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Autor Thema: OCO auf Taurus  (Gelesen 25083 mal)

Offline Schillrich

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #50 am: 24. Februar 2009, 14:38:13 »
Zitat
Kann man die Trennung nicht nochmal versuchen, oder ist jetzt wirklich die Mission verloren? unentschlossen

Eine "neues Trennkommando" hilft nicht. Der Satellit ist in der Nähe der Antarktis niedergegangen, hat also durch die Masse der Verkleidung nicht Orbitgeschwindigkeit erreicht.
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

"Failures are ammo in your arsenal, not baggage that weighs you down." (JPL)

jpieper

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #51 am: 24. Februar 2009, 15:19:41 »
Ist der Satellit denn nun verloren, oder kann man den mit ein paar Reparaturen wieder versuchen ins All zu schiessen?

Offline tobi

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #52 am: 24. Februar 2009, 15:24:13 »
Der Satellit ist wahrscheinlich verglüht, falls nicht, dann beim Aufprall auf die Erde zerschmettert worden. Falls auch das nicht der Fall ist, dann müsstest du ihn erstmal finden um ihn  reparieren zu können. ;)
« Letzte Änderung: 24. Februar 2009, 15:24:39 von tobi453 »
Jean-Yves Le Gall: "CNES: The Future of Space!", "Le CNES, The Place to Be!!!"

magic_laser

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #53 am: 24. Februar 2009, 16:21:40 »
Man sollte mal an der neuen Neumayerstation III eine suchmanschaft zusammenstellen da schwiren doch noch jede menge leute rumm !

jpieper

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #54 am: 24. Februar 2009, 16:25:04 »
Zitat
Der Satellit ist wahrscheinlich verglüht, falls nicht, dann beim Aufprall auf die Erde zerschmettert worden. Falls auch das nicht der Fall ist, dann müsstest du ihn erstmal finden um ihn  reparieren zu können. ;)

Hätte gedacht, dass die vllt. wie bei den SRB von den Spaceshuttlen Fallschirme dran haben, für den Fall der Fälle. Okay, bei vollem Schub wären die sicherlich so wirkunsvoll wie ein Netz mit 1m großen Maschen, aber vielleicht gibts für sowas ja eine Technik, die soweit abzubremsen, dass die wieder "fallschirmfähig" sind.

Offline Olli

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #55 am: 24. Februar 2009, 16:25:39 »
Ich denke, dass lohnt sich nicht. Wenn es OCO wirklich bis auf die Erde geschafft haben sollte, wird da nicht mehr viel von übrig sein, außer ganz viele Kleinteile - und dann heißt es erst sortieren und dann puzzlen.

Da halte ich einen Neubau gegenüber der Puzzle-Aktion für kostengünstiger.

Schade, dass es an der Taurus lag, zumal dies die erste Mission war, die sie für die NASA geflogen ist. Da ist wohl das Vertrauen in sie erstmal dahin...

Grüße,
Olli
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Offline technician

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #56 am: 24. Februar 2009, 16:30:47 »
Laut spaceflightnow.com
"NASA'S 273 Millionen Dollar Orbiting Carbon Observatory (OCO) Satellit stürzte heute in Nähe der Antarktis in den Ozean..... Laut Telemetriedaten trennte sich der schützende Fairing (Anmerkung: die Schutzspitze) während des Aufstieges nicht. Somit konnte auf Grund des zusätzlichen Gewichts der Orbit nicht erreicht werden....."

http://www.spaceflightnow.com/taurus/oco/status.html

Offline Bit

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Re: Satelliten Kollision im Orbit
« Antwort #57 am: 24. Februar 2009, 17:04:32 »
Noch ein Unfall.
Wenn ihr für solche Meldungen ein eigenes Thema habt bitte dahin verschieben.


Aktuelle Kurzmeldung

NASAs CO2-Satellit ereicht Erdorbit nicht

Washington/ USA - Mit dem Weltraumobservatorium "Satellit Orbiting Carbon Observatory (OCO)" wollte die NASA den weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß und dessen globale Verteilung ermitteln. Nach seinem Start trennte sich das Modul jedoch nicht wie vorgesehen von der Trägerrakete, wodurch die vorgesehene Umlaufbahn nicht erreicht wurde. Auf einer Pressekonferenz will die NASA noch heute über die Ursachen berichten.


Offline Pirx

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #58 am: 24. Februar 2009, 17:27:43 »
Zitat
In zwei Stunden soll es eine Pressekonferenz zum Verlust von OCO geben.
Aufzeichnung der PK: http://mfile.akamai.com/18566/wmv/etouchsyst2.download.akamai.com/18355/wm.nasa-global/ksc/van_022409_oco_mishap_conf.asx

Gruß   Thomas
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Online -eumel-

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #59 am: 24. Februar 2009, 18:58:28 »
Zitat
Eine "neues Trennkommando" hilft nicht. Der Satellit ist in der Nähe der Antarktis niedergegangen, hat also durch die Masse der Verkleidung nicht Orbitgeschwindigkeit erreicht.
Ahhhrg! Wenn die Nutzlastverkleidung nicht abgetrennt wurde, ist sie weiter mitbeschleunigt worden und hat dabei Energie aufgenommen, die eigentlich für die Beschleunigung zum Erreichen der Orbitalgeschwindigkeit vorgesehen war!

Wirklich dumm gelaufen für den ersten NASA-Auftrag der Firma Orbital!
Den NASA-Auftrag zur Versorgung der ISS nach der Shuttle-Stilllegung haben sie aber bereits in der Tasche.

Jetzt müssen sie sich nur was einfallen lassen, um beim nächsten Start die Fairing zuverlässig los zu werden.
Aber das werden sie schon hinkriegen! ::)
Nächster Berliner Stammtisch am Freitag, dem 28. Juni 2019 ab 19:30 Uhr in der Bar Gagarin.

Offline tobi

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #60 am: 24. Februar 2009, 19:01:23 »
Zitat
Wirklich dumm gelaufen für den ersten NASA-Auftrag der Firma Orbital!
Den NASA-Auftrag zur Versorgung der ISS nach der Shuttle-Stilllegung haben sie aber bereits in der Tasche.
eumel, es war der erste Taurus NASA Start von Orbital. Es gab schon Starts für die NASA von Orbital vorher, z.B. IBEX mit der Pegasus. ;)
Jean-Yves Le Gall: "CNES: The Future of Space!", "Le CNES, The Place to Be!!!"

Online -eumel-

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #61 am: 24. Februar 2009, 19:04:54 »
Ach ja, die Pegasus hatte ich vergessen! Danke Tobi!
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Offline roger50

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #62 am: 24. Februar 2009, 20:32:59 »
N'abend,

das war zwar der erste Start(versuch) von Orbital für NASA, aber bereits der insgesamt 8.Start einer TAURUS. Zuvor hat sie militärische und kommerzielle Satelliten befördert (u.a. für Korea).

So'n Mist wie heute passiert leider immer mal wieder, dagegen ist kein Hersteller gefeit.  :-[

Gruß
roger50


Offline Pirx

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #63 am: 24. Februar 2009, 20:39:49 »
Fehler kommen vor. Hier meine Meldung zum Mißgeschick von heute:

Um 10:55 MEZ hob die vierstufige Taurus-XL-Rakete vom Startplatz 576-E auf der Luftwaffenbasis in Vandenberg, Kalifornien ab. Die von Orbital Sciences Corporation (OSC ) gebaute Trägerrakete funktionierte zunächst wie vorgesehen. Die ersten beiden Raketenstufen, gebaut von Alliant Techsystems und ausgerüstet mit Feststoffmotoren wie alle Stufen der Taurus-XL, erfüllten ihr geplantes Flugprogramm, und die dritte Stufe konnte gezündet werden.

Im Verlauf der Brennphase der dritten Stufe war vorgesehen, die OCO umgebende Nutzlastverkleidung abzuwerfen, da diese in der bereits erreichten Flughöhe nicht mehr benötigt würde. Die Abtrennung der aus zwei Halbschalen bestehenden Nutzlastverkleidung sechs Sekunden nach der Zündung der dritten Stufe erfolgte jedoch nicht.

Aus den empfangenen und aufgezeichneten Telemetriedaten geht hervor, daß der tatsächliche Verlauf der Beschleunigung der Rakete ein entsprechender ist. Wäre die Verkleidung abgeworfen worden, würde in den Beschleunigungsdaten ein Sprung sichtbar sein, da dann die durch die angetriebene Raketenstufe zu beschleunigende übrige Masse von Rakete und Nutzlast in einem Moment um das Gewicht der Verkleidung geringer geworden wäre.

Temperaturdaten von Sensoren im Nutzlastbereich entwickelten sich nach dem vermeindlichen Verkleidungsabwurf wie vorgesehen, weshalb man nicht sofort auf einen Mißerfolg hat schließen können. Allerdings war das fortdauernde Bestehen von elektrischen Verbindungen mit den beiden Hälften der Verkleidung ein sicheres Indiz dafür, dass die Verkleidung noch auf der Rakete saß. Beim Abwurf der Verkleidung wären die entsprechenden elektrischen Verbindungen getrennt worden.

Mit dem zusätzlichen Gewicht der Verkleidung reichte der Schub von dritter und vierte Stufe nicht aus, um die für das Aussetzen von OCO nötige Geschwindigkeit aufzubauen. OCO, gefangen unter der Verkleidung und mit der vierten Raketenstufe verbunden trat wieder in Atmosphäre der Erde ein, mögliche Überreste könnten nach erster Abschätzung in der südlichen Polarregion ins Meer gefallen sein.

Das Versagen der Taurus-XL bei ihrer ersten Mission für die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA wird von einer Expertengruppe untersucht werden. Für die Wissenschaftler, die mit OCO im Rahmen des Programmes "Mission to Planet Earth" speziell auf das Kohlendioxid in der Atmosphäre, dessen Quellen, Verteilung und Senken ausgerichtete Erdbeobachtung betreiben wollten, ist der Fehlschlag nach neun Jahren Planung und Vorbereitung eine herbe Enttäuschung.

Ob ein gleichartiger Satellit als Ersatz gebaut werden wird, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Vergleichbare Meßaufgaben wie OCO hat der bereits auf einer Umlaufbahn um die Erde befindliche japanische Satellit GOSAT (Greenhouse-gases Observing Satellite). Es war geplant, die Meßergebnisse beider Satelliten zur Absicherung und Verbesserung der gewonnenen Erkenntnisse zu vergleichen und miteinander in Beziehung zu setzen.

Gruß   Thomas
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Offline Martin

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #64 am: 25. Februar 2009, 00:49:20 »
2009 ist anscheinend ein wirklich seltsames Raumfahrtjahr mit der Anzahl an Satellitenverlusten. Astra 5A, Eutelsat 5WM, Iridium 33 und jetzt OCO. Wenn ich Zeit haette wuerde ich mich an eine schoene Verschwoerungstheorie machen.
OSC Press Release:

Zitat
Orbital's Launch of Taurus Rocket is Unsuccessful
-- NASAs Orbiting Carbon Observatory Satellite Does Not Achieve Orbit --

(Dulles, VA 24 February 2009) – Orbital Sciences Corporation (NYSE: ORB) announced today that the launch of its Taurus XL rocket, which lifted off at 4:55 a.m. (EST) from Vandenberg Air Force Base, CA., carrying the company-built Orbiting Carbon Observatory satellite for NASA, did not achieve orbit. Preliminary indications are that the payload fairing on the Taurus XL vehicle failed to separate. The fairing is a clamshell structure which encapsulates the satellite as it travels through the atmosphere.

Orbital will immediately convene an internal failure investigation board that will include representatives from the company and NASA to determine the cause of today’s launch failure. Orbital believes that it is likely that it gathered sufficient data during the flight that will enable the company to identify the cause of the failure.



Es wird also eine OSC interne Kommission geben welche den Fehlschlag untersucht mit Repraesentanten von OSC und NASA. Orbital glaubt genug Flugdaten zu besitzen um den Grund fuer den Fehlschag ermitteln zu koennen.

Martin


Dein Posting kommt ohne Sand nicht an sein Ziel. Wir sind überall. Deine Geo- & Montanwissenschaften | www.wir-sind-ueberall.de

Offline tobi

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #65 am: 03. März 2009, 19:47:04 »
Der Fehlstart kostet Orbital Sciences 5,6 Millionen Dollar an nicht erhaltenen NASA Bonus Zahlungen für einen erfolgreichen Start + die Kosten für die Untersuchung des Unglücks:
http://washington.bizjournals.com/washington/stories/2009/03/02/daily29.html?ana=yfcpc
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Offline Pirx

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #66 am: 04. März 2009, 08:38:00 »
Gestern am 03.03.2009 wurde die Zusammensetzung der NASA-Untersuchungskommission durch die NASA bekannt gegeben:

Die Leitung erfolgt durch

Rick Obenschain, deputy director GSFC

Die weiteren stimmberechtigten Mitglieder sind:

Jose Caraballo, safety manager NASA Langley Research Center

Patricia Jones, acting chief of the Human Systems Integration Division in the Exploration Technology Directorate NASA Ames Research Center

Richard Lynch, Aerospace Systems Engineering, GSFC

Dave Sollberger, deputy chief engineer of the NASA Launch Services Program KSC  NASA

Unterstützt werden sie von Ruth Jones, Safety and Mission Assurance manager NASA MSFC, die sicherstellen soll, dass die Arbeit der Untersuchungskommission getreu den vorgeschriebenen Abläufen erfolgt.

Die Arbeit der Untersuchungskommission hat am 03.03.2009 begonnen. Informationen werden zusammengetragen werden, die Fakten sollen analysiert werden, den oder die Gründe und Faktoren, die (mit) zu dem Unglück beitrugen, will man finden. Schließlich will man Empfehlungen erarbeiten, wie künftig solche oder ähnliche Unglücke vermieden werden können.

Gruß   Thomas
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Offline Pirx

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #67 am: 18. März 2009, 21:23:13 »
Lt. Jonathan McDowell, der sich auf Personal von Orbital bezieht, fehlten OCO 0,2 km/s Geschwindigkeit, um einen stabilen Orbit zu erreichen. OCO soll eine 129 x 614 km "Umlauf"bahn erreicht haben.

Gruß   Thomas
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Offline tobi

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #68 am: 20. März 2009, 18:32:52 »
Wissenschaftler haben bei der NASA nun angefragt, ob man nicht einen Ersatz für OCO bauen könnte. Dieser könnte im Herbst 2011 gestartet und 2012 einsatzbereit sein.

Der Satellit soll dann OCO 2 heißen.


Quelle:
http://www.spaceflightnow.com/taurus/oco/oco2.html
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Offline Pirx

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #69 am: 07. Juni 2009, 10:32:33 »
Guten Morgen!

Wenn ich die Informationen bei nsf richtig verstehe, wird in einer vorläufigen Version des Untersuchungsberichtes zum nicht erfolgten Abwerfen der Nutzlastverkleidung davon ausgegangen, dass der Teil des Ablaufes, bei dem über normalerweise die Verkleidung durch gasdruckgetriebene Kolben in Bewegung gesetzt wird, nicht stattfand, weil die Zündung des entsprechenden Gasgenerators nicht erfolgte. Der entsprechende Zünder hat möglicherweise als Folge von Schocks durch Pyros kurz zuvor im Ablauf nicht gearbeitet. Keine Verbrennungsgase, kein Druck, kein Kolbenhub, keine Bewegung der Verkleidung. Künftig müsste man die Schockbelastung reduzieren, oder auf ein eventuell robusteres Kaltgassystem übergehen. Welcher Weg eingeschlagen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar.

Gruß   Thomas
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Offline Rücksturz

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #70 am: 01. Mai 2019, 16:04:50 »
Die NASA hat eine aktualisierte Zusammenfassung zum Versagen der Taurus XL bei der OCO-Mission und Glory-Mission drei Jahre später veröffentlicht:
https://www.nasa.gov/sites/default/files/atoms/files/oco_glory_public_summary_update_-_for_the_web_-_04302019.pdf

Demnach versagte bei beiden Missionen der Mechanismus zum Abwerfen des Fairings.
Durch die zusätzliche Masse waren die Raketen zu schwer, um orbitale Geschwindigkeit zu erreichen und stürzten bei Antarktika ins Meer.
Beide Misserfolge verursachten zusammen Kosten von über 700 Mio. Dollar, die verlorene Arbeitszeit der beteiligten Wissenschaftler noch nicht eingerechnet.
Die Fairinghälften untereinander und zur Rakete waren mit "frangible joints", also ungefähr "zerbrechlichen Verbindungen" (aus Aluminium-Extrusionsmaterial) verbunden (vielleicht sind "Sollbruchstellen" gemeint, was sagen die amerikanisch-englisch Experten?)
Hier noch einmal der entscheidende Satz zum selber übersetzen: "A frangible joint is a structural separation system that is initiated using ordnance. Initiation of the ordnance causes the ligament of the frangible joint extrusion to fracture, allowing the two payload fairing halves to be separated and subsequently jettisoned from the Taurus rocket."
In Zusammenhang mit der auslösenden "ordnace" könnte auch eine Übersetzung als "Sprengbolzen" korrekt sein?
Als Hauptgrund für das Versagen der beiden Raketen wurden "improper “Extrusion Material Properties”" festgestellt, d.h. die Materialeigenschaften der extrudierten Bauteile waren nicht ausreichend.

Die Bauteile für beide Raketen wurden von der Fa. Sapa Profiles, Inc. (SPI) in ihrer Technical Dynamics Aluminum (TDA) Fabrik, in Portland Oregon hergestellt.
Da zunächst der Grund für das Versagen nicht gefunden werden konnte, wurden schließlich Materialproben aus den ursprünglichen Extrusionsprozessen untersucht.
Dabei wurde festgestellt, dass die Materialeigenschaften nicht den geforderten und eigentlich von der Firma zertifizierten Spezifikationen entsprachen.
Man fand weiterhin Hinweise, dass die Ergebnisse ursprünglicher Materialtests der Firma verändert wurden.
Die Firma hat die Materialien unberechtigterweise zertifiziert, obwohl die geforderten Materialeigenschaften nicht erreicht wurden.
Wie in einem Gerichtsverfahren festgestellt wurde, hat SPI zwischen 1996 und 2006 rund 2000 Testergebnisse manipuliert, wovon mehr als 200 Kunden betroffen waren.
Weitere Testergebnisse (ca. 4100) wurden in einem anderen Firmen-Labor in Portland zwischen 2006 und 2015 manipuliert, wovon mehr als 250 Kunden betroffen waren.

In einem weiteren Newsletter teilt die NASA mit, dass die Fa. SPI (jetzt als Hydro Extrusion Portland, Inc. firmierend) neben der strafrechtlichen Verfolgung in einem Zivilverfahren 46 Mio. Dollar an die Regierung und private Kunden zahlen musste.
Die Firma wurde bereits 2015 von allen öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen.

Weiterhin schreibt die NASA, dass sie zwar soviel teste wie möglich, aber einfach nicht alles testen kann.
Sie zahle bewusst mehr, damit die Auftragnehmer Tests und Zertifizierungen übernehmen.
Wir haben ja schon öfters über den Mehrpreis von Regierungs- bzw. NASA-Starts gegenüber rein kommerziellen diskutiert.
Offensichtlich ist dieser Mehrpreis für manche durchaus ein Anreiz ihre kriminelle Energie walten zu lassen, um noch einen größeren Reibach zu machen.

Viele Grüße
Rücksturz



BFR/BFS: One rocket to rule them all!

Offline roger50

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #71 am: 01. Mai 2019, 16:49:48 »
Zu: Sollbruchstelle, Sprengbolzen

Beides korrekt. Eine explosive Trennung des Fairings von der Oberstufe und der beiden Hälften untereinander ist eigentlich der Standard bei allen Trägern. Entweder durch eine Anzahl von einzelnen Sprengbolzen (meist mit Sprengstoff gefüllten Schrauben) oder durch umlaufende Sprengbänder.

Ausnahme von der Regel ist die Falcon, die die Trennungen durch elektr. (oder hydraulisch?) geöffnete Haken und Druckfedern bewältigt, um Beschädigungen des (wiederverwendbaren) Fairings zu vermeiden.

Gruß
roger50

Offline aasgeir

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #72 am: 01. Mai 2019, 16:54:50 »
.....
Hier noch einmal der entscheidende Satz zum selber übersetzen: "A frangible joint is a structural separation system that is initiated using ordnance. Initiation of the ordnance causes the ligament of the frangible joint extrusion to fracture, allowing the two payload fairing halves to be separated and subsequently jettisoned from the Taurus rocket."
In Zusammenhang mit der auslösenden "ordnance" könnte auch eine Übersetzung als "Sprengbolzen" korrekt sein?
Als Hauptgrund für das Versagen der beiden Raketen wurden "improper “Extrusion Material Properties”" festgestellt, d.h. die Materialeigenschaften der extrudierten Bauteile waren nicht ausreichend.
....
Rücksturz

Ich übersetze hier "ordnance" als "Sprengladung", "Munition", "Sprengschnur" - letztere wird häufig zur Trennung von Payload Fairings eingesetzt; siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Nutzlastverkleidung.
Bemerkenswert in einem solchen Fall wäre, dass die Alu-Profile, die von der Sprengschnur zerrissen werden sollten, sich als zu stabil (!) erwiesen hätten, keineswegs als zu schwach ! (Die Sprengschnur -nicht von SAPA- scheint ja in Ordnung gewesen zu sein...)

Offline wernher66

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #73 am: 01. Mai 2019, 20:33:50 »
Immer wieder interessant, solche detaillierten Fehleranalysen. Danke an Euch !

Offline roger50

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Re: OCO auf Taurus
« Antwort #74 am: 01. Mai 2019, 21:10:25 »
Zitat
Bemerkenswert in einem solchen Fall wäre, dass die Alu-Profile, die von der Sprengschnur zerrissen werden sollten, sich als zu stabil (!) erwiesen hätten, keineswegs als zu schwach ! (Die Sprengschnur -nicht von SAPA- scheint ja in Ordnung gewesen zu sein...)

Richtig. Diese Alu-Profile müssen eine ganz bestimmte Elastizität haben, dürfen also weder zu hart (wie in diesem Fall) noch zu weich sein. Denn sie sollen lediglich aufreißen, aber nicht zerfetzt werden, denn sonst bestände die Gefahr, daß Metallsplitter die Nutzlast/den Satelliten treffen. Deshalb gibt es auf den Fairing-Innenseiten zusätzlich immer noch Laschen aus Kuststoff vor den Alu-Profilen.

Und Aluminium mit solch exakter Festigkeit herzustellen ist natürlich teurer, als einfach ein hartes Material als solches zu verkaufen.

Gruß
roger50

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