Navigation

Raumcon-Seiten

Benutzer im Chat: 3

24. Januar 2021, 14:00:17
Raumcon
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Neuigkeiten: Unser Unterforum für Rezensionen zu Büchern aus der Astronomie und Raumfahrt
   Erweiterte Suche

Autor Thema: Astronautennahrung  (Gelesen 3862 mal)

radio_crash

  • Gast
Astronautennahrung
« am: 25. Oktober 2013, 10:43:07 »
Moin,

Ich grüble nun schon länger an einer Idee für ein Unternehmen und dachte dieses Forum könnte ein super Ort sein, um Feedback zu erhalten!

Und zwar geht um "Astronautennahrung". Soweit ich das sehe engagieren sich nur die staatlichen Agenturen in diesem Bereich, im privatwirtschaftlichen Bereich beschäftigt sich jedoch niemand damit. Also das man einerseits Ready-made Meals anbietet, einen Catering-Service ähnlich dem in der normalen Luftfahrt hat und vielleicht auch Apparaturen zum Züchten im All oder auf etwaigen Marsstationen, etc. entwickelt. Das sind alles reine Gedankenspiele!

Vor allem perspektivisch sehe ich Potential, da der Markt ja gerade erst am entstehen ist.

Freue mich über jede Anregung und jeden Kommentar!

Grüße,
Philipp

Offline Kryo

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 990
Re: Astronautennahrung
« Antwort #1 am: 25. Oktober 2013, 11:55:51 »
der Markt ist im Moment nicht am Entstehen, sondern nicht existent. 6 Astronauten auf der ISS kann man wohl schwerlich als "Markt" bezeichnen^^

Auch ne Crew zum Mars nicht.

Falls das erste Kreuzfahrtschiff zum Mars vom Weltraumbahnhof ablegt, dann kannst du dir Gedanken in der Richtung machen  :-X

Offline Schillrich

  • Raumcon Moderator
  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 18900
Re: Astronautennahrung
« Antwort #2 am: 25. Oktober 2013, 12:36:41 »
Hallo radio-crash/Philipp,

ich vermute du bist durch Meldungen über Weltraumtourismus und private Weltraumflüge (SpaceShip 2 usw. ...) auf die Idee gekommen. (?)

Das ist kein Markt. Was sich da tut, ist weniger als marginal. Aktuell ist beides sogar nicht existent. Wenn es mal private Touristenraumfahrt in die Umlaufbahn gibt, dann sind das wenige auserlesene Kunden. Die Anbieter werden das bisschen Nahrung dann schon aus etablierten Quellen beschaffen. Und die kleinen Hopser von SpaceShip2 und Konsorten ... sind auch noch nicht real und am Ende genau das: Hopser. Da gibt es dann keinen Luxus und keinen Service an Bord ... wenn sie endlich mal fliegen.
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

"We are following you ... but not on twitter." (Futurama)

Offline ZeT

  • Senior Member
  • ****
  • Beiträge: 441
Re: Astronautennahrung
« Antwort #3 am: 07. November 2013, 18:46:58 »
Wobei der Gedanke ja nichtmal so abwägig ist. Muss ja nicht nur auf die Raumfahrt gemünzt sein - jede längere Expedition benötigt ja im Endeffekt eine Versorgung mit Nahrungsmittel. Seien es nun Extremsportler die mal wieder in Nepal rumkraxeln oder welche die sich Richtung Nord/Südpol aufmachen. Segler die die Welt umrunden wollen usw usw.

Auch wenn heute kein wirklicher Markt existiert (also einer der rentabel ist), so wird er doch irgendwann mal kommen. Wer dann das passende Produkt am Start hat könnte schon der Gewinner sein.

Offline thecrusader

  • Senior Member
  • ****
  • Beiträge: 289
Re: Astronautennahrung
« Antwort #4 am: 17. September 2016, 14:29:43 »
Der Artikel hat zwar überhaupt keinen Raumfahrtbezug, ich denke aber das Konzept eignet sich hervorragend um zum Beispiel eine Basis auf dem Mars mit sämtlichen Milchprodukten zu versorgen. Und zwar ohne Kühe. Es ist ihnen gelungen eine Art Hefe zu erzeugen welche Milch produziert. Das Ziel ist es Milch gleichsam wie Bier zu brauen:

http://motherboard.vice.com/read/this-startup-is-making-cow-free-cows-milk-because-vegan-ice-cream-sucks

Online Gertrud

  • Raumcon Moderator
  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 7724
Re: Astronautennahrung
« Antwort #5 am: 03. Februar 2018, 21:03:34 »
Hallo Zusammen,

Mikroben können Astronauten dabei helfen, menschliche Abfälle in Nahrungsmittel umzuwandeln

Menschliche Verschwendung könnte eines Tages eine wertvolle Ressource für Astronauten auf Weltraummissionen sein. Nun hat ein Penn State-Forschungsteam gezeigt, dass es möglich ist, feste und flüssige Abfälle schnell abzubauen, um Nahrungsmittel mit einer Reihe von mikrobiellen Reaktoren zu züchten, während gleichzeitig das Wachstum von Krankheitserregern minimiert wird.

"Wir haben uns das Konzept ausgedacht und getestet, wie die Abfälle von Astronauten gleichzeitig mit Mikroben behandelt werden und gleichzeitig eine Biomasse produziert wird, die entweder direkt oder indirekt essbar ist", sagt Christopher House, Professor für Geowissenschaften, Penn State. "Es ist ein bisschen seltsam, aber das Konzept wäre ein bisschen wie Marmite (vegetarische Würzpaste)  oder Vegemite  (konzentrierter Hefeextrakt), wo man einen Abstrich von "mikrobiellem Zeug" isst."

Die Studie der Forscher befasst sich mit verschiedenen Herausforderungen, mit denen sich der Mensch auf dem Mars oder darüber hinaus konfrontiert sieht. Wenn genügend Nahrung von der Erde aufgenommen wird, nimmt das Volumen zu und erhöht die Masse und die Treibstoffkosten des Raumfahrzeugs, während der Anbau von Nahrung auf Hydrokultur oder anderen Wegen einen energie- und wasserintensiven Prozess erfordert, der wertvollen Raum einnimmt.

Um ihre Idee zu testen, verwendeten die Forscher den künstlichen festen und flüssigen Abfall, der häufig in Abfallmanagementtests verwendet wird. Sie schufen ein geschlossenes, zylindrisches System von ca. 1,2 Meter (vier Fuß Länge) mal ca. 10 cm (vier Zoll Durchmesser), in dem ausgewählte Mikroben mit dem Abfall in Berührung kamen. Die Mikroben bauten Abfall mit sauerstofffreien Verdauung ab, ein Prozess, der der Art und Weise ähnlich ist, wie Menschen Nahrung verdauen.
"Sauerstoffunabhängige Vergärung ist etwas, das wir häufig auf der Erde für die Behandlung von Abfällen verwenden", sagte House. "Es war ein effizienter Weg, um in der Masse behandelt und recycelt zu werden. Es war neu an unserer Arbeit, die Nährstoffe aus diesem  Kreislauf zu entfernen und sie absichtlich in einen Mikrobenreaktor zu stecken, um Nahrung anzubauen."

Das Team fand heraus, das Methan während der  sauerstoffunabhängige Vergärung von menschlichen Abfällen leicht produziert wurde und dass es dazu verwendet werden könnte, eine andere Mikrobe, Methylococcus capsulatus, anzubauen, die heute als Tierfutter verwendet wird. Das Team kam zu dem Schluss, dass dieses mikrobielle Wachstum genutzt werden könnte, um eine nahrhafte Nahrung für den Weltraumflug zu produzieren. Sie berichteten in den Life Sciences von Space Research, dass sie M. capsulatus mit einem Proteinanteil von 52 Prozent und einem Fettanteil von 36 Prozent züchteten, was sie zu einer potenziellen Nahrungsquelle für Astronauten macht.

Da Krankheitserreger auch bei wachsenden Mikroben in einem geschlossenen, feuchten Raum eine Rolle spielen, hat das Team Möglichkeiten untersucht, Mikroben entweder in einer alkalischen Umgebung oder in einer Umgebung mit hoher Hitze anzubauen. Sie erhöhten den pH-Wert des Systems auf 11 und waren überrascht, einen Stamm der Bakterien Halomonas desiderata zu finden, die gedeihen konnten. Das Team fand heraus, dass diese Bakterien 15 Prozent Protein und 7 Prozent Fette enthalten. Bei 70 Grad Celsius (158 Grad Fahrenheit), die die meisten Krankheitserreger tötet, wuchs der essbare Thermus aquaticus, der aus 61 Prozent Protein und 16 Prozent Fetten bestand.
Die Wissenschaftler haben auch die Veränderungen untersucht, wenn viel Abfall produziert wurde, zum Beispiel, wenn das Raumschiff eine größere Ladung als üblich hatte, und das System hat das gut aufgenommen.

Das Team wurde zu dem kompakte Design von Aquarien inspiriert, die einen festen Folienfilter zur Behandlung von Fischabfall verwenden. Diese Filter verwenden ein speziell entwickeltes, bakterienbedecktes Folienmaterial mit großer Oberfläche. Die Forscher haben Materialien aus der kommerziellen Aquarienindustrie verwendet, aber sie für die Methanproduktion angepasst. Auf der Oberfläche des Materials befinden sich Mikroben, die festen Abfall aus dem Strom aufnehmen und ihn in Fettsäuren umwandeln, die durch eine andere Gruppe von Mikroben auf derselben Oberfläche in Methangas umgewandelt werden.

Das Team entfernte während des Tests in 13 Stunden 49 bis 59 Prozent der Feststoffe. Dies ist viel schneller als die bestehende Abfallbehandlung, die mehrere Tage dauern kann. House sagte, ihr System sei noch nicht zur Anwendung bereit - diese erste Studie untersuchte die verschiedenen Komponenten isoliert und nicht in ein vollständig integriertes System.
Jede Komponente ist sehr robust und zerlegt den Abfall schnell. Deshalb könnte dies Potenzial für zukünftige Raumflüge haben. Es ist schneller als Tomaten oder Kartoffeln anzubauen.
Heute recyceln Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation einen Teil des Wassers aus dem Urin, aber der Prozess ist energieintensiv, sagte House. Das Abfallmanagement war eine größere Hürde. Die Abfälle werden derzeit zur Verbrennung in die Erdatmosphäre ausgestoßen.

"Stellen Sie sich vor, jemand würde unser System so fein abstimmen, dass 85 Prozent des Kohlenstoffs und Stickstoffs aus dem Abfall wieder in Protein umgewandelt werden können, ohne Hydro oder künstliches Licht zu benötigen", sagte House. "Das wäre eine fantastische Entwicklung für Reisen im Weltraum."

Zwei weitere Forscher arbeiteten an dieser Arbeit mit: Lisa Steinberg zur Zeit der Studie Postdoktorandin für Astrobiologie an der Penn State, jetzt wissenschaftliche Leiterin des Wissenschaftlichen Labors am Delaware County Community College; und Rachel Kronyak, ehemalige Student der Geowissenschaften im Penn State, jetzt Doktorand an der Universität von Tennessee.

Quelle:
http://news.psu.edu/story/502406/2018/01/25/microbes-may-help-astronauts-transform-human-waste-food

Mit den besten Grüßen
Gertrud 
die Erklärung zu meinem Avatar:
http://de.wikipedia.org/wiki/NGC_2442
http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/ap070315.html
***
Die Gabe des Staunens lässt uns die Welt aufgeschlossener sehen und ihre Wunder würdigen. (Richard Henry Lee)

Offline Dominic

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 167
Re: Astronautennahrung
« Antwort #6 am: 05. Februar 2018, 12:48:26 »
Die chemisch-synthetische und biotechnologische Nahrungsmittelproduktion erscheint bei näherer Betrachtung als effektivere Alternative zur klassischen Idee von Gewächshäusern zum Anbau von essbaren Pflanzen, jedenfalls im kleinen Maßstab.

Offline Ijon

  • Senior Member
  • ****
  • Beiträge: 284
Re: Astronautennahrung
« Antwort #7 am: 23. November 2020, 22:59:17 »
Nachdem am Samstag geklärt wurde was dem Deutschen Matthias Maurer am lokaler Küche im All serviert wird, u.a. da: https://www.deutschlandfunk.de/das-perfekte-weltraum-dinner-tv-show-zur-auswahl-des-maurer.732.de.html?dram:article_id=487847 würde mich mal so ganz nebenbei interessieren, gab es für die bislang 10 Spationauten (Franzosen) etwas ähnliches? Hat sich überhaupt schon mal jemand dafür interessiert das Essen im All schmackhafter zu machen ?
Alle auf der Welt ist russische Erfindung, bis auf Kommunismus, der ist Kapitalistische Erfindung.
 Boris Iljewitsch Saranow, Parapsychologe.

Offline Voyager_VI

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 716
Re: Astronautennahrung
« Antwort #8 am: 23. November 2020, 23:40:07 »
Wenn ich mich richtig entsinne, dann spielte das schmackhafte Essen schon beim Flug von Sigmund Jähn eine Rolle.

Der Geschmacksverlust ist ja nicht beim ersten Flug entdeckt worden.
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."
Immanuel Kant

McPhönix

  • Gast
Re: Astronautennahrung
« Antwort #9 am: 24. November 2020, 00:55:43 »
Das Essen wird wohl immer schmackhaft sein, aber es fehlt am Druck, der nicht ausreichend auf die Geschmacksknospen wirken kann, um die Übertragung der Moleküle in genügender Anzahl zu gewährleisten.
Geschmacksverlust ist also eigentlich eine Störung des Zusammenwirkens der dafür zuständigen Faktoren, denk ich mal.

Offline Ijon

  • Senior Member
  • ****
  • Beiträge: 284
Re: Astronautennahrung
« Antwort #10 am: 24. November 2020, 22:08:24 »
Ok, warten wir noch ein Jahr ab, ob und wie geschmeckt hat.
Oder wir diskutieren am 26. März nächstes Jahr open Air übers Essen weiter.
Alle auf der Welt ist russische Erfindung, bis auf Kommunismus, der ist Kapitalistische Erfindung.
 Boris Iljewitsch Saranow, Parapsychologe.

Offline alepu

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 1833
Re: Astronautennahrung
« Antwort #11 am: 26. November 2020, 15:49:13 »
Darf der arme Maurer nichtmal selbst entscheiden, was er da zu sich nimmt? Da sind die Amerikaner aber schon viel weiter!
Wer sich näher für die Astronautennahrung interessiert, hier ein recht informativer Artikel auf englisch:

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Space_food

Auch in den von ISS-fliegenden Astronauten geschriebenen Büchern steht einiges drüber drin.
So treffen sich Astro- und Cosmonauten z.B traditionell mindestens 1x pro Woche zum gemeinsamen Essen. Dabei werden die unterschiedlichen Gerichte getauscht und gemeinsam verspeist.

Interessant auch in diesem zusammenhang:
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Alcohol_and_spaceflight

Und auch auf youtube gibt es sehr schöne Filmchen dazu (Stichworte: Astronaut space food)

Und aus aktuellem anlaß:

https://space.com/thanksgiving-in-space-2020-astronauts-meal-video

Tags: