Navigation

Raumcon-Seiten

Benutzer im Chat: 7

21. September 2020, 14:56:56
Raumcon
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Neuigkeiten: Unsere neue Tasse zu SpaceX - Beyond Frontiers im Raumcon-Shop
   Erweiterte Suche

Autor Thema: Himmelsscheibe von Nebra  (Gelesen 3098 mal)

robinson

  • Gast
Himmelsscheibe von Nebra
« am: 09. November 2006, 20:43:52 »
Ich hatte an einem Gedankenaustausch über die <Himmelsscheibe von Nebra> teilgenommen und bin jetzt richtig angetan.


Bild: Landesmuseum für Frühgeschichte Halle

Hier habe ich einen Bericht gefunden:
 
Zitat
Elmar Stöttner in Netzeitung.de
Eine babylonische Keilschrift aus dem siebten Jahrhundert vor Christus und die Detektivarbeit eines Hamburger Astronomen haben das Rätsel um die Himmelsscheibe von Nebra gelöst: Rahlf Hansen entschlüsselte eine Schaltmonat-Regel, die von der 3600 Jahre alten Bronzescheibe abzulesen ist.

Die Regel ermöglichte es den Menschen der Bronzezeit, das Sonnenjahr mit 365 und das Mondjahr mit 354 Tagen in Einklang zu bringen. Die 32 Zentimeter große Himmelsscheibe aus der frühen Bronzezeit erweist sich damit als eine astronomische Uhr, wie der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, Harald Meller, der Astronom Hansen vom Planetarium Hamburg und sein Bochumer Kollege Wolfhard Schlosser am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Halle an der Saale erklärten.

[...]

Zitat aus urheberrechtlichen Gründen gekürzt


Ich werde jetzt in der vorhandenen Literatur schmökern und Interessantes hier reinbringen.  Robby
« Letzte Änderung: 06. September 2010, 00:57:51 von Kreuzberga »

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #1 am: 10. November 2006, 08:49:06 »
Moin,

es muß aber gesagt werden, daß Wissenschaftler erneut prüfen wollen, ob die Himmelsscheibe *ein astronomischer Kalender* war oder nicht.

Bislang unumstritten ist, dass die rund zwei Kilogramm schwere, fast kreisrunde Himmelsscheibe mit einem Durchmesser von 31 bis 32 Zentimetern als Instrument zur Bestimmung der Sommer- und Wintersonnenwende diente. Der Streit um die Kalender-Funktion soll auf der Fachtagung «Astronomische Orientierung und Kalender in der Vorgeschichte» am Donnerstag und Freitag in dem Berliner Museum geklärt werden. (nz)

Jerry

greatattraktor

  • Gast
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #2 am: 05. September 2010, 19:22:30 »
In dem Beitrag oben steht
Zitat
«Wenn am ersten Nisannu Mond und Plejaden in Konjunktion stehen, so ist dieses Jahr normal. Wenn erst am dritten Nisannu, so ist dies ein Schaltjahr», zitierte Hansen den Text aus Babylon. Konkret bedeute die Regel, dass man einen Schaltmonat einfügen muss, wenn man einen Mond sieht, der so dick ist wie die Mondsichel auf der Nebra-Scheibe und der nahe den Plejaden, den sieben Fixsternen im Sternbild des Stiers, am Firmament steht: Damit wurden Sonnen- und Mondjahr in Deckung gebracht, und die beiden Kalendersysteme gerieten nicht aus dem Takt.

Ich habe aus dieser Quelle http://harburg-magazin.netsamurai.de/2010/06/22/die-himmelsscheibe-von-nebra-archaeologisches-museum-hamburg/#high_1 jetzt mitbekommen: Aufgang und Untergang der Plejaden oder des Orionsterns Rigel spielten überhaupt keine feststellbare Rolle in der germanischen und nordeuropäischen Frühzeit, eher Capella und Deneb.



H.J.Kemm

  • Gast
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #3 am: 06. September 2010, 02:16:38 »
Moin GA,

es gibt viele ältere bzw. neuere Aussagen, die wohl noch nicht eindeutig sind - meist war da Spekulation oder Falschinterpretation im Spiel.

Ich habe da irgendwo eine Auflistung neuester Kenntnisse - wenn ich die gefunden habe, dann versuche ich da mal was zu schreiben.

Leider konnte ich den Film von vor 4 Wochen im FS nicht aufzeichnen - da ging es auch um alte und neueste Kenntnis.
War sehr interessant.

Jerry

Offline einsteinturm

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 593
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #4 am: 08. September 2020, 08:04:14 »
Hallo,  die Portalmeldung klingt eindeutig, in Wahrheit scheint es sich aber wohl nur um eine weitere Expertenmeinung zu handeln, noch dazu durcj persönliche Streitigkeiten überlagert. Womöglich wird man es nie aufklären können.
Das sollte dann im Portal auch so dargestellt werden:
https://www.tagesspiegel.de/wissen/fund-von-nebra-soll-aus-der-eisenzeit-stammen-forscher-streiten-um-das-alter-der-himmelsscheibe/26159012.html
« Letzte Änderung: 08. September 2020, 09:20:35 von einsteinturm »

Offline Pirx

  • Raumcon Administrator
  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 17065
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #5 am: 08. September 2020, 11:04:40 »
Hallo,  die Portalmeldung klingt eindeutig, in Wahrheit scheint es sich aber wohl nur um eine weitere Expertenmeinung zu handeln,  ...
Nur?  Jedenfalls ist sie eindeutig als Pressemitteilung einer Universität gekennzeichnet.

Zitat
... noch dazu durch persönliche Streitigkeiten überlagert.
Noch dazu? Mögliche Animositäten kann man jedenfalls z.B. auch da https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/wie-alt-ist-die-himmelsscheibe-von-nebra-li.103072 herauslesen.

Zitat
Womöglich wird man es nie aufklären können.
Was konkret wird sich womöglich niemals aufklären lassen?
Zitat
Das sollte dann im Portal auch so dargestellt werden:
https://www.tagesspiegel.de/wissen/fund-von-nebra-soll-aus-der-eisenzeit-stammen-forscher-streiten-um-das-alter-der-himmelsscheibe/26159012.html

Dass die kolportierten Geschichten um das Auffinden der diversen Objekte Fragen und Irritationen "provozieren müssen", finde ich jetzt gar nicht merkwürdig, eher den möglichen Kampf um Deutungshoheit und vllt. eine Angst, dass jemand einem "die Butter vom Brot" nehmen könnte.

Gruß   Pirx
Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben. (Alexander von Humboldt)

Offline rok

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 2531
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #6 am: 08. September 2020, 11:40:51 »
Ich finde es auch ungewöhnlich, wie heftig sich Naturwissenschaftler gegenseitig kritisieren auf dieser ziemlich dürftigen Datenbasis, Beispiel nano-Video vom 4.9.20 (4,5 min.):

https://www.3sat.de/wissen/nano/himmelsscheibe-von-nebra-102.html

Das Problem sind die Raubgräber, die das Fundstück aus der normalen Schichtenfolge entfernt und hinterher auch über den Fundort selber gelogen haben, auf deren Angaben aber die Argumentation der örtlichen Archäologen teilweise basiert.

Es ist in der Archäologie leider nicht selten (eigene Erfahrungen), dass die Interpretation eines wichtigen Fundes von den örtlichen Wissenschaftlern sehr lange mit Zähnen und Klauen verteidigt wird, auch um Fördergelder für weitere Grabungen oder gar den Bau eines ganzen Museums zu erhalten.*  Womit ich keinesfalls behaupte, dass die beiden Skeptiker im Recht sind.

......

* Und das geht leider bis hin zur Unterdrückung von alternativen Fundort-Daten, die mit dem eigenen Projekt nicht vereinbar sind (eigene Erfahrung).
« Letzte Änderung: 08. September 2020, 14:44:01 von rok »

Offline Ijon

  • Senior Member
  • ****
  • Beiträge: 256
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #7 am: 09. September 2020, 10:41:56 »
Jaa, wenn diese Experten nicht mal das Objekt ihrer Kritik nicht einmal selbst untersucht haben, was will man da schon erwarten. Vielleicht benötigt man da doch die (aus einem uralten SF: Atlandei . Archälogisch - Temponautische - Landeeineheit) um dann wirklich vor Ort zu klären. Und seien es nur die  wenigen Jahre bis zum Fund
Alle auf der Welt ist russische Erfindung, bis auf Kommunismus, der ist Kapitalistische Erfindung.
 Boris Iljewitsch Saranow, Parapsychologe.

Offline rok

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 2531
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #8 am: 09. September 2020, 11:13:10 »
Das ist das Problem mit diesen Raubgräbern. Wenn sie wenigstens die genauen Koordinaten, die Fundtiefe und Fotos von der Grube dokumentieren würden, wäre das zwar trotzdem illegal, aber man könnte zumindest die Situation vor Ort rekonstruieren. Leider verbreiten diese Leute i. A. Lügen über die Fundstelle, da sie hoffen, nach einigen Jahren wieder am Originalplatz tätig werden zu können, um weitere Gegenstände bergen und verkaufen zu können.

Offline Rücksturz

  • Portal Redakteur
  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 2363
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #9 am: 10. September 2020, 19:49:33 »
Damit klar ist worüber gestritten wird:

"Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert

​Archäologen aus Frankfurt und München belegen Ursprung im ersten Jahrtausend v. Chr.. Eine Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt am Main."



Die Himmelsscheibe von Nebra im Zustand vor der Übernahme des Landesmuseums Halle an der Saale.
(Bild: Hildegard Burri-Bayer)


Weiter in der Pressemitteilung der Uni Frankfurt/Main:
https://www.raumfahrer.net/news/astronomie/08092020070649.shtml

Viele Grüße
Rücksturz

Offline Pirx

  • Raumcon Administrator
  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 17065
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #10 am: 11. September 2020, 08:03:01 »
Guten Morgen!

Vom Landesmuseum für Vorgeschichte / Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt gibt es eine Stellungnahme unter dem Titel "Himmelsscheibe von Nebra eisenzeitlich? Eine Richtigstellung":

https://www.lda-lsa.de/aktuelles/meldung/datum/2020/09/03/himmelsscheibe_von_nebra_eisenzeitlich_eine_richtigstellung/

Darin finde ich den Mix aus vermutlichen Fakten, Annahmen und Schlußfolgerungen ... problematisch.

Gruß   Pirx
Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben. (Alexander von Humboldt)

Offline rok

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 2531
Re: Himmelsscheibe von Nebra
« Antwort #11 am: 11. September 2020, 13:35:45 »
Die Archäologie ist nunmal leider keine exakte Naturwissenschaft, und das gilt selbst bei der Archäometrie, also der Anwendung physikalischer oder chemischer Verfahren. Denn auch dabei werden i. A. zusätzliche Annahmen, statistische Wahrscheinlichkeiten oder auch "seit Jahrzehnten gesicherte Erkenntnisse" hinzugezogen. Das gilt erst recht für sensationelle Einzelfunde, für die es kein Vergleichsmaterial gibt.

Bei der Auseinandersetzung über das Alter der"Himmelsscheibe" kommt hinzu, dass sich die beteiligten Forscher seit Jahren im Streit wegen eines anderen Fundortes befinden, die Gold- und Bernsteinfunde von Bernstorf:

Die SZ hatte eine Schlagzeile am 10.1.2017

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/archaeologie-gold-und-bernsteinfunde-von-bernstorf-sind-echt-1.3325849

und am 28.3.2018

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/freising/krimi-um-goldschmuck-lauter-faelschungen-1.3920999


Und es gibt dort auch finanzielle Hintergründe, so wurde für diese Ausgrabung ein Museum gebaut ("Arche Nebra") und der Tourismus profitiert erheblich von dem Fund (dessen Versicherungswert laut Wiki in 2006 bereits 100 M€ betrug). Als verantwortlicher Forscher kann man bei Projekten dieser Größenordnung leicht Gefahr laufen, sich in eine Filterblase zurückzuziehen, in der bestimmte Fakten nicht mehr objektiv bewertet werden.

Ich maße mir allerdings keine Beurteilung des Steits um das Alter der Himmelsscheibe an.

Tags: