subcontract part of the contract by competitive tendering at the appropriate levels of subcontracting to companies other than those which belong to the tenderer's group.
2. The contracting authority shall express the requisite share of the contract to be subcontracted in the form of a range from a minimum to a maximum percentage.
3. Any derogation from a request in accordance with paragraph 1 shall be justified by the tenderer and assessed by the contracting authority.
4. For contracts above ten million Euro, the contracting authority shall aim at ensuring that at least 30% of the value of the contract is subcontracted by competitive tendering at various levels to companies outside the group of the prime contractor, notably in order to enable the cross-border participation of SMEs. The Commission shall inform the Committee on the fullfilment of this objective for contracts signed after the entry into force of this Regulation.
30% der Auftragssumme an Subunternehmen. Von anderen Ländern steht da jedoch nichts.

Zitat
Grants for pre-commercial procurement and procurement of innovative solutions
1. Actions may involve or have as their primary aim pre-commercial procurement or public procurement of innovative solutions that shall be carried out by beneficiaries which are contracting authorities or contracting entities as defined in Directives 2014/24/EU, 2014/25/EU and 2009/81/EC of the European Parliament and of the Council.
Das geht auch in Richtung Technologieentwicklung ähnlich COTS.

Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 20. Dezember 2018, 16:51:55
Zitat
Executive Director
The Agency shall be managed by its Executive Director. The Executive Director shall be accountable to the Administrative Board, without predjudice to the powers granted to the Security Acreditation Board and the chairperson of the Security Acrreditation Board in accordance with Articles 37 and 81 respectively.
Without prejudice to the powers of the Commission and the Administrative Board, the Executive Director shall be independent in the performance of his/her duties and shall neither seek nor take instructions from any government or from any other body.

Mir scheint als hätte der Direktor der EU-Raumfahrtagentur weitreichende Vollmachten.

Zitat
On the basis of a proposal from the Commission, taking into account the assessment referred to in the first subparagraph, the Administrative Board may extend the term of office of the Executive Director once for a period of up to five years.
Ein Direktor darf maximal 2 Amtszeiten à 5 Jahre haben.

Zitat
Article 111
Entry into force and application
This Regulation shall enter into force on the twentieth day following that of its publication in the Official Journal of the European Union.
[It shall apply from 1st January 2021.]
Hm diese beiden Aussagen widersprechen sich oder gilt diejenige, die früher eintritt? ???
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 14. Januar 2019, 13:45:38
Die EU diskutiert nächste Woche über neue Programme bis 2030, über Digitalisierung, Kommunikation und KI; über Handel und Wettbewerb im internationalen Kontext; über Verteidigungs- und Sicherheitspolitik; über Klima und Umwelt; über die europäische Raumfahrtindustrie
und über die Finanzierung.

http://www.spaceconference.eu/programme.html (http://www.spaceconference.eu/programme.html)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 23. Januar 2019, 10:55:04
Europa möchte jetzt auch seine eigene Weltraum Armee, zumindestens die zuständige EU-Kommissarin Bienkowska oder glaubt, das manche Mitgliedsstaaten das wollen.

https://euobserver.com/foreign/143981 (https://euobserver.com/foreign/143981)

Ok, Frankreich will Space Situational Awareness zur militärische Top-Priorität machen, Deutschland möchte auch gerne, formuliert es aber blumig.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 23. Januar 2019, 11:53:35
Europa möchte jetzt auch seine eigene Weltraum Armee, zumindestens die zuständige EU-Kommissarin Bienkowska oder glaubt, das manche Mitgliedsstaaten das wollen.

https://euobserver.com/foreign/143981 (https://euobserver.com/foreign/143981)

Ok, Frankreich will Space Situational Awareness zur militärische Top-Priorität machen, Deutschland möchte auch gerne, formuliert es aber blumig.

Zitat
"I think we need to do this as quickly as possible, because with Mr Trump they [the US] can even drop out of NATO from one day to the other," the official said.

Ich muss zugeben, Mr Trump leistet einen entscheidenen Beitrag zur europäischen Einigung. Ein gemeinsamer Gegner Nicht-Mehr-Freund schweißt im innern zusammen. Das gleiche gilt für das Säbelrasseln aus Russland.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Therodon am 23. Januar 2019, 11:59:12
Ich muss zugeben, Mr Trump leistet einen entscheidenen Beitrag zur europäischen Einigung. Ein gemeinsamer Gegner Nicht-Mehr-Freund schweißt im innern zusammen. Das gleiche gilt für das Säbelrasseln aus Russland.

Ob es wirklich eine Einigung ist oder man eher per "Spiel mit der Angst" nun versucht lang gehegte Pläne durchzudrücken wäre aber noch diskutabel  ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 24. Januar 2019, 08:22:07
Die EU möchte Startups fördern, weil europäische Investoren die Raumfahrt für zu riskant halten.

EU-Kommissarin Bieńkowska kann sich vorstellen, jedes Jahr einen Träger zu kaufen, damit innovative Startups ihre Nutzlasten demonstrieren zu können.

https://spacenews.com/european-commission-fearing-brain-drain-to-us-takes-sharper-look-at-space-investment-strategy/ (https://spacenews.com/european-commission-fearing-brain-drain-to-us-takes-sharper-look-at-space-investment-strategy/)

Copernicus bekommt weitere 100 Mio €.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 24. Januar 2019, 09:39:52
Zitat
European Commission, fearing brain drain to US, takes sharper look at space investment strategy

Einen Brain-Drain in ein Land unter Trump, wo die Verwaltung nicht funktioniert und wo die Notwendigkeit einer Greencard das Arbeiten von Nicht-Amerikanischen Fachkräften in der Raumfahrt behindert, muss niemand befürchten.

Viel wahrscheinlicher ist, dass die Leute Anstellung in einer anderen Branche innerhalb Europas suchen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 24. Januar 2019, 09:59:23
Das Problem mit den Startups ist, dass noch zuviel ESA-Geld und zuwenig EU-Geld in die Raumfahrt geht. Das Geo-Return gebundende ESA Geld kann kein Startup gebrauchen, denn es führt in ungesunde Strukturen und in den kommerziellen Selbstmord.

Und natürlich wäre es besser, wenn alle europäischen Starts von einer EU-Behörde mit transparenten Regeln ausgeschrieben würden.

Und es wäre besser, wenn die Industrie nicht den Staaten vorwerfen würde, mit SpaceX zu starten, während Airbus/Oneweb selber die Produktion in die USA verlegen und die Satelliten mit der Sojus starten. Da ist man sprachlos.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Bogeyman am 24. Januar 2019, 12:30:29
Ohne Worte:
"Space-X soll Bundeswehr-Satelliten ins All bringen
...
Die Opposition hält es für Steuerverschwendung, wenn Satelliten von einer US-Firma transportiert werden. Die Bundesregierung will prüfen, ob dies zukünftig ausgeschlossen werden kann"

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundeswehr-spacex-1.4299549 (https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundeswehr-spacex-1.4299549)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Therodon am 24. Januar 2019, 12:57:09
Ohne Worte:
"Space-X soll Bundeswehr-Satelliten ins All bringen
...
Die Opposition hält es für Steuerverschwendung, wenn Satelliten von einer US-Firma transportiert werden. Die Bundesregierung will prüfen, ob dies zukünftig ausgeschlossen werden kann"

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundeswehr-spacex-1.4299549 (https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundeswehr-spacex-1.4299549)

Und den gleichen Satelliten von einer EU Firma transportieren zu lassen ist dann keine Steuerverschwendung?

Noch kurioser ist aber der Spionageverdacht. Die ultrafortschrittliche Technik der Bundeswehr wird dann von den USA ausspioniert, die kennen sowas ja nicht  ;)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 24. Januar 2019, 13:53:12
Das DLR berichtet über die EU-Space Konferenz.

Dabei spielt man voll die nationale Karte:
"Die nationalen Raumfahrtforschungszentren sind sich ihrer Verantwortung für die Sicherstellung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie bewusst."

"Das DLR ist die größte nationale Weltraumforschungs- und Technologieorganisation in Europa."

https://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10857/1527_read-31914/#/gallery/33339 (https://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10857/1527_read-31914/#/gallery/33339)

Hätte ich jetzt angesichts der sonstigen DLR-Berichterstattung nicht gedacht.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 25. Januar 2019, 14:04:14
ESA-Chef Wörner wendet sich in einem Meinungsartikel an die EU und erklärt, wie toll die ESA ist.

In der Zusammenarbeit verschiedener Agenturen, Regierungen und Firmen sieht er die Zukunft der europäischen Raumfahrt.

https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/united-europe-space (https://www.theparliamentmagazine.eu/articles/opinion/united-europe-space)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 25. Januar 2019, 19:13:54
Noch ein Bericht von der EU-Weltraumkonferenz.

Die EU würde gerne ein Ziel verfolgen, mit dem sich die Europäer identifizieren können.
Aber es heißt auch, bei all den Agenturen sollte man nicht zu viel Zeit vertun mit der Frage, wer es denn nun tut.

https://www.politico.eu/article/europe-one-small-step-for-brussels-and-its-space-dreams/ (https://www.politico.eu/article/europe-one-small-step-for-brussels-and-its-space-dreams/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 28. Januar 2019, 23:40:04
Zitat
@EU_Growth @EUparliament says space sector does lousy PR. @esa @cnes @DLR_de @ASI_spazio.
https://twitter.com/pbdes/status/1088783759372103683 (https://twitter.com/pbdes/status/1088783759372103683)

So ist es!
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 04. Februar 2019, 20:28:55
Vielleicht wäre ein "buy European"-Act bei den Trägern tatsächlich etwas Gutes, und nicht nur, um die Ariane zu erhalten: Wenn es so eine europäische Regel gäbe, wäre Europa quasi ein "impliziter Ankerkunde" für alle möglichen europäischen Träger. Das könnte neue Mitspieler samt Investoren motivieren und "absichern" und zu neuen/mehr Trägerkonzepten "made in Europe" führen, mit der tatsächlichen Chance auf Realisierung.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 04. Februar 2019, 23:23:38
Es gibt zwar kein Buy European-Gesetz, aber die EU hat sich ja bereits verpflichtet und seit dem IMM18 auch einige Mitgliedsstaaten (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweiz) zu dem jetzt auch Österreich hinzukommt, wobei die EU darin nicht involviert zu sein scheint.

Es ist natürlich eine Selbstbeschränkung, nur europäisch zu beauftragen. Was neuen Mitspielern wirklich hilft ist aber eher ein Markt, sprich tatsächliche Aufträge.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 05. Februar 2019, 07:16:58
Na den Startmarkt gibt es ja, es gibt genug private und öffentliche europäische Raumfahrt. "Buy European" würde das eine Segment des Startmarkts stützen... und das, ohne sich auf eine feste Anzahl von Missionen und ihre Preise festzulegen (wie Arianspace es ja so gerne garantiert hätte). Wenn man aber als Startanbieter die "garantierte Chance" hat Umsatz mit öffentlichen Aufträgen zu machen, dann kommen wohl auch neue Investoren in die Firma und man kann sein Produkt weiterentwickeln, auch für andere Märkte/Marktsegmente. Das gesamte Risiko läge immer noch beim Unternehmen selbst.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Therodon am 05. Februar 2019, 07:20:43
Vielleicht wäre ein "buy European"-Act bei den Trägern tatsächlich etwas Gutes, und nicht nur, um die Ariane zu erhalten: Wenn es so eine europäische Regel gäbe, wäre Europa quasi ein "impliziter Ankerkunde" für alle möglichen europäischen Träger. Das könnte neue Mitspieler samt Investoren motivieren und "absichern" und zu neuen/mehr Trägerkonzepten "made in Europe" führen, mit der tatsächlichen Chance auf Realisierung.

Dafür ist der Bedarf doch aber zu gering. Selbst wenn man alle EU Missionen jetzt darüber abwickelt (was wahrscheinlich eh nur im öffentlichen Sektor ginge, wenn überhaupt), bleibt es doch bei ein paar Sats, die man nach oben befördert und deren Volumen dann auch Prinzip bedingt jedes Jahr ins Bodenlose fallen kann. Für mehr besteht in der EU doch gar kein Anreiz.

Garantien sind auch kein zukunftsfähiges Konzept sondern eher ein Tropf für Lebensverlängernde Maßnahmen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 05. Februar 2019, 07:29:26
Stimmt, um als EU ein valider "Ankerkunden" zu sein, braucht die EU natürlich ein echtes, nicht-zu-kleines, langfristiges Raumfahrtprogramm. Galileo und Copernicus erhalten/ausbauen, wird wahrscheinlich noch nicht groß genug sein.

Aber es ist ja mehr möglich:
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 05. Februar 2019, 09:34:18
Die EU hat defakto schon buy-European.

Es wird nur wegen Arianespace und Eurockot manchmal mit ausländischen Raketen gestartet. Wenn die ESA einen europäischen Sojus-Ersatz finanziert hätte statt Sojus-Kourou und die Bundesregierung nicht Eurockot protegieren würde, dann wäre das bereits jetzt anders.

Aber die Alleingänge der Mitgliedsstaaten sind halt das Problem.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 06. Februar 2019, 10:57:42
Die Ariane 6 droht, nicht wettbewerbsfähig zu sein und sehr vom französischen Anteil abhängig zu sein. Frankreich kann es aber nicht alleine richten.

Der französische Rechnungshof macht Vorschläge, zb. den Geo-Return zu entschärfen und die Ariane zum Pflichtprogramm der ESA zu machen, damit sich alle Staaten der ESA daran beteiligen.

http://www.lefigaro.fr/societes/2019/02/06/20005-20190206ARTFIG00061-ariane-6-doit-evoluer-pour-rester-competitive.php (http://www.lefigaro.fr/societes/2019/02/06/20005-20190206ARTFIG00061-ariane-6-doit-evoluer-pour-rester-competitive.php)

Zitat
L'Union européenne doit financer les lanceurs
Die EU muss die Raketen finanzieren!

Kommentar: So sehe ich das auch. Leider steht es in der Charta von der EU Raumfahrtagentur noch nicht drin. :-\

Übrigens: Gerade geht es in der EU um das Budget 2021-2027. Das heißt vermutlich, dass die EU frühstens 2028 in die Finanzierung von Ariane einsteigen könnte. Und schon wieder 7 weitere Jahre verloren.

Aber dass es die Agentur überhaupt ab 2021 geben wird, kann man nur als riesigen Erfolg sehen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 18. Februar 2019, 10:41:48
Namensstreit zwischen ESA und EU

Die ESA hält die geplante Benennung der EU Agentur für Space Programme für zu ähnlich. Ein Brief an die EU-Kommission bitte um die Umbenennung.

Die ESA will auch nicht, dass die EU Agentur die Trägerstarts zur Beschaffung zusammenfaßt, sondern nur deren eigene Starts.

https://euobserver.com/science/144182 (https://euobserver.com/science/144182)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 18. Februar 2019, 11:19:30
Danke für den Link tomtom.

Zitat
A general trend is that the proposed changes aim to acknowledge or strengthen the role of ESA, which is an intergovernmental organisation not part of the European Union.
Die ESA will dem kommenden Machtverlust schon vorbeugen!

Zitat
The commission's proposed bill would exclude third countries and international organisations from SST activities, including the ESA. The international organisation proposed to scrap the exclusion.
Da geht es ja richtig heiß her. :D

Zitat
The ESA said that the Copernicus earth observation programme needed a budget of €7.8 instead of €5.8bn. It also said that €0.5bn to cover both Govsatcom and SST was not enough: Govsatcom should be funded with €1.5bn, with SST to receive €0.5bn.
ESA will mehr Geld von der EU, dabei bekommt sie von den Mitgliedsstaaten ja nichtmal ne Mondmission zustande.

Zitat
The space agency also protested against a paragraph that stipulated the ESA could be punished if it overran on planned costs or schedule.
ESA will Straffreiheit bei Kostenüberschreitungen.

Ursprünglich konnte die EU dieses ESA-Dokument bei einer Presseanfrage übrigens nicht finden, auch das ist ein politisches Statement. Die ESA wurde nicht gefunden. Ich lach mich schlapp. ;D
Zitat
"We regret to inform you that the commission does not hold any documents that would correspond to the description given in your application," director-general Lowri Evans said in a letter dated 19 December 2018.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 18. Februar 2019, 11:41:43
Sehr geil dieser von der ESA gewünschte Zusatz im EU-text:
Zitat
The European Space Agency is the
preferred institutional partner of the EU
for implementing the Programme, with
which appropriate relations should be
established, as required under Article
189.3 TFEU. Based on high-level
programmatic and missions requirements
defined by the Commission for any EU
space system, ESA assumes an end-to-end
implementation role with responsibility
for defining the technical and functional
requirements, and deploying and
accepting such space system. The end-toend
implementation role of ESA includes
coordination of interfaces, security,
procurement and industrial team
management, necessary to support that
the space system meets the high-level
programmatic and mission requirements.
https://www.asktheeu.org/en/request/5951/response/20337/attach/3/C%202019%201308%200%20ANNEX%20EN%20V1%20P1%201013454.PDF.pdf (https://www.asktheeu.org/en/request/5951/response/20337/attach/3/C%202019%201308%200%20ANNEX%20EN%20V1%20P1%201013454.PDF.pdf)

Die ESA definiert sich zum gewünschten Partner der EU. Das ist richtig dreist.

---------------

Zitat
The European Space Agency may shall be
entrusted with the following tasks:
"may" oder "shall". EU will "may", ESA will "shall". Die Feinheiten der englischen Sprache...

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Bei Govsatcom oder SSA scheint die ESA bisher ganz außen vor, das findet man im ESA-HQ in Paris anscheinend nicht so toll und hat diesbzgl. jede Menge Änderungswünsche im Text...
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 19. Februar 2019, 14:59:57
"EU space program proposal and ESA’s response to it show continued battle of ambitions"
https://www.spaceintelreport.com/eu-space-program-proposal-and-esas-response-to-it-show-continued-battle-of-ambitions/ (https://www.spaceintelreport.com/eu-space-program-proposal-and-esas-response-to-it-show-continued-battle-of-ambitions/)

EU & ESA befinden sich in einer "Schlacht der Ambitionen", so schreibt pbdes.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 04. März 2019, 16:44:29
Ein ESPI-Report befaßt sich mit den EU-Ambitionen für eine europäische Raumfahrt.

Man sucht nach einer Vision, die gegenüber USA, Russland, China, Japan, Indien mithalten kann.

Eine Idee ist, die EU-Raumfahrt von einem European Space Council gesteuert wird und dem EU-Rat bzw. Präsidenten unterstellt ist. (also nicht mehr den Fachministern der Länder, sondern den Regierungschefs).

https://espi.or.at/news/espi-executive-brief-29-perspectives-on-a-european-space-council (https://espi.or.at/news/espi-executive-brief-29-perspectives-on-a-european-space-council)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 04. März 2019, 17:03:16
Dem EU-Rat unterstellt?? Warum nicht der EU Kommission oder dem EU Parlament?

Die Kleinstaaterei brauchen wir doch nun wirklich nicht.

In Deutschland entscheidet auch nicht der Bundesrat über das Raumfahrtprogramm. Das ist doch Unsinn. :(
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 04. März 2019, 17:11:32
Naja, die EU ist sicherlich föderalistischer organisiert als Deutschland.

Aber stimmt schon, der EU-Rat ist eigentlich keine exekutive Organisation der EU. Andererseits, ohne Mitgliedsstaaten-Regierungschefs wäre Galileo wohl nicht zustand gekommen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 04. März 2019, 17:29:10
Der einzige Unterschied zwischen EU Rat und ESA Ministerratskonferenz ist doch der, dass die Kräfteverhältnisse im EU Rat anders sind und Frankreich eine weniger dominante Rolle spielt.

Fortschritt sicherlich aber es könnte besser sein.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 15. März 2019, 14:15:14
In der EU wird zunehmend die militärische Nutzung der EU Raumfahrtprogramme thematisiert.

Auf der EU Space Week in Marseille wurde das offen diskutiert, was vor einiger Zeit noch als Tabu galt, aber die Zeiten ändern sich.

https://insidegnss.com/european-space-sector-gets-defensive/ (https://insidegnss.com/european-space-sector-gets-defensive/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 16. März 2019, 09:18:44
Neuer Entwurf für die EU Raumfahrtagentur:
https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-7481-2019-INIT/en/pdf (https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-7481-2019-INIT/en/pdf)

Zitat
Access to space

1.The Programme shall support the procurement and aggregation of launching services for the needs of the Programme;and, at their request, the aggregation for Member States and international organisations.

2. In synergies with other Union programmes and funding schemes, and without prejudice to the European Space Agency's activities in the area of access to space, the Programme may support:
(a)adaptations, includingt echnology development,to space launch systems which are necessary for launching satellites, including alternative technologies and innovative systems on access to space, for the implementation of the Programme components;
(b) adaptations to the space ground infrastructure, including new developments, which are necessary for the implementation of the Programme.

Immerhin ein bischen wird die EU bei dem Thema Trägerraketen jetzt wohl mitmischen.

Zitat
Budget
1. The financial envelope for the implementation of the Programme for the period 2021 –2027, including for the associated risks, shall be EUR [16] billion [in current prices.]
The distribution of the amount referred to in the first subparagraph shall be broken down in the following categories of expenditure:
(a) for Galileo and EGNOS: EUR [9,7] billion;
(b) for Copernicus: EUR [5,8] billion;
(c) for SSA/GOVSATCOM: EUR [0,5] billion.

16 Milliarden Euro für 7 Jahre ist das Budget, macht also etwas über 2 Milliarden pro Jahr.

Zitat
2. Additional measures as foreseen by Article 3, namely activities referred to in Article 5 and in Article 6, shall be financed under the Programme's components
Also das Geld für Trägerrraketen soll wohl irgendwie aus dem Budget von oben kommen.

Zitat
Principles of procurement

1. The contracting authority shall act in accordance with the following principles in procurement procedures for the purpose of the Programme:
(a) to promote in all Member States throughout the Union and,throughout the supply chain, the widest and most open participation possible of all economic operators, in particular start-ups, new entrants and small and medium sized enterprises, including the requirement of sub-contracting by the tenderers;
(b) to ensure effective competition  and, where possible, avoid reliance on a single provider, in particular for critical equipment and services, taking into account the objectives of technological independence and continuity of services;
(c) by derogation from Article 167 of the Financial Regulation, to use, wherever appropriate, multiple supply sources in order to ensure better overall control of all the components of the Programme, their cost and schedule;
(cc)to followthe principles of open access and fair competition throughout the industrial supply chain, tendering on the basis of the provision of transparent and timely information, clear communication of the applicable procurement rules and procedures, selection and award criteria and any other relevant information allowing a level-playing field for all potential bidders, including SMEs and start-ups;
(d) to reinforce the autonomy of the Union, in particular in technological terms;
(e) to comply with the security requirements of the components of the Programme and to contribute to the protection of the essential security interests of the Union and its Member States;
(ee) to promote service continuity and reliability;
(f) to satisfy appropriate social and environmental criteria.

Revolution!!

Zitat
Conditional stage-payment contracts

Commercial Orbital Transportation Services jetzt möglich!

Zitat
KEY INDICATORS

[...]
j)Share of Ariane and Vega launches in the total market based on publicly available data
Huch?? ;D

Es fehlt mir im Entwurf übrigens etwas zur Öffentlichkeitsarbeit. Zwar steht was zu Öffentlichkeitsarbeit bei Galileo und Copernicus aber ein eigener Artikel wäre schon angemessen. Den aktuellen Chef von der GSA Carlo des Dorides kennt ja auch niemand. :( Ich hoffe mal das ändert sich mit der neuen Agentur. Ein eigener Twitteraccount wie Bridenstine, Le Gall oder Wörner ist ein Muss meiner Meinung nach.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Rücksturz am 17. März 2019, 17:59:17
Zitat
Commercial Orbital Transportation Services jetzt möglich!

Wo genau hast Du das herausgelesen, ich habe es in dem Dokument nicht gefunden.
Überhaupt kommt "Transportation Services" kein einziges mal in dem Dokument vor...  :-\

Viele Grüße
Rücksturz
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tobi am 17. März 2019, 18:57:07
Zitat
Commercial Orbital Transportation Services jetzt möglich!

Wo genau hast Du das herausgelesen, ich habe es in dem Dokument nicht gefunden.
Überhaupt kommt "Transportation Services" kein einziges mal in dem Dokument vor...  :-\

Viele Grüße
Rücksturz

Es ging  mir nur um die Vertragsart mit den optionalen Meilensteinen.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: Schillrich am 17. März 2019, 19:10:20
Du meinst nicht "optional", sondern "bedingungs-gebunden" ... optionale Meilensteine wären ja nur "netter Zusatz".

Aber, das alleine ist nicht COTS. Auch heute sind schon überall Zahlungen an Meilensteine gebunden. Daher ist diese Aussage der EU eine "Null-Neuigkeit". Das ist "normal procedure". Bei COTS ist es die Art der Meilensteine, die es "anders" gemacht haben, nicht Meilensteine an sich.
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 20. März 2019, 09:48:56
182 Mio € des europäischen Verteidigungsfonds sollen für die Cyberabwehr, die Weltraumlageerfassung und Frühwarnkapazitäten sowie für Fähigkeiten im Bereich der Seeraumüberwachung bereitgestellt werden.

https://ec.europa.eu/commission/news/european-defence-fund-2019-mar-19_de (https://ec.europa.eu/commission/news/european-defence-fund-2019-mar-19_de)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 17. Mai 2019, 08:03:51
Die europäische Raumfahrtindustrie möchte einfach mehr Geschäft machen.

https://eurospace.org/eurospace-manifesto-for-an-ambitious-eu-industrial-policy/ (https://eurospace.org/eurospace-manifesto-for-an-ambitious-eu-industrial-policy/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 24. Mai 2019, 13:31:15
Am 28. Mai trifft sich in Brüssel der ESA-Council und danach der EU-ESA Space Council.

https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2019/05/22/media-advisory-compet-council-esa-council-eu-esa-space-council-28-may-2019-lex/ (https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2019/05/22/media-advisory-compet-council-esa-council-eu-esa-space-council-28-may-2019-lex/)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 07. Juni 2019, 22:00:00
Die EU-Kommission macht für 2020 einen Etatvorschlag, in dem für Galileo 1,2 Mrd $ ausgegeben werden sollen. Das sind 75% mehr als 2019 und soll dazu dienen, die Zahl der Nutzer weltweit von 700 Mio. auf 1200 Mio zu steigern.

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-19-2809_en.htm (http://europa.eu/rapid/press-release_IP-19-2809_en.htm)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 13. Juli 2019, 23:01:26
Die EU Kommission möchte im Rahmen ihres Horizon2020 Forschungsprogramms den NewSpace und Startup-Sektor fördern.

In dem Bericht wird die polinische Firma PIAP Space vorgestellt, die sich mit Robotik und Satelliten Servicing befaßt.

Tomasz Husak, Leiter in der EU-Verwaltung will ein großes Innovation Raumfahrt Zentrum in Europa kreieren.

https://www.euronews.com/2019/07/12/enterprise-in-the-space-economy-europe-s-expanding-business-frontier (https://www.euronews.com/2019/07/12/enterprise-in-the-space-economy-europe-s-expanding-business-frontier)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 10. September 2019, 13:02:43
Frankreichs EU-Kommissarin Sylvie Goulard wird zuständig für "Interner Markt", "Industriepolitik" und "einheitlicher digitaler Markt", außerdem für das neue Direktorat "Verteidigung und Raumfahrt".

https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/IP_19_5542 (https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/IP_19_5542)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 11. September 2019, 09:29:38
In der Aufgabenbeschreibung werden die Ziele für die Kommissarin beschrieben (ua. auch Zuständig für KI-Projekte) , die statt bisher einen jetzt 3 Generaldirektoren bekommt, einer dann speziell für "Defence and Space". Nomalerweise darf der dann nicht aus dem selben Land kommen wie der Kommissar (aktuell wäre das der Franzose Pierre Delsaux) und DLR-Vorstand Dittus sagte ja auch auf der MAKS, dass jemand dafür gesucht wird.

Interessanterweise steht das Ziel drin einen autonomen, zuverlässigen und kosteneffektiven Zugang zum All sicherzustellen. Da scheint die EU ihre Kompetenzen ausweiten zu wollen.

Auf jeden Fall wird es in der EU-Raumfahrt auch ohne Militär militärischer zugehen.

https://ec.europa.eu/commission/sites/beta-political/files/mission-letter-sylvie-goulard_en.pdf (https://ec.europa.eu/commission/sites/beta-political/files/mission-letter-sylvie-goulard_en.pdf)
Titel: Re: EU - Space Policy auf EU-Ebene
Beitrag von: tomtom am 14. Oktober 2019, 19:07:54
Neben den Vertretern aus Rumanien und Ungarn ist also die französische Kandidatin Goulard vom EU-Parlament nicht akzeptiert worden. Damit wird die neue Kommission nicht mehr zum 01.11 sondern später starten und sich nicht auf der ESA Ministerratskonferenz einbringen können bzw. es wird die alte geschäftsführend sein.

Geplant sind in der EU-Kommission "Binnenmarkt" wohl u.a. zwei Abteilungen, die eine für "Galileo", die andere für "Raumfahrt-Politik, Copernicus und Verteidigung". Der ESPI-Report formuliert die Befürchtung, dass die EU in den nächsten 7 Jahren das Space-Budget (geplant 16 Mrd €) in den Defense-Bereich (geplant 13 Mrd €) verschieben könnte.

Der ESPI-Report enthält News, die wir alle schon kennen. Erwähnenswert ist evtl. das Kapitel "Space Economy und Finance" (=kommerzielles), aber enthält wohl auch nichts bemerkenswertes.

https://espi.or.at/news/espi-releases-third-issue-of-espinsights-for-q3-2019 (https://espi.or.at/news/espi-releases-third-issue-of-espinsights-for-q3-2019)