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Autor Thema: Eu:CROPIS  (Gelesen 28966 mal)

Offline tomtom

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Eu:CROPIS
« am: 25. April 2014, 23:56:56 »
Das DLR will einen ca. 250 kg Satelliten 2016 starten, mit dem man die Herstellung von Nahrungsmitteln testen will.

Durch unterschiedliche Rotation des Satelliten soll dabei die Schwerkraft des Mondes bzw. des Mars simuliert werden.

http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10081/151_read-10095/#gallery/14438

Das ist ja mal ein interessantes Projekt.

« Letzte Änderung: 19. Oktober 2018, 09:34:04 von tomtom »

McFire

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #1 am: 26. April 2014, 00:02:10 »
250 kg sind ja nicht viel - für die Vollautomatik, die da gebraucht wird. Also das wird spannend....

Offline Duc-Lo

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #2 am: 26. April 2014, 01:00:06 »
Ist die Finanzierung für diesen Projekt schon sicher? Und auf welcher Trägerrakete wird es starten?
Viele Grüße Duc-Lo

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Offline tomtom

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #3 am: 26. April 2014, 11:10:36 »
Kaum zu glauben und viele werden es bejubeln ;) - angeblich soll es eine Falcon 9 werden.

http://www.innovations-report.de/html/berichte/biowissenschaften-chemie/tomaten-im-weltall.html

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #4 am: 26. April 2014, 12:19:08 »
Kaum zu glauben und viele werden es bejubeln ;) - angeblich soll es eine Falcon 9 werden.

http://www.innovations-report.de/html/berichte/biowissenschaften-chemie/tomaten-im-weltall.html

Sehr interessant. Pflanzenwachstum unter niedriger Schwerkraft und das über einen längeren Zeitraum. Der Schwerkraftgradient bei einer so relativ kleinen Kapsel ist allerdings groß. Ob die Ergebnisse da wirklich realitätsnah sind?

Bei 250kg ist das sicher eine sekundäre Nutzlast.


Offline tobi

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #5 am: 26. April 2014, 12:25:00 »
Ist die Finanzierung für diesen Projekt schon sicher?

Eine gute Frage...

Kaum zu glauben und viele werden es bejubeln ;) - angeblich soll es eine Falcon 9 werden.

http://www.innovations-report.de/html/berichte/biowissenschaften-chemie/tomaten-im-weltall.html

Bei 250kg ist das sicher eine sekundäre Nutzlast.

Vermutlich bei einem der Iridiumflüge.
Jean-Yves Le Gall: "CNES: The Future of Space!", "Le CNES, The Place to Be!!!"

Offline Duc-Lo

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #6 am: 26. April 2014, 14:05:10 »

Ist die Finanzierung für diesen Projekt schon sicher?

Eine gute Frage...

Ohne FInanzierung scheitern schon sehr viele Raumsonden und Satelliten. Eine Frage hätte ich noch, wie viel kostet dieses Projekt? Wäre schon sehr interessant wenn Pflanzen auf einem Satelliten angebaut werden.
Viele Grüße Duc-Lo

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Offline Schillrich

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #7 am: 26. April 2014, 14:08:47 »
Ohne Finanzierung startet man aber kein Projekt ;). Ohne Finanzierung wäre es eine Projektidee.
Dass sie jetzt eine Pressemitteilung veröffentlichen, spricht dafür, dass die Finanzierung steht.
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

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Offline Duc-Lo

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #8 am: 26. April 2014, 15:53:44 »
Aber weißt jemand die genauen Kosten dieses Projekt? 
Kostet bestimmt Millionen von Euros. Aber ich frage mich, wieso man einen Satelliten braucht um Gemüse unter Mond und Mars bedingungen anzubauen. Man kann es doch auf der ISS machen. Wäre bestimmt kostengünstiger.  ;)
Viele Grüße Duc-Lo

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #9 am: 26. April 2014, 16:08:02 »
Aber weißt jemand die genauen Kosten dieses Projekt? 
Kostet bestimmt Millionen von Euros. Aber ich frage mich, wieso man einen Satelliten braucht um Gemüse unter Mond und Mars bedingungen anzubauen. Man kann es doch auf der ISS machen. Wäre bestimmt kostengünstiger.  ;)

Auf der ISS läuft auch gerade ein Experiment zum Wachstum von Salat. Wenn es klappt, soll das Gerät da bleiben und die Astronauten können Salat für den Eigenbedarf anbauen. Aber das ist unter Schwerelosigkeit.

CROPIS soll durch Rotation Pflanzenwachstum unter Schwerkraftbedingungen von Mond und Mars erproben.

Offline James

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #10 am: 26. April 2014, 16:31:32 »
Hallo
Auf der ISS läuft auch gerade ein Experiment zum Wachstum von Salat. Wenn es klappt, soll das Gerät da bleiben und die Astronauten können Salat für den Eigenbedarf anbauen. Aber das ist unter Schwerelosigkeit.

CROPIS soll durch Rotation Pflanzenwachstum unter Schwerkraftbedingungen von Mond und Mars erproben.
Das geht aber auch auf der ISS. Zentrifugen sind auf der ISS in verschiedenen Ausprägungen vorhanden. Diese zum Beispiel: http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=3785.msg59690#msg59690 Ich glaube es gibt auch größere Zentrifugen, ichglaube die japanische. Die Größte, die wurde ja nicht verwirklicht. Der Aufbau des Experiments wäre warscheinlich einfacher, da in den ISS Zentrifugen "nur" der Behälter mit den Wachstumsproben befüllt werden müßte. Überwachungs- und Regulierungseinrichtungen sind in den Zentrifugen schon enthalten. Falls es sich vom Volumen ausginge, wundert es mich etwas das hier einem eigenen Satelliten der Vorzug gegenüber der ISS gegeben wurde.

Gruß James

McFire

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #11 am: 26. April 2014, 16:36:40 »
Ich denke mal, das soll ein ausgedehnteres Experiment werden. Wochen, Monate, wenn nicht Jahre.
Auf der ISS eine Zentrifuge im (relativen) Dauerbetrieb bindet doch ein wenig Arbeitskraft und behindert Experimente, wo jedes bissel Schwingung vermieden werden muß. Ein abwechselndes Hoch und Runterfahren in Abstimmung bringts auch nicht.

Offline Duc-Lo

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #12 am: 26. April 2014, 16:38:23 »
Hallo,
Das ist meiner Meinung. Ich finde Eu:Cropis als eine Geldverschwendung. Man solle lieber die ISS den Vorzug halten. Da können die dort vorhandenden Astronauten den Wachstum  überprüfen usw.! Was ist, wenn die Pflanzen dort im Satelliten alle absterben und was passiert wenn die Samen nicht keimfähig sind?  Dann ist die Mission vorrüber. Ich finde man soll es auf der ISS machen, weil dort auch eine Zentrifuge vorhanden ist und da können Astronauten auch die Samen und Pflanzen erneuern, falls die mal absterben.
Viele Grüße Duc-Lo

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Offline Nitro

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #13 am: 26. April 2014, 18:51:35 »
Man kann auf der ISS aber nicht die Strahlungsbedingungen + Schwerkraft simulieren. Das eine oder das andere, beides zusammen leider nicht.
Bevor man einen Beitrag letztendlich abschickt sollte man ihn sich noch ein letztes Mal durchlesen und sich dabei überlegen ob man ihn genau in diesem Wortlaut auch Abends seinem Partner und/oder Kindern ohne Bedenken vorlesen würde.

Offline kfelske

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #14 am: 26. April 2014, 21:11:04 »
Die ISS hätte den Vorteil, dass man Systeme testen kann, um die Luft der Pflanzen mit CO² aus der Astronautenluft anzureichern.

McFire

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #15 am: 27. April 2014, 00:15:28 »
Wie soll das denn gehn, auf der ISS über Monate (nur so macht es Sinn) 1/6 bzw. 1/3 Erdschwerkraft zu erzeugen? Da müßte man also eine Zentrifuge dafür "abzweigen" somit für Anderes blockieren. Damit man nicht den Astronauten ein zusätzliches Arbeitspensum aufhalst, müßte auch noch ein Rack mit Steuer- und Überwachungselektronik hoch gebracht werden.
Die Exp.- Athmosphäre wäre das kleinste Problem.

Und was hätte man dann, alles zusammen genommen ?
Genau !
Den Satelliten .

Aber als störendes Interieur....
Mit dem Zusatzproblem Strahlungsbedingungen. Strahlung müßte man künstlich erzeugen und gleich wieder schön abschirmen. Wieder ein paar Kilo....

Online TWiX

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #16 am: 27. April 2014, 15:39:21 »
Man könnte das ganze einfach einmal allgemein lösen, indem man eine freifliegende Plattform entwickelt, die alle paar Monate an der ISS andockt und neu betankt und bestückt wird. Mittels der Plattform könnte man über die Jahre ganze Versuchsreihen mit unterschiedlicher Strahlungsintensität, Gravitation etc. machen. Abschließend könnte man Proben und Ergebnisse auf der ISS auswerten und zurücktransportieren. Ergäbe bei langfristiger Nutzung mehr Forschungskapazität (auch für andere Experimente) und eine bessere Auswertung als mit einem einzelnen Satellit

McFire

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #17 am: 27. April 2014, 17:53:49 »
Ja das wäre der ideale und letztlich auch befriedigende Weg !

Ist aber wohl noch eine ganze Weile nicht praktizierbar,

a) Da müßte ja der Spin jedesmal runtergefahren werden (und später wieder hoch) = Energiebedarf, und nicht zu knapp.
Dann hinsteuern zur ISS und andocken. Also Triebwerke + Enegiequelle mitführen. Man muß ja aus Sicherheitsgründen soweit weg von der Station, daß eine Havarieauswertungs- und Warnzeit gegeben ist. Also das wäre dann schon kein Satellitchen mehr.

b) aus o.g. genannten Gründen eines aktiven Satelliten in ISS Nähe wird es wohl heftige Bedenken aller Seiten geben. Dazu kommt : Wieder eine Arbeitszeit + Arbeitskraft = EVA, die eingeplant sein muß.

Ich denk mal, da ist so ein relativ kleines Satellitchen (oder mehrere mit jew. anderer "Bestückung" billiger. Selbst wenns beim ersten Mal 'ne Panne gibt.

Offline Rücksturz

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #18 am: 05. Dezember 2014, 19:55:16 »
Hallo Zusammen,

nicht Killertomaten aus dem Weltraum, sondern die Zucht von Tomaten im Weltraum und andere Experimente sind Thema dieses Vortrags.
Am Montag, den 8.12. 2014, von 18.30 – 20 Uhr berichten PD Dr. Michael Lebert und Dr. Sebastian M. Strauch vom Lehrstuhl für Zellbiologie der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) darüber inwieweit Pflanzenzucht Langzeitmissionen im All unterstützen kann.
2017 soll ein Satellit des DLR mit einem Gewächshaus der FAU starten.
Hier ein Link zur Veranstaltungsankündigung:
https://www.fau.de/universitaet/das-ist-die-fau/veranstaltungen/wissenschaft-auf-aeg/
https://www.raumfahrer.net/forum/yabbfiles/Attachments/up065549.jpg
(c) FAU
Hier noch ein Flyer zur Vortragreihe:
https://www.fau.de/files/2014/10/Wissenschaft-auf-AEG_2014_15.pdf

Der Vortrag findet statt am
Energie Campus Nürnberg (EnCN), „Auf AEG“
Fürther Straße 250,
Forum 2. OG
90429 Nürnberg

Ich werde höchstwahrscheinlich da sein, :) gibt es noch weitere Interessierte?
Schöne Grüße
Rücksturz

PS. Weiß jemand, welcher Satellit das sein könnte?

Offline Raffi

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #19 am: 08. Dezember 2014, 16:42:50 »
Der Vortrag findet statt am
Energie Campus Nürnberg (EnCN), „Auf AEG“
Fürther Straße 250,
Forum 2. OG
90429 Nürnberg

So eine Überraschung: Das ist ja fast in meiner Gegend. 8) Knapp eine halbe Stunde zu Fuß von mir zu Hause entfernt.

Ich werde höchstwahrscheinlich da sein, :) gibt es noch weitere Interessierte?

Ja, ich werde dann wohl kommen. :)

Der Regensburg-Nürnberger Raumcon Stammtisch findet regelmäßig, einmal in Regenburg, einmal in Nürnberg statt.
!Vorrübergehend sind alle Stammtische ausgesetzt!

Offline Rücksturz

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #20 am: 08. Dezember 2014, 20:58:11 »
Raffi und ich waren da.
War ein sehr interessanter Einblick in die Arbeit von Gravitationsbiologen8)
Ich bin noch dabei mein ganzes "Mitgeschreibsel" in lesbare Form zu bringen und werde es dann hier posten.
Momentan sitze ich noch im Zug nach Hause und werde es deshalb heute nicht mehr schaffen.

Grüße Rücksturz

Offline Raffi

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #21 am: 08. Dezember 2014, 21:20:35 »
War ein sehr interessanter Einblick in die Arbeit von Gravitationsbiologen8)

Dem kann ich nur zustimmen. Das Raumcon-Logo war dort ja gleich doppelt vertreten an unserer Kleidung.  :) Sehr interessanter Vortrag. Vor allem beeindruckend, der Aufbau des Satelliten, wie dicht verpackt das ganze Experiment dort sein wird.

Und danke nochmal für die Info. Nur so konnte ich erfahren, was es so interessantes in meiner Gegend gibt. ;)
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Offline Rücksturz

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #22 am: 09. Dezember 2014, 20:00:09 »
"Tomaten im Weltraum"

Ein Projekt mit dem Titel Eu:CROPIS, daran beteiligt diverse Abteilungen des DLR, die Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), mit Unterstützung der Uni Stuttgart.


Der Vortrag war ein Einblick in die Arbeit der Gravitationsbiologen an der FAU und der Konzeption der Versuche und des zugehörigen Satelliten.

Da ich etwas zu spät gekommen bin, habe ich die Einleitung verpasst (evtl. kann Raffi noch etwas ergänzen).

Grundsätzlich geht es bei dem Projekt darum Verfahren zu entwickeln, wie man auf einem anderen Himmelskörper mit anderer (kleinerer) Gravitation unter effizienter Nutzung der begrenzten (mitgebrachten) Ressourcen Pflanzen für die Nahrungsgewinnung und damit auch Sauerstoff (Photosynthese) erzeugen kann.

Herr Dr. Sebastian M. Strauch vom Department Biologie (Lehrstuhl für Zellbiologie / AG für Gravitationsbiologie) hat zunächst die Hauptaktivitäten des Projekts beschrieben, welche sich in der Bezeichnung "Eu:CROPIS" wiederfinden.


Eu:CROPSIS

Eu: steht für die einzellige Alge Euglena gracilis.
Euglena waren bereits auf Photon M1 dabei und bei diversen anderen Weltraumeinsätzen,
auch häufig bei Parabelflügen (viele hintereinander) eingesetzt.
Bei den Parabelflüen reagieren diese bereits auf die Schwerelosigkeit mit geändertem Verhalten.
Die Alge verfügt über eine Geißel, die zur Fortbewegung dient.
Am Bewegungsmuster erkennen die Forscher, dass die Euglena auf die Schwerkraft bzw. deren Fehlen reagiert.
"Daneben" hat diese Alge aber auch die Fähigkeit Ammoniak (NH3) in Nitrit bzw. Nitrat umzuwandeln.


CROP kommt vom CROP-Filter
Dieser ist mit Lavasteinen gefüllt und mit Bakterien besiedelt.
Auch diese Bakterien wandeln
Harnstoff (aus künstlichem Urin) --> Ammoniak (NH3) + CO2
und weiter
Ammoniak (NH3) + O2 in Nitrit --> (NO2) bzw. Nitrat (N03) + H2O
um.

Ein Prototyp beim DLR besteht unten aus einem Aquarium mit Buntbarschen, oben wachsen Tomatenpflanzen, in der Mitte werden abgeschnittene Tomatenblätter wieder zu Nährstoffen umgebaut.
Das Wasser läuft im Kreislauf über den CROP-Filter.


IS steht für "In Space"
Letztendlich werden diese Untersuchungen gemacht, um "In Space" angewendet zu werden.
D.h. man hat ganz besonders schwierige Voraussetzungen:
- keine (geeignete) Atmosphäre
- keine oder andere Schwerkraft
- Temperaturextreme
- Strahlung

Für den eingangs beschriebenen Ansatz aus wenigen mitgeführten und noch weniger lokalen (oder beim fehlen lokaler) Ressourcen möglichst viel herauszuholen gibt es bereits rein technische Ansätze.

Technische Ansätze werden z.B. auf der ISS sehr intensiv eingesetzt.
Mit technischen Methoden (ohne Biologie) kann mann z.B.
CO2 mittels Sabattierprozess + Energie + H2 in--> O2 + CH4
umwandeln.
Oder Wasser aus der Atemluft über einen Kondensator + Energie --> Wasser wandeln.
Mit Urin funktioniert das auch, dabei entsheht Wasser + Feststoffe.
Letzteres ist z.B. auf der ISS ganz wichtig, da jede/r Astronaut/in/Kosmonaut/in mehrere Liter Wasser täglich trinkt und anderweitig "verbraucht".
Allerdings werden je ...naut/in nur Wasser für einen Verbrauch von 0,5 l Wasser pro Tag zur ISS transportiert (Die ISS-Astronauten trinken letztlich ihren eigenen aufbereiteten Urin).
Für Feststoffe (der Wissenschaftler an sich spricht natürlich nicht von Sch.... und auch nicht von Kot sondern von) sog. Faeces gibt es derzeit noch keine brauchbare Technik.
Hier kommt die Biologie ins Spiel...
Faeces --> geht technisch nicht

Der biologische Ansatz sieht so aus,
dass aus CO2 + Energie/Licht --> über Pflanzen --> Nahrung erzeugt wird.
Aus Urin --> wird O2 und H2O erzeugt.
Faeces --> bilden (neue) Nahrung.

Der Versuchsaufbau sieht daher vor, dass künstlicher Urin (künstlich, weil dadurch standardisiert, keine Hormonschwankungen oder Medikamente) umgewandelt werden soll in Dünger für die
Lebensmittelproduktion,
dabei soll Pflanzenwachstum bei kleiner Schwerkraft erprobt und
die Euglena ihre Arbeit bei geringer Schwerkraft verrichten.

Hierzu wird ein Satellit mit 170 bis 242 kg voraussichtlich Anfang 2017 (Achtung 2016 ist schon überholt) mit einer Falcon 9 von Californien/Vandenberg,
in eine sonnensynchrone Umlaufbahn mit ca. 600km Flughöhe gestartet werden.

Der Satellit wird für "Mondschwerkraft" auf 20,5 Umdrehungen pro Minute (0,16 g) gebracht.
Für "Marsschwerkraft" wird er auf 31,6 U/min beschleunigt, um 0,38 g zu erzeugen.
Wobei die künstliche Schwerkraft über den Radius von Null an der Rotationsachse bis zum Rand des Rotationszylinders ansteigt.
Die genannten Werte für die künstliche Schwerkraft gelten am Referenzradius von 34 cm von der Drehachse aus.
D.h. weiter außen ist sie größer, weiter innen kleiner als auf den Vergleichs-Himmelskörpern.

Die Algen sind je Versuch in zwei Behältern übereinander angeordnet, d.h. einer mit der angedachten und einer mit reduzierter Schwerkraft.
Beim Versuch für Mondschwerkraft hat der eine also noch eine niedrigere Schwerkraft (eigentlich Fliehkraft).
Beim Versuch für Marsschwerkraft hat der weiter innen angeordnete Behälter noch einmal die Bedingungen wie bei Mondschwerkraft.
Auf diese Weise erhält man eine Überschneidung der Versuchsanordnung und kann die Ergebnisse vergleichen.

Der Versuch wird jeweils dadurch gestartet dass der Tomatensamen nass wird und keimt und die Lampen angehen.
Als Kohlenstoffquelle für die Bakterien wird eine künstliche Substanz (statt Faeces, also statt Sch....) hinzugegeben.
Ebenso wird mehrmals in einzelnen Dosen aus sog. Sprizten künstlicher Urin beigegeben.
Der Prozess läuft weitgehend automatisch ab, es sind kaum wesentliche Eingriffe vom Boden nötig bzw. möglich.
Im ungünstigsten Fall kann man nur einmal am Tag Daten senden und empfangen.
Als Vorteil gilt die gewisse Trägheit des Systems, so dass nicht ständig eingegriffen werden muss.

Die Finanzierung edrfolgt aus Steuermitteln und gilt als Grundlagenforschung.

Mitgeführte Messeinrichtungen und Sensoren:
RAMIS: Strahlungsmessgerät vom DLR
IC: Ionenchromatographie
PCR: DNA-Vervielfältiger, "was macht die Alge mit welchem Informationsbaustein" --> Anpassung an geänderte Schwerkraft verfolgen
Drucksensoren: (wenn der Behälter undicht wird, wollen wir das wenigstens mitbekommen)
16 Kameras: --> 3D-Rekonstruktion der Tomaten-Pflanzen und des Wachstums
PAM: Fitnessparameter der Pflanze und Algen
Hygrometer: Luftfeuchtigkeit messen und begrenzen --> Ventilator befördert Luft über Wärmetauscher zum trocknen
O2-Sensoren
Füllstandsmesser
Zellscanner; "wo sammeln sich die Algen?", sollte "oben" sein, Algen sollten auf Schwerkraftwirkung reagieren
Temperatursensoren
Flusssensoren ("funktionieren die Pumpen")
Lüftersensoren
Ein wichtiger Aspekt ist Houskeeping-Daten zu sammeln, damit man immer versteht was passiert.
Selbst wenn der Versuch scheitert oder der Druckbehälter undicht wird, will man zumindest wissen warum.

Der Versuchsaufbau steckt in einem Kohlefaserdrucktank, welcher für die zwei Versuche innen halbiert ist.
Genaugenommen sind es Viertel (2 x 2 Viertel).
Es gibt 2 Gewächshäuser, jeweils trapezförmig und 6 Tomaten(samen) pro Gewächshaus.
Die Elektronik ist am Deckel bzw. Boden des tonnenförmigen Druckbehälters angebracht.
Die Elektronik muss mit Lüftern gekühlt werden (keine passive Kühlung ohne Schwerkraft, künstliche Schwerkraft reicht nicht aus).

Je ein Vergleichsgewächshaus am Boden startet den Versuch parallel, um die Unterschiede aufzeigen zu können.

Der Start erfolgt voraussichtlich im Frühjahr 2017 auf einer Falcon 9 in Californien in eine sonnensynchrone polara Umlaufbahn, bei rund 600 km Flughöhe.
Der Satellit sol 14 Monate im All aktiv sein.
Zwei Monate Inbetriebnahme und Test und 6 Monate bei "Mondschwerkraft", 6 Monate bei "Marsschwerkraft".
Zur Vermeidung von Weltraummüll soll er spätestens in 25 Jahren verglühen.

Damit war im Wesentlichen der Vortrag zu Ende.
Danach gab es eine ausführliche Frage- und Antwortenrunde.
Dabei wurden (neben Ausflügen in die chinesische Urinwirtschaft) auch Fragen wie folgt beantwortet:
Wie erfolgt die Lagekontrolle des Satelliten und wie kommt er auf seine Rotationsgeschwindigkeit?
Warum verwendet man einen eigenen Satelliten und geht nicht auf die ISS?
Warum Tomaten?
Eiert der Satellit beim Umpumpen des Wassers?
Wie hört der Versuch auf?
Wann und Wo kann man den ganzen Vortrag herunterladen?

Alle diese und weitere Fragen wurden beantwortet, dazu schreibe ich aber erst morgen was.

Jetzt ist es mir zu spät.

Bis morgen und gute Nacht
Rücksturz

<edit Rechtschreibung korrigiert und editiert>
« Letzte Änderung: 09. Dezember 2014, 21:05:19 von Rücksturz »

Offline Rücksturz

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #23 am: 10. Dezember 2014, 18:38:37 »
Frage- und Antwortrunde:

Wie erfolgt die Lagekontrolle des Satelliten und wie kommt er auf seine Rotationsgeschwindigkeit?


Der Satellit ist ein sog. magnetic Tourquer, d.h.die Lagekontrolle erfolgt mit drei langen Elektromagneten (in den Raumachsen angeordnet).
Der Satellit richtet sich an den Magnetfeldlinien der Erde aus und wird nicht nur in 3 Achsen stabilisiert sondern dadurch auch in Rotation versetzt.
Er verfügt über keine Kaltgasdüsen oder ähnliches.
Die Stabilisierung mit der systematischen Erzeugung von Magnetfeldern bedeutet eine minimale Krafteinwirkung über lange Zeit.
Diies verglich Herr Strauch mit dem Versuch eine Waschmaschine durch anblasen zu bewegen.  ::)
Der Satellit Eu:CROPIS dürfte mit einer der größten Satelliten sein, bei der die Lagekontrolle ausschließlich als magnetic Torquer erfolgt.

Ich habe folgende Frage gestellt:

Warum verwendet man einen eigenen Satelliten und geht nicht auf die ISS?

Wobei mich diese Antwort dann doch überrascht hat.

Hauptproblem ist das notwendige Mitführen und Umwälzen von 11 l Wasser!  :o
Das würde mindestens ein Doublecontainment, evlt. sogar ein Triplecontainement erfordern.
Man hat auf der ISS erhebliche Bedenken gegenüber größeren Mengen Wasser.
Eine entsprechende Abschottung gegen Wasservelust wäre aber sehr schwer und damit wieder sehr teuer.
Darüber hinaus gibt es weitere Argumente, welche gegen die ISS sprächen.
Es gibt nur wenige Gelegenheiten für Forschungsanträge aufgenommen zu werden (oder mitzufliegen? das habe ich nicht ganz verstanden),
es dauert sehr lange im Vorlauf, die Kosten sind relativ hoch und man ist nicht der einzige Herr an Bord.
Letztendlich hofft man günstiger und schneller zu sein und das machen zu können was man will.
Wobei das mit dem schneller relativ ist, nachdem der Start sich schon nach 2017 verschoben hat.
Allerdings habe ich vergessen nach dem Grund für die Verschiebung zu fragen.

Weitere Fragen und Antworten folgen bald.
Grüße Rücksturz

Offline Rücksturz

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Re: Eu:CROPIS
« Antwort #24 am: 11. Dezember 2014, 19:58:26 »
Warum verwendet man Tomaten?

Die Universität von Utah hat spezielles Zwerggemüse gezüchtet, welches für die Verwndung in der Raumfahrt z.B. auf der ISS gedacht ist.
Diese Pflanzenart ist also schon verfügbar.
Leider habe ich es nicht geschafft mir die anderen Feldfrüchte zu merken bzw. aufzuschreiben, welche die Uni von Utah noch im Portfolio hat (evtl. weiß Raffi das noch?).
Auf jeden Falls stammen von dort die Tomatensamen bzw. deren Folgegeneration, welche bei Eu:CROPIS mitfliegen sollen.
Vorteil ist, dass nicht erst eine spezielle "Standard-(Tomaten)Pflanze" gezüchtet werden muss.

Eiert der Satellit beim Umpumpen des Wassers?

Im Prinzip ja!
Um diese Wirkung zu minimieren hat man sich über Form und Positionierung der Wassertanks und der wasserführenden Bauteile viele Gedanken gemacht.
Die Form des Tanks wurde speziell angepasst, um die Lageregelung zu vereinfachen.
Die Abweichungen, die trotzdem nicht ganz zu vermeiden sind, müssen durch die Lageregelung (magnetic Tourquer) ausgeglichen werden.


Wie hört der Versuch auf (Pflanzen kann man ja nicht einfach abschalten)?

Das Pflanzenwachstum endet weitgehend mit dem Ausschalten des Lichts.
Die Pumpen werden ebenfalls ausgeschaltet.
Beide Versuchshälften sind hermetisch voneinander getrennt.
Nach 2 Monaten Inbetriebnahme + 2 x 6 Monaten Versuchsbetrieb wird die elektrische Versorgung deaktiviert.
Batterieen etc. werden entladen und der Satellit passiviert.
Möglicherweise "gammelt" das organische Material noch etwas weiter, aber das ist kein Versuchsbestandteil mehr, das wird ignoriert.
Nach spätestens 25 Jahren sollte der Satellit über die Restatmosphäre soweit abegbremst und abgesenkt sein, dass er in der Atmosühäre verglüht.


Wie verhindert man, dass der Satellit, der in seiner sonnensynchroner Bahn immer von der Sonne beschienen wird, überhitzt?

Die Thermalkontrolle erfolgt im wesentlichen passiv, d.h. durch einen speziellen Anstrich (ich hätte das Mockup auf dem gezeigte Foto als grau, evtl. beige beschrieben), der kontrollierten Ausrichtung des Satelliten und die Rotation.
Im Druckbehälter sorgen Ventilatoren für eine Umwälzung der Luft.
Hinzu kommt der eigene Wärmeumsatz aus ca. 60 W elektrischem Energieverbrauch.
Letztendlich geht man davon aus, dass während der Versuchsphase nie Temperaturen unter -5°C auftreten.


Was machen die Wissenschaftler bis der Satellit startet?

Was machen die Wissenschaftler während des Fluges (beim Warten auf Daten)?

Es werden vor dem Start Versuche mit Prototypen am Boden durchgeführt, um z.B. die genauen Mengen an Wasser und anderen Stoffen zu ermitteln und die abzuarbeitenden Prozessschritte festzulegen.
Während des Fluges werden parallele Versuche mit Samen aus der gleichen Charge durchgeführt, um die Unterschiede ermitteln zu können.
Da der Versuch mit "Marsschwerkraft" erst rund 8 Monate nach dem Start beginnt, sind diese Samen schon etwas älter.
Deshalb startet man auch hierzu den Vergleichsversuch auf der Erde mit gleich alten Samen zur gleichen Zeit.

Wann und Wo kann man den ganzen Vortrag herunterladen?

Auf fau.tv in ca. einer Woche (das Filmmaterial muss erst geschnitten werden).
Oder demnächst unter diesem Link:
http://www.video.uni-erlangen.de/course/id/291.html

Falls jemand noch Fragen hat, nur zu.
Ich habe auch die Email-Adresse von Herrn Strauch, evtl. könnte man bei ihm noch Fragen stellen.

Viele Grüße
Rücksturz

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