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Autor Thema: Planet Venus  (Gelesen 84191 mal)

Offline Pham

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Re: Planet Venus
« Antwort #175 am: 08. Februar 2016, 13:10:13 »
Die (massive) Bremsung finde ich ebenfalls erstaunlich. Bzw. finde ich eigentlich jede Art von Abbremsung erstaunlich, da die Venus unter der Annahme dass die ein abgeschlossenes System bezüglich Drehimpuls ist, den Drehimpuls bei einer Abbremsung ja irgendwo hin abgeben muss.
Selbst wenn man den eigentlichen Planeten und die Atmosphäre der Venus als  zwei Systeme bertachtet, welche untereinander Drehimpuls austauschen, müsste die Atmosphäre diesen "verlorenen" Drehimpuls, der dem der Atmosphäre entgegengesetzt ist, aufnhemen. Die Windgeschwindigkeiten müssten somit dramatisch abnehmen, den 6,5min in einigen Jahren für so ein massiven Klotz wie die Venus (im Gegensatz zur Atmosphärenmasse) ist eine gehörige Hausnummer.

Anders gefragt:
Wer nimmt den Drehimpuls der Venus auf, wenn diese in der Rotation so extrem bremst?
Müssten wir allein dem gesunden Menschenverstand vertrauen, so wäre die Welt noch immer eine Scheibe.

Offline HausD

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Re: Planet Venus
« Antwort #176 am: 08. Februar 2016, 13:38:49 »
Allerdings gibt es für die Verringerung der Erdrotation einen offensichtlichen Prozess, und zwar sind das die Gezeitenkräfte die hpts.  durch den Erdmond erzeugt werden...
Neben der Gezeitenwirkung des Erdmondes darf man die der Sonne auf die Erde nicht unterschätzen, sie beträgt immerhin rd. 1/3 der des Erdmondes.
Die Venus ist der Sonne rd. 0,7AE nahe und damit die Gezeitenwirkung auch um rd. 1,4-mal größer als auf die Erde. (Doch ob das eine Erklärung für den Effektist, kann ich natürlich nicht sagen, daher gebe ich es nur zu bedenken.)

Gruß, HausD

Offline rok

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Re: Planet Venus
« Antwort #177 am: 08. Februar 2016, 13:55:23 »
Ich kann mir auch nur eine Wechselwirkung zwischen dem Planeteninneren und der Kruste (deren Rotationsgeschwindigkeit ja gemessen wird) vorstellen. Also beispielsweise wird die Kruste durch die Massen aus den gewaltigen Lavaflutungen abgebremst (gegenüber dem Venusinneren) und anschließend durch die elastische Kopplung wieder beschleunigt, wobei es sicherlich zu Schwingungen im System Venuskern/Kruste kommt.

Naja, reine Spekulation. Aber da der Drehimpuls des Planeten nicht durch äußere Einflüsse geändert wird, bleibt auch die Drehachse konstant, d.h. es wird durch diesen Vorgang keine Präzession ausgelöst.

Robert

und nachgetragen @ HausD: Die gravitative Wechselwirkung mit der Sonne besteht in dieser Größenordnung seit Jahrmilliarden fast unverändert, zumindest wenn die Venus ihre Position im System nicht wesentlich verändert hat. Und zumindest überschlägig geschätzt ist der momentan beobachtete Effekt doch verdammt groß.

Robert

Offline Pham

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Re: Planet Venus
« Antwort #178 am: 08. Februar 2016, 14:03:22 »
Ich kann mir auch nur eine Wechselwirkung zwischen dem Planeteninneren und der Kruste (deren Rotationsgeschwindigkeit ja gemessen wird) vorstellen. Also beispielsweise wird die Kruste durch die Massen aus den gewaltigen Lavaflutungen abgebremst (gegenüber dem Venusinneren) und anschließend durch die elastische Kopplung wieder beschleunigt, wobei es sicherlich zu Schwingungen im System Venuskern/Kruste kommt.

...

Das scheint mir auch der einzige denkbare prozess zu sein, der eine derartig dramatische Abbremsung der Venus, bzw. derer "sichtbares Äußeres" bewirken könnte.
Wenn Inneres und Äußeres aber derart asynchron drehen, müsste sich dieser prozess im Laufe der Jahrmilliarden ja auch irgendwie eingependelt haben (wenn nicht ein anderer, unbekannter, äußerer prozess dies in gang hält).
Und zum Zweiten kann ich mir in dem Fall nur schwer vorstellen, wie ein derart massives Koppeln der Schichten der Venus keine irgendwie geartete Plattentektonik verursachen würde (je nachdem wie tief die Schichten derart koppeln: Mantel-Kruste oder Kern-Mantel).
Müssten wir allein dem gesunden Menschenverstand vertrauen, so wäre die Welt noch immer eine Scheibe.

Offline -eumel-

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Re: Planet Venus
« Antwort #179 am: 08. Februar 2016, 14:54:24 »
Es ist schwer vorstellbar, dass es auf der Venus keine Plattentektonik geben sollte.
Wahrscheinlich konnten wir sie nur noch nicht feststellen, denn es liegen ja nur wenige Informationen über die Oberfläche des Planeten vor.

Im Gegensatz zum Mars, den seit vielen Jahren mehrere Orbiter umkreisen und hochaufgelöste Karten erstellten.
Beim Mars können wir feststellen, wenn eine Düne einen Meter pro Jahr wandert.

Aber die Oberfläche der Venus ist durch die dicke Wolkendecke nicht zu sehen.
Nächster Berliner Stammtisch am Freitag, dem 27. September 2019 ab 19:30 Uhr in der Bar Gagarin.

Offline HausD

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Re: Planet Venus
« Antwort #180 am: 08. Februar 2016, 15:38:12 »
Es ist schwer vorstellbar, dass es auf der Venus keine Plattentektonik geben sollte.
Wahrscheinlich konnten wir sie nur noch nicht feststellen, denn es liegen ja nur wenige Informationen über die Oberfläche des Planeten vor. ... Aber die Oberfläche der Venus ist durch die dicke Wolkendecke nicht zu sehen.
Es ist sehr wahrscheinlich, wenn auch etwas anders als auf der Erde. Die Venusoberfläche hat immerhin rd. 500°C, damit ist der Untergrund schon eher flüssig, die Platten bzw. Inseln sind dünner und damit auch beweglicher.
Bilder von der Oberflächengestalt gibt es ja auch schon, und dabei meine ich nicht die wenigen Fotos direkt von der Oberfläche mit einigen Steinen und dem roten Farbton, sondern die Seitenradar-Bilder der Oberfläche durch die Dauerwolkenschicht hindurch.
Wenn man bedenkt, das Alfred Wegener für seine "Platten verschieben sich"-Theorie vor gerade mal 100 Jahren für verrückt erklärt wurde..., ich kann mir Platten- (oder Insel-) Tektonik auf der Venus durchaus vorstellen, auch dass Bewegungen dort nicht nach irdischen Maßstäben langsam ablaufen müssen.

Gruß, HausD

Offline rok

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Re: Planet Venus
« Antwort #181 am: 08. Februar 2016, 22:16:13 »
Soweit ich weiß liegt die Auflösung der Radar-Bilder im km-Bereich und es sind auf diesen Bildern noch keine Anzeichen für eine Plattentektonik entdeckt worden.

Selbstverständlich gibt es lokale Spannungsrisse oder Überschiebungen, aber keine größeren Teile der Kruste, die lange Strecken "zielgerichtet" durchlaufen (auch wenn der Weg der irdischen Kontinente eher der Fußspur eines Betrunkenen ähneln). Das sind aber gerade die Prozesse, die auf der Erde eine ständige und konstante Wärmeabgabe an die Oberfläche ermöglichen.

Da es auf der Venus anscheinend daran fehlt, kommt es vermutlich zu katastrophalen Lavaüberflutungen im Abstand von Jahrhundertmillionen (?), bei denen wesentliche Teile der Oberfläche neu gestaltet werden. Und das wiederum könnte zu den Unterschieden in der Rotation von Kern und Oberfläche führen (sofern vorhanden!).

Robert

Magellan

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Re: Planet Venus
« Antwort #182 am: 08. Februar 2016, 23:07:07 »
Anzeichen auf Naturreaktoren gibts wohl bislang nicht. Oder wurde da auch mal was berichtet?

Offline -eumel-

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Re: Planet Venus
« Antwort #183 am: 08. Februar 2016, 23:11:50 »
Was sind denn "Naturreaktoren"?
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Offline Prodatron

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Re: Planet Venus
« Antwort #184 am: 08. Februar 2016, 23:32:14 »
Was sind denn "Naturreaktoren"?
Normalerweise sind das Gebilde, wo es wegen natürlicher Konzentration von genug Uran zur Kernspaltung in gemässigten Ausmassen kommt.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Naturreaktor_Oklo
Nicht zu verwechseln mit der Wärmeentwicklung die grundsätzlich bei radioaktiven Zerfallsprozessen entstehen.

Offline holleser

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Re: Planet Venus
« Antwort #185 am: 09. Februar 2016, 08:30:40 »
Wenn die Atmosphäre des Planeten bereits sehr lange existiert, dann müsste diese wie eine Isolierschicht wirken. Die Erde hat grob genähert nur 1/3 der Venus. Die Wärmeabstrahlung war glaube ich Qadratisch. Somit hat die Erdoberfläche 9 * höhere wärmeabstrahlung. Somit benötigt die Venus weniger Energie um flüssig zu bleiben als di Erde.

Offline -eumel-

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Re: Planet Venus
« Antwort #186 am: 09. Februar 2016, 09:19:51 »
Somit benötigt die Venus weniger Energie um flüssig zu bleiben als di Erde.

Erhält aber mehr Energie von der Sonne, weil sie dichter dran ist.
Die Venus hat ein Wärmeregulierungsproblem.
Sie schwitzt sich tot!
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Offline holleser

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Re: Planet Venus
« Antwort #187 am: 09. Februar 2016, 09:34:57 »
Ja,

Mehr Fremdenergie + Weniger Verlust = weniger Nuklearenergie im Kern nötig

Offline rok

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Re: Planet Venus
« Antwort #188 am: 09. Februar 2016, 12:38:42 »
Die Albedo der Venus beträgt 0,75 (Erde 0,31). Die hohe Rückstrahlung wird hauptsächlich durch die Schwefelsäurewolken in ca. 50 - 75 km Höhe erzeugt. Das Licht, das dann in die tiefere Atmosphäre dringt verliert in den dichten Gasschichten erheblich an Energie, das Spektrum verschiebt sich also in den infraroten Bereich und für diese Wärmestrahlung ist die dichte CO2-Atmosphäre eine fast perfekte Falle.

Und, die Venus schwitzt sich nicht nur tot, sie ist bereits kollabiert mangels ausreichender Flüssigkeitszufuhr, d.h. Exitus ohne eine Chance auf Reanimation. ;)

Robert

Offline Schillrich

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Re: Planet Venus
« Antwort #189 am: 27. Juli 2016, 06:41:39 »
Guten Morgen,

in Spektrum der Wissenschaft gibt es eine kurze, neue Erklärung, wie die Venus ihr Wasser verliert: Es ist nicht der Sonnenwind, es ist das starke Magnetfeld der Sonne + ein elektrisches Feld in der Ionosphäre. Basis sind Daten von Venus Express.

Das Magnetfeld der Sonne beschleunigt in der Ionosphäre der Venus Elektronen weg vom Planeten. Diese Elektronen ziehen dann schwere, positive Ionen langsam/verzögert mit sich. So entsteht zwischen Elektronen und Ionen ein starkes elektrisches Feld (quasi wie ein Kondensator). Dieses elektrische Feld wirkt dann auf die polaren Wassermoleküle, so dass diese Energie gewinnen und mitklettern.


Quelle: SdW August 2016 "Warum die Venus ihr Wasser verliert"
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

"Failures are ammo in your arsenal, not baggage that weighs you down." (JPL)

Offline Prodatron

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Re: Planet Venus
« Antwort #190 am: 27. Juli 2016, 08:39:22 »
Hier der Link dazu:
http://www.spektrum.de/magazin/warum-die-venus-ihr-wasser-verliert/1416598
Den letzten Abschnitt deute ich so, dass das Phaenomen die habitablen Zonen bei roten Zwergen wohl deutlich einschraenkt.

Offline Gertrud

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Re: Planet Venus
« Antwort #191 am: 27. Oktober 2016, 20:41:39 »
Hallo Zusammen,

Geologisch junge Lavaströme an den Flanken des Venusvulkans Idunn Mons

ist eine Überschrift von einem Bericht des DLR über den Idunn Mons, einem Vulkan auf der Südhalbkugel der Venus. Die Daten wurden im Infrarotspektralbereich mit dem VIRTIS (Visible und InfraRed Thermal Imaging Spectrometer) auf dem Orbiter Venus Express beobachtet.

Die Abbildung zeigt ein Höhenmodell von Idunn Mons (46 S, 146 W), einem Vulkan mit einem Durchmesser von 200 km bei der Imdr Regio auf der Venus.
Kredit:NASA / JPL-Caltech / ESA

Die Abbildung zeigt ein Höhenmodell von Idunn Mons, das die VIRTIS Emissionsgradanomalie überlagert.  In rot sind die Bereiche der neue vulkanische Aktivität gekennzeichnet. 
Kredit: NASA / JPL-Caltech / ESA

Die Geologische Karte der östlichen Flanke von Idunn Mons, die die während des Kartierungsprozesses identifizierten fünf Lavaströme (lfu) anzeigt.  Lfu sind von a bis e klassifiziert.  Lfu-a stellt die Gipfelverbundeinheit von Idunn Mons dar, während die lfu-b, lfu-c, lfu-d und lfu-e Flankeneinheiten des Vulkans sind.
NASA / JPL-Caltech / ESA / DLR

Quelle in deutsch:
http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10212/332_read-19806/#/gallery/24775
in englisch:
http://www.alphagalileo.org/ViewItem.aspx?ItemId=169043&CultureCode=en

Mit den besten Grüßen
Gertrud
die Erklärung zu meinem Avatar:
http://de.wikipedia.org/wiki/NGC_2442
http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/ap070315.html
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Offline alswieich

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Re: Planet Venus
« Antwort #192 am: 17. Januar 2017, 14:51:13 »
Mahlzeit!

Auf der Venus wurde eine sich nicht bewegende (atmosphärische) Riesenstruktur entdeckt:
deutsch: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Forscher-sichten-stationaere-Riesenstruktur-auf-der-Venus-3597327.html
englisches Original: http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo2873.html
Könnte es sich dabei um eine stehende Welle handeln? Eventuell verursacht durch die sehr langsame Rotation der Venus?

Gruß
Peter

Offline Andras1768

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Re: Planet Venus
« Antwort #193 am: 17. Januar 2017, 18:54:30 »
Vielleicht gibt es ja "bald " eine Antwort darauf.
http://www.astrobio.net/venus/dark-streaks-venus-clouds-microbial-life/
Eine Gemeinschaftsmission(NASA/Roskosmos) will 2025 die Venusatmosphäre erkunden und nach Mikroben suchen, die evtl. dunkele Streifen in der Atmosphäre verursachen. Na, schaun mehr mal.

Offline Gertrud

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Re: Planet Venus
« Antwort #194 am: 23. Januar 2017, 16:11:34 »
Hallo Zusammen,

zu der stationären atmosphärische Bogenwelle, die auf der Venus entdeckt wurde, habe ich einige Infos zusammen getragen.
Mit den mittleren Infrarot- und Ultraviolettbildern des japanischen Orbiters Akatsuki wurde diese bogenförmige Struktur aufgenommen.
Die bogenförmige Welle erstreckte sich über 10.000 Kilometer nach Nord-Süd und blieb im Dezember 2015 für mindestens vier Tage stationär stehen. Die Wissenschaftler vermuten, dass die bogenförmige Struktur das Ergebnis einer atmosphärischen Schwerkraftwelle ist, die in der unteren Atmosphäre durch Gebirgstopographie erzeugt wird, und sich dann nach oben fortpflanzt.
Als Akatsuki Mitte Januar 2016 die Hochlandregion Aphrodite Terra-Region, von der Größe Afrikas, erneut beobachtete, war die Welle wieder verschwunden.

In diesen Bildern von Japans Orbiter Akatsuki ist im Dezember 2015 über mehrere Tage eine stationäre Bogenwelle auf der Venus zu sehen.
Credit: JAXA
Quellen;
http://astronomynow.com/2017/01/22/japanese-spacecraft-spots-planet-spanning-wave-on-venus/
http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo2873.html

Mit den besten Grüßen
Gertrud
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Offline Lumpi

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Re: Planet Venus
« Antwort #195 am: 29. November 2017, 18:34:33 »
Ist die Venus möglicherweise auf dem Weg zu einer gebundenen Rotation?  Bisher hieß es doch, dass der Effekt der thermischen Gezeiten genau dies verhindert? Jim Green (NASA Direktor für Planetenwissenschaften) schließt das in einem Podcast aber nicht aus. Spannend, wie hoch wären wohl dann die Temperaturen auf der Tag- bzw. der Nachtseite der Venus?
https://www.nasa.gov/mediacast/gravity-assist-podcast-venus-with-david-grinspoon
Zitat
Jim Green:  Yeah, that’s fascinating.  You know, maybe that means that over time, Venus will end up being tidally locked with the Sun.  And, then, we’re going to have a completely different environment, perhaps, with the extremes in temperature on both sides.
Das Bekannte ist endlich, das Unbekannte unendlich.

Online RonB

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Re: Planet Venus
« Antwort #196 am: 12. November 2018, 13:10:16 »
Bei der Suche nach dem Wetter im Ausland bin ich zufällig auf den Wetterbericht der Venus gestoßen. Für Experten sicherlich nichts Neues aber für jemanden der sich nicht jeden Tag mit anderen Planeten beschäftigt ist der Bericht meiner Meinung nach schon interessant.

https://www.wetteronline.de/wetter-videos/2018-11-11-ve?sort=date
Es recht zu machen Jedermann ist eine Kunst die keiner kann.

Offline Gertrud

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Re: Planet Venus
« Antwort #197 am: 21. Januar 2019, 18:16:57 »
Hallo Zusammen,

Riesenmuster in den Wolken des Planeten Venus entdeckt.

Infrarotkameras und Supercomputer-Simulationen durchbrechen den Schleier von Venus.
Eine japanische Forschergruppe hat eine riesige Streifenstruktur zwischen den Wolken, die den Planeten Venus bedecken, basierend auf Beobachtungen des Raumfahrzeugs Akatsuki identifiziert. Das Team zeigte auch die Ursprünge dieser Struktur anhand von Klimasimulationen im großen Maßstab auf. Die Gruppe wurde vom Projektassistenten Professor Hiroki Kashimura (Kobe University, Graduate School of Science) geleitet und diese Ergebnisse wurden am 9. Januar 2019 in Nature Communications veröffentlicht.

Venus wird aufgrund ihrer ähnlichen Größe und Schwerkraft oft als Zwilling der Erde bezeichnet. Das Klima auf der Venus ist jedoch sehr unterschiedlich. Die Venus dreht sich in die entgegengesetzte Richtung zur Erde und viel langsamer (etwa eine Umdrehung für 243 Tage der Erde). In etwa 60 km über der Oberfläche der Venus umkreist ein schneller Ostwind den Planeten in etwa 4 Tagen der Erde (bei 360 km / h), ein Phänomen, das als atmosphärische Superrotation bekannt ist.

Der Himmel der Venus ist vollständig von dicken Schwefelsäurewolken bedeckt, die sich in einer Höhe von 45 bis 70 km befinden. Daher ist es schwierig, die Oberfläche des Planeten von erdgestützten Teleskopen und Orbitern zu beobachten, die die Venus umgeben. Die Oberflächentemperaturen erreichen sengende 460 Grad Celsius, eine raue Umgebung für alle Beobachtungen mit Eingangssonden. Aufgrund dieser Bedingungen gibt es noch viele Unbekannte bezüglich der atmosphärischen Phänomene der Venus.

Um das Rätsel der Atmosphäre der Venus zu lösen, begann die japanische Raumsonde Akatsuki im Dezember 2015 ihre Umlaufbahn um die Venus. Eines der Beobachtungsinstrumente von Akatsuki ist die Infrarotkamera „IR2“, die Wellenlängen von 2 μm (0,002 mm) misst. Diese Kamera kann eine detaillierte Wolkenmorphologie der unteren Wolkenstufen erfassen, die etwa 50 km von der Oberfläche entfernt sind. Optische und ultraviolette Strahlen werden durch die oberen Wolkenschichten blockiert. Dank der Infrarottechnologie werden jedoch allmählich dynamische Strukturen der unteren Wolken sichtbar.

Vor Beginn der Akatsuki-Mission entwickelte das Forschungsteam ein Programm namens AFES-Venus zur Berechnung von Simulationen der Venusatmosphäre. Auf der Erde werden atmosphärische Phänomene auf jeder Skala mit numerischen Simulationen erforscht und vorhergesagt, von der täglichen Wettervorhersage und den Taifunberichten bis hin zum erwarteten Klimawandel, der sich aus der globalen Erwärmung ergibt. Für Venus sind numerische Simulationen aufgrund der Schwierigkeit der Beobachtung sogar noch wichtiger, aber ebenso schwierig ist es, die Genauigkeit der Simulationen zu bestätigen.

AFES-Venus war es bereits gelungen, superrotational Winde und polare Temperaturstrukturen der Venus-Atmosphäre zu reproduzieren. Mit dem Earth Simulator, einem Supercomputersystem der Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology (JAMSTEC), erstellte das Forschungsteam numerische Simulationen mit einer hohen räumlichen Auflösung. Aufgrund der geringen Qualität der Beobachtungsdaten vor Akatsuki war es jedoch schwer nachzuweisen, ob diese Simulationen eine genaue Rekonstruktionen waren.

In dieser Studie wurden detaillierte Beobachtungsdaten der unteren Venus-Wolken der Akatsuki-Kamera IR2 mit den hochauflösenden Simulationen des AFES-Venus-Programms verglichen. Der linke Teil von Abbildung 1 zeigt die von der IR2-Kamera erfassten niedrigeren Wolkenniveaus der Venus. Auffallend sind die fast symmetrischen Riesenstreifen auf der nördlichen und südlichen Hemisphäre. Jeder Streifen ist hunderte Kilometer breit und erstreckt sich schräg über fast 10.000 Kilometer. Dieses Muster wurde erstmals von der IR2-Kamera entdeckt und vom Team als Streifenkonstruktion im planetarischen Maßstab bezeichnet. Diese Skala der Streifenstruktur wurde auf der Erde nie beobachtet und könnte ein Phänomen sein, das für Venus einzigartig ist. Mit den hochauflösenden AFES-Venus-Simulationen rekonstruierte das Team das Muster (Abbildung 1 rechts). Die Ähnlichkeit zwischen dieser Struktur und den Kamerabetrachtungen belegt die Genauigkeit der AFES-Venus-Simulationen.

Die Abbildung 1 zeigt links die unteren Wolken der Venus, die mit der Akatsuki IR2-Kamera beobachtet wurden (nach dem edge-emphasis process (Kantenhervorhebungsprozess ?). Die hellen Bereiche zeigen, wo die Wolkendecke dünn ist. Sie können die Streifenstruktur im Planetenmaßstab innerhalb der gelben gepunkteten Linien sehen. (rechts) Die durch AFES-Venus-Simulationen rekonstruierte Streifenstruktur im planetarischen Maßstab. Die hellen Teile zeigen eine starke Abflussströmung.
Credit: Nature Communications; Partial editing of image in the Nature Communications paper. CC BY 4.0

Durch detaillierte Analysen der AFES-Venus-Simulationsergebnisse konnte das Team den Ursprung dieser Riesenstreifenstruktur aufzeigen. Der Schlüssel zu dieser Struktur ist ein Phänomen, das eng mit dem täglichen Wetter der Erde verbunden ist: Polarstrahlströme. In mittleren und hohen Breiten der Erde bildet eine großräumige Dynamik der Winde (baroklinische Instabilität) extratropische Zyklone, wandernde Hochdrucksysteme und Polarstrahlströme. Die Ergebnisse der Simulationen zeigten den gleichen Mechanismus bei der Arbeit in den Wolkenschichten der Venus, was darauf hindeutet, dass sich Jetströme in hohen Breiten bilden können. In niedrigeren Breiten erzeugt eine atmosphärische Welle aufgrund der Verteilung großräumiger Strömungen und des Planetenrotationseffekts (Rossby-Welle) große Wirbel über den Äquator bis zu Breitengraden von 60 Grad in beide Richtungen (Abbildung 2, links). Wenn zu diesem Phänomen Jetströme hinzugefügt werden, neigen und strecken sich die Wirbel, und die Konvergenzzone zwischen Nord- und Südwind bildet einen Streifen. Der Nord-Süd-Wind, der durch die Konvergenzzone herausgedrückt wird, wird zu einer starken Abwärtsströmung, die zu einer Streifenkonstruktion im planetarischen Maßstab führt (Abbildung 2, rechts). Die Rossby-Welle verbindet sich auch mit einer großen atmosphärischen Schwankung, die sich über dem Äquator (äquatoriale Kelvin-Welle) in den unteren Wolkenebenen befindet, wodurch die Symmetrie zwischen den Hemisphären erhalten bleibt.

Abbildung 2: Der Formationsmechanismus für die Streifenstruktur im planetarischen Maßstab. Die riesigen Wirbel, die durch Rossby-Wellen (links) verursacht werden, werden durch die Jetstreams mit hoher Breite gekippt und strecken sich (rechts). Innerhalb der gestreckten Wirbel bildet sich die Konvergenzzone der Streifenstruktur, es tritt ein Abwärtsstrom auf und die unteren Wolken werden dünn. Die Venus dreht sich nach Westen, so dass die Jetströme auch nach Westen wehen.
Credit: CC BY 4.0

Diese Studie enthüllte die gigantische Streifenstruktur auf der Planetenskala in den unteren Wolkenebenen der Venus, replizierte diese Struktur mit Simulationen und legte nahe, dass diese Streifenstruktur aus zwei Arten von atmosphärischen Fluktuationen (Wellen), barokliner Instabilität und Jetströmen, gebildet wird. Die erfolgreiche Simulation der Streifenstruktur im planetarischen Maßstab, die aus mehreren atmosphärischen Phänomenen gebildet wird, ist ein Beleg für die Genauigkeit der Simulationen für einzelne in diesem Prozess berechnete Phänomene.

Bisher konzentrierten sich die Untersuchungen des Venus-Klimas hauptsächlich auf Durchschnittsberechnungen von Ost nach West. Diese Erkenntnis hat die Untersuchung des Venusklimas auf eine neue Ebene gehoben, auf der eine Diskussion der detaillierten dreidimensionalen Struktur der Venus möglich ist. Der nächste Schritt besteht in Zusammenarbeit mit Akatsuki und AFES-Venus darin, das Rätsel um das Klima vom Zwilling der Erde zu lösen, die in der dicken Wolke aus Schwefelsäure verhüllt ist.
Quellen:
http://www.kobe-u.ac.jp/research_at_kobe_en/NEWS/news/2019_01_09_01.html

https://www.nature.com/articles/s41467-018-07919-y
 
https://www.nature.com/articles/s41467-018-07919-y.pdf

https://www.jamstec.go.jp/es/en/index.html

Mit besten Grüßen
Gertrud
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Offline Ariane

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Re: Planet Venus
« Antwort #198 am: 21. Januar 2019, 19:52:09 »
Toller Bericht!
Danke Gertrud  :)
😊

Offline Lumpi

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Re: Planet Venus
« Antwort #199 am: 28. August 2019, 11:03:47 »
Mysteriöse dunkle Flecken in den Wolken beeinflussen Wetter der Venus


Eine neue Studie hat die langfristigen Schwankungen der Venus-Albedo im ultravioletten Licht untersucht. Die aus winzigen Partikeln bestehenden rätselhaften dunklen Flecke in den Venuswolken absorbieren den größten Teil des UV-Lichtes und auch einen Teil des sichtbaren Sonnenlichtes und beeinflussen damit die Albedo und den Energiehaushalt der Venus.

Diese sich mit der Zeit verändernden dunklen Flecke, von den Wissenschaftlern als "unbekannte Absorber" bezeichnet,  konnten erstmals vor mehr als 100 Jahren mit Teleskopen beobachtet werden. Man vermutet, dass die Partikel u.a. aus Eisen (III) -Chlorid, Schwefel-Allotrope, Schwefeldioxid bestehen. Allerdings können die Entstehung und die Absorptionseigenschaften der Partikel noch nicht zufriedenstellend erklärt werden.

Weil die Partikel in den Venuswolken ungefähr die gleiche Größe und lichtabsorbierenden Eigenschaften wie die in der Erdatmosphäre vorkommenden Mikroorganismen haben, spekulierten einige Wissenschaftler, wie z.B. der Biophysiker Harold Morowitz und der Astronomen Carl Sagan, dass die dunklen Flecke möglicherweise mikroskopisches Leben beherbergen.

Unabhängig der Zusammensetzung der "unbekannten Absorber" beeinflussen diese das Wetter des Planeten. Untersuchungen der Venus-Albedo über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt anhand von UV-Beobachtungen mit Venus Express, Akatsuki, Messenger sowie Hubble, ergab eine Halbierung der Albedo zwischen 2006 und 2017, bevor es wieder einen Anstieg gab.

Diese Veränderungen der Albedo verursachten große Schwankungen in der Menge der Sonnenenergie, die von den Wolken absorbiert wurde und folglich auch in der Zirkulation der Venusatmosphäre. Insbesondere helfen die Änderungen der Albedo dabei die Unterschiede in der starken Aktivität der oberen Atmosphäre des Planeten zu erklären, die von Wissenschaftlern als "Superrotation" bezeichnet wird.

Die neue Studie hilft dabei die Dynamik der Venus-Albedo und die möglichen Auswirkungen der rätselhaften dunklen Flecken, die über die Spitzen der Wolkenbänder wandern zu verdeutlichen und vielleicht auch mehr über deren Zusammensetzung herauszufinden.

https://news.wisc.edu/mysterious-cloud-absorbers-seen-to-drive-venusian-albedo-climate/
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Tags: Venus planet