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Autor Thema: Wandern in Baikonur  (Gelesen 98754 mal)

Offline Wilga35

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #250 am: 11. Februar 2019, 09:12:47 »
Eine Bildstrecke dazu gibt es auch von Nikolay Voyt HIER

Das erste Bild der Fotostrecke ist offensichtlich auf dem Dach des Vibrationsteststandes SDI aufgenommen worden. Im Hintergrund die große Halle ist das MSK-80. Die beiden Gebäude mitsamt der darin befindlichen Technik (Buran-Exemplare, Energija-M) gehören Kasachstan. Russland bzw. Roskosmos sind also nicht zuständig, wenn sich dort jemand Zutritt verschafft, das ist Sache der kasachischen Behörden. Und vielleicht handhaben die das ziemlich locker? Andere geenterte Bauwerke der Blogger gehören aber schon noch Russland, doch die Überwachung dort scheint derzeit ziemlich lückenhaft zu sein.
Gab hier vor einiger Zeit schon einmal Fotostrecken aus den beiden Gebäuden von Ralph Mirebs. Und die Bilder finde ich doch immer wieder eindrucksvoll. Leider kümmert sich um die eingelagerte Technik niemand mehr, dabei ist das Ganze schon erhaltenswert.
Alle sind gleich, nur manche sind gleicher!
(George Orwell in "Farm der Tiere")

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #251 am: 16. Februar 2019, 09:33:03 »
Besuch bei Saturn

Nachdem wir mit dem Bus am Luftverflüssigungswerk vorbei gefahren sind, sehen wir auf dem Hügel die Bauten der Station SATURN mit den weithin sichtbaren Türmen mit den großen Antennenschüsseln.

Empfangs- und Sendestation SATURN auf dem Hügel links neben der Straße zur Stadt Baikonur

Der offizielle Name dieser Empfangs- und Sendestation für kosmische Fernverbindungen lautet

                Zentrum für Tests und Anwendungs
                                 Mess Komplex
                               Messpunkt  Nr. 5

 
Blick auf das Schild am Eingang zum Komplex auf dem Plateau des Hügels.

Es gibt von Wikimapia ein älteres Bild als Draufsicht auf das Gelände (NovKos-Wikimapia)

Verfolgen wir den Weg dorthin: Wir sind die Straße zur Stadt Baikonur gekommen, dann auf die Straße( li.ob.) zum Hügel hin abgebogen und halten auf dem freien Platz vor der im Bild oberen Antennenschüssel an.

Nach einigen organisatorischen Fragen, wir sind entweder etwas zu zeitig oder zu spät angekommen, geht der Rundgang auf dem Gelände in Richtung der zweiten großen Antenne los. Der Turm mit der Antennenanlage ist über 70 m hoch und die Antennenschüssel hat einen Durchmesser von 35 m, sie soll in 9 min von einer Seite auf die andere geschwenkt werden können.

Wir laufen von der Ankunftsstelle aus ostwärts, vor uns der zweite Turm mit der dreh- und schwenkbaren Antenne und zugehörigem Spiegel

- Zur Örtlichkeit und den Türmen mit den großen Antennenschüsseln :
Wir stehen auf dem Berg Murguduk (Schlangenberg), auf dem Platz 23, der etwa 11 km nordöstlich vom Bahnhof Tjura-Tam liegt.

Zur Bebauung dieses Bergs führte die Notwendigkeit einer multifunktionalen Kommunikation mit der 7K-Sojus-Sonde auf der Flugbahn zum Mond. Man brauchte so einen Komplex auch im Startbereich, um mit dem Raumschiff schon von der Startposition aus eine stabile Funkverbindung zu haben.
 
Der Komplex "Saturn-MS" wurde am 25.01.1967 begonnen und hat den Ersterprobungsbetrieb am 24. November 1970 aufgenommen und zwar mit der Kommunikation zur Mondsonde "Luna16", die eine Bodenprobe vom Mond zur Erde zurückzuführen ermöglichte.
Ein Jahr später begann am 3. November 1971 der durchgehende Probebetrieb des Saturn-MS Komplexes.
Die erste Bauphase wurde 1973 abgeschlossen und diente auch als Kommunikationsbasis des EPAS-Programms, das im Frühjahr 1975 abgeschlossen wurde. (s. hier: Apollo-Sojus-Test-Projekt/K. Urban)

Neben dem Antennenturm steht ein Denkmal, das bildlich auf die "Kosmische Fernverbindung" bezug nimmt.
Im Umkreis sind eine Reihe von kleineren Antennensystemen zu sehen, die zum ZESST (Zentrum für den Betrieb von Telekommunikations- und Telekommunikationsnetzen) gehören, einem Teilbetrieb von ZENKI.

Teil vom Denkmal "Kosmische Fernverbindung", daneben ein ZESST-Bau mit Antenne
  ЦЭССТ  Центр эксплуатации сетей связи и телекоммуникаций 
  ZESST  Zentrum für den Betrieb von Funk und Telekommunikationsnetzen

Das Zentrum für den Betrieb von Funk und Telekommunikationsnetzen wurde am 22.06.1998 aus der militärisch geführten "760. Fernmelde-Abteilung" des Kosmodroms heraus gegründet und dann wurde 2000 die gesamte  Kommunikation mit dem Kosmodrom an ZENKI übertragen.

Auf der linken Seite neben dem Turm ein Radom vorn und ein Doppler-Radar hinten an der Kante des Plateaus

Einen Rundgang machen wir nicht dorthin, gibt es doch freie Sicht auf die einzelnen Einrichtungen.

Das Doppler-Radar zur Bahnverfolgung

Zum WEIBEL-Radar, das auch bei der JAXA eingesetzt wird das : Kopfball Video bei WEIBEL (ARD)

Etwas weiter hinter dem Antennenturm steht ein Mobiler Mess-Punkt (MIP) zur Beobachtung von Starts
Bekannt geworden sind diese MIPs beim ersten Start von Wostotschny aus

Zum Rand des Hügels kann man auch nur per Foto gehen und durch die vor Hitze flirrende Luft hindurch auf den fernen Horizont mit den Bauten des Kosmodroms schauen.

Am Horizont die markanten Bauten des Kosmodroms

Neben dem Besucher kann man die Bauten auf dem Pl 254 ausmachen. Markant hebt sich in der Bildmitte das sehr hohe Gebäude des Vibrationsteststandes SDI ab, dann folgt das flachere graue Gebäude, das MSK-80 (in den noch BURAN-Muster stehen).
Der Startplatz ist auf dem Bild ganz rechts nur zu erahnen, man kann einen der weiss-roten Gittertürme erkennen.

Fliegt man in diese Richtung (mit einem  Video von ZENKI[/url]), ist die Situation etwas deutlicher.
(Quelle des Videos :) ) https://www.youtube.com/watch?v=a5KO9KEbVHQ
Der weiss-roten Gitterturm knapp 2 km vor dem Startplatz

Bei der Rückfahrt vom Hügel herunter in die Stadt haben wir noch die Möglichkeit  kurz einen Blick auf die Stadt zu werfen. Ein Bild davon geht davon nicht zu machen, dagegen haben die heiße Sonne von Baikonur und die nicht ganz saubere Busscheibe etwas ...

Gruß, HausD&A

Offline Wilga35

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #252 am: 16. Februar 2019, 10:34:05 »
@HausD,
vielen Dank für die interessante, ausführliche Berichterstattung über Deine Baikonur-Reise. Das weckt Erinnerungen an die eigene, schon ewig zurückliegende Baikonur-Reise.

Zur Station Saturn (IP-5):
Meines Wissens nach kann von dort aus bei bemannten Sojus-Flügen im Falle einer Havarie auf der Startrampe per Funksignal das Rettungssystem SAS der Trägerrakete aktiviert werden. Zuständig dafür sind zwei Sicherheitsoffiziere, die beide zur gleichen Zeit den Havarieknopf drücken müssen. Ihr Arbeitsplatz müsste eine Bunkeranlage auf dem Gelände sein. Habt ihr den Bunker eventuell besichtigen können, und ist zu diesem Thema etwas gesagt worden? Mit welcher der abgebildeten Antennen wird eigentlich das Havariesignal gesendet?

Gruß, Wilga35
Alle sind gleich, nur manche sind gleicher!
(George Orwell in "Farm der Tiere")

Offline HausD

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Re: Wandern in Baikonur
« Antwort #253 am: 16. Februar 2019, 13:24:07 »
Hallo Wilga35,
hallo Freunde,

Neben den allgemeinen historischen Informationen wurde auch gesagt: Hier sitzen auch die Bediener des SAS Rettungssystems... aber kein Wo und Wie.
Nach meiner Sicht gibt es keinen Extra-Bunker auf dem Gelände, Schutzräume in den Gebäuden wird es aber noch geben. (Das ist bei besonderen Fernmelde-Anlagen üblich).

Aus einem Video von Roskosmos aus dem Jahr 2017 über die Sicherung innerhalb von Sekunden bei einer Havarie auf dem Startgelände habe ich die folgenden Bilder hier zu den SAS-Prozeduren kopiert.


Der Bediener von ROSKOSMOS vor dem Bedienpult des SAS, vor ihm eine Kamera und ein Mikrofon als Direktverbindung zum Startbunker
Schon längere Zeit gibt es keine Armeeangehörigen mehr bei Roskosmos und bei ZENKI

So kommen die Bilder vom SAS-Bediener im Startbunker an

Gruß, HausD


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