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Autor Thema: Indien: ASAT-Test Mission Shakti  (Gelesen 8864 mal)

Offline Schillrich

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #50 am: 05. April 2019, 11:05:56 »
Kann man aus der twitter-Mitteilung schliessen, dass Microsat nicht mehr existiert
(kein Hauptbruchstück) ??

Ja schon. Es gibt kleine neuen Orbitdaten zu dem Satelliten selbst mehr und die Trümmer müssen ja auch von etwas stammen.

Ich kenne noch keine Aussage dazu, ich vermute aber, dass man "hit-to-kill" gemacht hat? Oder hat diese ASAT-Waffe einen aktiven Sprengkopf, der Splitter gegen das Ziel wirft? ... wobei das praktisch die einfachere "Lösung" wäre.
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Offline D.H.

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #51 am: 05. April 2019, 12:12:47 »
Aus militärischer Sicht finde ich das ganze nicht so beeindruckend, auch wenn es so von den offiziellen Quellen ausgedrückt wird.
Man hat einen eigenen Satelliten in sehr niedrigen Orbit abgeschossen (auf denen sich eher wenige Spionagesatelliten tummeln dürften), dessen Flugbahn man selbst kontrolliert. Obendrein gab es davor wohl auch noch einen Fehlschlag beim Testen.
Sprich die Testaussage ist, Indien kann eine ballistische Rakete in (mind.) 300km Höhe auf eine vorher bekannte Bahn des Zielobjektes bewegen mit bislang 50% Trefferwahrscheinlichkeit und gewisser Vorbereitungszeit.
Falls ein Staat einem anderen Staat seine Satelliten abschießen sollte, dürfte das als Kriegserklärung gelten. Ergo müsste in guter Erstschalg-Manier quasi alle gengerischen Spionagesatelitten sofort abgeschossen werden, um einen Vorteil zu erlangen. Nicht wirklich überzeugend mit diesem Test...
Obendrein ggebe ich zu bedenken, dass die Gegenmaßnahmen für so ein ballistisches Abfangen wahrscheinlich weniger komplex sind (z.B. wenn der Satellit über gefährliches Gebiet fliegt zufallsgeniertere Bewegungen ausführen, oder falls es geht alles auf einen höheren Orbit platzieren, Einsatz von Flares und Düppel, etc.). Sprich es fördert das militärische Aufrüsten und behindert die zivile raumfahrt, sehr gute Leistung (das war sarkastisch gemeint).

Offline Sensei

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #52 am: 05. April 2019, 12:36:57 »
Ich möchte zwei Sätze aus einer Nachricht von Jonathan McDowell zitieren:
[...]
Die Reichweite der Apogäen beträgt bis zu 2248 km. So viel zu dem Thema, dass es sich nur um eine niedrige Höhe und keine Bedrohung handelt.

https://twitter.com/planet4589/status/1114067605424365568

Und?

Das einige wenige Objekte beschleunigt werden und deswegen ein höheres Apogee bekommen war vorher allen klar. Das ist immer so.

Aber 1. sind das nur verhältnismäßig wenige Teile und 2. liegt deren Perigee immer noch auf 280 km höhe und sind deswegen auch nach maximal wenigen Monaten wieder unten.

Und die Chance, dass diese Teile in der Zeit auch nur irgend einen Satelliten treffen, ist wohl deutlich geringer als ein 6er im Lotto.

Offline Progress100

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #53 am: 05. April 2019, 13:34:11 »
In meinen Augen ist J. McDowell einer der führenden Raumfahrtexperten.
Ich denke, er weiss was er sagt.
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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #54 am: 05. April 2019, 14:00:22 »
Ich denke auch dass er weiß was er sagt.
Aber weißt du auch was er sagt?

Für eine Weile wird wohl das Risiko der ISS (und von LEO Satelliten) getroffen zu werden minimal erhöht werden. Thats it.

[Und noch einmal als Disclaimer: Ich finde auch nicht toll das Satelliten abgeschossen werden Und würde mir eine Welt wünschen in der solche Kapazitäten nicht als nötig erachtet würden.... Aber da sind wir eben nicht. Und von diesem einem Waffentest geht die Welt nicht unter! Manchmal muss man die Kirche auch mal im Dorf lassen.]

Offline Progress100

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #55 am: 05. April 2019, 15:31:02 »
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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #56 am: 05. April 2019, 16:48:57 »


Über die Hälfte dürfte nach 4 Wochen wieder aus dem Orbit sein.
Die anderen brauchen doch etwas länger..

Offline Schillrich

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #57 am: 06. April 2019, 08:27:06 »
Ich bin mir über Funktionsweise und Leistungsfähigkeit des indischen ASAT-Systems nicht im Klaren:
  • Die (amerikanischen) Animationen, die man sieht, zeigen einen Aufstieg genau auf die Höhe des Zielsatelliten. Am Gipfelpunkt hätte der Gefechtskopf dann eine "relativ lange" Verweildauer, um auf die Passage des Ziels zu warten. Das Begegnungsfenster hätte man damit vergrößert ... mehr Zeit für mögliche Manöver, und einfachere Manöver des Gefechtskopfs. So funktioniert Luft- und Raketenabwehr sonst nicht. Dort versucht man so schnell wie möglich sich dem Ziel zu nähern, u.a. um ihm Reaktionszeit zu nehmen.
  • Hatte die Rakete einen steuernden Gefechtskopf, ähnlich dem "exoatmospheric kill-vehicles" der amerikanischen Raketenverteidigung, oder hatten sie nur einen (klassischen) aktiven Splittergefechtskopf wie eine Luftabwehrrakete?
    Als selbst-steuernder Gefechtskopf brauche ich leistungsfähige Sensorik und Autonomie an Bord, um den Zielanflug zu steuern. Das ist schwierig. Eine vereinfachte Abfanggeometrie, mit einem vergrößerten Begegnungsfenster, vergrößert das letzte Manövrieren.
    Als "klassischer Gefechtskopf" kann ich vom Boden aus "grob in die Zone des Durchflugs" gelenkt werden, um dann nur noch die Annäherung selbst zu messen und meinen Sprengsatz auszulösen ... der eine Splitterwolke in die Flugbahn des Ziels wirft. Hier brauche ich eigentlich keine vereinfachte Abfanggeometrie, da ich selbst einen größeren Raumbereich mit meinen Splittern beschieße.
Schwierig, zumindest uneindeutige, diese Indizien zu interpretieren ... man scheint hier einiges im gesamten Szenario für sich vereinfacht zu haben. Das könnte für ein tatsächliches "kill-vehicle" sprechen. Aber es unter solchen Bedingungen zu testen, wäre nicht irgendwie "operationell" und liefert nur grundlegende Erkenntnisse zur Funktionsfähigkeit, aber nicht zur Einsatzbereitschaft.

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #58 am: 06. April 2019, 08:39:03 »
Ich gehe von einem kill-vehicle aus.

Wenn es eine "schrot-Ladung" gewesen wäre hätte man wohl noch einen einzelnes, markantes Trümmerstück übrig behalten.
Danach sieht es im Moment nicht aus

Offline Schillrich

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #59 am: 06. April 2019, 08:51:44 »
Du meinst Trümemrteile des Ziels? Ja, stimmt ...
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Offline Schillrich

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #60 am: 07. April 2019, 12:40:02 »
Hier klopft sich Indien selbst auf die Schulter ... und stellt sich als leistungsfähige, rationale Großmacht dar ... nun ja:


https://www.youtube.com/watch?v=AK0tc87_n-4

Man bekommt aber einige Einblicke in Rakete und Gefechtskopf, ein "hit-to-kill"-Vehicle.
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Offline Schillrich

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #61 am: 07. April 2019, 12:51:30 »
Tests des "kill-vehicles":



Integration des Waffensystems:


Aufstieg und Abfanggeometrie, schematisch:



Letzter Blick des IR-Sensors aus 840m auf Microsat-R:






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Offline wernher66

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #62 am: 07. April 2019, 21:48:53 »
Jonathan McDowell nennt die indische Abfangrakete PDV Mk II.
Sie besteht aus zwei Feststoff-Stufen und einer Manövrier-Stufe mit Flüssig-Antrieb.
Das Ziel soll innerhalb von  nur 3 Minuten abgefangen worden sein.
In 3 Minuten auf 250 Kilometer - das ist ganz schön schnell.

Offline Progress100

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Re: Indien: ASAT-Test Mission Shakti
« Antwort #63 am: 03. Mai 2019, 19:25:40 »
https://twitter.com/TSKelso/status/1124142920246775808

Bisher 93 Fragmente registriert, davon sind 22 verglüht.
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