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Autor Thema: AerojetRocketDyne AR-1  (Gelesen 4381 mal)

Offline tobi

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AerojetRocketDyne AR-1
« am: 11. Juni 2014, 22:12:44 »
AerojetRocketdyne hat das Konzept ihres RD-180 Ersatz vorgestellt:
http://aviationweek.com/defense/aerojet-rocketdyne-targets-25-million-pair-ar-1-engines

Das AR-1 Triebwerk soll 20-25 Millionen Dollar pro Paar kosten, also jedes individuell ca. 10-12.5 Millionen Euro. Es benutzt Kerosin und LOX. Entwicklung soll 800-1000 Millionen Dollar kosten, Zeitraum 4 Jahre ab Auftrag. Ein Triebwerk hat 500.000 lbf also ca. 2,2 MN Schub. Performance besser als RD-180 (Isp).

Zitat
Such an engine is eyed for United Launch Alliance’s (ULA) Atlas V rocket as well as Orbital’s Antares and, possibly, Space Exploration Technology’s Falcon 9 v1.1.
Man sieht mehrere Märkte, nämlich Atlas V, Antares und Falcon 9. Kommentar: Atlas V ist realistisch, Antares zweifelhaft und Falcon 9 passiert nicht.

Die Falcon 9 hat 5,8 MN Startschub. Sie bräuchte 3 Triebwerke, das würde also ca. 30-37.5 Millionen Dollar kosten und bei Rocketdyne hält man sich für konkurrenzfähig... ;D

Zitat
Including legacy systems and various risk-reduction projects, Aerojet Rocketdyne has spent roughly $300 million working on technologies that will feed into the AR-1, Seymour said during a June 3 roundtable with Aviation Week editors.
Inklusive alter Projekte und Risikominimierungsprojekte hat AerojetRocketdyne bisher 300 Millionen Dollar ausgegeben, diverse Technologien zu entwickeln, die ins AR-1 einfließen sollen.

Also dann: möge die bessere Lobby ähh das bessere Konzept gewinnen. Raptor vs. AR-1. Methan vs. Kerosin.

Der Preis für den besten Namen geht schonmal nicht an AerojetRocketdyne...

Führerschein

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #1 am: 11. Juni 2014, 23:01:43 »
AerojetRocketdyne hat das Konzept ihres RD-180 Ersatz vorgestellt:
http://aviationweek.com/defense/aerojet-rocketdyne-targets-25-million-pair-ar-1-engines

Das AR-1 Triebwerk soll 20-25 Millionen Dollar pro Paar kosten, also jedes individuell ca. 10-12.5 Millionen Euro. Es benutzt Kerosin und LOX. Entwicklung soll 800-1000 Millionen Dollar kosten, Zeitraum 4 Jahre ab Auftrag. Ein Triebwerk hat 500.000 lbf also ca. 2,2 MN Schub. Performance besser als RD-180 (Isp).

Zitat
Such an engine is eyed for United Launch Alliance’s (ULA) Atlas V rocket as well as Orbital’s Antares and, possibly, Space Exploration Technology’s Falcon 9 v1.1.

Wenn sie das leisten können, kann man ihnen gratulieren. Das wäre ein Ersatz für das RD-180 ohne Bindung an eine Lizenzproduktion, preislich und im Zeitrahmen gleichauf mit Lizenzbau des RD-180. Das wäre eine wirklich gute Leistung, denn das RD-180 gilt als Triebwerks-Spitzentechnik. Dann muß nur noch die Zuverlässigkeit stimmen und warum nicht, bei den modernen Fertigungsmethoden?

ULA müßte eigentlich von der Verpflichtung befreit werden, für den gesicherten Zugang zum Weltraum für das Militär zwei Systeme vorzuhalten, sobald Falcon 9 qualifiziert ist. Natürlich dann auch ohne die Milliarde pro Jahr, die im Augenblick dafür bezahlt wird. Dafür könnte ULA dann die bessere und preisgünstigere Atlas V weiterfliegen und Delta IV einstellen.

Ein Grund für das Militär, ein neues Methantriebwerk, ggf. von SpaceX bauen zu lassen, würde damit auch entfallen. Ein Grund mehr für ULA, sich da mit zu engagieren.



ULA könnte die Atlas V weiterfliegen

Offline Ruhri

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #2 am: 12. Juni 2014, 15:10:40 »
[...]

ULA müßte eigentlich von der Verpflichtung befreit werden, für den gesicherten Zugang zum Weltraum für das Militär zwei Systeme vorzuhalten, sobald Falcon 9 qualifiziert ist. Natürlich dann auch ohne die Milliarde pro Jahr, die im Augenblick dafür bezahlt wird. Dafür könnte ULA dann die bessere und preisgünstigere Atlas V weiterfliegen und Delta IV einstellen.

Ein Grund für das Militär, ein neues Methantriebwerk, ggf. von SpaceX bauen zu lassen, würde damit auch entfallen. Ein Grund mehr für ULA, sich da mit zu engagieren.

ULA könnte die Atlas V weiterfliegen

Nur mal zur Erinnerung: Die ULA baut keine Raketen, sondern startet sie nur für ihre beiden Muttergesellschaften. Wenn also die ULA-Zwei-Träger-Strategie von Regierungsseite aus beendet werden sollte, würde wohl eher die ganze ULA eingestellt werden.

Führerschein

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #3 am: 12. Juni 2014, 16:08:07 »

Nur mal zur Erinnerung: Die ULA baut keine Raketen, sondern startet sie nur für ihre beiden Muttergesellschaften. Wenn also die ULA-Zwei-Träger-Strategie von Regierungsseite aus beendet werden sollte, würde wohl eher die ganze ULA eingestellt werden.

Doch, ULA baut schon, jedenfalls den Teil, den die Muttergesellschaften vorher gebaut haben. Sehr viel wird extern zugekauft und von ULA integriert.

Ob ULA weiter existieren kann, wenn eine der beiden Raketenlinien eingestellt wird, kann ich nicht sagen. Die Konstruktion von ULA ist so einfach nur existenzfähig, wenn sich nichts am Markt ändert. ULA könnte vieles. Offensichtlich haben sie erstklassige Entwicklungsingenieure. Aber was sie dürfen? Vieles offenbar nicht.


Offline MR

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #4 am: 12. Juni 2014, 19:22:29 »
Wenn man das preislich und technisch hinbekommt, wäre das wirklich eine sehr gute Leistung. Auch der Preis geht in Ordnung. Wenn man nicht jedes Triebwerk einzeln kauft, sondern eine vernünftige Blockabnahme vereinbart, sind 20 Mio durchaus möglich. Viel billiger würde es auch in Russland nicht. Aktuell zahlt ULA 10 Mio für das RD-180. Das ist aber schon lange kein realistischer Preis mehr, sondern liegt durch die jahrelange hohe Inflation in Russland mittlerweile sogar unter den Herstellungskosten. Zumindest hat der Hersteller des RD-180 im letzten Jahr Verlust geschrieben, der zu einem nicht unerheblichen Teil auf das RD-180 zurückzuführen ist. Verlängert man den Vertrag und lässt weiter in Russland fertigen, steigt der Preis für das RD-180 deutlich.

Die Leistungsdaten des Triebwerks dürften möglich sein. Das RD-180 ist zwar immer noch Spitze, die Technik ist aber auch schon 30 Jahre alt, immerhin stammt das RD-180 vom RD-170 ab, das für die Energija entwickelt wurde. Dank computergestützter Entwicklung und moderner Fertigungsverfahren halte ich eine moderate Leistungssteigerung bei einem komplett neu entwickelten Triebwerk wie dem AR-1 durchaus für möglich. Interessant ist auch, dass es sich offenbar um komplett getrennte Triebwerke handelt. Das RD-180 ist dagegen EIN Triebwerk, das lediglich zwei Düsen besitzt.

Ob Rocketdyne gegenüber SpaceX konkurrenzfähig ist, lässt sich kaum einschätzen. Wir kenne die Herstellungspreise des Merlin nicht. Wenn man aber davon ausgeht, das die Triebwerke das teuerste an einer Rakete sind und die NASA und das DoD schon jetzt ca. 100 Mio für eine Falcon 9 hinlegen müssen, kann es durchaus sein, das der Abstand geringer ist, als viele glauben. Allerdings lassen sich die Kosten nur sehr schwer vernünftig vergleichen, weil SpaceX im eigenen Haus fertigt, ULA das AR-1 aber zukauft. Aktuell kann auch noch keiner sagen, ob die Fertigung von bis zu 20 AR-1 Triebwerken Auswirkungen auf die Preise des RL-10 hat.

Was das jetzt mit Lobbyarbeit zu tun hat, ist mir nicht klar. Wenn hier Lobbyarbeit betrieben wird, dann zu aller erst von SpaceX, die gerne hätten, das ihnen das DoD die Entwicklung ihres Raptors bezahlt. Wenn sich das DoD aber dagegen entscheidet und das AR-1 entwickeln lässt, dann hat das nichts mit besserer Lobby zu tun, sondern ist ausschließlich eine Frage des gesunden Menschenverstandes. Methan ist eine Sackgasse. Natürlich wird SpaceX nach einer Entscheidung für das AR-1 ganz, ganz traurig sein und wieder gegen Gott und die Welt klagen. Denn ohne DoD wird aus dem aggressiven Raptor nur ein zahnloser Pinguin, weil sich SpaceX die Entwicklung des Raptor gar nicht leisten kann.

McFire

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #5 am: 12. Juni 2014, 21:00:11 »
Zitat
Methan ist eine Sackgasse.
Kann man das jetzt hier und heute schon so sagen? Mit welchen Belegen ?

Führerschein

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #6 am: 12. Juni 2014, 21:15:12 »
Bei NSF ist kurzfristig eine Seite aus der aktuellen Aviation Week aufgetaucht, aber aus Urheberrechtsgründen schnell wieder verschwunden. Leider wohne ich in der tiefsten Provinz, in Berlin. Eine halbtägige Rundreise um die Aviation Week in Berlin aufzutreiben ist gescheitert. Online finde ich auch nur ein Abonnement für über 200€. Online gibt es den Artikel auch, aber auch da hinter Paywall und nicht einzeln bezahlbar, nur als Abonnement. Morgen versuche ich es nochmal bei meinem Zeitungshändler, vielleicht kann der sie bestellen.

In dem Artikel werden Raptor und AR-1 verglichen. Die Daten für Raptor stammen aus der Präsentation von Tom Mueller in (Köln?) vor kurzem.

Danach sollen schon 300 Millionen Dollar für die Vorbereitung der AR-1 ausgegeben worden sein.

Das wurde dann aber bisher gut geheimgehalten. Mir fiel auf, daß für AR-1 noch keine Angaben über erreichbares ISP gemacht wurden. Ich hatte frühere Beschreibungen zu RP-1 Triebwerken so verstanden, daß das ISP von RD-180 nur mit sauerstoffreicher Verbrennung wie im RD-180 erreichbar sind.

Offline MR

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #7 am: 13. Juni 2014, 00:55:47 »
Zitat
Methan ist eine Sackgasse.
Kann man das jetzt hier und heute schon so sagen? Mit welchen Belegen ?

Ja, kann man. Zuerst braucht man sich nur mal den Isp ansehen, den spezifischen Impuls, die Kenngröße für die Effizienz. Er ist etwas größer als bei Kerosin (300 ms). In einer Unterstufe kommt das allerdings kaum zum Tragen, nicht umsonst verwenden viele Raketen Feststoffbooster mit weit schlechterem Isp. Methan bedingt in der Unterstufe mehr Aufwand, ohne das dabei der etwas höhere Isp einen Vorteil bringen könnte. In der Oberstufe dagegen, wo der Isp voll zum Tragen kommt, liegt Methan 800-900 ms hinter Wasserstoff. Wasserstoff ist zwar noch etwas aufwendiger, angesichts der deutlichen Überlegenheit lohnt sich das aber dennoch.

Daneben gibt es mit Methan kaum Erfahrungen. Man hat zwar in den USA mal einige Testreihen mit umgerüsteten RL-10 Triebwerken der Centauer gefahren, aber das ist über 40 Jahre her. Dabei ist das RL-10 lediglich ein kleines Oberstufentriebwerk. Mit größeren Triebwerken, wie man sie in der Unterstufe einsetzt, hat man nie irgendwelche Tests durchgeführt. Es hat darüber hinaus nie einen praktischen Einsatz von Methan gegeben.

Die USA haben aktuell folgendes Problem: Das Triebwerk für ihren wichtigsten Träger wird in Russland gebaut. Ein weiterer Bezug nach dem Ende des aktuellen Vertrags ist aus finanziellen und politischen Gründen nicht mehr machbar. Also brauchen sie möglichst schnell ein alternatives Triebwerk aus dem eigenen Land, am besten eins mit ähnlichen Leistungswerten, damit keine aufwendigen Änderungen an der Grundstufe der Atlas nötig werden. Da macht man keine Experimente mit einem komplett anderen Treibstoff, mit dem es zudem keinerlei Erfahrungen gibt. Bei einer konventionellen Wegwerfrakete macht Methan keinen Sinn und bringt keinen Vorteil. Das mag bei Flügen zum Mond oder Mars anders aussehen, aber diese Frage stellt sich aktuell nicht.

Offline Ruhri

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #8 am: 13. Juni 2014, 08:40:42 »
Doch, ULA baut schon, jedenfalls den Teil, den die Muttergesellschaften vorher gebaut haben. Sehr viel wird extern zugekauft und von ULA integriert.

Ob ULA weiter existieren kann, wenn eine der beiden Raketenlinien eingestellt wird, kann ich nicht sagen. Die Konstruktion von ULA ist so einfach nur existenzfähig, wenn sich nichts am Markt ändert. ULA könnte vieles. Offensichtlich haben sie erstklassige Entwicklungsingenieure. Aber was sie dürfen? Vieles offenbar nicht.

Die Bezeichnung "integriert" meint aber doch normalerweise den Zusammenbau von Nutzlast und Trägerstufen, oder? Demzufolge wäre Arianespace auch ein Raketenbauer (Ariane, Vega und Sojus), aber die meisten würden sicherlich nicht soweit gehen. Aber gut, es mag natürlich sein, dass die ULA erheblich mehr an den Trägern herum schraubt.

Entscheidend ist aber, dass es für Boeing keinen Grund mehr gäbe, an dem Joint Venture ULA festzuhalten, wenn die Delta IV aus deren Portfolio fliegen sollte.

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #9 am: 13. Juni 2014, 08:47:44 »
Zitat
Methan ist eine Sackgasse.
Kann man das jetzt hier und heute schon so sagen? Mit welchen Belegen ?

Ja, kann man. Zuerst braucht man sich nur mal den Isp ansehen, den spezifischen Impuls, die Kenngröße für die Effizienz. Er ist etwas größer als bei Kerosin (300 ms). In einer Unterstufe kommt das allerdings kaum zum Tragen, nicht umsonst verwenden viele Raketen Feststoffbooster mit weit schlechterem Isp. Methan bedingt in der Unterstufe mehr Aufwand, ohne das dabei der etwas höhere Isp einen Vorteil bringen könnte.

Es bringt schon deutliche Vorteile, allerdings ist schwaches ISP bei der ersten Stufe leichter durch Masse ausgleichbar.

In der Oberstufe dagegen, wo der Isp voll zum Tragen kommt, liegt Methan 800-900 ms hinter Wasserstoff. Wasserstoff ist zwar noch etwas aufwendiger, angesichts der deutlichen Überlegenheit lohnt sich das aber dennoch.

Wasserstoff ist nach einhelliger Meinung der Experten nicht etwas, sondern sehr viel aufwändiger. Zusammen mit dem erforderlichen riesigen und stark isolierten Tank wird der ISP-Vorteil zumindest zweifelhaft. Zumindest wenn Systemkosten mit berücksichtigt werden.

Daneben gibt es mit Methan kaum Erfahrungen. Man hat zwar in den USA mal einige Testreihen mit umgerüsteten RL-10 Triebwerken der Centauer gefahren, aber das ist über 40 Jahre her. Dabei ist das RL-10 lediglich ein kleines Oberstufentriebwerk. Mit größeren Triebwerken, wie man sie in der Unterstufe einsetzt, hat man nie irgendwelche Tests durchgeführt. Es hat darüber hinaus nie einen praktischen Einsatz von Methan gegeben.

Das ist teilweise richtig. Es gibt Erfahrungen mit Methan, aber noch nicht bei so großen Triebwerken. Da Methan aber bei der Verbrennung Vorteile aufweist, lohnt es sich, jetzt in Zukunftstechnik zu investieren. Triebwerksentwicklung ist mit heutigen Computersimulationen und allgemeinen Erfahrungen nicht mehr annähernd so aufwändig und riskant, wie es mal war.

Die USA haben aktuell folgendes Problem: Das Triebwerk für ihren wichtigsten Träger wird in Russland gebaut. Ein weiterer Bezug nach dem Ende des aktuellen Vertrags ist aus finanziellen und politischen Gründen nicht mehr machbar. Also brauchen sie möglichst schnell ein alternatives Triebwerk aus dem eigenen Land, am besten eins mit ähnlichen Leistungswerten, damit keine aufwendigen Änderungen an der Grundstufe der Atlas nötig werden. Da macht man keine Experimente mit einem komplett anderen Treibstoff, mit dem es zudem keinerlei Erfahrungen gibt.

Da ist was dran. Die Entwicklung eines RP-1 Triebwerkes könnte schneller gehen, als der Bau eines Methantriebwerkes und einer neuen Erststufe. Man legt sich damit allerdings auf lange Zeit wieder auf die Atlas V fest, mit ihrem komplizierten und teuren Padhandling, statt die Gelegenheit zu nutzen, ein neues effizienteres System zu entwickeln. Umfassende Qualifikationstests braucht man trotzdem mit dem neuen Triebwerk. Allerdings nicht so viel wie für einen komplett neuen Träger.

Bei einer konventionellen Wegwerfrakete macht Methan keinen Sinn und bringt keinen Vorteil. Das mag bei Flügen zum Mond oder Mars anders aussehen, aber diese Frage stellt sich aktuell nicht.

Ich würde es nicht so absolut ausdrücken, aber der Vorteil bei einer Wegwerfrakete ist wirklich nicht so groß wie bei einer wiederverwendbaren Rakete. Die Zeit der Wegwerfraketen endet aber, auch wenn viele es noch nicht wahrhaben wollen. Die Frage von Flügen zum Mond oder Mars stellt sich aktuell sehr wohl, zumindest für SpaceX.

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #10 am: 13. Juni 2014, 08:55:23 »
Die Bezeichnung "integriert" meint aber doch normalerweise den Zusammenbau von Nutzlast und Trägerstufen, oder? Demzufolge wäre Arianespace auch ein Raketenbauer (Ariane, Vega und Sojus), aber die meisten würden sicherlich nicht soweit gehen. Aber gut, es mag natürlich sein, dass die ULA erheblich mehr an den Trägern herum schraubt.

Vielleicht ist integriert nicht der richtige Begriff. Boeing und Lockheed Martin bauen aber nicht mehr für die Raketen. Das ist alles in ULA aufgegangen. ULA baut die Raketen. Jedenfalls sagt Jim das eindeutig so, wenn die Diskussion darauf kommt. Er sollte es eigentlich wissen.


ULA does the same thing for Atlas as it does for Delta and does more than launch operations.  ULA is responsible for the design, development, manufacturing and operations of Atlas and Delta.  LM and Boeing have no role (especially engineering) other than commercial marketing and manning the ULA board of Directors.

Upgrades in work such as common upperstage engine, common avionics, common payload adapters, and maybe common upperstage, are all performed by ULA without engineering support from Boeing and LMULA is a completely autonomous joint venture.

Entscheidend ist aber, dass es für Boeing keinen Grund mehr gäbe, an dem Joint Venture ULA festzuhalten, wenn die Delta IV aus deren Portfolio fliegen sollte.

Vielleicht eher für Boeing als für Lockheed Martin. Denn solange ULA weiter baut und fliegt, werden auch die Gewinne aufgeteilt. Aber ich sagte ja schon, es ist zweifelhaft, ob die Konstruktion ULA mit all ihren Schwächen, Einschränkungen und Begrenzungen dann noch Sinn macht.

Offline Doc Hoschi

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #11 am: 13. Juni 2014, 09:18:13 »
Wie man's eben nimmt:
 Auf der ULA-Seite heißt es:
Zitat
Manufacturing, assembly and integration operations are located at Decatur, Ala., and Harlingen, Texas.
Googelt man die Fertigungsstelle Decatur nach, sieht man einen Hallenkomplex, auf dem fett "Boeing" steht.
Zu Harlingen habe ich keine Aufnahmen gefunden, aber wundern würde es mich nicht, wenn da am Ende Lockheed Martin stehen würde.

Edit: Sehe gerade, dass Lockheed Martin in Harlington ist....;)
Douglas Adams: "In an infinite universe, the one thing sentient life cannot afford to have is a sense of proportion."

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #12 am: 13. Juni 2014, 09:32:16 »
Wie man's eben nimmt:
 Auf der ULA-Seite heißt es:
Zitat
Manufacturing, assembly and integration operations are located at Decatur, Ala., and Harlingen, Texas.
Googelt man die Fertigungsstelle Decatur nach, sieht man einen Hallenkomplex, auf dem fett "Boeing" steht.
Zu Harlingen habe ich keine Aufnahmen gefunden, aber wundern würde es mich nicht, wenn da am Ende Lockheed Martin stehen würde.

Edit: Sehe gerade, dass Lockheed Martin in Harlington ist....;)

Das sagt allerdings auch nichts. Sicher hat man die Produktionsstätten nicht verlegt als sie an ULA übergegangen sind. Die Räumlichkeiten sind dann von ULA gemietet, die Leute sind Personal von ULA.


Offline Doc Hoschi

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #13 am: 13. Juni 2014, 09:58:04 »
Touché, man weiß es eben nicht wirklich. An einer der Hallen in Decatur steht dann wohl wie ich eben gesehen habe auch ULA.
Hast du eigentlich zwischenzeitlich die Seite der Aviation Week aufstöbern können?
Douglas Adams: "In an infinite universe, the one thing sentient life cannot afford to have is a sense of proportion."

Offline tobi

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #14 am: 13. Juni 2014, 10:01:29 »
Die Aviationweek-Seite ist hier, aber noch hinter einer Bezahlsperre:
http://aviationweek.com/awin-only/aerojet-rocketdyne-spacex-square-new-engine-work

Führerschein

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #15 am: 13. Juni 2014, 10:09:30 »
Hast du eigentlich zwischenzeitlich die Seite der Aviation Week aufstöbern können?

Nein, ich will heute mal bei meinem Zeitschriftenhändler fragen, aber viel Hoffnung habe ich nicht.

Die Aviationweek-Seite ist hier, aber noch hinter einer Bezahlsperre:
http://aviationweek.com/awin-only/aerojet-rocketdyne-spacex-square-new-engine-work

Ja, das hatte ich gefunden. Leider ist es auch da so, daß man nicht per Artikel bezahlen kann. Man muß ein Abonnement haben.

Ich habe aber gerade bei NSF gelesen, daß die Artikel irgendwann freigegeben werden. Auf der Seite, die ich gesehen habe, waren viele detaillierte Informationen. Ich frage mich aber, warum da keine ISP-Werte für das AR-1 angegeben wurden. Wenn sie da die Werte des RD-180 nicht erreichen, nutzt so ein Triebwerk nicht viel als direkter Ersatz.

Offline Martin

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #16 am: 13. Juni 2014, 10:24:56 »
Zitat
Lockheed Martin is committed to delivering the reliability and performance of the Atlas V product to the commercial market, both domestic and international. Lockheed Martin Commercial Launch Services (CLS), has the responsibility for all Atlas commercial launch service contracts, and performs marketing, sales and mission management for commercial Atlas missions.

CLS employs the full strength of the Atlas program, Space Systems Company and Lockheed Martin to provide customers with the mission assurance that is associated with Atlas, the world’s most reliable expendable launch vehicle. Atlas is manufactured by United Launch Alliance, a joint venture between Lockheed Martin and The Boeing Company, formed in December 2006.

http://www.lockheedmartin.com/us/products/atlas.html

Atlas V: Herstellung durch ULA, kommerzielle Vermarktung durch Lockheed Martin Commercial Launch Services (CLS).
Dein Posting kommt ohne Sand nicht an sein Ziel. Wir sind überall. Deine Geo- & Montanwissenschaften | www.wir-sind-ueberall.de

Online TWiX

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Re: AerojetRocketDyne AR-1
« Antwort #17 am: 13. Januar 2021, 12:10:23 »
Man hat zwar noch keinen Kunden, allerdings ist der Zusammenbau des ersten Triebwerks mittlerweile abgeschlossen. Der nächste Schritt sind jetzt Tests, diese sollen wohl in Stennis durchgeführt werden
   
Zitat
the 500,000-pound thrust AR1 is the first oxygen-rich staged combustion kerosene engine of this class built in the United States.
Wenn man nur eng genug fasst, ist alles irgendwie ein Novum...

Man hofft zwar mit dem AR-1 auf eine Zukunft im mittleren Trägerraketen-Segment, allerdings will ich das nicht so ganz glauben, höchstens Firefly mit ihrer Beta wären eventuell gegenwärtig eine Option
Quelle: https://spacenews.com/aerojet-rocketdyne-completes-assembly-of-its-first-ar1-rocket-engine/

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