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16. November 2019, 03:11:31
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Autor Thema: Wandern in Baikonur  (Gelesen 110932 mal)

Wilga35

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #250 am: 11. Februar 2019, 09:12:47 »
Eine Bildstrecke dazu gibt es auch von Nikolay Voyt HIER

Das erste Bild der Fotostrecke ist offensichtlich auf dem Dach des Vibrationsteststandes SDI aufgenommen worden. Im Hintergrund die große Halle ist das MSK-80. Die beiden Gebäude mitsamt der darin befindlichen Technik (Buran-Exemplare, Energija-M) gehören Kasachstan. Russland bzw. Roskosmos sind also nicht zuständig, wenn sich dort jemand Zutritt verschafft, das ist Sache der kasachischen Behörden. Und vielleicht handhaben die das ziemlich locker? Andere geenterte Bauwerke der Blogger gehören aber schon noch Russland, doch die Überwachung dort scheint derzeit ziemlich lückenhaft zu sein.
Gab hier vor einiger Zeit schon einmal Fotostrecken aus den beiden Gebäuden von Ralph Mirebs. Und die Bilder finde ich doch immer wieder eindrucksvoll. Leider kümmert sich um die eingelagerte Technik niemand mehr, dabei ist das Ganze schon erhaltenswert.

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #251 am: 16. Februar 2019, 09:33:03 »
Besuch bei Saturn

Nachdem wir mit dem Bus am Luftverflüssigungswerk vorbei gefahren sind, sehen wir auf dem Hügel die Bauten der Station SATURN mit den weithin sichtbaren Türmen mit den großen Antennenschüsseln.

Empfangs- und Sendestation SATURN auf dem Hügel links neben der Straße zur Stadt Baikonur

Der offizielle Name dieser Empfangs- und Sendestation für kosmische Fernverbindungen lautet

                Zentrum für Tests und Anwendungs
                                 Mess Komplex
                               Messpunkt  Nr. 5

 
Blick auf das Schild am Eingang zum Komplex auf dem Plateau des Hügels.

Es gibt von Wikimapia ein älteres Bild als Draufsicht auf das Gelände (NovKos-Wikimapia)

Verfolgen wir den Weg dorthin: Wir sind die Straße zur Stadt Baikonur gekommen, dann auf die Straße( li.ob.) zum Hügel hin abgebogen und halten auf dem freien Platz vor der im Bild oberen Antennenschüssel an.

Nach einigen organisatorischen Fragen, wir sind entweder etwas zu zeitig oder zu spät angekommen, geht der Rundgang auf dem Gelände in Richtung der zweiten großen Antenne los. Der Turm mit der Antennenanlage ist über 70 m hoch und die Antennenschüssel hat einen Durchmesser von 35 m, sie soll in 9 min von einer Seite auf die andere geschwenkt werden können.

Wir laufen von der Ankunftsstelle aus ostwärts, vor uns der zweite Turm mit der dreh- und schwenkbaren Antenne und zugehörigem Spiegel

- Zur Örtlichkeit und den Türmen mit den großen Antennenschüsseln :
Wir stehen auf dem Berg Murguduk (Schlangenberg), auf dem Platz 23, der etwa 11 km nordöstlich vom Bahnhof Tjura-Tam liegt.

Zur Bebauung dieses Bergs führte die Notwendigkeit einer multifunktionalen Kommunikation mit der 7K-Sojus-Sonde auf der Flugbahn zum Mond. Man brauchte so einen Komplex auch im Startbereich, um mit dem Raumschiff schon von der Startposition aus eine stabile Funkverbindung zu haben.
 
Der Komplex "Saturn-MS" wurde am 25.01.1967 begonnen und hat den Ersterprobungsbetrieb am 24. November 1970 aufgenommen und zwar mit der Kommunikation zur Mondsonde "Luna16", die eine Bodenprobe vom Mond zur Erde zurückzuführen ermöglichte.
Ein Jahr später begann am 3. November 1971 der durchgehende Probebetrieb des Saturn-MS Komplexes.
Die erste Bauphase wurde 1973 abgeschlossen und diente auch als Kommunikationsbasis des EPAS-Programms, das im Frühjahr 1975 abgeschlossen wurde. (s. hier: Apollo-Sojus-Test-Projekt/K. Urban)

Neben dem Antennenturm steht ein Denkmal, das bildlich auf die "Kosmische Fernverbindung" bezug nimmt.
Im Umkreis sind eine Reihe von kleineren Antennensystemen zu sehen, die zum ZESST (Zentrum für den Betrieb von Telekommunikations- und Telekommunikationsnetzen) gehören, einem Teilbetrieb von ZENKI.

Teil vom Denkmal "Kosmische Fernverbindung", daneben ein ZESST-Bau mit Antenne
  ЦЭССТ  Центр эксплуатации сетей связи и телекоммуникаций 
  ZESST  Zentrum für den Betrieb von Funk und Telekommunikationsnetzen

Das Zentrum für den Betrieb von Funk und Telekommunikationsnetzen wurde am 22.06.1998 aus der militärisch geführten "760. Fernmelde-Abteilung" des Kosmodroms heraus gegründet und dann wurde 2000 die gesamte  Kommunikation mit dem Kosmodrom an ZENKI übertragen.

Auf der linken Seite neben dem Turm ein Radom vorn und ein Doppler-Radar hinten an der Kante des Plateaus

Einen Rundgang machen wir nicht dorthin, gibt es doch freie Sicht auf die einzelnen Einrichtungen.

Das Doppler-Radar zur Bahnverfolgung

Zum WEIBEL-Radar, das auch bei der JAXA eingesetzt wird das : Kopfball Video bei WEIBEL (ARD)

Etwas weiter hinter dem Antennenturm steht ein Mobiler Mess-Punkt (MIP) zur Beobachtung von Starts
Bekannt geworden sind diese MIPs beim ersten Start von Wostotschny aus

Zum Rand des Hügels kann man auch nur per Foto gehen und durch die vor Hitze flirrende Luft hindurch auf den fernen Horizont mit den Bauten des Kosmodroms schauen.

Am Horizont die markanten Bauten des Kosmodroms

Neben dem Besucher kann man die Bauten auf dem Pl 254 ausmachen. Markant hebt sich in der Bildmitte das sehr hohe Gebäude des Vibrationsteststandes SDI ab, dann folgt das flachere graue Gebäude, das MSK-80 (in den noch BURAN-Muster stehen).
Der Startplatz ist auf dem Bild ganz rechts nur zu erahnen, man kann einen der weiss-roten Gittertürme erkennen.

Fliegt man in diese Richtung (mit einem  Video von ZENKI[/url]), ist die Situation etwas deutlicher.
(Quelle des Videos :) ) https://www.youtube.com/watch?v=a5KO9KEbVHQ
Der weiss-roten Gitterturm knapp 2 km vor dem Startplatz

Bei der Rückfahrt vom Hügel herunter in die Stadt haben wir noch die Möglichkeit  kurz einen Blick auf die Stadt zu werfen. Ein Bild davon geht davon nicht zu machen, dagegen haben die heiße Sonne von Baikonur und die nicht ganz saubere Busscheibe etwas ...

Gruß, HausD&A

Wilga35

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #252 am: 16. Februar 2019, 10:34:05 »
@HausD,
vielen Dank für die interessante, ausführliche Berichterstattung über Deine Baikonur-Reise. Das weckt Erinnerungen an die eigene, schon ewig zurückliegende Baikonur-Reise.

Zur Station Saturn (IP-5):
Meines Wissens nach kann von dort aus bei bemannten Sojus-Flügen im Falle einer Havarie auf der Startrampe per Funksignal das Rettungssystem SAS der Trägerrakete aktiviert werden. Zuständig dafür sind zwei Sicherheitsoffiziere, die beide zur gleichen Zeit den Havarieknopf drücken müssen. Ihr Arbeitsplatz müsste eine Bunkeranlage auf dem Gelände sein. Habt ihr den Bunker eventuell besichtigen können, und ist zu diesem Thema etwas gesagt worden? Mit welcher der abgebildeten Antennen wird eigentlich das Havariesignal gesendet?

Gruß, Wilga35

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #253 am: 16. Februar 2019, 13:24:07 »
Hallo Wilga35,
hallo Freunde,

Neben den allgemeinen historischen Informationen wurde auch gesagt: Hier sitzen auch die Bediener des SAS Rettungssystems... aber kein Wo und Wie.
Nach meiner Sicht gibt es keinen Extra-Bunker auf dem Gelände, Schutzräume in den Gebäuden wird es aber noch geben. (Das ist bei besonderen Fernmelde-Anlagen üblich).

Aus einem Video von Roskosmos aus dem Jahr 2017 über die Sicherung innerhalb von Sekunden bei einer Havarie auf dem Startgelände habe ich die folgenden Bilder hier zu den SAS-Prozeduren kopiert.


Der Bediener von ROSKOSMOS vor dem Bedienpult des SAS, vor ihm eine Kamera und ein Mikrofon als Direktverbindung zum Startbunker
Schon längere Zeit gibt es keine Armeeangehörigen mehr bei Roskosmos und bei ZENKI

So kommen die Bilder vom SAS-Bediener im Startbunker an

Gruß, HausD


Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #254 am: 21. Februar 2019, 19:10:56 »
Starttag - 11.10.2018  - Verabschiedung aus der Stadt

Heute ist der Starttag von Sojus MS-10 und der beginnt für die Raumfahrer im Kosmonautenhotel des ZPK/CTC J. Gagarin - Filiale Baikonur im Norden der Stadt.
Zu der Vorbereitung auf die Fahrt zum Kosmodrom gehören für sie einige Rituale im Haus, wie ein besonderes Frühstück oder die wasserreiche Segnung der Mannschaften durch den "Seelsorger" von Roskosmos...

       Zu diesen Ritualen gehört aber auch die traditionelle Verabschiedung aus der Stadt

Dazu haben sich bereits die ersten Gäste auf dem Vorplatz versammelt und am Tor herrscht reger Andrang.
Auf dem Vorplatz des Kosmonautenhotels stehen bereits die Busse bereit.

An der Pforte, neben dem Eingangstor zum Gelände des Kosmonautenhotels, herrscht reger Betrieb.
 
In den Bereich neben den Bussen, der abgesperrt ist, kommt man nach einer Kontrolle von Besucher-Ausweis und mitgebrachten Sachen.

Als wir auf dem Vorplatz ankommen ist er bereits voller Menschen

Auch besondere Gäste stehen vor der Absperrung zu den Bussen und so kam es, dass ich ...

...neben dem Leiter des Kosmospalastes, , auf der WDNH in Moskau, Jurtschichin, gelandet war.

Die Hymne "Gras vor dem Haus" lief, ... nur die Raumfahrer waren bei ihrem Ausmarsch vor lauter Menschen nicht erkennbar.

Blick über die Köpfe zum Hotel-Ausgang, aus dem die Raumfahrer herauskommen ...

Die Stammbesatzung steht von Jubel begleitet nun vor ihrem Bus und grüßt alle Anwesende vor der Abfahrt

Ein Winken nicht nur für die Kameras .. sondern vor allem für die Angehörigen, die noch ein Stück neben dem Bus mitlaufen.
Beide Busse fahren vorsichtig los und jeder versucht nochmal einen Blick auf die Raumfahrer zu erhaschen. Leider haben wir die Sonne immer vor uns, dass ein Blick in den Bus kaum noch möglich ist.

"Der Mann mit der Kamera" ist auch da, irgendwo habe ich ihn doch schon mal getroffen  :)

Beide Busse mit Stamm- und Ersatzmannschaft und ihren Begleitern verlassen nun die Stadt

Die Fahrt zum Kosmodrom dauert auch mit der Polizeibegleitung eine knappe Stunde.

Wir haben nun Zeit und Gelegenheit uns die "Allee der Kosmonauten" hinter dem Hotelkomplex anzusehen.

Gruß, HausD&A

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #255 am: 25. Februar 2019, 09:41:38 »
Starttag - 11.10.2018  - Besuch der Kosmonautenallee (1)

Während die Raumfahrer mit den Bussen zum Kosmodrom fahren, dort nochmals untersucht werden, die Mannschaft bestimmt wird die fliegen wird, die Anzüge angezogen und druckgeprüft werden, ...  besteht für uns nun
      die Gelegenheit die "Allee der Kosmonauten" anzusehen.

Hier haben die beiden Kosmonauten der Stammmanschaft bereits vor Tagen den Setzling für den Baum von Hague gepflantzt und reichlich gegossen. Owtschinin hat hier bereits ein Bäumchen, dem er anschließend Wasser gegeben hat.

Owtschinin und Hague beim Setzen des Bäumchens und ...       Bild: ZPK Baikonur

...ist fertig damit und schaut zufrieden in die Kameras              Bild: ZPK Baikonur

              Baum gesetzt von
                   HAGUE
                      Nick
                     2018

Vom Vorplatz des Kosmonautenhotels aus geht es hier vorbei zur "Allee der Kosmonauten".

Gagarin grüßt von der Wand des Kosmonautenhotels

Etwas weiter kommen wir an einem  einladenden Blockhaus vorbei ... ein schöner Ruheplatz, nicht für uns, sondern für die Kosmonauten (nach einer Trainingseinheit...)

Das "Hexenhäusl", dahinter die Sportplätze und außerhalb der TV-Turm von Baikonur

Nach einem Rondell geht die Allee der Kosmonauten los und da stehen stehen eine Menge Leute um einen Baum herum. Das kann nur der Baum des Ersten sein ...

Der erste von einem Raumfahrer gesetzte Baum in Baikonur

Der stattliche Baum Gagarins ist die gesamte Zeit umhegt worden, schließlich ist das Klima dort sehr hart und vorher sind in der Steppe kaum Bäume zu sehen gewesen.
Sibierischer Ahorn oder Esche, das habe ich nicht richtig verstanden, auf jeden Fall sibierisch und damit klimahart. In der ersten Zeit des Wuchses haben diese Bäume noch eine glatte Rinde, im Alter dann wird die Rinde rissig. Gagarins Baum ist alt, man sieht es ihm an

Gagarins Baum - April 1961 gesetzt

Es gibt viele Bäume, die von Raumfahrern gesetzt wurden, und an jedem kommen Erinnerungen auf.
Doch ich werde ermahnt, dass ich doch nicht vor jedem Baum stehen bleiben soll!
Aber einige wollen und müssen wir in der nicht zu lange verbleibenden Zeit schon noch besuchen.

Da ist zuerst das Bäumchen von Sigmund Jähn, vor über 30 Jahren gesetzt, dann eingegangen, 2009 ein nachgezogener Ableger davon auf der Nordachse nachgesetzt.

Bäumchen von Sigmund Jähn, nachgesetzt 2009

Doch an dieser Stelle war kein Bäumchen oder Baum von Sigmund Jähn...
Nach einiger Zeit habe ich den Baum dann auf der gegenüber liegenden Südseite gefunden und es war wieder ein richtiger Baum geworden.

        Da ist er, der Baum ...
 
        Baum gesetzt von
                 JÄHN
               Sigmund
                 1978

... zwischendurch immer wieder ein Blick auf die Uhr, ... es ist noch etwas Zeit sich hier umzuschauen, nur nicht den Start verpassen ...

Gruß, HausD&A

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #256 am: 03. März 2019, 18:59:29 »
Starttag - 11.10.2018  - Besuch der Kosmonautenallee (2)

Nicht weit vom Baum von Sigmund Jähn, auf der anderen Wegseite, die zum Fluss hingewendet ist, steht
der Baum den Alexander Gerst vor seinem ersten Flug gesetzt hat.
Dabei kommt mir der Gedanke, dass man die Bäume der freundschaftlich verbundenen Raumfahrer hier beeinander haben wollte. Geschadet hat es nicht!

        Baum gesetzt von
                 GERST
               Alexander
                  2014


2009 tauchte vor uns auf einem der Schilder, nicht weit vom damaligen Standort des Baums von S. Jähn, plötzlich unser Name auf der Allee der Kosmonauten auf...
Überraschung! 2009...

Auch dieses Bäumchen ist "gewandert", ähnlich wie der Baum von Sigmund Jähn, auf die Südseite und es hat sich gemausert...

... auch wieder gefunden ...
        Baum gesetzt von
               HELMS
                Susan
                 2001
Susan Helms war Mitglied der zweiten ISS-Expedition und für 163 Tage auf der ISS. Deshalb hat sie auch die Sojus-Flugausbildung mitgemacht, denn die Sojus-Rückkehrkapsel war und ist das Rettungsboot für den Notfall.

Auf dem Schnittpunkt der Ost-West und der Nord-Süd Achse ist ein Denkmal mit der Sojusrakete installiert.
Die Sojus stand nicht immer hier, sie hat die Proton nach 2009 abgelöst.

Vor diesem Denkmal stehen die Raumfahrer bei ihrem Fototermin vor dem Start

Diesen Ort kann sicher auch als Ruheplatz am Fluss nutzen ... doch heute eher nicht

Heute ist keine Ruhe, heute ist Betrieb an allen Ecken und Enden.
Aber auch die Gelegenheit Personen zu treffen, die man nicht jeden Tag zu sehen bekommt.

Jim Bridenstine spricht mit einem Besucher aus unserer Gruppe

Jim Bridenstine ist seit September 2017 neuer NASA-Administrator und hat sich hier  auch mit dem neuen Roskosmos GD Rogosin getroffen.

Bridenstine und Rogosin im Gespräch auf der Allee der Kosmonauten                  Foto: ZPK/Roskosmos

Der Weg zurück ist plötzlich leer, im Hintergrund auf dem Rondell steht der der Brunnen

Ein Zeichen, dass es Zeit ist sich zu beeilen, um den Bus zum nächsten wichtigen Treff zu erreichen - Kosmodrom -Platz 254!

Zum Schluss noch ein Ausschnitt aus einem Bild, das den Bereich zeigt, den wir gerade angesehen haben.
     Im rechten oberen Teil sieht man die Straße zum Kosmodrom, daneben die Bahnstrecke.
  Links mittig der ZENKI.Turm, darüber das sternförmige Sputnik-Hotel, rechts davon der TV-Turm von
           Baikonur und darunter das Kosmonautenhotel und dahinter die Allee der Kosmonauten
               (mit Ziffern gekennzeichnete  Baumsymbole und Orte, wie unten beschrieben).

        Allee der kosmonauten :                      (  )
O  das Rondell mit dem Brunnen                                                      1   Gagarins Baum
2   Jähns Baum jetzt                     -2  der Jähn-Baum 2009                3  Baum von Gerst
    daneben "unser" Namen ...                                                          5  Denkmal: SOJUS-Rakete im Modell

  Gruß, HausD&A

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #257 am: 12. April 2019, 11:45:32 »
Starttag - 11.10.2018  - Verabschiedung der Kosmonauten zum Start (1)

Die Verabschiedung der Kosmonauten zum Start erfolgt vom Platz 254 aus. Dorthin sind sie gut eine Stunde vor uns angekommen und werden auf den Start vorbereitet.
Wir sind nicht die ersten, die auf dem Innenhof des Gebäudekomplexes an kommen. Noch ist es relativ ruhig und ein Blick auf die Uhr sagt, es wird auch noch einige Zeit dauern bis die Kosmonauten startbereit aus dem Eingang kommen.

Die beiden Kosmonauten werden aus dem Eingang links neben den Bussen kommen

Der Konvoi steht schon bereit, das Führungsfahrzeug ist ein Polizeiwagen des Komplexes "Baikonur". Die Presse hat sich auch schon positioniert, es sieht so aus, als wenn es jeden Moment losgehen könnte...

Ein Polizeiwagen des Komplexes"Baikonur"

Die Besucher können wählen, ob sie auf der äusseren Tribüne, auf der ich gerade stehe, oder im Inneraum des Vorplatzes auf bestimmten Bereichen stehen möchten.
Die Tribüne hat den Vorteil, dass man über die vor einem stehenden Besucher auf das Geschehen blicken kann.

Auf den Stufen der Tribüne kann man sich auch einmal hinsetzen...

Viele Besucher wählen den Innenhof, mit der Aussicht auf Nähe zu den Kosmonauten...

Es dauert garnicht lange und der Innenhof ist voll mit Besuchern, wobei nur einige aus der ersten Reihe eine Chance haben, unmittelbar neben den Raumfahrern zu stehen.

Die Wartezeit wird etwas durch das Hin und Her der Organisatoren verkürzt. Neben den vielen unbekannten Helfern bekommt man zur Abwechslung auch immer wieder bekannte Gesichter vor die Linse.
 
Hier wartet der Leiter des Moskauer Kosmos-Pavilions, dem "Zentrum für Raumfahrt und Luftfahrt", Jurtschichin, auf den weiteren Fortgang, ... und er kennt den zeitmäßigen Ablauf der Prozedur sicher genauer als wir ...

Ganz außer der Reihe dagegen bieten den Besuchern nun auch noch einige "Stammbewohner des Kosmodroms" zur Abwechlung einige ihrer spielerischen Flugmanöver ...
Doch nach ihrer kurzen "Vorführung" wie man so etwas macht, ziehen sie ab und es heißt schon wieder, weiter warten ...

"Flugvorführung" über dem Warteraum...

Die Zeit des Wartens scheint bald vorbei zu sein, denn vereinzelt kommen Leute aus dem Haus, mit Taschen, Fotoapparaten oder nur im weissen Kittel und suchen ihren Platz hier auf dem Innenhof ... die Spannung steigt ...

  Grüße zum heutigen Ehrentag und an den MRST, HausD&A

Offline Mim

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #258 am: 12. April 2019, 19:27:57 »
Klassischer Cliffhanger, an der spannendsten Stelle aufhören...  ;D

Macht Spaß zu lesen!
Danke, Mim  :)


Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #259 am: 19. April 2019, 18:22:31 »
Starttag - 11.10.2018  - Verabschiedung der Kosmonauten zum Start (2)

Das Warten hat ein Ende.
Vor dem Eingang zum Gebäude taucht ein Mitarbeiter von Roskosmos mit einem schweren Aktenkoffer auf und geht zügig zu dem Punkt, an dem  die beiden Raumfahrer sich vor der Staatlichen Kommision startbereit melden werden.
An der Absperrung erkenne ich den Stellvertretenden Leiter des Trainingszentrum (ZPK), Maxim Charlimow, der bei
den Aktionen in Baikonur stets dabei ist. Dort ist auch Fjodor Jurtschichin, der unsere Wege bei diesem Besuch schon mehrfach gekreuzt hat.
Kurz danach kommen die NASA-Vertreter Bill Gerstenmaier und Jim Bridenstine aus dem Haus, der Vorplatz füllt sich nun so stark, dass man kaum noch etwas erkennen kann.

Die NASA-Vertreter Bill Gerstenmaier und Jim Bridenstine kommen aus dem Haus...

In dem Trubel vor dem Eingang zeigen sich einige Begleiter, die durch ihre weissen Kittel und Haarschutzkappen als Mediziner erkennbar sind, auch im Vorhaus stehen einige, nur von den Raumfahrern ist nichts zu sehen...

Wirklich nicht?   Etwas Suchen hilft weiter, sie sind schon draussen...

Die Raumfahrer stehen etwas versteckt rechts neben dem Eingang,  erkennbar an ihren Startanzügen und den schwarzen Kappen

Vom Eingang aus marschieren sie kurze Zeit darauf zur Meldung, geleitet von Juri Malentschenko vom Kosmonauten-Trainingszentrum (ZPK).

 Alexei Owtschinin , Tyler Hague, Juri Iwanowitsch Malentschenko...     Foto: Roskosmos

So sieht die Situation von meinem Standplatz auf der Tribüne aus. Das Bild zeigt die Abmeldung vor der Staatlichen Kommision, die von Dmitri Rogosin und Sergej Romanow gebildet wird.
Man muss wieder etwas suchen, doch die hellen Startanzüge der Raumfahrer kann man sicher finden. Links davor stehen Dimitri Rogosin und Sergej Romanow.

Meldung der Startbereitschaft vor Dimitri Rogosin und Sergej Romanow

Nach der kurzen Meldung der Startbereitschaft geht es für die Stammmannschaft zu ihrem Bus. Ihr Weg ist sofort
stark umlagert von Offiziellen, Presse und Besuchern.

Beim Gang zum Bus ... Offizielle, TV ...

Oleg Kotow, den wir hier vor über acht Jahren in einer eiskalten Winternacht verabschiedet haben, steht am roten Absperrband. Die beiden Starter werden leider wieder verdeckt, doch der Besucher mit der roten Mütze (aus unserer Gruppe) will natürlich mit seinem Handy nahe an seinem Landsmann dran sein.

"Rotkäppchen", wieder hart am Geschehen ...

Alle sind eingestiegen, haben sich nochmal an den Busscheiben von ihren Verwandten und Bekannten verabschiedet.
Langsam fahren die Busse los, die Besucher winken ihnen zu, die Raumfahrer grüßen aus ihrem Bus heraus und fahren nun zum Startplatz.

Die Startmannschaft mit ihren Begleitern fahren zum Startplatz

Die Doubles fahren im blauen Bus hinterher ...

Schnell sind sie weg, der Platz hat sich geleert und für uns geht es zum Bus.

Um zwei von den noch verbleibenden drei Stunden bis zum Start zu überbrücken, ist für uns nocheinmal ein Besuch im Museum des Kosmodroms eingeplant.

  Gruß, HausD&A

Online -eumel-

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #260 am: 25. April 2019, 00:18:15 »
Danke für die tolle Berichterstattung und die Fotos!  :D
Nächster Berliner Stammtisch am Freitag, dem 29. November 2019 ab 19:30 Uhr in der Bar Gagarin.

Offline McPhönix

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #261 am: 25. April 2019, 00:26:10 »
Ja muß ich auch sagen. Und sicher ist auch etlicher Streß für den fleißgen Fotografen damit verbunden, den man so nicht sieht. :)
Ich habe keine Angst vor Aliens. Solange sie über uns lachen wegen dem kleinkarierten Raketengefummel auf der Erde, tun sie uns nix.

Offline Terminus

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #262 am: 25. April 2019, 08:19:40 »
Die Doubles fahren im blauen Bus hinterher ...

Doubles? :o

Ach so, ist wohl wie in der Filmbranche? Die Kosmonauten machen die Arbeiten, wo man vor allem nett sein und gut aussehen muss, z.B. Interviews, Filme und Bilder. Und alles Gefährliche nehmen ihnen ihre Doubles ab, wie etwa auf brüllenden Raketen in den Orbit zu fliegen... ;)

Nee, mal im Ernst: Wozu die Doubles, was ist deren Aufgabe?

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #263 am: 25. April 2019, 08:39:32 »
... Nee, mal im Ernst: Wozu die Doubles, was ist deren Aufgabe?
... sie sind dann "Konsultanten", ... und stehen beim Start nicht auf dem Starttisch ... ;D

Gruß, und Dank für das Interesse, HausD

Offline fl67

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #264 am: 25. April 2019, 13:47:48 »
Nee, mal im Ernst: Wozu die Doubles, was ist deren Aufgabe?
"Doubles" nennt man die Ersatzmannschaft.

Wilga35

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #265 am: 26. April 2019, 09:42:45 »
Doubles haben vor allem die Aufgabe dann einzuspringen, wenn jemand aus der Primecrew nicht fliegen kann, aus welchen Gründen auch immer. Meist sind es ja medizinische Gründe, allerdings kommen auch andere Gründe in Betracht. Letztes Beispiel dafür ist Sojus MS-09, also die Gerst-Mission. Ursprünglich gehörte Jeanette Epps zur Crew, wenige Monate vor dem Start wurde sie aus unbekannten Gründen gegen ihr Double Serena Aunon-Chancellor ausgetauscht. Im Englischen nennt man die Doublecrew übrigens Backupcrew, was im Prinzip dasselbe ist.

Gruß, Wilga35

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #266 am: 27. April 2019, 10:19:46 »
Starttag - 11.10.2018  - die Kosmonauten auf dem Startplatz - wir im Museum...

Das Warten hatte ein kurzes Ende, so schnell waren die beiden Raumfahrer mit ihrem Bus auf dem Weg zum Startplatz.

Dort werden sie bereits erwartet, steigen aus und melden sich auch dort Bereit für den Start.      Bild: Vid/ZENKI/Roskosmos

Nach der Abmeldung vor dem Startturm geht es rund 40m nach oben zum Einstieg in das "Schiff" ...

Auf der Treppe zum Aufzug winken sie nocheinmal allen zu                                                    Bild: Vid/ZENKI/Roskosmos

Oben angekommen, heißt es platznehmen und den Start vorbereiten.

Bei aller Vorbereitung gibt es auch noch die Gelegenheit in die Bordkamera zu winken              Bild: Vid/ZENKI/Roskosmos

 Die Ersatzmannschaft, die mit dem blauen Bus gefahren ist, steht nicht auf dem Startplatz sondern ist im örtlichen
Flugleitzentrum, das für die Zeit des Starts, also bis zum Freiflug des Raumschiffs, verantwortlich ist.

Doch davon bekommen wir vorort nichts mit, denn um zwei von den noch verbleibenden drei Stunden bis zum Start zu überbrücken, ist ja für uns nocheinmal ein Besuch im Museum des Kosmodroms eingeplant.

Es verspricht ein warmer Tag zu werden. Mit meinen Gedanken bin ich schon auf dem Platz, von dem wir den Start verfolgen werden. Leider hatte ich darüber meine Flasche mit Wasser im Bus liegen lassen, doch auch das wurde im Museum gelöst und mein Durst und meine innere Unruhe gelöscht.

Als erstes haben wir im Museum die Fotowand aufgesucht, auf der sich alle Raumfahrer vor ihrem Start unterschreiben.

Hier sucht jemand die Unterschrift von Oleg Kotow vom 16.12.2009 in der großen Menge von Unterschriften, die seitdem dazu gekommen sind ...

... und findet sie letztendlich wieder ...

Nun noch einige Fundstücke, die im Zusammenhang mit dem Flug von Sigmund Jähn stehen. Da ist der Eintrag von ADN im Gästebuch und wer etwas genauer hinschaut, kann einen "Gerhard Kowalski" finden ... Daneben gibt auf dem Flyer von Konrad Stahl eine Unterschrift.

Die Unterschriften von Konrad Stahl und Gerhard Kowalski im Museum des Kosmodroms Baikonur

Der Wimpel vom Raumflug von Sigmund Jähn und Waleri Bykowski

Es gäbe noch vieles ein zweitesmal und vor allem genauer anzusehen, aber wir werden zum Bus gerufen, wir wollen ja auch den Start nicht verpassen ...

Gruß, HausD&A

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #267 am: 01. Mai 2019, 11:35:38 »
Starttag - 11.10.2018  - die Besucher auf dem Beobachtungsplatz...

Mit dem Bus fahren wir zum Beobachtungsplatz, von dem ich annahm, dass er etwas weiter entfernt läge. Doch nach kurzer Fahrt dahin, bogen wir auf einen großen Sandplatz ein ...
(s. hier https://www.google.de/maps/place/45%C2%B054'43.9%22N+63%C2%B019'10.4%22E/@45.912198,63.3173563,649m/data=!3m2!1e3!4b1!4m6!3m5!1s0x0:0x0!7e2!8m2!3d45.912198!4d63.3195452 ) Zieht man das Gmaps-Bild etwas auf, kann man die Sicht auf den Startplatz sehen.

Dieser Platz ist eingezäunt und war zur Straße hin mobil gesichert, jedoch auch schon mit vielen Besuchern besetzt. Von hier aus kann man, wenn man sich umschaut, im Hintergrund den Bau auf dem Platz 254 sehen, durch dessen großes Tor ist vor wenigen Tagen das Raumschiff per Bahn herausgezogen und in die von hier aus verdeckte Halle MIK-RN zur Integration gefahren worden. Das ältere Gebäude, vorn, rechts) ist übrigens das MIK 1 aus der Anfanngszeit der bemannten Raumfahrt hier auf dem Kosmodrom.
Die markanten Bauten aus der Buran-Zeit kann man am Horizont auch noch gut erkennen. (Die Bilder sind wie immer vergrößerbar!)

90° - Panoramablick in Richtung der Zufahrt zum "Gagarins Start"

Waren wir doch etwas zu spät gekommen ...?
Nein! Auch wir haben noch einen netten Platz unter den Bäumen zum Rand der Straße hin gefunden. Von hier aus hat man einen Blick in Richtung des Startplatzes, nur der Erdwall ist etwas im Weg ...

Von hier aus sollten wir den Start erleben

Der Zug mit den Tankwagen, die zu Sicherheit vom Startplatz weggezogen wurden, ist von hier aus zu entdecken, dort hat sich auch die Feuerwehr postiert. Vier PKW und ein Bus stehen dort und einige Leute ebenfalls ... Es ist der Sammelplatz ausserhalb der Gefahrenzone, im sicheren Bereich für den Fall aller Fälle ...

Zug mit den Tankwagen, Feuerwehr, PKWs, Leute im sicheren Abstand von der Rakete

Plötzlich mischte sich in die Geräusche auf unserem Platz ein Summen ein, und schau, wir wurden von einer Drohne "angeschaut".

Eine Drohne schaut immer wieder mal vorbei ...

... dass ich ihr zugewunken habe, sieht man leider nicht           Bild: Vid/ZENKI/Roskosmos

Sie war wohl auch nicht wegen mir hier, kurze Zeit später fuhren zwei Wagen, die vorher beim Zug und Bus standen, mit verdunkelten Scheiben den Berg herauf. Nach dem Zeitstempel des Bildes sind es noch rund 30 Minuten bis zum Start.

Der Chef und seine Gäste fuhren zur Loge in der Aussichtsplattform.

Zu etwa dieser Zeit soll der Serviceturm abgesenkt werden, das werden der Roskosmoschef mit seinen Gästen nicht verpassen wollen  ...

Doch noch ist alles ruhig, nur die heisse Luft flimmert über dem Hügel vor dem Serviceturm und der Rakete.

Gruß, HausD&A

Offline fl67

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #268 am: 01. Mai 2019, 15:53:39 »
Mit dem Bus fahren wir zum Beobachtungsplatz, von dem ich annahm, dass er etwas weiter entfernt läge. Doch nach kurzer Fahrt dahin, bogen wir auf einen großen Sandplatz ein ...
(s. hier https://www.google.de/maps/place/45%C2%B054'43.9%22N+63%C2%B019'10.4%22E/@45.912198,63.3173563,649m/data=!3m2!1e3!4b1!4m6!3m5!1s0x0:0x0!7e2!8m2!3d45.912198!4d63.3195452 ) Zieht man das Gmaps-Bild etwas auf, kann man die Sicht auf den Startplatz sehen.

Entfernung zur Rakete ca. 2 km.

Wir waren damals (2003) näher dran, ca. 1,5 km.  Aber auch da war der untere Teil der Rakete hinterm Hügel verborgen.
Start von Sojus TMA-2 am 26.04.2003,  Ausschnitt aus meinem Video:


Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #269 am: 05. Mai 2019, 15:14:10 »
Starttag - 11.10.2018  - der Start...

Über den Lautsprecher hinter uns auf dem Beobachtungsplatz kamen wieder Abfragen und Durchsagen. Kurz danach werden die beiden Hälften des Serviceturms langsam abgesenkt, das dauert eine Weile, dann ist nur noch die Rakete mit dem Tankarm zu sehen  ...

Absenken des Serviceturms

Zwischenzeitlich fahren immer wiedermal Autos hin und her. Auf der Straße zum Startplatz stehen Busse mit weiteren Beschäftigte, die sich jetzt nicht mehr auf dem Startplatz aufhalten sollen.

Ein Polizeiwagen, auf der Querstraße Busse und PKWs, im Hintergrund die Bauten MIK 1A und das ältere MIK 1

Es werden über die Lautsprecher am Zelt die beim Start üblichen Kommandos und Abfragen der einzelnen Stationen, die nun häufiger werden.
Richtig verstehen kann ich es leider nicht, dazu sind wir nicht nahe genug. ... und das Geschehen vor Ort ist viel spannender ...

Der Tankarm wird abgeschwenkt

Ein Rauschen ist zu hören ... Noch ist der Arm der Elekto-Verbindung zu erkennen, der wird ja als letzte Verbindung "Erde - Bord" kurz vor dem Start weggeschwenkt

Der Arm für die Elekto-Verbindung "Erde - Bord" geht gleich weg, die Rakete ist autonom und gleich zum Start bereit

Das Rauschen wird stärker und stärker ... eine Staubwolke steigt nach oben,  ... wird von unten beleuchtet und

... die Rakete hat abgehoben                                                                                         

Alle Augen verfolgen nun die Rakete auf ihrem Weg ins All:

Die Besucher auf unserem Platz und ...

...die Besucher vor der VIP-Lounge ...
Von der Plattform im Hintergrund aus konnten wir 2009 in tiefer Nacht den Start verfolgen.

Bis hierher war alles in Ordnung, in 10-Sekundenabstand kamen die Meldungen -Flug normal- ...

Gruß, HausD&A

Offline fl67

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #270 am: 08. Mai 2019, 09:51:28 »
Viele Panorama/Kugel-Ansichten vom Startplatz 1 in Baikonur gibt es hier:
https://www.360pano.eu/space/baikonur/pad1/

Einfach draufklicken und den "roten Raketen" folgen - oder unten in der Mitte eine Ansicht wählen.

Passt hier gut rein - es ist fast schon eine Wanderung in Baikonur....   :)

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #271 am: 09. Mai 2019, 16:44:22 »
Viele Panorama/Kugel-Ansichten vom Startplatz 1 in Baikonur gibt es hier:
https://www.360pano.eu/space/baikonur/pad1/
Einfach draufklicken und den "roten Raketen" folgen - oder unten in der Mitte eine Ansicht wählen.
Passt hier gut rein - es ist fast schon eine Wanderung in Baikonur....   :) 
... viele bekannte Gesichter und und es ist die 11, offenbar eine Glückszahl ...

Gruß, HausD

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #272 am: 09. Mai 2019, 16:58:39 »
Starttag - 11.10.2018  - der Startabbruch...

Die Rakete steigt über dem Startplatz auf. Eine Kamera zeichnet den Start und den Aufstieg auf.
Im folgenden Bild sieht man die Rakete, deren Aussenblöcke (die 1. Stufe) feuern, und auf dem Erdboden die Bahngleise sowie die Bauten um den Startplatz herum.

Die Rakete deren Booster feuern, auf dem Erdboden Bahngleise sowie Bauten am Startplatz    Bild: Video-ZENKI/Roskosmos/ed.HausD

Als ich mir dieses Bild etwas genauer angesehen habe, ist mir ein heller Fleck aufgefallen, den im nächsten Bild (Bild dazu antippen) mit einem grünen, blinkenden Pfeil gekennzeichnet habe. Das ist das Zelt, das auf dem Beobachtungsplatz stand, dort standen wir und haben die aufsteigende Rakete beobachtet.

Die Kamera zeigt auch unseren Beobachtungsplatz (dazu das Bild antippen)        Bild: Video-ZENKI/Roskosmos/ed.HausD

Beim Aufsteig kommt der Zeitpunkt, an dem die Blöcke der 1. Stufe abgeworfen werden ... und darauf warten wir gespannt. Jetzt ist klarer Himmel und das legendäre Koroljow-Kreuz müsste gut zu sehen sein.

Das Kamerabild vom Zeitpunkt der Abtrennung der Aussenblocks ist aber eigenartig...        Bild: Video-ZENKI/Roskosmos/ed.HausD

Von unserem Standpunkt aus wird die Sicht auf die Rakete plötzlich durch eine sich aufblähende weisse Wolke verdeckt. Sie ist so groß, dass sie am Himmel einen sichtbaren Schatten bis zur Erde wirft.

Die Kamera auf der Rakete zeigt ebenfalls eine Wolke, in der die Aussenblocks nicht mehr erkennbar sind        Bild: Video-ZENKI/Roskosmos

Mein Nachbar hatte schon am ersten Tag unseres Treffens davon geschwärmt, das legendäre Koroljow-Kreuz zu sehen und davon Bilder zu machen.
Dazu hat er zum Start seine Fototechnik aufgebaut und zu eben diesem Zeitpunkt eine Fotoserie gemacht, die er uns freundlicherweise auch zur Verfügung gestellt hat.
Er schreibt dazu:
"Die Bilder sind alle in einem zeitlichen Abstand von ca 1/3 Sekunde aufgenommen.
Einzige Ausnahme ist das erste Bild (li.), auf dem man das unvollkommene "Koroljow-Kreuz" erahnen kann.
Dieses wurde 10 Bilder davor fotografiert, also ca. drei Sekunden vor dem zweiten Bild.
Es ist das letzte Bild, auf dem man die sich entwickelnde Sauerstoff-Wolke noch nicht sieht."

Die Serienbildaufnahmen vom "entscheidenden Moment"...        Bild: Gerhard W.
(obere Reihe - das das normale Bild     untere Reihe - vergrößert, die Rakete und die entstandene Wolke)

Unmittelbar nach dem Vorfall zeigt der Fotograf seine Bildserie

Noch herrscht Ratlosigkeit, die Durchsagen aus dem Lautsprecher sind auch nicht hilfreich und ich habe mich auf den Weg zum Zelt hin gemacht. Dort ist eine TV-Wand installiert und kann vielleicht Licht auf das Geschehen werfen...
Unterwegs habe ich ein "Piep-Pieeep-Pieeep-Piep" Signal aus den Lautsprechern von dort gehört, Was mich stutzig gemacht hat. Das Signal hört man doch nur bei einer Landung... eine Funkbake - die es nur bei einer Landung gibt!?!

Funkbake - die es nur bei einer Landung gibt   
Das Signal aus dem Lautsprecher am Zelt,  das bei einem Start nicht vorkommen sollte (  abspielen )

( Die Aufnahme ist durch ein Versehen entstanden - ungewollte Wackelbilder vom Fußboden  - die schon gelöscht werden sollte. Gut dass ich sie nochmal angesehen  und vor allem angehört habe. Nach einer Verstärkung der Piep-Signale und dem Wegschneiden der langen und nichtssagenden Geräusschkulisse ist die obige, kurze Audiodatei entstanden.)

... am Himmel der Rest von der Wolke vom Zwischenfall, überall wird in Gruppen darüber diskutiert ...

Nicht nur wir auf unserem Beobachtungsplatz sind nachdenklich, auch dem Chef steht die Freude nicht gerade ins Gesicht geschrieben...

Der Generaldirektor Rogosin hat sich das auch nicht träumen lassen ...        Bild: Video-ZENKI/Roskosmos

Es dauert noch eine Weile bis es verlässliche Nachrichten gibt. Dazu sind die Handys unserer russischen Begleiter  heiß gelaufen, aber ausser, dass es eine Havarie war, gab es noch keine Nachrichten über eine Landung und den Zustand der Raumfahrer...

In diesem Moment kamen die Anrufe, dass die Gestarteten sicher gelandet und wohlauf sind ...        Bild: Gerhard W.

Erleichterung ist nach dem Schock bei allen zu spüren...

Gruß, HausD&A

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #273 am: 17. Mai 2019, 12:48:54 »
Starttag - 11.10.2018  - Landung...(1)

Die Havarie hat das Notfallsystem SAS, Teil 2, wirksam in der Aufstiegsphase der Rakete, ausgelöst. Die Havarie ist zu der Zeit eingetreten, in der bei der Übertragung aus dem Raumschiff erheblche Bildstörungen auftraten.

Die Raumfahrer werden plotzlich sehr heftig durchgeschüttelt, dann treten immer mehr Bildfehler auf               Bild: Video-ZENKI/Roskosmos/ed.HausD

Die Bildstörungen gibt es sonst kurzfristig beim Umschalten von den Erdempfangsstationen und sie sind nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Doch jetzt ist alles heftiger ...

Die Nachricht über die Landung haben wir ja schon per Telefon erhalten, doch Bilder gab es davon bei uns noch nicht, die folgenden sind erst später veröffentlicht worden.

Eines der ersten Bilder nach der Landung von Sojus MS-10               Bild: ZENKI/Roskosmos

Die Bergungshubschrauber sind etwa zweiStunden nach dem Startzeitpunkt als erste bei der Rückkehrkapsel gelandet.
Die blauen Bergungsfahrzeuge (PEM) sind nahezu zeitgleich dort angekommen, das eine Zum Transport der Gelandeten, der andere zum Abtransport der Kapsel und der Materialien.

Die blauen "Vögelchen" PEM : Transporter für die gelandete Rückkehrkapsel      --   Bergungsfahrzeug für die Gelandeten

Die Zugangsluke sieht noch blitzblank aus ...

Die Kapsel ist ein Stück auf dem Erdboden gezogen worden, man kann eine Furche im Boden erkennen.

Die Schleifspur der Kapsel im Boden   --  Die Kapsel ist geöffnet und Material wird entnommen

Die Kapsel vor dem Hubschrauber

Während das alles 400 km entfernt passiert fahren wir im Bus zurück zur Stadt. Die Stimmung ist angespannt und wir merken irgendwie, ... etwas ist da noch!
Es war noch etwas und von unserer Betreuerin kam dann diese Aussage: Wir haben eigentlich einige Flaschen Sekt mitgebracht, damit wir auf den Start anstoßen können ... (Pause) ... aber er ist ja nun nicht geglückt ...!?
Doch von den Besuchern kam sofort der Einwand : Aber, sie sind gelandet und das gesund und wohlbehalten!!

Das überzeugte ... - es kam nur noch eine Frage: Wer kann helfen die Flaschen zu öffnen ... ?!

Auf die Gesundheit der Gelandeten!

Gruß, HausD&A

Offline fl67

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #274 am: 17. Mai 2019, 19:05:25 »
War es Krim-Sekt ?   ::) ;)

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