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Autor Thema: Raumfahrtbranche zu konservativ?  (Gelesen 2270 mal)

Offline Haus Atreides

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Raumfahrtbranche zu konservativ?
« am: 16. November 2011, 12:19:52 »
http://www.bernd-leitenberger.de/blog/2011/11/14/macht-nur-weiter-wie-bisher/#more-5534

B. Leitenbergers Blog ist denk ich mal den meisten hier geläufig. In einem seiner letzten Einträge wirft er der Branche vor zu konservativ zu sein und extrem zögerlich auf neue Technologien zu setzen.

Übertreibt Leitenberger hier (wäre ja nicht das erste Mal..) oder stimmen seine Behauptungen?

Online Schillrich

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #1 am: 16. November 2011, 12:39:55 »
Konservativ sind sie. Aber die Industrie will ja auch (nur) Geld verdienen. Warum in Risiko investieren, anstatt Umsatz zu machen?

Die Frage ist eher, wie innovativ sich öffentliche Auftraggeber geben? NASA, ESA, DARPA, DLR, JAXA ... können neue Konzepte zu Projekten machen. Dann geht auch die Industrie mit, denn dann liegt das Risiko ja auch woanders ...


Man muss aber auch sehen: Man kann tolle Ideen am Stammtisch konzipieren (und bloggen). Die echte Lösung dann zu designen und zu konstruieren, ist eine Aufgabe ganz anderer Größenordnung.
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

"Failures are ammo in your arsenal, not baggage that weighs you down." (JPL)

Offline Haus Atreides

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #2 am: 16. November 2011, 12:46:17 »
Konservativ sind sie. Aber die Industrie will ja auch (nur) Geld verdienen. Warum in Risiko investieren, anstatt Umsatz zu machen?

Ist ja in der Luftfahrtbranche ähnlich, hier dauert es ja mindestens 10-20 Jahre bis eine entsprechende neue Technik genug ausgereift ist.

Zitat
Man muss aber auch sehen: Man kann tolle Ideen am Stammtisch konzipieren (und bloggen). Die echte Lösung dann zu designen und zu konstruieren, ist eine Aufgabe ganz anderer Größenordnung.

Besser hätte ichs auch nicht ausdrücken können. Viele Ideen klingen ja am Papier gut, scheitern aber dann in der Praxis eklatant.

Offline Kryo

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #3 am: 16. November 2011, 14:27:59 »
Im Prinzip doch alles eine Frage des Geldes. Würden die Staaten ihr Raumfahrtbudget verdoppeln, ginge es auch schneller mit neuen Technologien voran (meistens jedenfalls). Doch Raumfahrt ist eben nur ein kleines forschungsgebiet von vielen und dann gibts da auch noch andere Staatsausgaben als Forschungsbudgets.

Vielleicht kann man hier doch die Hoffnung auf private Pioniere setzen? Sollte eine Firma mit vieeel Geld und einigermaßen viel KnowHow und dem Pioniergeist eines einzelnen "Besitzers" nicht vielleicht mehr erreichen können, als die lahmen Strukturen bürokratischer Staatsapparate?

Online Schillrich

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #4 am: 16. November 2011, 14:31:31 »
Es stellt sich auch eine kontroverse Grundfrage: Wollen wir immer was Neues machen? Neue Technologien? Neue Konzepte? Immer weiter, immer mehr, immer Investition? Oder wollen wir eine stabile, robuste, bewährte und kostengünstige Infrastruktur?

Eine Philosophiefrage ...
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Offline Kryo

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #5 am: 16. November 2011, 14:41:57 »
Es stellt sich auch eine kontroverse Grundfrage: Wollen wir immer was Neues machen? Neue Technologien? Neue Konzepte? Immer weiter, immer mehr, immer Investition? Oder wollen wir eine stabile, robuste, bewährte und kostengünstige Infrastruktur?

Eine Philosophiefrage ...


Nun ja das eine schließt ja das andere nicht aus. Grundlegend ist ja anzunehmen, dass eine neue Technologie stets Vorteile gegen über einer veralteten Technologie bietet, wenn diese zunächst vielleicht auch noch riskanter und nicht so preisgünstig ist. Letztlich zahlt sich es immer aus, und wenn man nur das Wissen gewinnt, dass eine bestimmte Sache nicht funktioniert.

Man strebt ja nicht an, alles auf experimentelle und unkonventionelle Systeme umzustellen. Man wird natürlich immer die Systeme, die als stabil und relativ günstig gelten, hauptsächlich einsetzen. Doch der Fortschritt muss parallel dazu auch vorangetrieben werden, sodass man dann in 10-20 Jahren vielleicht die neuen Technologien als stabil und relativ günstig betrachten kann.




Offline klausd

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #6 am: 16. November 2011, 14:42:35 »

Was ist denn an einem Ionentriebwerk nicht bewährt? Wenn so ein Teil glatt mal die Nutzlast in den GEO verdoppelt könnte man da ruhig mal ein paar Anstrengungen unternehmen.

Gruß, Klaus

Offline Kryo

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #7 am: 16. November 2011, 14:49:12 »
Naja Ionentriebwerke sind eben Niedrigschubtriebwerke, da wird es schwer gegen Gravitations- und aerodynamische Verluste anzukommen.

außerdem wird ja daran geforscht : http://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article13719495/Ein-bisschen-Weltraum.html

Offline vger

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #8 am: 16. November 2011, 15:00:04 »
Naja Ionentriebwerke sind eben Niedrigschubtriebwerke, da wird es schwer gegen Gravitations- und aerodynamische Verluste anzukommen.

außerdem wird ja daran geforscht : http://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article13719495/Ein-bisschen-Weltraum.html

Tja und das schon seit 40 Jahren. SERT-1 war 1965, Die Russen mit einer Zond noch früher. Also von konservativ kann man dann schon reden. Bernd Leitenberger hat ja auch ein konkretes Vorhaben angesprochen: Das nachfüllen von Kommunikationssatelliten mit chemischen Treibstoff, denn man wiederum mit einem chemischen Antrieb nach oben bringt - also ich sehe da auch keine echte Innovation und auch keinen großen Nutzen.

SpaceA

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #9 am: 30. November 2011, 09:37:21 »
Also es steckt immer mehr dahinter als nur der reine Wille etwas neues einzuführen. Gerade das Thema Ionentriebwerke ist nicht nur eine Willensfrage, sondern auch eine politische. Es treffen immer sehr viele unterschiedliche Interessen aufeinander. In der Raumfahrt geht es immer auch darum die Gelder "gerecht" unter den Mitgliedsstaaten zu verteilen. Außerdem haben Entscheidungsträger in Projekten immer hauptsächlich ihr Projekt im blick, da nehmen sie lieber etwas bewährtes, als eine neue Technologie auf das nächste TRL zu helfen, bzw. die IOV mit ihrem Projekt zu unterstützen. Diese Probleme müsse bei dieser Diskussion immer berücksichtigt werden. Die Wirtschaft würde oft gerne mehr in die Entwicklung stecken, das macht aber immer nur sinn, wenn die Chancen bestehen dass das ganze auch ins All geht. 

Offline vger

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Re: Raumfahrtbranche zu konservativ?
« Antwort #10 am: 30. November 2011, 10:05:10 »
Das ist aber ein Problem, dass es innerhalb der ESA bei jedem Projekt gibt, nicht nur bei Ionentriebwerken. Gerüchteweise soll das ja auch daran schuld sein, dass der Ariane 5 Ausbau nicht vorankommt, weil die Franzosen da blockieren. Da würde wohl nur helfen dieses politische Mittel des Kapitalrückflusses zu lockern, z.B. so dass es nur noch über alle Projekte ausgeglichen sein muss aber nicht in jedem Projekt.

Im allgemeinen funktioniert es aber doch sehr gut, denn es ist ja so dass zumindest bei den freiwilligen Projekten genau die Länder sich stark engagieren, die schon über Vorerfahrungen/Industrie in diesem Bereich verfügen. Problematischer sind dann eher die Programme die alle Mitgliedsstaaten tragen müssen.

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