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Autor Thema: Wostok-Programm  (Gelesen 83142 mal)

Offline Kelvin

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #225 am: 16. Juni 2017, 21:39:22 »
Der Doppelflug von Wostok-5 und -6 fand zwischen den 14. und 19. Juni 1963 statt. Das sind 10 Jahre nach den Arbeiteraufstand in der DDR. Gibt es da einen Zusammenhang, wie bei Wostok-2 und der Bau der Berliner Mauer?

Das glaube ich kaum, wenn man von dem grundsätzlichen, immer vorhandenem propagandistischen Trachten absieht. Der Arbeiteraufstand in der DDR war einem durschnittlichen Ostblockbürger unbekannt. Und daß man die Raumfahrt terminlich speziell nach der Nützlichkeit für die DDR Propaganda ausgerichtet hat, bezweifle ich. Das ist zu "deutschzentrisch", glaube ich. Ich selbst hatte von dem Aufstand erst viel später im "Westen" erfahren, aus dem Spiegel, gedruckt, natürlich ;-). Obwohl ich den Kenedy-Mord damals bereits sehr bewußt wahrgenommen habe. Solche Vorgänge (Aufstände usw.) hat man so weit es ging entweder totgeschwiegen, oder notfalls als Propaganda oder Provokation der "Revanschisten" bezeichnet.

Wilga35

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #226 am: 19. Juni 2017, 23:40:07 »
Hallo,
nach einer Woche Donaukreuzfahrt und dadurch bedingter Schreibabstinenz will ich wieder bei dem interessanten Thema einsteigen. Muss da natürlich einige Beiträge bis #187 zurückgehen.

Hallo,

ist das wirklich ein Video vom Start mit Kosmos-4? Ein Zenit-2-Satellit benötigt doch keine Öffnung zum Heraussprengen der Nutzlast. Und es wurden doch nur 2 Raketen der 8K72K-Serie für Zenit-2 verendet, danach die 8A92. Macht wenig Sinn, eine Nutzlastverkleidung eines neuen Satelliten 2x zu konstruieren. Sicher ist der Film falsch verwaltet worden, gehört nicht zu Zenit-2. Im verwendetem Quellarchiv sind jedenfalls mehrere Patzer bei anderen Raketen... Aber gerne lese ich Eure Meinungen dazu, ich möchte es auch gerne richtig archivieren!

Laut der russischen Filmlegende von
http://www.kosmonavtika.com/lancements/1962/26041962/26041962photos.html

soll es sich bei dem Video um den Start von Kosmos-4 handeln, wobei man bei solchen Angaben natürlich nie ganz sicher sein kann. Richtig ist, dass bei den Zenit-Satelliten keine Öffnung in der Nutzlastverkleidung nötig war, doch vielleicht hatte man aus dem Wostok-Programm noch Fairings übrig, die man bei einigen Zenit-Starts verbrauchen wollte. Kann man sicher nicht ganz ausschließen.
Und es gibt ja auch Woschod-Raketen, bei denen in der Fairing die bewusste Öffnung vorhanden war (siehe Foto).



Das Bild zeigt die Oberstufe und Fairing der Woschod-1 Trägerrakete, erkennbar am schwarz-weißen Schachbrettmuster der Oberstufe. Ist die einzige mir bekannte Woschod-Rakete in dieser Farbgebung. Oder sollte es eventuell weitere Woschod-Raketen mit dieser Oberstufen-Farbgebung gegeben haben?
Auf jeden Fall hat auch die Fairing dieser Rakete eine Öffnung, obwohl es keine Möglichkeit gab, die Kosmonauten aus den Woschod-Kapseln herauszukatapultieren. Wofür dann diese Öffnung? Ein weiteres Rätsel im sowjetischen Raumfahrtprogramm?
Und da die Luftschleuse von Woschod-2 nicht komplett in die Nutzlastverkleidung passte, hatte auch deren Fairing eine Öffnung, in der dann die Luftschleuse steckte.

Offline fl67

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #227 am: 19. Juni 2017, 23:49:01 »
Auf jeden Fall hat auch die Fairing dieser Rakete eine Öffnung, obwohl es keine Möglichkeit gab, die Kosmonauten aus den Woschod-Kapseln herauszukatapultieren. Wofür dann diese Öffnung? Ein weiteres Rätsel im sowjetischen Raumfahrtprogramm?
Die Kosmonauten mussten ja auch irgendwie in die Kapsel reinkommen. Oder gab es noch eine zweite Luke im Fairing ?

Wilga35

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #228 am: 20. Juni 2017, 00:16:31 »
Ja klar, logisch. Hätte ich auch selbst drauf kommen können!
Auf jeden Fall auch dort wieder eine Fairing mit Öffnung. Zumindest kann man somit auch bei anderen Missionen, bei denen eigentlich keine Öffnung nötig war, nicht ausschließen, dass man dennoch Fairings mit Öffnung verwendet hat, einfach nur aus dem Grund, weil diese bereits praxiserprobt und zudem noch vorhanden waren.

Offline fl67

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #229 am: 20. Juni 2017, 00:21:10 »
Wie sind die Kosmonauten bei Woschod-2 in die Kapsel eingestiegen ?  Durch die (zusammengefaltete) Luftschleuse ?

Wilga35

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #230 am: 20. Juni 2017, 00:25:43 »
Ist ne weitere interessante Frage. Habe da aber erstmal keine Antwort drauf. Vielleicht jemand von den Woschod-Experten ...?

Offline Sternfahrer

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #231 am: 20. Juni 2017, 03:50:54 »
Wie sind die Kosmonauten bei Woschod-2 in die Kapsel eingestiegen ?  Durch die (zusammengefaltete) Luftschleuse ?
Woschod-2 hatte 2 Luken: Die eine diente den Kosmonauten zum Ein- und Aussteigen vor und nach dem Flug, auf der anderen, an der gegenüber liegenden Seite, war die Luftschleuse montiert.
Pojechali!

Wilga35

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #232 am: 20. Juni 2017, 08:01:41 »
Stimmt. Habe auch nochmal nachgesehen, Woschod-2 hatte mehrere Luken.

Und da die Luftschleuse von Woschod-2 nicht komplett in die Nutzlastverkleidung passte, hatte auch deren Fairing eine Öffnung, in der dann die Luftschleuse steckte.

Sorry, hier lag ich falsch. Die Fairing hatte an der Stelle doch keine Öffnung, sondern die auf dem Foto ersichtliche Ausbuchtung.



Quelle: https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057985.jpg

Offline F-D-R

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #233 am: 20. Juni 2017, 11:10:54 »
Wie sind die Kosmonauten bei Woschod-2 in die Kapsel eingestiegen ?  Durch die (zusammengefaltete) Luftschleuse ?

Alles ganz einfach. Einstieg genau so, wie bei Wostok. Die Luftschleuse ist an der stelle, wo das VISIR bei Wostok war (Fußende).
Die Sitze sind ja um 90 Grad bei Woschod gedreht.
Ich habe leider im Moment keine Zeit ... aber seht Euch mal unsere Bilder an.
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?action=media;sa=album;in=692

Ich melde mich später

Offline F-D-R

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #234 am: 20. Juni 2017, 11:30:26 »
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up057983.jpg

Ich tippe auf Woschod-1.
Zur Wostok-Trägerrakete werde ich ein Album im "Wostok-Programm" anlegen lassen.
Ich glaube, ich habe da noch einige Bilder, die passen würden.
Dauert nur.

Offline 8K82KM (-ex Rakete54-)

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #235 am: 22. Juni 2017, 21:15:18 »
Hallo,

zum letzten Post: Kann auch Kosmos 47 oder 110 sein, alle drei (mit Wostok-1) waren ja Bauart 3KW (russisch: 3КВ / Восход). Wostok-2 und Vorgänger Kosmos 57 waren  ja 3KD (3КД / Восход). Interessant aber sind dazu die Trägerraketen: Alle aus der 1964er Produktion; Seriennummern waren: R15000-02, R15000-04, R15000-03, R15000-05 und R15000-06. (in chronologischer Startfolge, das R steht für die Jahresproduktion von 1964).
Die R15000-01 ist nie gestartet, war eventuell der Erprobungsträger. Solchen Luxus eines technologischen Modells leistete man sich damals durchaus. Oder er wurde zu einer anderen Version umgebaut, die Erst- und Zweitstufenblöcke sind ja gleich im mechanischen Aufbau. Auch bei der Molnija-Rakete, nur dort andere Triebwerke.
Die Raumschiffe zur Trägerrakete Tragen die Seriennummern in Startreihenfolge: 2L, 3L, 1L, 4L, 5L. (russisch: 3КВ №2Л, 3КВ №3Л, 3КД №1Л, 3КД №4Л, 3КВ №5Л). Also eine komplette Serie, die restlichen wurden nicht gestartet.
Auch bei den militärischen Zenit-2 und Zenit-4-Satelliten sind solche Serien zu sehen. Rakete und Satellit sind eine Bestellung und haben gleiche Seriennummern, da ja auch aus einem Werk. Rakete, Nutzlastverkleidung und Satellit sind eine komplette Einheit und gehören zusammen. Erst in den Startorten Baikonur oder Plesetzk kommt es zu anderen Kombinationen, und Rakete und Satellit haben auch verschiedene Seriennummern. Das war sicher dem rasanten Startraten geschuldet, War Rakete oder Nutzlast nicht zeitgleich fertig, wurde getauscht. Das blieb aber meist auf die Serie beschränkt, also innerhalb der Zenit-Serien.
Daher übrigens auch meine Bedenken zu dem (mir) nicht passenden Kosmos-4 Video.
Danke Wilga35, das Du die Sache nicht einschlafen lassen hast, mein Beitrag wurde ja sonst nicht weiter kommentiert, obwohl ich sehr an Aufklärung interessiert bin!






Ariane 42L

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #236 am: 23. Juni 2017, 16:46:48 »
zur E15000-01 habe ich folgende Angaben gefunden:
Quelle: SPACEFLIGHT, Vol. 40, December 1998

Launch Date: 1. Jun 1962
Launch Serial: 8A92
Vehicle Number: E15000-01
Payload Code Mission: 11F61, Zenit-2
Results, Comments: U. At T+1.8s, engine 8D74 of the strap-on booster Block B suddenly cut off [1]. The booster B broke away from the launcher and fell to the pad. The launcher went out of control and fell back to Eartl't about 300 m from the pad [1]. The cause lay in a commutator which knocked out the power supply circuit of booster B's engine automatics.

1.  V. Agapov, "Launches of Zenit-2 Spacecraft", Alovosti Kosmonavtiki (News of Comonautics), Two-weekly aerospace magazine of the Videokosmos Company. Vol.6, No.10/125, 6-19 May 1996, pp.6869.

Als Autor des Artikeln wird TIMOTHY VARFOLOMEYEV, St. Peterburg, Russia genannt.

Offline 8K82KM (-ex Rakete54-)

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #237 am: 23. Juni 2017, 17:02:24 »
Hallo,

danke für die Antwort.
Aber: E ist das Jahr 1961, obige Serie betrifft R, also Jahrgang 1964 gefertigte Exemplare. Die 15000-Nummer sagt uns den Hersteller, also Progress-Werk!
Leider gleiten wir damit aus der bemannten Raumfahrt, das ist auch ein Problem für mich, da es keinen richtigen aktuellen Platz im Forum gibt, wo man gerade die russischen Träger auflisten könnte. Die R-7 fliegt nun mal bemannt, aber in Masse auch in unbemannten Flugbetrieb. Kann ein Moderator helfen, wo das besser hingehört? Ich hätte sicher einige aufgearbeitete Sachen, die ganz interessant sind (zu den einzelnen Typen).

Offline McPhönix

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #238 am: 23. Juni 2017, 19:23:05 »
Hatten wir das nicht schon mal geklärt ?
Unbemannt = Meß- Spion- sonstige Satelliten und Sonden
Bemannt = Auch Frachter, sie müssen ja (noch) von Menschen betreten und ausgeräumt werden.
Ich habe keine Angst vor Aliens. Solange sie über uns lachen wegen dem kleinkarierten Raketengefummel auf der Erde, tun sie uns nix.

Offline Steffen

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #239 am: 24. Juni 2017, 01:08:57 »
zur E15000-01 habe ich folgende Angaben gefunden:
Quelle: SPACEFLIGHT, Vol. 40, December 1998

Launch Date: 1. Jun 1962
Launch Serial: 8A92
Vehicle Number: E15000-01
Payload Code Mission: 11F61, Zenit-2
Results, Comments: U. At T+1.8s, engine 8D74 of the strap-on booster Block B suddenly cut off [1]. The booster B broke away from the launcher and fell to the pad. The launcher went out of control and fell back to Eartl't about 300 m from the pad [1]. The cause lay in a commutator which knocked out the power supply circuit of booster B's engine automatics.

1.  V. Agapov, "Launches of Zenit-2 Spacecraft", Alovosti Kosmonavtiki (News of Comonautics), Two-weekly aerospace magazine of the Videokosmos Company. Vol.6, No.10/125, 6-19 May 1996, pp.6869.

Als Autor des Artikeln wird TIMOTHY VARFOLOMEYEV, St. Peterburg, Russia genannt.


zu dieser Beschreibung passt ein Schnipsel aus diesem Film:
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg395872#msg395872
bei 0:37 kann man für ein paar Sekunden einen Start sehen, bei dem einer Außenblöcke wegbricht.

viele Grüße
Steffen

Offline F-D-R

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #240 am: 24. Juni 2017, 12:25:52 »
Bei dem Filmschnipsel mit Bosterverlust tippe ich auf den 28.Juli 1960, Wostok-Trägerrakete 8k72.
Bosterverlust nach 17 Sekunden nach dem Start.
Gescheiterter Hundeflug mit Chaika und Lisichka.

Offline McPhönix

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #241 am: 24. Juni 2017, 13:18:23 »
Sorry, ich find den passenden Film nicht, welcher von den Direktlinks ist es ? ?
Ich habe keine Angst vor Aliens. Solange sie über uns lachen wegen dem kleinkarierten Raketengefummel auf der Erde, tun sie uns nix.

Offline F-D-R

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #242 am: 24. Juni 2017, 14:51:54 »
Dieser ....   :)


zur E15000-01 habe ich folgende Angaben gefunden:
Quelle: SPACEFLIGHT, Vol. 40, December 1998

Launch Date: 1. Jun 1962
Launch Serial: 8A92
Vehicle Number: E15000-01
Payload Code Mission: 11F61, Zenit-2
Results, Comments: U. At T+1.8s, engine 8D74 of the strap-on booster Block B suddenly cut off [1]. The booster B broke away from the launcher and fell to the pad. The launcher went out of control and fell back to Eartl't about 300 m from the pad [1]. The cause lay in a commutator which knocked out the power supply circuit of booster B's engine automatics.

1.  V. Agapov, "Launches of Zenit-2 Spacecraft", Alovosti Kosmonavtiki (News of Comonautics), Two-weekly aerospace magazine of the Videokosmos Company. Vol.6, No.10/125, 6-19 May 1996, pp.6869.

Als Autor des Artikeln wird TIMOTHY VARFOLOMEYEV, St. Peterburg, Russia genannt.


zu dieser Beschreibung passt ein Schnipsel aus diesem Film:
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10775.msg395872#msg395872
bei 0:37 kann man für ein paar Sekunden einen Start sehen, bei dem einer Außenblöcke wegbricht.

viele Grüße
Steffen

Offline McPhönix

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #243 am: 24. Juni 2017, 18:27:01 »
Ah danke, im Zitat klappts.

Beeindruckendes Bild.....
Ich habe keine Angst vor Aliens. Solange sie über uns lachen wegen dem kleinkarierten Raketengefummel auf der Erde, tun sie uns nix.

Wilga35

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #244 am: 11. August 2017, 09:27:59 »
Heute steht nun wieder einmal ein kleines Jubiläum des Wostok-Programms auf der Tagesordnung. Vor genau 55 Jahren, am 11. August 1962, wurde mit dem Start von Wostok-3 mit Andrijan Nikolajew an Bord eine für die damalige Zeit bemerkenswerte Mission gestartet. Nur einen Tag später hob eine weitere Semjorka mit Wostok-4 mit Pawel Popowitsch ab, und der erste Gruppenflug zweier bemannter Raumschiffe nahm seinen Anfang. Beide Raumschiffe starteten mit nur 24 Stunden Abstand von der selben Startrampe (Platz 1), was allein schon bemerkenswert war. Man vergleiche nur mal die heutigen Startintervalle von ein und der selben Rampe!
Durch genauen Bahneinschuss erreichten beide Raumschiffe einen Minimalabstand von ca. 6,5 km, wobei die Kosmonauten das jeweils andere Raumschiff aber trotz aller Bemühungen nicht sehen konnten. Dafür war der Abstand wohl doch zu groß. Eine weitere Annäherung war auch nicht möglich, da mit den Wostok-Kapseln keine aktiven Steuermanöver durchführbar waren.
Nikolajew und Popowitsch startete fast auf den Tag genau ein Jahr nach German Titow ins All. Auch der Berliner Mauerbau lag genau ein Jahr zurück, und der Jubel über den erneuten sowjetischen Raumfahrterfolg lenkte die Menschen sicher auch etwas vom Jahrestag des Mauerbaus ab. Immerhin war die Erinnerung daran noch sehr frisch. Staatlich gelenkt wurde der Termin des kosmischen Gruppenfluges im Gegensatz zu Titows Flug aber offenbar nicht (siehe auch Beiträge #132 und #134 dieses Treads), sondern war wohl eher Zufall. Dennoch für die Führungsriegen in Moskau und Berlin sicherlich mehr als willkommen, und von der Propaganda entsprechend ausgeschlachtet.
Fotos von Nikolajew´s und Popowitsch´s Mission findet man im Vergleich zu den anderen Wostok-Missionen allerdings nur wenige. Die meisten davon sind zudem von schlechter Qualität. Das verwundert dann schon, denn wenn man die Bedeutung der Mission für die sowjetische Propaganda bedenkt, hätte man eigentlich erwarten müssen, dass das Ganze auch bildmäßig entsprechend dokumentiert wird.



Andrijan Nikolajew auf der Startrampe.



Pawel Popowitsch auf der Startrampe.

Fotos: Archiv des Autors

Offline Rücksturz

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #245 am: 22. August 2017, 22:37:03 »
Eine Frage oder Bitte an die Wostok-Experten, ich bin über den Grundlagenartikel zum Wostok-Programm im Portal gestolpert:
https://www.raumfahrer.net/raumfahrt/bemannt/projekt_wostok.shtml

Zum einen würde mich interessieren, ob der Artikel, nach allem was bekannt ist, dem Grunde nach korrekt ist?
Falls Ihr Fehler findet oder sinnvolle Ergänzungen vorschlagen könnt, würde ich den Artikel entsprechend ergänzen.

Beim Lesen ist mir vor allem aufgefallen, dass ich bei der Nummerierung der Korabl nicht durchblicke, ist das alles richtig wiedergegeben?
Einmal soll Korabl 4 am 22. Dezember 1960 gestartet sein und dann noch mal am 9. März 1961?  :o
Da im Text kein Korabl 3 auftaucht, wäre meine Vermutung, dass der Start am 22. Dezember 1960 mit Korabl 3 erfolgte?  8)

Viele Grüße
Rücksturz
BFR/BFS: One rocket to rule them all!

Online roger50

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #246 am: 23. August 2017, 01:10:21 »
N'abend,

tja, leider drangen damals kaum Informationen über den "eisernen Vorhang", daher ist es etwas schwierig, alle 'echten' Daten aus der Frühzeit der Raumfahrt zusammen zu bekommen. Aber Wiki ist da inzwischen recht brauchbar (Korabl+Wostok).

Damals bekamen nur erfolgreiche Missionen der UdSSR, die in den Orbit gelangten, eine offizielle Bezeichnung. Nach Wiki und meinen eigenen Unterlagen sah es so aus:

Korabl-1  Sputnik-4  15.05.60
Korabl-2  Sputnik-5  19.08.60
Korabl-3  Sputnik-6    1.12.60
Korabl-4  Sputnik-9    9.03.61
Korabl-5  Sputnik-10 25.03.61

Zwischendurch gab es 2 Fehlstarts dieser Wostok-Missionen:
- am 28.07.60 explodierte die Wostok-L Rakete gleich nach dem Start
- am 22.12.60 versagte die Oberstufe, es war die erste Wostok-K Rakete, sie erreichte keinen Orbit, deshalb gab es diesen Start damals auch gar nicht.... ::)

Ich hoffe, es hilft. Die jeweils an Bord befindlichen Hunde darf gerne jemand anders nachtragen.... :)

Gruß
roger50

Ariane 42L

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Re: Wostok-Programm
« Antwort #247 am: 23. August 2017, 07:57:23 »
Bei Fehlstarts in der Sowjetunion gibt es das Problem mit der Nummerierung, weil es Fehlstarts nicht gab, gab es keine und wenn ein Objekt die Erdumlaufbahn erreichte war aber nicht funktionsfähig war, war es anfangs „Sputnik xyz“, später dann „Kosmos xyz“ gewesen.

Wenn man sich historisch damit beschäftigt, das spielen die Tatsachen die zum damaligen Zeitpunkt bekannt waren eine viele größere Rolle als heute bekannte Daten, und wie sich die Daten im Lauf der Zeit verändert haben. Dazu gehört das Thema, wie sind die Kosmonauten gelandet.

In den damaligen Ausgaben der Tageszeitungen kann man hin und wieder einen Artikel finden, den man als Goldschatz bezeichnen kann

Fuldaer Zeitung, Mittwoch, 12. April 1961, Nummer 84 – Seite 1
Zitat
Moskau, 11. April (dpa). Der sowjetische Wissenschaftler Kusnezow kündigte am Dienstag in Moskau an, daß wahrscheinlich in nächster Zukunft ein Raumschiff mit einem Menschen an Bord gestartet werde. …
… Demgegenüber berichtete die kommunistische Londoner Zeitung „Daily Worker“ am Dienstag aus Moskau, die Sowjetunion habe bereits den ersten Menschen am Freitag in den Weltraum gestartet …
… allerdings habe der Pilot gesundheitliche Schäden erlitten …

Und das stand sehr wahrscheinlich auch in anderen Tageszeitungen, in Westdeutschland.

Wilga35

  • Gast
Re: Wostok-Programm
« Antwort #248 am: 23. August 2017, 09:57:58 »
N'abend,

tja, leider drangen damals kaum Informationen über den "eisernen Vorhang", daher ist es etwas schwierig, alle 'echten' Daten aus der Frühzeit der Raumfahrt zusammen zu bekommen. Aber Wiki ist da inzwischen recht brauchbar (Korabl+Wostok).

Damals bekamen nur erfolgreiche Missionen der UdSSR, die in den Orbit gelangten, eine offizielle Bezeichnung. Nach Wiki und meinen eigenen Unterlagen sah es so aus:

Korabl-1  Sputnik-4  15.05.60
Korabl-2  Sputnik-5  19.08.60
Korabl-3  Sputnik-6    1.12.60
Korabl-4  Sputnik-9    9.03.61
Korabl-5  Sputnik-10 25.03.61

Zwischendurch gab es 2 Fehlstarts dieser Wostok-Missionen:
- am 28.07.60 explodierte die Wostok-L Rakete gleich nach dem Start
- am 22.12.60 versagte die Oberstufe, es war die erste Wostok-K Rakete, sie erreichte keinen Orbit, deshalb gab es diesen Start damals auch gar nicht.... ::)

Ich hoffe, es hilft. Die jeweils an Bord befindlichen Hunde darf gerne jemand anders nachtragen.... :)

Gruß
roger50

Die Hunde an Bord waren:

- Korabl-1 (1KP), 15.05.1960, vereinfachte Testkapsel, noch keine Hunde mitgeführt.

- Korabl (1K No.1), 28.07.1960: Lissitschka und Tschaika, bei Trägerraketenexplosion getötet.

- Korabl- 2 (1K No.2), 19.08.1960: Belka und Strelka, erste aus dem Erdorbit zur Erde zurückgekehrte Lebewesen.

- Korabl-3 (1K No.5), 01.12.1960: Ptscholka und Muschka, Kapsel wurde während der Rückkehr vom Selbstzerstörungssystem gesprengt und dabei die Hunde getötet.

- Korabl (1K No.6), 22.12.1960: Kometa und Tschutka, ballistischer Flug und Notlandung in Jakutien, Hunde nach zwei Tagen bei eisigem Frost lebend geborgen.

- Korabl-4 (3KA No.1), 09.03.1961: Tschernuschka und Kosmonautendummy, sichere Rückkehr nach einem Erdorbit.

- Korabl-5 (3KA No.2), 25.03.1961: Swesdotschka und Kosmonautendummy, sichere Rückkehr nach einem Erdorbit.

Knapp drei Wochen nach dem letzten Korabl-Flug startete dann Juri Gagarin zu seinem Flug ins All.
« Letzte Änderung: 24. August 2017, 11:46:39 von Wilga35 »

Wilga35

  • Gast
Re: Wostok-Programm
« Antwort #249 am: 24. August 2017, 12:15:40 »
Im Zusammenhang mit den beiden letzten Korabl-Flügen stellt sich mir jetzt folgende Frage:
Es mussten ja in der Kapsel von Korabl-4 und 5 sowohl der Schleudersitz für den Kosmonautendummy (genannt "Iwan Iwanowitsch") als auch die Hundekabine für den einen Hund untergebracht werden. Bei den vorherigen Korabl-Flügen wurde dagegen nur die Hundekabine für zwei Hunde mitgeführt, und diese war in der Kapsel mittig angeordnet, damit sie vor der Landung katapultiert werden konnte. Bei den Flügen Korabl-4 und 5 war aber mittig der Schleudersitz mit dem Dummy montiert, der wurde ja vor der Landung definitiv katapultiert. Die Hundekabine kann also nur seitlich vom Schleudersitz untergebracht gewesen sein, und ein Katapultieren des Hundes war da wohl unmöglich.

Anbei noch zwei Fotos des Kosmonautenschleudersitzes und der Hundekabine für zwei Hunde, ausgestellt im Museum von Baikonur. Um beides in der Wostok-Kugel unterzubringen, waren sicher einige konstruktive Kniffe erforderlich. Ist jemand bekannt, wie genau bei Korabl-4 und 5 die Hundekabine in der Kapsel angeordnet war, und ob diese eventuell gegenüber den Kabinen für zwei Hunde konstruktiv verändert werden musste?






Fotos: Wilga35

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